Politik & Wirtschaft

Superfaktor Geld

Hartmut Michael Möltgen

Superfaktor Geld

Wachstum in Zeiten einer neuen Wirtschaftsordnung

Leseprobe:

2. Passivgeld

In der reinen Passivgeldordnung lässt sich Geld nur über einen Kreditvertrag neu schöpfen. Zwar ist die Geldschöpfung per Kreditvertrag nicht neu, wird aber immer noch nicht rein im privaten Passivgeldsystem durchgeführt. Das verliehene Geld sollte entweder zu 100 % aus Einlagen anderer Kunden stammen oder aber gegen Sicherheiten der Kunden zu 100 % neu entstehen, also neu geschaffen werden. Nur bei einem neu aufgelegten rein privaten Kreditvertrag mit 100 %er Absicherung wird Geld als sicheres Geld geschaffen, und wenn dies wie vorausgesetzt ein privater Kreditvertrag ist, so kann man von einer privaten Geldschöpfung sprechen. Werden hingegen Kreditgelder aus den Einlagen anderer Kunden genommen, so ist dies keine Geldschöpfung und sollte streng voneinander getrennt gesehen werden. Alle Verträge mit Ansparphase, typisch für den klassischen Bausparvertrag, sollten so ausgelegt werden, dass dabei kein neues Geld geschöpft wird, weshalb diese Verträge hier zunächst nicht anzusprechen sind. Kreditverträge ohne Ansparphase benötigen mehr Sicherheiten als Verträge mit Ansparphase, zumal sie halt neues Geld entstehen lassen. Dieses neue Geld muss abgesichert sein, und zwar durch vertraglich zugesicherte Arbeitsleistungen in der Zukunft oder in der Vergangenheit, will man das neu entstandene Geld als sicher bezeichnen. Diese Kreditverträge sollten zinslos vergeben werden, worauf an anderer Stelle noch näher einzugehen ist, dafür aber begrenzt über die verfügbare Lebensarbeitsleistung abgesichert und zudem gebührenpflichtig sein. Um sich nicht mit derartigen Verträgen zu versklaven, sollte nur die Hälfte der potenziellen Lebensarbeitszeit als Sicherheit für Kredite herangezogen werden dürfen. Die Verträge sind zudem so auszugestalten, dass mit monatlicher Rückzahlung in tragbaren Raten diese Gelder angesammelt werden und erst zum Schluss bei Ablösung des gesamten Kredits zur Löschung des Kredits herangezogen werden können. Werden die Bearbeitungsgebühren und die Gebühr für die Kontoführung auf die Menge der zu verwaltenden Gelder bezogen, so kann man dies auch so durchführen, dass die Gebühren auf dem Kreditkonto in Prozent der zu verwaltenden Geldsumme berechnet werden, dadurch würden diese mit der verminderten Kreditschuld im Laufe der Jahre geringer werden. Ohne fraktionierten Rückbehalt bei den Einlagen könnten Einlagen und Kredite der Notenbank paritätisch behandelt werden. Die Geschäftsbank tritt hier nur noch als Vermittler auf, wie auch bei den Ansparverträgen, weshalb sie bezogen auf diesen Bereich auch keine Barreserven vorhalten muss.

