Odora Ungewöhnlich

Odora Ungewöhnlich

Denise Urbany


EUR 20,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 356
ISBN: 978-3-99130-202-5
Erscheinungsdatum: 07.12.2022
Odora ist anders. Ein hochsensibles Mädchen, das viele Dinge spürt, die andere nicht wahrnehmen. Das ist Fluch und Segen zugleich. Wie sie trotzdem durch ihr aufregendes Leben findet, erzählt das Buch „Odora Ungewöhnlich“ von Denise Urbany.
Erinnerungen

Irland 2030

Es regnete schon den ganzen Tag. Draußen verneigten sich die Bäume vor dem böigen Wind, als huldigten sie seiner Kraft.
Gemütlich saß Odora unter einer kuscheligen Wolldecke in ihrem alten Lehnstuhl. Ihre Hände streichelten den trägen Bauch ihrer Katze Mia, die sich auf ihrem Schoß eingerollt hatte.
Sie sah in den verhangenen Himmel vor dem Fenster und verfolgte, wie die Regentropfen auf den Scheiben in alle Richtungen getrieben wurden, ihr eigenes Tänzchen vollführten.
Getrieben war ich stets … und nicht zu knapp!
Schmunzelnd verglich Odora die kleinen, reinen Wasserperlen mit ihren Gedanken, die mit wachsendem Alter zunehmend in die Vergangenheit schweiften, in alle Himmelsrichtungen ihres Lebens.
»Es wäre langsam an der Zeit, dein Buch zu schreiben, Odora!«
Mia fühlte sich angesprochen, spitzte die Ohren und blickte sie fragend an.
Als sie zum Sprung ansetzte, um graziös auf Odoras Schreibtisch vor dem Fenster zu landen, wusste ihr Frauchen, dass die Zeit tatsächlich gekommen war. Sie erhob sich, wickelte sich umständlich aus ihrer Decke und ließ sie zu Boden gleiten.
Als sie sich ihre Lesebrille auf die Nase schob, war die Welt vor dem Fenster augenblicklich vergessen. Unter den wohlwollenden Blicken ihrer Katze begab sie sich schreibend auf die längst fällige Reise in ihre etwas ungewöhnliche Vergangenheit.



Die kleine Odora

Es schien, als hätten ihre Eltern schon bei der Geburt gewusst, dass ein kleines Mädchen mit einem ganz speziellen Riecher das Licht der Welt erblickte. Sie gaben ihr den wundersamen Namen Odora.
Das Mädchen war ein folgsames, ruhiges Kind. Als sie heranwuchs, wuchs mit ihren Zöpfen die Fantasie. Stundenlang konnte die Kleine allein in ihrem Zimmer verbringen, zur Begeisterung und Entlastung der stets beschäftigten Eltern. Sie spielte mit ihren Puppen, erfand in ihrem kleinen Fantasiereich die verrücktesten Geschichten, fühlte sich dort geborgen und beschützt.
Die Eltern hatten oft Besuch. Immer war im Reich der Großen ein Stockwerk tiefer irgendetwas los. Die Gäste drückten sich die Klinke in die Hand, kamen zum Essen, zum Plaudern und erfüllten das Haus mit lauten, lachenden Stimmen sowie endlosen Diskussionen. Dazu gesellten sich eigenartigen Gerüche.
Manchmal hockte Odora heimlich auf den obersten Treppenstufen und lauschte den Gesprächen. Wenn sie sich ein klein wenig nach vorne beugte, konnte sie die bunte Mischung an Gästen durch das Treppengeländer beobachten und erschnuppern. Manche Besucher fand sie nicht geheuer. Sie rochen so komisch, sie mochte deren Geruch nicht. Dann kribbelte ihre Nase und sie fühlte sich unwohl. Aber deuten konnte Odora das noch nicht.
Mama roch herrlich duftend nach Lotion, wenn sie spät abends in ihr Zimmer schlich, um ihr einen Gutenachtkuss auf die Stirn zu drücken. Aber sie roch auch nach viel Arbeit und irgendwie nach schlechtem Gewissen. Odora liebte die Ausdünstung ihres Vaters, dem stets ein Hauch von Zigarrenrauch und Knoblauch folgte. Mit Letzterem bereitete er tagtäglich einen herzhaften Salat zu. Das war sein Beitrag zum Mittagessen. Bei ihm fühlte sie sich ohne Worte verstanden. Sein Geruch war so fröhlich. Oma, zu der sie oft verfrachtet wurde, roch wunderbar. Nach Backäpfeln mit Zimt zum Beispiel. So wärmend nach Gemütlichkeit.
Bücher lösten alsbald die Puppen ab, in dem kleinen Mädchenzimmer wurde es noch stiller. Durch zahllose Bände aller Art vervielfachte Odora ihre Fantasie. Jedes Mal, wenn sie ein neues Buch aufschlug, zog sie den noch anhaftenden, leichten Duft von Druckerschwärze in sich ein. Es roch nach Wissen, nach Reisen in ferne Länder und nach und nach – ein klein wenig nach Erwachsenwerden.



