Geschichte & Biografie

Vom Kriegskind zum Weltenbummler

Hans Aschenbrenner

Vom Kriegskind zum Weltenbummler

70 Jahre mit dem Rucksack unterwegs

Leseprobe:

GERADE AUF DER WELT – SCHON AUF DER FLUCHT


An dem Nachmittag jenes 11. Februar 1941 trat ich in eine Welt, in der die Menschen dabei waren, sich gegenseitig umzubringen. Zu der Zeit lief gerade die große Aussiedlungswelle der Deutschen aus Rumänien. Mit dieser Aussiedlung der Banater Schwaben, der Siebenbürgener Sachsen und der Deutschen aus dem Buchenland war die 800-jährige Geschichte der Deutschen in Rumänien zu Ende. Mutter war kurz vor meiner Geburt vom Aussiedlungslager in das Wohlauer Krankenhaus verlegt worden. Vater war schon am Vormittag da gewesen und hatte Mutter, zur Verwunderung der Schwester, einen großen Strauß Blumen überreicht. Was sie nicht wissen konnte: Die Blumen galten nicht mir, sondern Mutter, die an dem gleichen Tag Geburtstag hatte.
Meine Eltern waren sich einig. Falls ich ein Junge würde, sollte ich Gerhard heißen. Als Vater am Nachmittag von meiner Geburt erfuhr, führte sein erster Weg in die Kneipe, denn so ein Ereignis musste ordentlich begossen werden. Als er sich endlich dazu entschloss, mich zu begutachten, war er im doppelten Sinne nicht mehr alleine. Er brachte einen Herrn in schwarzer Uniform mit an unser Bett, einen Obersturmbannführer Namens Hans. Das war der erste Besucher in meinem Leben, aber es sollte noch schlimmer kommen. Nachdem die beiden mit mir einverstanden waren, hatten sie wiederum einen Grund, das Ereignis weiter zu feiern. In dem Zusammenhang hatte mein Vater wohl versprochen, mir den schönen Namen „Hans“ zu verpassen. Somit war der von Mutter vorgeschlagene Name „Gerhard“ ab sofort gestrichen.
Vater war ein sehr unpolitischer Mensch. Er hatte keinerlei Berührungsängste. Ihm war quasi jeder recht. Hauptsache der andere war gesellig und man konnte mit ihm ein anständiges Glas leeren. Als Finanzbeamter war er viel in den Ostgebieten unterwegs und so wurde er von Schlesien nach Löbau in Westpreußen versetzt.
An meinem dritten Geburtstag ging ich dort in den Kindergarten und bekam bereits zwei Mal in der Woche politischen Unterricht – wieder durch einen Mann in schwarzer Uniform. Mein polnisches Kindermädchen holte mich immer vom Kindergarten ab. Einmal ging es noch schnell zu Hause bei seiner Familie vorbei, um mir ein kleines selbst geschnitztes Holzspielzeug zu schenken. Ich war viel und gerne mit Swetlana zusammen. Sie war gerade einmal 17 Jahre alt und passte auf mich auf, denn meine Eltern waren auch abends häufig unterwegs.
Im Sommer musste Vater an die Front. Ich war nun mit Mutter und Swetlana alleine. Nicht lang vor meinem vierten Geburtstag merkte ich, dass Mutter immer unruhiger wurde und sie begann, Sachen einzupacken. In der ganzen Stadt herrschte große Aufregung. Alle Leute verstauten ihr Hab und Gut auf Pferdewagen und redeten davon, dass der Russe käme. Der Russe sei durchgebrochen! Auch Mutter und ich brachen auf und gingen mit zwei Koffern zum Bahnhof. Unendlich viele Menschen versuchten, sich in die Züge zu drängeln. Uns blieb nach Stunden des Wartens bei extremer Kälte von mehr als -25 Grad Celsius nur ein Platz in einem zugigen Güterwaggon.