Wir benötigen in jedem Fall eine Abkehr vom teilgedeckten Bankensystem und der fraktionierten Reservehaltung, wie Mayer dies auch fordert. Erreichbar ist das durch einen Wechsel in ein Aktivgeldsystem, aber besser durch voll gedeckte private Kredite im Passivgeldsystem, um hier die Terminologie von Mayer zu verwenden. Im voll gedeckten Passivgeldsystem sollte die in einem Verzeichnis hinterlegte potenzielle Arbeitsleistung als Bezug und Sicherung für Kreditverträge herangezogen werden. In einem derartigen Verzeichnis, dem Arbeitszeitkonto, besser Arbeitsleistungskonto, sind neben den potenziellen zukünftigen Leistungen auch die im klassischen System bereits als Sicherheit eingesetzten Vermögenswerte aus vorangegangenen Arbeitsleistungen festzuhalten. Rechnet man mit potenziell 1632 Stunden im Jahr (34 Stunden in der Woche), so kommt man bei 50 Jahren in einem Beschäftigungsverhältnis auf 81.600 Stunden, die innerhalb einer Lebensspanne zur Verfügung stehen. Insgesamt könnten davon 40.800 Stunden zur Absicherung herangezogen werden. Das heißt dann auch, dass dies eine Grenze für eine maximal mögliche Absicherung darstellt und somit auch für die maximale Kredithöhe. Multipliziert man die Arbeitsstunde mit dem zugerechneten Wert in der neuen Währung, so erhält man den Basis-Kreditbetrag, der maximal in einer Lebensspanne zur Verfügung gestellt werden kann. Geht man zum Beispiel davon aus, dass jede einzelne Stunde eines ungelernten Arbeiters mit 10 Euro bewertet wird, in der neuen Währung vielleicht 10 NIM, so steht ein möglicher Kreditbetrag von 408.000 NIM in der Basisversion zur Verfügung. In der Regel ist mit höheren Beträgen zu rechnen, wird man doch selbst dem einfachen Arbeiter nach einer Einarbeitungszeit einen gewissen Erfahrungswert zurechnen können. Wird mit diesem Geld eine Immobilie erworben, so kann man auch den neuen Sachwert in die Kalkulation mit einbeziehen bei der Frage, ob Geld zur Verfügung gestellt werden sollte oder nicht. Entspricht der Sachwert zum Zeitpunkt des Kaufs exakt der zur Verfügung gestellten Kaufsumme, so ist damit der Kredit auch doppelt abgesichert. Wird diese Hypothek nicht mehr bedient, kann die Bank das fehlende Geld auch aus dem Verkauf der Immobilie wieder zurückerhalten. Verkaufserlös und bereits gezahlte Tilgungsbeiträge sollten dann so verrechnet werden, dass der den Kreditbetrag übersteigende Betrag aus der Veräußerung dem Konto des Kreditnehmers gutzuschreiben ist. Ein Fehlbetrag kann dann und nur dann erst von einer Versicherung ausgeglichen werden, wenn die anderen Quellen erschöpft sind. Dadurch, dass die Versicherung erst in letzter Instanz noch einspringen muss, sollten auch die Versicherungsbeiträge erträglich sein.

Wichtig ist, dass die Geldschöpfung über Kreditvertrag rein privatrechtlich abgesichert wird und damit auch keinerlei Absicherungen durch staatliche Institutionen vorzusehen sind. Die privatrechtliche Absicherung muss überprüfbar und kontrollierbar sein, und zwar aufgrund von Gesetzen, die von der Legislative erlassen und deren Einhaltung von der Exekutive auch durch Kontrollen eingefordert werden sollte.



3. Kryptogeld, eine Alternative?

Zunächst stellt sich die Frage, ob Kryptogeld von Haus aus auch Vollwährung sein kann, zudem ein Aktivgeld oder aber ein Passivgeld, ehe wir nach der besonderen Geldschöpfung dieser digitalen Währungen fahnden. Was Kryptowährungen auf keinen Fall sind, sie sind keine Art Vollwährung, sind sie doch dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht ohne den Tausch in oder aus einer staatlich abgesicherten Währung existieren können. Da alle digitalen Währungen, die nicht durch Kredite entstehen, auch keine Passivgelder hervorbringen, so können die bis zum Jahre 2000 entstandenen digitalen Währungen nur dem Aktivgeld zugeordnet werden, entstehen sie doch nicht durch Kredite, sondern durch Algorithmen wie bei dem sogenannten Mining bei Bitcoin. Allerdings handelt es sich hier um ein Aktivgeld, das keinen Vollgeldcharakter hat, worauf extra hinzuweisen ist, da oft auch die Begriffe Vollgeld und Aktivgeld synonym verwendet werden. Die Kryptowährungen der ersten Generation sind auch nicht mit Reserven unterlegt, wie dies bei Libra in der Planungsphase diskutiert wird, sie sind im Gegensatz zu Libra keine Stable Coins. Ehe die vor allem von Bitcoin bekannte Geldschöpfung durch Mining zu erklären ist, sollte kurz die Frage geklärt werden, weshalb und seit wann es die Kryptowährungen gibt. Nach der Finanzkrise 2008/2009 sind die sogenannten Kryptowährungen wie Pilze aus der Erde geschossen, das bekannteste Beispiel Bitcoin. Kryptowährungen entstehen weder durch die Aktivitäten von Notenbanken noch durch die von Geschäftsbanken, vielmehr durch die Abarbeitung von Algorithmen, bei der Erstellen und Kontrolle von Blockchain im Mining. Das Mining erfordert mit immer längeren Ketten, den Blockchains, auch immer größere Rechner und neben immer mehr Rechnerkapazitäten auch immer mehr Rechenzeit und Energie! Die Blockchain vermittelt dabei eine Sicherheit, die allein dem verwendeten Algorithmus geschuldet ist, ein Wertebezug fehlt dabei. Der Bezug zu Werten zu Sachwerten unterschiedlichster Art war und ist bis in die Neuzeit hinein jedoch ein wesentlicher Aspekt bei der Bewertung von Geld. Das Vertrauen in den Algorithmus wurde erst möglich, nachdem in den 80er‑Jahren die sukzessive Ablösung vom Gold mit der endgültigen Loslösung von der Golddeckung abgeschlossen wurde. Somit bleibt zum Ende des 21. Jahrhunderts nur noch das Vertrauen in das politische System. Es stellt sich natürlich dabei die Frage, ob den derzeitigen privat aufgelegten digitalen Währungen nicht auch digitale staatliche Währungen folgen könnten, Währungen, die durch die Zusage einer grenzenlosen staatlichen Akzeptanz nicht mehr den Charakter einer Kryptowährung besitzen, sondern eher den vergleichbarer Vollwährungen. Die letzte Absicherung ist dabei wie bei allem Notenbankgeld der Steuerzahler. Anders sieht es aus, wenn große Internetkonzerne wie Facebook ankündigen, eine eigene Kryptowährung auf den Markt zu bringen. Damit werden von Anfang an internationale Währungen etabliert, allerdings abhängig von den staatlich abgesicherten Notenbankwährungen, damit auch über den Steuerzahler als letzter Bürge abgesichert.
Im Gegensatz dazu ist bei dem in diesem Buch vorgeschlagenen sicheren Geld nicht der Steuerzahler der Letzthaftende, sondern der Kreditnehmer und die vom Kreditnehmer abgeschlossene Versicherung, wobei der Souverän nur noch für die Einhaltung der entsprechenden Versicherungspolicen und Absicherungen in letzter Instanz quasi per Gesetz zu sorgen hat.



