Geschichte & Biografie

Schicksal, schau mal

Gabriele Krebs

Schicksal, schau mal

Vier Sternenkinder und ein Max

Leseprobe:

Vorwort

Dieses Buch ist ein Teil meines Lebens.
Sie können nach Herzenslust darin stöbern. Wenn Ihnen ein Kapitel nicht gefällt, blättern Sie einfach weiter. Falls Sie Gefallen an einer Passage finden, lesen Sie sie gern noch einmal. Sie haben die Wahl. Ich hatte keine.
Meine Mutter war gerade 19 Jahre jung, als ich zur Welt kam. Sie hatte ihre eigenen Träume und Wünsche, die sie meinetwegen nicht leben konnte. Ich bekam ihre Enttäuschung darüber schmerzlich zu spüren. Die Prügel waren weniger schlimm als ihre Ablehnung.
Auf der Suche nach der großen Liebe habe ich mich oft verlaufen. Mein erster Freund hat nach meiner Entjungferung das blutige Laken wie eine Trophäe aus dem Fenster gehängt, weil ich für ihn nur ein Wetteinsatz war. Mein erster Ehemann hat mich geschlagen und vergewaltigt. Mit meinem zweiten Ehemann habe ich vier Totgeburten durchleben müssen.
Es gab viele Momente, in denen ich sterben wollte, weil der Schmerz über diese Enttäuschungen nicht auszuhalten war.
Ich konnte das Erlebte jahrelang nur verdrängen, aber immer öfter überwältigten mich die Bilder der Vergangenheit wie eine Lawine, die drohte, mich lebendig zu begraben.
Dabei lebte ich längst glücklich mit meinem kleinen, gesunden Max und meinem liebevollen Mann Piet zusammen. Mein sehnlichster Wunsch war in Erfüllung gegangen. Dennoch blieb ein Teil von mir traurig.
Heiligabend 2015 wurde mir nach einem langen Spaziergang klar, dass ich vor meinem Leben nicht weglaufen und nichts ungeschehen machen kann.

Schritt für Schritt bin ich nun meinen Lebensweg noch einmal gegangen. Habe in den tragischsten Momenten innegehalten, habe den seelischen und körperlichen Schmerz noch einmal durchlebt und dabei alles aufgeschrieben.
Ich möchte mit meiner Geschichte jedem Mut machen, der Ähnliches erlebt hat. Begleiten Sie mich auf dem Weg durch die berührendsten Momente meines Lebens.

Schicksal, schau mal … – vier Sternenkinder und ein Max

1990 – Robert – 36 Wochen alt, tot geboren
1992 – Benedikt – 34 Wochen alt, tot geboren
1994 – Florian – 32 Wochen alt, tot geboren
1996 – Thomas – 34 Wochen alt, tot geboren

