Politik & Wirtschaft

Lieber Barack: Die außergewöhnliche Partnerschaft zwischen Angela Merkel und Barack Obama

Claudia Clark

Lieber Barack: Die außergewöhnliche Partnerschaft zwischen Angela Merkel und Barack Obama

Leseprobe:

Einführung




Autorität, Prestige und Respekt - alle diese Eigenschaften machen das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht nur für viele Politiker zu einem Traumberuf. Doch diese wichtige Rolle, nämlich als einer der Hauptakteure auf der politischen Weltbühne zu agieren, ist auch gleichzeitig eine Einsame. Der Secret Service und der Press Corp des Weißen Hauses beobachten jeden Schritt und so etwas wie Normalität und Alltag muss derjenige an den Nagel hängen, sobald er oder sie offiziell für das US-Präsidentschaftsamt kandidiert. Es ist ein Amt, das bisher nur wenige bekleidet haben und nur wenige wirklich verstehen. Präsident Truman hat die Einsamkeit des Oval Office wie folgt beschrieben: „[…] wenn du einen Freund in Washington möchtest, dann schaff dir einen Hund an.“
Um mit ihrer Isolation vielleicht besser zurechtzukommen, haben US-Präsidenten in der Vergangenheit immer wieder Freundschaften zu politischen Kollegen aus dem Ausland aufgebaut: Franklin Delano Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill gehörten zu den Ersten, die so eine Beziehung im Zweiten Weltkrieg pflegten, dann waren es Präsident Ronald Reagan und die britische Premierministerin Margaret Thatcher in den 1980ern, und jetzt kürzlich Präsident Barack Obama und die deutsche Kanzlerin Dr. Angela Merkel.
Im Gegensatz zu Roosevelt und Churchill oder Reagan und Thatcher, die bereits nach ihren ersten offiziellen Treffen zu engen Freunden wurden, entstand die Freundschaft zwischen Obama und Merkel erst im Laufe seiner ersten Amtszeit. Als im Juli 2008 Präsidentschaftskandidat Obama nach Berlin reiste und vor dem deutschen Volk eine Rede halten wollte, bemühte sich sein Wahlkampf-Team um eine dafür besonders geeignete Kulisse - dem Brandenburger Tor, symbolisiert es doch, wie der Westen den Kalten Krieg überwinden konnte. Aber Kanzlerin Merkel, die damals von Obama weniger fasziniert war als ihre deutschen Mitbürger, erklärte sich damit nicht einverstanden. Stattdessen organisierte Obamas Team eine Kundgebung am Fuße der Berliner Siegessäule, zu der mehr als 200 000 Menschen kamen.
Experten waren damals der Meinung, dass Merkels Absage an Obama eine derart starke Spannung erzeugte, von der sich die beiden möglicherweise niemals erholen würden. Die Presse schrieb, dass Merkel und ihr Team Obama für „empfindlich“ hielten, während Obamas Mitarbeiter die Kanzlerin als „schwierig“ beschrieben. Dies war das erste, aber nicht das letzte Mal, dass die Presse ihre Beziehung fehlinterpretieren würde. Während ihrer acht Jahre andauernden Arbeitsbeziehung entwickelte sich ihre Partnerschaft von extremer Besorgnis zu einer Beziehung tiefen Respekts und Verehrung zueinander. So schreibt Obamas ehemaliger außenpolitischer Berater Ben Rhodes in seiner Autobiografie The World As It Is: A Memoir of the Obama White House, dass Merkel bei ihrem letzten Abschied von Obama eine Träne im Auge gehabt habe und dass Obamas letztes Telefonat an ein ausländisches Staatsoberhaupt der deutschen Kanzlerin galt.
Neben den unterschiedlichen Persönlichkeiten und Unterschieden in der Kultur gab es auch politische und ideologische Differenzen. Merkel gehört der Christlichen Demokratischen Union (CDU) an, einer deutschen mitte-rechts Partei, während Obama ein Mitglied der United States Democratic Party ist, einer mitte-links Partei. Die amerikanischen Demokraten - und insbesondere Obama - vertraten jedoch deutlich progressivere Ansichten als Merkels CDU.
Als Obama 2008 gewählt wurde, gehörte zu seinem politischen Erbe in den USA die größte Finanzkrise seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er. Obama und Merkel hatten gegensätzliche Ideen wie diese Krise und die damaligen Finanzprobleme in Griechenland und in anderen europäischen Staaten zu bewältigen seien. Beide für ihren Pragmatismus bekannte Staatsführer waren sich jedoch der historischen Bedeutung der Beziehung ihrer beiden Länder bewusst. Zudem realisierten sie, dass es in ihrem eigenen Interesse lag, möglichst gut miteinander auszukommen.
Man braucht nur „Merkel und Obama“ als Suchbegriff im Internet einzugeben und schon werden automatisch Begriffe wie „Romanze“ oder „Partnerschaft“ vorgeschlagen. Im Vorfeld der letzten gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Politiker am 17. November 2016 brachten die Medien Schlagzeilen wie „Obama landet in Berlin zur Verabschiedung seiner engsten Verbündeten Merkel“ in der China Daily und „16 rührende Fotos von Barack Obamas und Angela Merkels Freundschaft“ erschienen im Business Insider. Zudem erhielt die Beziehung der beiden Staatsoberhäupter sehr häufig die Aufmerksamkeit von der Boulevard presse, den sozialen Medien und der Popkultur: Die im amerikanischen Fernsehen seit vielen Jahren etablierte Comedy Show Saturday Night Live und Deutschlands satirische Heute Show brachten viele Sketche, welche die ungewöhnlich gute Freundschaft der beiden Politiker parodierten.
Als der amerikanische Präsident Barack Obama und die deutsche Kanzlerin zum letzten Mal das Podium in Berlin im November 2016 teilten, hat ihre gegenseitige Zuneigung weder die Presse noch die restliche Welt überrascht. Auf die Frage einer Journalistin zu Obamas bevorstehender Abreise antwortete die Kanzlerin sichtlich gerührt: „[…] jetzt fällt mir der Abschied schwer. Na klar, wenn man mit jemandem gut zusammengearbeitet hat, dann fällt der Abschied auch schwer. Aber wir sind auch alle Politiker und Demokratie lebt vom Wechsel. Insofern ist es in Amerika und in der Verfassung vorgegeben - acht Jahre, und dann kommt ein neuer Präsident. […] Wenn wir uns persönlich begegnen wollen, schließt das ja der freie Reiseverkehr, den wir hier Gott sei Dank in allen Teilen Deutschlands haben, nicht aus. Und von daher sind wir ja nicht aus der Welt!“ Als Merkel diese letzten Worte äußerte, schwenkten plötzlich die Kameras der Journalisten zu Präsident Obama, der rechts von ihr stand, und mit seiner Hand einen Telefonanruf gestikulierte - um damit anzudeuten, dass er und Merkel ihre Beziehung auch nach seiner Arbeit im Weißen Haus aufrechterhalten würden. Der Lärm der Kameras, die diesen besonderen Moment einfangen wollten, war ohrenbetäubend. Dieses besondere Foto sollte später um die ganze Welt gehen, bewies es doch die ungewöhnliche Freundschaft der beiden zueinander. So resümierte auch Frankreichs bekannte Zeitung Le Monde mit der Schlagzeile „Dans ses adieux à l’Europe, Obama loue Merkel,,partenaire extraordinaire‘“, oder „Obama lobt Merkel als,außergewöhnliche Partnerin’ bei seinem Abschied von Europa.” Das Foto ist Zeitzeuge einer besonderen Freundschaft und Partnerschaft zwischen den beiden - etwas, was die Öffentlichkeit im Verlauf ihrer achtjährigen Arbeitsbeziehung erwarte hatte.


