Geschichte & Biografie

Von der A-Karte zum Trumpf As

Maggy W.

Von der A-Karte zum Trumpf As

Vom MISS-trauen zum VER-trauen

Leseprobe:

Vorwort

Meine Erzählungen stammen aus meiner subjektiven Erinnerung und meine Schwester oder mein Bruder würden viele Ereignisse etwas anders erzählen und doch wären sie wahr. Wahrheit ist immer das, was man in dem Moment als Wahrheit empfindet. Doch die Erlebnisse sind so passiert, wie ich sie beschreibe. Es war mir sehr wichtig, keine meiner Erfahrungen aus Rücksicht auf meine Familie oder Personen in meinem Umfeld schönzureden, aber auch auf gar keinen Fall jemanden ins schlechte Licht zu rücken. Die Erfahrungen, die ich machen durfte, hatten alle ihren Sinn und dienten meinem persönlichen Wachstum. Ich sah mein Leben als Puzzle, bei dem eine ganze Menge an kleinen Teilchen fehlte, um ein fertiges Bild zu bekommen. Es dauerte viele Jahre, bis ich die Bedeutung der Erlebnisse begreifen konnte. Die wichtigsten Menschen, die daran beteiligt waren, um mein Puzzle komplett zu bekommen, waren natürlich meine Familie, meine Freunde und viele andere, die mich ein Stück meines Weges begleitet hatten.
Meine persönliche Überzeugung ist, dass der Mensch im Grunde eine Marionette des Universums ist. Wir gehen in diese Welt mit einem Aufgabenkatalog unter dem Arm und dürfen uns zwischen den „Eckpfeilern“ den Weg selbst aussuchen. Durch unseren „freien Willen“ dürfen wir Start und Tempo selbst bestimmen, aber alles andere ist vorgegeben. Ich glaube auch, dass jeder, ohne Ausnahme, ans Ziel kommt, doch wie lange es dauert, ist jedem Einzelnen überlassen. Das Universum kennt weder Raum noch Zeit, und das zu begreifen kann manchmal zu einer großen Herausforderung werden. Ob jemand seinen Aufgabenkatalog in einem Leben abarbeitet oder vielleicht mehrere Leben dazu benötigt, ist wahrscheinlich nur in unseren Köpfen wichtig, weil wir immer noch zu „klein“ denken und uns vieles nicht vorstellen können. Gerne vergleiche ich Lernaufgaben mit kleinen Zahnrädern, die ineinandergreifen. Der Vergleich mit den Zahnrädern fühlt sich für mich nicht ganz so schrecklich an, als würde man ständig von irgendwelchen Blockaden sprechen, die gelöst werden müssen. Normalerweise sollte sich beim Anstupsen des letzten Zahnrades alles in Bewegung setzen, doch was geschieht, wenn genau im letzten Zahnrad ein Keil steckt? Es bewegt sich nichts! Das Wichtigste ist vorerst, diesen Keil zu entdecken, damit man ihn lockern und anschließend entfernen kann.
Alleine das Lockern des Keils (Blockade) bringt auf lange Sicht gesehen keinen Erfolg. Es gibt sehr viele Methoden und Therapieformen, wie man sich seinen Problemen stellen kann und ich habe im Laufe der Zeit einige gelernt. Unweigerlich landet man irgendwann beim Thema Spiritualität und Esoterik. Für mich hat jede Methode ihre Berechtigung, wenn sie für den Menschen stimmig und hilfreich ist. Nicht jede Herangehensweise ist gleichermaßen für jeden passend und genauso habe ich für mich meine Methoden gefunden, um meine Muster, Keile oder Blockaden, wie immer man es nennen möchte, anzuschauen und sie zu lösen zu versuchen. In den letzten Jahren habe ich mir einiges an Wissen angeeignet, das ich auch gerne an Menschen weitergebe. Meine Motivation ist zu helfen, und wenn ich dadurch helfen kann, dass ich erzähle, dass es immer einen Weg gibt, und dass es möglich ist, in ein zufriedenes Leben zurückzukehren, dann haben sich all meine Erfahrungen doppelt gelohnt. Mein Leitsatz in meinen Beratungen ist: „Ich verleihe dir Flügel, ohne den Boden zu verlieren, und wenn du möchtest, reiche mir deine Hand und ich begleite dich ein Stück deines Weges.“



