Cover: Denkmal Mensch

Denkmal Mensch
Aufruf zu Selbsterkenntnis und Plädoyer für Demokratie und Menschenrechte


EUR 18,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 52
ISBN: 978-3-99146-905-6
Erscheinungsdatum: 17.12.2024
Wie hat sich der Mensch seit Anbeginn der Zeit entwickelt? Welche Rolle spielen Erfahrungen der Menschheit heute noch? Was unterscheidet Menschen wirklich von Tieren? Reto Zanoni geht diesen Fragen auf den Grund. Mit überraschenden Erkenntnissen.
Hass und Liebe

Die Geschichte des Menschen ist bis in die Gegenwart gespickt mit unglaublichen Gräueltaten bis hin zu Völkermorden. Völkermorde sind bereits aus der Antike dokumentiert (u. a. auch in der Bibel), konnten neben religiös verbrämten Schandtaten wie der Hexenverbrennung bereits im Mittelalter riesige Ausmaße annehmen (Dschingis Khan) und ziehen sich in einer grauenvoll blutigen Spur weiter fort. Bei den Europäern ging es z. B. einher mit der Kolonisierung von Nord- und Südamerika, mit dem Deutschen Reich, das sich die Vernichtung des Judentums aufs Banner schrieb, was in den Holocaust mündete, in Russland war es Stalins Holodomor in der Ukraine, im Nahen Osten die Säuberungspolitik des Osmanischen Reiches, in Japan die geopolitischen Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg, in China Mao Zedongs Kulturrevolution, in Afrika ethnisch bedingte Massenmorde in Burundi und Ruanda, um nur einige wenige zu nennen. Angesichts der erdrückenden Evidenz erscheint die Hypothese, der Mensch sei mit einem untrüglichen Gewissen für Gut und Böse, mit einem ethischem Imperativ auf sein Handeln ausgestattet, als gewagt. Wir sollten uns deshalb im Sinne von Dawkins (s. u.) daran erinnern, wie sehr wir wie alle anderen Tiere einfach darauf programmiert sind, als Individuen zu überleben. Ausgestattet mit äußerst raffinierten Mechanismen, auf physische wie auch auf psychische Herausforderungen reflexartig zu reagieren. Ausgestattet mit einem Gehirn, das Situationen in Sekundenschnelle erfassen kann, das ungeheuer lernfähig und lernbegierig ist und uns eine hervorragende Kommunikationsfähigkeit beschert hat, die es überhaupt erst möglich gemacht hat, dass wir mittels technischer Hilfsmittel in puncto Ausbreitung bis in die letzten Winkel unseres Planeten eine der erfolgreichsten Spezies auf Erden geworden sind. Wir können uns zu Land mit allen möglichen Fahrzeugen sehr schnell fortbewegen und uns sogar, wenn auch mit ohrenbetäubendem Lärm und sündhaftem Energieverbrauch, in die Lüfte erheben und so größte Distanzen in kürzester Zeit überwinden oder mit riesigen Kreuzern uns selbst oder riesige Lasten über die Meere schaukeln oder mit Unterseebooten bis in die tiefsten Tiefen der Meere vordringen. Wir haben aber auch seit den frühesten Anfängen großartige Kunstwerke erschaffen, Bilder, Gesänge, Musik oder Bauten, die nur dem Zweck dienen, uns daran zu erfreuen oder auch unsere übermenschliche Vermessenheit zu nähren, wie z. B. die ägyptischen Pyramiden. Im Bereich der Musik sieht man wohl stärker als in allen anderen Künsten die Übermacht der Liebe unter den Geschlechtern, der zumindest in der Neuzeit mehr als die Hälfte aller meist zauberhaften Werke gewidmet sind. Nichts wäre falscher, als dies zu kritisieren, es spricht für uns, entspringt aber letztlich dem stärksten aller in unserem Gehirn prominent abgebildeten Triebe, der Fortpflanzung, dem A und O der ganzen Evolution. Daneben besteht aber bis in die Jetztzeit eine endemische Verbreitung von #MeToo, Missbrauch, Gewalt, Missachtung und Unterdrückung der Frau und von Menschen mit queerer sexueller Orientierung. Auch in «fortschrittlicheren» Gesellschaften erweist es sich als schwierig, der durch die Natur vorgegebenen, ungleich verteilten Last der Fortpflanzung im Sinne effektiver Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gerecht zu werden.



