Basisfaktor Arbeit und Humankapital
Humankapital in Zeiten eines wirtschaftlichen Umbruchs, eine Zeitenwende
EUR 18,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 174
ISBN: 978-3-99146-500-3
Erscheinungsdatum: 07.11.2024
Sachbuch über Humankapital unter Berücksichtigung von Arbeit, Politik und Gesellschaft im 21. Jahrhundert mit Rückblicken auf die Ökonomie vergangener Zeiten und Ausblicken auf zukünftige Tendenzen.
Vorwort
Was ist Humankapital, was Energie und Arbeit auf dem Markt? Die Energie taucht in unterschiedlichen Formen auf und muss meist von der vorliegenden in eine andere, nutzbare Form umgewandelt werden. Der Begriff Humankapital ist sehr schillernd und kann wohl erst zum Abschluss annähernd korrekt definiert werden. Bei der Arbeit ist diese Definition einzugrenzen: einmal in Bezug auf die menschliche Arbeit generell und dann auf die unterschiedlichen gesellschaftlich akzeptierten Formen von Arbeit. Ist es nur die sozialversicherungspflichtige Arbeit? Oder ist es nicht ebenso Arbeit, wenn die Mutter ihren Kindern das Essen zubereitet? Arbeit beginnt immer im Kopf und akkumuliert sich auch dort als Humankapital, was von außen betrachtet nicht direkt beobachtbar ist. Wenn Maria die Brötchen zum Frühstück holt, dann kennt sie den Weg zum Bäcker und weiß, dass sie die Börse einstecken muss, um den Bäcker bezahlen zu können. Nachdem nun am Morgen der Wecker geklingelt hat, steht Maria auf, macht sich fertig und begibt sich anschließend auf den Weg, den sie im Kopf gespeichert hat. Die Brötchen zu holen, das tut sich nicht von allein, das ist Arbeit. Wenn Peter inzwischen den Kaffee aufgesetzt hat, dann ist das auch Arbeit. Das Frühstück selbst wird man allerdings nicht als Arbeit einordnen, auch nicht den Weg zur Arbeit, es sei denn, dieser Weg wäre schon ein Weg zum Kunden und nicht der Weg zur Arbeitsstätte. In der Regel wird der Weg zur Arbeitsstätte nicht der Arbeitszeit zugerechnet, obwohl auch dies nicht ohne Anstrengung erfolgt. Die Trennung zwischen Arbeit und einer einfachen Lebensaktivität ist nicht immer einfach. In der Steinzeit war es wohl überflüssig, solche Unterscheidungen zu treffen, alles war Ausdruck der Lebensweise in der Familie. Natürlich hatte man auch damals schon Angst um sein Leben und war um die Sicherheit der Familienmitglieder besorgt. Zur kognitiven Entwicklung und den unterschiedlichen Persönlichkeitsstrukturen hätte man auch damals schon seine Beobachtungen machen können. Eine Arbeitsteilung im heutigen Sinne kannte man sicherlich noch nicht, gab es doch damals ebenso wenig einen Arbeitsbegriff als solchen; eine Aufgabenverteilung in bestimmten Lebenssituation hingegen wohl schon. Erst die differenzierte Arbeitsteilung seit den Anfängen der industriellen Revolution führte zu einem merklichen wirtschaftlichen Wachstum. Damit wird dann auch die Verteilung der Gewinne zum Problem, und dies bis in die heutige Zeit hinein. Die Beiträge zum Auseinanderklaffen der Einkommen pro Kopf mehren sich in den letzten Jahren geradezu exponentiell. Mit einer Verelendung der arbeitenden Bevölkerung geht das allerdings nicht einher, steigt doch der Wohlstand pro Kopf ebenso kontinuierlich für alle, ebenso wie die Reichsten in der Gesellschaft immer mehr Vermögen ansammeln. Kapital ist daher nicht mehr knapp und die Zinsen so niedrig wie schon lange nicht mehr. Der Wert der potenziellen oder einsetzbaren menschlichen Arbeitskraft, auch als Manpower bezeichnet, sollte in der deutschen Sprache exakt mit dem Begriff des Humankapitals besetzt werden. Nur so lässt sich auch der Unterschied zum Finanzkapital klar herausarbeiten. Finanzkapital kann vernichtet werden, Humankapital ebenfalls, darin scheint es keinen Unterschied zu geben. Die Verletzlichkeit des Humankapitals ist aber ein spezielles Problem, das hier aufzuarbeiten ist. Der Mensch braucht nach einer anstrengenden Arbeitsphase Erholung und Abwechslung, kann andererseits ebenso ohne eine Entlohnung seine Arbeit verrichten. Daraus lässt sich auch die Macht des Humankapitals ableiten. Zum Schluss stellt sich die Frage, ob eine neue Sichtweise auf das Humankapital und die Arbeit einen Paradigmenwechsel befördern wird, kann oder muss? Nicht zu vergessen ist dabei die Energie, die in der Regel einer gezielten Steuerung bedarf. Da diese Steuerung in wirtschaftlichen Bezügen generell den beteiligten Menschen zuzuordnen ist, kann man die Akkumulation von Arbeitsleistungen durchaus im Humankapital verorten; bei einer genaueren Betrachtung wird man jedoch erkennen, dass hierbei immer Strukturen aufgebaut werden, die bestimmte Ordnungen erkennen lassen, weshalb man auch von einem entstehenden Ordnungskapital ausgehen kann, das einerseits Merkmale einer sozialen Struktur ebenso erkennen lässt wie die Merkmale natürlicher, naturbedingter Strukturen. Da hier der strukturelle Aufbau von Pflanzen und Tieren nicht zum Thema gemacht werden soll, beeinflussen sie doch nicht primär das Marktgeschehen, scheint es gerechtfertigt, hier nur die menschliche Arbeitsleistung und das Humankapital mit seinen sozialen Strukturen näher zu betrachten.