Von der A-Karte zum Trumpf As
Vom MISS-trauen zum VER-trauen

Ich weiß nicht, wie oft ich schon in meinem Wohnzimmer auf der Couch saß und überlegte, ob ich meine Geschichte aufschreiben sollte oder nicht. Einige Male hatte ich auch schon angefangen, und jedes Mal, wenn ich mich an gewisse Situationen und Ereignisse erinnerte, kamen derart viele Emotionen hoch, dass ich wieder Wochen brauchte, um mich von diesem Tief zu erholen und doch ließ mich der Gedanke nicht los, dass irgendwann der richtige Zeitpunkt kommen würde, um dies umzusetzen und dass es einen Sinn haben muss, so viele „Erfahrungen“ gesammelt zu haben.
Ich war mir nie sicher, ob ich mich als Glückskind bezeichnen sollte, oder doch so, wie es tatsächlich war. Glückskind einerseits, denn wer hatte schon das Glück aus einem Stapel von sechsunddreißig Karten siebenmal die gleiche Karte zu ziehen? Andererseits, wer will das, wenn es sich dabei um die A-Karte handelt? Aber auch diese sogenannten A-Karten haben etwas Gutes. Im Laufe meines Lebens durfte ich jede einzelne Karte genauer anschauen, nicht weil ich so gierig darauf war, sondern weil es das Leben so wollte. Dieser Weg war mühsam. „Ändere dich und das gesamte Umfeld wird sich ändern!“ Ja, diese Aussage stimmt, doch wenn man in einem Käfig gefangen ist und der Schlüssel für diesen sich in anderer Leute Händen befindet, hat man manchmal das Gefühl, diesem Scheißkäfig nie zu entkommen, obwohl die Tür offen steht. Ist man gerade in einer scheinbar aussichtslosen Situation, helfen einem die positiven Sprüche, wie zum Beispiel „Nur die besten Schüler bekommen die größten Aufgaben“ oder „Am Ende des Tunnels folgt das Licht“ herzlich wenig. Egal, wie diese Sprüche alle lauten mögen, ich hätte sie manchmal am liebsten verflucht. Im Nachhinein betrachtet stellten sich alle als richtig heraus und ich durfte erkennen, dass sie allesamt wahr sind, doch das konnte ich in der Situation leider weder erkennen noch konnte ich daran glauben.
Meine Erlebnisse und Erfahrungen sind nicht einmalig, denn ich bin überzeugt, dass es (zu) viele Menschen gibt, denen Ähnliches widerfahren ist. Vielleicht kann ich jedoch einigen von ihnen zeigen, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben. Und egal, wie sehr man in einer Sackgasse steckt, es gibt doch immer wieder einen Weg, der einen zurück ins Leben führt. Auch wenn ich der Meinung bin, dass einem der Lebensweg vorgegeben ist, denke ich, dass man doch immer wieder die Möglichkeit hat, selbst zu entscheiden, welchen Weg man nimmt. Den steinigen, steilen oder den gemütlicheren, jedoch längeren Weg. Wobei ich gerade lächeln muss, denn ich kann eigentlich gar nicht sagen, wie es sich anfühlt, den gemütlichen Weg zu nehmen beziehungsweise wie lang dieser wohl gedauert hätte, da ich ja selbst schon Mitte fünfzig bin und ich von gemütlich in den seltensten Fällen etwas bemerkt hatte.
Ich bin heute in der Lage, mein Leben mit einem gewissen Abstand ohne Groll und Wut zu betrachten. Auch bin ich dankbar, diese Erfahrungen gemacht zu haben, denn alles, was ich daraus lernen durfte, wiederholt sich nicht noch einmal, davon bin ich überzeugt. Ich glaube auch an die Wiedergeburt, aber das ist allein mein Glaube (wer nichts weiß, muss alles glauben), doch einmal habe ich ja die Energie schon ein bisschen fühlen dürfen und sie war sanft und angenehm. Ich war knapp daran, mich für das angenehm warme Gefühl zu entscheiden, doch irgendetwas habe ich auf dieser Welt noch zu erledigen, sonst hätte man mich gehen lassen.
Sollte es tatsächlich so sein, dass man sich sein eigenes Leben irgendwann und irgendwo selbst aussucht, bin ich davon überzeugt, dass ich besoffen gewesen sein muss, denn ein nüchterner Mensch würde sich mein Leben nicht aussuchen. Oder, meine zweite Überlegung ist, ich war so ungeduldig und wollte alles auf einmal erledigen, ohne nachzudenken, was das an Arbeit bedeutet. Die These mit den besten Schülern lasse ich bewusst aus. Sicher bin ich mir heute noch immer nicht, ob es mit Alkohol oder Ungeduld zu tun hatte. Irgendwann wird auch diese Frage beantwortet sein, doch ich vermute, es war wie immer meine Ungeduld, denn eines wusste ich relativ bald: Sich totzusaufen oder von der Brücke zu springen wäre die schlechteste Lösung gewesen. Vielleicht wäre ich ja wieder als Ameise oder Stubenfliege zurück in diese Welt gekommen, das wäre allerdings keine Alternative für mich gewesen, denn das wäre für mich gleichbedeutend mit aufgeben gewesen und vor Problemen wegzulaufen war für mich nie eine Option. Also gab es nur einen Weg, sich mit der Situation auseinanderzusetzen. Manchmal gelang es mir gut, manchmal weniger und ab und an war ich knapp davor, das Leben als Stubenfliege in Kauf zu nehmen und alles hinzuwerfen. Doch wie heißt es so schön: „Der Weg ist das Ziel!“ Und auf diesen Weg sollte man etwas Mut und viel Humor mitnehmen, auch das habe ich gelernt. Wenn man sich selbst nicht so wichtig nimmt und den Mut hat, über den Tellerrand hinauszuschauen, dann stellt man ganz schnell fest, dass man ein kleines Teilchen des großen Ganzen ist. Ein wichtiges Teilchen, keine Frage, denn sonst wäre das „Ganze“ nicht komplett, doch nur ein ganz kleines. Vieles relativiert sich, wenn man sich dessen bewusst ist.



