Entsorgt 50 +

Entsorgt 50 +

EmmaLotta Husung


EUR 19,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 244
ISBN: 978-3-99131-043-3
Erscheinungsdatum: 25.08.2022
Bestimmt Schicksal oder Willkür unser Leben? Alles liegt in uns selbst. So schwer der Weg auch sein mag, den wir gehen müssen – es hat immer einen Sinn, auch wenn uns dies oft sehr viel später deutlich wird. Dieses Buch ist ein Wegweiser durch harte Zeiten.
Epilog

Mein persönlicher Lockdown:
Freitag, 22.07.2016, mittags 13.00 Uhr

Ein heißer Sommertag. Ich stehe auf dem Bahnsteig am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Züge rattern an mir vorbei, ich nehme es nur verschwommen wahr. Bin ich in einem Albtraum oder in der Realität?

Habe ich gerade wirklich die fristlose Kündigung nach 30 Jahren Tätigkeit in diesem Konzern bekommen? Ohne eine Abmahnung, ohne etwas falsch gemacht zu haben, eiskalt abserviert. In 15 Minuten 30 Jahre einfach ausgelöscht. You are fired.

Zu alt, zu teuer, zu unbequem. Eine von vielen. Aber die Einzige mit der fristlosen Kündigung.

Ich höre die Worte meines Vorgesetzten, der mir in unserem Headquarter lächelnd gegenübersaß und sagte: „Ich könnte Ihr Leben ruinieren, aber das will ich doch nicht.“ Wie in einem Polizeiverhör durfte ich nur mit Ja oder Nein antworten.
Wo bin ich? Wo war ich gelandet, was war passiert?

Alles erschien mir so unwirklich. Träumte ich? In Bruchteilen von Sekunden brach mein Leben unter mir zusammen, zerbröselte in tausend Scherben. Passierte mir das gerade – und warum? Ich fühlte mich paralysiert, wie in einem Paralleluniversum.

Ich stand wie ein Zombie zwischen den Zügen, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Bis heute weiß ich kaum, wie ich nach Hause kam. Der ICE fuhr ab Frankfurt Fernbahnhof nicht mehr weiter. Ich musste zum Hauptbahnhof kommen, ich nahm ein Taxi, während der Fahrt fiel mir ein, ich kann mir das doch eigentlich gar nicht leisten. Fristlos, hämmerte es in meinem Kopf herum. Ab sofort kein Gehalt mehr. Erstmals kam ein Gefühl auf. Angst.

Ich stand also am Hauptbahnhof Frankfurt, es war immer noch heiß, und meine Gedanken waren immer noch vollkommen wirr. Ausgerechnet an diesem Tag hatten alle Züge Verspätung, und nichts ging mehr. Irgendwann um 20.00 Uhr abends kam ich dann an meinem Zielbahnhof an. Ich stieg in mein Auto und fuhr nach Hause.

Nicht im Geringsten ahnte ich, dass dies, was ich erlebte, erst der Anfang von etwas war, das meine Phantasie bis heute übersteigt. Seit dieser Zeit gibt es ein Leben davor und ein Leben danach, und beide haben miteinander relativ wenig zu tun.


Human Design

„Human Design opens the door of the potential of self-love,
a love of life and the love of others through understanding“
Robert Alan Krakower, Begründer des Human Designs

Das Human-Design-System ist für mich eines der faszinierendsten Modelle zur Persönlichkeitsentwicklung. Es zeigt nicht nur, wie Sie sind, sondern wie Sie mit anderen Menschen energetisch interagieren. Es geht darum, seine eigene Wesensstruktur zu erkennen und Strategien für ein Leben ohne Widerstände zu führen.

Weder ist Human Design ein religiöses noch ein spirituelles und auch kein moralisches System. Es beschreibt auf dem Wissen jahrtausendealter Kulturen und modernster Wissenschaft und Forschung einfach einen Mechanismus.

Es löst tief greifende, persönliche Erkenntnisse aus. Schon immer suchte ich nach Wegen, das Leben zu entschlüsseln und mich selbst besser kennenzulernen. Die Suche nach dem „wahren Selbst“ brachte mich schon 2004 in Kontakt mit dem Human Design.

Allerdings war ich erst skeptisch und fing dann immer mehr an, zu erforschen und zu testen, ob denn die Erkenntnisse, die ich herausfand, stimmig sind. Immer weiter drang ich in die Materie ein und verglich die Ergebnisse mit meinen Erfahrungen aus dem Enneagramm und der Astrologie.