Einleitung
Gehen wir davon aus, dass alle mehr wirtschaftliches Wachstum wollen, dann stellt sich nicht nur die Frage, wie dies zu bewerkstelligen ist, sondern auch, welches Wachstum wir wollen, wer vom Wachstum profitiert und wie sich dieses Wachstum auf unsere Umwelt auswirkt und wie viel Wachstum überhaupt möglich und nötig ist. Betrachten wir das Wachstum einer Pflanze, so lassen sich unterschiedliche Szenarien beobachten, da der Rhythmus sehr unterschiedlich sein kann. Ein Baum kann mehrere Hundert Jahre alt werden, eine einjährige Pflanze nur ein Jahr, Schleimpilze hingegen können theoretisch ewig leben. Sollten wir uns da nicht die Schleimpilze zum Vorbild nehmen? Wer will denn nicht ein ewiges Wachstum seiner Volkswirtschaft? Was sinnvoll und wünschenswert ist: eine Abstimmung des wirtschaftlichen Wachstums mit dem Bevölkerungswachstum. Unterscheiden sollten wir auch zwischen einem gesunden Wachstum und einem krankhaften Wachstum. Ohne die Menschen und ihr Humankapital wird es kein gesundes wirtschaftliches Wachstum geben. So wie der arbeitende Mensch nach einer Phase der Anstrengung auch Phasen der Erholung benötigt, so wird die Wirtschaft nach Phasen eines starken Wachstums auch wieder Phasen benötigen, in denen alles in ein ruhigeres Fahrwasser kommt. Nutzen kann man diese Phasen, um die Gesundheit zu stärken, die Wohnqualität zu verbessern und die Mobilität neu zu organisieren. Gehen wir davon aus, dass uns ein Übergang von der Knappheit zum Überfluss bevorsteht, so wird es wichtig, alle
Menschen damit einzubeziehen. Dies alles wird von uns ein höheres Qualitätsbewusstsein abverlangen. Gleichzeitig muss der Staat schlanker werden, da nur ein höheres Maß an Eigenverantwortung auch ein Bewusstsein für mehr Qualität befördern wird. Eine Gesellschaft im Überfluss könnte Probleme bei der Verteilung des Überflusses bekommen. Wichtig ist dabei, klar und allen verständlich zu unterscheiden zwischen dem, was die Gemeinschaft zu verwalten und zu verantworten hat, und dem, was besser in den Händen privater Akteure zu belassen ist.
1. Humankapital im Laufe der Zeit
Definiert man Humankapital als das, was die potenzielle Arbeitsleistung eines Menschen ausmacht, so hat es das Humankapital schon gegeben, solange es Menschen gibt. Auch wenn das Humankapital mehr ist als die Arbeitsleistung, in der Steinzeit wurde die Arbeit überhaupt nicht mit dem Begriff eines Humankapitals in Verbindung gebracht, hatte man doch noch gar keinen Begriff von dem, was wir heute als Kapital bezeichnen. Selbst in der Agrargesellschaft wurden die Mitarbeiter auf dem Hof, dem Landgut wohl kaum als Kapital gesehen und eingesetzt. Erst die Industrialisierung führt zu einer Anhäufung von Geld und einer in die Breite wirkenden Anhäufung von aktiviertem Bildungskapital. In den Händen der neuen Herren war und ist es das Kapital, mit dem sie loslegten, die Welt zu beherrschen. Der Sklave in der vorkapitalistischen Zeit hatte zwar einen Wert und war insoweit auch bereits Humankapital, für die Besitzer wohl so viel wert, wie er dafür bezahlt hatte. In den Büchern der Besitzer mussten die Sklaven mit ihrem Einkaufswert und dem Unterhalt abgerechnet werden ebenso wie die angeworbenen Landarbeiter mit ihrem Lohn.
Der Begriff Humankapital ist erst im klassischen Kapitalismus zu einem allgemein gebräuchlichen Begriff geworden wie auch ein damit verwandter Begriff, der der Manpower. Nicht nur das Geld, auch die Manpower ist ein wichtiger Kalkulationsansatz für eine differenzierte Gesamtkalkulation bei umfangreichen Projekten. In einer Gemeinschaft, die wir als Bildungsfolgegemeinschaft bezeichnen könnten, so wie wir sie heute vorfinden, sollte das Humankapital dann auch eher mit den Augen des Humanisten betrachtet werden, zum Beispiel als die Chance, endlich Möglichkeiten wahrzunehmen, den Einzelnen fairer zu bewerten und dann entsprechend auch besser zu entlohnen.
