Kilimanjaro
Der Gipfel ist nicht das Ende!
EUR 27,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 270
ISBN: 978-3-7116-0958-8
Erscheinungsdatum: 11.09.2025
Faszination Kilimanjaro – mehr als ein Reisebericht. Thorstens Aufstieg verläuft eindrucksvoll, doch ein Sturz über 5.500 m macht den Abstieg zur Grenzerfahrung. Über 70 Bilder begleiten die Geschichte – mit spannenden Erkenntnissen für Leben und Beruf.
Vorwort oder die Frage „Warum?“
„Warum machst du das, Thorsten?“ Diese Frage wurde mir vielfach aus dem privaten sowie aus dem beruflichen Umfeld gestellt, als ich von meinem zunächst unglaublich klingenden Plan, im Sommer 2023 den Kilimanjaro, den immerhin höchsten Berg Afrikas, zu besteigen, erzählte. An dieser Stelle erwähne ich gleich einmal zu Beginn des Buches, dass ich mich bei der Schreibweise des Kilimanjaro für die englische Version entschieden habe. Ja, warum genau hatte ich mir nun diese Besteigung eines Berges auf in Europa nicht existenter Höhe überhaupt vorgenommen? Um die Frage konkret zu beantworten, gehe ich einmal ein paar Schritte zurück.
Wir schreiben das Jahr 2018. Ich hatte damals die Tatsache eher noch im Fernblick vor Augen, dass ich in vier Jahren 50 Jahre alt, nein jung, werde. Wie auch immer, schon eine besondere Zahl, ein runder Geburtstag, auch wenn mir mein biologisches Alter wirklich seinerzeit komplett egal war und heute auch noch ist. Ich habe nämlich bis dato das große Glück, dass ich recht fit sowie gesund bin. Toi, toi, toi! Also bestand meine Überlegung in der Frage, was kann ich – außer mit tollen Menschen mein halbes Jahrhundert zu feiern, was ich dann auch getan hatte – ganz Besonderes anlässlich meines 50. Geburtstages unternehmen? Noch ein wenig anders ausgedrückt: Ich war auf der Suche nach etwas bisher nicht Dagewesenem. Und genau das „besonders ganz Andere und Neue“ wollte ich finden, genießen und schließlich erleben. Irgendwie fehlte mir zu dem damaligen Zeitpunkt noch die zündende Idee, auch wenn ich ja im Prinzip unter keinem Zeitdruck stand. Denn mein erwähnter runder Geburtstag war ja schließlich noch ein paar Jahre entfernt.
Doch dann fiel der passende Impuls quasi wie vom Himmel. Mein ältester Sohn, Sören, schenkte mir zu Weihnachten im genannten Jahr das Buch „Die stille Revolution“. Später schauten wir beide auch gemeinsam den, wie ich finde, bemerkenswerten und beeindruckenden Film. Der Buchautor ist Bodo Janssen, ein erfolgreicher Unternehmer einer Hotelkette mit Unterkünften an Nord- und Ostsee. In dem Buch beschreibt er, wie ich finde, sehr eindrucksvoll, welchen Herausforderungen er sich gegenübersah, als er über Nacht nach dem Tod seines Vaters die Unternehmensführung übernahm, und wie auch er selbst einen kompletten Wandel als Unternehmer vollzog. In dem Buch stach für mich hervor, wie er nach und nach mehr Verantwortung seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übertrug. Dazu gehörten insbesondere auch die Auszubildenden. Dem Nachwuchs neben Perspektiven und Mehrwerten zu bieten, heute vielfach „Benefits“ genannt, stellt sicherlich eine besonders große Motivation und gleichzeitig auch Herausforderung in der heutigen Arbeitswelt dar. In „Die stille Revolution“ las ich, wie Bodo Janssen, im Übrigen mit einem starken sozialen Engagement in Afrika, seinen Auszubildenden die Möglichkeit einräumte, sich auf eine Kilimanjaro-Tour zu bewerben. Sie sollten beschreiben, warum sie ganz persönlich an dieser sicher herausfordernden Tour teilnehmen wollten. Jeder Bewerber trug einen anderen Antrieb in sich. Das fand ich sehr spannend. Um es kurz zu machen: An späterer Stelle in dem Buch wurde für mich dann äußerst eindrucksvoll beschrieben, wie die Gruppe der dann final tatsächlich gestarteten Azubis gemeinsam mit den Bergführern um Mitternacht sich auf den Weg zur Gipfeletappe machte, um den einmaligen und magischen Sonnenaufgang auf dem Dach von Afrika zu bewundern. Und der Beschreibung nach, auf dem Gipfel des Kilimanjaro zu stehen, schien es sich um ein unvergessliches Erlebnis zu handeln! Das berührte mich und weckte Emotionen in mir. Exakt diese eindrucksvolle Beschreibung hatte bei mir sofort ein unglaublich farbenfrohes Bild in Verbindung mit einem ganz besonderen Abenteuer im Kopf erzeugt.
