Alles und Nichts – da gehen sie hin

Alles und Nichts – da gehen sie hin

Frank Schiewer


EUR 16,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 106
ISBN: 978-3-99107-159-4
Erscheinungsdatum: 12.01.2021
Wie findet ein Ingenieur seinen Weg zur Spiritualität? Warum ist es für jedermann wichtig, ein von Dualismen geprägtes Denken zu überwinden? Frank Schiewer zeigt am Beispiel seines persönlichen Weges, wie Yoga und Meditation uns zu einem erfüllten Leben verhelfen.
Vorwort

Nein, der Titel dieser Betrachtungen ist kein Schreibfehler. Zwei Gegensätze, wie sie krasser nicht sein könnten, sie werden üblicherweise durch das Wort „oder“ miteinander verbunden. Das entspricht dem Dualismus, der das menschliche Denken von jeher prägt. Unser Verstand kann uns alle Erscheinungen nur durch ihr Gegenteil erklären; „heiß“ durch „kalt“, „jung“ durch „alt“, „klug“ durch „dumm“, „hell“ durch „dunkel“, „richtig“ durch „falsch“ und so weiter. Dabei sind es nur konträre Formen ein und desselben Betrachtungsobjektes – in den genannten Beispielen von Wärme, Zeit, Geist, Licht und Wahrheit.

Was aber passiert, wenn sich unser Verstand und mit ihm unser Ego auflöst? Was, wenn der Dualismus verschwindet? Wenn „Alles“ „Nichts“ ist?

Darüber möchte ich einige Überlegungen anstellen, die sich mir aufgedrängt haben, seit ich weiß, dass ich ein spirituelles Wesen bin. Ausgelöst wurde diese durch drei Ausbildungen zum Chi-Therapeuten bei meinem hochgeschätzten Meister Yogi Vidyananda, durch das Lesen einiger kluger Bücher von Seneca, Goethe, Schopenhauer, Osho oder Castaneda und durch vermeintlich kleine Ereignisse in meinem Leben.

Ich bin Diplomingenieur für Maschinenbau und somit ein Naturwissenschaftler. Das Studium an der Uni Rostock erforderte ein hohes Maß an rationalem Denken und Logik. Es galt, Zusammenhänge zu erkennen und zu beweisen, wollte man erfolgreich sein. Jetzt stellt sich die Frage, ob sich da nicht gerade ein Widerspruch auftut zu Spiritualität und dem Glauben an das Göttliche. Aber da wären wir wieder beim Dualismus. Der Antagonismus von Wissenschaft und Glaube ist aus meiner Welt verschwunden. Beides sind Erscheinungsformen der Erkenntnis, und nur ihr widme ich die folgenden Ausführungen, die mich unweigerlich auf Spurensuche schicken. Ich begebe mich in den kommenden drei Wochen auf eine investigative Forschung nach Erleuchtung.

Folgende Thesen haben mich beim Schreiben angetrieben:
Rechte erwachsen aus Pflichterfüllung.
Das Erkennen der Wahrheit entspringt aus eigenen Erleben.
Das Erwachen des Geistes (Spiritualität) vollzieht sich über Empfindungen.

Diese Aufzeichnungen werden autobiografische Elemente enthalten, denn es ist meine ganz persönliche Sicht auf das Thema. Sie sind aus der Perspektive eines Mannes geschrieben, deshalb entschuldige ich mich bei den Damen, die sich vielleicht nicht direkt angesprochen fühlen. Es ist auch für euch.

Deveses in Spanien, am 22. Dezember 2019



Wer wir sind und was wir tun

Unser jetziges Dasein beginnt mit der Idee zu unserer Zeugung. Nicht alle sind wir Wunschkinder. Unsere biologischen Eltern hatten nicht zwingend die Absicht, uns in die Welt zu setzen. Und wenn sie diese doch haben, gelingt es längst nicht immer. Eine ganze Industrie, die Reproduktionsmedizin, beschäftigt sich mit unerfüllten Kinderwünschen, aber auch ihr sind Grenzen gesetzt. Ob dieser Eingriff in die Schöpfung überhaupt ethisch zulässig ist, stelle ich genauso infrage wie die Ehe mit Kinderwunsch unter Gleichgeschlechtigen, aber beides ist längst üblich und salonfähig. Soll nun also aus zwei Zellen ein neues Leben hervorgehen, bedarf es dazu mehr als Sexualität oder Reagenzglas. An dieser Stelle beginnen die wichtigen Fragen.