A-Karte 1
(Meine Erinnerungen bis zum siebten Lebensjahr)

Ich stand gerne im Garten und umarmte den großen Apfelbaum. Führe ich mir heute dieses Bild vor Augen, empfinde ich ein warmes, wohliges Gefühl.
Ich hatte schon als kleines Mädchen kaum gelächelt und das wurde mir immer zum Vorwurf gemacht.
Mutter hatte uns Kinder mal gefragt: „Soll ich euch ins Bett bringen oder Karin“, ich antwortete: „Karin“ (Karin war unsere „Küchenfee“, Freundin meiner Mutter und später meine Firmpatin). Sie sang immer ein Lied von den Sternen und ich mochte
es.
Ich erinnere mich noch an den Tag der Schuleinschreibung. Ich wollte unbedingt mit meiner Schwester in die erste Klasse, doch das wurde von der Schulleitung untersagt. Ich war traurig und weinte.

Wundern Sie sich nicht über diese spärlich beschriebene Seite. Es ist genau richtig so. Ich habe bis auf die vorhin beschriebenen kleinen Begebenheiten absolut keine Erinnerungen an meine Kindheit.
Ich vergleiche mein Leben immer mit einer CD. Jede einzelne Rille steht für eine Erfahrung. Solange diese CD nicht vollständig mit Rillen versehen ist, ist man noch in einer „Lernphase“. Je enger die Rillen nebeneinanderliegen, desto mehr haben auf einer CD Platz. Keine einzige der Erfahrungen, die man im Laufe seines Lebens macht, geht verloren. Bei mir mussten bei einem Update wohl die ersten sieben Jahre überschrieben worden sein, denn sie waren einfach nicht zu lesen. Heute weiß ich, dass viele Informationen erst dann zu Tage kommen, wenn man dafür bereit ist und sicher sein kann, mit den Antworten klarzukommen, was mich wiederum erkennen ließ, wie genial „das Wunder Mensch“ ist. Meistens handelte es sich bei mir um keine besonders schönen Antworten. Wie ich zu diesen Informationen gekommen bin und wie lange es gedauert hat, erzähle ich etwas später.



