Das RIO-Team
EUR 22,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 84
ISBN: 978-3-7116-1446-9
Erscheinungsdatum: 10.08.2026
In dieser Geschichte über Freundschaft, Mut und Liebe tauchen wir ein in eine Welt voller Fantasie und Abenteuer, erleben Action, Spannung und Gänsehaut und erfahren Werte und Weisheiten. Bist du bereit für eine wundersame Zeit mit dem einmaligen RIO-Team?
Die Sonne neigte sich zum Abendland. Da und dort funkelten kleine, einzelne Frühsterne. Der Wind schob die Lämmerwolken am heiteren Himmel. Dennoch wurde die Luft immer kühler, das Meer wechselte seinen Farbton und rauschte ungewöhnlich. Ungeduldig, mit strahlenden Augen, warteten die Kinder auf die letzte Vorstellung.
Isaboro sollte das erste Mal in seinem Leben endlich fliegen. Erst gestern hat er sich das Fliegen ganz alleine beigebracht. Der arme Bursche kletterte immer wieder auf den Turm des Schlosses und sprang in die Tiefe. „Du sollst nicht nach unten gucken!“, schreien seine beiden Freunde Ronos und Ortan.
„Jetzt bin ich bereit!“, antwortet Isaboro und macht seine schwarzen Augen zu. Der Wind ist einfach zu stark, murmelt er, um wieder Zeit zu gewinnen.
„Jetzt oder nie!“, ruft Ronos. „Ich bin der stärkste, schrecklichste und größte Vampir aller Zeiten, ich werde es schaffen.“
„Jetzt oder nie“, sagt Isaboro leise.
Ortan streckt seine fünf Meter langen Flügel aus und wartet in Bereitschaft auf den Flug seines besten Freundes.
Es mag sein, dass wieder ein Unglück passiert. Vor Kurzem, als Isaboro in Versuchung war, ist die Hälfte des Schlosses einfach zerbrochen. Der Vampir ist ausgerutscht und weg war ein Teil des Gebäudes. Ein Stein nach dem anderen rollte mit der Geschwindigkeit einer Achterbahnfahrt runter. Das Schloss, ein großes, buntes Gebäude, war das schönste Bauwerk in der ganzen Umgebung. Das tausend Jahre alte Schloss wurde immer wieder umgebaut, mal hatte es drei zierliche Türme, später sah es wie eine Pyramide aus.
Ganz hoch auf dem Berg lag es ein wenig abgeschnitten von der unten liegenden, weiten, ruhigen und wunderschönen Stadt der Kinder. Die Kinder liebten den Vampir Isaboro, die Fledermaus Ortan und den Zauberer Ronos. Die Idylle war perfekt, nichts schien es zu zerstören, nur das Meer wirkte manchmal etwas unruhig. Heute war ein großer Tag.
Die Kinder kamen, um das neue Kunstwerk des Meisters Ronos zu bewundern. Die Besucher durften das neu umgebaute Schloss sowie den sensationellen Spielgarten kennenlernen. Die Überraschung war ohne Zweifel gelungen. Das blaue Wasser im Swimmingpool ist als Erstes allen aufgefallen. Ein Kind nach dem anderen wollte in das klare Wasser springen. Zwischen den planschenden Kindern schwammen die dressierten Haie. Ein kleiner Junge saß sogar auf dem Rücken des größten Weißen Hais. Überall zeigten sich Wasserschlangen, Riesenschildkröten und andere Meeresungeheuer. So spannend und wunderschön war der Garten noch nie.
An diesem herrlichen Tag hat die Party ihren Höhepunkt ohne Zweifel erreicht. Die Kinder amüsierten sich in der Nähe von Isaboro. Er tanzte und spielte Musik. Ronos zeigte seine Zaubertricks und Ortan freute sich über den reichlich gedeckten Tisch.