Das Human Design zeigt die Person, die Sie wirklich sind. Es handelt sich um ein revolutionäres, neues System zur Enthüllung der DNA unserer wahren Natur. Seit Jahrtausenden versucht der Mensch, seine Probleme in der äußeren Welt zu lösen, dabei liegen alle Probleme in unserem Inneren.

Glauben Sie mir, ich habe mittlerweile Hunderte von Menschen begleitet mit dem Human Design. Und ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert von der Genauigkeit des Systems, aber noch viel mehr von den Möglichkeiten, die das Human Design den Menschen bieten kann.

Eine tiefe Reise und Erkenntnis zu sich selbst. Jede einzelne Beratung berührt mich immer noch im tiefsten Inneren, und ich wünsche mir, dass viel mehr Menschen dieses wunderbare System entdecken und für sich und ihr Leben nutzen können.

Lassen Sie sich nicht abschrecken von den Begrifflichkeiten wie Manifestor, Generator, Projektor und Reflektor. Dies sind die unterschiedlichen Typen des Systems. Durch ein Rave Chart sehen Sie, welche Kanäle und Tore Sie haben, ebenso Ihr Profil.

Die wichtigste Erfahrung für mich ist aber immer das Lebensthema eines jeden Menschen. Wofür sind wir hier angetreten bei unserer Geburt? Wenn wir, wie Nietzsche schon sagte, ein Warum haben, dann ertragen wir auch jedes wie im Leben.

Dies ist kein Fachbuch für Human Design. Es geht um meine persönliche Geschichte in Verbindung mit der Generation 50+ und dem Wandel der neuen Zeit. Ich versuchte, den Bezug der Ereignisse mit dem Human Design, der Astrologie und dem Enneagramm in Verbindung zu bringen. Bisher fehlte mir ein Buch, das die Verbindung der einzelnen Systeme in Bezug auf die Realität anhand von konkreten Beispielen zeigt. Ich hoffe, es gelingt mir, Sie ein Stück auf meinem Wege mitzunehmen.


Vorwort

Schon lange wollte ich dieses Buch schreiben. Aber immer wieder zögerte ich das Schreiben hinaus. Ich wollte nicht nochmals gedanklich zurück in diese dunkle Zeit. Fristlos entlassen – nach 30 Jahren in einem Konzern, der damals Sinn und Inhalt meines Lebens war.

Seit über einem Jahr haben wir alle nun eine neue Situation in Deutschland. Eine Herausforderung, die uns alle fordert. Eine Veränderung der bisherigen Verhältnisse. Unser Leben hat sich verändert und wird sich womöglich noch mehr verändern. Es erinnert mich an meinen persönlichen Lockdown vor über 5 Jahren und wie ich mich damals fühlte. Ohnmächtig, gelähmt und völlig fassungslos.

Aber dieses Mal ist es doch anders. Es betrifft nicht nur mich, sondern uns alle – kollektiv. Ist das tröstend? Nein, ganz sicher nicht. Denn ich wünsche Ihnen allen nicht, dass Sie das erleben, was ich erlebt habe. Allerdings bietet sich eine unglaubliche Chance des Wachstums. Ich höre Sie schon sagen: Wo, bitte schön, soll denn Wachstum sein, wenn ich Gefahr laufe, alles zu verlieren, was mir jemals in meinem Leben wichtig war?

Und ich stimme Ihnen zu. Vorerst. Als mein persönlicher Lockdown damals war, wünschte ich mir sehnlichst, es gäbe jemanden, der das schon erlebt hat und mir einen Rat, einen Tipp, Hilfe geben kann. Und ich bin sicher, es gab genügend, die Ähnliches erlebt haben, aber ich fand diese Menschen zu dieser Zeit nicht, und so versuchte ich, mich allein durch diese Krise zu hangeln. Natürlich gab es einige enge Freunde und Kollegen, die mich anriefen, anschrieben und beteuerten, wie furchtbar das doch alles wäre und wie leid es ihnen tue, was da gerade an Unrecht passiert. Aber davon konnte ich mir nichts kaufen. Denn die meisten waren froh, dass es sie eben nicht betraf, und wirklich ins Handeln kamen gerade mal 3 Menschen. Alle anderen hatten viele Worte, ließen es aber an Taten mangeln. Aber wer von Ihnen kennt das nicht?

