Cover: Unwahrscheinlich

Unwahrscheinlich
Teil 1


EUR 22,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 396
ISBN: 978-3-7116-1352-3
Erscheinungsdatum: 03.02.2026
Unwahrscheinlich, aber wahr. Fritz Witthaus nimmt uns mit auf seine persönlichen Erlebnisse in den Jahren 1916 bis 1935. Eine Geschichte über Liebe, Mut, Humor und Zielstrebigkeit trotz Kriegserlebnissen, Hungersnöten, Geldentwertung und Regierungswechseln.
Prolog
Spanien, 2. Januar 2022


„Guten Morgen, Mutti!“ Hmm, das hat sie nicht gehört, denke ich. Sie liegt mal wieder auf ihrem guten Ohr. Das liegt sicher daran, dass sie beim Liegen auf der anderen Seite Schulterschmerzen hat. Na gut, bereite ich erst einmal das Frühstück vor.

Es ist 9:00 Uhr und die Handwerker wollen um 9:30 Uhr hier sein. Und, ja, in Spanien sein bedeutet, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass sie heute im Laufe des Tages irgendwann auftauchen werden.

Während ich die langsamste Kaffeemaschine der Welt mit Wasser, Filter und Kaffee bestücke, schaue ich kurz aus dem Küchenfenster. Immerhin, keine Wolken und kein Nebel zu sehen. Es sieht sehr sonnig aus, die Palmen im Garten bewegen sich kaum. Windstill ist es also auch noch bei derzeit 11 Grad Celsius. Winter in Spanien ist hart.

Auf dem grünen Plastik-Terrassentisch vor dem Küchenfenster liegt Tiger. Er ist der sanftmütigste getigerte Kater, den ich je kennenlernen durfte. Nur bei gekochtem Schinken dreht er etwas durch. Da wird der Küchentisch zu seinem Jagdrevier. Deswegen habe ich ihm gerade beigebracht, dass man den toll auf dem Boden essen kann. Aber ich gebe mich keinen Illusionen hin. Sobald ich wieder zu Hause in Deutschland bin, wird meine Mutter ihm das sofort wieder abgewöhnen.

Die Sonne hat mittlerweile den Morgentau fast schon vom Tisch getrocknet.

Höchste Zeit, dass ich wieder die 20 Schritte ins Schlafzimmer zurücklege – lauter jetzt: „GUTEN MORGEN, MUTTI!“ – Keine Regung. Also gehe ich um das große Bett herum, vielleicht klappt es von hier in der Nähe des Kopfes. „GUTEN MORGEN, MUTTI!“. Wo ist ein Presslufthammer, wenn man ihn braucht? Wieder nichts. Ich beschließe, Mutti noch ein paar Minuten zu geben. Vielleicht hat sie nachts mal wieder schlecht geschlafen und holt das jetzt nach.

Wieder in der Küche nehme ich mir 4 frische Orangen – die kommen hier direkt von den Bäumen ohne den Umweg über den Supermarkt. Ich presse daraus 2 Gläser – vielleicht dringt diese Lärmfrequenz ja zu meiner Mutti durch. Ich bin jetzt froh, dass meine Frau darauf bestanden hatte, ihr als Geschenk eine elektrische Saftpresse mitzubringen. Sonst wäre mein rechter Arm jetzt nach den knapp 100 gepressten Orangen der letzten drei Wochen wohl entzündet. Oder doppelt so dick wie der linke. Oder es hätte keinen frisch gepressten Saft gegeben. Unweigerlich sinniere ich vor mich hin, denn meine Gemütslage ist zurzeit so: Vor ein paar Jahren hätte meine Mutter sich noch hingesetzt und uns von Hand ein paar Orangen ausgepresst.

9:15 Uhr – Zeit, mich wieder auf den Weg durch den langgezogenen Flur zu machen. Vorbei am Gästezimmer lande ich im Wohnzimmer und wende mich wieder nach rechts in das Schlafzimmer.