Für den König vor 1000 Jahren war sein Reich ein abgegrenztes geografisches Gebiet, ein Gebiet, das ihn nicht so sehr aufgrund der Ländereien reich machte, sondern aufgrund der Untertanen, die für ihn arbeiteten. Das Humankapital machte damals den eigentlichen Reichtum aus, das Land gab den Herrschern die Möglichkeit, seinen Bauern Land zur Verfügung zu stellen, auf dem sie arbeiten konnten, für sich und den König. Geld spielte damals, soweit schon vorhanden, noch eine untergeordnete Rolle. Dennoch verstanden es einige kluge Herrscher, die Macht des Geldes für sich zu entdecken. Krösus wurde besonders reich, weil er erstmals Geld mit seinem Konterfei und einem Wertaufdruck herstellen ließ. Der Vorteil dieser Münzen bestand darin, dass man zukünftig nicht mehr wiegen musste, um den Wert der Goldstücke bemessen zu können, mit denen man bis dahin gezahlt hatte. War der Wert einer Ware bestimmt, so konnte man neuerdings diesen Wert durch abzählbare Münzen mittels einfacher Addition bereitstellen. Das war wohl zunächst nicht für den Wochenmarkt bestimmt, obwohl es schnell die einzelnen Märkte eroberte. Das Geld ermöglichte es, in erster Linie die Soldaten auf einfache Weise auszuzahlen, den Gefolgsleuten ihren Sold zu bezahlen. Damit wurde die Praxis abgelöst, Gefolgsleute mit einem Lehen auszuzahlen, ihnen also für ihre Dienste Land zu überschreiben. Da die Landgüter in der Regel im Besitz des Herrschers blieben und nur als Leihgabe angesehen wurden, kann man verstehen, wenn die Abgabe von einem Zehntel der Ernte erwartet wurde, eine Art Pacht. Erst mit dem Geld konnte sich der Pachtzins vom Ertrag lösen und in schwindelerregende Höhen ansteigen, ein Geld, das dann irgendwann mit schleichender Gewissheit den Bezug zur menschlichen Arbeit verloren hat. Mit der Forderung, den Bezug zur Arbeit wiederherzustellen, wird es notwendig, die Phasen der Wirtschaftsentwicklung im Laufe der Geschichte anders einzuteilen, nicht mehr nach den politischen Gegebenheiten, sondern nach der Bewertung der Arbeitsleistung in den einzelnen Phasen.
In der vorarchaischen Zeit sprechen wir von einer Gesellschaft der Jäger und Sammler. Damals konnte man nur teilen und tauschen. Tauschen spielte in den ursprünglichen Familiengruppen wohl zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Demnach beruhte die erste Gesellschaftsform auf dem Prinzip des Teilens. Grundlage dieser Gesellschaftsformation war eine noch schwach ausgebildete Arbeitsteilung, in deren Folge die gemeinsam erworbenen Güter aufgeteilt wurden. Diese darin zum Ausdruck kommende schwach entwickelte Arbeitsteilung ließ konsequenterweise auch keine differenziertere Verteilung der Beute zu, nur eine solche im Rahmen der Rangfolge. Die ursprüngliche Volkswirtschaft war demnach die, bei der einem Führer gleichberechtigte Gefolgsleute rangmäßig zuzuordnen sind und die im Grunde einen Familienclan darstellen, auch dann, wenn die direkten Familienbande nicht mehr so offensichtlich sind. Eine solche Gesellschaft könnte man als Rangfolgegesellschaft bezeichnen.
Die sich danach entwickelnde Agrargesellschaft mit sesshaft gewordenen Bürgern bedarf schon einer besseren Strukturierung nicht nur gemäß den erbrachten Leistungen für die Gesellschaft, eine ausgeprägtere Strukturiertheit als dies von einer Familienstruktur zu erwarten ist. Wir befinden uns in einer Gesellschaft von Bauern mit Landbesitz und landlosen Knechten, Mägden und Sklaven. Die geleistete Arbeit wird mit einem Mal unterschiedlich bewertet, Landbesitz ist eines der neuen Kriterien. Die Arbeit des Landbesitzers wird als wertvoller erachtet als die des Landarbeiters. Der Landbesitz bestimmt den Wert der Arbeitsleistung und die Stellung in der Gesellschaft. Da der Landbesitz vererbt wurde, befinden wir uns in einer Gesellschaft mit vererbten Pflichten und Rechten. Als Graf wurde man geboren, ebenso wie als einfacher Landarbeiter oder als Ritter. Während zunächst nur Stärke und Agilität bestimmend sind für die Stellung in der Gruppe, der daraus entstehende
1. Gesellschaftstyp, die Rangfolgegesellschaft, in der Alter und Stärke die Stellung in der Gemeinschaft bestimmen, wird in der 2. Gesellschaftsformation die ererbte Stellung wichtig, wir können sie als Erbfolgegesellschaft kennzeichnen.
