Die Welt hat mich vergessen

Die Welt hat mich vergessen

Aram Bani


EUR 23,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 326
ISBN: 978-3-95840-480-9
Erscheinungsdatum: 21.09.2017
Aram Bani wird als Kurde im Irak geboren. Er sehnt sich nach Freiheit und will Karriere als Arzt machen, doch scheitert er wiederholt an den Restriktionen gegen die kurdische Minderheit. Sein unfassbarer Weg führt ihn schließlich nach Deutschland …
„Freiheit bedeutet, einmal im Leben um 20 Uhr ins Kino gehen, danach in die Kneipe, sich betrinken bis 1 Uhr, danach auf die Straße gehen und laut singen zu können, ohne dass mich ein Polizist verprügelt und verhaftet.“

Mehr wollte ich nicht. Die Freiheit wartete auf mich und genau das machte ich in Deutschland, als ich das erste Mal die Möglichkeit dazu hatte.




Das Buch ist meinen Eltern gewidmet,
die trotz bitterer Armut mir die bestmögliche Schulbildung ermöglichten.










Chronik der Kurden im 20. Jahrhundert



Wer sind die Kurden?
Die Kurden sind die größte Volksgruppe der Welt mit 25-30 Millionen Menschen ohne einen eigenen Staat und Souveränität. Sie wurden im Jahre 1916 von zwei europäischen Diplomaten willkürlich in vier Ländern (Irak, Iran, Türkei und Syrien) verteilt. Seit dem kämpfen sie um ihre Existenz, Kultur, Sprache, Geschichte und Unabhängigkeit.


Die Entstehung des Irak
Während des Ersten Weltkrieges marschierten britische Truppen vom Süden ins Zweistromland, Teil des damaligen Osmanischen Reiches, ein und besetzten 1917 Bagdad. Nach der Niederschlagung eines landesweiten antikolonialen Aufstandes durch über 60 000 britische und indische Soldaten unter dem Oberbefehlshaber Generalleutnant Sir Aylmer Haldane, in dessen Verlauf über 800 Menschen getötet wurden, löste Großbritannien im Herbst 1920 aus dem ehemaligen Osmanischen Reich die Vilâyets (Provinzen) Bagdad, Mosul und Basra heraus und verschmolz sie zum heutigen Irak. Auf Befehl von Großbritannien wurde eine haschemitische Monarchie gegründet, die bis 1958 Bestand hatte.


23. August 1921: Gründung der Monarchie im Irak
König Faisal Ibn Hussein, der den Krieg gegen das Osmanische Reich angeführt hatte, wurde an diesem Tag König einer konstitutionellen Monarchie im Irak. Dabei wurden die erdölreichen und von Kurden, Turkmenen und Assyrern bewohnten Städte Kirkuk und Mosul eingegliedert.


10. August 1920: Friedensvertrag von Sèvres
Der Vertrag wurde zwischen der Entente (Frankreich, Vereinigtes Königreich und Russland) und dem Osmanischen Reich geschlossen. In Artikel 62 wurde das Recht der Kurden auf Autonomie anerkannt. Am 20.08.1920 wurden die Unterzeichner des Vertrages von der Großen Nationalversammlung, die Mustafa Kemal in Ankara gegründet hatte, zu Vaterlandsverrätern erklärt.


24. Juli 1923: Friedensvertrag von Lausanne
Der Vertrag wurde geschlossen zwischen der Türkei auf der einen Seite und folgenden Ländern auf der anderen Seite: Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan, Griechenland, Rumänien und dem Serbisch-Kroatisch-Slowenischen Staat. Die Türkei ging als Sieger des Türkisch-Griechischen Krieges hervor und konnte damit die Bestimmungen des Sèvres-Vertrages nach eigenen Vorstellungen revidieren lassen. Das Recht der Kurden auf ein autonomes Gebiet fand keine Beachtung mehr.
Durch die Grenzziehung wurde das Kurdengebiet zwischen vier Ländern geteilt: Türkei, Syrien, Iran und Irak. Rücksicht auf die ethnischen, kulturellen und historischen Unterschiede der verschiedenen Völker wurde nicht genommen. Die Kurden in der Türkei wurden zu Bergtürken deklariert. Damit verloren sie nach dem Gesetz ihres Landes unter der Führung von Kemal Atatürk das Recht, ihre Sprache zu sprechen und ihre Identität öffentlich kundzutun.