Noch lauter? „GUTEN MORGEN, MUTTI!“ Ich bewege mich um das Bett zum Kopfbereich und halte einen Moment inne. Selbst das Schlafen scheint anstrengend für sie zu sein. Bei jedem Atemzug gibt es kurz vor dem Einatmen eine kleine Pause. Dann ein angestrengtes Einsaugen der Luft. Im Anschluss blasen sich ihre Wangen auf und die Luft kommt mit etwas Geräusch wieder hinaus. Ok, ich eskaliere jetzt und fasse sie so sanft ich kann an der Schulter an. Da diese Bewegung sanft ist, kommt mein neuerliches Guten Morgen viel geräuscharmer, als ich wollte. Der Effekt ist grandios. Es passiert wieder absolut nichts. Die Atmung läuft weiter.

Da schleicht sich eine Erinnerung an. Wie war das noch bei meiner Ex-Schwiegeroma? Sie schlief ein und war von uns aus dem Schlaf nicht mehr herauszubringen. Im Krankenhaus stellte man dann fest, dass ein Blutgefäß im Kopf geplatzt war. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits hirntot. Sie schlief zwar noch einen halben Tag weiter, aber dann verstarb sie. Ich spüre eine kurze Panik in meinem Herzen und reagiere erst einmal komplett irrational auf diesen Gedanken. Ich gehe zurück in die Küche.

Ich mixe mir die Zutaten für mein Müsli in eine Schüssel und nehme die rote Grütze und die Milch aus dem Kühlschrank. Ausgewogene Ernährung gibt es für Mutti nicht, jeden Morgen Grütze mit Milch. Ich stelle alles auf den Küchentisch. Da ist gerade noch genug Platz neben den ausgebreiteten Orangen und Zitronen. Und das an einem Tisch, wo locker 5 bis 6 Personen Platz finden können.

Schon nach 9:20 Uhr. Jetzt ist es soweit. Ich muss meine Mutter wachbekommen, egal wie. Als ich wieder am Bett stehe, sehe ich, wie sich ihre Augen unter ihren Lidern relativ hektisch bewegen. Das scheint ein aufregender Traum zu sein. Sofort nehme ich das als gutes Zeichen. Verscheuche die Erinnerungen an Ex-Schwiegeroma. Hirntote träumen nicht, oder? Ich versuche es mit etwas stärkerem Rütteln an der Schulter, ich streiche sanft durchs Gesicht. Noch einmal: „Guten Morgen, Mutti“. Sie öffnet mühsam die Augen, aber lächelt mich tapfer an. Sie sagt: „Guten Morgen, ich habe geträumt“. Ich sage ihr, dass es schon 9:25 Uhr ist. Und dass ich Schwierigkeiten hatte, sie wachzubekommen.

Ich schaue aus dem Fenster und sehe, wie der Elektriker gerade den Behelfsmaschendraht am Eingangstor entfernt. Das ursprüngliche Tor wurde bereits entfernt, aber das neue wurde noch nicht geliefert. Als ich das alte Tor an eine Palme gelehnt stehen sah, hatte ich gleich ein Bild im Kopf. Die weite Öffnung des Tores ohne Tür ist meine Öffnung zur Geschichte meines Großvaters.

Wenigstens ist der Elektriker nun hier und er ist der einzige Handwerker hier, der wirklich meistens pünktlich ist. Ich schaue meine Mutter an und teile ihr mit lauter Stimme die Ankunft des Elektrikers mit. Sie nickt, dass sie verstanden hat, und schließt dann noch einmal die Augen. Ich gehe hinaus, um ihn zu begrüßen.

Eine Viertelstunde später hat meine Mutter ihr Morgenprogramm mit viel Ächzen und dem leichten Stöhnen, welches jeden ihrer Schritte begleitet, beendet. Der Elektriker hat heute draußen zu tun, seit Jahren hatten wir davon gesprochen, ein neues elektrisches Tor für das Grundstück zu installieren. Meine Mutter hat lange Widerstand geleistet gegen diese Idee aufgrund der schlechten Erfahrungen, die sie in den ersten Jahren hier vor über 20 Jahren mit der Elektrik gemacht hatte. Aufgrund ihrer nun extremen Gehbehinderung hat sie endlich eingewilligt in das Projekt. Es wurde einfach zu mühsam, vor jeder Autofahrt zum schweren Eisentor zu laufen und es zu öffnen. Dann zurück zum Auto, hinausfahren, aussteigen, das Tor wieder schließen und losfahren.

