Magnolia in Zürich
Eine ungewöhnliche Reise durch unsere Geschichte
EUR 23,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 468
ISBN: 978-3-7116-0657-0
Erscheinungsdatum: 26.05.2025
Gegenfaktische Geschichte, einst als Zeitvertreib für Amateure abgetan, hat in letzter Zeit ernsthafte wissenschaftliche Aufmerksamkeit erlangt. Dieses Buch befasst sich mit alternativen Ergebnissen von einem Dutzend der wichtigsten Schlachten in der westlichen Geschichte.
Prolog
Magnolia In Zürich Tanzt Tango, Heute Mit Orchester. Kunstvoll, Graziös – Absolut Wunderbar!
Man mag die Begeisterung für Magnolias Performance verstehen – was hat sie aber in einem Geschichtsbuch verloren? Die Großbuchstaben sind ein Hinweis darauf, dass der Satz als Gedächtnisstütze gedacht ist. Ich habe ihn erfunden, um mich selbst an eine Liste historischer Orte zu erinnern, die ich meiner Tochter und meinem Enkel während einer kurzen Phase des Hausunterrichts in der Coronavirus-Sperre vermitteln wollte. Leider zeigten die Kinder kein Interesse am Stoff, demnach ich das Vorhaben schnell aufgab. Dafür kamen diskret Nachhilfelehrer zu uns, um die beiden mit konventionelleren Studien zu beschäftigen. Ob sie tatsächlich etwas gelernt haben, bleibt fraglich. Aber zurück zu unserer Magnolia: Jeder Buchstabe steht für eine entscheidende Schlacht in unserer Geschichte.
Das ‚M‘ in ‚Magnolia‘ steht für die Schlacht von Marathon, in der die Athener und ihre Verbündeten 490 v. Chr. versuchten, die Invasion der weit überlegenen multiethnischen Streitmacht unter der Führung des persischen Königs Darius zu vereiteln.
Das ‚I‘ in ‚In‘ steht für die Schlacht von Issus, in der Alexander der Große 333 v. Chr. mit seinen griechischen Truppen in der nördlichen Levante gegen die persische Armee kämpfte.
Das ‚Z‘ in ‚Zürich‘ symbolisiert die Schlacht von Zama, die 202 v. Chr. stattfand, als der römische General Publius Cornelius Scipio im heutigen Tunesien auf den karthagischen General Hannibal traf.
Das ‚T‘ in ‚Tanzt‘ steht für die Schlacht im Teutoburger Wald, die im Jahr 9 n. Chr. stattfand, als der römische Feldherr Publius Quinctilius Varus die germanischen Krieger tief in ihrem Heimatland provozierte.
Das zweite ‚T‘ in ‚Tango‘ steht für die Schlacht von Tours und Poitiers im Jahr 732 n. Chr., einen entscheidenden Moment in der Geschichte, als die muslimische Armee aus dem bereits besetzten Iberien in Südfrankreich einmarschierte.
Das ‚H‘ in ‚Heute‘ steht für die Schlacht von Hastings im Jahr 1066, die Auseinandersetzung zwischen dem englischen Heer und den Truppen des normannischen Grafen Wilhelm in der Bemühung, sich den Spitznamen ‚der Eroberer‘ zu verdienen.
Das zweite ‚M‘ in ‚Mit‘ steht für die Schlacht von Manzikert im Jahr 1071, in der das byzantinische Heer den eindringenden seldschukischen Türken in Ostanatolien gegenüberstand.
Das ‚O‘ in ‚Orchester‘ steht für die Belagerung von Orléans im Jahr 1429, ein zentrales Ereignis im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich.
Das ‚K‘ in ‚Kunstvoll‘ steht für die Belagerung von Konstantinopel durch die osmanischen Türken im Jahr 1453.
Das ‚G‘ in ‚Graziös‘ bezieht sich auf die Belagerung von Granada, der letzten Hochburg der Muslime in al-Andalus, durch die Katholischen Könige Isabella und Ferdinand im Jahr 1492.
Das ‚A‘ in ‚Absolut‘ erinnert an die spanische Armada von 1588, die Philipp II. von Spanien gegen die Flotte von Königin Elisabeth I. im Ärmelkanal entsandte.
