Kalte Kernreaktion

Willi Meinders

Kalte Kernreaktion

Die sauberste und billigste Energie steht bereit

Leseprobe:

Einleitung

Ich habe als Titel für mein Buch „Kalte Kernreaktion“ gewählt, weil ich über Jahre den Begriff „coldreaction.net“ für meinen Blog verwendet habe. Man weiß nicht, wie man das Phänomen der „Kalten Kernreaktion“ oder „Kalten Kernfusion“, auch genannt „Low Energy Nuclear Reaction“ oder „anomaler Hitzeeffekt“ einheitlich nennen soll, denn die theoretischen Grundlagen sind nicht völlig klar. Der Physiker und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow prägte den Begriff „Kalte Kernfusion“, der sich weithin als historisch begründeter Arbeitsbegriff eingebürgert hat. Eines steht jedoch seit langem fest: Die verschiedenen Begriffe bezeichnen ein Phänomen, bei dem Geräte sog. „Überschussenergie“ liefern, d. h. sie erzeugen erheblich mehr Energie, als ihnen zugeführt wird.

Dieses Buch ist kein Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion über die sog. „Kalte Fusion“. Es beschäftigt sich vielmehr mit den Chancen dieser Technologie aus der Sicht des Verbrauchers und des Umweltschutzes. So nimmt zwar der physikalisch-technische Aspekt der Kalten Fusion breiten Raum ein, aber gerade so viel wie der Laie für einen Zugang zu dem Thema braucht. Und welche Fragen das sind, habe ich durch meine wenigen Seminare, unzählige Mails und Anrufe gelernt. Auch der Laie benötigt ein Grundverständnis für die Technologie der Kalten Kernreaktion, damit er die Tragweite des Themas für sich selbst und die Gesellschaft erkennt. Nur auf diesem Wege kann sich politischer Druck aufbauen, der letztendlich zu einer sehr viel stärkeren politischen Unterstützung dieser Technologie führt. Deshalb ist es notwendig, nicht nur diese Technologie zu behandeln, sondern auch das politisch-wirtschaftlich-wissenschaftliche Umfeld. Bei dieser Sichtweise stellt sich zwangsläufig die Frage, wie es sein kann, dass die Kalte Fusion in vielen Ländern immer noch behindert wird und manche Wissenschaftler bis heute auf der Position des Herrn Palmström im Gedicht von Christian Morgenstern („Die unmögliche Tatsache“) verharren, den er in der letzten Strophe sagen lässt: „Und er kommt zu dem Ergebnis: Nur ein Traum war das Erlebnis. Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf“. Was verspricht die Kalte Kernfusion: Saubere, billige, abfallfreie, ressourcenschonende, landschaftsschonende, strahlungsfreie und dezentrale Energie. Was will man mehr.

Das Buch stellt auch die Frage, warum ausgerechnet ein ressourcenarmes Land wie Deutschland in dieser Technologie sich erst jetzt, nachdem die EU ein Forschungsprogramm aufgelegt hat, diesem Gebiet zuwendet. Zur gleichen Zeit ist ein Unternehmen dieser Technologie in den USA bereits in einen Energiekonzern eingegliedert und arbeitet am Markteintritt und in Japan geschieht dies ebenfalls. Die Märkte für die Technologie sind mittlerweile weitgehend geschlossen, weil schon vor Jahren weltweit Patente erteilt wurden. Hier im Buch erwähne ich einige wichtige Patente und Gutachten, die die Diskussion über die Kalte Fusion wesentlich bestimmt haben. Darüber hinaus gibt es allerdings zahlreiche weitere Patente, Gutachten, Replikationen und Demonstrationen der Technologie der „KF“.

Die Versäumnisse von Wissenschaft und Politik in Deutschland sind markant, die sich daraus ergebenden Fragen sind unangenehm. Aber diese Fragen müssen gestellt werden, weil sich sonst kein Gesamtbild der Situation um die Kalte Fusion ergibt. Die Lage um die Kalte Fusion erfordert klare Worte; falsche Rücksichtnahmen, Denk- und Handlungsverbote haben Verbraucher und Umwelt um zwanzig bessere Jahre betrogen. Die aktiven und passiven Verhinderer der Kalten Fusion haben einen riesigen Schaden angerichtet. Oder, wie es der Autor Brian Westenhaus sagt: „Die Wissenschaftler, die sich in Demoralisierung, wegwerfender und charaktervernichtender Art engagiert haben, haben mehr Unheil angerichtet als jede andere Ansammlung von Betrügern sich hätte ausmalen können“. Wie es zu diesem harten Urteil kommt, werden Sie in den nächsten Kapiteln erfahren.