Isaboro sammelte seine ganze Kraft. „Ich fliege, ich fliege, es ist so wunderbar!“
Die Anziehungskraft der Erde existierte für ihn nicht mehr, er wollte dem Himmel ganz nah sein. Er flog immer höher, die Bäume wurden immer kleiner. Es war still. Alles wirkte wie verzaubert. Am weiten, marineblauen Himmel wirkte der im hellen Mondlicht durch die Luft segelnde Vampir wie ein einsames Segelboot auf hoher See.
Auf einmal ein Geräusch, wie ein Blitz, etwas Unbekanntes, ein lautes Kreischen erschütterte diese wunderbare, paradiesische Stille.
Vor vielen Jahren hat es so harmlos angefangen. Ronos bekam von seinem Vater einen Talisman zum Geburtstag. Ein dummer Streich der beiden, damals noch kleinen Jungs, hatte große Folgen. Der Zauberer Ronos, der hübsche, blonde Junge mit blauen, neugierigen Augen, hatte eine besondere Leidenschaft. Die Lebewesen aller Art verwandelte er in kleine, hässliche Minimonster. Diese Kreaturen besaßen Kräfte, ihre Körper waren aus Metall. Sie sprangen, spuckten Feuer, kämpften miteinander. Eine Kreatur war besonders schrecklich. Sie hatte feuerrote Augen, welche die Gegend mit fotografischer Präzision beobachteten. Fast jeden Tag spielten Ronos und Isaboro am Strand. Der Talisman war für die beiden etwas Besonderes. An diesem Tag jonglierte Ronos unbesorgt mit seinem Zauberstab. Er zeigte Isaboro seine neuesten Zauberkunststücke.
Sie rannten hinter den erschrockenen, flüchtenden Möwen, planschten in dem warmen Meer und bauten Sandburgen. Die Minimonster marschierten gehorsam hinter ihrem Meister. Während der nächsten Stunden beschäftigten sich die Jungs mit dem geheimnisvollen Talisman.
Vergeblich versuchten sie, den leblosen Gegenstand zum Leben zu erwecken. Rein zufällig entdeckte Ronos einen kleinen Knopf zwischen den geheimnisvollen Zeichen auf der Rückseite des Amuletts. Ronos hielt ihn ans Ohr und schüttelte ihn etwas.
Aus Versehen drückte er auch auf den Knopf. Wie aus dem Nichts sprang etwas in alle Richtungen. Es war die Macht der Mächte.
Ronos glaubte seinen Augen nicht. Er wusste, wie gefährlich die Macht sein kann. Auf einmal war alles verschwommen und grauenvoll. Er war aber noch zu jung, um die Gefahren richtig einzuschätzen. Ronos sprach einen Zauberspruch. Die Kreaturen staunten. Etwas in ihren kleinen Körpern schien nicht mehr so zu sein wie früher. Sie klebten plötzlich aneinander. Jeder Befreiungsversuch endete in einem Fiasko. Bald verwandelten sie sich in eine schwarze, klebrige Pfütze. Plötzlich, vor den Augen der beiden Jungs, erblickte ein Wesen das Licht der Welt. Die Strömung hat zugenommen.
Der Wind wurde stark. Eine besonders große Welle hat Ronos den Talisman aus der Hand gerissen.
„Wir müssen durchhalten!“, rief Isaboro und seine Stimme verschwand im brüllenden Wind. Vor seinen Augen stand eine Kreatur. Sie war zwei Meter groß. Sie schoss aus dem Maul schwarze Kugeln.
Die Kugeln öffneten sich. Aus ihnen sprang rasch ein schwarzer Wurm nach dem anderen. Alle verschwanden schnell in den dunklen Wellen. Das Monster beobachtete die Jungs mit einem feuerroten Auge.
Ronos versuchte, seinen schwächeren Freund hinter sich zu verstecken. Er spürte, dass die Kreatur es auf Isaboro abgesehen hatte. Leider hat seine Zauberkraft ihn auch plötzlich verlassen. Seine Zaubersprüche waren auf einmal gelöscht. Jetzt wartete er nur auf ein Wunder. Aber nichts geschah. Das Universum rührte sich nicht und die Zeit lief davon. Ronos zählte Sekunden. Das Monster nickte, rührte sich nicht von der Stelle.