Wenn man den Zeitpunkt wählen sollte, an dem die Freundschaft der beiden Politiker ihren eigentlichen Anfang nahm, dann war es die Vergabe der Presidential Medal of Freedom am 9. Juni 2011 in Washington, DC: Angela Merkel sollte hier eine der höchsten Auszeichnungen erhalten, die der Präsident in den USA an einen Zivilisten vergeben kann und die selten ein Nicht-Amerikaner bekommt. Bei diesem Anlass geschah es, dass sich die beiden Staatsoberhäupter plötzlich mit „Angela“ und „Barack“ ansprachen und ihre Beziehung sich ganz öffentlich zu einer partnerschaftlichen Freundschaft umwandelte. Seitdem wählte Merkel in ihrer Anrede für den Präsidenten immer häufiger bei offiziellen Anlässen das persönliche „Du“ statt das formale „Sie“ und bezeichnete ihn als „lieber Barack“ oder „dear Barack“. Umgekehrt sprach Obama von der Kanzlerin als einen seiner besten Freunde auf der internationalen Bühne. Diese Protokolländerung blieb bei den Medien, den Beratern und auch der Weltöffentlichkeit nicht unbemerkt.
Genau wie Roosevelt und Churchill über Angelegenheiten wie die Kolonisation stritten und Reagan und Thatcher über die Politik in Argentinien argumentierten, so hatten auch Obama und Merkel ihre Differenzen - vor allem als Merkel und die Deutschen erfuhren, dass die USA das persönliche Handy der Kanzlerin verwanzt hatten. Im Laufe der Jahre waren sich die beiden noch viele Male uneins, von der Politik in Libyen und der Ukraine bis hin zu unterschiedlichen Maßnahmen zur Belebung der Weltwirtschaft. Wichtig bei diesen Differenzen ist jedoch, dass die beiden Staatsoberhäupter trotzdem ihre Freundschaft und Partnerschaft aufrechterhielten und über die Zeit sogar noch stärken konnten.
Während ihrer achtjährigen Zusammenarbeit verlieh Obama der Kanzlerin die Ehre, als erstes deutsches Regierungsoberhaupt vor dem versammelten Kongress der Vereinigten Staaten zu sprechen. und als nur zweiter deutscher Staatsbürger mit der Presidential Medal of Freedom ausgezeichnet zu werden.
Auf der anderen Seite des Atlantiks war Obama der erste US-Präsident, der das Konzentrationslager Buchenwald besuchte. Zudem war er der erste US-Präsident, der jemals die Hannover Messe eröffnete. Letztlich erteilte die Kanzlerin Obama die Erlaubnis, vor dem Brandenburger Tor zu sprechen und stand dabei direkt neben ihm. All diese Ereignisse fanden zusätzlich zu den traditionellen Gipfeltreffen, Konferenzen und Besprechungen statt, zu denen sich die Regierungschefs der freien Welt normalerweise treffen. Als Obama beim Besuch in Buchenwald eine weiße Rose auf die Gedenktafel legte oder die beiden sich beim Staatsdinner in Washington zu Ehren von Merkel zuprosteten - sie standen Schulter an Schulter. Stets bekundeten ihre Worte, ihre Körpersprache und ihre Haltung eine gegenseitige Zuneigung und großen Respekt.


