Geschichte & Biografie

Vom N(ich)ts zum Wir und zurück!

Paul Piskol

Vom N(ich)ts zum Wir und zurück!

Leseprobe:

Vorwort

Die Vorstellung von einer Welt, in der Gleichheit und ewiger Frieden herrschen, ist so alt wie die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen.
Auch das Christentum war ursprünglich eine Religion der unterdrückten Menschen, bevor es im 4. Jahrhundert von der herrschenden Klasse zur Staatsreligion gemacht wurde, um es für deren Zwecke zu missbrauchen.
In der Bibel heißt es: „Die Menge aber der Gläubigen war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.“
Das ersehnte Zeitalter sollte auch den Frieden bringen.
Der Prophet Jesaja sagt: „… und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein …
Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern, und vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“

Dieses ersehnte Zeitalter ist im Laufe der Jahrhunderte weiter denn je in die Ferne gerückt.

Es ist aber nicht der Mensch, der „unfähig zum Frieden“ ist, sondern eine ganz bestimmte Gesellschaft, die ihn formt oder wohl eher deformiert.
Nichts erfüllt sich also von allein. Die prophetischen Ideen von einem besseren Leben müssen sich letztendlich und immer wieder von Neuem die Armen, Versklavten und Unterdrückten mit revolutionärem Enthusiasmus, ja selbst unter Einsatz ihres Lebens, erkämpfen.
Hier ist nur mit anderen Worten das ausgedrückt, was vom Deutschen Volksrat unter Beteiligung des gesamten deutschen Volkes erarbeitet und am 19. März 1949 beschlossen, vom dritten Deutschen Volkskongress am 30. Mai gleichen Jahres bestätigt und durch Gesetz der provisorischen Volkskammer vom 7. Oktober als in Kraft gesetzte Verfassung verkündet wurde.
Viele Beispiele kennt die Geschichte. Angefangen vom Spartakusaufstand im Römischen Reich bis zur Oktoberrevolution 1917 in Russland, ja sogar bis in die heutige Zeit.
Nach dem Sieg der Oktoberrevolution war die erste Handlung des neuen Sowjetstaates das „Dekret über den Frieden“, ein Appell an alle Völker der Krieg führenden Länder, sofort Verhandlungen über den Abschluss eines Friedens ohne Annexion und Kontributionen aufzunehmen. Es war eine große Chance. Im weiteren Verlauf wurde aber leider auch der Vertrag von Versailles von Deutschland nicht eingehalten und Russland somit von jeder Mitwirkung in Europa ausgeschlossen. So war es ungeheuer schwer, das nach der Revolution von der Konterrevolution im völligen wirtschaftlichen Chaos hinterlassene Land wieder aufzubauen.
Am schwersten aber war der Aufbau des Sozialismus, ein Vorstoß in unerforschtes Neuland.
Versuchten schon vor bürgerlichen Revolutionen die feudalen Staaten mit Gewalt die alten Machtverhältnisse aufrechtzuerhalten, so musste und muss die sozialistische Revolution mit dem brutalen Widerstand der Kapitalisten rechnen.
Es ist keineswegs meine Absicht, in diesen Zeilen die Weltgeschichte neu zu schreiben, denn hierzu haben bereits ganz andere, fähige Leute bedeutende Werke verfasst.
Ich möchte mir hier nur zusammenfassend einen kurzen Überblick über die Situation verschaffen, wie sie sich in Deutschland und Europa seit 1930 entwickelt hat und ich sie seit 1943 erlebt habe.
Hierfür ist ein Rückblick in die geschichtliche Entwicklung der Menschheit hilfreich oder auch unerlässlich.
An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Autoren, deren Bücher ich gelesen habe, den Journalisten, deren Beiträge und Berichte ich in Rundfunk, Fernsehen und Zeitschriften verfolgen konnte, und bei den Menschen die mir ihr Erlebtes geschildert haben, bedanken. Ich habe mein bisheriges Leben mit diesen Informationen, die mir fast als Voraussage für die künftige Entwicklung in Europa dienen, verglichen und müsste dem hier Geschriebenen sicher noch vieles hinzufügen.


