Cover: Omergie

Omergie
Ein Entwurf für ein neues Wissenschaftsparadigma


EUR 29,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 318
ISBN: 978-3-99185-051-9
Erscheinungsdatum: 22.06.2026
Grundsätzlich gilt in der omergetischen Hypothese, dass Evolution ein schrittweiser Vorgang ist. Dies gilt deshalb, weil sich die Omergie selbst in Evolution befindet. Erst mit zunehmender Komplexität der Muster steigert sich ihre Potenz.
Kapitel I: Das Wirkliche
Eine neue Interpretation des Wirklichen


a) Ein erneuter Verstehensversuch


a.1) Neues Verständnis von Be-Griffen

Wie funktioniert Verstehen? Verstehen bedeutet nach Wilhelm Dilthey, aus äußerlich gegebenen, sinnlich wahrnehmbaren Zeichen ein „Inneres“, Psychisches zu erkennen (Wik). M.a.W.: Alles, was wir „sinnlich“ wahrnehmen können, wird in einem Gehirn in ein „Inneres“ umgewandelt. Oder anders: Verstehen ist das inhaltlich gedankliche Begreifen eines Sachverhalts, das nicht nur in der bloßen Kenntnisnahme besteht, sondern auch und vor allem in der intellektuellen Erfassung des Zusammenhangs, in dem der Sachverhalt steht (Wik). Doch dieses „Innere“, Psychische, ist nichts anderes, als das, was wir mit Worten als Hinweis auf den äußeren Zusammenhang zum Ausdruck bringen. Aber wie funktioniert das?

Es ist die Sprache, mit deren Hilfe wir Denken und damit etwas zum Ausdruck bringen, was wir erfasst haben. Hier gilt es jedoch sich etwas ganz Entscheidendes bewusst zu machen. Jeder Denkakt läuft immer nur im Kopf eines jeweils einzelnen Menschen ab, nämlich in dem, der denkt. Also ganz deutlich: alles was wir Menschen je als Denkprodukte hervorbrachten, entstand im Kopf eines einzelnen, diesen „inneren Inhalt“ denkenden Menschen. Die enormen Folgen dieser Einsicht werden im folgenden Text immer wieder aufgegriffen, um ihre weitreichende Folgen immer erneut zu erweisen, und zu belegen. Beginnen wir auf dieser Voraussetzung unsere Überlegungen und den daraus folgenden Argumenten.

Wie kann vor diesem Hintergrund eine Neuinterpretation bekannter Begriffe und den durch diese beschriebene und damit allgemein anerkannte Wirklichkeit aussehen? Um das zu beantworten, muss mau sich zunächst mit den bisher verwendeten Begriffen beschäftigen. Denn nur diese liefern den Zugang zu jedwedem bisherigen Verständnis von was auch immer. Bevor mau dies aber tun kann, ist es wichtig sich diese Worte – hier zunächst das Wort Begriff – selbst näher anzuschauen.

Sie verehrte Leser*innen werden sich vielleicht wundern, was diese Wendung hier bedeuten soll. Üblicherweise verwendet mau doch diese zwei Worte, also sowohl das Wort „Wort“, als auch das Wort „Begriff“ deckungsgleich. Bei genauerem Hinsehen stellt es sich aber heraus, dass dies keineswegs dem wirklichen Sachverhalt entspricht. M.a.W., Worte und Begriffe sind ihrer üblicherweise angewandten Bedeutung nach keineswegs „deckungsgleich“. Wie ist diese Aussage zu begründen?

Es war insbesondere Martin Heidegger, der immer wieder darauf verwies, dass das Wort Begriff von einem Be-Greifen – immer in dieser Schreibweise – herkommt. Oder anders ausgedrückt; wir können für uns nur dann von einem Be-Griff in seiner wirklichen Bedeutung ausgehen, wenn wir das, was ihn in unserem je ganz persönlichen Kopf ausmacht, be-griffen haben. Wenn wir also in mehrfacher und sich immer erneut wandelnder Weise damit umgegangen sind. Das meint sowohl das Be-Greifen im wörtlichen Sinne. Aber auch etwas im Kopf hin- und herwenden und von den unterschiedlichsten Seiten anschauen, bis wir es im wahrsten Sinne des Wortes be-griffen haben. Nur dadurch haben wir jetzt einen Be-Griff der damit und ab jetzt seinerseits ein Teil unserer persönlichen „Bilder im Kopf“ ist. Doch es sind immer nur unsere ganz eigenen Bilder. M.a.W.: Mit dieser „Wendung“ der Sicht auf Be-Griffe und ihre „Ent-Stehung“ kommt damit auch zum Vorschein, dass

