Mein Leben, meine Geschichte

Mein Leben, meine Geschichte

Luise Hultsch


EUR 13,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 54
ISBN: 978-3-99048-807-2
Erscheinungsdatum: 02.05.2017
Als die Hündin Fratzi in die Hände fieser Hundediebe gerät, tut Maria alles, um sie zu retten. Zu ihrem Geburtstag tritt die Islandstute Leikna in ihr Leben und verschönert dieses - doch es warten einige Herausforderungen auf sie, nicht zuletzt im Reitlager.
Kapitel 1 - Julias Fratzi

Hallo, ich heiße Maria. Ich bin elf Jahre alt und habe zwei Schwestern und drei Brüder. Meine Brüder heißen Franz, Ewald und Leon. Meine Schwestern heißen Julia und Zelina. Leon ist mein ältester Bruder und Julia ist die Älteste von uns Schwestern. Meine Eltern heißen Jessica und Tobias.
Julia hat bald Geburtstag. Sie wünscht sich ein dickes Buch, eine Barbie, ein Spiel, eine Taschenlampe und ein Geschichtenheft, weil sie gerne Geschichten schreibt. Mutter und ich hatten gerade den Frühstückstisch gedeckt, als Julia in die Küche stürmte. Mama sagte: „Weck mal die anderen!“ „Mama, du meinst die Schlafmützen?“, antwortete darauf meine Schwester. „Ja, sagte Mama belustigt.
Als wir alle gegessen hatten, zog sich Julia schnell die Jacke über und lief zu ihrer Freundin. Dort spielte sie bis zum Mittag. Als Julia nach Hause kam, sagte sie „Hallo, Mama!“ Mich schien sie eher nicht zu beachten. „Der Hund von Annegret hat zwei Hundebabys, ein schwarzes und ein weißes. Mama, ich wünsche mir auch mal einen Hund. Das ist mir viel lieber als alle anderen Dinge. Und ich habe mit ihnen gespielt. Die Mama von den Hundebabys heißt Victoria. Ich frage mich, wieso wir keinen Hund haben können?“ Mama antwortete darauf: „Fütterst du einen Hund? Du kannst ja auch mal die Schweine füttern. Die Schafe kannst du auch auf die Weide bringen, warum sollte das immer nur Maria machen?“ „Aber Mama, ich möchte doch die Schafe auf die Weide bringen“. Na toll, jetzt werde ich auch noch überhört, denn Mama spricht einfach weiter. „Wir haben auch eine Kuh und eine Ziege, die gemolken werden müssen. Und ich glaube, es würde dir sogar irgendwann Spaß machen.“ „Aber ich will nicht mit Ziege oder Schweinen auf die Weide gehen oder Kuh und Schafe füttern!“ Mama ignorierte sie einfach und rief zum Essen. Da kamen Leon, Franz und Zelina angerannt und halfen, den Tisch zu decken, ich war inzwischen nach draußen zu den Tieren gelaufen. Anscheinend suchten mich die anderen, weil ich nicht zum Essen erschien. Ich liebte Tiere und half, wo ich konnte, besonders gerne half ich aber den Tieren. Ich war gerade von Zelina und Mama gefunden worden, als ich bei unserer Ziege war. Und Zelina konnte es sich nicht verkneifen und sprach: „Die Ziege meckert wie ein Plappermaul!“ Sie ignorierend fragte ich: „Bekomme ich einen Krug zum Melken der Ziege? Hunger habe ich keinen.“ „Ja, gerne“, sagte Mama. Als ich fertig war mit dem Melken, brachte ich die Kuh, die Ziege und die Schafe auf die Weide. Als ich auf der Weide ankam, ließ ich die Tiere grasen, legte mich ins Gras und fing an zu singen:

Die Blumen sind bunt, lalalalala
sie blühen auf der Weide
Die Vögel zwitschern, tralalala, tralalala
Die Schmetterlinge fliegen über Blumen und Wiesen …