V. Die Rolle der Notenbanken

„Der Kreditzins, der durch die Zentralbank gesteuert wird, ist in unserem heutigen Geldsystem der wichtigste Faktor zur Bestimmung der Geldschöpfung durch die Banken“
(Thomas Mayer, S. 46, 2014)

Notenbanken im aktuellen Geldsystem, das schon mal vorab, schöpfen nicht nur Geld, vor allem kontrollieren und steuern sie den Geldmarkt. Die Geldschöpfung kann banal betrachtet einfach per Auftrag über die Druckerpresse erfolgen, wobei man darauf achten wird, dass das gedruckte Geld fälschungssicher ist. Da stellt sich nun allerdings die Frage, mit welcher Legitimität und mit welcher rechtlichen Absicherung dies Geld gedruckt wird.
Die Notenbank kann Geld drucken, und zwar im Auftrag der jeweiligen Regierung, also im Auftrag des Souveräns. Sonderbarerweise gibt es selbst in den sich demokratisch nennenden Staaten nicht die Frage nach der Berechtigung, der Legitimation, in der Regel auch weder einen dezidierten Auftrag durch die Exekutive, geschweige denn einen Beschluss durch ein Parlament, lediglich einen Beschluss der Notenbank. Weder die FED in Amerika noch die EZB in Europa handeln im direkten Auftrag der Politik, auch wenn bei der Besetzung der Posten politische Einflussnahme durchaus üblich ist. Die Unabhängigkeit der Notenbanken ist dabei durchaus auch positiv zu sehen, verhindert diese doch eine Geldpolitik im Sinne der gerade an der Macht befindlichen Politiker und kann so eine gewisse vom jeweiligen politischen System unabhängige notwendige Stabilität im Geldmarkt bewirken. Deshalb sollen die Notenbanken sogar ausdrücklich unabhängig von der jeweils aktuellen Regierung sein und dafür sorgen, dass das Geld in ihrem Einflussbereich wertstabil bleibt und zudem auch nicht knapp wird, damit die Wirtschaft sich entwickeln und wachsen kann. Wachstum und keine Rezession, das ist das Credo der Notenbanken. Wachstum wird an sich selber dabei nicht hinterfragt, noch die Messlatte, mit der das nationale Wachstum gemessen wird. Generell wird das Wachstum nach dem BIP, dem Bruttoinlandsprodukt, bemessen. Dabei wird nicht danach gefragt, wie dieses Wachstum entsteht und woher die Gelder kommen! Diese Fragen sollten aber beantwortet werden, wenn auch hier erst mal zurückgestellt bis geklärt ist, wie Geld überhaupt entsteht und auf den Markt gelangt.
Notenbanken können zwar Geld produzieren, ohne dafür einen Grund zu benennen, außer dass die Wirtschaft ohne genügend Geld im Umlauf stagniert. Natürlich ist Geld notwendig, um eine diversifizierte Volkswirtschaft in Gang zu halten, vielfach ist dies aber nicht der wahre Grund, sondern der, dass der Staat neues Geld benötigt, um Ausgaben finanzieren zu können, Ausgaben, die nicht immer auch wirklich notwendig sind. Damit dies nicht zu sehr der Willkür unterworfen sei, wenigstens nicht den Anschein der Willkür erweckt, stellte man im Laufe der Zeit Regeln auf, die meist aus bestimmten Situationen heraus entstanden sind. Beginnen wir mit einer in der letzten Zeit bekannt gewordenen Aktion, und zwar der, Anleihen aufzukaufen, bekannt auch unter dem Begriff des „Quantitative Easing“. Die Notenbank druckt dabei nicht einfach Geld, um es dann zu verteilen, sie kauft vielmehr den Geschäftsbanken Wertpapiere ab und bezahlt diese mit frisch gedrucktem Geld. Dadurch gelangt Geld in den Umlauf, das zwar nicht auf ewig im Umlauf verbleibt, sondern nach einer festen Laufzeit wieder zurückkommt. Soll das Geld dann weiter im Umlauf bleiben, müssen erneut Wertpapiere (Anleihen) aufgekauft werden. Die Notenbank greift damit in den Finanzmarkt ein, stützt so zwar auch Firmen, die nach Geldquellen suchen, finanziert aber indirekt zusätzlich den Staat, wenn bei diesen Aktionen neben Firmenanleihen auch Staatspapiere aufgekauft werden. Soll auf diese Weise dauerhaft die im Umlauf befindliche Geldmenge erhöht werden, müssen immer wieder zusätzliche Käufe