Das ‚W‘ in ‚Wunderbar‘ steht schließlich für die Schlacht von Waterloo im Jahr 1815, Napoleons letzte Schlacht gegen seine verbündeten europäischen Gegner.
Die Auswahl von zwölf Schlachten ist etwas willkürlich; ich hätte den Fußstapfen meines geschätzten Vorgängers Edward Shepherd Creasy folgen können, der fünfzehn Schlachten für sein Werk auswählte. Alternativ hätte ich auch die anspruchsvolle Aufgabe übernehmen können, die hundert bedeutendsten Schlachten zu behandeln, was jedoch den Schreibprozess fast ins Unendliche verlängert hätte. Zudem ist meine Auswahl stark auf europäische Geschichte ausgerichtet – alle ausgewählten Schlachten lassen sich auf einer nur geringfügig erweiterten Karte Europas lokalisieren. Diese Entscheidung basiert auf zwei Überlegungen: Erstens hätte ich mich als Laie in der Geschichte anderer Kontinente auf weniger vertrautem Terrain bewegt, und zweitens gehe ich davon aus, dass viele Leser, die zu einem gewissen Maße europäischer Abstammung sind, ein größeres Interesse an ihrer eigenen Geschichte haben mögen.
Drei Jahre nach meiner gescheiterten Karriere als Geschichtslehrer erkundete ich zusammen mit meinen geschätzten Freunden Juan Luis und Maria Paloma die historischen Städte der spanischen Extremadura – eine nach der anderen, mit ihren Zeugnissen von Römern, Arabern und Christen. Bei ein paar Gläsern Verdejo erzählte ich ihnen eines Tages von Magnolia und ihren bewundernswerten Künsten und sie regten mich an, einen Vortrag oder vielleicht sogar ein Buch über dieses Thema zu schreiben. Hier ist es nun. Trotz des Eindrucks, den der Titel vermitteln mag, handelt es sich nicht um eine Abhandlung über Schlachten, ein Thema, das nur ein Nischenpublikum faszinieren könnte, das sich für militärische Manöver interessiert. Vielmehr soll es eine Erzählung über die dramatischen Wendungen sein, die unsere Geschichte durch die Konsequenzen dieser Schlachten genommen hat.
Ich erkenne an, dass bedeutende historische Ereignisse nicht auf Schlachten beschränkt sind. Denken wir nur an den Untergang des Weströmischen Reiches oder die Aufklärung in Europa mit ihren tiefgreifenden Auswirkungen. Dennoch tragen bestimmte Ereignisse oder Fortschritte oft den Stempel des Krieges, wie es zumindest teilweise bei der Gründung der Europäischen Union der Fall war, die vom Leitgedanken ‚Nie wieder!‘ geprägt war. Im Gegensatz dazu war nicht jedes Ereignis, über das ich hier berichte, für sich genommen von überragender Bedeutung. Wer hat wirklich darüber nachgedacht, ob, wann oder wie die letzte muslimische Hochburg in Andalusien den christlichen Eroberern unterlag? Dennoch habe ich dieses Ereignis gerade deshalb ausgewählt, weil es einen bedeutsamen, langanhaltenden historischen Prozess symbolisiert: die Reconquista.
Ich bewundere zwar diejenigen, die ihr Leben intensiv im Hier und Jetzt erleben, aber ich beneide sie nicht darum. Obwohl ich kein Historiker bin, durchdringt für mich die Vergangenheit alles und jeden, überall. In meiner Familie wurden gerne Erzählungen aus der Vergangenheit weitergegeben. Unsere Mutter erzählte uns von ihrem Onkel, der im 19. Jahrhundert in Afrika Großwild jagte – eine Tätigkeit, die damals noch als politisch korrekt galt. Ihr Vater verbrachte seine frühe Kindheit in einem Dorf der Ureinwohner auf der Teufelsinsel vor Französisch-Guayana. Meine Mutter transkribierte akribisch sein Tagebuch, das er in der heute obskuren deutschen Sütterlin-Schrift geschrieben hatte. Darin beschrieb er seine Reise durch den Suezkanal und Indien sowie sein späteres Leben in Tibet – all dies noch im 19. Jahrhundert. In den 1930er-Jahren begann sie selbst, Kisuaheli zu lernen, um vielleicht eine Farm in Afrika zu betreiben. Ihr Traum wurde jedoch durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen, in dem unser Vater sechs Jahre lang in der deutschen Wehrmacht diente. Sein eigener Vater, den wir nur von einem verblassten Foto in der Uniform der kaiserlichen deutschen Armee kannten, hatte im Ersten Weltkrieg gekämpft.