1932: Ende des britischen Mandats im Irak
Der Irak wurde ein unabhängiger Staat und trat dem Völkerbund bei. Die Briten sicherten sich allerdings eine wirtschaftliche Sonderstellung und behielten einen starken politischen Einfluss.


Die Lage der Kurden im Irak nach dem Ersten Weltkrieg
Zwischen 1923 und dem Ende des Zweiten Weltkrieges gab es mehrere bewaffnete, zum Teil religiös motivierte Aufstände der Kurden gegen die Briten. Alle wurden brutal niedergeschlagen. Die kurdischen Städte wurden oft von britischen Bombern heimgesucht. Zahlreiche kurdische Kämpfer und Politiker wurden nach Indien abgeschoben oder ermordet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Kurden im Iran von der Sowjetunion gegen den Schah von Iran politisch und militärisch unterstützt.


Die Republik Mahabad
Die Kurden riefen am 22. Januar 1946 die Republik Mahabad aus. Gleichzeitig schloss sich Molla Mustafa Barzani aus dem irakischen Kurdistan mit 3000 Kämpfern der Republik und dem zukünftigen Präsidenten Qazi Mohammad an. Mustafa Barzani wurde General und Verteidigungsminister der Republik Mahabad.

Die neue Kurdische Republik lag als länglicher Streifen zwischen dem irakischen Kurdistan, Iran und der Türkei mit der Hauptstadt Mahabad. Das dunkle Areal wurde mehrheitlich von Kurden bewohnt. Das Viereck zeigt die Lage der Hauptstadt Mahabad. Die zweite Karte zeigt die Beziehung vom Iran und den umliegenden Staaten zur Republik Mahabad. Die Pfeile zeigen meinen Flucht- und Leidensweg durch das Land Iran. (s. Seite 20)

Das Bild zeigt Präsident Qazi Muhammad am Tag der Ausrufung der Republik Mahabad beim Gruß zur Nationalhymne der Kurden „Ey Raqib“* („Du, allwissender Beobachter“). Vorne in der Mitte in weißer kurdischer Tracht Mustafa Barzani (mit Genehmigung des Sohnes des damaligen Fotografen Rafiq aus Sulaimania).


*Kurdische Nationalhymne „Ey Raqib“: Du, allwissender Beobachter

Du, allwissender Beobachter
Das Volk mit der kurdischen Sprache lebt
Auch der Einsatz der modernen Bomben kann seinen Willen nicht brechen
Niemand darf sagen, dass die Kurden tot sind. Die Kurden leben
Sie leben, unsere Fahne wird sich niemals beugen

Das kurdische Volk stand auf wie ein tapferer Mann
Um die Krone des Lebens mit seinem Blut zu schminken
Niemand darf sagen …
Sie leben …

Wir sind die Generation von Midia und Shah Khosrow
Unsere Heimat ist unsere Religion
Niemand darf sagen …
Sie leben …

Wir sind die Generation der roten Farbe und Revolution
Schau, wie blutig unsere Vergangenheit ist
Niemand darf sagen …
Sie leben …

Der kurdische Junge ist immer bereit
Sich seinem Land zu opfern
Niemand darf sagen …
Sie leben …


22. November 1946
Die Sowjetunion verließ ihre Stellung in der Republik Mahabad. Damit verloren die Kurden den wichtigsten Verbündeten. Die Republik Mahabad wurde am 16.12.1946 gestürzt. Qazi Mohammad wurde verhaftet und zum Tode verurteilt. Er wurde am 31.05.1947 gehenkt (Bild unten). Mullah Mustafa Barzani floh in die Sowjetunion.