Ich hatte mir das Lied selbst ausgedacht und sang es sehr gerne, so sang ich es immer wieder. Als ich nach Hause kam, waren nur Mama, Papa und Ewald da. Mama musste noch Geschirr abwaschen, Papa war unser Tischler und musste eine Zeichnung für eine Tür anfertigen, Ewald schlief wohl.
Ich rief Mama zu: „Mama, ich bringe jetzt die Tiere in die Ställe!“ „Putzt du die Ställe vorher noch?“, rief Mama mir nach. „Ja.“ Als ich damit fertig war, die Ställe zu reinigen und ich mich gewaschen hatte, ging ich mit Miruna, meiner Freundin, spielen, aber ich durfte nur bis sieben bleiben, denn um sieben Uhr gab es Abendessen. Also durfte ich zwei Stunden bleiben. Bald wurde es Abend. Da ging ich nach Hause, um zu Abend zu essen. Später erzählte Papa etwas aus der Bibel. Dabei schlief Zelina fast ein. Julia war schon längst eingeschlafen. Als die Erzählung zu Ende war, brachte Papa alle ins Bett. Ich sagte zu Papa noch: „Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.“ Und dabei zwinkerten wir uns an. In den nächsten Tagen hatte Julia endlich Geburtstag. Als der Tag da war, weckten wir Julia und vor ihrem Bett sangen wir „Heute mag es regnen, stürmen oder schnei’n …“
Später am Geburtstagstisch gab ich ihr ein dickes Geschenk und sagte: „Zum Geburtstag, Sonnenschein!“ Julia öffnete das Geschenk. Darin befanden sich ein Geschichtenheft und ein Buch. Die Geschichte hieß „Stress mit Wes“. Und von Leon bekam sie eine Taschenlampe und eine Schokolade. Ewald schenkte ihr ein selbst gemaltes Bild, Franz einen schönen Anhänger zu einer passenden Kette. Zelina gab ihr etwas ganz Besonderes; ein Jojo, das sich Julia schon lange gewünscht hatte und das sich deswegen nicht mehr auf ihrer Wunschliste befand. Mama und Papa schenkten Julia ein Fahrrad. Am Nachmittag kam Annegret und hatte einen Karton mit Löchern dabei. Und wir ahnten alle, was darin war, und da hörten wir es auch schon, ein leises Japsen und Winseln. Julia packte das Geschenk vorsichtig und neugierig aus. Ein kleiner, weißer Hund war es. Später kamen auch die anderen eingeladenen Kinder. Sie spielten, tanzten und lachten bis zum Abend. Julia freute sich an ihrem weißen, kleinen Hund. Sie sagte zum Welpen: „Dich nenne ich Fratzi!“
Sobald Fratzi aber groß genug war, um zum Beispiel durchs Dorf zu laufen, lief sie mit mir auf die Weide. Eines Tages war Fratzi wieder bei mir auf der Weide, als sie plötzlich in eine Wildererfalle fiel, aus der ich sie nicht befreien konnte. Deshalb holte ich Hilfe, aber als ich mit Verstärkung zurückkam, war sie weg. Julia sagte kein Wort. Ich dachte, sie würde mich anschreien für das, was passiert war. Doch stattdessen sagte Julia: „Du kannst nichts dafür.“ Ich fühlte mich schuldig und suchte Fratzi heimlich in der Nacht. Ich nahm zehn Euro, um den Hund notfalls freikaufen zu können, und eine Taschenlampe mit. Ich ging und ging. Dann sah ich eine Höhle. Ich war schon sehr müde geworden, doch plötzlich hörte ich ein Bellen. Als ich mich umblickte, sah ich zwei Gestalten, die einen Hund an einem Strick hinter sich herzogen. Ich ging näher an sie ran. Doch da hörte ich etwas im Gebüsch neben mir. Ein Schauer durchlief mich. „Er ist uns entwischt!“, schrie jemand. Ich ging leise mit der Taschenlampe zum Gebüsch. Und sah dort … Fratzi!!!! Ich nahm sie und rannte schnell und möglichst leise nach Hause. Meine Familie hatte schon nach mir gesucht; irgendwie hatten sie bemerkt, dass ich fort war. Im Haus fragten sie mich, ob mir etwas passiert sei.