Ich nutze meine Arbeitslosigkeit, um ihr für dieses Projekt zur Seite zu stehen.

Meine Mutter kommt mit dem Rollator, ihren 2 Gehstöcken, ihrem Telefon in die Küche und setzt sich auf ihren Platz. Tiger ist schon vor einigen Minuten aufgetaucht. Dabei strich er erst um meine Beine. Dann eine gezielte Inspektion des Tisches, ob es wirklich wieder nur Müsli, rote Grütze und Kaffee gibt. Schließlich gibt er sich mit etwas Milch zufrieden und verlässt den Tisch wieder.

„Ich habe geträumt“, fängt meine Mutter das Gespräch an. „Ich war erst mit Blondie und Helle schwimmen und dann bin ich Rad gefahren. Ich musste Kohlen für mein Väterchen sammeln und hatte dann Schwierigkeiten, das alles auf dem Rad unterzubringen.“

Es durchzuckt mich: Ich bin schuld, dass sie so viel zu verarbeiten hat. Wir gehen nämlich seit Wochen Schrank für Schrank bei meiner Mutter durch. Und ich hatte keine Ahnung … Man sagt, dass Menschen entweder Sammler oder Jäger sind. Ich habe mich selbst immer als Sammler eingestuft. Aber was meine Mutter da als Lebenswerk zusammengesammelt hat, habe ich erst in den letzten 3 Monaten während meiner 3 Aufenthalte begriffen. Mir schwirrt der Kopf vor Geschichten und Bildern. Wie muss das für sie sein? Wie ist es, wenn man weiß, dass die eigene Lebenserwartung nicht mehr sehr hoch ist? Und wenn man dann sein Leben mit so vielen Belegen für die eigenen Erinnerungen Revue passieren lässt.

Ich frage sie, ob wir damit aufhören wollen, ob es sie belastet. Sie verneint das mit einem: „Ach Quatsch, warum denn. Ihr sollt es später, wenn mir etwas passiert, leichter haben.“

Das ist auch meine Mutter. Immer zuerst an andere denken und vor allem ihren Söhnen das Leben leicht machen.

Nach dem Frühstück fallen wir in unsere Routine am Morgen. Ich räume auf, Waschmaschine bestücken oder Geschirrspüler anstellen, Katzen füttern. Haushaltsaufgaben eben.

Das Ganze wird begleitet von deutschem Schlager. Das ist ihre Routine: aufs Sofa legen. Fernseher an. Videotext lesen – je nach Sender kann das dann belastend für meine Ohren werden. Dann umschalten auf den deutschen Schlagersender. Originalton meine Mutter: „Ist dieser Sender nicht toll, da ist den ganzen Tag Musik.“ Natürlich ist die Lautstärke etwas lauter gedreht, da ihre Ohren sehr enge Kanäle haben. Und derzeit verstopft sind. Aus Angst vor Corona war sie letztes Jahr nicht beim Arzt zum Durchspülen. Als Ergebnis kann ich jetzt Titel wie Schockverliebt oder 4:30 Uhr fast textsicher mitsingen, obwohl ich sonst andere Musik bevorzuge. Aber mir ist es wichtig, dass meine Mutter die Dinge tun kann, die ihr Spaß machen. Der Apfel ist wohl auch hier nicht weit vom Stamm gefallen.

Ich bin gespannt, was wir noch so in den Schränken finden werden. Mir sind jetzt schon die Augen geöffnet, wie unwahrscheinlich es vor über 100 Jahren war, dass wir beide einmal solche Tage gemeinsam verbringen können. Und ich lerne endlich, Erinnerung für Erinnerung, meinen Großvater kennen.

Fritz (Friedrich) Witthaus




Frankreich, 24. Mai 1915


Wir nähern uns der Front, eben haben wir einen ersten hässlichen braunen Krater im sonst so grünen, hügeligen Land passiert. Es ist diesig und es nieselt vor sich hin. Wir waren nach kurzem Ausruhen von der langen Zugfahrt noch im Dunkeln aufgebrochen um 5 Uhr.

Mein guter Kamerad Wolfgang Vogel läuft neben mir, die vorhin am Bahnhof so sorgsam polierten Schuhe bereits von schlammigen Flecken übersät.