Abgelöst wird die Erbfolgegesellschaft durch eine Gesellschaft des Geldadels, also eine kapitalistische Gesellschaftsordnung, die Kapitalfolgegesellschaft bestimmt fortan das Bild. Jetzt ist nicht mehr primär wichtig, in welche Familie man hineingeboren wurde, sondern wie viel Kapital man einsammeln konnte oder geerbt hat.
Nach der kapitalistischen Gesellschaftsordnung könnten wir als 4. Gesellschaftsordnung eine Gesellschaftsordnung erwarten, in der nicht mehr das Geld, sondern das Wissen adelt, demnach eine Bildungsfolgegesellschaft, in der es auf das Wissen ankommt und die Wissenden und Weisen die führenden Positionen in der Gesellschaft einnehmen.
Teilen wir die Gesellschaftsformationen nicht nach den Ordnungsstrukturen auf, sondern nach der Verteilung des Finanzkapitals, so kommt man zu der Gliederung in Epochen nach Oded Galor, wonach man zwischen einer prämalthusianischen, einer malthusianischen und einer postmalthusianischen Epoche unterscheiden kann. Hier wird die postmalthusianische Epoche auch weitestgehend mit dem kapitalistischen Zeitalter gleichgesetzt. Die malthusianische Epoche ist eine Epoche, in der die Entwicklung den Postulaten von Malthus entspricht. Nach Malthus wird die steigende Kapitalmenge seit dem Beginn der Industrialisierung nicht direkt zu einem steigenden Wohlstand führen, sondern erst zu einem größeren Bevölkerungswachstum. Dies ist insofern korrekt, als die höhere Produktivität zunächst dafür sorgen konnte, mehr Mäuler zu stopfen, als dies vorab möglich war.
Bezogen auf die Entwicklung des Kapitals in BIP gemessen wird die malthusianische Epoche nach Galor zu einer Zeit der Stagnation, an deren Ende erst das kapitalistische Zeitalter beginnt, ein Zeitalter, in dem der Zuwachs an Kapital auch den breiten Bevölkerungsschichten mehr Geld in die Kassen spült. Betrachtet man die Abbildung 2.2 in dem Buch „Unified Groth Theory“ genau, so kann man darin auch die Hälfte einer Wachstumskurve herauslesen, da die Kurve in der Zeit der Stagnation nur leicht ansteigt, um dann zwischen 1800 und 1900 in eine exponentielle Phase einzutreten. Man könnte also erwarten, im 21., spätestens im 22. Jahrhundert den Wendepunkt beobachten zu können, hin zu einer Art letzten Stagnation, zu einem Anschmiegen an die Kapazitätsgrenze (die Asymptote an eine Kapazitätsgrenze).
Im 1. Jahrtausend schwankte das Einkommen um die 450 Dollar pro Kopf (O. Galor, S.11), im 2. Jahrtausend verblieb das Einkommen noch unter 650 Dollar pro Kopf, was man auf die lange Sicht als Stagnation beschreiben kann, wenn auch ein ganz langsamer Anstieg beobachtbar ist, ein Anstieg, der auch als der Anfang einer gestreckten S‑Kurve zu interpretieren ist, typisch für eine Wachstumskurve. Die exponentielle Phase, die noch nicht beendet ist, deren Ende aber von vielen Ökonomen prophezeit wird, beschreibt das exponentielle Wachstum in den Einkünften innerhalb der kapitalistischen Epoche. Die Kapazitätsgrenze ist jedoch auch noch nicht so klar zu beschreiben. Allerdings kann auch ohne genaue Kenntnisse zur Kapazitätsgrenze eine nachhaltige Bewirtschaftung mit Kreislaufsystemen anvisiert werden, in dem Wissen, dass dies vielleicht die einzige Möglichkeit ist, dem totalen Kollaps zu entkommen, der dem System droht, wenn es die Grenze dauerhaft überschreitet. Eine Begrenzung im Bevölkerungswachstum und nachhaltiges Wirtschaften könnten die zweite Stagnation einleiten, den Teil der Kurve, bei der das BIP nicht mehr zunimmt, ohne dass deshalb das Wachstum in den ökonomischen Teilsystemen nicht mehr stattfinden würde. Das Humankapital, das in der Versorgung mit Finanzkapital in der Vergangenheit mitunter sträflich vernachlässigt wurde, wird in einer Zukunft des Überflusses auch keine Geldsorgen mehr haben. Wie die Gewinne zu verteilen sind, damit diese Zukunft eine human gerechte Wirklichkeit werden kann, darüber wird man im 21. Jahrhundert noch trefflich streiten können.
Da nicht alle Gewinne eindeutig einem Akteur zuzuschreiben sind, auch wenn sich immer jemand findet, der den Gewinn beansprucht, so sind auch Ansprüche aus Urheberrechten, die der Gemeinschaft zuzuordnen sind, denen zurückzugeben, die sich für die Gemeinschaft einsetzen, den Bürgern, die diese Gemeinschaft aktiv mitgestalten. Eine Möglichkeit ist die Einrichtung eines Bürgergeldes als Grundeinkommen. Grundsätzlich bedingungslos kann ein solches Grundeinkommen allerdings nicht sein, ist es doch abhängig von dem erwirtschafteten Gewinn und den Leistungen der Bürger für die Gemeinschaft. Deshalb kann diese Leistung nur Bürgern zukommen, die als Bürger auch in die Pflicht genommen werden können, also Staatsbürger mit einem Ausweis, der sie als Bürger dieses Staates ausweist, von dem sie ein Grundgehalt erhalten.