Ich wusste daher in diesem Moment sofort: Das ist es! Das ist das Besondere, wonach ich selbst gesucht hatte! Das war mein persönlicher und spezieller Wunsch, ein Erlebnis, etwas ganz anderes zu entdecken und mich auf eine ganz besondere sowie einmalige Reise zu begeben: Ich wollte die Kilimanjaro-Tour und als Höhepunkt einer sicherlich kräftezehrenden Bergbesteigung den Sonnenaufgang auf dem Dach Afrikas erleben. Ich wollte den dazu passenden strahlend blauen Himmel, ich wollte das Schmetterlingsblau, dort in seiner vollen Pracht an einem einmaligen Ort als herausforderndes Abenteuer auf dieser Erde erleben.
Die Eindrücke aus dem Buch wurden schließlich noch untermauert, als ich gemeinsam mit Sören mir über YouTube, wie erwähnt, auch den Film „Die stille Revolution“ anschaute, nachdem ich die Lektüre zuvor innerhalb von nur drei Tagen gelesen hatte. Der Film stellte eine Kurzversion des Buches dar. Einige Elemente aus dem Gelesenen fehlten zwar, jedoch begeisterte mich gerade die, wenn auch kurze, Passage rund um die Kilimanjaro-Reise. Darin wurde gezeigt, was der Antrieb für die Teilnehmer war, sich dieser Herausforderung zu stellen, und wie sie sich unterschiedlich auf die Tour vorbereiteten. Anschließend gab es einige wenige, jedoch dafür sehr eindrucksvolle Bilder von diesem Abenteuer bis zur Gipfelerreichung zu sehen, abgerundet mit vielen frohen, glücklichen und stolzen Gesichtern, etwas ganz Außergewöhnliches geschafft sowie erlebt zu haben. In diesem Film waren auch Aufnahmen zu sehen, die eindeutig zeigten, dass die Besteigung viel Kraft kostete und definitiv kein Selbstläufer war. Das weckte zudem auch den sportlichen Ehrgeiz in mir. Die bewegten Bilder bestätigten meinen Wunsch, das Vorhaben Kilimanjaro in Wirklichkeit umzusetzen und selbst zu erleben. So erhielt das Abenteuer Kilimanjaro tatsächlich Einzug in mein Leben, nachdem auch meine Kinder Sören, Sönke und Eeske-Marit mich bei diesem Vorhaben bekräftigten. Indem sie nämlich einstimmig Folgendes zu mir sagten, als ich sie beim Unterhalten über mein Vorhaben um ihre Meinung bat: „Mach das, Papa!“. Mit diesem Buch teile ich neben den vielen persönlichen Eindrücken gerade meine eigenen Gedanken vor, während und nach der Kilimanjaro-Besteigung sowie die daraus gewonnenen, sehr wertvollen Erkenntnisse.
Daher bin ich Sören nicht nur für das Weihnachtsgeschenk an sich schon dankbar, sondern insbesondere für den daraus entstandenen Impuls, mein persönliches Abenteuer entdeckt zu haben. Daher passt Folgendes statt ins Schlusswort gleich zu Beginn: Vielen Dank, lieber Sören!
Das ist die Antwort auf die Frage „Warum?“.
I. VOR der Tour
Kapitel 1
Planung oder ja, ich will und mache das!
Ursprünglich wollte ich in dem Jahr meines 50. Geburtstags, 2022, die Tour starten. So sah der eigentliche Plan aus. Jedoch machte die im März 2020 auch in Deutschland Einzug haltende Corona-Pandemie einen dicken Strich durch die Rechnung. Eine Planungssicherheit, z. B. im Hinblick auf die Flüge, gab es in 2021 noch nicht. Denn in jener Zeit existierten große Einschränkungen wie zum Beispiel Auflagen, sich mit einer maximalen Personenzahl zu treffen. Das Arbeiten aus dem Homeoffice und Homeschooling für Schüler bildeten den gegenwärtigen Standard. Flugzeuge blieben eine lange Zeit am Boden und Hotels geschlossen. Das Einkaufen war beispielsweise zudem nur mit dem Tragen einer Maske erlaubt, und der Abstand beim Bezahlen an der Kasse von 1,5 Metern war eine Pflichtaufgabe. Erst nach und nach führten Lockerungen bei der Bewegungsfreiheit zu einer gewissen Normalität aus der gewohnten Vergangenheit. Auch wenn während der Corona-Zeit ja nicht ansatzweise an große Urlaube zu denken war, so gab ich mein persönliches Ziel, den Kilimanjaro zu besteigen, nie auf. Die richtige Zeit würde schon kommen, da war ich mir absolut sicher. Meine grobe Überlegung war, diese Tour mit einem Jahr Vorlauf zu buchen, um eine gute Vorbereitung zu haben. Schließlich verfügte ich über keinerlei Erfahrung aus vergangenen Bergtouren in dieser Dimension. Das war aus den genannten Gründen jedoch nicht sinnvoll möglich. Daher hatte ich mich entschieden, diese ganz besondere Abenteuerreise um ein Jahr zu verschieben.