Endlich setzte sich der Zug in Bewegung. Der eisige Fahrtwind pfiff durch die vielen Ritzen des Waggons und ließ uns innerhalb von Minuten vor Kälte erstarren. Mutter hatte Angst, dass ich erfrieren könnte, und drückte mich unter ihrem Mantel dicht an sich. Mit jeder Station stieg die Zahl der Erfrorenen, die einfach hinausgelegt wurden. Meist waren es Kinder und alte Leute. Die frei gewordenen Plätze wurden sofort von anderen Flüchtlingen eingenommen. Neben uns lag ein Mann mit einem dicken Mantel. Auch er lebte nicht mehr. Mutter rollte ihn aus dem Mantel und schlang diesen um mich. Ihre Sorge um mich wurde immer größer. Beim nächsten Halt sprang sie aus dem Waggon und lief mit mir auf dem Arm nach vorne zur Lokomotive, um diese zu erklimmen und in die Wärme zu kommen. Lockführer und Heizer versuchten gemeinsam, uns von der Lok zu treten. Doch Mutter kämpfte wie eine Löwin und gab nicht auf. So schafften wir es gerade noch und kauerten uns in der Lok in eine Ecke.
Wir glaubten schon, es endlich geschafft zu haben, als nur wenige Kilometer weiter russische Tiefflieger den Zug angriffen. Sie überflogen ihn von hinten nach vorne und durchlöcherten die Waggons mit ihren Maschinengewehr-Garben. Auch die Lok wurde getroffen. Glücklicherweise explodierte sie nur im vorderen Teil. Mutter kletterte schnell mit mir aus der Lok und lief zurück zu unserem Waggon. Der weiße Schnee um den Zug herum färbte sich schon rot vom Blut der Getroffenen. Viele Verwundete schrien vor Schmerz und flehten um Hilfe. Unsere Koffer waren noch in dem Waggon zwischen Toten und Verletzten. Einer war durchlöchert, der andere war heil geblieben. Mit dem Kopftuch einer toten Frau putzte Mutter das Blut ab. Mit denjenigen, die noch in der Lage waren zu laufen, machten wir uns zu Fuß durch den hohen Schnee auf den Weg, immer entlang des Schienenstrangs Richtung Westen.
An einer Stelle, an der die Schienen durch einen Wald verliefen, umringten uns plötzlich bewaffnete junge Frauen. Es war ein Überfall der sogenannten „polnischen Flintenweiber“. Sie rissen Mutter den Koffer aus der Hand, in dem sich noch zwei lebenswichtige Töpfe mit Schmalz befanden. Dann zerrten sie ihr den Mantel und den Pullover vom Leib. Ich klammerte mich schreiend an meine Mutter, woraufhin mir eine der Frauen ihren Gewehrkolben mit voller Wucht ins Gesicht schlug. Sie schlugen auch Mutter und wir blieben liegen, bis die Frauen verschwanden. Halb erfroren schleppten wir uns weiter und hatten Glück. Außerhalb des Waldes fanden wir mehrere zerschossene Pferdewagen. Menschen und Pferde lagen tot im Schnee. Mutter suchte gezielt nach warmer Kleidung und zog sie den Toten aus. In den Wagen suchte sie nach Essbarem und fand etwas Brot.