„Ich zähle bis drei und dann verschwinden wir“, flüsterte Ronos in Isaboros Ohr.
„Meine Beine sind wie Steine. Ich weiß nicht, ob ich schnell genug laufen kann“, antwortete Isaboro mit zitternder Stimme.
„Wir müssen weg hier. Sammle alle deine Kräfte zusammen“, befahl Ronos.
Isaboro bewegte keinen einzigen Zeh. Ronos packte ihn am Arm und sprang hoch. Dabei machte er abartige Bewegungen, um die Kreatur abzulenken. Das Monster schrie und spuckte Feuer. Doch bis sie etwas unternehmen konnte, waren die beiden hinter dem Berg weit weg.
Das alles kam den beiden damals wie ein böser Traum vor. Und jetzt, nach vielen Jahren, bedroht die Kreatur die Kinderstadt wieder.
Ein schwaches Lampenlicht in dem Spielzimmer zauberte kleine, schimmernde Punkte an den Wänden.
Die lebenden Pflanzen öffneten ihre Augen und schauten neugierig zu. Ortan erwachte gleichzeitig aus dem Schlaf.
„Halt dich fest und hör zu“, Ronos versuchte, ruhig zu bleiben. „Das Monster lebt, es existiert wirklich.“
„Wir wissen nicht, was die Kreatur vorhat.“
„Die Macht der finsteren Parasiten Randalo zerstört die Harmonie in unserem Land immer wieder. Wir müssen etwas unternehmen. Wir sollten uns auf den Weg ins Land der Gefahren machen. Ich habe die Kreatur erschaffen, darum trage ich die ganze Verantwortung. Der Parasit hat mir den Talisman gestohlen. Wir müssen ihn wiederfinden. Uns bleibt nicht viel Zeit. Wir müssen alles rückgängig machen.“
„Wir müssen los!“ Isaboro sprang vom Sofa. „Ich schlage vor, wir packen das Nötigste und machen uns auf den Weg.“
„Einverstanden, aber wie finden wir jetzt den Weg? Die Kreatur ist schlau. Sie versteckt sich und ist sehr wachsam.“
„Zu zweit sind wir stark!“ Er nahm seinen Zauberstab, seine Flöte, das Schwert und war jetzt bereit für den Kampf gegen den Parasiten Randalo.
Isaboro schaute noch einmal aus dem Fenster, als ob er diese Augenblicke für immer festhalten wollte. Vor seinen Augen breitete sich eine wunderbare Welt aus. Es war ein echtes Paradies, verschiedene Geräte aller Art, von der Schaukel bis zum schnellsten Auto.
Es gab immer reichlich zu essen und zu trinken. Die Roboter kümmerten sich um die Kinder. Die Partys am Schloss wurden zu einem einmaligen Erlebnis für alle. Aus dem Wasserfall sprangen Goldfische, jeder einzelne Fisch besaß durchsichtige Flügel. Auf den Bäumen saßen Hunderte bunte Vögel, Schmetterlinge und fliegende Käfer.
„Einige Tage bleibt unser Paradies geschlossen. Die Kinder werden wohl auf uns warten müssen.“ Ein paar Sekunden konnte sich Ronos nicht von der Stelle rühren. Er wurde immer nachdenklicher und trauriger. Wie auf Kommando stand Isaboro neben ihm.
Die Spritztour von letzter Nacht hatte für Ortan fatale Folgen. Er verlor die Kontrolle beim Landen, verletzte sich an den Flügeln und schleppte sich langsam in den Garten.
Möglicherweise ist er dann später vor Erschöpfung eingeschlafen, denn bis jetzt gab es kein Lebenszeichen von ihm.