2000 – Maximilian – 38 Wochen alt, geboren am 2.2.2000

***

9. Juni 2015 – Piets 58. Geburtstag

Mir läuft der Schweiß den Rücken runter. Seit sechs Uhr heute Morgen bin ich abwechselnd im Fernsehstudio und in der Vorbereitungshalle des Senders. Ich weiß nicht, warum ich unbedingt heute die neuen Schuhe anziehen musste. Manchmal ist Eitelkeit einfach blöd, denn nach vierzehn Stunden, die ich jetzt auf den Beinen bin, drücken sie fürchterlich. Eine längere Pause konnte ich zwischendurch nicht machen, denn die Kollegen der Planung hatten extrem viele und unterschiedliche Kerzen für die heutigen Sendungen ausgewählt. Ich war ohne Unterlass den ganzen Tag mit den unterschiedlichen Dekorationen beschäftigt.
„Gaby, kommst du bitte zum Verkabeln?“ Noch eine Viertelstunde bis zum Auftritt um zwanzig Uhr, und ich habe noch die letzten Dekos in Arbeit. „Ich komme sofort, Norbert! Lass mich schnell fertig dekorieren. Einverstanden?“ Norbert, unser Aufnahmeleiter, nickt verständnisvoll.
Hier noch ein Blümchen, da noch ein Stein. Fertig. Ich schiebe die Theke aus der Vorbereitungshalle ins Studio und hole mir bei Norbert mein Mikro ab. „Bist froh, wenn heute Feierabend ist, oder?“ Norbert verkabelt mich bei der Frage geschickt und flink. „Das sage ich dir. Zumal zu Hause schon die Gäste warten. Mein Mann hat heute Geburtstag!“ „Wie ich dich kenne, schaffst du das auch noch!“ Norbert lächelt mich an und entlässt mich nach einem prüfenden Blick auf das Mikro aus der Tonecke.
Die Uhr im Studio zeigt mir, dass ich noch genau fünf Minuten Zeit bis zur Sendung habe. Ich nehme meine beiden letzten dekorierten Kerzen-Arrangements von der Vorbereitungstheke und stelle sie auf den Wohnzimmertisch im Studio. Danach überprüfe ich, ob alle Kerzen brennen, lasse meinen Blick zufrieden über den Set schweifen und spüre plötzlich, wie das Lampenfieber mich packt.
Obwohl ich seit Jahren erfolgreich im Teleshopping arbeite, bin ich kurz vor den Sendungen noch immer aufgeregt. „Wird schon schiefgehen, Gaby“, denke ich mir und muss lächeln.
Einen kurzen Moment bin ich gedanklich bei Piet und wünsche mir, dass er auch ohne mich einen schönen Tag mit unserem Sohn hatte. Den Geburtstagstisch konnte ich morgens noch schnell eindecken. Ob ihm mein Geschenk gefallen hat? Den ganzen Tag hatte ich vor lauter Arbeit keine Zeit, ihn anzurufen. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Aber Piet weiß, dass ich heute viel zu tun habe.
„Wow, Gaby! Heute hast du dich aber wieder übertroffen! Der Set sieht fantastisch aus. Geht es dir gut?“ Meine Lieblingsmoderatorin Anna steht plötzlich im Studio vor mir und strahlt mich an.
„Natürlich geht es mir gut! Ich freue mich auf die Sendung mit dir. Außerdem hat mein Mann heute Geburtstag. Und wenn diese Stunde vorbei ist, geht es schnell nach Hause zur Feier! Die Gäste warten schon.“ Ich lache sie an.
Anna sieht mit ihren blonden Locken aus wie ein kleiner Rauschgoldengel, einfach bezaubernd. Unsere Maskenbildnerinnen verstehen ihr Handwerk. Im Studiolicht strahlen wir alle um die Wette, nachdem sie uns geschminkt haben. Obwohl Anna auch ohne Make-up wunderhübsch ist.
„Ich setze mich auf den linken Sessel, okay?“ Anna nimmt auf dem gemütlichen Sessel Platz und rückt ihre Unterlagen zurecht. „Wo du dich am wohlsten fühlst, da sitzt du!“, antworte ich charmant und setze mich auf den zweiten Sessel im Set. Vor uns beiden steht der Wohnzimmertisch mit den Produkten der Show. Die Kameramänner nehmen in diesem Moment ihre Position hinter der Kamera ein. Die beiden Requisiteure setzen sich ihre Headsets auf. Es wird mucksmäuschenstill im Studio.
„Noch eine Minute“, ruft der Aufnahmeleiter laut.