getätigt werden, womit der Eingriff in den Finanzmarkt immer massiver wird. Normalerweise sollten die Gelder für derartige Käufe nicht von der Notenbank kommen, sondern nur aus Spareinlagen oder Krediten der Bürger, die von Geschäftsbanken bereitgestellt werden. Bis zum Laufzeitende der aufgekauften Papiere durch die Notenbank ist dieses Geld zusätzlich im Markt, kann dann bei der Rückzahlung dem Markt wieder entzogen werden, wenn nicht Neukäufe dies kompensieren. Insofern könnte man dabei von einer nachhaltigen Geldpolitik sprechen, gäbe es da nicht die bereits angesprochenen Nebeneffekte auf den Markt. Zu beachten ist ebenso dass die Banken durch den doppelten Verkauf von Anleihen quasi doppelt verdienen, um nur eine Komponente in diesem Prozedere zu benennen, was Geld verbraucht, das nicht den Bürgern, sondern dem Finanzmarkt zugutekommt. Die Banken erhalten zwar mit dem Geld für aufgekaufte Papiere durch die Notenbank auch die Mittel, um Geld bei der Notenbank zu deponieren, zu hinterlegen, ein gutes Geschäft für die Notenbank und eine Möglichkeit für die Geschäftsbanken, weitere Kredite zu vergeben. Dies System hat sich aber überholt, da so die Kreditvergabe nicht wirklich marktgerecht gesteuert wird. Zwar müssen die Geschäftsbanken für jeden Kredit, den sie vergeben, einen Anteil bei der Notenbank hinterlegen, was durchaus hemmend auf die Kreditvergabe wirken kann, selbst dann, wenn nur 1 % zu hinterlegen ist. Gemeinsam mit der Vorschrift des Vorhaltens von Eigenmitteln könnte dies die Kreditvergabe einer exakten Steuerung unterziehen, wäre da nicht das immer weiter ansteigende Potenzial an nicht gebundenem Kapital. Es stellt sich die Frage, ob wirklich noch das zusätzliche Geld aus den Ankaufsprogrammen benötigt wird. Dennoch ist davon auszugehen, dass ein Ankaufprogramm, so wie von der EZB durchgeführt, die Kreditvergabe der Banken eher erhöht denn zurückdrängt. Zu beachten ist auch die Wirkung auf das Zinsniveau, da der Ankauf von Anleihen durch die Notenbank auch die Zinsen herunterdrückt und damit in die gleiche Richtung wirkt wie die Herabsetzung des Leitzinssatzes und des Basiszinssatzes. Die Herabsetzung des Leitzinssatzes der EZB auf 0 % führt zum Beispiel dazu, dass sich Banken von der EZB Geld leihen können, ohne dafür Zinsen bezahlen zu müssen. Dennoch muss der Bankkunde bei den meisten Banken für die Überziehung zwischen 10 % und 15 % bezahlen. Die Notenbank bestimmt demnach nicht unmittelbar das Zinsniveau bei der Bank und im sonstigen Geldverkehr am Markt, sie kann aber zinslos Geld verleihen und zinsbasierte Wertpapiere aufkaufen! Mit der Forderung nach einer vorgeschriebenen Eigenkapitalbildung kann sie ebenso ihren Einfluss auf die Geschäftsbanken ausüben, wie auch mit der Forderung bei jedem Kredit einen Anteil von 1 % bei der Notenbank zu hinterlegen, soweit diese nicht mehr alleiniger Schöpfer des Geldes ist. Heutzutage liefert die Notenbank nur noch das Bargeld in Form von Scheinen und Münzen. Allein dadurch, dass bei jeder Kreditrunde ein kleiner Teil des Geldes abgezweigt wird, sofort nachdem es neu geschöpft wurde oder auch aus Spargeldern genommen wurde, kommt es zu einer Entwertung des Geldes bereits an der Quelle. Die Notenbank sorgt sich nicht wirklich um die Wertstabilität des Geldes, sondern um eine permanente Entwertung, womit sie die Löcher im Staatshaushalt stopft, ersichtlich auch an dem Ziel, die Inflation auf 2 % einpendeln zu wollen. Nehmen wir uns jetzt mal den Kredit vor, so wie er ursprünglich organisiert wurde, und fragen dann noch mal, was daraus geworden ist, so müssen wir davon ausgehen, dass die Notenbank in früheren Zeiten ihren gesamten Kredit mit Gold hinterlegte, was so viel heißt, dass man jederzeit sein Geld in Gold eintauschen konnte. Davon hat sich die Praxis im Laufe der Jahre immer weiter entfernt, zunächst mit Teildeckungen bis hin