14. Juli 1958
An diesem Tag griffen aufständische Offiziere der irakischen Armee unter der Leitung von General Abdul-Karim Qassim den Präsidentenpalast an und töteten König Faisal II, den Sohn von König Faisal. Sie riefen die Republik Irak aus. Unter den Offizieren waren zahlreiche Kurden, denen der neue Präsident die Autonomie versprach.


Februar 1959
Im Februar 1959 wurde ein Attentat auf offener Straße auf Präsident Qassim verübt. Unter den Attentätern befand sich der spätere Despot Saddam Hussein. Saddam Hussein wurde dabei am Bein verletzt.


09. Februar 1963
Präsident Qassim wurde von Mitgliedern der Ba’ath-Partei erschossen. Dies war die Partei des irakischen Diktators Saddam Hussein, die damals kurzzeitig die Macht übernommen hatte.


17. Juli 1968
An diesem Tag übernahm die Ba’ath-Partei endgültig die Macht im Irak. Der General Ahmed Hassan Al Bakir wurde zum Präsidenten des Landes ernannt, sein Stellvertreter wurde Saddam Hussein. Die Ba’ath-Partei stellte sich anfangs gut mit den Kurden, da die bewaffnete kurdische Widerstandsbewegung unter Mustafa Barzani sehr stark war. Diese Tatsache machte damals ein militärisches Vorgehen gegen die Kurden für die junge Regierung kaum möglich. Deshalb setzte sie auf den Dialog mit den Kurden.


11. März 1970
An diesem Tag wurde das Märzmanifest verabschiedet, welches Kurdistan eine weitgehende Autonomie von der Zentralregierung in Bagdad garantierte. Das Manifest umfasste eine gerechte Verteilung der Bodenschätze des Landes, insbesondere des Öls, welches sich großenteils in der Region der kurdischen Großstadt Kirkuk befand. Es sollte vier Jahre über die Details und die Verteilung der Bodenschätze, die sich vor allem im Kurdengebiet befanden, verhandelt werden. Bis dahin gehörte die Stadt Kirkuk mit den größten Ölvorräten dem irakischen Kurdistan.


11. März 1974
Nachdem Saddam Hussein, damals Vizepräsident des Iraks, in einer Rede den Kurden lediglich ein Prozent des irakischen Öls zugesagt hatte, kündigten die Kurden das Märzmanifest auf. Die Kurden verlangten mindestens fünf Prozent. Damit begann in den Bergen ein einjähriger Krieg zwischen der irakischen Armee und den Kurden unter der Führung von Mustafa Barzani. Der Krieg forderte mehrere Tausend Tote auf beiden Seiten. Die irakische Armee stand vor einer Niederlage. Daraufhin reiste Vizepräsident Saddam Hussein in den Iran, um seinem politischen Widersacher, dem Schah von Iran, Zugeständnisse anzubieten. Am 06.03.1975 wurde das Abkommen von Algier verabschiedet. Es beinhaltete die Abtretung eines Teils des Schatt-el-Arab an den Iran. Der Schatt-el-Arab ist der Zusammenfluss von Euphrat und Tigris, der bis zu seiner Mündung in den Persischen Golf die irakisch-iranische Grenze bildet. Nun galt die Schifffahrtsrinne, die sogenannte Talweglinie, als Grenze. Im Gegenzug sollte der Iran die Kurden fallen lassen. Der Krieg endete mit einer schweren Niederlage der Kurden am 11.03.1975. Damit drohte der kurdischen Widerstandsbewegung der völlige Untergang. Die Kurden standen mit leeren Händen da. Die Niederlage wurde von den Kurden als Asch Batal („Leere Mühle“) bezeichnet. Eine Mühle wurde in Kurdistan als Symbol von Wohlstand angesehen, weil dort das Mehl hergestellt wird. Damit hatten die Kurden kein Brot mehr. Eine leere Mühle ist daher das Wort, welches die Lage der Kurden am besten beschrieb.