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Was ist Humankapital, was Energie und Arbeit auf dem Markt? Die Energie taucht in unterschiedlichen Formen auf und muss meist von der vorliegenden in eine andere, nutzbare Form umgewandelt werden. Der Begriff Humankapital ist sehr schillernd und kann wohl erst zum Abschluss annähernd korrekt definiert werden. Bei der Arbeit ist diese Definition einzugrenzen: einmal in Bezug auf die menschliche Arbeit generell und dann auf die unterschiedlichen gesellschaftlich akzeptierten Formen von Arbeit. Ist es nur die sozialversicherungspflichtige Arbeit? Oder ist es nicht ebenso Arbeit, wenn die Mutter ihren Kindern das Essen zubereitet? Arbeit beginnt immer im Kopf und akkumuliert sich auch dort als Humankapital, was von außen betrachtet nicht direkt beobachtbar ist. Wenn Maria die Brötchen zum Frühstück holt, dann kennt sie den Weg zum Bäcker und weiß, dass sie die Börse einstecken muss, um den Bäcker bezahlen zu können. Nachdem nun am Morgen der Wecker geklingelt hat, steht Maria auf, macht sich fertig und begibt sich anschließend auf den Weg, den sie im Kopf gespeichert hat. Die Brötchen zu holen, das tut sich nicht von allein, das ist Arbeit. Wenn Peter inzwischen den Kaffee aufgesetzt hat, dann ist das auch Arbeit. Das Frühstück selbst wird man allerdings nicht als Arbeit einordnen, auch nicht den Weg zur Arbeit, es sei denn, dieser Weg wäre schon ein Weg zum Kunden und nicht der Weg zur Arbeitsstätte. In der Regel wird der Weg zur Arbeitsstätte nicht der Arbeitszeit zugerechnet, obwohl auch dies nicht ohne Anstrengung erfolgt. Die Trennung zwischen Arbeit und einer einfachen Lebensaktivität ist nicht immer einfach. In der Steinzeit war es wohl überflüssig, solche Unterscheidungen zu treffen, alles war Ausdruck der Lebensweise in der Familie. Natürlich hatte man auch damals schon Angst um sein Leben und war um die Sicherheit der Familienmitglieder besorgt. Zur kognitiven Entwicklung und den unterschiedlichen Persönlichkeitsstrukturen hätte man auch damals schon seine Beobachtungen machen können. Eine Arbeitsteilung im heutigen Sinne kannte man sicherlich noch nicht, gab es doch damals ebenso wenig einen Arbeitsbegriff als solchen; eine Aufgabenverteilung in bestimmten Lebenssituation hingegen wohl schon. Erst die differenzierte Arbeitsteilung seit den Anfängen der industriellen Revolution führte zu einem merklichen wirtschaftlichen Wachstum. Damit wird dann auch die Verteilung der Gewinne zum Problem, und dies bis in die heutige Zeit hinein. Die Beiträge zum Auseinanderklaffen der Einkommen pro Kopf mehren sich in den letzten Jahren geradezu exponentiell. Mit einer Verelendung der arbeitenden Bevölkerung geht das allerdings nicht einher, steigt doch der Wohlstand pro Kopf ebenso kontinuierlich für alle, ebenso wie die Reichsten in der Gesellschaft immer mehr Vermögen ansammeln. Kapital ist daher nicht mehr knapp und die Zinsen so niedrig wie schon lange nicht mehr. Der Wert der potenziellen oder einsetzbaren menschlichen Arbeitskraft, auch als Manpower bezeichnet, sollte in der deutschen Sprache exakt mit dem Begriff des Humankapitals besetzt werden. Nur so lässt sich auch der Unterschied zum Finanzkapital klar herausarbeiten. Finanzkapital kann vernichtet werden, Humankapital ebenfalls, darin scheint es keinen Unterschied zu geben. Die Verletzlichkeit des Humankapitals ist aber ein spezielles Problem, das hier aufzuarbeiten ist. Der Mensch braucht nach einer anstrengenden Arbeitsphase Erholung und Abwechslung, kann andererseits ebenso ohne eine Entlohnung seine Arbeit verrichten. Daraus lässt sich auch die Macht des Humankapitals ableiten. Zum Schluss stellt sich die Frage, ob eine neue Sichtweise auf das Humankapital und die Arbeit einen Paradigmenwechsel befördern wird, kann oder muss? Nicht zu vergessen ist dabei die Energie, die in der Regel einer gezielten Steuerung bedarf. Da diese Steuerung in wirtschaftlichen Bezügen generell den beteiligten Menschen zuzuordnen ist, kann man die Akkumulation von Arbeitsleistungen durchaus im Humankapital verorten; bei einer genaueren Betrachtung wird man jedoch erkennen, dass hierbei immer Strukturen aufgebaut werden, die bestimmte Ordnungen erkennen lassen, weshalb man auch von einem entstehenden Ordnungskapital ausgehen kann, das einerseits Merkmale einer sozialen Struktur ebenso erkennen lässt wie die Merkmale natürlicher, naturbedingter Strukturen. Da hier der strukturelle Aufbau von Pflanzen und Tieren nicht zum Thema gemacht werden soll, beeinflussen sie doch nicht primär das Marktgeschehen, scheint es gerechtfertigt, hier nur die menschliche Arbeitsleistung und das Humankapital mit seinen sozialen Strukturen näher zu betrachten.