Überraschend kam er plötzlich und unerwartet zugelaufen. Sein rechter Flügel hing kraftlos herab. Isaboros Warnung wollte er nie ernst nehmen und verletzte sich öfter beim Landen. Seine Ungeschicklichkeit hatte die drei Freunde schon ein paar Mal in Verlegenheit gebracht.
„Das hat uns noch gefehlt“, meinte Ronos, als er Ortan so sah.
„Was ist mit dir passiert? Wie siehst du denn aus?“, fragte Isaboro neugierig.
„Ich bin über den Rasensprenger gestolpert“, antwortete Ortan sarkastisch.
„Ich wollte ein bisschen recherchieren. Eure unglaubliche Drachengeschichte kam mir ziemlich grauenhaft vor. Als einzige flugfähige Person fühlte ich mich gegenüber euch verpflichtet, der Sache nachzugehen. Auch die größten Detektive sind nicht immer auf alle Strapazen bei der Arbeit vorbereitet“, redete Ortan mutig weiter.
„Du solltest das nächste Mal nicht auf eigene Faust den Helden spielen“, erwiderte Ronos. „Die Kreatur ist äußerst gefährlich, es könnte sonst etwas mit dir passieren.“ Ronos streichelte beruhigend den schmerzenden Flügel von Ortan.
„Bitte mach keine Dummheiten. Du bist verletzt. Geh nach Hause, erhol dich und in ein paar Tagen kommst du uns nach. Es wird ein hartes Stück Arbeit sein, die Bestie erst mal aufzuspüren und ihr den Talisman wegzunehmen.“
Ortan hatte Tränen in den Augen. „Ich werde euch nicht im Stich lassen!“
„Ist mir etwas entgangen?“, Ronos wurde ungeduldig. „Du darfst dich nicht überschätzen, Ortan! Sei doch vernünftig. Keine Widerrede!“
Der arme Ortan beugte sich ein wenig, sein Gesichtsausdruck konnte alle steinharten Herzen der Welt schmelzen lassen, aber Ronos und Isaboro blieben unberührt. Sie drehten sich um, winkten Ortan flüchtig und marschierten tapfer, ohne sich umzudrehen. „Aus Liebe zu Ortan haben sie ihn nach Hause geschickt.“
Der Weg führte durch Berge und Wälder, sprechende Flüsse und singende Steine. Ungewöhnlich wirkten magische Bäume. Mit Charme und Präsenz bewegten sich Tausende Blumenkreationen. Eine gute Stimmung begleitete die Jungs die ganze Zeit unterwegs.
...
Isaboro sollte das erste Mal in seinem Leben endlich fliegen. Erst gestern hat er sich das Fliegen ganz alleine beigebracht. Der arme Bursche kletterte immer wieder auf den Turm des Schlosses und sprang in die Tiefe. „Du sollst nicht nach unten gucken!“, schreien seine beiden Freunde Ronos und Ortan.
„Jetzt bin ich bereit!“, antwortet Isaboro und macht seine schwarzen Augen zu. Der Wind ist einfach zu stark, murmelt er, um wieder Zeit zu gewinnen.
„Jetzt oder nie!“, ruft Ronos. „Ich bin der stärkste, schrecklichste und größte Vampir aller Zeiten, ich werde es schaffen.“
„Jetzt oder nie“, sagt Isaboro leise.
Ortan streckt seine fünf Meter langen Flügel aus und wartet in Bereitschaft auf den Flug seines besten Freundes.
Es mag sein, dass wieder ein Unglück passiert. Vor Kurzem, als Isaboro in Versuchung war, ist die Hälfte des Schlosses einfach zerbrochen. Der Vampir ist ausgerutscht und weg war ein Teil des Gebäudes. Ein Stein nach dem anderen rollte mit der Geschwindigkeit einer Achterbahnfahrt runter. Das Schloss, ein großes, buntes Gebäude, war das schönste Bauwerk in der ganzen Umgebung. Das tausend Jahre alte Schloss wurde immer wieder umgebaut, mal hatte es drei zierliche Türme, später sah es wie eine Pyramide aus.