Die Philosophie, die Religion oder die Literatur setzen sich sehr ausgiebig mit allen Fragen unserer Existenz auseinander, und jeder mag sich die Version aussuchen, die ihm am meisten einleuchtet.
Ist dann das Kind geboren, rein und unschuldig, verfahren die unterschiedlichen Kulturen höchst divers mit dem neuen Erdenbürger. Das weibliche Geschlecht eines Säuglings wird vielerorts als Makel angesehen, der bis zur Tötung führen kann. Der Wert des Kindes für die Eltern hängt mitunter einzig davon ab, ob der Nachwuchs später dazu taugt, das Familieneinkommen durch Arbeitskraft oder Heirat hinreichend hoch zu halten. Im dritten Reich ist sogar ein politischer Akt aus der Fortpflanzung geworden, dazu dienend, der Herrenrasse genügend Kanonenfutter für ihre Expansion bereitzustellen. Der Adel und die Neureichen begeben sich zumeist auf die Suche nach einem Thronfolger für ihre Imperien, wenn sie sich vermehren. Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms wird zu weiteren Verwerfungen in der Menschwerdung führen – China hat schon damit angefangen, bestimmte ErbgutSequenzen zielgerichtet zu manipulieren. Ob das alle Aufgebrachten und Fassungslosen tatsächlich verabscheuen, wage ich zu bezweifeln.

Anhand dieser wenigen Beispiele wird schon ersichtlich, dass wir Menschen in unserer Masse und Meinungsvielfalt ganz gewiss nicht vollumfänglich die Krönung der Schöpfung sind. Schon vor unserem Eintritt ins irdische Leben kann uns viel Ungemach widerfahren, können moralische Grenzen fallen, können Leben zerstört werden, noch bevor sie begonnen haben.
Mit diesen Themen möchte ich mich nicht befassen. Mir geht es um das, was wir selbst in der Hand haben.

Bleiben wir also beim neugeborenen Kinde. Hilfloser als ein Menschenkind kommt keine andere Spezies auf die Welt. Ohne Fürsorge durch unsere Eltern, in der Regel sind auch ein Arzt und eine Hebamme dabei, kämen wir nicht weit im Leben. Ich könnte nicht einmal die Nabelschnur durchtrennen und versorgen, wenn ich es müsste.
Eine weitere Besonderheit unserer Art liegt darin, dass wir noch sehr lange weiterleben können, nachdem wir unsere Fortpflanzungsfähigkeit verloren haben. Mit allen anderen Lebewesen verfährt die Natur weniger großzügig. Tiere sterben sehr bald, wenn sie unfruchtbar geworden sind, das sieht man sehr eindrucksvoll beim Lachs, der praktisch unmittelbar nach dem Laichen stirbt.
Unsere Zerbrechlichkeit und unsere Langlebigkeit machen uns Menschen zu etwas ganz Besonderem auf dieser Erde – wir haben eine Mission.
Zunächst aber sind wir auf Zuwendung angewiesen. Die Mutter umsorgt und ernährt uns. Wenn wir Hunger haben, schreien wir. Doch dann kommt der Tag, an dem das Denken einsetzt. Wir realisieren, dass wir mehr bekommen, wenn wir lauter brüllen. Unsere erste Unschuld ist dahin.