Einleitung
Gehen wir davon aus, dass alle mehr wirtschaftliches Wachstum wollen, dann stellt sich nicht nur die Frage, wie dies zu bewerkstelligen ist, sondern auch, welches Wachstum wir wollen, wer vom Wachstum profitiert und wie sich dieses Wachstum auf unsere Umwelt auswirkt und wie viel Wachstum überhaupt möglich und nötig ist. Betrachten wir das Wachstum einer Pflanze, so lassen sich unterschiedliche Szenarien beobachten, da der Rhythmus sehr unterschiedlich sein kann. Ein Baum kann mehrere Hundert Jahre alt werden, eine einjährige Pflanze nur ein Jahr, Schleimpilze hingegen können theoretisch ewig leben. Sollten wir uns da nicht die Schleimpilze zum Vorbild nehmen? Wer will denn nicht ein ewiges Wachstum seiner Volkswirtschaft? Was sinnvoll und wünschenswert ist: eine Abstimmung des wirtschaftlichen Wachstums mit dem Bevölkerungswachstum. Unterscheiden sollten wir auch zwischen einem gesunden Wachstum und einem krankhaften Wachstum. Ohne die Menschen und ihr Humankapital wird es kein gesundes wirtschaftliches Wachstum geben. So wie der arbeitende Mensch nach einer Phase der Anstrengung auch Phasen der Erholung benötigt, so wird die Wirtschaft nach Phasen eines starken Wachstums auch wieder Phasen benötigen, in denen alles in ein ruhigeres Fahrwasser kommt. Nutzen kann man diese Phasen, um die Gesundheit zu stärken, die Wohnqualität zu verbessern und die Mobilität neu zu organisieren. Gehen wir davon aus, dass uns ein Übergang von der Knappheit zum Überfluss bevorsteht, so wird es wichtig, alle
Menschen damit einzubeziehen. Dies alles wird von uns ein höheres Qualitätsbewusstsein abverlangen. Gleichzeitig muss der Staat schlanker werden, da nur ein höheres Maß an Eigenverantwortung auch ein Bewusstsein für mehr Qualität befördern wird. Eine Gesellschaft im Überfluss könnte Probleme bei der Verteilung des Überflusses bekommen. Wichtig ist dabei, klar und allen verständlich zu unterscheiden zwischen dem, was die Gemeinschaft zu verwalten und zu verantworten hat, und dem, was besser in den Händen privater Akteure zu belassen ist.
1. Humankapital im Laufe der Zeit
Definiert man Humankapital als das, was die potenzielle Arbeitsleistung eines Menschen ausmacht, so hat es das Humankapital schon gegeben, solange es Menschen gibt. Auch wenn das Humankapital mehr ist als die Arbeitsleistung, in der Steinzeit wurde die Arbeit überhaupt nicht mit dem Begriff eines Humankapitals in Verbindung gebracht, hatte man doch noch gar keinen Begriff von dem, was wir heute als Kapital bezeichnen. Selbst in der Agrargesellschaft wurden die Mitarbeiter auf dem Hof, dem Landgut wohl kaum als Kapital gesehen und eingesetzt. Erst die Industrialisierung führt zu einer Anhäufung von Geld und einer in die Breite wirkenden Anhäufung von aktiviertem Bildungskapital. In den Händen der neuen Herren war und ist es das Kapital, mit dem sie loslegten, die Welt zu beherrschen. Der Sklave in der vorkapitalistischen Zeit hatte zwar einen Wert und war insoweit auch bereits Humankapital, für die Besitzer wohl so viel wert, wie er dafür bezahlt hatte. In den Büchern der Besitzer mussten die Sklaven mit ihrem Einkaufswert und dem Unterhalt abgerechnet werden ebenso wie die angeworbenen Landarbeiter mit ihrem Lohn.
Der Begriff Humankapital ist erst im klassischen Kapitalismus zu einem allgemein gebräuchlichen Begriff geworden wie auch ein damit verwandter Begriff, der der Manpower. Nicht nur das Geld, auch die Manpower ist ein wichtiger Kalkulationsansatz für eine differenzierte Gesamtkalkulation bei umfangreichen Projekten. In einer Gemeinschaft, die wir als Bildungsfolgegemeinschaft bezeichnen könnten, so wie wir sie heute vorfinden, sollte das Humankapital dann auch eher mit den Augen des Humanisten betrachtet werden, zum Beispiel als die Chance, endlich Möglichkeiten wahrzunehmen, den Einzelnen fairer zu bewerten und dann entsprechend auch besser zu entlohnen.