So wuchsen wir in einer geistigen Landschaft auf, die über unsere unmittelbare Umgebung in einer Schweizer Vorstadt hinausreichte. Heute lebe ich in Südamerika, einem Kontinent, der von Völkermord, Sklaverei und einer leider immer noch auf Ausbeutung basierenden Wirtschaft gezeichnet ist. Ich besitze einen Anteil an einem Kloster in Italien, das zu einer Ferienresidenz umgebaut wurde – ein Bauwerk, dessen Geschichte fast tausend Jahre zurückreicht. Von dort aus überblicke ich den Ort am Trasimenischen See, an dem Hannibal den römischen Legionen eine entscheidende Niederlage beibrachte, nachdem er mit seinen Truppen und Elefanten von Spanien aus über die Alpen getreckt war.
Mit meiner Berufserfahrung in etwa sechzig Ländern, von denen sich fast alle in einem bewaffneten Konflikt oder regelrechten Krieg befanden, weiß ich, dass Kriege weit mehr bedeuten als bloße Schlachten. Oft kann man sogar jahrelang in einem vom Krieg zerrissenen Land leben, ohne jemals auch nur in ein Scharmützel verwickelt zu werden. Dennoch hatte ich zumindest einmal die seltene Gelegenheit, Zeuge eines solchen Zusammenstoßes aus erster Hand zu werden. Ich verbrachte mehrere Tage auf einem Hügel nördlich von Kabul, auf einem ausgebreiteten Teppich sitzend neben meinem Freund Abdul Malek, dem Leiter des medizinischen Dienstes der Taliban. Von unserem Aussichtspunkt aus beobachteten wir in aller Ruhe die Scharmützel zwischen den Taliban und der ‚Nordallianz‘, während wir Tee tranken, uns unterhielten und spekulierten. Auch wenn das Beobachten von Schlachten heute leicht aus der Mode und vielleicht politisch unkorrekt erscheinen mag, hatte unser Engagement einen Zweck: Ich koordinierte eine Handvoll Krankenwagen und leitete diese über Funk von unserem Aussichtspunkt am Berg.
So war mein beruflicher Werdegang im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass ich Zeuge der Entstehung von Geschichte wurde – und diese oft auch selbst erlebte. Ich bin Menschen begegnet, die Geschichte geprägt haben, wie Ahmad Shah Massoud, Prinz Sihanouk und Fidel Castro. Vor allem aber habe ich mit den Menschen zu tun gehabt, die unter der Entstehung der Geschichte gelitten haben.
Geschichte ist viel mehr als ‚ein Ärgernis nach dem anderen‘, wie es heißt; die Auseinandersetzung mit ihr kann wertvolle Einblicke in das Verständnis des heutigen Geschehens bieten. Geschichte kann jedoch auch manipuliert werden, um Hass zu schüren und aufrechtzuerhalten. Während des Bosnienkriegs führte ich beispielsweise mit meinen Kontakten unter Bosniern, Kroaten und Serben – letztere erwiesen sich als besonders geschickt – unzählige Debatten über historische Narrative, die oft durch Rakija angeheizt wurden. Diese Diskussionen drehten sich darum, wer wem was angetan hat und aus welchen Gründen. Das Muster war vorhersehbar: ‚Wir haben ihnen das angetan, weil sie uns jenes angetan hatten‘ (wobei weder ‚das‘ noch ‚jenes‘ speziell freundliche Handlungen waren). Mein Gegenargument war, dass ich ihre Beweggründe zwar anerkannte, aber darauf hinwies, dass der Kreislauf der Vergeltung von ihren jeweiligen vorhergehenden Handlungen herrührte. Dieser Dialog wiederholte sich bis zum Überdruss, wobei die historischen gegenseitigen Anklagen bis in die byzantinische und römische Zeit zurückreichten.