Wir machten uns wieder auf den Weg an den Schienen entlang. Aus einem kleinen Wald stieg schwarzer Rauch auf. Ich machte Mutter darauf aufmerksam. Als wir näherkamen, sahen wir mehrere Geschütze und zwei brennende Militärfahrzeuge. Die Körper vieler Soldaten lagen verstreut umher und waren zum Teil durch die Granateneinschläge schrecklich entstellt. Es waren Deutsche. „Die Russen sind jetzt vor uns, sie haben einen Kessel gebildet“, sagte Mutter. Das mit dem Kessel hatte ich nicht verstanden, doch dass die Russen nahe waren, erlebten wir schon bald. Wir kamen an eine Weiche. An dieser Stelle standen zwei junge russische Soldaten auf Posten. Sie ließen die vorderen Flüchtlinge nicht weiter geradeaus gehen, sondern nötigten sie, dem nach links führenden Schienenstrang zu folgen. Ein älterer Mann gehorchte den Befehlen nicht sofort, sondern bewegte sich noch ein Stück auf die Russen zu. Als er auf den Zuruf „Stoi“ nicht sofort reagierte, hob einer der Russen seine Kalaschnikow und der Mann stürzte nach einem kurzen Feuerstoß in den Schnee.
Inzwischen waren wir so weit heran, dass eine der ausgeworfenen Patronenhülsen unweit von mir zu Boden fiel. Die glänzende Messinghülse fand gleich mein Interesse. Ich griff danach und verbrannte mir die Finger. Weinend nahm mich Mutter auf den Arm und ging auf die beiden Russen zu. Wieder kam die Aufforderung „Stoi“ und mit der Maschinenpistole wurde uns der Weg nach links gewiesen. In diesem Moment geschah etwas, das unser beider Leben rettete. Mutter hatte mit Vater längere Zeit in der Hauptstadt des Buchenlandes Czernowitz gelebt und dort im Schmelztiegel vieler Völker auch etwas Russisch gelernt. Sicher nicht so gut wie Vater, der sogar einige russische Dialekte beherrschte, aber immerhin konnte sie die beiden russischen Posten auf Russisch ansprechen und sie bitten, ihren Weg geradeaus weiter fortführen zu dürfen. Erst waren sie nicht einverstanden, doch dann besprachen sie sich für einen Moment und wir durften weitergehen.
Was wir dann sehen mussten, hat sich tief in meine junge Seele gebrannt. Bis dahin hatte ich schon genug Grausamkeiten erleben müssen, doch das war ein an Unmenschlichkeit und Grausamkeit kaum zu überbietendes Ereignis. Der linke Schienenstrang, dem die Flüchtlinge auf Befehl der russischen Posten folgen mussten, machte hinter einem Wald einen Bogen nach rechts. Von dort hörten wir Schreie von Menschen, die sich in allerhöchster Not befinden mussten. Da wir geradeaus weitergingen, konnten wir nach einer Weile sehen, was sich hinter dem Wald abspielte. Viele bewaffnete Frauen und Männer nahmen einen Flüchtling nach dem anderen in Empfang.
Mutter hatte von den Russen aufgeschnappt, dass sie polnische Partisanen waren. Diese nahmen bittere Rache an der deutschen Zivilbevölkerung. Wer nicht das Glück hatte, gleich von ihnen erschossen zu werden, wurde auf unvorstellbare Art zu Tode gequält. Wir sahen Menschen, alte Männer, Frauen, sogar Kinder, mit dem Kopf nach unten an Bäumen hängen. Wir sahen Menschen, die mit Benzin übergossen worden waren und als lebende Fackeln schreiend in den Wald liefen. Ich sah auch viele nackte Menschen, die von mehreren Partisanen einfach zu Tode geprügelt wurden. Mutter nahm mich auf den Arm und mit der Kraft der Verzweiflung lief sie so schnell weiter, wie es nur ging. Nach einer Weile wurde der Schienenstrang auf der rechten Seite von einer Landstraße begleitet. Der Kutscher eines Pferdefuhrwerks hatte Mitleid und wir durften aufsteigen. Es ging weiter Richtung Westen.