Für den König vor 1000 Jahren war sein Reich ein abgegrenztes geografisches Gebiet, ein Gebiet, das ihn nicht so sehr aufgrund der Ländereien reich machte, sondern aufgrund der Untertanen, die für ihn arbeiteten. Das Humankapital machte damals den eigentlichen Reichtum aus, das Land gab den Herrschern die Möglichkeit, seinen Bauern Land zur Verfügung zu stellen, auf dem sie arbeiten konnten, für sich und den König. Geld spielte damals, soweit schon vorhanden, noch eine untergeordnete Rolle. Dennoch verstanden es einige kluge Herrscher, die Macht des Geldes für sich zu entdecken. Krösus wurde besonders reich, weil er erstmals Geld mit seinem Konterfei und einem Wertaufdruck herstellen ließ. Der Vorteil dieser Münzen bestand darin, dass man zukünftig nicht mehr wiegen musste, um den Wert der Goldstücke bemessen zu können, mit denen man bis dahin gezahlt hatte. War der Wert einer Ware bestimmt, so konnte man neuerdings diesen Wert durch abzählbare Münzen mittels einfacher Addition bereitstellen. Das war wohl zunächst nicht für den Wochenmarkt bestimmt, obwohl es schnell die einzelnen Märkte eroberte. Das Geld ermöglichte es, in erster Linie die Soldaten auf einfache Weise auszuzahlen, den Gefolgsleuten ihren Sold zu bezahlen. Damit wurde die Praxis abgelöst, Gefolgsleute mit einem Lehen auszuzahlen, ihnen also für ihre Dienste Land zu überschreiben. Da die Landgüter in der Regel im Besitz des Herrschers blieben und nur als Leihgabe angesehen wurden, kann man verstehen, wenn die Abgabe von einem Zehntel der Ernte erwartet wurde, eine Art Pacht. Erst mit dem Geld konnte sich der Pachtzins vom Ertrag lösen und in schwindelerregende Höhen ansteigen, ein Geld, das dann irgendwann mit schleichender Gewissheit den Bezug zur menschlichen Arbeit verloren hat. Mit der Forderung, den Bezug zur Arbeit wiederherzustellen, wird es notwendig, die Phasen der Wirtschaftsentwicklung im Laufe der Geschichte anders einzuteilen, nicht mehr nach den politischen Gegebenheiten, sondern nach der Bewertung der Arbeitsleistung in den einzelnen Phasen.
In der vorarchaischen Zeit sprechen wir von einer Gesellschaft der Jäger und Sammler. Damals konnte man nur teilen und tauschen. Tauschen spielte in den ursprünglichen Familiengruppen wohl zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Demnach beruhte die erste Gesellschaftsform auf dem Prinzip des Teilens. Grundlage dieser Gesellschaftsformation war eine noch schwach ausgebildete Arbeitsteilung, in deren Folge die gemeinsam erworbenen Güter aufgeteilt wurden. Diese darin zum Ausdruck kommende schwach entwickelte Arbeitsteilung ließ konsequenterweise auch keine differenziertere Verteilung der Beute zu, nur eine solche im Rahmen der Rangfolge. Die ursprüngliche Volkswirtschaft war demnach die, bei der einem Führer gleichberechtigte Gefolgsleute rangmäßig zuzuordnen sind und die im Grunde einen Familienclan darstellen, auch dann, wenn die direkten Familienbande nicht mehr so offensichtlich sind. Eine solche Gesellschaft könnte man als Rangfolgegesellschaft bezeichnen.
Die sich danach entwickelnde Agrargesellschaft mit sesshaft gewordenen Bürgern bedarf schon einer besseren Strukturierung nicht nur gemäß den erbrachten Leistungen für die Gesellschaft, eine ausgeprägtere Strukturiertheit als dies von einer Familienstruktur zu erwarten ist. Wir befinden uns in einer Gesellschaft von Bauern mit Landbesitz und landlosen Knechten, Mägden und Sklaven. Die geleistete Arbeit wird mit einem Mal unterschiedlich bewertet, Landbesitz ist eines der neuen Kriterien. Die Arbeit des Landbesitzers wird als wertvoller erachtet als die des Landarbeiters. Der Landbesitz bestimmt den Wert der Arbeitsleistung und die Stellung in der Gesellschaft. Da der Landbesitz vererbt wurde, befinden wir uns in einer Gesellschaft mit vererbten Pflichten und Rechten. Als Graf wurde man geboren, ebenso wie als einfacher Landarbeiter oder als Ritter. Während zunächst nur Stärke und Agilität bestimmend sind für die Stellung in der Gruppe, der daraus entstehende
1. Gesellschaftstyp, die Rangfolgegesellschaft, in der Alter und Stärke die Stellung in der Gemeinschaft bestimmen, wird in der 2. Gesellschaftsformation die ererbte Stellung wichtig, wir können sie als Erbfolgegesellschaft kennzeichnen.
Abgelöst wird die Erbfolgegesellschaft durch eine Gesellschaft des Geldadels, also eine kapitalistische Gesellschaftsordnung, die Kapitalfolgegesellschaft bestimmt fortan das Bild. Jetzt ist nicht mehr primär wichtig, in welche Familie man hineingeboren wurde, sondern wie viel Kapital man einsammeln konnte oder geerbt hat.