erstens alle Be-Griffe im Kopf einer jeweiligen eigenaktiven Person hervorgebracht und/oder erfahren werden (s. u.).
Zweitens wird aber damit gleichzeitig ausgesagt, dass alles Be-Greifen von was auch immer, immer nur und zuerst im Kopf eines Menschen erfunden, erkannt, eben be-griffen wird.

Diese eben verwendete Metapher der „Bilder im Kopf“ habe ich in allen meinen Büchern schon so ausführlich dargelegt, dass es hier genügt, einige wenige Anmerkungen anzufügen. Darüber hinaus deckt er sich weitgehend mit dem Be-Griff der „gesellschaftlich geschichtlichen Imagination“ von Castoriadis. Das, was diese Metapher meint, ist alles das, was wir im Laufe unseres Lebens zunächst in unserer Umgebung „vorgefunden“ und dann in unseren „Kopf“ = Gehirn aufgenommen haben. Insbesondere das, was uns zunächst von dieser „Umgebung“ – also Eltern und eventuell weiteren Verwandten – durch deren Sprachgebrauch, aber auch deren Verhalten vorgegeben wurde.

Vor allem aber alles das, was dann im Laufe unseres Lebens – wenn wir dafür offen waren – durch Assimilationen und Akkomodationen zu denjenigen Konstruktionen wurden, die ich – aber auch er oder sie – mit diesem Be-Griff benenne. Oder anders gewendet; alles, was wir über das Leben allgemein, aber auch direkt über unsere Umgebung überzeugt sind zu wissen, was dann die Voraussetzung aller unserer daher kommenden Handlungen und deren Begründung ist, sind diese unsere „Bilder im Kopf“.

Oder noch anders; derzeit laufen auf dieser Erde etwa 8 Milliarden Menschen herum, die jeweils ihre je eigenen Bilder und damit je ganz persönliche „Erklärung von Welt“ mit sich herumtragen. Jeder Mensch auf dieser Welt hat daher auf dieser Grundlage und Voraussetzung seine je eigene Sicht von Welt, Realität und/oder Wirklichkeit. Es ist ganz alleine seine/ihre Welt-Sicht, zu der aber jeder Mensch das umfassende Recht hat. Es ist aber eben nur sein/ihr Wissen von der Welt, das sich eben niemals völlig mit der Sicht irgend eines anderen Menschen deckt. Es ist absolut wichtig, diesen Umstand endlich wahr- und ernst zu nehmen.

Was sind denn aber dann Worte? Nun Worte sind diejenigen Laute der unterschiedlichsten Sprachen, die diese in unserm Kopf vorfindlichen Bilder oder eben auch Be-Griffe lautlich ausdrücken. Ganz entscheidend dabei ist jedoch sich bewusst zu sein, dass dann, wenn ich von einem Umstand oder einem Gegenstand keinen Be-Griff habe, ihn also nicht wirklich verstanden habe, ich zwar die mir eventuell bekannten Worte benutzen kann. Aber jedermann, der sich über diesen Umstand bewusst ist kann immer wieder beobachten, dass dann das benutzte Wort oft falsch – bezogen auf seine wirkliche Bedeutung – angewendet wird. Oder es wird durch Äußerungen einer diese anwendenden Person „gezeigt“, dass es eben nicht wirklich verstanden wurde. Aber natürlich sind damit Be-Griffe erst in Ansätzen dargestellt. M.a.W.: Um sie wirklich richtig zu verstehen, insbesondere ihre enorme Bedeutung im Verständnis sowohl unserer Sprachen als auch unseres Sprechens selbst, müssen wir sie uns noch näher anschauen.