Um das Vorhaben in die Wirklichkeit umzusetzen, buchte ich dann im Herbst 2022 verbindlich die Reise. Ein langjähriger Weggefährte, Jörg, empfahl mir die Firma Hauser Exkursionen aus München, die derartige Touren seit über 50 Jahren organisieren und weltweit durchführen. Ich hatte mir das Unternehmen sowie die Detailbeschreibung der Kilimanjaro-Tour intensiv im Internet angeschaut. Die Darstellungen machten einen sehr professionellen und vertrauenswürdigen Eindruck. Ich möchte an dieser Stelle einmal betonen, dass es sich hier nicht um eine Werbung für das Unternehmen handelt. Es gibt auf jeden Fall noch weitere gute, erfahrene sowie kompetente Reiseanbieter. Jörg selbst hatte seine Kilimanjaro-Besteigung mit Teilen der Familie mit exakt dem Unternehmen durchgeführt, und zwar erfolgreich. Mit ihm hatte ich mich auch das ein oder andere Mal getroffen, um ihm viele Fragen zu seinen konkreten Erfahrungen vor Ort zu stellen. Das waren organisatorische Themen und auch gerade die Frage nach den persönlichen Erlebnissen von seiner Tour, die er als echte Herausforderung beschrieben hatte. Um es auf den Punkt zu bringen: Seine Antworten bestätigten mich in meinem Vorhaben. Er gab mir nach einem unserer ersten Gespräche noch einen leicht warnenden Hinweis, dass ich die Besteigung auch wirklich wollen müsse und das Ganze nicht so eine einfache bzw. eine augenblickliche Laune sein dürfe. Ich brauchte nicht lange, um über diese wichtige Aussage nachzudenken, und gab ihm Recht. Ich zweifelte nämlich nicht eine einzige Sekunde an meinem Willen und meinem Vorhaben, das Abenteuer Kilimanjaro anzugehen. Jetzt wollte ich definitiv Nägel mit Köpfen machen. Ich war jetzt am Zug. Alleine bei mir lag die Verantwortung, den Startschuss zu geben. Ich musste das Projekt, mein persönliches Vorhaben, nun selbst anschieben.
Wer kennt das nicht? Ohne ein konkretes Ziel und ohne den wichtigen ersten Schritt erfolgt auch kein Start. Also machte ich sehr schnell tatsächlich Nägel mit Köpfen und beschäftigte mich mit weiterführenden Fragen, wie zum Beispiel der Frage nach der richtigen Jahreszeit: Wann ist klimabedingt ein guter Zeitpunkt? Günstige Reisezeiten sind von Mitte Juni bis Oktober und Mitte Dezember bis Mitte März. Während der übrigen Monate ist mit Niederschlägen zu rechnen, weshalb für mich zu diesen Zeiten eine derartige Tour eher nicht infrage kommt.
Neben dem Aspekt „Klima“ muss ein Zeitfenster auch mit Vorlauf geplant sein, um auch und gerade in einem sehr zeitintensiven sowie verantwortungsvollen Job sich gut abzustimmen. Schließlich wollte ich zum ersten Mal in meiner 30-jährigen Berufslaufbahn einen Urlaub von rund drei Wochen am Stück nehmen. Meine Sommerurlaube umfassten in der Vergangenheit in der Regel einen Zeitraum von zwei Wochen. Als ich meinen Kollegen von meinem Vorhaben und dem für mich definierten Zeitfenster im August 2023 erzählte, waren sie fasziniert und zollten mir vorab schon großen Respekt.
Der Termin sowie mein Urlaub von rund drei Wochen waren dann auch schnell abgestimmt: Am 13. August 2023 wird es mit dem Flieger ab Hannover über Istanbul nach Tansania gehen. Ziel: Moshi (roter Punkt in untenstehender Karte), eine Stadt mit rund 200.000 Einwohnern, 700 Meter hoch am Fuße des Kilimanjaro gelegen. Sie ist in Tansania Ausgangs- und Endpunkt der elftägigen Reise, die am 23. August 2023 enden sollte. So richtig greifbar war die Tour für mich zu dem Zeitpunkt irgendwie noch nicht. Immerhin stand jetzt der Plan auf dem Papier. Alles Weitere würde nach und nach kommen bzw. als Vorbereitung von mir umzusetzen sein.