Ganz hoch auf dem Berg lag es ein wenig abgeschnitten von der unten liegenden, weiten, ruhigen und wunderschönen Stadt der Kinder. Die Kinder liebten den Vampir Isaboro, die Fledermaus Ortan und den Zauberer Ronos. Die Idylle war perfekt, nichts schien es zu zerstören, nur das Meer wirkte manchmal etwas unruhig. Heute war ein großer Tag.
Die Kinder kamen, um das neue Kunstwerk des Meisters Ronos zu bewundern. Die Besucher durften das neu umgebaute Schloss sowie den sensationellen Spielgarten kennenlernen. Die Überraschung war ohne Zweifel gelungen. Das blaue Wasser im Swimmingpool ist als Erstes allen aufgefallen. Ein Kind nach dem anderen wollte in das klare Wasser springen. Zwischen den planschenden Kindern schwammen die dressierten Haie. Ein kleiner Junge saß sogar auf dem Rücken des größten Weißen Hais. Überall zeigten sich Wasserschlangen, Riesenschildkröten und andere Meeresungeheuer. So spannend und wunderschön war der Garten noch nie.
An diesem herrlichen Tag hat die Party ihren Höhepunkt ohne Zweifel erreicht. Die Kinder amüsierten sich in der Nähe von Isaboro. Er tanzte und spielte Musik. Ronos zeigte seine Zaubertricks und Ortan freute sich über den reichlich gedeckten Tisch.
Isaboro sammelte seine ganze Kraft. „Ich fliege, ich fliege, es ist so wunderbar!“
Die Anziehungskraft der Erde existierte für ihn nicht mehr, er wollte dem Himmel ganz nah sein. Er flog immer höher, die Bäume wurden immer kleiner. Es war still. Alles wirkte wie verzaubert. Am weiten, marineblauen Himmel wirkte der im hellen Mondlicht durch die Luft segelnde Vampir wie ein einsames Segelboot auf hoher See.
Auf einmal ein Geräusch, wie ein Blitz, etwas Unbekanntes, ein lautes Kreischen erschütterte diese wunderbare, paradiesische Stille.
Vor vielen Jahren hat es so harmlos angefangen. Ronos bekam von seinem Vater einen Talisman zum Geburtstag. Ein dummer Streich der beiden, damals noch kleinen Jungs, hatte große Folgen. Der Zauberer Ronos, der hübsche, blonde Junge mit blauen, neugierigen Augen, hatte eine besondere Leidenschaft. Die Lebewesen aller Art verwandelte er in kleine, hässliche Minimonster. Diese Kreaturen besaßen Kräfte, ihre Körper waren aus Metall. Sie sprangen, spuckten Feuer, kämpften miteinander. Eine Kreatur war besonders schrecklich. Sie hatte feuerrote Augen, welche die Gegend mit fotografischer Präzision beobachteten. Fast jeden Tag spielten Ronos und Isaboro am Strand. Der Talisman war für die beiden etwas Besonderes. An diesem Tag jonglierte Ronos unbesorgt mit seinem Zauberstab. Er zeigte Isaboro seine neuesten Zauberkunststücke.
Sie rannten hinter den erschrockenen, flüchtenden Möwen, planschten in dem warmen Meer und bauten Sandburgen. Die Minimonster marschierten gehorsam hinter ihrem Meister. Während der nächsten Stunden beschäftigten sich die Jungs mit dem geheimnisvollen Talisman.
Vergeblich versuchten sie, den leblosen Gegenstand zum Leben zu erwecken. Rein zufällig entdeckte Ronos einen kleinen Knopf zwischen den geheimnisvollen Zeichen auf der Rückseite des Amuletts. Ronos hielt ihn ans Ohr und schüttelte ihn etwas.
Aus Versehen drückte er auch auf den Knopf. Wie aus dem Nichts sprang etwas in alle Richtungen. Es war die Macht der Mächte.
Ronos glaubte seinen Augen nicht. Er wusste, wie gefährlich die Macht sein kann. Auf einmal war alles verschwommen und grauenvoll. Er war aber noch zu jung, um die Gefahren richtig einzuschätzen. Ronos sprach einen Zauberspruch. Die Kreaturen staunten. Etwas in ihren kleinen Körpern schien nicht mehr so zu sein wie früher. Sie klebten plötzlich aneinander. Jeder Befreiungsversuch endete in einem Fiasko. Bald verwandelten sie sich in eine schwarze, klebrige Pfütze. Plötzlich, vor den Augen der beiden Jungs, erblickte ein Wesen das Licht der Welt. Die Strömung hat zugenommen.
Der Wind wurde stark. Eine besonders große Welle hat Ronos den Talisman aus der Hand gerissen.
„Wir müssen durchhalten!“, rief Isaboro und seine Stimme verschwand im brüllenden Wind. Vor seinen Augen stand eine Kreatur. Sie war zwei Meter groß. Sie schoss aus dem Maul schwarze Kugeln.
Die Kugeln öffneten sich. Aus ihnen sprang rasch ein schwarzer Wurm nach dem anderen. Alle verschwanden schnell in den dunklen Wellen. Das Monster beobachtete die Jungs mit einem feuerroten Auge.
Ronos versuchte, seinen schwächeren Freund hinter sich zu verstecken. Er spürte, dass die Kreatur es auf Isaboro abgesehen hatte. Leider hat seine Zauberkraft ihn auch plötzlich verlassen. Seine Zaubersprüche waren auf einmal gelöscht. Jetzt wartete er nur auf ein Wunder. Aber nichts geschah. Das Universum rührte sich nicht und die Zeit lief davon. Ronos zählte Sekunden. Das Monster nickte, rührte sich nicht von der Stelle.
„Ich zähle bis drei und dann verschwinden wir“, flüsterte Ronos in Isaboros Ohr.
„Meine Beine sind wie Steine. Ich weiß nicht, ob ich schnell genug laufen kann“, antwortete Isaboro mit zitternder Stimme.
„Wir müssen weg hier. Sammle alle deine Kräfte zusammen“, befahl Ronos.
Isaboro bewegte keinen einzigen Zeh. Ronos packte ihn am Arm und sprang hoch. Dabei machte er abartige Bewegungen, um die Kreatur abzulenken. Das Monster schrie und spuckte Feuer. Doch bis sie etwas unternehmen konnte, waren die beiden hinter dem Berg weit weg.
Das alles kam den beiden damals wie ein böser Traum vor. Und jetzt, nach vielen Jahren, bedroht die Kreatur die Kinderstadt wieder.
Ein schwaches Lampenlicht in dem Spielzimmer zauberte kleine, schimmernde Punkte an den Wänden.
Die lebenden Pflanzen öffneten ihre Augen und schauten neugierig zu. Ortan erwachte gleichzeitig aus dem Schlaf.
„Halt dich fest und hör zu“, Ronos versuchte, ruhig zu bleiben. „Das Monster lebt, es existiert wirklich.“
„Wir wissen nicht, was die Kreatur vorhat.“
„Die Macht der finsteren Parasiten Randalo zerstört die Harmonie in unserem Land immer wieder. Wir müssen etwas unternehmen. Wir sollten uns auf den Weg ins Land der Gefahren machen. Ich habe die Kreatur erschaffen, darum trage ich die ganze Verantwortung. Der Parasit hat mir den Talisman gestohlen. Wir müssen ihn wiederfinden. Uns bleibt nicht viel Zeit. Wir müssen alles rückgängig machen.“
„Wir müssen los!“ Isaboro sprang vom Sofa. „Ich schlage vor, wir packen das Nötigste und machen uns auf den Weg.“
„Einverstanden, aber wie finden wir jetzt den Weg? Die Kreatur ist schlau. Sie versteckt sich und ist sehr wachsam.“
„Zu zweit sind wir stark!“ Er nahm seinen Zauberstab, seine Flöte, das Schwert und war jetzt bereit für den Kampf gegen den Parasiten Randalo.