Und es ist sogar menschlich. Vom Unglück anderer fühlt man sich nicht gerade angezogen, macht es uns doch bewusst, wie fragil eben unsere Welt ist. Da schauen wir doch lieber gerne weg, in eine schönere Welt, die sich uns zeigt. Man hat ja noch die Befürchtung, dass Unglück gegebenenfalls ansteckend sein könnte.

Dieses Buch ist sehr persönlich, und ich weiß nicht, wie es mir heute ginge, hätte ich nicht vor vielen Jahren den Weg der Spiritualität eingeschlagen. Dieses innere Gefühl, es muss doch noch mehr geben als das, was wir im Außen sehen können. Das Enneagramm, das Human Design und die Astrologie waren meine wertvollen Wegweiser auf dieser Reise zu mir selbst.

Dies ist kein Lehrbuch für die oben genannten Tools. Ich beschreibe ausschließlich meinen Werdegang und meine Erfahrungen, untermalt mit dem jeweiligen Bezug zu diesen Systemen, die mir in so vielen schwierigen Lebensphasen Freund, Tröster und oft auch Retter waren.

Gerade in Krisensituationen, wo wir auf uns selbst zurückgeworfen werden und uns ausschließlich auf das verlassen können, was uns im tiefsten Inneren trägt, ist es wichtig, nach vorne zu schauen. Nicht in die Resignation zu gehen und den Mut zu verlieren. Es geht auch meines Erachtens nicht darum, zu kämpfen. Wir, unsere Generation, wir haben schon genug gekämpft. Für mich zeigt sich der Weg eher darin, innezuhalten, stehen zu bleiben und standhaft zu sein. Nicht in den Widerstand, sondern in den Flow zu gehen. Mit den Energien zu fließen, die uns gerade begleiten.


Die Schulzeit

Jeder Mensch wird mit unterschiedlichen Gaben geboren. Stellt man jedem Mensch das für ihn passende Umfeld zur Verfügung,
so entfalten sich diese Gaben, wie von selbst.
(Richard Rudd)

Es stand die Einschulung an. Wer meiner Generation angehört, kennt das Thema: Wir waren immer zu viele, und die Klassen waren viel zu groß. So geschah es auch bei mir. Von dem Jahrgang 64 wurden 60 Schüler eingeschult. Somit wurden die Klassen in zwei Gruppen aufgeteilt.

Es standen zwei Lehrerinnen zur Auswahl, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Die eine jung, dynamisch, eine Frau, die überaus sympathisch rüberkam und später auch eine der beliebtesten Lehrerinnen der ganzen Schule wurde, und eine, die einem Albtraum nahekam. Eine alte, verbitterte Jungfer, die unter nervösen Zuckungen litt und der man die Überforderung dieses Jobs schon von Weitem angesehen hat.

Wir standen alle auf dem Vorhof der Schule und wurden mit Namen aufgerufen, und ich hoffte nur, dass ich zu der jungen, sympathischen Lehrerin kam. Ich spürte – wieder einmal – Angst. Und es passierte das, was wohl passieren musste. Ich denke, in genau diesem Moment hat sich das Schicksal meiner schulischen Laufbahn entschieden. Wenn es auch nur um die ersten vier Jahre der Grundschule ging. Aber diese waren mehr als prägend.

Ich nenne diese Lehrerin mal Fräulein Müller. Sie war schon weit über 50 Jahre alt, und sie war bekannt für ihre unkonventionellen Erziehungsmethoden, die oft auch in Schlägen und lautem Geschrei mündeten. Die Frau hätte in die Psychiatrie gehört und nicht in die Schule. Sie tickte permanent aus, und die kleinste Stress-Situation reichte aus, um sie an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu bringen.

Ich erinnere mich noch sehr genau daran, dass ich jeden Morgen mit Angst zur Schule ging und völlig unglücklich war. Fräulein Müller war wie ein Pulverfass, das jederzeit explodieren konnte. Wir mussten oft mit unseren bunten Rechenkästchen auf dem Flur sitzen und Aufgaben lösen. Konnte das ein Mitschüler nicht, dann schmiss sie, begleitet von lautem Getöse, die Kästen durch die Gegend, und wir mussten alles wieder einsammeln.

Am schlimmsten war jedoch, wenn sie Mitschüler geschlagen hat. Ich war oft wie gelähmt vor Angst. Ich hatte noch dazu das große Pech, dass sie mich neben den Jungen setzte, der leider intellektuell das dunkelste Licht der Klasse war. Oft bekam er eine gescheuert, weil er die Aufgaben nicht richtig ausführte, und ich zuckte regelrecht zusammen.