Also lautete das Vorhaben von Peine-Stederdorf nach Moshi, also eine Reise um die halbe Welt, bevor es dann auf den Kilimanjaro gehen sollte! Die Entfernung vom Start- zum Zielpunkt auf dem Globus beeindruckte mich und weckte die Vorfreude gleichermaßen.
Nun stellte sich die Frage, welche der angebotenen Touren die passende ist. Schließlich führten unterschiedliche Routen auf den Gipfel des Kilimanjaro. Auch die Dauern unterschieden sich dabei. Ich hatte ein paar Auswahlkriterien in meinem Kopf:
Ich wollte definitiv keinen Massentourismus, so wie ich ihn in für mich zumindest abschreckender Weise in einer Reportage zum Mount Everest gesehen hatte. Dort bildete sich eine extrem lange Schlange, um zu dem Gipfel zu gelangen. So etwas kam für mich nicht infrage, auf keinen Fall! Ich hatte eine komplett andere Vorstellung von Natur in Verbindung mit meiner Abenteuerreise. Klar, der größte Berg der Welt ist von der Anforderung noch eine andere Nummer. Aber in dieser nahezu endlosen Schlange hoch über den Wolken anstehen, um zum Gipfel zu kommen? Nein, das möchte ich definitiv nicht. Zurück zu meinem Plan, zurück nach Afrika. Ich entschied mich daher für die Kilimanjaro Lemosho-Route (Northern Circuit). Warum? Die Besteigung über diese Route sollte die längste und einsamste der angebotenen Routen sein. So schrieb Hauser Exkursionen zu dieser Route: „Wir erklimmen den Kilimanjaro über die einsamste aller Routen. Auf dem Northern Circuit, der sich nordseitig um den Kibo windet, sind wir mit unserer Begleitmannschaft vielleicht ganz alleine unterwegs. Die nördlichen Eisfelder am Kraterrand thronen hoch über dem Weg. Wir lernen den unberührten Westen sowie die stille Nordseite und den grünen Süden des Kilimanjaro kennen. Auf dieser Route haben wir acht Tage, den Kilimanjaro intensiv zu erleben und uns an die Höhe zu gewöhnen, so viel Zeit nehmen sich die wenigsten. Das Auf und Ab bietet die bestmögliche Akklimatisierung, ist aber konditionell fordernd. Ein einsames und einzigartiges Bergabenteuer erwartet uns.“ Das klang wirklich richtig, richtig gut. Die Ausführungen feuerten definitiv die Abenteuerlust weiter an.
Der entscheidende und wirklich große Vorteil der Lemosho-Route (Northern Circuit) lag in der umfangreichen Anpassungsphase an die besonderen Höhenanforderungen: Auf der beschriebenen Strecke würde drei Tage lang auf einer Höhe von rund 4.000 Metern gewandert werden, sodass dadurch, wie angesprochen, eine besonders gute Akklimatisierung möglich sein sollte. Schließlich stand ich vor der Entscheidung über eine bisher nicht mal ansatzweise erlebte Bergtour, gerade eben im Hinblick auf die Höhe. Die Beschreibung überzeugte mich, ich hatte zudem ein sehr gutes Bauchgefühl.
Das hörte sich, wie gesagt, gut an. Ich wurde direkt aktiv. Das Ergebnis kurz und knapp: Gebucht!
Der Reiseanbieter verfügte über ein gutes sowie übersichtliches Portal (www.hauser-exkursionen.de), über das ich nach dem Anlegen eines persönlichen Profils dann die Reise verbindlich buchte. Nach kurzer Zeit erhielt ich dann meine persönlichen Unterlagen „Meine Reise“. Dort fanden sich gut strukturiert die einzelnen Punkte wieder, an denen ich mich jetzt zur Vorbereitung orientieren konnte:
1. Meine Vorbereitung
2 Meine Anreise
3. Mein Programm
4. Mein Reiseziel
5. Mein Reisegepäck
Nun galt es, sich mit ausreichend Weitblick und auch intensiv vorzubereiten. Die Ausführungen hier zur Planung und auch zur nachfolgend beschriebenen Vorbereitung halte ich eher kurz, da das eigentliche Highlight ja die Kilimanjaro-Tour ist. Da natürlich – das kenne ich aus meiner aktiven Fußballzeit ja noch – eine Top-Vorbereitung das A&O sein sollte, möchte ich diesen Aspekt auch wiederum nicht zu kurz kommen lassen. Denn immerhin hatte ich, wie gesagt, wirklich keinerlei Erfahrung im Hinblick auf ein derartiges Abenteuer. Ich startete also tatsächlich bei null. Daher las ich das oben genannte Programm gleich mehrmals durch, sodass sich das Reiseziel wie ein Puzzle nach und nach zumindest in meinen Gedanken schon einmal vervollständigte. Das gab mir ein gutes Gefühl.