Konzentrieren wir uns nun auf unsere zentralen Schlachten, nicht weil andere – wie etwa Lepanto oder Stalingrad – als weniger ‚wichtig‘ gelten, sondern weil ihre Ergebnisse die Zukunft auf einzigartige Weise geprägt haben, die sich deutlich von derjenigen unterschieden hätte, wenn die Besiegten die Sieger gewesen wären. Dieses Buch ermutigt die Leser daher, sich in das Reich des Gegenfaktischen zu begeben: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn die Expedition von Kolumbus in die Neue Welt genauso katastrophal geendet hätte wie die Landung der Wikinger fast fünf Jahrhunderte zuvor? Wie hätten sich die Reiche der Azteken und Inkas entwickelt und hätten möglicherweise geendet, wenn man sie sich selbst überlassen hätte? Oder noch besser: Was wäre, wenn sie Invasionen in Europa unternommen hätten? Krankheiten wie die Syphilis hätten möglicherweise die europäische Bevölkerung dezimiert. Was wäre, wenn die indischen Streitkräfte die zahlreichen muslimischen Invasionen und Besetzungen aus dem Westen erfolgreich abgewehrt hätten? Zunächst einmal gäbe es keinen Taj Mahal für Touristen zu bestaunen. Und was wäre, wenn es den Mongolen bei ihren beiden Versuchen im 13. Jahrhundert gelungen wäre, Japan zu erobern? Würden wir heute Autos mit dem Namen ‚Dschingis‘ fahren oder wären die Japaner heute die weltbesten Pferdesportler?
Die zwölf Kapitel, die jeweils einer bestimmten Schlacht gewidmet sind, sind chronologisch geordnet, müssen aber nicht unbedingt in dieser Reihenfolge gelesen werden (mit Ausnahme vielleicht der ersten beiden Kapitel, die tatsächlich zwei Teile derselben Geschichte sind). Die Leser mögen mit einer Schlacht beginnen, die ihnen aus dem Geschichtsunterricht noch lebhaft in Erinnerung ist, oder umgekehrt mit einer, die sie zunächst ratlos macht, wie vielleicht Zama oder Manzikert. Ich stelle in jedem Kapitel den wichtigen Kontext voran, bevor ich ausgewählte Zeitzeugen oder Chronisten aus späteren Epochen zu Wort kommen lasse. Es ist wichtig zu erkennen, dass die Sichtweise dieser Zeugen aufgrund ihres begrenzten Verständnisses, sowohl der Fakten als auch der umfassenderen Problematik, fehlerhaft sein kann. Sie könnten voreingenommen gewesen sein oder versucht haben, sich selbst in einem günstigeren Licht darzustellen, als es ihr Handeln rechtfertigte. Trotz dieser Einschränkungen bin ich zuversichtlich, dass das gewählte Format die Lektüre ansprechender macht als nur eine Reihe trockener Vorträge. Indem es die Leser dazu anregt, über diese Unvollkommenheiten nachzudenken, sollte es auch ihre Phantasie beflügeln.
In den Dokumenten, die die Ereignisse festhalten, werden zahlreiche Namen von zeitgenössischen Akteuren, Autoren und Orten genannt, was oft eine Klarstellung erfordert. Außerdem wurden bestimmte Ausdrücke in der Originalsprache beibehalten, was eine Übersetzung nötig macht. Die Fußnoten sind daher von mir selbst erstellt.
Kapitel 1
Die Schlacht von Marathon, 490 v. Chr.
Der Name ‚Marathon‘ weckt eher Assoziationen an ein zweiundvierzig Kilometer langes Rennen als an das historische Ereignis, das vor zweitausendfünfhundert Jahren in Griechenland stattfand, nordöstlich von Athen nahe der Ägäis. Der Bote Philippides lief diese Strecke vom Schlachtfeld bis zur Stadt Athen, um der dortigen Bevölkerung die Schreckensbotschaft zu überbringen, dass die siegreichen Truppen des persischen Königs Darius zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg in die Hauptstadt waren. Das Invasionsheer bestand aus einer bunten Mischung persischer Befehlshaber und Infanteristen, medischer Reiterei, Indern mit Langbögen, Äthiopiern in Leopardenfellen, Thrakern mit Fuchsfellmützen, Assyrern aus Mesopotamien, Baktrern vom Hindukusch, Sogdiern von jenseits davon, sowie Griechen aus Kleinasien und von den ägäischen Inseln, die auf dem Weg zwangsrekrutiert wurden.
