Anna Knabe - ein „ausgefallenes“ Leben

Anna Knabe - ein „ausgefallenes“ Leben

Günther Kücke


EUR 16,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 176
ISBN: 978-3-99131-286-4
Erscheinungsdatum: 07.03.2022
Anna Knabes Leben war ein bewegtes. Sie lebte mit ihrer Familie in Südwestafrika, vergeblich den Neustart nach dem Ersten Weltkrieg suchend. Nach Verlust von Mann und Heim im Zweiten Weltkrieg musste sie sich in der DDR mit ihren Kindern zurechtfinden.
VORWORT

Dieses Buch besteht aus Erinnerungen an die Gespräche mit meiner Großmutter Anna Knabe geb. Ohk. Sie sind entstanden nach Aufforderungen namibischer, südafrikanischer Freunde und Farmnachbarn, die von uns wissen wollten: „Warum kommt ihr immer wieder nach Südafrika und kennt euch in Namibia so gut aus?“ Dann war unsere Antwort immer: „Wollt ihr die kurze Form hören, dass ist diese: Wir wollen in einem wunderschönen Land, in der Nähe des Indischen Ozeans bei schönem Wetter mit freundlichen Nachbarn dem deutschen Winter entfliehen.“ „Wenn ihr aber Zeit habt, dann wollen wir gerne die ganze Geschichte von den Großeltern ausführlich erzählen, die erst nach Swakopmund und dann nach Lüderitzbucht im früherem Deutsch-Südwestafrika dem heutigem Namibia kamen, um dort ihre Familie zu gründen.“ So hörten die Jüngeren interessiert zu, um neues aus ihrer eigenen Geschichte zu erfahren. Die Älteren hatten zum Teil selbst Wurzeln in Südwestafrika oder sie hatten dort schöne Urlaubserinnerungen. Fast immer saßen wir dann lange beieinander. Am Schluss der Geschichte hieß es immer: „Warum schreibst du diese Geschichte nicht auf?“ … Da saß ich dann vor einigen Jahren an regnerischen Tagen im eigenen, selbst erstellten Haus auf unserer Farm in der East-Cape-Province (Südafrika) mit Kugelschreiber, daneben ein Paket A4 Papier, um die Erzählungen meiner Großmutter und Mutter aufzuschreiben. Auf dem nächsten Flug hatte ich dann schon einen Laptop mit, aber das Schreiben ging für mich nicht schneller, da ungesicherte Daten immer wieder verloren gingen. Um gelöschte Texte im Laptop „wiederzubeleben“, rief ich dann meine Frau zur Hilfe, die dann fragte: „Was hast du denn als Letztes gemacht?“ – Ich wusste es nicht …
Im Laufe der Zeit des Schreibens wurde mir bewusst, dass mein eigener Lebensverlauf wesentlich anders verlaufen wäre, hätte nicht Anna Knabe mit 75 Jahren die resolute Entscheidung getroffen im März 1961 aus Niegripp an der Elbe wieder nach Berlin-Steglitz (West-Berlin) zurückzugehen. Darauf ist meine Mutter Gerda in Begleitung von mir im Juli 1961 ebenfalls nach West-Berlin „umgesiedelt“. Die Aufarbeitung meiner eigenen Geschichte, mit abgeschlossener Ausbildung zum Spitzendreher mit Internatsunterbringung in einem „volkseigenem Großbetrieb“ in Magdeburg, war 1961 Grundlage meines Neustarts in Berlin-Steglitz, Abschluss des Berufes bei der Telefunken AG, Fachschulreifeprüfung, Ingenieurstudium an der Ingenieurschule Beuth Berlin, mit anschließender Berufskarriere in einem Großbetrieb in Ostwestfalen.