Ab diesem Moment verlassen wir die Tierwelt. Das Ego hat sich gebildet. Wir werden unseren Verstand sehr lange benutzen, die allermeisten von uns bis zum letzten Atemzug. Das Denken ist für uns der Ersatz für die animalischen Instinkte – ein Segen und ein Fluch zugleich. Wir können Großes damit bewirken, die Geschichte liefert Millionen Beispiele dafür. Aber auch Schreckliches und Grausames. Schwer zu sagen, welche Seite überwiegt, vermutlich halten sich Gut und Böse die Waage, sind sie doch zwei Seiten derselben Medaille, die man Anstand nennen könnte. Sie sind
gegensätzlich, eine Facette des Dualismus. Unser Verstand braucht die Gegensätzlichkeit, um uns die Welt zu erklären.

Mit unserem Denken erst sind wir gewappnet für das Leben. Alle motorischen Fähigkeiten, die wir erwerben, bleiben gespeichert – Radfahren verlernt man nicht. Wir erobern uns das Feld der Bewegung spielend und durch Neugier. Unsere Fortschritte im Spiel führen irgendwann dazu, dass wir gewinnen wollen, das Spiel wird zum Wettbewerb. Der Ehrgeiz hat Einzug gehalten, eine Tugend, die uns voranbringt.
Unser Körper ist für Bewegung gemacht, nicht für den Sessel. Natürlich gibt es gewaltige Unterschiede in den individuellen Bewegungsmustern und den physischen Fähigkeiten. Allein wenn man die Fingerfertigkeit eines Pianisten betrachtet oder die Ausdauer eines Extrembergsteigers, ahnt man, wie unterschiedlich unsere Talente verteilt sind, aber auch unser Fleiß. Nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist, deshalb sollte eine zumindest minimale körperliche Ertüchtigung zu jedem erfüllten Leben dazugehören. Je höher das Level der Motorik, umso höher das Potenzial für große Erlebnisse und Abenteuer und umso niedriger die Anfälligkeit für Gebrechen jeder Art.

Wichtiger noch, um auf Erden zu bestehen, sind unsere kognitiven Fähigkeiten. Die Schule, davor der Kindergarten, das Berufsleben und das Informationszeitalter mit all seinen Medien erfordern ein hohes Maß an Auffassungsgabe, Intelligenz und Cleverness. Es gibt keine alternativen Wahrheiten, so niedlich und verlockend dieses Bild auch sein mag. So gesehen heißt die Aufgabe, frei nach den Böhsen Onkelz, aufzuwachen, die Wahrheit zu finden und den dafür nötigen langen Weg zu gehen.

Dieses Erwachen steht nicht am Anfang unseres Lebens, am Anfang heißt es, wie Lenin schrieb: „Lernen, Lernen und nochmals Lernen!“ Beim Erlernen der Muttersprache hat es sich als sehr vorteilhaft erwiesen, wenn man nicht nur eine hat. In der frühen Kindheit sind wir am empfänglichsten für das Erlernen von Sprachen und deshalb sollten fürsorgliche Eltern diesem Aspekt der Bildung große Aufmerksamkeit schenken. Wir leben in einer internationalen Epoche, und wer sich im Ausland einigermaßen verständigen kann, erntet nicht nur das Lächeln der Kellnerin, der Verkäuferin, des Taxifahrers, des Hoteliers oder des Grenzpolizisten, er erlebt echte Teilhabe am fremden Land und empfindet eine große Genugtuung, ja sogar Stolz auf sich selbst.
Mit der Sprache einher geht die Schrift. Längst nicht alle Informationen werden verbal verbreitet und das Handgeschriebene merkt sich allemal besser als das Getippte. Wenn in der Gegenwart ernsthaft über die Abschaffung der Handschrift debattiert wird, dreht sich mir der Magen um.