Ab sofort lautete das magische Datum: 13.08.2023. Der Countdown lief!
...
„Warum machst du das, Thorsten?“ Diese Frage wurde mir vielfach aus dem privaten sowie aus dem beruflichen Umfeld gestellt, als ich von meinem zunächst unglaublich klingenden Plan, im Sommer 2023 den Kilimanjaro, den immerhin höchsten Berg Afrikas, zu besteigen, erzählte. An dieser Stelle erwähne ich gleich einmal zu Beginn des Buches, dass ich mich bei der Schreibweise des Kilimanjaro für die englische Version entschieden habe. Ja, warum genau hatte ich mir nun diese Besteigung eines Berges auf in Europa nicht existenter Höhe überhaupt vorgenommen? Um die Frage konkret zu beantworten, gehe ich einmal ein paar Schritte zurück.
Wir schreiben das Jahr 2018. Ich hatte damals die Tatsache eher noch im Fernblick vor Augen, dass ich in vier Jahren 50 Jahre alt, nein jung, werde. Wie auch immer, schon eine besondere Zahl, ein runder Geburtstag, auch wenn mir mein biologisches Alter wirklich seinerzeit komplett egal war und heute auch noch ist. Ich habe nämlich bis dato das große Glück, dass ich recht fit sowie gesund bin. Toi, toi, toi! Also bestand meine Überlegung in der Frage, was kann ich – außer mit tollen Menschen mein halbes Jahrhundert zu feiern, was ich dann auch getan hatte – ganz Besonderes anlässlich meines 50. Geburtstages unternehmen? Noch ein wenig anders ausgedrückt: Ich war auf der Suche nach etwas bisher nicht Dagewesenem. Und genau das „besonders ganz Andere und Neue“ wollte ich finden, genießen und schließlich erleben. Irgendwie fehlte mir zu dem damaligen Zeitpunkt noch die zündende Idee, auch wenn ich ja im Prinzip unter keinem Zeitdruck stand. Denn mein erwähnter runder Geburtstag war ja schließlich noch ein paar Jahre entfernt.
Doch dann fiel der passende Impuls quasi wie vom Himmel. Mein ältester Sohn, Sören, schenkte mir zu Weihnachten im genannten Jahr das Buch „Die stille Revolution“. Später schauten wir beide auch gemeinsam den, wie ich finde, bemerkenswerten und beeindruckenden Film. Der Buchautor ist Bodo Janssen, ein erfolgreicher Unternehmer einer Hotelkette mit Unterkünften an Nord- und Ostsee. In dem Buch beschreibt er, wie ich finde, sehr eindrucksvoll, welchen Herausforderungen er sich gegenübersah, als er über Nacht nach dem Tod seines Vaters die Unternehmensführung übernahm, und wie auch er selbst einen kompletten Wandel als Unternehmer vollzog. In dem Buch stach für mich hervor, wie er nach und nach mehr Verantwortung seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übertrug. Dazu gehörten insbesondere auch die Auszubildenden. Dem Nachwuchs neben Perspektiven und Mehrwerten zu bieten, heute vielfach „Benefits“ genannt, stellt sicherlich eine besonders große Motivation und gleichzeitig auch Herausforderung in der heutigen Arbeitswelt dar. In „Die stille Revolution“ las ich, wie Bodo Janssen, im Übrigen mit einem starken sozialen Engagement in Afrika, seinen Auszubildenden die Möglichkeit einräumte, sich auf eine Kilimanjaro-Tour zu bewerben. Sie sollten beschreiben, warum sie ganz persönlich an dieser sicher herausfordernden Tour teilnehmen wollten. Jeder Bewerber trug einen anderen Antrieb in sich. Das fand ich sehr spannend. Um es kurz zu machen: An späterer Stelle in dem Buch wurde für mich dann äußerst eindrucksvoll beschrieben, wie die Gruppe der dann final tatsächlich gestarteten Azubis gemeinsam mit den Bergführern um Mitternacht sich auf den Weg zur Gipfeletappe machte, um den einmaligen und magischen Sonnenaufgang auf dem Dach von Afrika zu bewundern. Und der Beschreibung nach, auf dem Gipfel des Kilimanjaro zu stehen, schien es sich um ein unvergessliches Erlebnis zu handeln! Das berührte mich und weckte Emotionen in mir. Exakt diese eindrucksvolle Beschreibung hatte bei mir sofort ein unglaublich farbenfrohes Bild in Verbindung mit einem ganz besonderen Abenteuer im Kopf erzeugt.