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Magnolia In Zürich Tanzt Tango, Heute Mit Orchester. Kunstvoll, Graziös – Absolut Wunderbar!
Man mag die Begeisterung für Magnolias Performance verstehen – was hat sie aber in einem Geschichtsbuch verloren? Die Großbuchstaben sind ein Hinweis darauf, dass der Satz als Gedächtnisstütze gedacht ist. Ich habe ihn erfunden, um mich selbst an eine Liste historischer Orte zu erinnern, die ich meiner Tochter und meinem Enkel während einer kurzen Phase des Hausunterrichts in der Coronavirus-Sperre vermitteln wollte. Leider zeigten die Kinder kein Interesse am Stoff, demnach ich das Vorhaben schnell aufgab. Dafür kamen diskret Nachhilfelehrer zu uns, um die beiden mit konventionelleren Studien zu beschäftigen. Ob sie tatsächlich etwas gelernt haben, bleibt fraglich. Aber zurück zu unserer Magnolia: Jeder Buchstabe steht für eine entscheidende Schlacht in unserer Geschichte.
Das ‚M‘ in ‚Magnolia‘ steht für die Schlacht von Marathon, in der die Athener und ihre Verbündeten 490 v. Chr. versuchten, die Invasion der weit überlegenen multiethnischen Streitmacht unter der Führung des persischen Königs Darius zu vereiteln.
Das ‚I‘ in ‚In‘ steht für die Schlacht von Issus, in der Alexander der Große 333 v. Chr. mit seinen griechischen Truppen in der nördlichen Levante gegen die persische Armee kämpfte.
Das ‚Z‘ in ‚Zürich‘ symbolisiert die Schlacht von Zama, die 202 v. Chr. stattfand, als der römische General Publius Cornelius Scipio im heutigen Tunesien auf den karthagischen General Hannibal traf.
Das ‚T‘ in ‚Tanzt‘ steht für die Schlacht im Teutoburger Wald, die im Jahr 9 n. Chr. stattfand, als der römische Feldherr Publius Quinctilius Varus die germanischen Krieger tief in ihrem Heimatland provozierte.
Das zweite ‚T‘ in ‚Tango‘ steht für die Schlacht von Tours und Poitiers im Jahr 732 n. Chr., einen entscheidenden Moment in der Geschichte, als die muslimische Armee aus dem bereits besetzten Iberien in Südfrankreich einmarschierte.
Das ‚H‘ in ‚Heute‘ steht für die Schlacht von Hastings im Jahr 1066, die Auseinandersetzung zwischen dem englischen Heer und den Truppen des normannischen Grafen Wilhelm in der Bemühung, sich den Spitznamen ‚der Eroberer‘ zu verdienen.
Das zweite ‚M‘ in ‚Mit‘ steht für die Schlacht von Manzikert im Jahr 1071, in der das byzantinische Heer den eindringenden seldschukischen Türken in Ostanatolien gegenüberstand.
Das ‚O‘ in ‚Orchester‘ steht für die Belagerung von Orléans im Jahr 1429, ein zentrales Ereignis im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich.
Das ‚K‘ in ‚Kunstvoll‘ steht für die Belagerung von Konstantinopel durch die osmanischen Türken im Jahr 1453.
Das ‚G‘ in ‚Graziös‘ bezieht sich auf die Belagerung von Granada, der letzten Hochburg der Muslime in al-Andalus, durch die Katholischen Könige Isabella und Ferdinand im Jahr 1492.
Das ‚A‘ in ‚Absolut‘ erinnert an die spanische Armada von 1588, die Philipp II. von Spanien gegen die Flotte von Königin Elisabeth I. im Ärmelkanal entsandte.
Das ‚W‘ in ‚Wunderbar‘ steht schließlich für die Schlacht von Waterloo im Jahr 1815, Napoleons letzte Schlacht gegen seine verbündeten europäischen Gegner.