Auch sollte der Heranwachsende sich in naturwissenschaftlichen Disziplinen schulen, sei es die Mathematik, die Physik, die Chemie, die Geografie oder die Biologie. Es muss daraus ja kein Beruf werden, aber Wissen in diesen Bereichen schützt enorm vor Verblödung durch Manipulation. Wenn heute die halbe Welt das Klima retten will, und einer jungen schwedischen Schulschwänzerin zujubelt, ist das höchst bedenklich. Das Klima reguliert sich von jeher selbst mit diversen Kalt- und Warmzeiten. Unser Einfluss darauf ist schwer eizuschätzen und wird unter Wissenschaftlern kontrovers diskutiert. Was Menschen machen können, ist die Umwelt zu retten. Die unfassbare Menge an Plastik in den Ozeanen, die Abholzung des Regenwaldes oder der Abbau von Lithium in den Anden – all das sind reale Bedrohungen. Nicht das Kohlendioxid, das jede Pflanze braucht, um zu gedeihen, und dessen Konzentration in der Atmosphäre nicht signifikant gestiegen ist, seit das Industriezeitalter begonnen hat. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr wir Menschen aufpassen müssen, denn wir alle sind Zielscheibe der Mächtigen – als Konsument oder als Wähler. Dem Menschen schadet auch die Fähigkeit des Rechnens nicht, damit er seinen Lebensunterhalt nicht gefährdet und Strategien entwickeln kann, die ihm nützen. Ganz nebenbei ergeben sich aus mathematischen Fertigkeiten ganz wunderbare Freizeitbeschäftigungen wie Skat, Schach oder Sudoku.

Wer sich ein wenig in Physik auskennt, erleidet höchstwahrscheinlich weniger Unfälle. Der elektrische Strom, die Trägheit eines sich bewegenden Fahrzeuges im Verkehr, die ultraviolette Strahlung der Sonne, die Sauerstoffarmut unter Wasser oder das Wirken der Schwerkraft haben schon viele von uns, oft völlig unnötig und in Friedenszeiten, dahingerafft. Mit der Industrialisierung hat die Physik Einzug gehalten in den ganz gewöhnlichen Alltag bis hin zum Internet. Sie ermöglichte uns das Fliegen, das Tauchen, das fast autonome Fahren, die Heilung schwerster Krankheiten und trug einige sogar ins All. Als Beispiel für die inhumane Nutzung der Physik möge Hiroshima genügen.
Die herausragende Leistung der Physik ist der Energieerhaltungssatz. Energie kann weder erschaffen noch vernichtet werden. Sie war immer schon da, im Weltall und in unserem inneren Universum.

Die anorganische Chemie bescherte uns jede Menge genialer Materialien, wobei der Stahl und der Beton sicherlich die größte Rolle gespielt haben. Neuerdings dominieren Quarz, Silizium, Uran und künftig der Wasserstoff den wissenschaftlich-technischen Fortschritt. Organische Energieträger wie Kohle oder Erdöl haben die Erdenbewohner sowohl produktiv als auch faul und obendrein mobil gemacht, und ihre Besitzer steinreich. Die organische Chemie hat jedoch eine wesentlich größere Bedeutung für uns alle, liegt in ihr doch der Schlüssel zum Leben. Erst die Aminosäure hatte das Zeug dazu, dass sich der erste lebende Einzeller bilden konnte. Praktisch unser aller Vorfahr.
Mit der Entstehung des Lebens bekam die Biologie als Wissenschaft ihr Thema. Streng genommen beruhen wir alle auf biochemischen Prozessen, die sich über die Evolution dorthin entwickelt haben, wo wir heute stehen. Natürlich geht diese Reise weiter und einige träumen schon davon, unsterblich zu werden. An diesem Punkt aber ist Schluss mit lustig. Das Einzige, was am Anfang unseres Lebens gewiss ist, ist der Tod, da helfen auch keine sechs Spenderherzen, die sich ein David Rockefeller implantieren ließ, oder ein Einfrieren des Verblichenen in flüssigem Stickstoff wie im Falle von Walt Disney. Dass die Natur nicht irrt sagte einst Arthur Schopenhauer und das ist gut so. Es ist ein Grundprinzip der Schöpfung.
Unsterblichkeit kann kein Zellhaufen erlangen. Der Körper wird, siecht und vergeht. Doch etwas von uns lebt weiter und bekommt eine neue Chance. Dieser Weg in die Unendlichkeit, ins Absolute, ins Nirwana oder ins Reich Gottes beschäftigt die Menschheit seit Anbeginn der Zeit, und genau darauf werde ich später eingehen.