So begeisterungsfähig man beim Schreiben auch wird, so überlegt man auch, ob diese Geschichte auch andere Personenkreise interessieren könnte. Für mich persönlich ist es eine Genugtuung der Herausforderung nachgekommen zu sein, aufgeschrieben zu haben, wie die jeweilige politische Macht der deutschen Politik bis in die kleinste Zelle der Familie, besonders in die der Knabes und der Kückes, hineinregierte, mit deren Schicksal spielend …


LAGER PIETERMARITZBURG

Was fliegt einem im Kopf herum, wenn man 70 Jahre alt geworden ist und die Mutter mit 101 Jahren das Zeitliche gesegnet hat und 2013 verstorben ist. Da fällt mir ein, dass mit ihr auch die Geschichte ihrer Mutter, also meiner Großmutter, verloren geht. Ihre Geschichte aber ist viel zu interessant, um nicht erzählt zu werden. So will ich ihren Lebenslauf schildern, der auch den meinen vorbereitete.
Der 1871 beendete Krieg gegen Frankreich war für die deutschen Kleinstaaten mit einem Erfolg beendet worden. Die Franzosen hatten Reparationen zu erbringen, die Gefangenen waren billige Arbeitskräfte. Der Preußenkönig wurde zum Kaiser aller Deutschen ausgerufen und die sogenannte Gründerzeit begann, ohne sich selbst so zu benennen. Die in Deutschland vorhandenen Bodenschätze begannen mehr und mehr in den Fokus der Begehrlichkeit zu gelangen. Gießereien für Industrieerzeugnisse und Denkmäler hatten einen großen Hunger an Steinkohle, was wiederum ersatzweise der Braunkohle für minderwertigere Zwecke zum Erfolg verhalf. Dampf betriebene Bagger- und Förderanlagen ließen den Bedarf an Flächen in den Braunkohletagebauen südlich von Helmstedt schnell wachsen. An Sedantagen und Heldengedenktagen fuhr der Herzog von Braunschweig in seiner Kutsche zu den Feierlichkeiten, diesmal auch in die kleine Gemeinde Reinsdorf und bescherte den Kindern schulfrei. Unter Hochrufen der Schulkinder fuhr der Herzog durch das Spalier weiß gekleideter, mit einem Eichenlaubkranz geschmückter Mädchen und unternehmungslustig aussehender Schuljungs, die ihre bebänderten Matrosenmützen übermütig in die Höhe warfen. Doch zum Schwarz-Weiß-Rot geschmücktem Kriegerdenkmal, an dem jedes Jahr „Heil dir im Siegerkranz“ intoniert und gesungen wurde, ging Anna Sophie Elise Ohk diesmal nicht. Sie hatte als Älteste den Auftrag, ihre ein Jahr jüngere Schwester Hermine und die beiden noch jüngeren Brüder Franz und Otto nach der Huldigung nach Hause zu begleiten. Zum Feiern gab es für die Ohks keinen wirklichen Grund. Im Frühjahr starb unerwartet der Ehemann, Vater und Ernährer, im Sommer wurde es öffentlich, dass das Haus der Ohks zu denen gehört, die in Reinsdorf dem südlichen Tagebaugebiet von Helmstedt weichen müssen. Der Umstand des Jahrhundertwechsels von 1899 auf das Jahr 1900, der bevorstand, war angesichts der privaten Sorgen sehr überschaubar, das Geld für die Entschädigung reichte für die Anmietung einer Wohnung in Büttenstedt, aus der dann dem Alter nach alle vier Kinder aus der Heimat zogen und ihr Lebensglück in anderen Regionen machten.
Anna, meine spätere Großmutter, ging als Erste mit 14 Jahren „in Stellung“. Sie ging, um die feine Küche zu lernen, in einen Gastbetrieb in das aufstrebende Bad Helmstedt. Von hier aus konnte man mit der Verabredung mit transportierenden Fuhrwerken dann auch mal zur Mutter nach Büttenstedt kommen. Dicke anspruchsvolle Kochbücher waren bald ihre Wegbegleiter, in denen alle paar Seiten Zettel mit Notizen eingehängt waren, die bestimmte Hinweise auf Verbesserungen oder selbst gemachte Erfahrungen enthielten. Ihre Einigkeit von Handeln und Tun zu brillieren, war wohl auch dem Dienstherren aufgefallen, ein sehr gut zubereitetes Mal aus der Küche servieren zu lassen. Der dankte dann auch dafür, mit einer überaus freundlichen Empfehlung für den nächsten Dienstherren. Anna war mittlerweile 18 Lenze alt und ging einer Anzeige nach, in der eine versierte Wirtschafterin mit Kochkenntnissen gesucht wurde. Dies kam ihrem Wunsch nach Veränderung sehr entgegen. Sie musste nur die Region wechseln von der Braunschweiger Seite in die Börde nach Preußen.