Die Auswahl von zwölf Schlachten ist etwas willkürlich; ich hätte den Fußstapfen meines geschätzten Vorgängers Edward Shepherd Creasy folgen können, der fünfzehn Schlachten für sein Werk auswählte. Alternativ hätte ich auch die anspruchsvolle Aufgabe übernehmen können, die hundert bedeutendsten Schlachten zu behandeln, was jedoch den Schreibprozess fast ins Unendliche verlängert hätte. Zudem ist meine Auswahl stark auf europäische Geschichte ausgerichtet – alle ausgewählten Schlachten lassen sich auf einer nur geringfügig erweiterten Karte Europas lokalisieren. Diese Entscheidung basiert auf zwei Überlegungen: Erstens hätte ich mich als Laie in der Geschichte anderer Kontinente auf weniger vertrautem Terrain bewegt, und zweitens gehe ich davon aus, dass viele Leser, die zu einem gewissen Maße europäischer Abstammung sind, ein größeres Interesse an ihrer eigenen Geschichte haben mögen.
Drei Jahre nach meiner gescheiterten Karriere als Geschichtslehrer erkundete ich zusammen mit meinen geschätzten Freunden Juan Luis und Maria Paloma die historischen Städte der spanischen Extremadura – eine nach der anderen, mit ihren Zeugnissen von Römern, Arabern und Christen. Bei ein paar Gläsern Verdejo erzählte ich ihnen eines Tages von Magnolia und ihren bewundernswerten Künsten und sie regten mich an, einen Vortrag oder vielleicht sogar ein Buch über dieses Thema zu schreiben. Hier ist es nun. Trotz des Eindrucks, den der Titel vermitteln mag, handelt es sich nicht um eine Abhandlung über Schlachten, ein Thema, das nur ein Nischenpublikum faszinieren könnte, das sich für militärische Manöver interessiert. Vielmehr soll es eine Erzählung über die dramatischen Wendungen sein, die unsere Geschichte durch die Konsequenzen dieser Schlachten genommen hat.
Ich erkenne an, dass bedeutende historische Ereignisse nicht auf Schlachten beschränkt sind. Denken wir nur an den Untergang des Weströmischen Reiches oder die Aufklärung in Europa mit ihren tiefgreifenden Auswirkungen. Dennoch tragen bestimmte Ereignisse oder Fortschritte oft den Stempel des Krieges, wie es zumindest teilweise bei der Gründung der Europäischen Union der Fall war, die vom Leitgedanken ‚Nie wieder!‘ geprägt war. Im Gegensatz dazu war nicht jedes Ereignis, über das ich hier berichte, für sich genommen von überragender Bedeutung. Wer hat wirklich darüber nachgedacht, ob, wann oder wie die letzte muslimische Hochburg in Andalusien den christlichen Eroberern unterlag? Dennoch habe ich dieses Ereignis gerade deshalb ausgewählt, weil es einen bedeutsamen, langanhaltenden historischen Prozess symbolisiert: die Reconquista.
Ich bewundere zwar diejenigen, die ihr Leben intensiv im Hier und Jetzt erleben, aber ich beneide sie nicht darum. Obwohl ich kein Historiker bin, durchdringt für mich die Vergangenheit alles und jeden, überall. In meiner Familie wurden gerne Erzählungen aus der Vergangenheit weitergegeben. Unsere Mutter erzählte uns von ihrem Onkel, der im 19. Jahrhundert in Afrika Großwild jagte – eine Tätigkeit, die damals noch als politisch korrekt galt. Ihr Vater verbrachte seine frühe Kindheit in einem Dorf der Ureinwohner auf der Teufelsinsel vor Französisch-Guayana. Meine Mutter transkribierte akribisch sein Tagebuch, das er in der heute obskuren deutschen Sütterlin-Schrift geschrieben hatte. Darin beschrieb er seine Reise durch den Suezkanal und Indien sowie sein späteres Leben in Tibet – all dies noch im 19. Jahrhundert. In den 1930er-Jahren begann sie selbst, Kisuaheli zu lernen, um vielleicht eine Farm in Afrika zu betreiben. Ihr Traum wurde jedoch durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen, in dem unser Vater sechs Jahre lang in der deutschen Wehrmacht diente. Sein eigener Vater, den wir nur von einem verblassten Foto in der Uniform der kaiserlichen deutschen Armee kannten, hatte im Ersten Weltkrieg gekämpft.