Ich muss eingestehen: Er ist der Lustigste von uns, er kann jeder Situation eine komische Seite abgewinnen. Er hat hohe Wangenknochen und buschige Augenbrauen. Er ist der Meister im einseitigen Hochziehen von Augenbrauen und wendet diese Kunst mehrere Male pro Tag an. So werden simple Dinge oftmals komisch durch seine Mimik. Dazu passend verfügt er über funkelnde Augen. In seiner Schullaufbahn hat er dafür des Öfteren Schläge der Lehrer eingesteckt. Diese Schläge hat er uns gegenüber immer so gewertet, dass sein Witz überaus gelungen gewesen sein musste. Er nahm die Schläge als Auszeichnung.

Georg Kuhn, der Dritte in unserem Bunde, läuft vor mir. Das bedeutet, ich sehe nicht viel. Er ist der Sportler von uns. Muskulös und lang aufgeschossen überragt er uns um fast 20 Zentimeter mit seinen 1,87 m. Dunkelblondes Haar, weiche Gesichtszüge. Er war unser Frauenheld, bis er die Richtige traf. Nun ist er der einzige Verlobte in unserem Bunde.

Und dann bin da noch ich, der Bedachte, aber trotzdem durchaus in der Lage, witzig zu sein. Meist stolzer Blick, passabel aussehend und Ruhe ausstrahlend. Ich bin in der Lage, uns regelmäßig vor gefährlichen Dummheiten zu bewahren.

Wir haben gefühlt unser ganzes bisheriges Leben zusammen verbracht. Wir haben uns zwar erst auf der Schule kennengelernt, aber an davor habe ich sowieso wenig Erinnerung. Nun also werden wir gemeinsam den Krieg meistern, so haben wir es uns vor wenigen Tagen in unserer Stammkneipe geschworen.

Man hat uns gesagt, dass wir uns in der Gegend von Arras befinden, deutlich nördlich von Paris. Wir werden also leider nicht die Ersten auf der Champs-Elysée sein.

Ich spüre eine innere Anspannung. Vom Krieg zu reden und sich selbst zu beteiligen, sind wohl doch verschiedene Dinge.

Ein paar Reihen vor uns kommt Unruhe in die Kompanie und ich recke den Hals, um zu sehen, warum, aber meine 1,70 m reichen nicht. Unser Unteroffizier Carl von Niederburg erteilt den Befehl, rechts in den feuchten Graben zu treten. Wir wurden über die letzten Wochen so gut gedrillt, dass wir wie ein Mann die Aktion ausführen. Uns kommt ein Pferdewagen entgegen und ich höre menschliches Stöhnen. Da fährt auch schon der Lazarettwagen an uns vorbei. Zwei Pferde mühen sich auf dem schlammigen Untergrund, den Wagen in Bewegung zu halten.

Ich überlege noch, ob ich hinsehen sollte oder nicht. Da ist es schon zu spät und ich sehe einen Soldaten, dessen Bein am Knie in einem blutigen Verband endet. Für ihn ist der Krieg mit Sicherheit vorbei. Ich will trotzdem nicht mit ihm tauschen, nicht auf diese Weise. Ich bemerke, wie ich mir unwillkürlich mein Bein reibe. Nein, ich habe noch so viel vor. Ich will möglichst viel von der Welt sehen, eine gute Frau finden, Kinder haben und vielleicht doch noch studieren. Für all dieses brauche ich beide Beine. Mit 24 Jahren steht mir die Welt offen. Aber erst einmal müssen wir diesen Krieg gewinnen.

Da kommt der Befehl, wieder auf den Weg zu treten und den Marsch fortzusetzen. Ich konzentriere mich wieder darauf, in den Rhythmus unseres Marschierens zu fallen.
Mein Reserve-Bataillon gehört zum 55. Infanterie-Regiment, dem Westfälischen, und wir werden Stellung in der Nähe von Artois beziehen.

Da unser Militärdienst bereits zwei Jahre zurückgelegen hatte und wir alle unsere Familien bei der Landwirtschaft unterstützt haben, waren wir bei der Mobilmachung zunächst zu Übungen mit der Reserve im Vaterland geblieben. Jetzt aber sind wir nötig, um unseren Angriffen wieder neuen Schwung zu verleihen. Unsere Ausbilder haben uns mit glühenden Worten vorgeschwärmt, wie überlegen unser Mut und unsere Kampfkunst im Vergleich zu denen der Entente sind.