Livesendungen sind einfach aufregend. Die grellen Scheinwerfer im Studio strahlen eine unglaubliche Wärme aus. Ich schwitze und meine Schuhe drücken höllischer denn je.
„Sag deinem Mann einen lieben Geburtstagsgruß“, flüstert Anna. „Und uns eine schöne Sendung!“ Der Aufnahmeleiter steht jetzt vor uns. „Und 3, 2, 1 – Kamera 2, Anna, bitte!“
Die Anfangsmusik der Show wird eingespielt, Anna sitzt kerzengerade auf dem Sessel und begrüßt mit ihrem strahlenden Lächeln die Zuschauer. „Herzlich willkommen! Schön, dass Sie dabei sind. Vier Stunden Dekorationstipps rund um die flammenlosen Kerzen haben meine Moderations-Kolleginnen Ihnen heute schon präsentiert. Und auch in der letzten Stunde sorgen wir dafür, dass Ihr Zuhause noch gemütlicher wird. Begrüßen Sie an meiner Seite unsere Expertin Gaby Krebs.“
Anna dreht sich zu mir, nimmt lächelnd meine Hand und drückt sie herzlich.
„Gaby, ich freue mich auf diese Stunde und bin gespannt, was du für uns mitgebracht und vor allem so fantastisch dekoriert hast.“
Ich drehe mich zu Anna um, nehme ihre Hand, lächele in die Kamera und die Show beginnt. Das Lampenfieber ist vorbei. Jetzt geht es darum, die Zuschauer in die Welt der wunderbaren Kerzen zu entführen. Sie zu unterhalten. Mit ihnen Spaß zu haben. Sie telefonisch einzubinden. Anna und ich sind ein eingespieltes Team. Wir lachen viel, necken uns und zeigen den Zuschauern dabei ausführlich alle Produkte, die ich in den letzten Stunden liebevoll arrangiert habe. Die Zeit vergeht wie im Flug.
„Es war wieder eine wunderbare Stunde mit Ihnen. Herzlichen Dank fürs Zuschauen und Ihren Einkauf, einen wunderbaren Abend wünschen wir Ihnen. Aber bleiben Sie bei uns. In der nächsten Stunde geht es um Ihre Figur.“
Anna winkt in die Kamera. Ich winke auch. „Tschüss!“ Das ist das Einzige, was ich noch sagen kann.
„Klasse Stunde, Gaby. Weit über Plan. Hat mir riesigen Spaß gemacht. Lass uns mal wieder einen Kaffee trinken gehen! Und beeil dich beim Aufräumen, damit du schnell zu Hause bist.“ Anna verpasst mir ein Bussi auf die Wange und weg ist sie.
Ich sitze auf meinem Sessel und atme tief aus. Geschafft. Ein langer Arbeitstag liegt hinter mir. Ich streife vorsichtig meine Schuhe ab und merke, wie die Anspannung langsam aus meinem Körper weicht. Ein erfolgreicher Tag liegt hinter mir. Jetzt noch alles aufräumen und dann endlich zum Geburtstagskind. Eine Kollegin aus der Requisite hilft mir, die aufgebauten Kerzen aus dem Studio zu räumen. Nach einer halben Stunde ist das gesamte Chaos beseitigt.
Es ist 21.30 Uhr, als ich die Vorbereitungshalle verlasse und durch die leeren Flure des Senders zum Empfang gehe, um meine Einlasskarte abzugeben. „Tschüss, ihr Lieben, und einen schönen Feierabend!“, rufe ich den beiden Empfangsdamen lächelnd beim Rausgehen zu.
Nach sechzehn Stunden in geschlossenen Räumen atme ich die kühle, feuchte Abendluft tief ein. Der Tag hat sich inzwischen verabschiedet und dunkle Regenwolken hängen am Himmel.
Wenige Sekunden später fallen die ersten Tropfen. Wie eine Regenwalddusche erfrischen sie mein erhitztes Gesicht. Herrlich! Ich laufe barfuß zu meinem Auto, denn in meinen neuen Tretern kann ich keinen einzigen Schritt mehr gehen!
Mein kleiner FIAT 500 ist vom sonnigen Junitag ganz aufgeheizt. Die Luft ist völlig abgestanden. Ich mache das Fahrerfenster auf und inhaliere die frische Luft. Wie gern würde ich jetzt mit offenem Verdeck nach Hause fahren. Doch der Regen wird immer stärker.