Heute sehe ich das alles sehr kritisch. Es war unverantwortlich, uns dieser Frau zu überlassen. Wir hatten keine Rückendeckung, und nicht ein Elternteil beschwerte sich über diese Frau. Oder aber es gab Beschwerden, die keine Wirkung zeigten. Das kann ich heute nicht mehr beurteilen. Aber sicherlich sind Hunderte, Tausende von kleinen Kindern durch diese furchtbare Frau traumatisiert worden. Und gerade die Kleinsten wurden ihr damals anvertraut. Aber ich denke, die größeren Kinder hat man ihr erst recht nicht gegeben, weil sie dann wohl gleich ganz durchgedreht wäre. Und diese hätten sich aber ihr Verhalten ganz sicher nicht gefallen lassen.


Die große weite Welt

Was für uns in der Gegenwart unsichtbar war, wird rückblickend sichtbar. Die Zeit ist der größte Lehrmeister, den es gibt.
Sie offenbart die Realität.
(Robert Greene)

Ich träumte von der großen, weiten Welt. Eindeutig waren meine Präferenzen die Sprachen. Hier hatte ich phantastische Noten, und ich wollte unbedingt etwas Internationales machen. Das schien mir für mich das Passende. Ich liebäugelte mit einem Studium als Dolmetscherin/Übersetzerin. Als ich jedoch erfahren habe, dass man sich während des Studiums stundenlang mit einem Satz beschäftigen muss, war mir klar, das ist nicht meine Welt. Ich bin kein Mensch für Details, und das erschien mir nicht erstrebenswert, hier in die Perfektion zu gehen. Ich wollte die Sprache anwenden, nicht bis ins Detail beherrschen.

Da fiel mir eine Anzeige der Lufthansa in die Hände. Gesucht wurden Stewardessen. Das hörte sich für mich phantastisch an. Reisen, viele Länder sehen, meine Sprachen anwenden und raus aus dem Dorf in die phantastische Großstadt Frankfurt. Ich war begeistert und sah mich schon durch die Welt reisen. Völlig vergessen hatte ich, dass ich ja Flugangst hatte und dass ich ja Gäste bedienen musste. Irgendwie blendete ich das aus. In meiner Phantasiewelt, die mich schon immer eingeholt hatte und die ein Teil meines Wesens war, blendete ich gerne aus, was nicht so angenehm ist.

Völlig überzeugt, dass das meine große Chance ist, bewarb ich mich bei der Lufthansa in Frankfurt. Ich bekam relativ schnell Antwort und sollte einen Personalbogen ausfüllen. Spätestens da kam ich an meine Grenzen. Denn es gab Vorgaben, was Größe und Gewicht betraf. Leider passte da etwas nicht. Man kann es von zwei Seiten sehen. Entweder war ich zu klein, oder das Gewicht war zu hoch. Fakt ist, die Entscheidung für diesen Beruf schien nicht die Richtige zu sein.

Ich entschied mich schweren Herzens, die Bewerbung doch nicht weiter zu verfolgen. Es sollte wohl nicht sein, und außerdem fiel mir dann doch wieder die Flugangst ein. Also der Schmerz, dass es nicht klappte, hielt sich in Grenzen.

Mein Lebensplan hatte wohl anderes mit mir vor.

Aber es wurde eng. Ich stand da und wollte ja unbedingt loslegen und Geld verdienen. Aber alle Türen schienen gerade verschlossen. Die anderen begannen ihre Ausbildung oder ihr Studium, und ich stand da ohne irgendeine Perspektive. Der Satz mit dem „Fleiß aus den Jugendtagen“ aus meinem Poesiealbum fiel mir wieder ein. Blöd gelaufen. Was nützt es mir, wenn ich mich für intelligent hielt, aber nicht clever genug war, die Spielregeln einzuhalten und etwas mehr zu lernen, wo es angebracht gewesen wäre?

Schüchtern war ich noch immer, und ich war daher auch nicht das größte Verkaufstalent im Thema Werbung in eigener Sache. Ich bekam eine Absage nach der anderen. Wahrscheinlich dachten alle, das ist eine faule Socke, die wollen wir hier nicht haben. Oder noch schlimmer: Die ist einfach doof, weil sie schlechte Noten hat.

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