Natürlich ist es nicht so, dass jetzt alle Fragen oder Anmerkungen zu unseren Be-Griffen wirklich beantwortet wären. Ganz im Gegenteil beginnt ein solcher kritischer Umgang mit unserer Sprache hier erst richtig. Oder m.a.W.: Erst dieser Einstieg zeigt uns, dass es unbedingt wichtig ist, sich mit unserer derzeitigen Sprache etwas näher zu beschäftigen. Denn diese ist ja letztlich die entscheidende Voraussetzung unseres heutigen Denkens und daher kommenden Handelns. Vor allem aber prägt sie unserer aktuellen Konstrukte, bzw. unserer Bilder im Kopf, die unsere je eigene Sicht der Welt beinhalten. Um jedoch ein Fundament für diese Absicht zu schaffen, ist es vorab entscheidend, dass wir uns auch über den Umstand unserer geistigen Evolution bewusst sind. M.a.W.: Sowohl unsere jeweilige – bezogen auf bestimmte historische Zeitumstände – Sprache, aber eben besonders unser daher mitbegründetes Denken beruhen auf dem jeweiligen dominanten Denken dieser Zeit.

Oder noch anders; es sind derzeit vor allem die Folgen unserer geistigen Evolution, die wir hier unbedingt kurz ansprechen müssen, da wir sonst im Verständnis sowohl unserer Sprache selbst, als auch unserer „Bilder im Kopf“ „in der Luft“ hängen würden. Da ich aber diesen Zusammenhang allgemein in allen meinen Büchern, den speziellen Rückbezug auf die jeweilige Sprachstruktur aber sehr ausführlich in meinem Buch „Realität und/oder Wirklichkeit“ einschließlich deren Folgen gerade für unsere derzeitige Sprache dargestellt habe, müssen hier einige wenige Hinweise genügen. Dies auch deshalb, weil ich weiter unten immer wieder etwas ausführlicher auf bestimmte Bereiche dieser Zusammenhänge zurückkommen werde.

Jean Piaget erkannte und belegte im letzten Jahrhundert für heranwachsende Kinder bis zu vier Stadien – sein Be-Griff –, oder Ebenen, bzw. Strukturen;
sensomotorisch, von ca. 0,5 bis ca. 2-3 Jahre,
prä-operational – meist als prä-op abgekürzt – bis ca. 7 oder 8 Jahre,
konkret-operational – kon-op –, bis ca. 12 bis 14 Jahre
und als darauf folgend vorläufig letzte – wenn überhaupt –, formal-operational –, form-op –.

Dazu erweiternd beschrieb Jean Gebser für Erwachsene in unserer menschlich geistigen Geschichte 5 Strukturen – sein Be-Griff – und belegte diese ausführlich; nämlich
archaisch, magisch, mythisch, mental und integral-aperspektivisch.

Anzumerken ist hier aber, dass er
erstens die Strukturen mythisch und mental noch jeweils in eine effiziente, am Wir orientierte Phase und eine defiziente, am Ich orientierte Phase aufteilte
und zweitens jeder dieser Strukturen eine dieser zugrundeliegende Dimension der jeweiligen Sicht der Wirklichkeit zuschrieb.
Danach ist die archaische Struktur 0-dimensional,
die magische 1-dimensional,
die mythische 2-dimensional,
die mentale 3-dimensional
und die aperspektivische mehrdimensional, oder auch ohne konkrete Dimensionen.

Diese letztere Struktur ist zwar momentan deutlich im Werden, doch ob sie jemals die dominierende sein wird, wie es die anderen in ihrer dominierenden Phase waren oder in Bezug auf die mentale noch sind, ist vorerst nicht zu entscheiden. Das hängt damit zusammen, dass unsere Zukunft momentan nicht ohne Bedrohung ist, um es vorsichtig anzudeuten (s. u.).

Die letzten Forschungsergebnisse in diesem Zusammenhang, die hier noch kurz erwähnt werden sollen, da sie wahrscheinlich momentan die bekanntesten sein sollten, stammen von Claire Graves. Diese wurden nach seinem überraschenden Tode von seinen Studenten Beck und Cowan unter dem Titel „Spiral Dynamics“ veröffentlicht. Dieser erkannte auf der Grundlage von Zehntausenden weltweit verschickten, und nach ihrer Rückkunft ausgewerteten Fragebögen acht solcher W-Meme –, sein Begriff, in deutscher Übersetzung Weltsichtebenen –. Beck und Cowan verliehen nun diesen Ebenen Farbnamen, um möglichst Überhebungen zwischen Menschen, die sich auf unterschiedlichen Ebenen befinden, zu vermeiden. Daraus ergeben sich folgende Zuordnungen;