Vom Traum zum Albtraum

Die Weimarer Republik wurde aufgelöst und Hitlers Erfolgsserie war bis 1941 nicht mehr aufzuhalten. Auch das Münchener Abkommen bedeutete viel mehr als nur die Zerstückelung der Tschechoslowakei, die vergeblich auf ihr Bündnis mit Frankreich gebaut hatte. Denn nun konnte er sich außenpolitisch mit der Remilitarisierung des Rheinlands, dem Anschluss Österreichs und des Sudetengebietes sowie der Besetzung von Böhmen und Mähren der ausdrücklichen Zustimmung Frankreichs und Englands sicher sein.
Hitler wollte die Vorherrschaft in Europa und die direkte Herrschaft über Russland, die Erhaltung der Herrschaft über Afrika und Teile Asiens. Eine Machtpyramide mit den alten europäischen Überseekolonien und der neuen deutschen Kolonie Russland, die übrigen europäischen Länder abgestuft in deutsche Nebenländer, Hilfsvölker, Satelliten und halbunabhängige Bundesgenossen und Deutschland an der Spitze.
Es bedeutete praktisch den politischen Rückzug Englands und Frankreichs aus der östlichen Hälfte Europas und die Anerkennung Osteuropas bis zur russischen Grenze als deutsche Einflusszone. Die Tschechoslowakei, die das Münchener Abkommen zurückließ, wurde zu Wachs in Hitlers Hand. Ungarn und Polen wurden an dem tschechischen Raub beteiligt und wurden so zu seinen Verbündeten. Rumänien und Jugoslawien waren bereits wirtschaftlich von Deutschland abhängig und mussten nun auch politisch die engste Verbindung suchen. Durch dieses Entgegenkommen hätte der Prozess zur Bildung eines großdeutschen Reiches auch ohne Krieg sogar noch beschleunigt werden können.
Hitler hatte also seinen Traum, seine politische Jugendvision bereits verwirklicht.
Hier stellt sich aber die Frage, wer hat Hitler diese Erfolge ermöglicht? Wer hat ihn, der als ein österreichischer Freiwilliger des Ersten Weltkrieges ja im gewissen Sinne aus dem Nichts in Deutschland auftauchte, diesen Aufstieg finanziert? Wer hat ihn gefördert? In wessen Interesse hat er gehandelt?
Im Interesse der Juden in Europa und später auch in Deutschland, die er durch seinen Antisemitismus zu Millionen in den Konzentrationslagern vernichten ließ, sicher nicht.
Auch nicht im Interesse der Kommunisten und anderer Widerstandskämpfer in Deutschland, denen er das gleiche Schicksal zuteil werden ließ.
Hier kann es wohl nur eine unwiderlegbare Antwort geben.
Hitler handelte im Interesse der Deutschen Rüstungsindustrie und aller Monopole, die, wie sie leider glaubten, nur in einem Krieg für sich einen Absatzmarkt sichern konnten und nach einem Krieg die besiegten Völker zu Rohstofflieferanten und ungebildeten billigen Arbeitssklaven machen wollten. Was im Übrigen einer Denkschrift Himmlers vom Mai 1940 auch zu entnehmen ist.
Hitler hielt am 30. März 1941 eine Ansprache vor hohen Offizieren der Wehrmacht, in der er ihnen seinen Standpunkt des soldatischen Kameradentums klarlegte.
›Der Kommunist ist vorher kein Kamerad und nachher kein Kamerad.‹ „Wir führen keinen Krieg, um den Feind zu konservieren, es handelt sich hier um einen erbarmungslosen Vernichtungskrieg.“
In dieser Äußerung konnte man bereits die Absicht zur Vernichtung der im Aufbau befindlichen Sowjetunion heraushören.
Einer weiteren Aufstellung des Oberkommandos der Wehrmacht vom Mai 1944 sind dann folgende Zahlen zu entnehmen: bis zum heutigen Zeitpunkt sind 5,16 Millionen Russen gefangen genommen worden. Davon leben noch 1 871 000, 473 000 wurden exekutiert, fast drei Millionen sind in deutschen Gefangenenlagern verhungert und 67 000 galten als entflohen.
Insgesamt wurden allein unter der russischen Bevölkerung 20 Millionen Menschen Opfer dieses Krieges.
Dieser Krieg war kein Krieg eines Einzelnen, eines Wahnsinnigen.
Der Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion im Jahre 1941 wurde somit nicht nur zu einem Eroberungskrieg um die Vorherrschaft in Europa, sondern auch, und das von allen kapitalistischen Ländern einschließlich Amerikas im Geheimen erhofft, ein Krieg gegen eine sozialistische Gesellschaftsordnung.
Was sicher auch der Grund dafür war, dass trotz der am 11. Dezember 1941 erfolgten Kriegserklärung Hitlers gegen Amerika ein Eingreifen der USA, das zu diesem Zeitpunkt zu einer Wende des Krieges gegen die Sowjetunion hätte führen können, nicht zu erkennen war.