Nach der kapitalistischen Gesellschaftsordnung könnten wir als 4. Gesellschaftsordnung eine Gesellschaftsordnung erwarten, in der nicht mehr das Geld, sondern das Wissen adelt, demnach eine Bildungsfolgegesellschaft, in der es auf das Wissen ankommt und die Wissenden und Weisen die führenden Positionen in der Gesellschaft einnehmen.
Teilen wir die Gesellschaftsformationen nicht nach den Ordnungsstrukturen auf, sondern nach der Verteilung des Finanzkapitals, so kommt man zu der Gliederung in Epochen nach Oded Galor, wonach man zwischen einer prämalthusianischen, einer malthusianischen und einer postmalthusianischen Epoche unterscheiden kann. Hier wird die postmalthusianische Epoche auch weitestgehend mit dem kapitalistischen Zeitalter gleichgesetzt. Die malthusianische Epoche ist eine Epoche, in der die Entwicklung den Postulaten von Malthus entspricht. Nach Malthus wird die steigende Kapitalmenge seit dem Beginn der Industrialisierung nicht direkt zu einem steigenden Wohlstand führen, sondern erst zu einem größeren Bevölkerungswachstum. Dies ist insofern korrekt, als die höhere Produktivität zunächst dafür sorgen konnte, mehr Mäuler zu stopfen, als dies vorab möglich war.
Bezogen auf die Entwicklung des Kapitals in BIP gemessen wird die malthusianische Epoche nach Galor zu einer Zeit der Stagnation, an deren Ende erst das kapitalistische Zeitalter beginnt, ein Zeitalter, in dem der Zuwachs an Kapital auch den breiten Bevölkerungsschichten mehr Geld in die Kassen spült. Betrachtet man die Abbildung 2.2 in dem Buch „Unified Groth Theory“ genau, so kann man darin auch die Hälfte einer Wachstumskurve herauslesen, da die Kurve in der Zeit der Stagnation nur leicht ansteigt, um dann zwischen 1800 und 1900 in eine exponentielle Phase einzutreten. Man könnte also erwarten, im 21., spätestens im 22. Jahrhundert den Wendepunkt beobachten zu können, hin zu einer Art letzten Stagnation, zu einem Anschmiegen an die Kapazitätsgrenze (die Asymptote an eine Kapazitätsgrenze).
Im 1. Jahrtausend schwankte das Einkommen um die 450 Dollar pro Kopf (O. Galor, S.11), im 2. Jahrtausend verblieb das Einkommen noch unter 650 Dollar pro Kopf, was man auf die lange Sicht als Stagnation beschreiben kann, wenn auch ein ganz langsamer Anstieg beobachtbar ist, ein Anstieg, der auch als der Anfang einer gestreckten S‑Kurve zu interpretieren ist, typisch für eine Wachstumskurve. Die exponentielle Phase, die noch nicht beendet ist, deren Ende aber von vielen Ökonomen prophezeit wird, beschreibt das exponentielle Wachstum in den Einkünften innerhalb der kapitalistischen Epoche. Die Kapazitätsgrenze ist jedoch auch noch nicht so klar zu beschreiben. Allerdings kann auch ohne genaue Kenntnisse zur Kapazitätsgrenze eine nachhaltige Bewirtschaftung mit Kreislaufsystemen anvisiert werden, in dem Wissen, dass dies vielleicht die einzige Möglichkeit ist, dem totalen Kollaps zu entkommen, der dem System droht, wenn es die Grenze dauerhaft überschreitet. Eine Begrenzung im Bevölkerungswachstum und nachhaltiges Wirtschaften könnten die zweite Stagnation einleiten, den Teil der Kurve, bei der das BIP nicht mehr zunimmt, ohne dass deshalb das Wachstum in den ökonomischen Teilsystemen nicht mehr stattfinden würde. Das Humankapital, das in der Versorgung mit Finanzkapital in der Vergangenheit mitunter sträflich vernachlässigt wurde, wird in einer Zukunft des Überflusses auch keine Geldsorgen mehr haben. Wie die Gewinne zu verteilen sind, damit diese Zukunft eine human gerechte Wirklichkeit werden kann, darüber wird man im 21. Jahrhundert noch trefflich streiten können.
Da nicht alle Gewinne eindeutig einem Akteur zuzuschreiben sind, auch wenn sich immer jemand findet, der den Gewinn beansprucht, so sind auch Ansprüche aus Urheberrechten, die der Gemeinschaft zuzuordnen sind, denen zurückzugeben, die sich für die Gemeinschaft einsetzen, den Bürgern, die diese Gemeinschaft aktiv mitgestalten. Eine Möglichkeit ist die Einrichtung eines Bürgergeldes als Grundeinkommen. Grundsätzlich bedingungslos kann ein solches Grundeinkommen allerdings nicht sein, ist es doch abhängig von dem erwirtschafteten Gewinn und den Leistungen der Bürger für die Gemeinschaft. Deshalb kann diese Leistung nur Bürgern zukommen, die als Bürger auch in die Pflicht genommen werden können, also Staatsbürger mit einem Ausweis, der sie als Bürger dieses Staates ausweist, von dem sie ein Grundgehalt erhalten.
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