A-Karte 2
(Meine Erinnerungen bis zum 14. Lebensjahr)

Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf mit damals 1500 Einwohnern in einer Unternehmerfamilie und mit zwei Geschwistern, einer um elf Monate älteren Schwester und einem um eineinhalb Jahre jüngeren Bruder. Dass wir drei so knapp hintereinander geboren worden waren, hatte natürlich einen Grund. Mein Vater war im Krieg und für die damalige Zeit nicht mehr der Jüngste. Es war höchste Zeit, für einen Nachfolger zu sorgen. Dazu kam noch das Pech, dass das „Erstgeborene“ ein Mädchen war, obwohl meine Schwester alle Vorzüge eines erstgeborenen Wunschkindes genoss. Mein Vater hatte angeblich zwei Tage durchgefeiert vor Freude, endlich Nachwuchs zu haben.
Eine größere Niederlage hätte mein Vater nicht erleiden können, als die Tatsache, dass nach elf Monaten wieder ein Mädchen zur Welt kam. Nicht mal eine verlorene Fußballweltmeisterschaft oder ein Fehlschuss bei der Jagd wären so niederschmetternd gewesen. Dass ich gesund zur Welt kam, spielte in diesem Moment nur eine Nebenrolle. Und glaubt man den Erzählungen, hatte er alles andere als Freude empfunden, als ich geboren wurde. Der Ausspruch „Schon wieder ein löchriger Bub“ sagte doch schon alles aus, was Vater damals empfunden hatte, und das meinte er auch so. Mutter hatte mal erzählt, dass es bei mir keine Feier gab, weil es ja irgendwie nicht so besonders war wie beim ersten Kind. Das lässt nachvollziehen, wie viel Angst mein Vater haben musste, keinen Nachfolger mehr zu bekommen. Ich glaube ja fast, diese ganze Abneigung und der Frust übertrugen sich auf mich schon sehr früh, denn ich kämpfte bereits in den ersten Monaten zwei Mal mit einer schweren Lungenentzündung. Selbst der Arzt war anfangs nicht sicher, ob ich diese ohne bleibenden Schaden überstehen würde. Mein Überlebenswille war wohl stärker als alle Befürchtungen. Vielleicht war dies damals schon der erste Test von „höherer Stelle“, wie viel ich ertragen konnte, um für spätere Erlebnisse gerüstet zu sein. Die Schmerzgrenze erhöht sich ja bekanntlich durch viel „Übung“.
Eineinhalb Jahre später hatte sich dann alles zum Guten gewandt, denn endlich war der Thronfolger da und die Welt war, zumindest für meine Eltern, wieder in Ordnung. Wie es sich gehörte, wurde mein Bruder nach dem Vater „Josef“ getauft und somit war die Thronfolge besiegelt und meine Rolle als Sandwichkind aus der Taufe gehoben (wie war das noch mit der A-Karte?).
Meine Eltern hatten ein Gasthaus mit angeschlossener Fleischerei und Landwirtschaft. Wir durften bereits früh die Erfahrung machen, dass das Leben hauptsächlich aus Arbeit besteht und der Spruch „Arbeit macht das Leben süß“ für meinen Vater eine besondere Bedeutung hatte. Ausgenommen war mein Bruder, der schon damals als der Prinz und zukünftige Chef galt und auch genauso behandelt wurde. Gab es was zu tun, und das gab’s immer, hatte mein Bruder gerade keine Zeit, weil er eine wichtige Verabredung mit dem Nachbarjungen hatte (auch ein „Juniorchef“, jedoch von der Bäckerei). Ob die beiden in der Mehlkammer im dunkelblauen Sonntagsanzug Fangen spielten oder mit Steinen auf Spatzen schossen, Fußball oder Tischtennis spielten, alles war wichtiger als Arbeit. Die beiden waren Lausbuben und das war ihnen beiden an den Nasenspitzen anzusehen. Vater hatte die Angewohnheit, Strafen kniend auf einem Holzscheit abbüßen zu lassen. Im Büro lagen rechts neben dem Schreibtisch immer ein bis zwei Scheiter für alle Fälle bereit. Er erwischte uns alle irgendwann mal, doch am öftesten unseren Bruder.