Russland hatte den Krieg gegen Napoleon, den Ersten Weltkrieg, die Oktoberrevolution und dann den verheerendsten Krieg aller Kriege zu überwinden und musste danach das völlig zerstörte Land wieder aufbauen.
Was konnte Deutschland jetzt von den Siegermächten, aber vor allem von den Russen dafür erwarten?


Das dürfen wir nicht vergessen!

Schwer war der Beginn nach dem Sieg der Roten Armee 1945. Leid und Not, Chaos und Trümmer hatte der Krieg, von Faschisten angezettelt, hinterlassen.
Sogar auf deutschem Boden hatten die geschlagenen Welteroberer ihre Wut über die totale Niederlage ausgetobt. Sie hatten Brücken und Kraftwerke, Dörfer und Städte in Schutt und Asche gelegt. Nur um zu verhindern, dass sowjetische Truppen ungehindert nach Berlin vorrücken konnten.
Die westlichen Alliierten hatten ihrerseits dazu beigetragen, das Leid der Bevölkerung in den letzten Kriegswochen noch zu vergrößern.
Als die Rote Armee die Wende im Zweiten Weltkrieg herbeiführte, hatten sich die Westmächte darauf beschränkt, ihre Bombenteppiche über deutsche Städte abzuwerfen.
Erst als der Ausgang des Krieges bereits entschieden war, landeten die USA und England ihre Truppen in Frankreich und lösten mit zwei Jahren Verspätung ihr Versprechen zur Eröffnung einer zweiten Front gegen Hitler ein.
Aber auch jetzt blieb ihre Kriegführung sehr zögernd, wogegen sie die Luftangriffe verstärkt fortsetzten. Da hier keinerlei militärische Notwendigkeit zugrunde lag, war die mutwillige Zerstörung der deutschen Städte wohl Ausdruck imperialistischer Kriegführung.
Den alleinigen Sieg der Roten Armee über Deutschland zu verhindern und den Einflussbereich der Sowjetunion als Siegermacht einzuschränken, war hier sicher das einzige Ziel der Alliierten.
Doch die Sieger des Zweiten Weltkrieges waren vor allem die freiheitsliebenden Völker.
Jetzt galt es einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen, die Schuldigen an der Entfesselung des Krieges zu bestrafen, ihnen alle politischen und wirtschaftlichen Machtmittel zu nehmen und eine wahrhaft demokratische Ordnung in ganz Deutschland zu errichten.
Am 11. Juni 1945, nur einen Monat nach Beendigung der Kampfhandlungen, trat die KPD als erste deutsche Partei mit einem Aufruf vor das ganze deutsche Volk.
Bittere Wahrheiten enthielt dieser Aufruf, aber sie mussten ausgesprochen werden.
Es wäre zu einfach gewesen, Hitler als größenwahnsinnigen Welteroberer allein für den Krieg verantwortlich zu machen.
Eindringlich bewies die KPD, dass die Hauptschuldigen für die gewissenlosen Abenteuer und Verbrechen des Hitlerkrieges die imperialistischen Auftraggeber der Nazipartei, die Herren der Großbanken und Konzerne sowie die Träger des Militarismus waren.
In zehn Punkten formulierte sie die vordringlichsten Aufgaben des demokratischen Neuaufbaus.
Zu ihnen gehörten die vollständige Beseitigung der Überreste des Hitlerregimes, die Säuberung aller öffentlichen Ämter von faschistisch gesinnten Personen, die Aufteilung des Großgrundbesitzes, die Enteignung der Kriegsverbrecher und aktiven Nazis sowie eine demokratische Schulreform.
Der Aufruf der KPD fand bei den Werktätigen in ganz Deutschland große Zustimmung.
Das Volk hatte erkannt, dass der Spaltung der Arbeiterklasse ein Ende gesetzt werden musste.
Im Potsdamer Abkommen wurde dem deutschen Volk das Recht zugesichert sein Leben in einem einheitlichen demokratischen Deutschland zu gestalten.
Doch sehr bald zeigte sich ein wesentlicher Unterschied zwischen dem von der Sowjetunion verwalteten Teil Deutschlands und jenen Gebieten, die von den Westmächten besetzt waren.
Adenauer hatte bereits im Herbst 1945 den Westmächten vorgeschlagen: „Das beste wäre, sofort aus den drei westlichen Zonen einen Bundesstaat zu machen.“