Neuwegersleben war ein kleiner aufstrebender Ort, der nach den Wüstungen im späten Mittelalter wieder Landwirte gefunden hatte, die den Wert des Bördebodens für die Nutzung wiederentdeckt hatten, worauf diese sich um den vorhandenen Gutshof wieder ansiedelten. Einen direkten Gleisanschluss an die Bahn gab es nicht, aber die vorhandene Telegrafenstrecke mit den verstellbaren Zeigern, die dann Buchstaben und Zahlen wiedergaben, um so eine Nachrichtenverbindung mit vielen Stationen zwischen Berlin und Koblenz übermittelten. Dies war Grund genug einen Stolz der Neuwegersleber hervorzurufen und entsprechend den zugehörigen Beamten ihrerseits einen Bonus an Respekt zu zollen. Schließlich waren sie diejenigen, die aus den „geheimnisvollen Stellungen“ der Zeiger die übermittelten Nachrichten kannten.
Ohne eine Vorankündigung fuhr Anna mit Zeitungsanzeige, zwei Koffern und viel Selbstvertrauen mit der Bahn nach Oschersleben, um am gleichen Nachmittag mit einem Fuhrwerk nach Neuwegersleben zu kommen. Im dortigen Gasthof konnte sie eine Unterkunft bekommen, somit konnte sie gleich die Atmosphäre im Gastraum kennenlernen, die für sie in einigen Jahren noch vertrauter werden sollte. Für sie gab es aber nur ein Ziel, am nächsten Morgen ausgeschlafen zur Vorstellung für ihre Anstellung auf dem Gutshof aufgeweckt zu erscheinen. Der Verwalter übernahm das Einstellungsgespräch gut gelaunt, worauf er dann das Küchenpersonal vorstellte, für das Anna nun die Führung übernehmen sollte. Der Verwalter verließ die Küche im Untergeschoss, offensichtlich hatte er die Order erhalten, bei einer positiven Entscheidung das Gepäck von der Gaststätte zu holen und Anna konnte sich in dem ihr zugeteilten Zimmer einrichten. Der Hofknecht wartete bereits vor den Stallungen des Vierseitenhofes, der ursprünglich als Vorwerk diente, die Hofeinfahrt lag genau gegenüber des imposanten Wohnhauses. Beim Rundgang mit dem Knecht durch die Stallungen gesellte sich auch der Verwalter zu den beiden und rundete das Tätigkeitsgebiet Annas dahingehend ab, dass es auch bei anstehenden Schlachtfesten ihre Aufgabe sein würde, den momentanen und späteren Bedarf der Küche vorauszuplanen in Abstimmung mit dem jeweils ausführenden Schlachter. Das war ein neues Tätigkeitsfeld für Anna, aber von dieser Minute an waren der Anblick eines Kalbes, Rindes oder Schweines sofort mit den Zerlege-Tafeln aus ihrem Kochlehrbuch überzogen.
Es war aber zunächst erst einmal Herbst, jetzt ging es darum Frühstück, Mittagbrot und Abendbrot zuzubereiten aus den Vorräten, die der Vorgänger hinterlassen hatte. An frischem Fleisch kam für die geladenen Gäste und dem als Gastgeber fungierenden Gutsherren nun Wildbret von den vorangegangenen Jagden auf den Tisch. Die Zubereitung von Fasanen, Rehrücken oder deftigem Wildschweinbraten müssen legendär gewesen sein, denn die Lobgesänge des Gutsherrn darüber haben Anna bei Erzählungen bis ins hohe Alter begleitet. Der Gutsbesitzer lebte als Junggeselle auf dem Hof, was die Selbständigkeit in Bezug auf die Küchenführung wesentlich erleichterte. Die Formung zur selbstbewussten Persönlichkeit meiner Großmutter führe ich auf diese Zeit zurück.