So wuchsen wir in einer geistigen Landschaft auf, die über unsere unmittelbare Umgebung in einer Schweizer Vorstadt hinausreichte. Heute lebe ich in Südamerika, einem Kontinent, der von Völkermord, Sklaverei und einer leider immer noch auf Ausbeutung basierenden Wirtschaft gezeichnet ist. Ich besitze einen Anteil an einem Kloster in Italien, das zu einer Ferienresidenz umgebaut wurde – ein Bauwerk, dessen Geschichte fast tausend Jahre zurückreicht. Von dort aus überblicke ich den Ort am Trasimenischen See, an dem Hannibal den römischen Legionen eine entscheidende Niederlage beibrachte, nachdem er mit seinen Truppen und Elefanten von Spanien aus über die Alpen getreckt war.
Mit meiner Berufserfahrung in etwa sechzig Ländern, von denen sich fast alle in einem bewaffneten Konflikt oder regelrechten Krieg befanden, weiß ich, dass Kriege weit mehr bedeuten als bloße Schlachten. Oft kann man sogar jahrelang in einem vom Krieg zerrissenen Land leben, ohne jemals auch nur in ein Scharmützel verwickelt zu werden. Dennoch hatte ich zumindest einmal die seltene Gelegenheit, Zeuge eines solchen Zusammenstoßes aus erster Hand zu werden. Ich verbrachte mehrere Tage auf einem Hügel nördlich von Kabul, auf einem ausgebreiteten Teppich sitzend neben meinem Freund Abdul Malek, dem Leiter des medizinischen Dienstes der Taliban. Von unserem Aussichtspunkt aus beobachteten wir in aller Ruhe die Scharmützel zwischen den Taliban und der ‚Nordallianz‘, während wir Tee tranken, uns unterhielten und spekulierten. Auch wenn das Beobachten von Schlachten heute leicht aus der Mode und vielleicht politisch unkorrekt erscheinen mag, hatte unser Engagement einen Zweck: Ich koordinierte eine Handvoll Krankenwagen und leitete diese über Funk von unserem Aussichtspunkt am Berg.
So war mein beruflicher Werdegang im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass ich Zeuge der Entstehung von Geschichte wurde – und diese oft auch selbst erlebte. Ich bin Menschen begegnet, die Geschichte geprägt haben, wie Ahmad Shah Massoud, Prinz Sihanouk und Fidel Castro. Vor allem aber habe ich mit den Menschen zu tun gehabt, die unter der Entstehung der Geschichte gelitten haben.
Geschichte ist viel mehr als ‚ein Ärgernis nach dem anderen‘, wie es heißt; die Auseinandersetzung mit ihr kann wertvolle Einblicke in das Verständnis des heutigen Geschehens bieten. Geschichte kann jedoch auch manipuliert werden, um Hass zu schüren und aufrechtzuerhalten. Während des Bosnienkriegs führte ich beispielsweise mit meinen Kontakten unter Bosniern, Kroaten und Serben – letztere erwiesen sich als besonders geschickt – unzählige Debatten über historische Narrative, die oft durch Rakija angeheizt wurden. Diese Diskussionen drehten sich darum, wer wem was angetan hat und aus welchen Gründen. Das Muster war vorhersehbar: ‚Wir haben ihnen das angetan, weil sie uns jenes angetan hatten‘ (wobei weder ‚das‘ noch ‚jenes‘ speziell freundliche Handlungen waren). Mein Gegenargument war, dass ich ihre Beweggründe zwar anerkannte, aber darauf hinwies, dass der Kreislauf der Vergeltung von ihren jeweiligen vorhergehenden Handlungen herrührte. Dieser Dialog wiederholte sich bis zum Überdruss, wobei die historischen gegenseitigen Anklagen bis in die byzantinische und römische Zeit zurückreichten.