Als Befürworter dieses Vorschlages legten die Besatzungsbehörden den demokratischen Kräften im Westen Deutschlands jegliche Hindernisse in den Weg und missachteten die Grundsätze des Potsdamer Abkommens.
Dagegen schützten sie die Monopolkapitalisten und Junker sowie die faschistischen Generale vor dem gerechten Zorn des Volkes.
In einem Drittel Deutschlands aber wurde durch die Führung der geeinten Arbeiterklasse gegen das Monopolkapital ein neues und das bis dahin schönste Kapitel deutscher Geschichte geschrieben.
Die Menschen dieses Landesteils entfernten die reaktionären Kräfte aus den Verwaltungsorganen, nahmen selbst das Steuer des politischen Lebens in die Hand und schufen so die Grundlagen für einen demokratischen Volksstaat.
In den Tagen der größten Not, als es nach dem Krieg an allem, an Lebensmitteln, Wasser, Strom und Feuerung mangelte, gingen sie an das Werk, das Leben unseres Volkes neu zu gestalten, um uns eine schöne, friedliche Zukunft zu schaffen.
Meist hatten sie keine Erfahrung in der Verwaltungsarbeit, dafür aber den festen Willen, gemeinsam mit dem Volk diesen neuen Staat zu regieren.
Mithilfe der Arbeiterklasse und der neuen Verwaltungsorgane machten die Bauern und Landarbeiter mit einem jahrhundertealten Unrecht Schluss.
Sie verjagten die alten Militaristen und Ostlandritter von den Gütern und teilten den einst den Bauern geraubten Boden unter jenen auf, die ihn selbst bearbeiten.
Über 330 000 Landarbeiter, Bauern und Umsiedler erhielten mehr als 2 Millionen Hektar Land. Eine Hochburg des deutschen Imperialismus und Militarismus wurde im Osten Deutschlands damit beseitigt.
Noch größere Bedeutung hatte die Enteignung der Monopolkapitalisten und die Schaffung der volkseigenen Betriebe.
Der erste Schritt hierzu war, wie bereits erwähnt, die Entfernung der aktiven Faschisten aus den Betriebsleitungen und die Errichtung einer Arbeiterkontrolle.
Durch diese revolutionäre Aktion wurde das Prinzip „Was des Volkes Hände schaffen, soll des Volkes Eigen sein“ zur Wirklichkeit.
Als einige reaktionäre Politiker der CDU und der LDP im Auftrag des Monopolkapitals 1947 die Rückgabe der Betriebe an die ehemaligen Unternehmer forderten, stellten sich die Arbeiter in Sachsen auf machtvollen Kundgebungen schützend vor das Volkseigentum.
Die reaktionären Kräfte kamen nicht zum Zuge.
Auch in den Westzonen forderten die Volksmassen nachdrücklich eine Entmachtung der Schuldigen des Krieges.
Die Bauern und Landarbeiter verlangten die Verkündung der Bodenreform. In Hessen entschieden sich ähnlich wie in Sachsen weit über zwei Drittel aller Wähler für die Enteignung des Monopolkapitals.
Auch in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und anderen Teilen Westdeutschlands mussten die Landtage den Forderungen der Werktätigen nachkommen und Gesetze über die Enteignung der Monopolkapitalisten und Großgrundbesitzer annehmen.
Die Arbeiter an Ruhr und Rhein, in Hamburg und in Bayern setzten einige demokratische Rechte durch. Doch die Kraft der Arbeiterklasse und der anderen Demokraten reichte nicht aus, um die gemeinsame Front der deutschen Reaktion und ihrer ausländischen Bundesgenossen – der imperialistischen Besatzungsmächte – zu durchbrechen.
Durch die antikommunistische Führung wurde der Kampf gegen Imperialismus und Militarismus gelähmt und somit wurde es auch wieder möglich, alle entscheidenden Positionen mit volksfeindlichen Monopolkapitalisten, Hitlergeneralen, Nazidiplomaten und Blutrichtern zu besetzen. Um zu verhindern, dass die antifaschistisch-demokratische Umwälzung auch auf die Westzonen übergriff, schritten die reaktionären Kräfte der Bourgeoisie mithilfe der imperialistischen Besatzungsmächte zur Spaltung Deutschlands.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 140
ISBN: 978-3-95840-136-5
Erscheinungsdatum: 29.06.2016
EUR 14,90
EUR 8,99

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