Weihnachten stand vor der Tür, die Gästeliste wurde besprochen, Anna war wie inzwischen selbstverständlich für die Menüfolge verantwortlich. Der Speiseplan und die Folge wurden festgelegt, die Wahl für das Hauptgericht fiel auf gebratenen Puter. Es waren im Wesentlichen Männer geladen, die wie der Gutsherr selber auch, bei dem Garderegiment der Ulanen in Potsdam dienten oder gedient hatten.
Die Puter wurden geschlachtet, vorbereitet zum Garen, um dann endgültig im Bräter mit entsprechenden Gewürzen perfekt auf der Tafel angerichtet zu werden. So weit war es aber noch nicht, denn während die stolzen Ulanen in ihren wunderschönen Uniformen mit Schleppsäbeln vormittags den Weihnachtsgottesdienst besuchten, war die Gutsküche in höchster Anspannung die vereinbarte Speisefolge zu gewährleisten. Die Nachspeisen standen bereits aufgereiht in einem Vorraum zur Küche, die Vorsuppe köchelte auf dem Herdfeuer bereit in die Terrinen eingefüllt zu werden, Rotkohl und Erbsen mit Möhren waren als Beilagen vorbereitet worden. Ein Puter war bereits in der Backröhre, der zweite sollte in einem weiteren Topf zubereitet werden, der aber nicht ganz so hoch war wie der erste. Anna merkte, dass die beiden Küchenhilfen sich redlich bemühten den zu großen Vogel in den zu kleinen Bräter zu bekommen. Sie wies die beiden zur Seite, schob ihre Ärmel hoch, drückte mit aller Kraft den Brustknochen des Puters nach innen, der mit einem Krachen nachgab. Proportional, wie der Brustumfang des hilflosen Tieres sich verkleinerte, vergrößerte sich der Brustumfang von Anna, worauf ihr weiß berüschtes Küchenkleid vom Kragen bis zum Rückenende mit dem gleichen Geräusch platzte. Wenn sie uns diese Geschichte später erzählte, sehe ich immer noch vor Lachen ihren Bauch hüpfen. Der Diener, der sich zu besonderen Anlässen um die Gäste kümmerte und das Servieren von Getränken und Speisen übernahm, kam aus Neuwegersleben, er aber gehörte nicht zum ständigen Personal. Gleichzeitig aber war er der Verbindungsmann zwischen den Bauern und den nicht so informierten Kreisen der im Gut verkehrenden Herren mit deren Gästen. Also konnte es nicht verkehrt sein, die nun in der unteren Etage bereits belachte Geschichte dem Gutsherren zu zutuscheln. Der nahm die Geschichte sofort auf, um diese zum Besten zu geben. Ein höfliches Gelächter brandete auf, nur Hermann Knabe, dessen Anwesenheit hier nur der Tatsache geschuldet war, dass er vom Gutsherren zu den Ulanen nach Potsdam empfohlen worden war. Er gehörte zu den acht Junggesellen, die auf Einladung gekommen waren. Alle gehörten zum Potsdamer Regiment, wenn auch in unterschiedlichen Ausbildungsrängen, was auch hier im Privatleben seine Fortsetzung fand. So langweilte sich Hermann mit den auch als Gäste geladenen, vier, älteren Ehepaaren. Mit der Geschichte im Ohr ging er unauffällig in den Hof und blickte in die Fenster der Küche, um die Geschichte mit dem zerplatzten Kleid, welche in seiner Fantasie bereits bildhaft vor ihm stand, real werden zu lassen. Obwohl im Dunst der nur sparsam beleuchteten Küche die hin und her eilenden Frauen nur schwer einzeln auszumachen waren, konnte Hermann erkennen, dass nur eine des Küchenpersonals eine Arbeitsschürze normal umgebunden hatte und eine zweite den Rücken bedeckend trug. Dieser gelebte Pragmatismus machte Hermann neugierig, so ging er die Stufen zum Eingang der Küche hinunter, um einzutreten. Die Tür öffnete sich aber gleichzeitig von innen und Anna trat mit einem Eimer Gemüseabfällen heraus, der üblicherweise im Hof in der Nähe des