Kapitel 2 - Viele, viele Pfoten

Ich konnte kaum schlafen. Und wusste nicht einmal, wer die Gestalten gewesen waren. Ich erinnerte mich aber noch an den Wutschrei des Einen. Nach ein paar Minuten schlief ich dann doch tief und fest ein. Beim Frühstück erzählte ich alles! Zum Beispiel, wie sie versuchten, Fratzi in einen Käfig zu stopfen. Meine Geschwister wollten die Diebe fangen. Sie konnten Menschen mit solchen Manieren nicht vertragen und hatten dazu noch eine ausgewachsene Abenteuerlust. Ich zeigte ihnen nach dem Essen, wo die Gestalten letzte Nacht gewesen waren. Nicht weit von unserem Standort entfernt sahen wir ein Gelände, das von einer hohen Mauer umgeben war, hinter der sich wohl eine Farm befand, die ich in der Nacht nicht hatte sehen können. Wir hörten lautes Hundegebell. Das Tor war verschlossen. Leon wollte heimlaufen, um sich ein Seil zu holen und die Mauer zu übersteigen. Zum Glück konnten wir ihn davon abhalten. Papa rief die Polizei und führte sie zur Farm, nur Kommissar Hubert und ein Beamter blieben zu Hause bei Mama, die auch mich nach Hause rief, damit ich sozusagen verhört werden konnte; alle anderen waren bei der Farm. Die Beamten wollten die ganze Geschichte hören. So musste ich leider da bleiben. Als die Geschichte sich dem Ende zuneigte, kam Zelina mit einem Border-Collie-ähnlichen Hund auf dem Arm zur Tür herein. Sie sagte: „Ich würde ihn am liebsten behalten! Er heißt Asco. Er ist einer von den Hunden, die wir gefunden haben.“ Hubert, unser Kommissar, lächelte – er mochte Kinder – und sagte: „Aber Zelina, vielleicht gehört der Hund jemandem, und der macht sich bestimmt Sorgen.“ Zelina schwieg. Kommissar Hubert fuhr zu Mama gewandt fort: „Kommst du mit, ich will zur Hundefarm.“ Kommissar Hubert war ein Bekannter unserer Familie.
Daraufhin eilten wir alle zur Farm. Die Polizei hatte die Diebe gefunden und festgenommen. Eines machte uns jedoch Sorgen, wir hatten Ewald aus den Augen verloren. Aber kurz darauf fanden wir ihn wieder, sich am Bein eines Verbrechers festklammernd. Der Dieb war nicht gerade froh darüber, einen kleinen Knirps, der nicht mal zwei Jahre alt war, am Bein hängen zu haben. In diesem Augenblick war es gut, dass die Polizei da war, die den Dieb festhielt und ihm drohte, Ewald ja nichts anzutun. Über diese komische Szene konnten wir nur lachen, besonders die Polizei. Julia knipste noch heimlich ein paar Fotos. Später wurden die Diebe mit dem Gefängnisauto weggefahren. Das war ein aufregender Tag gewesen. Wir gingen bald darauf ins Bett. Die Hunde, die man in Mengen auf der Farm gefunden hatte, blieben bei uns, bis sie wieder zu ihren Besitzern kamen.
Am Morgen waren wir alle sehr müde. Es hatte sich nicht vermeiden lassen, schlecht zu schlafen, da die Hunde ja nicht gerade leise waren. Leon nahm Franz mit zum Einkaufen von Hundefutter. Am Vormittag malten wir Mädchen Plakate, damit die Besitzer ihre Hunde wieder fanden und die Jungs verteilten sie danach überall. Zelina half uns leider nicht dabei. Sie war zu sehr beschäftigt mit Asco. Asco wollte sie nie wieder hergeben, sie lief viel lieber zu unseren Nachbarn, den Sonnebergers. Jonatan, Frau Sonnebergers jüngster Sohn, hatte viel Spaß mit Asco. Es dauerte sehr lange, bis wir mit der Arbeit fertig waren, aber sie machte auch Spaß.