zur Nulldeckung im letzten Jahrhundert. Seitdem sich das Buchgeld immer mehr ausbreitete, ein Geld, das nur auf dem Konto als Guthaben steht das nicht mehr in Form von Bargeld gehalten wird, man spricht auch von Giralgeld, seitdem verliert die Notenbank auch nach und nach den Überblick über die Gesamtheit der im Umlauf befindlichen Gelder. Die Notenbanken kümmern sich immer mehr nur noch um den Nachschub an Bargeld, das zudem mit dem Aufkommen des Plastikgeldes immer weiter von der Bildfläche verschwindet. Damit ist auch zu erklären, dass in den skandinavischen Ländern die Notenbank als erste die Herausgabe eines eigenen digitalen Geldes in Erwägung zieht.
Ersetzt die Notenbank das Bargeld durch eigenes digitales Geld, so handelt es sich dabei im Sinne der bisherigen Darlegungen um ein Aktivgeld. Damit wird aber nicht alles Geld zum Aktivgeld, da die Kreditgelder auch weiterhin als Buchgeld den Markt beherrschen werden. Betrachten wir deshalb die Kreditvergabe etwas genauer. Insofern in der weiteren Vergangenheit die Privatbanken ursprünglich nur Spargelder als Kredite weitergeben konnten, so war die Kreditvergabe abhängig von den zur Verfügung stehenden angesparten Einlagen; nur bei hohen Sparquoten konnten auch hohe Kreditquoten erreicht werden. Genauso konnte die Golddeckung, soweit sie noch der Volldeckung nahekam, begrenzend wirken. Da der Kredit inzwischen vor allem durch ein Versprechen in die Zukunft gedeckt wird, ist es wichtig, etwas über die Eigenkapitalisierung der Bank zu wissen und den Garantien des Souveräns zu vertrauen, zumal er als Letzthaftender auftritt. Eine wertstabile Währung wird aber in keinem Land versprochen und erst recht nicht gehalten. Gold, das zunächst in den Münzen enthalten war, wurde dann von den Notenbanken als letzte Sicherheit zur Deckung für Papiergeld gehalten, wenn auch nach und nach mit immer geringerer Teildeckung. In den Zeiten der Volldeckung hätte man die Währung noch leicht wertstabil halten können, wäre da nicht der Anreiz gewesen, durch eine kontinuierliche Verringerung der zur Sicherheit eingelagerten Goldreserven die Währung zu entwerten, und zwar zugunsten des Staates, der eigentlich Hüter der Währung sein sollte. Dies war die Chance für alle Geschäftsbanken, sich von den Krediten der Notenbank immer weiter abzuseilen, indem sie das Recht erhielten, selber an der Geldschöpfung beteiligt zu werden, und dabei nur noch einen ganz kleinen Teil zur Sicherheit bei der Notenbank hinterlegen mussten, wodurch das neu geschaffene Geld auch gleich einem Entwertungsprozess unterzogen wurde. Es müsste da doch möglich sein, das Geld durch Kredit neu zu schaffen, ohne es gleich beim Entstehungsprozess schon zu entwerten, und zwar, indem das Geld so wie im Kreditvertrag festgelegt zu 100 % ausgezahlt wird und nach Ablauf der Kreditphase auch wieder zu 100 % zurückgezahlt wird. Das würde zudem ein klareres Bild zur aktuellen Umlaufmenge hergeben. Dies gilt natürlich auch, wenn die Notenbank die Quelle aller Kredite ist, sie könnte schließlich am ehesten Verluste kompensieren, indem sie einfach fehlende Gelder neu auflegt und als Ersatz in den Umlauf bringt. Die Geschäftsbank hingegen muss mit Eigenmitteln die Verluste ausgleichen können oder aber den Staat um Hilfe bitten.
Die Sicherheit durch den Souverän schwindet aber, je mehr sich dieser selber verschuldet hat Zeit, auch über neue Banken und Notenbanken nachzudenken, zum Beispiel Freie Notenbanken, die nicht von staatlichen Organen abhängig sind und nur privaten Vertragswerken folgen. Im Gegensatz zu den derzeitigen staatlichen Notenbanken sollte die private Freie Notenbank Geld nicht mit staatlichen Absicherungen und nicht mit dem Letzthaftenden, dem Steuerzahler absichern, sondern nur über die beste aller Bonitätsabsicherungen, die aktuelle und die bereits realisierte Arbeitskraft des Kreditnehmers.