16. Juli 1979
Saddam Hussein erklärte sich zum Staatspräsidenten des Irak. Präsident Al-Bakir war vorher zurückgetreten, wie es offiziell hieß aus gesundheitlichen Gründen, was im Irak jedoch bis heute kein Mensch glaubt. Tatsache ist, dass Saddam Hussein auch nach dem Jahr 1975 mit aller Macht seine Interessen gegen alle anderen Mitglieder seiner Partei durchgesetzt hatte. Es war nur eine Frage der Zeit, wann er an die Macht kam. Dafür führte er systematische Erschießungen unter den eigenen Parteimitgliedern durch, die mit seiner Kandidatur nicht einverstanden waren. Es gab auch keinen Gegenkandidaten. Diese Zeit wurde von den Spannungen zwischen der neu gegründeten islamischen Republik Iran und dem Irak überschattet. Der neue Machthaber des Iran, Ayatollah Khomeini, erkannte Saddam Hussein als irakischen Staatspräsidenten nicht an. Er lehnte das Glückwunschschreiben von Saddam Hussein ab, welches ihm dieser zum Sieg der islamischen Revolution geschickt hatte. Er antwortete Saddam, er grüße nur gläubige Muslime, die dem Koran folgen. Damit war der Anfang der Feindseligkeit zwischen beiden Ländern gemacht. Auf die Wiederholung des Satzes von Khomeini stand im Irak die Todesstrafe.


17. September 1980
Saddam Hussein erklärte seinem neuen politischen Widersacher Ayatollah Khomeini gegenüber das Algier-Abkommen für null und nichtig. Er warf dem Iran vor, den Sturz des Regimes im Irak herbeiführen zu wollen. Es hatte in den Monaten zuvor zahlreiche Attentate auf irakische Einrichtungen gegeben, insbesondere in Bagdad. Einige angeblich iranische Spione wurden im staatlichen Fernsehen vorgestellt. Sie berichteten von iranischen Plänen zum Sturz des Regimes im Irak und der Gründung einer islamischen Republik im Irak nach iranischem Vorbild und wurden auf Befehl von Saddam Hussein hingerichtet. Der Iran warf dem Irak zugleich vor, wehrlose iranische Pilger hingerichtet zu haben.


22. September 1980
Einmarsch der irakischen Armee in den Iran und Beginn des acht Jahre andauernden Krieges. Bilanz: Über 500 000 Tote auf der irakischen Seite, 1 500 000 Tote auf der iranischen Seite, ca. 500 000 Kriegsgefangene, über 2 000 000 Kriegsverletzte und Behinderte auf beiden Seiten.


20. August 1988
Ende des Irak-Iran-Kriegs mit einem großen militärischen Sieg des Iraks. Der Irak wurde jedoch später am Verhandlungstisch unter Beteiligung der UN-Aufklärer als Auslöser des Krieges verurteilt. Der Irak wurde im Rahmen einer UN-Resolution auch zur Zahlung von Entschädigungen in Milliardenhöhe an den Iran verurteilt. Anschließend provozierte Saddam Hussein, dessen Regime praktisch pleite war, das Nachbarland Kuwait, das dem Irak mit Milliardenkrediten während des Krieges geholfen hatte. Kuwait wurde vorgeworfen, die Ehre der irakischen Frauen zu verletzen. Kuwait bestand nach Verhandlungen mit dem Irak weiterhin auf einer völliger Rückzahlung der Kredite. Ein Schuldenerlass wurde abgelehnt.
Der Streit dauerte mehrere Monate und endete mit dem Einmarsch der irakischen Armee am 02.08.1990 in Kuwait. Saddam Hussein annektierte Kuwait und erklärte es im Parlament zur 19. Provinz des Irak mit der Begründung, die Bevölkerung in Kuwait wünsche sich diesen Schritt.
Am 17.01.1991 begann die Befreiung von Kuwait unter Anwendung von militärischer Gewalt durch die Alliierten. Die alliierten Streitkräfte standen unter dem Kommando der USA und bestanden aus Kontingenten aus 35 Ländern sowie Deutschland und Japan als Geldgeber.