Odora, die Voyeuse

Einige Jahre später

Es war ein heller, freundlicher Sommertag. In der lichtdurchfluteten Stadt staute sich die Hitze in den Gassen der Altstadt, trieb so manchen Passanten die Schweißperlen ins Gesicht. Touristen und Einwohner standen an jeder auffindbaren Eisdiele Schlange. Ein buntes Gemisch an Sonnenschirmen tänzelte in der Brise eines leichten Sommerwindes über bevölkerten Terrassen.
Odora hatte sich eine dieser Oasen des Verweilens als Schreiblager ausgesucht, bevor sie zum Klavierunterricht musste. Wie so oft lag ein aufgeschlagenes Heft samt Füllfeder zwischen ihren aufgestützten Ellenbogen. Sie nippte genüsslich an ihrer kalten Limonade und ging einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen nach: Leute beobachten. Ab und an neigte sie den Kopf, schrieb einige Zeilen in ihr Heft, widmete ihre Aufmerksamkeit wieder der Menschenmenge. Sie mochte die enge Ansammlung sich in der Hitze windender Körper nicht, da es zu viel Nähe schuf. Das bedeutete für die dreizehnjährige Odora, dass sie den Gefühlen ihr unbekannter Menschen, die sie ungewollt aufsaugte wie ein Schwamm, nicht entkommen konnte. Sie liebte es jedoch, fremden Leuten genau zuzusehen. Ihren Gebärden, ihrer Mimik und der gemeinsamen Interaktion.
Das, was Odora als kleines Mädchen als Duft wahrnahm und je nach Person als angenehm oder unangenehm erschnupperte, hatte sich in der Pubertät zu einer etwas abgeänderten Perzeption entwickelt. Zu dem Geruch hatten sich starke Empfindungen gesellt.
Hinten auf dem Platz, gegenüber der arg bevölkerten Terrasse stand eine ältere Dame in einem Rosenkleid, klammerte sich an ihrer Handtasche fest, als sei es ein Rettungsring. Sie hob die Hand mehrmals über ihre Augen, um diese vor dem flimmernden Licht der Sonne zu beschützen und drehte sich im Sekundentakt um ihre eigene Achse. Sie lächelte und nickte anderen Passanten freundlich zu. Odora verspürte heftig, tief in sich drin, die wahren Emotionen der eigentlich zufrieden dreinblickenden Dame. Hoffnung, Angst und eine Art Verzweiflung.
Sie ergriff ihre Füllfeder, schrieb in ihr Heft. Von einer Dame in einem Rosenkleid. Das eben wahrgenommene Gefühl verleitete sie zu einer tragischen Geschichte, in der sich die ältere Frau hier und heute vor vierzig Jahren mit ihrem Liebsten verabredet hatte. Der Langersehnte kam zur Verabredung, aber sie erkannten sich nicht. Er ging an ihr vorbei und war somit einer von den vielen Passanten geworden, denen die Frau freundlich und suchend zunickte.
So war Odora. Für sie lebte Schreibinspiration vom Feinsten in fast allen Menschen, die sie beobachtete. Dann rankte sich die Fantasie rosengleich von Kopf bis Fuß durch ihr Gemüt. Traumbilder machten sich selbstständig, verwandelten sich in Geschichten, die sogar die junge Schriftstellerin überraschten.