Dieses Buch untersucht, wie zwei Hauptakteure der politischen Weltbühne, die sich anfänglich sehr skeptisch gegenüberstanden, zu guten Freunden und engen Vertrauten wurden. Obamas außenpolitischer Berater Ben Rhodes schreibt in seinem Buch The World As It Is: „[…] Es gab keine ausländische Führungspersönlichkeit, die er mehr verehrte. Sie war genauso pragmatisch wie er, an Fakten orientiert, der internationalen Ordnung verschrieben und bedächtig in ihrer eigenen Entscheidungsfindung.“ Das amerikanische Magazin Politico berichtete, dass die Kanzlerin Obamas Ansprechpartnerin war. Immer wenn eine schwierige Entscheidung anstand, verlangte er von seinen Mitarbeitern, Frau Merkel ausfindig zu machen.
Über die Jahre entwickelten die Politiker eine freundschaftliche, lockere Beziehung, besserwisserische Konkurrenz inklusive: So berichten Mitarbeiter, dass die beiden Staatschefs jeweils die ersten Minuten einer Video-Konferenz oder eines Telefonats stets damit verbrachten, sich gegenseitig damit zu übertrumpfen, wer sich mehr Zeit mit dem Lesen des Tagesprotokolls nahm. Betrachtet man die Hürden, die beide nehmen mussten, und ihre Meinungsverschiedenheiten, dann spricht die Tatsache, dass sie über lange Zeit gute Freunde und loyale Partner waren Bände über die Stärke ihrer Freundschaft, ihre Bewunderung füreinander und den hohen Respekt, den sie voreinander und vor der jeweiligen Nationen des anderen hatten.
Doch was hat es mit der offensichtlichen Chemie auf sich, welche die beiden verband und damals die Weltöffentlichkeit faszinierte? Stefan Kornelius beschreibt in seinem Buch Angela Merkel: The Chancellor and Her World, dass Obama als Privatmensch ganz anders war als der extrovertierte, charismatische Politiker, den er in der Öffentlichkeit darstellte. Außerhalb des Oval Office wirkte Obama sehr introvertiert und auf seine Ehefrau und Familie fokussiert. In den frühen Jahren seiner Amtszeit hatten Staatsoberhäupter wie der britische Premierminister Gordon Brown oder der französische Präsident Nicolas Sarkozy große Probleme, zu Obama eine persönliche Beziehung aufzubauen und fragten sich, ob der „schwierige, kalte und unnahbare“ Charakter des US-Präsidenten als persönlicher Angriff zu werten sei. Sarkozy konnte damals nicht wissen, dass sich Obama bereits eine Meinung über seine Kollegen gebildet hatte. So schrieb Obama in seinem Buch A Promised Land, dass er zwar Sarkozys frühe und enthousiastische Unterstützung für ihn und seinen Wahlkampf zu schätzen wusste, er jedoch realisierte, dass Merkel diejenige war, an die er sich wenden würde, denn „[…]es war nicht schwer zu sagen, wer sich von den beiden als zuverlässigerer Partner herausstellen würde.“
Kevin Liptak, ein damaliger CNN-Producer im Weißen Haus, schrieb in seinem Artikel „Wie Obama und Merkel lernten einander zu mögen“, dass die Verbindung von Obama zu Merkel etwas sehr Ungewöhnliches für den Präsidenten war, nämlich „eine aufrichtige, internationale Freundschaft, die beide zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen wussten.“
Zieht man in Betracht, dass die beiden einen schwierigen Start hatten und auch ihre politische Gesinnung unterschiedlich war, so schien der Aufbau einer starken Partnerschaft oder gar herzlichen Freundschaft fast unwahrscheinlich. Hierzu beobachtete Autor Stefan Kornelius: „Es ist richtig zu sagen, dass menschliche Faktoren sogar die Beziehung zwischen Staatsoberhäuptern beeinflussen können und dass sich Merkel und Obama ähnlicher sind, als sie es zugeben würden.“ In der Tat waren beide politische Außenseiter, die es geschafft haben, zu einer Position mit unglaublich viel Macht aufzusteigen. Beide verfolgen eine ähnliche Strategie bei der Lösung von Problemen. Angela Merkel, eine promovierte Physikerin, nutzt dabei ihren wissenschaftlichen Hintergrund als Basis, stellt also Fakten und Daten zusammen, die dann von ihr studiert und bewertet werden - etwas, das der US-Präsident laut Auskunft seiner Mitarbeiter sehr schätzte. Ähnlich wie Merkel zögerte er bei der Entscheidungsfindung, sobald mögliche Konsequenzen abzusehen waren. Darüber hinaus galten beide Politiker als realistisch, analytisch und objektiv.