Ich wusste daher in diesem Moment sofort: Das ist es! Das ist das Besondere, wonach ich selbst gesucht hatte! Das war mein persönlicher und spezieller Wunsch, ein Erlebnis, etwas ganz anderes zu entdecken und mich auf eine ganz besondere sowie einmalige Reise zu begeben: Ich wollte die Kilimanjaro-Tour und als Höhepunkt einer sicherlich kräftezehrenden Bergbesteigung den Sonnenaufgang auf dem Dach Afrikas erleben. Ich wollte den dazu passenden strahlend blauen Himmel, ich wollte das Schmetterlingsblau, dort in seiner vollen Pracht an einem einmaligen Ort als herausforderndes Abenteuer auf dieser Erde erleben.
Die Eindrücke aus dem Buch wurden schließlich noch untermauert, als ich gemeinsam mit Sören mir über YouTube, wie erwähnt, auch den Film „Die stille Revolution“ anschaute, nachdem ich die Lektüre zuvor innerhalb von nur drei Tagen gelesen hatte. Der Film stellte eine Kurzversion des Buches dar. Einige Elemente aus dem Gelesenen fehlten zwar, jedoch begeisterte mich gerade die, wenn auch kurze, Passage rund um die Kilimanjaro-Reise. Darin wurde gezeigt, was der Antrieb für die Teilnehmer war, sich dieser Herausforderung zu stellen, und wie sie sich unterschiedlich auf die Tour vorbereiteten. Anschließend gab es einige wenige, jedoch dafür sehr eindrucksvolle Bilder von diesem Abenteuer bis zur Gipfelerreichung zu sehen, abgerundet mit vielen frohen, glücklichen und stolzen Gesichtern, etwas ganz Außergewöhnliches geschafft sowie erlebt zu haben. In diesem Film waren auch Aufnahmen zu sehen, die eindeutig zeigten, dass die Besteigung viel Kraft kostete und definitiv kein Selbstläufer war. Das weckte zudem auch den sportlichen Ehrgeiz in mir. Die bewegten Bilder bestätigten meinen Wunsch, das Vorhaben Kilimanjaro in Wirklichkeit umzusetzen und selbst zu erleben. So erhielt das Abenteuer Kilimanjaro tatsächlich Einzug in mein Leben, nachdem auch meine Kinder Sören, Sönke und Eeske-Marit mich bei diesem Vorhaben bekräftigten. Indem sie nämlich einstimmig Folgendes zu mir sagten, als ich sie beim Unterhalten über mein Vorhaben um ihre Meinung bat: „Mach das, Papa!“. Mit diesem Buch teile ich neben den vielen persönlichen Eindrücken gerade meine eigenen Gedanken vor, während und nach der Kilimanjaro-Besteigung sowie die daraus gewonnenen, sehr wertvollen Erkenntnisse.
Daher bin ich Sören nicht nur für das Weihnachtsgeschenk an sich schon dankbar, sondern insbesondere für den daraus entstandenen Impuls, mein persönliches Abenteuer entdeckt zu haben. Daher passt Folgendes statt ins Schlusswort gleich zu Beginn: Vielen Dank, lieber Sören!
Das ist die Antwort auf die Frage „Warum?“.
I. VOR der Tour
Kapitel 1
Planung oder ja, ich will und mache das!
Ursprünglich wollte ich in dem Jahr meines 50. Geburtstags, 2022, die Tour starten. So sah der eigentliche Plan aus. Jedoch machte die im März 2020 auch in Deutschland Einzug haltende Corona-Pandemie einen dicken Strich durch die Rechnung. Eine Planungssicherheit, z. B. im Hinblick auf die Flüge, gab es in 2021 noch nicht. Denn in jener Zeit existierten große Einschränkungen wie zum Beispiel Auflagen, sich mit einer maximalen Personenzahl zu treffen. Das Arbeiten aus dem Homeoffice und Homeschooling für Schüler bildeten den gegenwärtigen Standard. Flugzeuge blieben eine lange Zeit am Boden und Hotels geschlossen. Das Einkaufen war beispielsweise zudem nur mit dem Tragen einer Maske erlaubt, und der Abstand beim Bezahlen an der Kasse von 1,5 Metern war eine Pflichtaufgabe. Erst nach und nach führten Lockerungen bei der Bewegungsfreiheit zu einer gewissen Normalität aus der gewohnten Vergangenheit. Auch wenn während der Corona-Zeit ja nicht ansatzweise an große Urlaube zu denken war, so gab ich mein persönliches Ziel, den Kilimanjaro zu besteigen, nie auf. Die richtige Zeit würde schon kommen, da war ich mir absolut sicher. Meine grobe Überlegung war, diese Tour mit einem Jahr Vorlauf zu buchen, um eine gute Vorbereitung zu haben. Schließlich verfügte ich über keinerlei Erfahrung aus vergangenen Bergtouren in dieser Dimension. Das war aus den genannten Gründen jedoch nicht sinnvoll möglich. Daher hatte ich mich entschieden, diese ganz besondere Abenteuerreise um ein Jahr zu verschieben.