Inzwischen waren wir in Pommern angekommen und sahen keine Russen mehr. Links und rechts der Straße lagen viele Fahrzeuge, die den Tieffliegern zum Opfer gefallen waren. Neben deutschen Militärfahrzeugen waren es meist Pferdewagen von Flüchtlingen, die tot auf oder neben den Wagen lagen. Überall kämpften die Davongekommenen ums Überleben. Sie durchsuchten die Wagen systematisch nach Essbarem. Den Toten wurden wärmende Kleider ausgezogen. Pferden wurde das gefrorene Fleisch herausgeschnitten. Es herrschte ein heilloses Durcheinander, die gesamte Zivilisation befand sich in Auflösung. Man wusste nie, wo sich die Front gerade befand. Ob die Russen nun vor oder hinter uns waren, konnten wir nur anhand der unverkennbar hässlich pfeifenden Schüsse eines russischen Geschützes vermuten.
Mit einem Dutzend anderer Flüchtlinge waren wir mitten in die Kampfhandlungen geraten. Plötzlich ertönte ein lautes Dröhnen hinter uns auf der Landstraße. Mutter sprang sofort mit mir vom Wagen und wir versteckten uns hinter einer umgestürzten Kutsche. Als das Dröhnen näherkam, sahen wir, dass es Panzer waren. Wir vielleicht vier oder fünf, mehr waren nicht übrig geblieben, blieben aber im Versteck. Die Panzer kamen nur sehr langsam voran, weil die Straße verstopft war, mit Flüchtlingen und Pferdewagen, umgestürzten Militärfahrzeugen, zerschossenem Militärgerät und zu Fuß flüchtenden Menschen. Mutter sah wieder ihre Chance und lief auf den ersten Panzer zu. Direkt davor blieb sie mit mir auf dem Arm stehen und bat weinend, mitgenommen zu werden. Die Luke oben ging auf und ein Mann in schwarzer Uniform sagte uns, dass es grundsätzlich nicht zulässig sei, Zivilpersonen in den Militärfahrzeugen mitzunehmen. Mutter gab wieder nicht auf. Sie weinte, jammerte und klagte. Sie forderte den Panzerkommandanten auf, uns doch zu überrollen.
Da geschah ein Wunder. Der Panzerkommandant rief Mutter an den Panzer heran und zog uns hoch. Wir waren tatsächlich im Inneren des Panzers. Die Männer der Besatzung waren alle sehr jung, nur der Panzerkommandant war etwas älter. Er nahm mich nach einer Weile auf den Schoß, streichelte mich und sagte zu Mutter, dass ich seinem Jungen, den er wohl nie wiedersehen würde, sehr ähnlich sähe. Das wäre der Grund gewesen, uns gegen den geltenden Befehl mitzunehmen.
Wir waren noch nicht sehr lange unterwegs, da hörten wir plötzlich ein Pfeifen in der Luft. Eine Granate explodierte unweit unseres Panzers. Mutter und ich mussten ihn sofort verlassen.
Wir befanden uns in einem Dorf. Mutter sprach wieder von einem Kessel. Die Russen hatten einen Ring um das Dorf gezogen und wir saßen alle in der Falle. Die Panzer verließen die Dorfstraße und versuchten, sich zu verteilen. Unterdessen lagen wir im Dorf unter einem ohrenbetäubenden Granathagel der Russen. Mutter und ich verkrochen uns unter die Laderampe einer Molkerei. Doch als eine Granate dicht bei uns einschlug, flog ich vom Luftdruck wie ein Federball einige Meter durch die Luft. Mir passierte nichts und Gott sei Dank Mutter auch nicht. Langsam wurde der Gefechtslärm leiser. Wir hörten einige Explosionen, dann war es einen Moment lang gespenstisch ruhig, bis plötzlich im Dorf Geschrei auf Russisch zu hören war. Nach einer Weile sahen wir einige Russen fünf bis acht sehr junge Soldaten in der schwarzen Uniform der Panzer-SS mit Tritten und Schlägen vor sich hertreiben. Unser Panzerkommandant war nicht dabei. Dann spürten sie auch uns Flüchtlinge auf und wir mussten mit. Am Dorfrand hielten wir an.
Es näherten sich einige russische Mannschaftswagen und ein Jeep. Von den Mannschaftswagen wurden Spaten und Spitzhacken heruntergereicht. Die Jungen in der Panzeruniform wurden gezwungen, in dem gefrorenen Boden mit Spitzhacke und Spaten ihr eigenes Grab zu schaufeln. Dabei wurden sie mit Tritten und Schlägen zur Eile angetrieben. Nachdem die Grube tief genug war, mussten die Jungen vor ihrem Grab Aufstellung nehmen. Einige kurze Feuerstöße aus der Maschinenpistole beendeten ihre Leben. Dieses Mal ließ ich jedoch die Finger von den herausfliegenden Patronenhülsen. Nun waren Mutter und die anderen Flüchtlinge an der Reihe, die Gräber zuzuschaufeln. Währenddessen griffen sich die zum Teil angetrunkenen Russen Frauen jeden Alters aus der Gruppe heraus und verschwanden mit ihnen in einer nahen Scheune. Von dort schallte das Geschrei der vergewaltigten Frauen herüber.
Als Mutter sah, was auf sie zukommen würde, nahm sie mich auf den Arm, lief zum Jeep des Kommandanten und bat ihn um Hilfe. Der fragte als Erstes, woher sie stamme und warum sie russisch könne. Als sie ihm ihre Geschichte erzählt hatte, kam er auf die Idee, dass sie, wenn sie russisch sprechen könnte, ja auch wohl russisch kochen könnte. Sofort zählte sie einige Rezepte auf, wie Borschtsch, Piroggen, Blinis und vieles mehr. Daraufhin verpflichtete er sie als Köchin für die russische Offiziersmesse, da seine Einheit noch einige Zeit in Pommern bleiben sollte. Damit war Mutter vor den Übergriffen der russischen Soldaten zunächst einmal gerettet.