„das Beige W-Mem – auch archaisch genannt – ist in lockeren menschlichen Verbänden strukturiert und basiert auf Überlebensprozessen. Dominant bis vor ca. 50 000 Jahren
Das Purpurne W-Mem ist in stammesähnlichen Gruppen strukturiert – nach Gebser magisch – und basiert auf zirkulären – nach Gebser eindimensionalen – Prozessen. Es war prägend bis vor ca. 12 000 J.
Das Rote W-Mem – auch als egoisches Denken benannt – wurde vor allem als patriarchales Denken die entscheidende Voraussetzung von Großreichen. Es basiert insbesondere auf machtorientierten Ausbeutungsprozessen. Siehe hierzu besonders mein Buch „patriarchal denken und sich verhalten … getreu bis in den Tod“. Es dominierte bis vor ca. 2500 Jahren.
Das Blaue W-Mem ist pyramidenförmig strukturiert und basiert auf zielbewussten Kontroll- oder sogar autoritären Prozessen, siehe das Thema Politisierung der Theologie. Dominant bis vor ca. 500 Jahren.
Das Orange W-Mem ist in Formen der Delegation strukturiert – siehe das Thema repräsentative Demokratie und Kapitalismus – und basiert auf leistungsorientierten, nach Autonomie strebenden, strategischen Prozessen. Es ist das derzeit dominante W-Mem.
Das Grüne W-Mem ist auf egalitäre Weise strukturiert und basiert sowohl auf Erfahrungs- als auch auf Konsensprozessen.
Die beiden W-Meme, die den Anfang eines neuen ‚Paradigmas‘ bilden, sind Gelb und Türkis. Gelb ist flexibel, integrierend und basiert auf Wissen, sowohl was die Struktur als auch seine Prozesse angeht, während
Türkis holistisch und global in seiner Struktur sowie fließend und mehrdimensional – aperspektivisch – in seinen Prozessen ist“.

Diese Aufzählung ist natürlich mehr als kurz. Da ich jedoch in allen meinen Büchern auf diese Umstände eingegangen bin und in dem folgenden Text noch mehrfach in verschiedenen Zusammenhängen auf diese hier aufgezeigten Blickrichtungen auf unsere geistige Evolution eingehen werde, wird sich auch von daher das Verständnis dieser Ebenen immer mehr klären. Darüber hinaus ist es absolut empfehlenswert diese hier erwähnten Bücher selbst zu lesen.


a.2) Be-Griffe als Reflexions-Be-Griffe

Diese bis hierher dargestellten Besonderheiten der Bildung von Be-Griffen sind aber keineswegs damit beendet. Im weiteren Text müssen wir uns noch weitere Aspekte vergegenwärtigen. Bevor wir das aber tun, müssen wir uns vorab noch näher mit den Be-Griffen im Sinne von Reflexions-Be-Griffen beschäftigen, einem weiteren Aspekt der Be-Griffe. Be-Griffe sind menschliche, durch Erfahrungen jeweils einzelner Personen im Umgang mit Dingen und Sachverhalten er-schaffene Konstrukte. Sie sind damit sowohl unsere „Griffe“ an Dingen, als auch „Griffe“ nach den Dingen. Üblicherweise sind wir nun überzeugt, dass sie uns die Wahrheit des dadurch Be-Griffenen zustellen. Doch wie kommt unser doch ziemlich naives Vorurteil über diese vermutete „Leistungsfähigkeit“ der Be-Griffe im Sinne von Wahrheitsfindung zustande?

Da sind zunächst unsere „Erfolge“ im Umgang mit ihnen in der täglichen Anwendung. Darüber hinaus aber insbesondere auch in der Wissenschaft und vor allem der Technik. Die „Verfügbarkeit“ des be-grifflich Er-fassten überzeugt uns davon, mit diesem Be-Griff auch schon das ganze „Ding an sich“ be-griffen zu haben. Es „im Griff“ zu haben und es auch tatsächlich in seinem So-Sein zu verstehen. Erst eine mühsame Reflexion über die Natur der Be-Griffe und ihre wirkliche Leistung lässt uns ihre wahre Natur und Leistungsfähigkeit erkennen. Vorschub wird dieser „Überzeugung“ dadurch geleistet, dass wir, wie wir glauben, „beim Sprechen, phänomenologische betrachtet, nicht mit Sprachlichem zu tun haben, sondern eben mit den Dingen, von denen man spricht“. Was aber vorgeht ist folgendes; wir sind sprachlich nicht bei den „Dingen an sich“ – das können wir überhaupt nicht –. „Im Prozess des Sprechens sind wir immer nur bei den Bestimmungen, bei der neuen Realität, die wir ihnen durch unsere Be-Griffe zugewiesen haben. Die wir neu er-schaffen haben. Der Be-Griff präsentiert uns also nicht das „Ding an sich“, sondern nur die von uns er-kannten und ge-setzten Bestimmungen an diesen Dingen.