Doch ihre sich ähnelnden Persönlichkeiten und Herangehensweisen vermögen die besondere Natur ihrer Beziehung nur unzureichend zu erklären. Grundwerte wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, die sowohl die USA als auch Deutschland anerkennen, spielten ebenfalls eine signifikante Rolle. Merkel, die als Kind im ehemaligen Ostdeutschland aufwuchs, glaubt fest daran, dass Deutschland seinen Status als freie Nation und sie persönlich ihre Position als Kanzlerin den Vereinigten Staaten zu verdanken hat. Daher ist stark davon auszugehen, dass Merkel vor dem Hintergrund als erste deutsche, aus der DDR-stammende Kanzlerin, der Beziehung zu den USA eine größere Bedeutung zumaß, als ihre Vorgänger es taten. Aufgrund Merkels positiver Einstellung und Dankbarkeit gegenüber den Vereinigten Staaten gab es möglicherweise für sie einen stärkeren Anlass für eine gute Kontaktpflege als für ihre europäischen Politiker-Kollegen.
Obama hingegen hat häufig gesagt, wie sehr er Merkel dafür bewundere, wie gut sie ihr schweres Los zu meistern wusste und zu der Person wurde, die sie heute ist. Ohne Frage begegneten sich die beiden Politiker stets mit viel Respekt, der sicherlich auch in der geschichtlichen Bedeutung der beiden Länder zueinander begründet liegt - aber nicht nur: Angela Merkel war das erste deutsche Staatsoberhaupt, das aus der ehemaligen DDR stammt und zudem die erste Frau in dieser wichtigen Rolle; und Barack Obama war der erste Schwarze, der jemals in das Amt des US-Präsidenten gewählt wurde. Obama sagte es zuerst, aber später dann auch Merkel: „[…] Unsere Lebensgeschichten stehen im Einklang mit dieser Gesinnung. Es ist offensichtlich, dass keiner von uns genauso aussieht wie unsere jeweiligen Vorgänger. Aber die Tatsache, dass wir hier als Präsident der Vereinigten Staaten und als Kanzlerin von einem vereinten Deutschland zusammenstehen, zeugt von Fortschritt und Freiheit, die in unserer Welt möglich sind.“
Warum soll nun hier die Geschichte der beiden erzählt werden? Biografien über Obama und Merkel gibt es zuhauf, auch wurden schon viele Bücher über die Geschichte der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA geschrieben. Dieses Buch beinhaltet jedoch ihre Arbeitsbeziehung und ihre besondere Freundschaft zueinander. Vor dem Hintergrund einer sich immer schneller verändernden Welt scheint diese Analyse aktuell und dringlich.
Mit der Formation von Allianzen wie der NATO und Partnerschaften wie der EU ist die Zeit nach dem Zeiten Weltkrieg weitestgehend eine vom Frieden gekennzeichnete. Einen großen Weltkrieg hat es bisher nicht gegeben und politische Partnerschaften wie die zwischen Thatcher und Reagan sowie Obama und Merkel haben eine signifikante Rolle dabei gespielt, den Frieden und die Harmonie innerhalb Europas und den Vereinigten Staaten aufrecht zu erhalten. Jedoch ersetzt heutzutage der rapide Anstieg von radikalen Ideologien und terroristischen Aktivitäten immer häufiger die traditionelle Kriegsführung. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 haben sich die Aktivitäten terroristischer Gruppen verstärkt. Das hat zur Folge, dass sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in ganz Europa nationalistische und ausländerfeindliche Bewegungen an Momentum gewannen.
Die im Juni 2016 stattgefundene Brexit-Abstimmung, bei der sich die Bürger in Großbritannien für den Ausstieg aus der EU entschieden, und der Wahlsieg von Donald Trump sind auf beiden Seiten des Atlantiks Belege dieses neuen Wertewandels. Außerdem zogen 2017 in Frankreich und in den Niederlanden rechte Präsidentschaftskandidaten in den Wahlkampf, wenn auch mit erfolglosen Kampagnen. In Polen verzeichnet Antisemitismus den höchsten Stand seit Ende des Zweiten Weltkriegs und erst kürzlich wählte Österreich einen Kanzler mit einer ausländerfeindlichen und nationalistischen Einstellung. Waren es früher die als notwendig angesehenen Allianzen zwischen Staatsführern und ihren Ländern, die Grenzen zu sichern wussten, so fällt heute diese Rolle in die Hände einer nationalistischen und isolationistischen Philosophie. Während Organisationen wie die NATO in den Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkrieges für die Erhaltung des Friedens von zentraler Bedeutung waren, spielten die politischen Beziehungen zwischen Staatsführern wie Barack Obama und Angela Merkel eine ebenso wichtige Rolle.
Jüngst hat die Administration von Donald Trump die amerikanische Botschaft in Israel nach Jerusalem verlegt und damit einen weltweiten Sturm der Entrüstung entfacht. Auch Deutschland lehnte diese Maßnahme ab. So erklärte der damalige deutsche Außenminister Sigmar Gabriel: „Deutschland kann nicht länger nur auf die Politik der USA reagieren, sondern muss seinen eigenen Standpunkt schaffen […] sogar nachdem Trump das Weiße Haus verlässt, wird die Beziehung zu den USA nicht mehr die gleiche sein.“ In Anbetracht dieser drastischen Veränderungen bei der Außenpolitik und ihren Akteuren ist es wichtig, die Bedeutsamkeit von Allianzen zwischen Ländern und ihren Staatsführern zu untersuchen und sich ihrer bewusst zu werden.