Nachdem uns die Front nun endgültig überrollt hatte und Mutter in der russischen Küche arbeitete, hatte ich im Gegensatz zu vielen Flüchtlingskindern, die ihre Eltern verloren hatten, wenigstens etwas zu essen. Mit diesen „Wolfskindern“ war ich Tag und Nacht unterwegs. Sie kämpften sehr hart ums Überleben und hatten einen besonderen Instinkt entwickelt, auch noch das allerletzte Kaninchen oder Huhn, das im Dorf versteckt war, zu finden. Nachts ging es häufig auf Beutezug, tagsüber suchten wir nach Munition, vorrangig nach Handgranaten, die wir dann in den Teichen oder im Fluss zur Explosion brachten, was die Fische mit geplatzter Schwimmblase an die Oberfläche trieb. Eins meiner Lieblingsspiele in dieser Zeit war das von den Russen abgeschaute „Frau komm“. Sobald ein kleines Mädchen in der Nähe war, wurde es an der Hand geschnappt, weggezogen und mit dem Ruf „Frau komm“ umgestoßen. Ich schmiss mich dann brüllend auf das Mädel. Es musste quieken wie am Spieß, sonst hatte es vom Spiel keine Ahnung und wurde geärgert, bis es schrie oder weinte.

Eines Tages hatte ich eine Pistole gefunden und wir Kinder begutachteten das interessante Stück von allen Seiten. Die Älteren kannten sich mit Waffen aus, nahmen das Magazin heraus und sahen, dass keine Kugel mehr darin war. Also bekam ich die Pistole zurück. In der Meinung, dass keine Patrone mehr in der Waffe wäre, zog ich den Abzug einmal durch. Ein fürchterlicher Knall! Die Waffe flog mir aus der Hand und der mir gegenüber stehende Junge sprang schreiend auf einem Bein herum. Ich hatte ihm den kleinen Zeh abgeschossen. Wir hatten leider nicht bedacht, dass immer noch eine Kugel im Lauf stecken kann, was dazu führte, dass der kleine Junge sein Leben lang auf seinen kleinen Zeh verzichten musste.

Mutter hatte unterdessen über ihre Beziehungen zu den russischen Offizieren versucht herauszufinden, was mit Vater passiert war. Irgendwie erfuhr sie, dass er bald in Gefangenschaft geraten war. Aufgrund seiner Russischkenntnisse konnte er als Dolmetscher eine russische Pioniereinheit begleiten, um den ehemals deutschen Eigentümern die Forderungen der Russen bei der Demontage von Fabriken und Werken im Zuge der Reparationsleistungen zu übersetzen. Nach ein paar Wochen bekamen wir endlich Bescheid, dass er in Kühlungsborn an der Ostsee für die russischen Demontagetruppen als Dolmetscher arbeitete. Nachdem Berlin gefallen war und Deutschland kapitulierte, durfte Mutter mit mir nach Kühlungsborn, wo wir Vater im ständigen Einsatz fanden. Wir wohnten in einer wunderschönen, alten Villa in der ostsee-typischen Bäderarchitektur mit einer russischen Offiziersfamilie zusammen. Deren Sohn Wowo war genauso alt wie ich und wir freundeten uns schnell an. Nach kurzer Zeit lernte ich russisch und hatte auch erwachsene Freunde unter den Soldaten, für die Vater arbeitete.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 506
ISBN: 978-3-95840-553-0
Erscheinungsdatum: 11.12.2017
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