Um das Vorhaben in die Wirklichkeit umzusetzen, buchte ich dann im Herbst 2022 verbindlich die Reise. Ein langjähriger Weggefährte, Jörg, empfahl mir die Firma Hauser Exkursionen aus München, die derartige Touren seit über 50 Jahren organisieren und weltweit durchführen. Ich hatte mir das Unternehmen sowie die Detailbeschreibung der Kilimanjaro-Tour intensiv im Internet angeschaut. Die Darstellungen machten einen sehr professionellen und vertrauenswürdigen Eindruck. Ich möchte an dieser Stelle einmal betonen, dass es sich hier nicht um eine Werbung für das Unternehmen handelt. Es gibt auf jeden Fall noch weitere gute, erfahrene sowie kompetente Reiseanbieter. Jörg selbst hatte seine Kilimanjaro-Besteigung mit Teilen der Familie mit exakt dem Unternehmen durchgeführt, und zwar erfolgreich. Mit ihm hatte ich mich auch das ein oder andere Mal getroffen, um ihm viele Fragen zu seinen konkreten Erfahrungen vor Ort zu stellen. Das waren organisatorische Themen und auch gerade die Frage nach den persönlichen Erlebnissen von seiner Tour, die er als echte Herausforderung beschrieben hatte. Um es auf den Punkt zu bringen: Seine Antworten bestätigten mich in meinem Vorhaben. Er gab mir nach einem unserer ersten Gespräche noch einen leicht warnenden Hinweis, dass ich die Besteigung auch wirklich wollen müsse und das Ganze nicht so eine einfache bzw. eine augenblickliche Laune sein dürfe. Ich brauchte nicht lange, um über diese wichtige Aussage nachzudenken, und gab ihm Recht. Ich zweifelte nämlich nicht eine einzige Sekunde an meinem Willen und meinem Vorhaben, das Abenteuer Kilimanjaro anzugehen. Jetzt wollte ich definitiv Nägel mit Köpfen machen. Ich war jetzt am Zug. Alleine bei mir lag die Verantwortung, den Startschuss zu geben. Ich musste das Projekt, mein persönliches Vorhaben, nun selbst anschieben.
Wer kennt das nicht? Ohne ein konkretes Ziel und ohne den wichtigen ersten Schritt erfolgt auch kein Start. Also machte ich sehr schnell tatsächlich Nägel mit Köpfen und beschäftigte mich mit weiterführenden Fragen, wie zum Beispiel der Frage nach der richtigen Jahreszeit: Wann ist klimabedingt ein guter Zeitpunkt? Günstige Reisezeiten sind von Mitte Juni bis Oktober und Mitte Dezember bis Mitte März. Während der übrigen Monate ist mit Niederschlägen zu rechnen, weshalb für mich zu diesen Zeiten eine derartige Tour eher nicht infrage kommt.
Neben dem Aspekt „Klima“ muss ein Zeitfenster auch mit Vorlauf geplant sein, um auch und gerade in einem sehr zeitintensiven sowie verantwortungsvollen Job sich gut abzustimmen. Schließlich wollte ich zum ersten Mal in meiner 30-jährigen Berufslaufbahn einen Urlaub von rund drei Wochen am Stück nehmen. Meine Sommerurlaube umfassten in der Vergangenheit in der Regel einen Zeitraum von zwei Wochen. Als ich meinen Kollegen von meinem Vorhaben und dem für mich definierten Zeitfenster im August 2023 erzählte, waren sie fasziniert und zollten mir vorab schon großen Respekt.
Der Termin sowie mein Urlaub von rund drei Wochen waren dann auch schnell abgestimmt: Am 13. August 2023 wird es mit dem Flieger ab Hannover über Istanbul nach Tansania gehen. Ziel: Moshi (roter Punkt in untenstehender Karte), eine Stadt mit rund 200.000 Einwohnern, 700 Meter hoch am Fuße des Kilimanjaro gelegen. Sie ist in Tansania Ausgangs- und Endpunkt der elftägigen Reise, die am 23. August 2023 enden sollte. So richtig greifbar war die Tour für mich zu dem Zeitpunkt irgendwie noch nicht. Immerhin stand jetzt der Plan auf dem Papier. Alles Weitere würde nach und nach kommen bzw. als Vorbereitung von mir umzusetzen sein.
Also lautete das Vorhaben von Peine-Stederdorf nach Moshi, also eine Reise um die halbe Welt, bevor es dann auf den Kilimanjaro gehen sollte! Die Entfernung vom Start- zum Zielpunkt auf dem Globus beeindruckte mich und weckte die Vorfreude gleichermaßen.
Nun stellte sich die Frage, welche der angebotenen Touren die passende ist. Schließlich führten unterschiedliche Routen auf den Gipfel des Kilimanjaro. Auch die Dauern unterschieden sich dabei. Ich hatte ein paar Auswahlkriterien in meinem Kopf:
Ich wollte definitiv keinen Massentourismus, so wie ich ihn in für mich zumindest abschreckender Weise in einer Reportage zum Mount Everest gesehen hatte. Dort bildete sich eine extrem lange Schlange, um zu dem Gipfel zu gelangen. So etwas kam für mich nicht infrage, auf keinen Fall! Ich hatte eine komplett andere Vorstellung von Natur in Verbindung mit meiner Abenteuerreise. Klar, der größte Berg der Welt ist von der Anforderung noch eine andere Nummer. Aber in dieser nahezu endlosen Schlange hoch über den Wolken anstehen, um zum Gipfel zu kommen? Nein, das möchte ich definitiv nicht. Zurück zu meinem Plan, zurück nach Afrika. Ich entschied mich daher für die Kilimanjaro Lemosho-Route (Northern Circuit). Warum? Die Besteigung über diese Route sollte die längste und einsamste der angebotenen Routen sein. So schrieb Hauser Exkursionen zu dieser Route: „Wir erklimmen den Kilimanjaro über die einsamste aller Routen. Auf dem Northern Circuit, der sich nordseitig um den Kibo windet, sind wir mit unserer Begleitmannschaft vielleicht ganz alleine unterwegs. Die nördlichen Eisfelder am Kraterrand thronen hoch über dem Weg. Wir lernen den unberührten Westen sowie die stille Nordseite und den grünen Süden des Kilimanjaro kennen. Auf dieser Route haben wir acht Tage, den Kilimanjaro intensiv zu erleben und uns an die Höhe zu gewöhnen, so viel Zeit nehmen sich die wenigsten. Das Auf und Ab bietet die bestmögliche Akklimatisierung, ist aber konditionell fordernd. Ein einsames und einzigartiges Bergabenteuer erwartet uns.“ Das klang wirklich richtig, richtig gut. Die Ausführungen feuerten definitiv die Abenteuerlust weiter an.
Der entscheidende und wirklich große Vorteil der Lemosho-Route (Northern Circuit) lag in der umfangreichen Anpassungsphase an die besonderen Höhenanforderungen: Auf der beschriebenen Strecke würde drei Tage lang auf einer Höhe von rund 4.000 Metern gewandert werden, sodass dadurch, wie angesprochen, eine besonders gute Akklimatisierung möglich sein sollte. Schließlich stand ich vor der Entscheidung über eine bisher nicht mal ansatzweise erlebte Bergtour, gerade eben im Hinblick auf die Höhe. Die Beschreibung überzeugte mich, ich hatte zudem ein sehr gutes Bauchgefühl.
Das hörte sich, wie gesagt, gut an. Ich wurde direkt aktiv. Das Ergebnis kurz und knapp: Gebucht!
Der Reiseanbieter verfügte über ein gutes sowie übersichtliches Portal (www.hauser-exkursionen.de), über das ich nach dem Anlegen eines persönlichen Profils dann die Reise verbindlich buchte. Nach kurzer Zeit erhielt ich dann meine persönlichen Unterlagen „Meine Reise“. Dort fanden sich gut strukturiert die einzelnen Punkte wieder, an denen ich mich jetzt zur Vorbereitung orientieren konnte:
1. Meine Vorbereitung
2 Meine Anreise
3. Mein Programm
4. Mein Reiseziel
5. Mein Reisegepäck
Nun galt es, sich mit ausreichend Weitblick und auch intensiv vorzubereiten. Die Ausführungen hier zur Planung und auch zur nachfolgend beschriebenen Vorbereitung halte ich eher kurz, da das eigentliche Highlight ja die Kilimanjaro-Tour ist. Da natürlich – das kenne ich aus meiner aktiven Fußballzeit ja noch – eine Top-Vorbereitung das A&O sein sollte, möchte ich diesen Aspekt auch wiederum nicht zu kurz kommen lassen. Denn immerhin hatte ich, wie gesagt, wirklich keinerlei Erfahrung im Hinblick auf ein derartiges Abenteuer. Ich startete also tatsächlich bei null. Daher las ich das oben genannte Programm gleich mehrmals durch, sodass sich das Reiseziel wie ein Puzzle nach und nach zumindest in meinen Gedanken schon einmal vervollständigte. Das gab mir ein gutes Gefühl.
Ab sofort lautete das magische Datum: 13.08.2023. Der Countdown lief!
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