Misthaufens ausgekippt wurde, um am nächsten Tag Nahrung für das Federvieh herzugeben. Sich gegenseitig entschuldigend sahen sich beide an. Die Selbstverständlichkeit von Anna mit Resolutheit in ihrem „Reich der Küche“ nicht einzuknicken vor einem schneidig uniformierten Garde-Ulanen, fand er eindrucksvoll. Die unnötige Frage nach der zweiten Schürze war zwar überflüssig, aber löste den Beginn eines langen Gesprächs aus. So konnte Anna Hermann gegenüber ihre Herkunft nicht verheimlichen, denn im Bereich Schöningen, also auch in Reinsdorf, beginnt sprachlich bereits die Gegend mit dem Dialekt der „sspitzen Ssteine“, welcher auch noch bis ins hohe Alter mit Stolz von ihr so gesprochen wurde. Man stellte sich kurz vor und Anna erzählte ihren Lebensweg bis in die Küche des Gutshauses. Hermann erzählte trocken den seinen und es stellte sich für Anna interessiert heraus, dass er ein Bauernsohn aus Neuwegersleben war, als ältester von zehn Geschwistern die Hoferbfolge aber nicht antreten wollte. Das Gespräch wurde unterbrochen vom Diener, der im Vorbeigehen höflich bat, dass Herr Knabe schon im Schachzimmer bereits erwartet würde, um mit dem Herrn eine Partie Schach zu spielen. Unter vier Augen brachte Hermann das Gespräch zu Ende mit der Feststellung, wenn sie ohnehin alleine ist und der Dienstplan der Küche es möglich machen würde, Silvester bei Knabes im Kreise der Familie zu verbringen. In den Planungsgesprächen zum Dienst waren schon die Einteilungen der Arbeiten über die Feiertage für jeden festgelegt worden. Im Gut würde es ruhig zugehen, da der Herr selbst als Gast auswärts eingeladen war und so musste die Küche nur für die Bediensteten auf „kleiner Flamme“ kochen. Anna hätte Silvester frei. Nach diesem Angebot zu dieser Zeit hätte sie die Augen niederschlagen und errötend das Angebot ausschlagen müssen, sie aber hielt dem Blick ihrer neuen Bekanntschaft stand und sagte spontan zu.
Am Silvesternachmittag holte Hermann sie ab und erklärte ihr das Dorf. Zuhause war die Familie Knabe am Kaffeetisch und Anna wurde vorgestellt, die große Tischrunde nahm die „Beschnupperung“ wohlwollend auf. Die anschließende Hofbesichtigung wurde von dem jungen Paar selbst unternommen und so konnten beide bei der Gestaltung der Unterhaltung gegenseitige Sympathie erkennen lassen. Die Silvesternacht in das Jahr 1904 wurde inmitten der Feiernden zu einem unausgesprochenen Versprechen, sich für die Zukunft zu binden. Am Neujahrstag wurde Hermann mit dem „Zerbster“ Wagen zur Bahn gebracht, da für ihn am 2. Januar der Dienst in Potsdam wieder begann. Als Ulan hatte er seine ein wenig protzige Uniform mit Schleppsäbel an, was aber nicht der einzige Grund war seinen jüngeren Bruder zu Bitten noch am Gut vorbeizufahren, um sich von Anna zu verabschieden. Bei der Gelegenheit wurde ein Treffen beim nächsten Heimaturlaub vereinbart. Der militärische Dienst hatte seine eigenen Gesetze. Die Verbindung bestand vorerst aus Briefen, die mit immer neuen Hoffnungen eines Heimaturlaubs verbunden waren. Anna machte inzwischen die Küche zu ihrer Passion und spickte ihr Kochbuch der feinen Küche mit handgeschriebenen Zetteln, auf denen Erfahrungen, aber auch neue Rezepte standen. Das Wiedersehen mit Hermann gestaltete sich immer schwieriger: Immer, wenn Hermann dienstfrei hatte und eine Bahnfahrt nach Neuwegersleben plante, wurde Anna dringend in der Küche des Gutes gebraucht.
5 Sterne
Anna Knabe ein "ausgefallenes" Leben - 30.05.2022
Christine

hervorragend

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