Bei einem außerordentlich schlimmen „Vergehen“ wie beim Nachbarn eine Fensterscheibe mit einer Steinschleuder einzuschießen oder zu versuchen, die Hühner mit derselben zu verjagen, kniete der „Straftäter“ dann so lange, bis Vater erlaubte, aufzustehen. Das konnte jedoch dauern, denn musste Vater wieder ins Geschäft, schloss er die Bürotür ab und war weg. Es kam schon mal vor, dass Vater vergaß, den „Bestraften“ wieder zu befreien. War mein Bruder der Meinung, die Strafe dauerte zu lange, ging er nicht selten das Risiko einer saftigen Ohrfeige ein und legte sich entweder auf die Couch, um ein Nickerchen zu machen, oder büxte durchs Fenster aus. Wahrscheinlich wäre ihm die Ohrfeige sogar lieber gewesen, als Rillen vom Holzscheit am Knie, die immer sehr schmerzhaft waren. Hatte Vater tatsächlich vergessen, ihn aus dem „Gefängnis“ zu holen, war das Thema meistens erledigt und selbst Vater schmunzelte über so viel Dreistigkeit.
Meine Volksschulzeit war, zumindest was das Schulische betraf, entspannt und fast wie Urlaub. Das Lernen fiel mir leicht und irgendwie fühlte ich mich dort sicher. Ich wurde zwar zu dieser Zeit immer wieder mal darauf angesprochen, dass ich sehr oft traurig aussah und ich die Ruhigste von uns drei Kindern war, doch ich maß dem zu dieser Zeit keine besondere Bedeutung zu. Natürlich dachte ich damals schon, dass mit mir was nicht in Ordnung wäre, ich fühlte mich „anders“, hatte das Gefühl, irgendwie nicht dazuzugehören. Doch bis ich zu diesem Thema Antworten bekommen würde, sollte noch sehr viel Zeit vergehen.
Meine Geschwister und ich mussten uns für einige Jahre ein Doppelbett teilen und irgendwie hatten sie sich gegen mich verschworen. Streit gibt es wohl öfter unter Kindern, doch bei uns war immer ich diejenige, die das Fett abbekam. Sie hatten einfach Spaß daran, mich zu quälen. Ob es die Stricknadeln waren, die sie mir ins Kreuz rammten, oder ob ich einfach mal so nebenbei eine Ohrfeige einheimste – das war nichts Besonderes mehr, auf alle Fälle hörte ich irgendwann mal auf, mich zu wehren. Ich glaube kaum, dass es immer böse Absicht war, doch bot ich mich als dankbares Opfer an. Ich konnte mit ihren Späßen einfach nichts anfangen und das konnten die Beiden wiederum nicht verstehen, außerdem konnte ich gegen zwei nur verlieren. Sich bei Mutter zu beschweren wäre genauso sinnlos gewesen, wie sich zu wehren, beides hätte alles nur schlimmer gemacht. Sie hätte sich nie die Zeit genommen, einmal zu fragen, warum und weshalb dies so war. Die einzige Antwort, die ihr einfiel, war: „Wenn nicht bald Ruhe ist, sag ich es Vater.“ Das wirkte auf alle Fälle, zumindest für eine Weile. Also galt es für mich, die Füße stillzuhalten und auf gar keinen Fall zu zeigen, dass ich weinte oder Angst vor den beiden hatte, denn das hätte für mich nichts Gutes bedeutet. Klein beizugeben wäre die schlechteste Lösung gewesen. Allerdings revanchierte ich mich einmal bei meiner Schwester mit einer Portion Juckpulver, dafür hatte ich eifrig Hagebuttenknospen gesammelt, die Ohrfeige von ihr nahm ich damals gerne in Kauf.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 338
ISBN: 978-3-99048-775-4
Erscheinungsdatum: 19.01.2017
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
EUR 17,90
EUR 10,99

Krampus & Nikolo