Menschenskind

Die große Freude, wenn ein Kind zur Welt kommt! Meine Mutter sagte immer wieder «direkt vom Himmel herabgekommen». Und doch ist es auch mit viel Mühsal verbunden, mehr für die Mütter als die Väter, für die es lange vor der Geburt anfängt und noch lange danach an allen Kräften zehrt. Und doch, für die meisten Eltern ist es ein wahrer Segen, man liebt sie grenzenlos und sorgt sich ebenso, wenn etwas nicht stimmt. Fällt einem ein kleines Töchterchen aus kurzzeitiger Überforderung mit einem anderen Töchterchen von der Schulter, ist Panik angesagt, direkt zum Notfall mit ihr, zum Glück war nichts. Lassen sie einem keine Ruhe am Abend, weil sie Bauchkrämpfe haben oder weiß der Herr was, lässt man sich kaum je zu einer unüberlegten Handlung hinreißen und wenn doch, dann bleibt einem das Schuldgefühl für den Rest des Lebens erhalten, auch wenn sich daraus kein Unglück ergeben hat; ein Zweifel nagt. Es ist und bleibt eine große, an keine Bedingungen gebundene Liebe. Mit staunendem Auge beobachtet man, wie das Menschenskind alles um sich herum aufsaugt, um sich in die es umgebende Gesellschaft von Menschen einzugliedern. Man staunt noch mehr, wie herausfordernd es schon in einer Krippe für das Kleinkind ist, sich da seinen Platz zu sichern, jedes gemäß seinem Charakter. Das alles ist viel mehr Diffusion mit der uns umgebenden Kultur, wie auch immer sie geartet ist, als «Erziehung». Heftig kann es werden, wenn das Menschenskind ins Alter der Pubertät kommt, ein wichtiger Prozess zur Selbstfindung und beginnenden Befreiung aus der kindlichen Unschuld und der Abhängigkeit von den Eltern. Da sprudelt eine gewaltige Energie, die sich selbst einen Weg bahnen muss, aus bisher völlig unhinterfragten Schranken der erwachsenen Welt. Und Gott sei Dank, wenn es nicht in eine Welt der Drogen, Sucht und Selbstzerstörung mündet oder in eine zu frühe, völlige Ablösung vom Elternhaus, wo der Mensch noch kaum in der Lage ist, ganz auf sich allein gestellt, unbeschadet in der ihn umgebenden Gesellschaft zu überleben. Wie weit wir doch bloß weg sind von den Vögeln und allen anderen Tieren da draußen, die für Ernährung und Unterschlupf im Prinzip einfach von dem leben, was die Natur ohne den Einsatz raffinierter, energieintensiver Werkzeuge zur Verfügung stellt. Was ja unbestritten auch angenehme Seiten hat. Unsere Strukturen für Lebensmittelproduktion, Wohnen, Gesundheit, Mobilität, Kommunikation und Unterhaltung sind jedenfalls vergleichsweise gewaltig, energieintensiv und technisch hochkomplex. Um dies zu meistern, braucht der Mensch sowohl technisch wie kulturell Jahre der Ausbildung, bis er in dieser hocharbeitsteiligen Welt nur einigermaßen zurechtkommt. Und wenn er bereit ist, mitanzupacken, und zur rechten Zeit am richtigen Ort ist, kann er in der menschlichen Gesellschaft sehr erfolgreich sein, ja «Karriere machen», wie gerne gesagt wird. Das gilt grundsätzlich sowohl in reichen wie in armen Ländern, die Chancengleichheit ist jedoch längst nicht als gegeben zu betrachten, sei es aufgrund der Ethnie, der Hautfarbe, der Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Schicht oder Klasse, der Religion und sogar, nicht zuletzt, des Geschlechts. An diesem Punkt hat das Menschenskind jedenfalls trotz oder gerade wegen der ganzen Ausbildung völlig vergessen, dass wir letztlich doch nichts anderes als – wenn auch schräge – Vögel oder andere Tiere sind: Wir sind nicht, was wir glauben zu sein.