Nachdenklich machen mich jedoch die Nachrichten über Verletzungen oder gar Todesopfer von Verwandten im Bekanntenkreis daheim. Anfang August 1914 waren wir uns alle sicher, dass uns bald Paris gehören würde, spätestens aber zu Weihnachten. Ich weiß noch, wie Wolfgang und ich am 1. August letztes Jahr in unserer Schänke auf die Kriegserklärung angestoßen hatten. Ich erinnere mich auch an diese Mischung aus Stolz, Aufregung und etwas Angst. Angst jedoch darf man nie erkennen lassen als Ehrenmann und spätestens nach dem 2. Bier war sie sowieso verflogen.

So werde ich als guter deutscher Soldat meine Pflicht erfüllen. Unser Ausbilder hat es schließlich gesagt: Wir haben unsere Kampfkunst durch ausgeklügelte Taktik und verbesserte Waffen wie das Gewehr 98 erhöht. Der Druck des Schulterriemens auf meiner Schulter gibt mir neuen Schwung.

Wir passieren einen Verbandsplatz, der nur sehr wenige Verletzte beherbergt, und ich wende mich an Wolfgang: „Siehst du, so schlimm kann es nicht sein an der Front, sehr wenige Verletzte. Vor allem, wenn man bedenkt, dass hier Tausende von uns für den Sieg kämpfen.“ „Ja, Fritz“, antwortet mir Wolfgang, „aber ich will nicht wissen, wie das auf der anderen Seite aussieht.“ Dann grinst er.
„Aaachtung! Kompanie halt!“ Unsere Burg, wie wir beide heimlich unseren Kompanieanführer Carl von Niederburg nennen, gibt uns 10 Minuten Pause. Er werde jetzt unsere Einsatzbefehle erhalten. Zeit für eine Zigarette.

Wir nennen ihn Burg, weil er jede Übung besser als wir gemacht hat und in keiner Situation ins Schwanken gekommen ist während unserer Ausbildung. Aber eigentlich auch, weil er ein richtig kantiges Gesicht hat und die Lücken zwischen seinen Vorderzähnen an die Zinnen auf einer Burg erinnern.

Ich sehe mich um und bemerke weitere Krater in der Gegend. Weiter vorne stehen zwei Häuschen, auf die Burg nun zusteuert. Dann zieht er sich seine Uniform zurecht und verschwindet im ersten.

Es zieht wohl wieder Regen auf. Jedenfalls donnert es schon. „Artillerie“, flüstert Kamerad Georg vor sich hin. Kann das sein, denke ich. Klingt das so? Wie nahe sind wir an der Front? Wie wir wohl unsere Nächte verbringen werden? Nun, gleich wissen wir mehr, denn unsere Burg ist bereits auf dem Rückweg zu uns.

Er lässt sich wie immer wenig vom Gesicht ablesen und wir setzen uns wieder in Bewegung. Es fühlt sich an, als ob der Donner der Geschütze mit jedem Schritt etwas lauter wird. Diesen Lärm hatte ich mir nicht ausgemalt in meinen Vorstellungen von der Front.

Wenig später erreichen wir ein erstes Bataillon, das mit dem Ausheben eines Grabens beschäftigt ist. Wenn unser Weg schon von Matsch geprägt ist, so scheint das Graben hier eine echte Schlammschlacht zu sein. Die Artillerie legt gerade eine Pause ein. Mittlerweile hatten wir auch bemerkt, dass es sich um unsere eigene Artillerie gehandelt hat. Dafür hören wir jetzt Schüsse und Maschinengewehre.
...
5 Sterne
Realitätsnah und fesselnd - 01.05.2026
Simone

Absolut lesenswert, eine sehr emotionale Familiengeschichte, durch seinen Schreibstil erlebte ich die Geschichte hautnah, in freudiger Erwartung auf Teil 2.

Das könnte Ihnen auch gefallen :

Cover: Unwahrscheinlich

Chrissy Heart

Auf der Suche nach dem Inneren Halt

Buchbewertung:
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder