Geschichte & Biografie

Liebe gesucht – Im Herzen gefunden

Eva Walter

Liebe gesucht – Im Herzen gefunden

Aus der Finsternis ins Licht

Leseprobe:

Aus Licht und Liebe geboren –
Sinn einer Lebensreise
„Immer nur leuchten! Immer das Gleiche!“, hörte Gott in seinem Reich eine Stimme stöhnen.
„Hallo, liebe Seele. Gefällt es dir nicht, hier zu sein?“
„Doch, lieber Vater; aber ich langweile mich. Ich weiß, ich bin leuchtender Geist, wie alle anderen Seelen. Aber das ist mir zu wenig.“
„Ja, liebe Seele, genauso ging es mir. Das Wissen, Schöpfergeist zu sein, reichte mir nicht. Ich wollte mein Selbst auf verschiedenste Weise erleben. Deshalb habe ich einen Schöpfungsprozess Göttlicher Ordnung in Gang gesetzt, in dem ich mich in unendlicher Vielfalt in fortwährender Veränderung erfahren und immer wieder Neues erschaffen kann. Dieses Verlangen ist auch in dir. Du möchtest kennenlernen, was du, als ein Teil von mir, noch sein kannst.“
„Wie geht das? Welche Möglichkeiten habe ich, um mich auf eine neue Weise zu erfahren?“
„Indem du zu einem anderen Universum im unendlichen Kosmos reist. Du kannst wählen, als was du, an welchem Ort welche Erfahrungen machen möchtest.“
Die kleine Seele ließ sich die Möglichkeiten zeigen und entschied sich, als Mensch den Planeten Erde kennenzulernen.
„Bist du absolut entschlossen, in eine Welt, die du noch nicht kennst, einzutauchen?“, fragte Gott.
„Ja! Ich kann es kaum erwarten. Ich freue mich darauf.“
„Ich habe noch eine Frage an dich, liebe Seele. Welchen Sinn möchtest du deiner Reise geben?“
Die Seele überlegte eine Weile. „Der höchste Ausdruck der Göttlichkeit ist die Liebe, nicht wahr?“
„Absolut“, bestätigte Gott.
„Ich möchte die Liebe der Menschen auf der Erde erleben.“
„Da hast du eine sehr schöne Wahl getroffen, die jedoch eine große Herausforderung auf diesem Planeten der Gegensätze für dich sein wird. Denn um als Mensch zu erfahren und zu verstehen, was Liebe ist, wird dir auch begegnen, was Liebe nicht ist, also das Gegenteil, damit du den Unterschied erkennst. Das kann schmerzlich für dich sein. Doch nur durch eigenes Erleben und deine Wahrnehmung wirst du verstehen, was ich damit meine.
Du wirst von vielen Menschen umgeben sein, die sich in ihren Ansichten über das Leben und die Liebe verirrt und verloren haben, indem sie über sich bestimmen lassen, statt auf ihre Gefühle und ihr Herz zu hören, statt bei sich zu sein und ihrer Intuition zu vertrauen und zu folgen. Sie lassen sich einschüchtern, entwickeln Ängste, in denen sie gefangen sind, fühlen sich ohnmächtig und suchen krankhaft nach dem Weg ihrer wahren Erfüllung und der ersehnten Liebe, der sie vertrauen können.
Sie betrachten einander als Konkurrenten im Kampf um materiellen Besitz, den sie sich mit großer Anstrengung erarbeiten und anhäufen, und sehen darin den Sinn ihres Lebens.
Alle ihre Angelegenheiten regeln sie mit Unmengen komplizierter Menschengesetze und erschweren sich so ihr kostbares, von mir geschenktes, freies Leben, das in Wahrheit einfach und freudvoll ist, wenn es mit Liebe natürlich gelebt wird.“

„Verzeih, lieber Gott, dass ich dich unterbreche. Fühlen sich die Menschen denn wohl damit?“
„Ich beobachte, dass immer mehr Menschen unter diesen Verhältnissen leiden und krank werden, weil sie Ratschlägen anderer folgen, die ihnen nicht guttun, statt auf ihre innere Weisheit zu hören. Zusätzlich ruinieren sie ihre Körper mit chemischen Substanzen und erwarten davon, noch mehr schaffen zu können und Krankheitssymptome damit zu heilen. Sie fühlen sich nicht wirklich wohl in ihrer Haut, zwingen sich jedoch zum Durchhalten, weil sie glauben, dass sie nicht anders leben können. Das ist ihr größter Irrtum.“
„Wenn du das alles siehst, hilfst du ihnen dann nicht?“, fragte die Seele erstaunt.
„Das tue ich ständig. Ich kommuniziere mit ihnen auf vielfältige Weise. Dank ihrer natürlichen, echten Gefühle können sie wahrnehmen, was gut für sie ist und was ihnen nicht guttut und welches Maß der Dinge ihrem Wesen entspricht.
Ich bin die leise innere fürsorgliche Stimme. Auch überbringen wunderbare, bewusste Helfer mit Bildern, Liedern, Musik, Büchern, Filmen, ihren persönlichen, beherzten Auftritten immer wieder meine Botschaften, damit sie zu Bewusstsein kommen, sich an ihr geistiges, göttliches, natürliches Wesen erinnern. Doch in ihrem Lärm und ständigem Ich-muss-machen und Ich-muss-mehr-haben überhören sie mich, als wären sie besinnungslos und taub.“
„Sind alle Menschen so?“, fragte die Seele.
„Nein. Immer mehr Menschen spüren, dass ihnen das unermüdliche Streben nach Besitz kein Glück, keine Sicherheit und keinen tiefen inneren Frieden verschafft. Im Gegenteil, ihre Angst, womöglich ihren Besitz zu verlieren, wächst. Doch ihre Seele sehnt sich nach Freude und freier, leichter, liebevoller Entfaltung …“
„… die sie nur in vertrauensvoller Beziehung mit dir und miteinander erfahren können. Wieso wissen das die Menschen nicht?“
„Weil sie vom Glauben an mich, an die göttliche Liebe, die nichts braucht und nichts fordert, abgekommen sind. Weil man ihnen über mich nicht die Wahrheit sagt, mit dem Ziel, das Volk mit gesteuerten Manipulationen klein zu halten, um es zu beherrschen und glauben zu lassen, dass sie Sünder seien und daher die Liebe, Frieden und Freiheit, den Himmel auf Erden, nach dem sich die Menschen sehnen, nicht verdienen.
Schau dir die großen Missverständnisse der Menschen an. Du wirst sehen, viele zweifeln daran, dass es einen Schöpfergott gibt. Und wenn es ihn gibt, ob dieser seiner Schöpfung seinen Willen aufzwingt und seine Geschöpfe bestraft, wenn sie diesen nicht erfüllen. Eine absurde Idee!
Wenn die Menschen endlich auf ihre Herzen hören, werden sie spüren, dass darin die bedingungslose Liebe wohnt, die ICH in ihnen bin, nach der sie sich sehnen. Indem sie meiner Liebe wieder vertrauen, mir im Innern ihres Seins nahekommen, werden sie sich als göttliche Geistwesen des Lichtes und der Liebe wiedererkennen und ihren ersehnten Himmel auf Erden haben. In ihrem Verstand können sie mich nicht finden, sondern nur in ihrem Herzen, dem Ort der Liebe, Ehrlichkeit, Weisheit und Wahrheit. Es ist der Ort der Erkenntnis, um das Gute vom Bösen auf dem Weg verschiedenster Lebenserfahrungen unterscheiden zu können, um zu spüren, ob das eigene Denken und Handeln dem Wohl des Ganzen dient.

Nun, liebe Seele, willst du wirklich diese große Aufgabe übernehmen und eine Vermittlerin erhellender Denkanstöße sein, damit die Menschen ihre Irrtümer erkennen und ihr Leben im Einklang mit der Natur aus der Liebe ihres Herzens im friedlichen, verständnisvollen Miteinander neu gestalten?“
„Ja! Ich bin bereit, diesen Weg zu gehen, auch wenn es eine große Herausforderung sein wird. Da werde ich wohl eine Weile brauchen, um die gewissen Erfahrungen und meine eigenen Beobachtungen zu machen, damit ich diese Aufgabe erfüllen kann.
Wenn ich dann so weit bin, wird es mir ein Bedürfnis sein, dank der Ermächtigung durch DICH, den Menschen ans Herz zu legen, dich kennenlernen zu wollen, wie du wirklich bist, damit sie ihr Herz wieder für dich öffnen und den Glauben an deine bedingungslose Liebe für alles Leben wiedererlangen.
Es wäre doch eine große Erleichterung für die Menschen, wenn sie damit aufhörten, sich ihr Leben unnötig schwer und kompliziert zu machen, wenn sie es doch viel einfacher und schöner haben können und gesund bleiben. Was kann ich dafür tun?“
„Sachte, meine Liebe. Hab bitte etwas Geduld. Da ist noch etwas Wichtiges. Mit deinem Eintauchen in das andere Universum wirst du unser Gespräch, mich und dieses Reich eine Weile vergessen.
Nur so kannst du unvoreingenommen aus den vorhandenen Lebensumständen deine Erfahrungen hinsichtlich der Liebe und ihres Gegenpols der Angst machen und daraus Einsichten gewinnen, um Verständnis für dich und die Mitmenschen zu entwickeln.
Du wirst Menschen treffen, die mit den gleichen Absichten auf der Erde sind, um spirituelle Arbeit zur Bewusstseinserweckung der Menschen und ihrer Heilung zu leisten. Das wird dir auf deinem Wiedererkennungsweg helfen.
Denn es bedarf einiger mutiger Erkenntnisschritte und konzentrierter geistiger Besinnung, Ausdauer und Geduld, um wieder zu erwachen und dahinter zu kommen, wessen Geistes-Kinder ihr alle in Wirklichkeit seid, – zusammengehörend, aus einer Ur-Quelle kommend – und zu erkennen, wie ihr das Leben zum Wohle aller in Zusammenarbeit mit mir meistern könnt.
In einem bestimmten, besonderen Moment wirst du mich wieder in dir wahrnehmen, dich geführt fühlen und dich allmählich an mich und unser gemeinsames Vorhaben erinnern. Es wird dir wieder bewusst werden, dass du ein göttliches, geistiges Lichtwesen meiner Liebe bist, wie alle Menschen es in Wahrheit sind.
Indem du deinem Weg der inneren geistigen Führung mit bewusster Aufmerksamkeit und Hingabe folgst, die dir Einsichten vermittelt, und du dein Herz wieder für die Liebe öffnest, an sie glaubst, ihr wieder Vertrauen schenkst, kommst du der göttlichen Wahrheit des Lebens wieder auf die Spur und kannst auf dem Fluss des Lebens mühelos unsere gemeinsamen Ziele erreichen.

Und jetzt zu deiner Frage, was du dann tun kannst. Es ist sehr gut, die Menschen daran zu erinnern, sich zu besinnen, dass es ihre Aufgabe, ihre Verantwortung ist, mit ihren Gefühlen, ihren Körpern, der Natur und mit der Erde, von der sie leben, achtsam umzugehen, bewusst und ehrlich ihre Irrtümer über das Leben und über mich zu erkennen und zu korrigieren und das Gleichgewicht in sich selbst und auf der Erde auf natürliche Weise, ihrer höheren, inneren Herzens-Führung vertrauend, wiederherzustellen. Ich hatte ihnen ein Paradies anvertraut.
Wenn sie das wollen, können sie in Zusammenarbeit mit mir ein neues auf der Erde erschaffen.
Irrtümlicherweise erwarten viele Menschen, dass ich die Dinge in Ordnung bringe, die sie in Unordnung gebracht haben, oder, dass Jesus zurückkommt und es für sie tut. Das wird nicht geschehen.
Damit nähme ich ihnen die Gelegenheit, in ihrem Bewusstsein zu wachsen, sich zu höher entwickelten Wesen zu bilden, die hingebungsvoll dem höchsten Wohl des Einzelnen und der Gemeinschaft und der Erde, von der sie leben, in Liebe zu dienen. Doch darum geht es in diesem göttlichen Lebensprozess der Evolution, den ich herbeigeführt habe.
Du kannst Menschen ermutigen, neue Entscheidungen zu treffen und so zu handeln, wie es ihrem wahren inneren Verlangen nach Frieden, gegenseitiger Annahme und Würdigung ihrer Verschiedenheit entspricht, und ihnen ans Herz legen, sich selbst als liebenswerte Gotteskinder anzunehmen und ihre mitgebrachten Talente für ein friedliches Leben miteinander einzusetzen und alle Geschenke meiner Natur maßvoll miteinander zu teilen.
Indem du diese Aufgabe vollbringst, bist du ein großer Segen, eine lichtbringende, göttliche Botin in Menschengestalt. Ich lasse dich nie alleine auf deinem Weg. Und viele Geistwesen aus dem Reich des Lichtes und der Liebe werden bei dir und bei euch allen sein, um euch bei der geistigen Höherentwicklung in die bedingungslose Liebe zu allem Leben zu unterstützen. Du wirst mit vielen gleichgesinnten Seelen eine Helferin und Zeugin dieses gewaltigen Ereignisses auf der Erde sein. Es ist dringend nötig, die Menschen dahin zu führen, die alten Denkweisen und Verhaltensmuster, mit denen sie die Erde und sich selbst zerstören, loszulassen und durch neues, besseres, natürliches, Leben erhaltendes Handeln zu ersetzen.“

„Das mache ich mit dieser großen Unterstützung sehr gerne“, versprach die Seele begeistert, ohne zu ahnen, wie viel Kraft, Mut, Ausdauer, Hingabe, Vertrauen und Geduld nötig sind, um ihre bevorstehenden Herausforderungen auf der Erde meistern zu können.
Mit einem Seelenplan vereinbarten sie, welche Erfahrungen die Seele in ihrem Leben auf der Erde machen würde und welche Unterstützung ihr dabei zuteilwird, um die Aufgaben, die sie sich vornimmt, lösen zu können.

„Wann geht es nun los?“, fragte die Seele ungeduldig.

„Ich bereite jetzt deine Ankunft auf der Erde vor. Inzwischen kannst du dich von deinen Geschwistern hier verabschieden.“

Diese umkreisten ihre Schwester mit segensreichen Worten:
„Du mögest immer in Gottes und unserer Liebe bleiben!“
„Verliere nie den Mut, deinem Anliegen zu folgen!“
„Fürchte dich nicht, wenn du von Finsternis umgeben bist!“
„Vertraue als Mensch göttlicher Herkunft deinem Herzen!“

„Danke ihr Lieben. Bitte helft mir, falls ich Hilfe brauche.“




Das Elternpaar, Erika und Arthur, das sich die kleine Seele für ihr irdisches Leben aussuchte, wohnte in den 50er-Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts in einer ostdeutschen Stadt in außergewöhnlichen Verhältnissen. Statt mit seiner Frau das Bett zu teilen, schlief der Mann mit seiner Mutter in deren Ehebett. Nach dem Tod ihres Mannes hielt sie es nicht alleine aus und klammerte sich an ihren Sohn Arthur.
Erika war mit der zweijährigen Tochter im ehemaligen Kinderzimmer ihres Mannes untergebracht und litt unter der nächtlichen Trennung von Arthur. Vielleicht würde ein zweites Kind dazu beitragen, dass sie doch noch eine normale Familie sein könnten, dachte sie oft. Aber wie sollte das geschehen? Da konnte nur ein Wunder helfen.
Es fügte sich, dass ihre Schwiegermutter plötzlich verkündete: „Ich verreise mit meiner Schwester zwei Wochen an die Ostsee. Das hatten wir schon lange mal vor.“
So war die kleine Familie endlich mal für sich allein.

Gott rief nun die kleine Seele zu sich.
„Du wunderbare göttliche Seele meines Geistes, meines Lichtes, meiner Liebe, jetzt erfülle ich deinen Wunsch. Dein Abenteuer kann beginnen. Du wirst dich nicht mehr über lange Weile zu beklagen haben“, sagte er mit einem Lächeln im Tonfall.
Ich liebe dich und segne deine Reise, auf der du ein eigenständiges Bewusstsein dafür entwickeln kannst, was deinem Wohl und dem Wohl des Ganzen dient und was nicht. Du hast bei allem den freien Willen, wie alle anderen auch, um selbstbestimmt eigene Entscheidungen treffen zu können.
Ich bin immer auf unterschiedlichste Weise bei dir.“

„Ich liebe dich auch, lieber Gott. Danke, dass du mir diese Lebenserfahrungen ermöglichst und mich immer in deiner Liebe bewahrst.“

„So ist es!“




Teil 1 – Ansichten
Christas Kindheit und Jugend

Erika und Arthur kamen sich endlich wieder nahe und verliebten sich neu. Kurze Zeit später fühlte sich Erika schwanger. Als der Arzt ihre Vermutung bestätigte, jubelte sie, kaufte Kuchen und Blumen und deckte den Kaffeetisch.
„Was gibt es denn zu feiern?“, fragte Arthur erstaunt, als er von der Arbeit nach Hause kam. Der kleinen Gisela lief das Wasser im Mund zusammen. „Ah, Streuselkuchen mit Pudding. Darf ich anfangen?“
„Warte einen Moment. Ich möchte euch doch erst sagen, was es zu feiern gibt. Ich bekomme ein Baby!“ Kurze Stille.
Dann fragte Gisela: „Bekomme ich einen Bruder?“ „… oder eine Schwester“, ergänzte Erika.
Mit versteinerter Miene verließ Arthur den Raum.
„Mir ist auch der Appetit vergangen“, sagte Arthurs Mutter und folgte ihm. Erika war fassungslos.
„Mutti, warum freuen sich die beiden nicht? Ich freue mich und möchte jetzt den schönen Kuchen essen.“ Erika wollte Gisela nicht enttäuschen und zwang sich ein Stück zu essen. Die Wohnungstüre knallte ins Schloss. ‚Was ist denn in Arthur gefahren?‘, fragte sich Erika.
Sie dachte an ihre erste Schwangerschaft vor zwei Jahren. Gisela war ein Wunschkind. Beide hatten sich auf ihr Kommen gefreut. Dass sich Arthur über ein zweites Kind nicht freuen würde, war ihr gar nicht in den Sinn gekommen. Sie beruhigte sich mit dem Gedanken, dass er etwas Zeit brauchte, die neue Situation zu überdenken.
Als das Paar am Abend alleine war, fragte Arthur mit Anspannung in der Stimme: „Bist du dir ganz sicher, Erika?“
„Ja. Der Arzt hat es bestätigt. Aber was ist denn los, Arthur? Wieso freust du dich nicht?“
„Freuen? Ich soll mich freuen?! Ich verstehe nicht, wie das möglich war. Ich habe doch aufgepasst. Das Kind ist nicht von mir!“
Mit diesen Worten ließ er seine Frau alleine. So oft es Erika versuchte, es war absolut nicht mit ihm darüber zu reden. Zwischen den Erwachsenen wurden nur noch die aller nötigsten Worte gewechselt.
Monatelang behandelten die beiden Erika sehr abweisend. Setzte sie sich abends mit in das gemeinsame Wohnzimmer, wurde ihr mit Sticheleien deutlich gemacht, dass sie nicht dazugehört.
Die im Mutterleib wohnende Seele spürte die starken Stimmungsschwankungen zwischen hoffnungsvoller Freude, Sorge und Angst. Erika befürchtete, dass die Liebe ihres Mannes zu ihr womöglich ganz erkalten würde.

Einen Monat vor der Entbindung zog Erika mit der kleinen Gisela zu ihrer Mutter Ilse. Sie konnte die Kälte ihres Mannes nicht mehr ertragen. Bei der Oma wohnten sie zwar dicht gedrängt auf kleinstem Raum, aber die Liebe und Fürsorge ihrer Mutter war Balsam für Erikas Seele.
Kurz nach Weihnachten kam das Baby zur Welt. Erika gab dem Mädchen den Namen Christa. Die Kinderschwestern nannten es „Rosenblättchen“.
Zwei Wochen später kam Arthur, um seiner Frau mitzuteilen, dass er die Scheidung eingereicht hat. Das Kind sah er kaum an. In der Hoffnung, eines Tages doch wieder als Familie zusammenzufinden, lehnte Erika die Scheidung ab.
Dass Arthur keine Liebe mehr für sie empfand, tat ihr höllisch weh. Doch sie erlaubte sich nicht, ihre Traurigkeit zuzulassen. Gefühle der Schwäche würden es ihr nur schwerer machen, ihre Pflichten zu erfüllen, glaubte Erika.
In ihrer Schulzeit, während des zweiten Weltkrieges, war ihr eingeschärft worden, nur Härte gegen sich selbst könne einem die Stärke geben, die Aufgaben, die einem das Leben stellt, zu bewältigen. Das Leben war nun mal kein „Zuckerschlecken“. So befahl sie sich eiserne Disziplin, um ihre Verantwortung zu erfüllen.
Sie holte sich Rat und Anleitung aus Fachbüchern über Gesundheit, Pflege, Erziehung und hielt sich streng an die Empfehlungen. Solange ihre Kinder noch sehr klein waren, trug Erika einen weißen Kittel und Mundschutz bei näherem Körperkontakt.
Da sie bereits zweimal schwer an Lungentuberkulose erkrankt war, wollte sie die Kinder nicht gefährden und versagte sich schweren Herzens mit ihnen zu schmusen. Ein Küsschen auf den Po war das Einzige, was sie sich erlaubte.

(Dass Kinder, die nicht die körperliche Zuwendung bekommen, die sie brauchen, später als Erwachsene Schwierigkeiten mit körperlicher Berührung in Partnerbeziehungen haben können, darüber stand nichts in den Büchern.)

Erika gelang es, in einem Leipziger Stadtteil eine größere Wohnung zugewiesen zu bekommen. In der Hoffnung, dass Arthur doch zu ihr zurückkehren würde, lud sie ihn ein, mit seiner Familie in dieser Wohnung zusammenzuleben.
Er lehnte ab. „Ich lasse meine Mutter nicht im Stich.“
„Ach nein. Aber mich und unsere Kinder kannst du im Stich lassen!“, entgegnete Erika außer sich.
„Du kommst sehr gut alleine zurecht. Meine Entscheidung steht fest!“
Damit ließ er Erika stehen, in der eine Welt zerbrach. Ihre Träume von einer harmonischen Familie zerplatzten wie Seifenblasen. Zutiefst gekränkt verhärtete sie ihr Herz.

Obwohl Erika an den Kindern Freude hatte, fühlte sie sich mit ihrer Situation überfordert. Und so holte sie ihre Mutter zu sich. Die gütige Ilse war ihr eine große Hilfe.

Im Kindergarten steckte sich Gisela mit Keuchhusten an und lag fiebrig im Bett. Christa blieb zunächst verschont.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 266
ISBN: 978-3-99107-194-5
Erscheinungsdatum: 10.12.2020
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