Ich entdecke mein Handy auf dem Beifahrersitz und habe sofort ein schlechtes Gewissen. 27 Nachrichten in Abwesenheit. Ich lese zuerst die Nachricht von Piet. „Danke, meine Süße, für den Geburtstagstisch! Wann bist du denn aufgestanden??? Max hat vom Kuchen zwei Riesenstücke verputzt. Schmeckt hervorragend. Wünsche dir einen erfolgreichen Tag. Freue mich auf dich. Bis gleich. Dein Piet!“
Mir wird warm ums Herz. Ich habe den besten Mann der Welt!
Die anderen Nachrichten überfliege ich nur kurz.
„Wie ist noch mal eure Adresse? LG Claudia und Stefan.“ „Ich hab jetzt für Piet nichts gefunden. Geht auch ein Gutschein? Ruf mal an! Basti greez!“ … Und so weiter.
Ich wähle Piets Handynummer. Es klingelt, aber er geht nicht ran. Bestimmt kümmert er sich um die Gäste. Wenn alle gekommen sind, fallen jetzt gerade zwanzig Leute hungrig über das Buffet her. Ich schreibe Piet schnell eine Nachricht. „Starte jetzt durch. Bis gleich. Liebe dich.“
Mir tut alles weh. Jetzt merke ich wirklich, wie anstrengend der Tag war. Ich fahre los Richtung München. Im Radio spielen sie Partymusik und ich drehe sie richtig laut auf. Der Regen prasselt inzwischen heftig auf die Windschutzscheibe und die Scheibenwischer arbeiten auf höchster Stufe. So ein Sauwetter!
„Und jetzt machen wir weiter mit Hits aus den 90ern!“ Der Radiomoderator kündigt den nächsten Song an und ich erstarre. „I do not want what I haven’t got!“ von Sinéad O’Connor. Sie berührt mich mit ihrer Musik vom ersten bis zum letzten Ton! Ihre samtige Stimme erzeugt Gänsehaut auf meinem ganzen Körper. Was für ein wunderschöner Song.
Dieses Lied habe ich zuletzt gehört, als ich im Juni 1990 mit meinem kleinen Robert schwanger war.
Tränen schießen mir plötzlich in die Augen. Mein ganzer Körper fängt an zu zittern. Ich kann nichts mehr sehen. Der Regen und meine Tränen lassen die Straße verschwimmen. Ich muss rechts ranfahren.
An der nächsten Bushaltestelle bringe ich mein Auto zum Stehen und weine hemmungslos.
„Mein kleiner Robert. Du hast heute Geburtstag. Inzwischen wärst du ein erwachsener Mann, vielleicht schon mit einer kleinen Familie. Vor 25 Jahren habe ich dich zartes, zerbrechliches Kind tot in meinen Händen gehalten. Jedes Jahr am 9. Juni gehe ich noch einmal durch die Hölle, weil du mich einfach verlassen hast. Du bist und bleibst mein Sohn, auch wenn du jetzt im Himmel bist. Und vielleicht musste ich Piet kennenlernen, der an genau diesem Tag Geburtstag hat, damit ich dich niemals vergesse.“
Ein lautes Hupen hinter mir schreckt mich aus meinen Gedanken. Ich versperre einem Bus die Einfahrt. Hektisch starte ich mein Auto, wische mir die Tränen aus dem Gesicht und fahre weiter. Traurigkeit hüllt mich ein. Ich schalte das Radio aus.
„Gaby, reiß dich zusammen. Dein Mann erwartet dich sehnlichst. Die Geburtstagsgäste wollen feiern.“ Ich krame ein Taschentuch aus meiner Tasche, putze mir die Nase und versuche, mein verschmiertes Gesicht einigermaßen herzurichten. Jetzt bin ich froh, dass es so regnet. Es wird niemandem auffallen, dass ich geweint habe, wenn ich wie ein nasser Hund durch die Tür komme.
Und so ist es auch. Ich werde von Piet stürmisch begrüßt und geküsst und die Gäste sind bereits in Tanzlaune.
„Schön, dass du endlich da bist. Hast du im Stau gestanden?“ Piet schaut mich an. „Nein, ich musste an Robert denken und bin für einen Moment rechts rangefahren. Nicht böse sein.“ Ich schaue ihn traurig an. „Komm mal zu mir!“ Piet öffnet seine Arme und ich kuschle mich an ihn. „Auch dein kleiner Robert hat heute Geburtstag. Ist doch verständlich, dass du an ihn denken musst. Du hattest einen langen Tag. Entspann dich jetzt und lass uns das Leben feiern.“
Wir feiern bis früh in den Morgen. Als ich endlich neben Piet im Bett liege und sein gleichmäßiges Schnarchen höre, bin ich in Gedanken wieder bei meinem Sternenkind Robert.