Der Mensch als Ergebnis der Evolution

Seit den Zeiten des Naturforschers Darwin (1809–1882) haben sich seine wissenschaftlich erhärteten Erkenntnisse über die Verwandtschaften im Tierreich weitestgehend durchgesetzt. Abgesehen von religiösen Fundamentalisten zweifelt kaum jemand an der Evolution, dass also im Laufe von mehreren Milliarden (!) Jahren aus einfachsten Lebewesen eine bezaubernde Vielfalt von immer komplexeren Organismen entstanden ist, Pflanzen und Tiere. Schon da fragt man sich, wo die Moral bleibt. In dem 1976 veröffentlichten Buch «The Selfish Gene» (das egoistische Gen) legt der britische Zoologe Richard Dawkins eine sehr plausible These dazu dar. Im Wesentlichen geht es darum, dass die aus der «Ursuppe» unter äußeren Einflüssen wie Sonnenlicht und Strahlung entstandenen Biomoleküle immer komplexer wurden und irgendwann die Fähigkeit erlangten, sich unter Verwendung bereits vorhandener, einfacherer Moleküle zu replizieren (Dawkins, R. (1976). The selfish gene. New York, Oxford University Press, S.12ff). Also etwas wie eine «Rattermaschine», die es schafft, sich selbst zu kopieren und sich damit fast beliebig zu vermehren. Unter ständigem Wettbewerb um Ressourcen, die ja immer auch limitiert sind, entstanden so wie erwähnt immer komplexere Einheiten, das ganze Reich von Pflanzen und Tieren. Bezogen auf die einfache «Rattermaschine», eben das selfish gene, kann man uns gemäß Dawkins auch einfach als «Überlebensvehikel» eines Gensatzes, mit oder ohne epigenetischen Einfluss von regulatorischen Proteinen, ansehen, das kein anderes Ziel kennt, als mit allen dem Vehikel zur Verfügung stehenden Mitteln, seien es solche kompetitiver oder kooperativer («altruistischer») Natur, über die Jahrhunderte fröhlich von Generation zu Generation weiter- und weiterzurattern. In Überspitzung dieses biologischen Denkmodells würde sich die Fitness («survival of the fittest») beim Menschen heutzutage in erster Linie in (Milliarden) Dollars ($) bemessen. Er meinte denn auch zum Thema «Moral», dass es, wenn man sich als Bioroboter erkennt, nicht verwunderlich sei, dass wir uns selbst und unseren Kindern die der Maschine nicht inhärente Ethik erst vergegenwärtigen müssen. Wie dem auch sei, vieles in der Geschichte der Menschheit deutet darauf hin, dass die Ethik für den Menschen mit seiner Selbstwahrnehmung, Intelligenz und außergewöhnlichen Fähigkeit zu Kommunikation und Empathie eine ständige Herausforderung darstellte, dass sie etwas war, das erfunden werden musste, wenn es fehlte. Hier ist wohl auch der Ursprung der Religionen zu suchen, die dem Menschen in seiner Not den ethischen Weg wiesen. Wer braucht schon eine Klagemauer? Denn bei allem Egoismus merkt jedes Individuum sofort, wenn ihm Unrecht getan wird. Im vollen Bewusstsein des Todes eine höhere Instanz zu haben, kann helfen, mehr Gerechtigkeit, mehr Trost zu schaffen. Zumal auch die umgebende Natur und viele noch kaum verstandene Naturphänomene sich den frühen, noch sehr naturnahen Menschen viel bedrohlicher präsentierten als uns heute. Diese Instanzen haben aber auch sehr dazu beigetragen, dass wir ein völlig abgehobenes Bild von uns selbst bekamen. So machten die christlichen Religionen den Menschen zu gottgegebenen Herrschern der Welt, was sich sogar recht gut mit der viel später folgenden Darwinistischen Sicht der Evolution in Einklang bringen ließ. Es ist hingegen eher schwierig, genau auszumachen, inwiefern die Religionen zur Entwicklung des ethischen Gedankenguts bis hin zu den Menschenrechten beigetragen haben.



Der Mensch im Altertum

Aus der Epoche der Jäger und Sammler, die vor ungefähr 2,5 Millionen Jahren begann, beim Homo rudolfensis über Homo habilis und Homo erectus bis zum frühen Homo sapiens vor etwa 200.000 Jahren, und bis zum Übergang zu Ackerbau und Viehzucht grob um 10.000 v. Chr. dauerte, sind vor allem Höhlenbilder und einfache (Jagd-)Werkzeuge dokumentiert, da die Menschen dieser Zeit noch keine Kommunikation mit Schriftzeichen pflegten. Ihre Kultur, Riten, Religion und Mythen waren zweifelsohne sehr naturnah und genügsam, wenn auch nicht im heutigen Sinne «ökologisch». Diese Menschen stießen jedenfalls noch kaum an Grenzen zu ihrer weiteren Ausbreitung, wenn ihr Umgang mit der Natur mittels Brandrodung oder Überjagung nicht nachhaltig war. Auffällig ist im Vergleich zu anderen Primaten die Kommunikationsfähigkeit der Menschen untereinander und der nicht nur feindliche Kontakt unter verschiedenen Gruppen mit Austausch von Kultur und Wissen und der Entstehung familiärer Bindungen. Basierend auf ausgeprägter Intelligenz wohl das entscheidendste Erfolgsrezept des Homo sapiens. Diese indigene Lebensweise ist zwar bis heute in hochgefährdeter Weise in Randregionen der Welt erhalten geblieben, wird aber durch die umgebende Zivilisation immer weiter zurückgedrängt und kulturell verfälscht. Die Vorzüge dieser «besitzlosen» Lebensweise werden in einem aktuellen Werk des Autors Yuval Noah Harari (Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit. Übersetzt aus dem Englischen von Jürgen Neubauer. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2013, https://literaturkritik.de/id/19392) sehr eindrücklich beschrieben.

Die sogenannten Hochkulturen des Altertums entstanden erst nach dem Übergang zur sesshaften Lebensweise. Dieser Übergang markiert einen grundsätzlichen Wandel in der menschlichen Kultur des Zusammenlebens. Die Geschlechter waren bei den Jägern und Sammlern funktional noch weitgehend gleichberechtigt, indem die Rolle der Nahrungsbeschaffung ebenso bedeutend war wie diejenige der engeren Umsorgung, Nachwuchssicherung und Nachwuchsbetreuung der Familien und Sippen. Die sesshafte Lebensweise war hingegen geprägt von Haus- und Landbesitz, beides fest in der Hand des männlichen Geschlechts, sodass die Frau nach einer festen Bindung sich in dem fremden Haushalt a priori unterordnen musste. Es entstand somit eine bis heute vieles prägende Männerherrschaft. Der immer effizienteren landwirtschaftlichen Nahrungsmittelproduktion folgten verschiedene Gewerbe zur effizienten Verarbeitung von Lebensmitteln und für den Haus- und Werkzeugbau, sodass es sich von selbst ergab, dass daraus weitherum Dörfer und Städte entstanden, wo die Arbeitsteilung der Bewohner perfekt aufeinander abgestimmt war. Parallel mit der Erfindung von Besitz ging auch die Anhäufung und Vermehrung von Besitz einher und die Entstehung von Machtstrukturen und Regelwerken, die unter anderem auch unter dem Einfluss von oder in unheiliger Allianz zu überliefertem, religiösem Gedankengut und dessen weltlichen Würdenträgern standen. Dies mündete im 4. Jahrtausend v. Chr. in die Entstehung von Hochkulturen in Mesopotamien im Gebiet zwischen Euphrat und Tigris und im Niltal. Für die Herausforderung der Verwaltung von Besitz, Handel und Bürgern in immer größeren und mächtigeren Städten entstand in Mesopotamien bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. die Keilschrift mit Zeichen für Text und Zahlen und wohl etwas später in Ägypten ein System mit Hieroglyphen.


Mesopotamien

In Mesopotamien handelte es sich zunächst um Stadtstaaten mit mehr oder weniger friedlicher Koexistenz und Zusammenarbeit, später entstanden daraus große Königtümer mit föderalistischer Struktur. Der auf Handel beruhende Reichtum der Städte äußerte sich in prächtigen Gebäuden und Tempelbauten. Die Gesellschaft war in Klassen gegliedert, in denen unterschieden wurde zwischen Angehörigen der Ober- oder Mittelschicht, den Abhängigen, der Landbevölkerung und den Sklaven. Könige rechtfertigten ihre Machtfülle als von einem Gott gegeben. Die sumerische Religion mit einer Schöpfungsgeschichte, einer Reihe von Göttern und daraus abgeleiteten, unumstößlichen Regeln und Gesetzen ist gut dokumentiert. Man bezeichnet Mesopotamien ja in diesem Zusammenhang auch als «Wiege unserer Kultur». Der Codex Eshnunna aus dem 20. Jh. v. Chr., der bemerkenswerterweise bei Übertretung im Vergleich zum späteren Codex Hammurabi öfter mit Geldstrafen als mit dem Tod drohte, regelte im Detail die nach Gesellschaftsschicht variierenden Persönlichkeitsrechte und Strafen bei Raub, Betrug, Missbrauch, Körperverletzung und durch Tiere verursachte Schäden. Ein Todesfall nach Hundebiss wurde z. B. wie folgt sanktioniert: «Wenn ein Hund rasend wütig ist und dem Besitzer wurde deshalb amtlich verboten, ihn auszuführen, und er beißt jemanden, sodass das Opfer zu Tode kommt, dann muss der Besitzer eine Buße von 2/3 einer Mine (40 Schekel) Silber entrichten, respektive 15 Schekel, wenn es sich um einen Sklaven handelt.» (Zitat aus Baer G.M., Wandeler A.I. Rabies virus. In: Virus infections of carnivores, 1987. p. 167–82). Dieser Passus gilt auch als der erste dokumentierte Beleg für die Hundetollwut. Erstaunlich ist daran insbesondere die frühe Erkenntnis, dass der Besitzer des Hundes für den Schaden haften muss, da er es trotz amtlicher Warnung unterlassen hat, Vorsorge zu treffen. Dieses einfache Vorsorge- und Haftungsprinzip erweist sich im Zusammenhang mit der weltweiten Kontrolle der Hundetollwut in weiten Teilen von Asien und Afrika als zentraler Knackpunkt. Gibt es einen Besitzer, kann er verpflichtet werden, den Hund zu impfen, was allerdings nur funktioniert, wenn er es sich leisten kann. Gibt es keine individuellen Besitzer für viele freilaufende Hunde, dann wird es schwieriger, das WHO-Ziel der Ausrottung der Hundetollwut bis 2030 zu erreichen.
Das Mesopotamische Reich, das immer mächtiger wurde, zerfiel schließlich in der zweiten Hälfte des letzten Jahrtausends v. Chr. möglicherweise aufgrund einer dannzumal nicht mehr beherrschbaren Größe, der Bedrohung durch andere Völker und eventuell auch aufgrund einer klimabedingten, verheerenden Dürrephase. Das in Klassen unterteilte Menschenbild dieser Zeit war geprägt von einer Mischung aus religiöser, um die Tempel konzentrierter und weltlicher Macht von königlichen Herrschern, die sich ebenfalls auf die Religion beriefen.


Ägypten

In Ägypten entstand um das 4. Jahrtausend v. Chr. bis zur ersten Hälfte des ersten Jahrtausends n. Chr. eine Folge von zahlreichen, mächtigen Dynastien von Pharaonen, die als eigentliche Gottkönige fast unumschränkt herrschten. Neben den Tonsiegeln geben die weltbekannten Pyramiden (Monumentalgräber) das eindrücklichste Zeugnis dieser frühen Hochkultur ab. Die Pharaonen identifizierten sich in der 4. und 5. Dynastie mit dem Sonnengott. Die strikt durch Gesetze geregelte Gesellschaftsstruktur war sehr hierarchisch mit religiösen und amtlichen Würdenträgern, Bauern und Gewerbetreibenden und Sklaven. Das Menschenbild beruhte auf der göttlichen Selbstwahrnehmung und deren Umsetzung in staatliche Macht durch die pharaonischen Herrscher, die alles bestimmen konnten, was unter ihnen war. Man könnte deshalb die Pyramiden auch als über die Jahrtausende erhalten gebliebenes Denkmal der totalen Entrückung aus der naturgegebenen Realität und der grenzenlosen Vermessenheit des Menschen betrachten.

5 Sterne
Unbedingt lesen! - 31.12.2024
Manuela Grassi

Denkmal Mensch Ein sehr gutes, überraschendes Buch. Man kann es einfach als kurze Geschichte Europas und des Nahen Ostens lesen. Es dreht sich aber auch um grundsätzlich existentielle Fragen des Menschseins. Wer sind wir in einer langen, erfolgreichen Evolutionsgeschichte, wo führt es hin? Wie können wir all diese aktuellen Krisen lösen und als Erdenbürger langfristig überleben? Das Buch wird getragen von einem starken, hoffnungsvollen Fokus auf humanitären Fragen und Lösungen, die sich über die Jahrhunderte weiterentwickelt haben und sich weiterentwickeln.

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