Isaboro schaute noch einmal aus dem Fenster, als ob er diese Augenblicke für immer festhalten wollte. Vor seinen Augen breitete sich eine wunderbare Welt aus. Es war ein echtes Paradies, verschiedene Geräte aller Art, von der Schaukel bis zum schnellsten Auto.
Es gab immer reichlich zu essen und zu trinken. Die Roboter kümmerten sich um die Kinder. Die Partys am Schloss wurden zu einem einmaligen Erlebnis für alle. Aus dem Wasserfall sprangen Goldfische, jeder einzelne Fisch besaß durchsichtige Flügel. Auf den Bäumen saßen Hunderte bunte Vögel, Schmetterlinge und fliegende Käfer.
„Einige Tage bleibt unser Paradies geschlossen. Die Kinder werden wohl auf uns warten müssen.“ Ein paar Sekunden konnte sich Ronos nicht von der Stelle rühren. Er wurde immer nachdenklicher und trauriger. Wie auf Kommando stand Isaboro neben ihm.
Die Spritztour von letzter Nacht hatte für Ortan fatale Folgen. Er verlor die Kontrolle beim Landen, verletzte sich an den Flügeln und schleppte sich langsam in den Garten.
Möglicherweise ist er dann später vor Erschöpfung eingeschlafen, denn bis jetzt gab es kein Lebenszeichen von ihm.
Überraschend kam er plötzlich und unerwartet zugelaufen. Sein rechter Flügel hing kraftlos herab. Isaboros Warnung wollte er nie ernst nehmen und verletzte sich öfter beim Landen. Seine Ungeschicklichkeit hatte die drei Freunde schon ein paar Mal in Verlegenheit gebracht.
„Das hat uns noch gefehlt“, meinte Ronos, als er Ortan so sah.
„Was ist mit dir passiert? Wie siehst du denn aus?“, fragte Isaboro neugierig.
„Ich bin über den Rasensprenger gestolpert“, antwortete Ortan sarkastisch.
„Ich wollte ein bisschen recherchieren. Eure unglaubliche Drachengeschichte kam mir ziemlich grauenhaft vor. Als einzige flugfähige Person fühlte ich mich gegenüber euch verpflichtet, der Sache nachzugehen. Auch die größten Detektive sind nicht immer auf alle Strapazen bei der Arbeit vorbereitet“, redete Ortan mutig weiter.
„Du solltest das nächste Mal nicht auf eigene Faust den Helden spielen“, erwiderte Ronos. „Die Kreatur ist äußerst gefährlich, es könnte sonst etwas mit dir passieren.“ Ronos streichelte beruhigend den schmerzenden Flügel von Ortan.
„Bitte mach keine Dummheiten. Du bist verletzt. Geh nach Hause, erhol dich und in ein paar Tagen kommst du uns nach. Es wird ein hartes Stück Arbeit sein, die Bestie erst mal aufzuspüren und ihr den Talisman wegzunehmen.“
Ortan hatte Tränen in den Augen. „Ich werde euch nicht im Stich lassen!“
„Ist mir etwas entgangen?“, Ronos wurde ungeduldig. „Du darfst dich nicht überschätzen, Ortan! Sei doch vernünftig. Keine Widerrede!“
Der arme Ortan beugte sich ein wenig, sein Gesichtsausdruck konnte alle steinharten Herzen der Welt schmelzen lassen, aber Ronos und Isaboro blieben unberührt. Sie drehten sich um, winkten Ortan flüchtig und marschierten tapfer, ohne sich umzudrehen. „Aus Liebe zu Ortan haben sie ihn nach Hause geschickt.“
Der Weg führte durch Berge und Wälder, sprechende Flüsse und singende Steine. Ungewöhnlich wirkten magische Bäume. Mit Charme und Präsenz bewegten sich Tausende Blumenkreationen. Eine gute Stimmung begleitete die Jungs die ganze Zeit unterwegs.
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