Einleitung



Jahrzehntelang wurden die Kurden im Irak systematisch bekämpft und als eine kleine Minderheit des großen Iraks behandelt. Es gibt kulturell, historisch, klimatisch und sprachlich so gut wie keine Gemeinsamkeiten zwischen den Kurden und der arabischen Bevölkerung im Irak außer der islamischen Religion. Die Kurden wurden Opfer der willkürlichen Teilung des Nahen Ostens dank Mark Sykes und Paul Picot, wahrscheinlich nach zwei Flaschen Wein im Mai 1916. Es wurde keine Rücksicht auf die Völker genommen. Mittlerweile bezahlt die gesamte Welt dafür.

Die Kurden im Nordirak sind Muslime überwiegend sunnitischen Glaubens, allerdings herrschte in dem Land von Anfang an seit dem Zusammenbruch des osmanischen Reichs eine liberale säkulare Tradition, die auch größtenteils durch das Ba’ath Regime seit der Machtübernahme 1968 eingehalten wurde. Das Ba’ath Regime ließ keinen Platz für Fundamentalismus. Obwohl Saddam Hussein als zweiter Mann ab 1968 mitregierte, diktierte er de facto das Geschehen im Irak in den Siebzigerjahren persönlich. Es war auch nur eine Frage der Zeit, dass er den irakischen Staatspräsidenten Ahmed Hassan Al-Bakir ablösen wollte. Er übernahm die Macht im Jahr 1979, was laut Angaben der Regierung aus Alters- und Gesundheitsgründen geschah.

Seit Anfang der 1960er Jahre herrschte im Irak zugleich ein bewaffneter Widerstand gegen die Zentralregierung in Bagdad, der faktisch mit dem Chemiebombenangriff auf die Stadt Halabja 1988 nahezu vollständig zerschlagen wurde. Trotz der zahlreichen Verbrechen, der Deportation von Kurden sowie Konzentrationslagern im gesamten Irak, insbesondere in der Wüste des Südirak, wurde die Tragödie der Kurden als eine innere Angelegenheit abgetan und Saddam Hussein vom Westen aufgrund seines Militärsiegs gegen den Iran weiterhin hofiert.

Das Land Irak war im Jahre 1980 eines der reichsten Länder der Welt. Nach dem Ende des Iran-Irak-Kriegs war es jedoch eines der meistverschuldeten Länder der Welt. Um die Schulden des Krieges zu tilgen, überfiel Saddam Hussein am 02.08.1990 Kuwait, was dazu führte, dass die Alliierten den Staat Kuwait erneut befreiten. Um weiterhin einen Vorwand für den Bedarf an Alliierten und ihrer Unterstützung in der sogenannten „Ersten Welt“ zu bekommen, wurde während der Kriegsvorbereitungen zum ersten Mal die Tragödie der Kurden als eines der größten Verbrechen des Regimes benannt. Zumindest tröstete uns der Überfall auf Kuwait dahingehend, dass wir nun anerkannt wurden.

Mit der Befreiung von Kuwait und der vorübergehenden Befreiung der Städte im Irak erfolgte eine blutige Niederschlagung des Aufstandes im Irak, sowohl im Süden als auch im Norden, weshalb sich innerhalb von Tagen eine große Flüchtlingskatastrophe ereignete. Trotz der Bemühung der internationalen Gemeinschaft, Hilfe und Unterstützung für die Flüchtlinge zu erhalten, ist dies ein großer Schandfleck in der Geschichte der UNO und der westlichen Welt.

Dieses Buch handelt vom Schicksal meines Volkes aus meiner Sicht, also aus Sicht einer einzelnen Person.