***

9. Juni 1990 – Robert

Mir ist kalt, obwohl dieser 9. Juni 1990 ein besonders schöner, warmer Tag ist. Ich liege mit dir auf einer Liege in einem fensterlosen, großen Raum im Universitätsklinikum. Es riecht intensiv und eklig nach Desinfektionsmittel. Der Linoleumboden glänzt wie frisch gebohnert, sieht aber schon sehr ramponiert aus. Kleine weiße Schränke mit Untersuchungsgeräten, Spritzen, Ampullen und Medikamenten stehen rechts von uns. Die Wände sind weiß gestrichen, aber die Farbe blättert an einigen Stellen ab. Ein kleines Waschbecken ist neben der einzigen, ziemlich breiten Tür installiert, die links von uns liegt. An der Decke hängen Neonröhren, die diesen Raum in kaltes Licht tauchen. Eine der Röhren flackert unregelmäßig. Ich finde es ungemütlich hier und ziehe mir das Bettlaken bis hoch zum Kinn.
Ein Professor soll uns gleich untersuchen. Ich weiß eigentlich gar nicht, warum wir hier gelandet sind. Bei diesem schönen Wetter würde ich lieber mit dir in einer Eisdiele sitzen und eine riesige Portion Schokoladeneis essen.
Ich streichle über meinen prallen Bauch, der vom Bettlaken bedeckt ist.
Am Fußende der Liege ist eine große Leinwand aufgebaut. Eine junge Krankenschwester bereitet alles gewissenhaft für die Untersuchung vor. Sie hat ein hübsches Gesicht. Ihre blonden Haare hat sie zu einem Zopf zusammengebunden. Durch den blütenweißen Kittel sieht sie frisch und unschuldig aus. Sie spürt anscheinend, dass ich sie bei ihrer Arbeit beobachte.
„Entspannen Sie noch ein wenig, Frau Schneider. Der Herr Professor ist noch im Kreißsaal – aber er kommt, wenn er dort fertig ist, sofort zu Ihnen. Wenn Sie etwas brauchen, klingeln Sie einfach.“ Sie zeigt auf den Klingelknopf neben der Liege. Ihr Lächeln ist aufmunternd und ihre Stimme freundlich. Kurz darauf entschwindet sie durch die breite Tür.
Jetzt sind wir beide allein. Ich streichle unaufhörlich über deinen kleinen Körper, den ich deutlich an der Bauchdecke ertasten kann. Ich hoffe, du spürst das. Ein bisschen Angst habe ich schon vor dem, was kommt. Ich mag keine Krankenhäuser.
Mein kleiner Sohn, jetzt wohnst du schon knapp 37 Wochen bei mir und wir lernen uns jeden Tag, jede Stunde besser kennen. Ich freue mich so sehr auf dich, dass ich zwischendurch immer wieder Schmetterlinge im Bauch habe! Ich fühle mich wie ein frisch verliebtes Mädchen.
Ich male mir ständig aus, wie du aussiehst, wie sich deine Stimme anhört, wenn du das erste Mal „Mama“ sagst.
Du bist ein Teil von mir. Ich habe dich in den letzten Wochen wachsen sehen. Deinen kleinen Daumen hast du ständig im Mund. Die Nabelschnur umklammerst du gern mit deinen winzigen Händen. Selbst deine Haare kann ich auf den Ultraschallbildern erkennen.
Bei der letzten Untersuchung warst du ganz vorwitzig und hast mir kurz gezeigt, dass du ein Junge bist. Das war ein wunderbarer Moment, denn seit diesem Tag trägst du deinen Namen. Robert – der Anmutige und der Strahlende. Dein Name wird zu dir passen, denn du wirst mal ganz groß und stark!
Wir beide haben unser erstes Rendezvous am 4. Juli 1990, denn an diesem Tag sollst du laut Berechnung der Ärzte das Licht der Welt erblicken. Das sind gerade noch 25 Tage! Nicht zu glauben, dass ich dich dann endlich in meinen Armen halten kann. Ein ganz besonderer Tag wird das für uns beide. Ich spüre, dass du dich auch freust, denn du strampelst ordentlich auf meiner Blase herum. Aber Hauptsache, dir geht es gut!
Am 4. Juli hat auch dein Opa, mein Papa, Geburtstag. Und Amerika feiert die Unabhängigkeit. Du siehst, wir werden viele Gründe zum Feiern haben, wenn du geboren bist.
Es ist so ungerecht, dass dich mein Papa nicht kennenlernen darf. Mit 46 Jahren ist er nach einer Operation einfach gestorben.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 128
ISBN: 978-3-95840-568-4
Erscheinungsdatum: 07.12.2017
EUR 14,90
EUR 8,99

Herbstlektüre