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Im Vergleich zu den in der Vergangenheit geführten Kriegen und militärischen Angriffen geht es bei den heute drohenden Gefahren um weit mehr als nur dem bloßen Einmarsch in ein Land und das Überschreiten von Staatsgrenzen: Heute geht es um Angriffe auf die Werte, für die Amerika und seine Verbündeten stehen. Zudem können Terroranschläge durch die Allgegenwärtigkeit von Internet und sozialen Medien von überall und jedem geplant werden. Es ist daher besonders jetzt wichtig, dass Länder in gutem Kontakt zueinanderstehen und ihre Regierungschefs sich nicht entfremden. Die Unfähigkeit, mit seinen politischen Partnern auszukommen und Informationen der jeweiligen Geheimdienste zu teilen, ist nicht nur gefährlich für die eigene Sicherheit, sondern möglicherweise auch für die der restlichen Welt. Zudem nimmt die Globalisierung ständig zu und Themen wie der Klimawandel oder Wirtschaftskrisen gehen nicht nur ein oder zwei Länder an, sondern beeinflussen jede Nation. Um sich diesen Realitäten zu stellen ist es wichtiger denn je, dass Staatsführer und Länder Partnerschaften aufbauen und zusammenarbeiten.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 340
ISBN: 978-3-99107-828-9
Erscheinungsdatum: 31.08.2021
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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