Alle Ereignisse basieren auf der Grundlage vieler Briefe, Dokumentationen und Papierschnipsel, welche ich zum Teil auf Taschentüchern niedergeschrieben hatte. Es kostete mich über viele Jahre sehr viel Mühe und große Anstrengungen, all diese Ereignisse und Aufzeichnungen zu Papier zu bringen und letztendlich in ein Buch zu fassen. Alle Tragödien und Ereignisse, die ich erlebt habe, sind Hunderten, ja sogar Tausenden Kurden ebenfalls widerfahren, sodass ich stellvertretend für sie dieses Buch geschrieben habe. Ich hoffe dabei auf mehr Verständnis für mein Volk und dessen Kampf um die eigene Freiheit und die Gründung eines eigenen Staates im Nordirak.
5 Sterne
Sehr Empfehlenswert - 12.11.2017
Dr. Barham Mohammed

Das Buch ist sehr empfehlenswert, weil der Autor die Realität und das Drama der Kurden im Zeitraum von 1974-1992 in der Region Kurdistan in Irak zeigt.Er zeigt auch den schlechten Zustand der Menschenrechte unter dem Mullah-Regime im Iran.Ein sehr schönes und interessantes Buch.Es lohnt sich sehr das Buch einmal gelesen zu haben!

5 Sterne
Fesselnd und bewegend - 07.10.2017
B.S.

„Die Welt hat mich vergessen“ erscheint wie ein Spagat zwischen historischem Roman, einer Biographie und einer Inspirationsnovelle. Erst nach dem verträumtem Weglegen könnte einem schmerzhaft bewusst werden, dass hier keine Inspiration, keine Recherche und keine geschichtlichen Quellen vonnöten waren. Der Autor erzählt nur von seiner Realität. Realität die einen auf einer Seite zum Lachen bringt, auf der nächsten zu Tränen rührt. Der Autor ist ein sprachlich begabter arrivierter Neurochirurg dessen Werdegang den roten Faden der Erzählung darstellt. Als Mitglied einer Minderheit muss er im Orient jedoch tiefschneidende Opfer bringen um sein Ziel zu verwirklichen – ein Leben in Freiheit zu leben und seine Berufung ausüben zu können.Den Zweikampf des Autors mit dem Schicksal zeichnet er gleichsam im Schatten des ungleich größeren Ringens eines ganzen Volkes ums Überleben. Eingebettet in die Kriege zwischen Iran und Irak in den Achtziger Jahren und die erste Invasion der USA in den Irak Anfang der Neunziger werden dem europäischen Leser die historischen Ereignisse aus einer einzigartigen Perspektive vermittelt. Als Arzt war der Autor in vielerlei Hinsicht auch ein privilegierter Beobachter. Er erlebte die Leiden seines Volkes aus der Sicht dessen, der in seiner Behandlung keine Unterschiede zwischen Ethnien macht. Unterdrücker und Unterdrückte werden in seinen Händen gleichsam zu Hilfsbedürftigen.Man erlebt Beklemmung in Form des Inneren einer irakischen Geheimdienstzentrale, der schonungslosen Kälte der kurdischen Berge oder die Hilflosigkeit des Einzelnen in einem staatlich orchestrierten Genozid. Vieles erinnert einen an das was wir in deutschen Geschichtsbüchern über die NS-Zeit lasen und lang überwunden glaubten. Dem gegenüber stehen Einblicke in die Menschlichkeit die keine Konfessionen und Nationalität kennt. Der Leser lernt dank der liebevollen Beschreibung auch die Kulturen der Region und ihre Eigenheiten in humorvoller Weise kennen.Das über 300 Seiten fassende Werk wird mich noch lange Zeit begleiten. Ich empfehle es nicht nur medizinisch oder am Orient interessierten Lesern. Die klare Sprache und die spannenden Ereignisstränge machen es zu einer leichten Lektüre für Jedermann.Eine Mahnung ist dieses Buch an alle die glauben dass die letzten Genozide mit dem zweiten Weltkrieg vorbei waren. Ob die Erstauflage des Buches just zum Unabhängigkeitsreferendum des Nordirak Zufall ist oder nicht – es behandelt ein brandaktuelles und brisantes Thema.

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