Neben der Sprache und den Naturwissenschaften verdienen auch die Geisteswissenschaften, namentlich die Kunst und die Philosophie, ein gerüttelt Maß an menschlicher Zuwendung.

Die Dichtung hat gerade im deutschen Sprachraum sehr große Werke entstehen lassen. Da dies eine sehr persönliche Abhandlung ist, beschränke ich mich auf meine Erfahrungen mit Goethes „Faust“. Dieses Meisterwerk war Pflichtlektüre für das Abitur in der DDR. Zugegebenermaßen hat es mich als Schüler nicht berührt. Die Fügung, nicht der Zufall, hat es mir ermöglicht, als einfacher Soldat in Schwerin der wohl großartigsten Interpretation dieses Stoffes auf der Bühne des Mecklenburgischen Staatstheaters beizuwohnen. Es war vor allem für Besucher aus Westdeutschland, man schrieb das Jahr 1985, inszeniert worden. Dort hineinzukommen, war für einen normalen Bürger nicht möglich, nicht einmal denkbar. Mephisto war eine Frau und auch Nacktszenen wurden präsentiert. Doch das war es nicht, was mich bewegte. Ich erfasste zum ersten Mal die unglaubliche Größe dieses Blockbusters und konnte nach dem Schlussvorhang nur noch weinend, wie ein begossener Pudel ohne Kern, sitzen bleiben, bis man mich, den letzten Sitzenbleiber, hinausbat. Es gibt Schlüsselmomente in unserem Leben, die alles verändern. Dies war einer der meinen.

Die bildende Kunst hat in ihrer Historie auch jede Menge Großartiges zu bieten. Ich selbst verstehe nichts davon, schon gar nicht von der Werthaltigkeit jener Werke. Ich habe das Museum of Modern Art und das Metropolitan Museum of Art, beide beheimatet in New York, besucht, ebenso die Dresdener Gemäldegalerie oder den Louvre in Paris, um nur einige zu nennen. Was ist hängen geblieben?

Ganz klar: die Mona Lisa von da Vinci. Du stehst mitten im Gedrängel mit halb Asien und schaust auf ein bescheiden klein geratenes Porträt einer Frau hinter dickstem Panzerglas und du fragst dich:
„Weshalb dieser ganze Rummel?“ Hinterher weißt du, dass du der Unendlichkeit begegnet bist.

Die Musik ist das, was alle kennen, aber keiner so richtig beschreiben kann. Warum lösen gewisse Melodien etwas in uns aus? In uns selbst ist Musik, die Musik des Universums. Diesen Klang kann man sogar nachweisen. Nun hat jeder so seine Favoriten. In der Klassik sind es für mich „Die vier Jahreszeiten“ von Vivaldi, in der populären Musik ist es Led Zeppelin und zu Weihnachten das Lied vom kleinen Trommler „Me and my drum“ von Vicky Leandros aus dem Hamburger Michel. Das alles hat nur für mich Bedeutung und ich habe auch nicht das Bedürfnis, tiefer in die Materie einzudringen, obwohl mein Sohn ein studierter Musiker ist und mich sicher vieles lehren könnte.

Die Filmkunst als letzte in dieser Aufzählung hat genau wie alle anderen Künste viel Banales, aber auch Großartiges zu bieten. Zu den Großen zähle ich Spielberg, Cameron oder Tarantino. Das beste Drehbuch aller Zeiten schreibt man heute noch Curtiz mit „Casablanca“ zu. Da gehe ich voll mit, ich kann inzwischen jeden der legendären Dialoge mitsprechen. Noch größer ist für mich: „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Dieser Film beschreibt mit erfrischender Komik und einem genialen Bill Murray in der Hauptrolle, was passiert, wenn wir ein und denselben Tag immer wieder erleben. Dabei optimiert der Protagonist immer mehr seiner Abläufe und Fähigkeiten, um das Herz einer Frau zu gewinnen. Am Ende erreicht er die Perfektion, den Tag, an dem alles stimmt. Das entspricht in etwa dem, was uns in jedem neuen Leben widerfahren sollte, wenn wir nach dem Absoluten streben. Dazu müssten wir reinkarnieren. Müssten eine neue Chance hier auf Erden bekommen, eine Chance auf Vollendung der Seele.Das ist der Weg, das ist mein Motiv für diese Abhandlung.