Überall auf der Welt, vielleicht weniger in Japan, ist die Entwicklung der Kalten Fusion behindert worden. Ich stelle Fragen nach dem „warum“ und muss keine Rücksichten nehmen, weil ich weder politisch, wirtschaftlich noch wissenschaftlich einer „Community“ angehöre. Ich fühle mich einzig und allein den Verbrauchern und der Umwelt verpflichtet. Ich bitte um Verständnis, wenn ich immer wieder meine Verärgerung über die herrschenden Zustände in Politik und Wissenschaft erkennen lasse. Die Technologie war seit Jahren da, aber sie wurde als „Phänomen“ behandelt, eben weil man sie nicht verstand oder nicht verstehen wollte. Aber sie hätte schon viel früher genutzt werden können. Nach der Logik mancher Wissenschaftler hätten die frühen Menschen keine Feuer entzünden dürfen, denn sie verstanden ja die komplexen chemisch-physikalischen Zusammenhänge dieses Vorgangs gar nicht. Die Dampfmaschine wurde genutzt, bevor es die Wissenschaft der Thermodynamik überhaupt gab, der Röntgenapparat wurde genutzt, bevor die Wissenschaft ihn wirklich verstanden hatte. Auch die Kalte Fusion hätte schon lange genutzt werden können: Der massive Energiegewinn war unbestritten und ebenso war absolut sicher, dass es keinerlei schädliche Emissionen gab. Aber viele Physiker haben die Erforschung und Nutzung des „Phänomens Kalte Fusion“ verhindert, weil sie es nicht verstanden. Die massiven Vorteile für Verbraucher und Umwelt waren ihnen dabei nicht wichtig genug, viel wichtiger war ihnen der Erhalt ihrer Deutungshoheit. Sie haben damit den Profiteuren der Karbon-Industrie in die Hände gespielt.

In frühen Zeiten der Wissenschaft waren praktisch alle Erfindungen ein Ergebnis von Versuch und Irrtum. Mit zunehmenden technischen, mathematischen und methodischen Fortschritten etablierte sich die sog. „Grundlagenforschung“. Ein wichtiger Fortschritt, der aber gleichzeitig eine Art „Alleinvertretungsanspruch“ bei Erfindungen entstehen ließ und da haben „Phänomene“ keinen Platz. Die Patentämter weltweit folgen diesem Anspruch zum Glück nicht und so kommt es, dass zahlreiche Patente zur Kalten Fusion erteilt wurden. – Was die Physik angeht erlaube ich mir, „ungenau“ zu sein. Es geht mir darum, Nichtfachleuten das Thema „Kalte Fusion“ durch einfache, verständliche Erklärungen näherzubringen. Es ist also völlig egal, ob in einem Anion oder Kation weniger oder mehr Elektronen beheimatet sind. Es geht mir um die Darstellung der Zusammenhänge, um die Einbettung der Kalten Fusion in die Energiepolitik, die Gesellschaft, in die Geopolitik, aber vor allem um die Auswirkungen auf die Privathaushalte und nicht zuletzt den Umweltschutz.

Das Thema Kalte Fusion muss neben den spezialisierten Foren, Fachzeitschriften und Fachkongressen endlich in die Öffentlichkeit gelangen. Das Thema gehört in die Umweltverbände, die Parteien, die „grünen“ Bewegungen. Und um das zu erreichen, muss die Sprache zur Kalten Fusion verständlicher werden. Aber ich bin dabei guten Mutes. Auch die Elektrizität wird von den meisten Menschen nicht völlig verstanden – genutzt wird sie aber ganz selbstverständlich. Die Erklärung der KF ist ein fast unmögliches Unterfangen, weil die Zusammenhänge kompliziert sind. Die größte Hürde ist dabei klarzumachen, dass Masse und Energie zwei Seiten derselben Medaille sind. Um am Ende die Überzeugung zu erlangen, dass „Kalte Kernfusion eine gute Sache ist“, muss man diesen schwer nachvollziehbaren Weg gehen. Es kann und darf nicht sein, dass sich einer der größten technologischen Durchbrüche abzeichnet, den die Welt je gesehen hat, dass aber neben der breiten Öffentlichkeit auch fast alle Politiker, Verbände und Organisationen aller Art noch nie etwas davon gehört haben. Diese Information ist auch notwendig, damit die „üblichen Verdächtigen“ der „Bereicherungsindustrie“ das Geschäft nicht weiter unter sich ausmachen. Die Mechanismen zu dieser Bereicherung heißen künstliche Verknappung und Zentralisierung. Verknappung ist bei der Kalten Fusion eigentlich unmöglich, denn die verwendeten Ressourcen sind zum einen reichlich vorhanden, zum anderen wird so gut wie nichts verbraucht. Man könnte aber versuchen, eine Verknappung über staatliche Regulierung oder über Rohstoffkartelle zu erreichen. – Zum anderen wird man versuchen, die dezentrale Energie der Kalten Fusion zu zentralisieren, indem man sie zu Kraftwerken bündelt. Nur so kann man in großen Stil von der Verteilung der Energie profitieren. Um diesen Entwicklungen Einhalt zu gebieten, ist Wachsamkeit vonnöten. Und um wachsam sein zu können, braucht man Wissen.