Odora und die Marokkaner

Wie ein längst vergessenes Schiffswrack auf dem Meeresboden war Odora in ihrer Gedankenwelt versunken. Sie schrak auf, als der überforderte Kellner sie nervös fragte, ob sie noch etwas trinken wolle. Der Klavierunterricht!
Odora ergriff ihre Schreibutensilien und bahnte sich einen Weg durch das bunte Gemenge von potenziellen Schreibmusen.
Ignorieren, ignorieren!
Das Mädchen wollte verhindern, jemanden zu erblicken, der ihre Schreibmanie wieder ankurbeln könnte. Nicht, dass ihr Klavierlehrer, Herr Gary Mühlstein, sie für eine Verspätung ermahnen müsste.
»Bonjour, pardon, parlez-vous français?«
Verstört blickte Odora auf. Vor ihr standen zwei dunkelhäutige Kerle. Einer groß und schlank, der andere klein und rundlich. Dieser trug sein krauses, afrikanisches Haar wie Angela Davis. Der Große hatte die gleichen Gesichtszüge wie Jimmy Hendrix. Odora verkniff sich ein Lachen.
»Oui, je parle français«, stammelte sie etwas geniert.
Jaffar und Mohammed, zwei Studenten aus Marokko, befanden sich auf einer Rundreise durch Europa. Sie verbrachten nur einen Tag und eine Nacht in Luxemburg, suchten jemanden, der sich im schönen Städtchen auskannte und sie rumführen könnte.
Na klar! Mensch, wie erkläre ich das dem Klavierlehrer?
Zur Zuvorkommenheit gegenüber Fremden erzogen, hatte sie ihre Entscheidung zwischen Klavierunterricht oder Fremdenführung rasant getroffen.
»Venez avec moi!«
Die erfreuten Marokkaner im Schlepptau, marschierte sie schnurstracks Richtung Kathedrale. Dort, in einem Nebenbau, herrschte Gary Mühlstein über die Klaviertasten.
Odora gab den jungen Männern ein Zeichen sich zu gedulden und enterte das Gebäude mit eiligen Schritten. Vor dem Klavierzimmer hielt sie inne. Mit einem Ohr an der Tür lauschte sie den harmonischen Tönen. Sie war fünf Minuten zu früh.
Es roch furchtbar nach Ärger! Egal! Sie würde die Marokkaner nicht warten lassen. Odora klopfte an, trat ein und traf auf das entgeisterte Gesicht ihres Klavierlehrers.
»Entschuldigung Herr Mühlstein, mir sind Marokkaner begegnet, die brauchen eine Fremdenführerin, jetzt!«
Besagter Herr glotzte sie an, als sehe er ein überirdisches Wesen.
»Ja«, ergänzte Odora, indem sie von einem Bein auf das andere hampelte, »und ehrlich gesagt, würde ich das viel lieber tun als Klavier üben.«
Wäre es möglich gewesen, hätte Herr Mühlstein eine dunkle Ärgerwolke durch das geöffnete Fenster entschwinden lassen. Das sonst so ruhige Gemüt seines Genies verwandelte sich unerbittlich in das eines Stierkämpfers.
Odora schien es, als trage er einen Nasenring.
»Raus hier! Und nie mehr rein!«
Seine Enttäuschung und seine Wut verfolgten Odora, als sie die Treppen hinunter teils rannte, teils stolperte. Das war es dann mit ihrer Klavierkarriere! Sie eilte trotzdem erfreut den wartenden Fremden entgegen. So war Odora. Sie stürzte sich von einer Geschichte in die andere. Das sollte ihr ganzes Leben so bleiben. Oder fast.
Odora blieb über Jahre in stetigem Briefkontakt mit Mohammed, dem Krauskopf. Eines Tages, Anfang der 1980er Jahre, schrieb er ihr einen verzweifelten Brief. Er habe an Studentenprotesten teilgenommen. Würde Odora ihm nicht sofort eine Einladung (Kost und Logis inbegriffen) schicken, würde er im Gefängnis landen. Leider konnte sie der Bitte nicht nachgeben. Sie war noch minderjährig und lebte bei ihren Eltern. Diese sagten, dass das unmöglich sei, sie hätten kein Zimmer frei, um jemanden aufzunehmen. Das schrieb sie Mohammed. Danach erhielt Odora nie mehr ein Lebenszeichen von ihrem marokkanischen Freund. Ihre Briefe kamen ungeöffnet zurück. Noch heute fragt sie sich, was wohl aus ihm geworden ist.