Alles, was die Kunst an Emotion in einem Menschen hervorbringen kann, hat sie bei mir erreicht. Es ist nicht das Bewundern, nicht das Handwerk und schon gar nicht unser Sachverstand, der die Kunst für uns so einzigartig macht. Es ist die Emotion, die sie in uns auslöst.

Noch ein paar Worte zur Philosophie. Ich bin materialistisch unterrichtet worden, hauptsächlich ging es dabei um Marx, Engels und Lenin. Ein wenig Kant und Hegel waren auch dabei, sofern es in die Ideologie passte.
Ein alter Mann aus meinem Heimatdorf hatte mir, als damals Jugendlichem, immer wieder Arthur Schopenhauer (1788 bis1860) ans Herz gelegt. Ganz klar wieder eine Wegweisung. Der Bekannte war tatsächlich philosophisch ausgebildet und ich nahm seine Worte sehr ernst, wenngleich er zu dieser Zeit schon sehr dem Alkohol anheimgefallen war und nicht mehr viel Leben vor sich hatte. Mir gefiel, dass Schopenhauer, der Weise mit dem Pudel, zeitlebens als Grantler und Misanthrop galt. Auch als Vertrauter von Goethe, womit sich wieder ein Kreis schloss. Ich besorgte mir also das, was in der DDR von ihm veröffentlicht worden war, und stellte fest, dass man die Welt auch ganz anders sehen konnte, nämlich als Wille und Vorstellung, eine Welt, die nur existiert, weil wir sie wahrnehmen. Seine Schlussfolgerung besteht darin, dass unser Leben einzig dazu dient, uns spirituell weiterzuentwickeln – der Rest ist Theater.
5 Sterne
Wow - Ein wundervolles Buch - beantwortet so viel! - 07.02.2021
Heike Schümann

Ich liebe die Schreibweise dieses Autors, der zugleich auch Yogalehrer ist, das geht aus dem Buch hervor! Frank Schiewer schreibt nachvollziehbar, lebensbejahend und derart authentisch, daß es eine Freude ist, man sich in sein Leben hineinkatapultiert und mitgerissen fühlt. Manchmal muß man auch mal schmunzeln. Das tut so gut! Einfach herrlich, daß er den Leser nicht nur an seinem Leben und Schaffen teilhaben läßt, sondern auch sanft mündlich nebenher unterrichtet über die Möglichkeiten, die man hat, über Yoga und Meditation, die verschiedenen Atemtechniken, die 7 Chakren zu reinigen und funktionstüchtig zu machen und erklärt, welche Bedeutungen diesen zukommen und woran man erkennt, daß sie blockiert sind. Seine spirituelle und gesunde Lebensweise ist beeindruckend und mitreißend zugleich, Er läßt Bilder (insbesondere bei mir, da spirituell vorgeprägt) entstehen und neugierig machen, so daß man möglicherweise sein Leben mit dieser Lektüre wieder neu ausrichten kann, sofern es nötig ist und/oder es auch will! Zu Beginn und Ende ist´s ebenso spannend, sein Lebensweg und wie sich alles als großes Ganzes gefügt hat! Alles in Allem für mich ein sehr wertvoller Lesestoff. Anwendungsfreundlich aufbereitet mit "nicem" Fotocoverumschlag, wie ich finde! Hat mir wirklich sehr gefallen! Schaue ich sicher bei der einen oder anderen Frage zu den Chakren oder Atemtechniken gerne noch einmal rein! Das Lesen dieser Lektüre kann ich an dieser Stelle jedem lebensbejahenden Menschen unbedingt an Herz legen!

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