Konzentrieren wir uns nun auf unsere zentralen Schlachten, nicht weil andere – wie etwa Lepanto oder Stalingrad – als weniger ‚wichtig‘ gelten, sondern weil ihre Ergebnisse die Zukunft auf einzigartige Weise geprägt haben, die sich deutlich von derjenigen unterschieden hätte, wenn die Besiegten die Sieger gewesen wären. Dieses Buch ermutigt die Leser daher, sich in das Reich des Gegenfaktischen zu begeben: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn die Expedition von Kolumbus in die Neue Welt genauso katastrophal geendet hätte wie die Landung der Wikinger fast fünf Jahrhunderte zuvor? Wie hätten sich die Reiche der Azteken und Inkas entwickelt und hätten möglicherweise geendet, wenn man sie sich selbst überlassen hätte? Oder noch besser: Was wäre, wenn sie Invasionen in Europa unternommen hätten? Krankheiten wie die Syphilis hätten möglicherweise die europäische Bevölkerung dezimiert. Was wäre, wenn die indischen Streitkräfte die zahlreichen muslimischen Invasionen und Besetzungen aus dem Westen erfolgreich abgewehrt hätten? Zunächst einmal gäbe es keinen Taj Mahal für Touristen zu bestaunen. Und was wäre, wenn es den Mongolen bei ihren beiden Versuchen im 13. Jahrhundert gelungen wäre, Japan zu erobern? Würden wir heute Autos mit dem Namen ‚Dschingis‘ fahren oder wären die Japaner heute die weltbesten Pferdesportler?
Die zwölf Kapitel, die jeweils einer bestimmten Schlacht gewidmet sind, sind chronologisch geordnet, müssen aber nicht unbedingt in dieser Reihenfolge gelesen werden (mit Ausnahme vielleicht der ersten beiden Kapitel, die tatsächlich zwei Teile derselben Geschichte sind). Die Leser mögen mit einer Schlacht beginnen, die ihnen aus dem Geschichtsunterricht noch lebhaft in Erinnerung ist, oder umgekehrt mit einer, die sie zunächst ratlos macht, wie vielleicht Zama oder Manzikert. Ich stelle in jedem Kapitel den wichtigen Kontext voran, bevor ich ausgewählte Zeitzeugen oder Chronisten aus späteren Epochen zu Wort kommen lasse. Es ist wichtig zu erkennen, dass die Sichtweise dieser Zeugen aufgrund ihres begrenzten Verständnisses, sowohl der Fakten als auch der umfassenderen Problematik, fehlerhaft sein kann. Sie könnten voreingenommen gewesen sein oder versucht haben, sich selbst in einem günstigeren Licht darzustellen, als es ihr Handeln rechtfertigte. Trotz dieser Einschränkungen bin ich zuversichtlich, dass das gewählte Format die Lektüre ansprechender macht als nur eine Reihe trockener Vorträge. Indem es die Leser dazu anregt, über diese Unvollkommenheiten nachzudenken, sollte es auch ihre Phantasie beflügeln.
In den Dokumenten, die die Ereignisse festhalten, werden zahlreiche Namen von zeitgenössischen Akteuren, Autoren und Orten genannt, was oft eine Klarstellung erfordert. Außerdem wurden bestimmte Ausdrücke in der Originalsprache beibehalten, was eine Übersetzung nötig macht. Die Fußnoten sind daher von mir selbst erstellt.
Kapitel 1
Die Schlacht von Marathon, 490 v. Chr.
Der Name ‚Marathon‘ weckt eher Assoziationen an ein zweiundvierzig Kilometer langes Rennen als an das historische Ereignis, das vor zweitausendfünfhundert Jahren in Griechenland stattfand, nordöstlich von Athen nahe der Ägäis. Der Bote Philippides lief diese Strecke vom Schlachtfeld bis zur Stadt Athen, um der dortigen Bevölkerung die Schreckensbotschaft zu überbringen, dass die siegreichen Truppen des persischen Königs Darius zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg in die Hauptstadt waren. Das Invasionsheer bestand aus einer bunten Mischung persischer Befehlshaber und Infanteristen, medischer Reiterei, Indern mit Langbögen, Äthiopiern in Leopardenfellen, Thrakern mit Fuchsfellmützen, Assyrern aus Mesopotamien, Baktrern vom Hindukusch, Sogdiern von jenseits davon, sowie Griechen aus Kleinasien und von den ägäischen Inseln, die auf dem Weg zwangsrekrutiert wurden.
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