Treppenpost für Odora

Beschwingt von einem abenteuerlichen Tag als Fremdenführerin, machte Odora sich abends auf den Heimweg. Wie immer hatte sie die Zeit vergessen. Keine Telefonkabine weit und breit, um ihre Eltern wegen ihrer Verspätung zu benachrichtigen. Ehrlich gesagt, verschwendete Odora kein Quäntchen ihrer kostbaren Zeit für die Suche.
Schließlich war sie in einer wichtigen Mission unterwegs. Das müssten besonders ihre Eltern verstehen. Diese waren politisch aktiv, oft mit Gästen aus aller Herren Länder unterwegs, wenn diese nicht gerade ihr Haus als Besucher belagerten. Gastfreundschaft wurde in ihrer Familie stets großgeschrieben.
Eingelullt von marokkanischen Anekdoten, die ihre Gedankenwelt bevölkerten wie Händler einen orientalischen Basar, stapfte Odora nach Hause. Ob ihr wohl ein schönes Gedicht oder eine angemessene Geschichte dazu einfallen würde? Vielleicht nach der Standpauke ihrer Mutter, die unvermeidbar war.
Sie fand ein leeres Haus vor. Der Zigarrenduft ihres Vaters schwebte wie ein Abschiedsgruß über dem dunklen Treppenhaus. Die einzige Spur ihrer Mutter war ein Hauch Parfüm, der Odora einen traurigen Schauer ins Herz trieb. Oben auf der Treppe lag er. Der Brief.

Für Odora

Er verhieß nichts Gutes. Sie warf sich seufzend aufs Bett, las den Brief mit der schwungvollen Handschrift ihrer Mutter.

Meine liebe Tochter,
nachdem wir stundenlang auf dich gewartet haben ohne eine Nachricht, wo und mit wem du dich herumtreibst, haben wir uns entschlossen zu gehen. Wir sind dann mal weg! Du brauchst nicht zu wissen, wohin. Wann wir wiederkommen, auch nicht. Es wäre sinnlos, alle unsere Freunde anzurufen, so wie wir deine Kumpels heute alle abtelefoniert haben (!). Du wirst uns nicht finden! In Liebe und Ärger, Mama.
P. S.: Es steht kein Essen im Kühlschrank.
P. S. II: Ich wünsche dir in deinem Leben eine 13-jährige Tochter, die genau so ist wie du. Dann wirst du schnell viele graue Haare zählen können.
P. S. III: Über den Klavierunterricht reden wir noch.

Der Herr Gary Mühlstein war ein Verräter!
Odora wartete die ganze Nacht auf die Rückkehr ihrer Eltern. Sie lag Tränen verdrückend in unzähligen Kissen, plötzlich überwältigt von der furchtbaren Angst, sie zu verlieren. In ihrer Fantasie malte sie sich die schlimmsten Szenarien aus. Ein Autounfall. Sirenen. Das Identifizieren ihrer toten Eltern im Krankenhaus – Verlustängste.
In den frühen Morgenstunden schüttelte sie ihren Kummer ab wie ein nasser Hund den Regen, ergriff ihr Heft und schrieb:

Morgens, wenn die Wörter aus meiner Hand fallen, würde ich euch gerne mit ihnen malen, in bunter Sprache schildern, zusammenhalten durch den Rahmen meiner Liebe – auf ewig – meine Familie.

Von diesem Tag an pflegten Odora und ihre Mutter über Treppenpost miteinander zu kommunizieren, wenn der Haussegen schiefhing. Es verhindere, so ihre Mutter, dass man sich unüberlegt anschrie. Man könnte in besänftigter Stimmung seine Meinung schriftlich kundtun. Danach war eine Diskussion ohne Eskalation möglich.



Odora und der Geheimdienst

Endlich sind sie wieder da!
Odora flitzte zur Haustür, wo ihre Eltern gerade eintraten, umarmte sie stürmisch. Sogar ihre Mutter, die keine Körpernähe mochte, ließ sie gewähren.
Ihr Vater schmunzelte verschmitzt, einen kalten Zigarrenstumpen im Mund.
»Schön, dass du noch lebst«, grummelte ihre Mutter in die Küche entschwindend.
»Ach komm, lass gut sein, sie wurde genügend bestraft!«
Odoras Vater blickte freundlich in die rotgeweinten Augen seiner Tochter.
Er nahm einen komischen Apparat aus seiner Hängetasche, begutachtete ihn kritisch.
»Ob der funktionieren wird?«
»Was ist das denn?«
Neugierig sah Odora ihrem Vater dabei zu, wie er an verschiedenen Rädchen drehte.
»Das wirst du gleich sehen!«
Vater fummelte hastig an dem Gerät herum. Seine Augen funkelten wie die eines Kindes, das ein neues Spielzeug in Händen hält. Als ein grünes Licht aufblinkte, machte er sich erfreut auf den Weg durchs Haus.
Von Wissensdurst getrieben, folgte seine Tochter auf leisen Sohlen. Vater richtete das kuriose Ding zaghaft an alle Lampen und Elektrogeräte in der guten Stube. Als er die Spots über dem Esstisch anpeilte, begann das Gerät zu krächzen und zu knarren. Rote Lichtlein blinkten hektisch neben dem grünen auf.
»Sehr raffiniert! Am Esstisch finden weitgehend die Gespräche mit den Genossen statt.«
Inzwischen hatte Mama sich zu ihrem schlauen Mann gesellt, linste nachdenklich zur Decke.
»Und nun?«
»Jetzt werde ich unsere Tochter aufklären. Den Rest sehen wir später.«
Nachdenklich nestelte er an den Rädchen, bis die kleinen Lichter nicht mehr flimmerten.
Ich verstehe nur Bahnhof! Werden Erwachsene jemals für mich verständlich reden?
Odoras erste Begeisterung war verflogen. Diese Geheimnistuerei nervte sie.
Flugs nahm ihr Vater sie an die Hand, führte sie in sein Büro und schloss die Tür hinter sich. Etwas verlegen blickte er ernsthaft zu seiner Tochter.