Der unwillkommene Segen

Die Kalte Kernfusion ist ein umstrittenes Thema, und wenn es nach manchen Widersachern dieser Technologie ginge, wäre „umstritten“ gleichbedeutend mit „nicht erwiesen“ oder „falsch“. Dies ist aber beileibe nicht der Fall, denn der Weg dieser Technologie ist gepflastert mit erteilten Patenten, positiven sog. „peer-reviewed“ Gutachten (also Gutachten anerkannter Wissenschaftler), erfolgreicher Demonstrationen usw. Dazu später mehr. In Patentschriften, Gutachten und anderswo wird der Begriff „Kalte Fusion“ verwendet, vielfach aber auch der „Ersatztitel“ LENR = Low Energy Nuclear Reactions. Ich verwende beide. Ob in den kleinen Reaktoren, um die es bei der Kalten Fusion geht, tatsächlich eine Fusion von Atomkernen stattfindet oder ob sich die erzielte Überschussenergie auf andere Weise ergibt, sei dahingestellt. Wichtig ist, dass tatsächlich und erwiesenermaßen Überschussenergie auf nicht-chemische Weise erzeugt werden kann. Überschussenergie heißt: Es wird von einem Gerät mehr Energie erzeugt, als ihm vorher zugeführt wurde, und zwar erheblich mehr. Ich bleibe hier im Buch bei dem Begriff „Kalte Fusion“ oder LENR, obwohl mir klar ist, dass nach einem endgültigen Verständnis der Vorgänge es vielleicht noch zu einem Wechsel der Bezeichnung kommen kann. Es ist auch nicht ganz unwahrscheinlich, dass für verschiedene Systeme des „AHE“ (Anomaler Hitze Effekt) auch in Zukunft verschiedene Bezeichnungen verwendet werden. Die Systeme der Leonardo Corporation, von Brilliant-Light Power und Norront-Fusion sind sehr verschieden. Sie erzeugen alle Überschussenergie in kühlschrankgroßen Reaktoren, aber nur Holmlid nennt sein System „Fusion“. Dazu später mehr. Allerdings ist es schade, dass seit Jahrzehnten so viel „Diskussions-Energie“ in diese Namensgebung gesteckt wird. Richtig unfair wird die Diskussion, wenn der Eindruck erweckt wird, durch den fehlenden Beweis der Fusion sei auch der Gewinn an Überschussenergie nicht erwiesen. Diese Behauptung ist böswillig. Denn die Überschussenergie ist hundertfach gemessen worden, mit vielen verschiedenen, wissenschaftlich anerkannten Messmethoden.

Bevor ich mich den Details widme, will ich mich zunächst vorstellen und erklären, weshalb ich mich überhaupt für das Thema „Kalte Fusion“ interessiere und warum ich mich seit Jahren dafür engagiere. Ich bin Jahrgang 1946, also lange nicht mehr im aktiven Berufsleben. Dieses Berufsleben war sehr unruhig, weil ich mich „on the job“ von „ganz unten“ nach „ziemlich weit oben“ gearbeitet habe. Dieses Arbeiten und Lernen „on the job“ ist mir zur zweiten Natur geworden und hat mir bei der Erschließung des Themas „Kalte Kernfusion“ entscheidend geholfen. Ich habe keinerlei technische Ausbildung, aber doch ein ganz ausgeprägt technisches Verständnis. Diese Art von „Vorbildung“ befähigt beim Thema „Kalte Kernfusion“ eigentlich zu nichts. Nur, wenn man auf diese Art und Weise an ein Thema herangeht, ist der Misserfolg sicher. Fortschritte gehen oft mit Grenzüberschreitungen bei der Vorgehensweise einher und deswegen habe ich keinen Moment gezögert, mich des Themas anzunehmen.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 282
ISBN: 978-3-99107-698-8
Erscheinungsdatum: 28.06.2021
EUR 24,90
EUR 14,99

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