Vier Tage danach stand ein junger Mann vor der Tür, der sagte, sein Hund sei schon seit einiger Zeit spurlos verschwunden. Wir brachten ihn in den Hof, dort waren alle Hunde. Er suchte nicht lange, hob einen Dackel aus der Menge, bedankte sich vielmals und ging. Nach zehn Tagen waren fast alle Hunde wieder bei ihren Besitzern. Wir fanden auch den vermissten Spürhund Schleich. Die Polizei freute sich, ihn wiederzuhaben. Asco war der Letzte, der noch geblieben war. Zu Zelinas Enttäuschung fanden wir bald seine nette Besitzerin. Als sie sah, wie traurig Zelina darüber war, machte sie einen Vorschlag. Sie sagte, dass sie Oscar – so nannte sie Asco – bis zum Ende der Woche noch bei uns lassen würde. „Vielleicht findet ihr ja einen anderen Hund, der klein bleibt und den ich dann nehmen kann. Dann kannst du Oscar behalten, weil er zu groß für meine Wohnung wird. Er ist ja noch ein Welpe“, machte sie Zelina Hoffnung. „Wenn nicht, darfst du Oscar oft besuchen.“
Am nächsten Tag ging ich wieder auf die Weide mit den Schafen. Fratzi kam mit. Auf einmal hörten wir Schreie vom See her, ich rannte schnell hin, Fratzi auch. Am See stand ein kleines Mädchen und ein anderes Mädchen war in den See gefallen. Offenbar konnte keines von beiden schwimmen. Ich lief in den See, um das Mädchen zu retten, Fratzi blieb draußen. Glücklicherweise gelang mir die Rettung und wir gingen nach Hause. Die Schafe trieben wir auch mit. Das Mädchen, das am Ufer gestanden hatte, erzählte mir, dass sie mit einem Ball gespielt hatten und dass dieser dann ins Wasser gefallen war und sie versucht hatten, ihn wieder herauszufischen. Zu Hause bekamen wir einen heißen Kakao zum Aufwärmen. Ich zog mich um und Mutti brachte Sachen von Zelina, die ihr nicht mehr passten, Zelina musste es zulassen. Mutter kannte die Mädchen und brachte sie nach Hause. Als wir uns ins Bett legten, hörte ich Julia noch sagen: „Dir gefallen wohl die Abenteuer!?“ Ich schlief mit einem Lächeln im Gesicht ein.
Nach dem Frühstück am Samstagmorgen kümmerten wir uns um die Tiere. Und es wurde ein besonders schöner Tag, denn eine von unseren Kühen kalbte zum ersten Mal. Ich würde alles geben, damit es den Tieren gut geht, denn ich habe die Tiere in mein Herz geschlossen. Wir redeten viel übers Kalb, denn es war gesund zur Welt gekommen. Annegret kam uns besuchen und wir spielten mit Asco und Fratzi. An diesem Abend verlor Zelina die ganze Hoffnung und weinte um Asco. Julia und ich versuchten, sie zu trösten, aber es gelang uns nicht recht. Am Morgen, nachdem ich bei den Tieren gewesen war, wollte ich eigentlich die Einladungen für meinen Geburtstag machen, aber dazu kam ich nicht, denn Mutti rief: „Du fährst heute reiten, Papa bringt dich!“ „Ja, endlich!“, rief ich. Lange Zeit hatte ich nicht reiten können, weil es zu heiß war oder weil der Hufschmied kam oder ganz einfach die Reitlehrerin keine Zeit hatte. Schnell lief ich zum Auto und wartete auf Paps. Als wir beim Reiterhof ankamen, rannte ich zu meiner Lieblingsstute Fee. Fee war ein weißes Pferd und sie hatte einen ganz leichten Galopp, wie eine Fee. Galoppieren Feen? Neben Fee lag ein schwarzes Fohlen. „Warum ist das Fohlen schwarz?“, fragte ich Denisa, meine Reitlehrerin. „Es kann sein, dass es ein schwarzes Fohlen ist, weil sein Vater Max ist. Es kann auch noch weiß werden, aber wenn ein Fohlen weiß geboren wird, hat es eine rosafarbene, empfindliche Haut, und wenn es dann zu lange in der Sonne steht, kriegt es einen Sonnenbrand.“
„Wie wäre es, wenn du heute mal Max reitest?“ Max ist ein starker, schwarzer Hengst mit einem edlen Kopf. Ich war darüber gar nicht enttäuscht, weil Denisa nur die erfahrensten und besten Reiter auf ihm reiten ließ.
Als wir dann später nach Hause fuhren, war außer uns niemand da. Wir durchsuchten alles, bis Mama Papa anrief und sagte: „Hallo, kommt mal bitte schnell mit dem Auto zum Waldesrand.“ Das war alles, Mama hatte aufgelegt. Am Waldesrand sahen wir einen kleinen Welpen, er schien in einem guten Zustand zu sein. Mama erzählte uns, wie sie ihn gefunden hatten und für uns stand fest, dass er ausgesetzt worden war.

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