Anders betrachtet sind sie auch „bestimmte Weisen, in denen man an Dingen, wenn man von ihnen spricht, etwas (ihnen von uns Menschen neu beigelegte, PS) zur Abhebung bringt“. Aber, das, was wir hier „zur Abhebung“ bringen, ist, wie der Schweizer Sprachforscher de Saussure erkannte, alleine dasjenige, was der je einzelne Mensch in seinem Kopf hat. Es ist das, was er
einerseits mit den Begriffen Signifikant und
andererseits als Signifikat bezeichnete.

Betrachtet mau von dieser Sicht her einen Sprechakt, kann mau, wie es z. B. Ken Wilber tut, sagen, dass derjenige/diejenige, der/die gerade etwas aussagt oder schreibt, damit einen Signifikanten hervorbringt. Also die Absicht hat etwas nach seinem/ihrem Bild im Kopf zu bezeichnen. Aber dieses Wort oder dieser Be-Griff erscheint nun bei dem/r Hörer*in oder Leser*in als ein Signifikat. Also als das Bezeichnete. Das Entscheidende ist aber dabei zu sehen, dass
erstens ein Signifikant als die Vorstellung im Kopf des/der Aussagenden niemals mit dem Signifikat im Kopf des/der Hörer*in oder Leser*in übereinstimmt – beide haben nämlich ihre je eigenen Konstrukte, „Bilder“ dazu in ihren Köpfen.
Zweitens aber stimmt darüber hinaus weder der Signifikant, noch das Signifikat mit dem Bezeichneten in dessen So-Sein überein. Beide sind alleine menschliche Konstrukte.

Die jetzt durchgeführte Untersuchung der tatsächlichen Leistungen von Be-Griffen zeigte, dass Be-Griffe unsere eigene „Schöpfungen“ sind. Als diese „Geschöpfe“ sind sie aber nicht an die gemeinten und benannten Dinge gebunden. Da sie ja ebenfalls als Existierende Holons sind, sind sie auch in Evolution. Was bedeutet das? Sie können jetzt z. B. die gesamte Kategorie des zuvor als einzelnes Erkanntes benennen. Ken Wilber schreibt dazu sehr bezeichnend: „Und ein Begriff repräsentiert (jetzt) eine ganze Klasse von Entsprechungen; das Wort ‚Hund‘ kann (demnach) für alle Hunde stehen“. Aber als von den Dingen abgelöste, abstrakte Be-Griffe können sie auch völlig frei für die Benennung anderer Sachverhalte benutzt werden, die wir ihnen jetzt neu beilegen. So können wir beispielsweise einen Menschen abschätzig einen „Hund“ nennen. Darüber hinaus können wir diejenigen Eigenschaften, die wir mit ihnen in dem Begegnenden benannt haben ablösen und sie für ganz andere Erfahrungen einsetzen.

Um bei dem Beispiel Hund zu bleiben, können wir sowohl besonders treues, oder anhängliches Verhalten, als auch die Fähigkeit einer „besonders guten Nase“ mit solchen Be-Griffen benennen. Denn gerade diese Ab-Lösung ist es, die die neue umfassendere Erkennungsleistung von Be-Griffen ausmacht. Vor allem aber die Voraussetzung jeder Art von weiterreichendem Erkennen ist, das über den Bezug zu ansonsten durch die mit Be-Griffen benannten Dinge hinausgeht. Wilber hat diesen besonders schöpferischen Zusammenhang wie folgt ausgedrückt: „Dadurch stellen neue Entwicklungen im Bewusstsein nicht einfach ‚Entdeckungen‘ immer weiterer Dinge in einer vorgegebenen Welt dar, sondern (bringt) das (menschliche) schöpferische Mitwirken am Entstehen neuer Welten (zum Vorschein), ein Entdecken/Erschaffen höherer und weiterer Welten“.
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