»Mein liebes Kind, mit diesem Gerät kann man Wanzen aufspüren.«
»Mensch, ein Apparat, mit dem man Käfer finden kann!«
Odora staunte nicht schlecht.
»Nein Odora, keine Tierchen«, schmunzelte Vater, »es handelt sich um kleine Mikrofone, die versteckt angebracht werden. Damit belauscht man heimlich Gespräche. Nun haben wir Gewissheit: Der Geheimdienst macht lange Ohren in diesem Haus!«
Lange Ohren?
Vater verriet dem entsetzten Mädchen, dass man als Kommunist im Westen als Staatsfeind gelte. Er erzählte ihr vom Kalten Krieg und den Kräfteverhältnissen der Weltmächte. Gebannt lauschte sie seinen Worten, verlor augenblicklich ein Stückchen ihrer kindlichen Unbeschwertheit.
»Du sollst wissen«, ergänzte ihr liebster Staatsfeind, »dass unser Telefon ebenfalls überwacht wird.«
Odora raufte sich die Haare.
»Oh nein, Papa, das heißt ja dann, dass jemand die intimsten Gespräche zwischen mir und meinen Freundinnen mitgehört hat!«
Sie errötete, sprang auf und flüchtete sich in Vaters Arme.
Der musste lachen, hielt sie fest und streichelte über ihr zerzaustes Haar.
5 Sterne
Liebevolle Autobiographie - 19.02.2023
John

Mat dësem autobiographeschem Roman huet Denise Urbany sech selwer e grousse Wonsch erfëllt. Di zum groussen Deel ganz detailléiert Erliefnisser aus sengem Liewen vu Kandes un, gi ganz weit. Well ech selwer, Denise eng Zäit laang besser kannt hunn, konnt ech mech an den éischten honnert Säiten un di Zäit vun den Enn 70er/Ufanks 80er zréck versetzen. De Roman ass an engem perfektem Däitsch einfach gehalen a flott geschriwwen. Et liest ee wärend dem ganze Buch seng Léift zu senger ganzer Famill eraus. Et wäerten 2 Aarte Lieser ginn, déi di Denise an engem vu sengen Liewensofschnëtter kannt hunn, an déi di dëst Buch an de Grapp kréien an sech wäerte wonnere wéi d‘Liewen engem ka matspillen. Vun Ufank bis zum Schluss ass „Action“ ugesot. Munchmol lëschteg, munchmol traureg. Awer ëmmer erëm voller Liewesenergie. Respekt fir dëse Roman.

5 Sterne
Humorvoll und nachdenklich - 01.01.2023
Rita

„Odora Ungewöhnlich“ ist eine humorvoll geschriebene Lebensgeschichte. Von einer Episode zur anderen schlittert man durch Beziehungsgeflechte, Schicksalsschläge und Wendungen im Leben der Protagonistin, die kompromisslos ihren eigenen Weg geht. Schicksal, Karma oder der Fluch einer Zigeunerin? Zum Ende hin wird da Buch nachdenklich. Ein, wie ich finde, sehr gelungenes Buch, kurzweilig und tiefgründig. Sehr empfehlenswert.

5 Sterne
Wunderbar!!! - 28.12.2022
Schmitz Christiane

Toller Roman mit sehr viel Herz und Humor geschrieben! Die Autorin führt Sie durch ihre Kindheit, Jugend und Erwachsenwereden und so mancher wird sich in diesem autobiographischen Roman wiedererkennenund feststellen dass Hypersensibilität doch nicht so ungewöhnlich ist.Ich würde mich sehr über eine Fortsetzung von ODORA freuen!!!

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