VI. Sicheres Geld, ist das möglich?

„Schon im Jahre 1921 hat der amerikanische Ökonom Frank Knight, der später an der Universität von Chicago forschte und lehrte, zwischen Risiko und Unsicherheit unterschieden, Risiko können wir messen, Unsicherheit nicht.“
(Thomas Mayer: Die Neue Ordnung des Geldes, S. 65, 2014)

Wie wir gesehen haben, kann die Notenbank die Wertstabilität des Geldes nur bedingt garantieren und will es in der Regel auch nicht. Der Finanzmathematiker kann Risiken berechnen, aber auch keine Sicherheiten anbieten. Wer Geld für geleistete Arbeit entgegennimmt, der will damit aber adäquate andere Leistungen und Waren erstehen können, und dies möglichst nicht nur für die nächsten Stunden, sondern auch noch in den kommenden Jahren. Geld sollte also wertstabil sein, wenn möglich bis in alle Ewigkeit. Dies schien mit den Goldmünzen seit Krösus durchaus der Fall zu sein, wurde doch der geprägte Wert durch den Metallwert abgesichert, die Wertangabe auf der Münze sollte nur die Wertbestimmung im Alltag erleichtern, man brauchte nicht mehr zu wiegen, konnte den Wert durch Abzählen bestimmen. Daher wurde der Johannisthaler, der in Silber geprägt wurde, als Münze der landläufigen Goldmünze im 16. Jahrhundert im Gewicht gleich gehalten, um so eine Parität zur Goldmünze zu erreichen, obwohl das Edelmetall ein anderes war. Dieser vor 500 Jahren erfundene Thaler war noch wertstabil, insofern er seinen Wert durch den Metallwert in sich trug, und nur zusätzlich auch werthaltig durch die sich im Aufdruck widerspiegelnde Konvention. Geld, das nur über allgemeine Konventionen, ob durch die Notenbank oder die Geschäftsbank, entsteht, sollte aber doch auch entsprechend den Goldmünzen im Mittelalter abgesichert werden können.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 378
ISBN: 978-3-903861-02-2
Erscheinungsdatum: 29.06.2021
EUR 24,90
EUR 14,99

Herbstlektüre