Cover: Kellertreppe aufwärts

Kellertreppe aufwärts


EUR 20,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 234
ISBN: 978-3-7116-0787-4
Erscheinungsdatum: 22.09.2025
Charlotte Löttichs Aufzeichnungen erzählen vom Überlebenskampf einer Frau mit Magersucht. Erschütternd und ehrlich – zugleich ein Mutmacher für alle, die sich in größter Not befinden. Ein Buch für Frauen, die einen Weg zurück ins Leben suchen.
Vorwort


Sie wurde immer weniger. Immer weniger. Meine liebste Freundin Charlotte. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Meine Art ist es, Dinge anzusprechen. Das habe ich mehrmals getan. Geradeaus und direkt, vielleicht etwas zu schroff. Doch ich war innerlich voller Angst, ohnmächtig und hilflos. Es ist schwer zuzusehen, wenn jemand leidet, den man liebt. Ich hatte gehofft, dass es etwas bringt. Dass ich Charlotte mit meiner direkten Art wachrütteln könnte, denn ich wusste, was sie tut. Ich wusste, dass sie sich weghungert. Ich wusste, wo der Weg, auf dem sie sich gerade befand, enden kann. Und ich hatte so große Angst, meine beste Freundin zu verlieren.
Ich wünsche mir, dass Charlottes Geschichte Menschen hilft, die in einer ähnlichen Situation sind. Dass sie erkennen, es wert zu sein, gehört und gesehen zu werden und sich jemandem anzuvertrauen. Es sind immer die eigenen Gedanken, die uns quälen, und jeder Mensch ist so viel mehr als seine Gedanken, die er über sich denkt.
Liebe Charlotte, danke für deinen Mut, dich mit deiner Geschichte zu zeigen und somit anderen Menschen Hoffnung zu geben!

Deine „Anne“




Prolog


Sich auf den Weg machen

Irgendwann kommt ein Mensch vielleicht an einen Punkt in seinem Leben, an dem ihm klar wird, dass das Funktionieren im tagtäglichen Leben eben nicht mehr funktioniert. Auch wenn die Dinge – rein äußerlich betrachtet – in scheinbar geregelten Bahnen verlaufen. Der Mensch hat einen Job, der ihn zufriedenstellt, ja, sogar auch Freude bereitet, eine wunderbare Familie, ein nettes Haus in einem Vorort einer größeren Stadt, ja, sogar Tiere bereichern die Familie; zwei Pferde und zwei Vögel.
Und dann passiert es: Der Verstand stellt sich auf slow motion, und im Inneren spürt der Mensch, dass er ein Herz hat. Dieses Herz beginnt plötzlich zu schlagen und lässt den Menschen erahnen, dass tief, tief in seinem Unterbewusstsein, im Keller sozusagen, ein großes Fass steht, dessen Wände im Laufe der Jahrzehnte sehr porös geworden sind. Zudem brodelt und gärt es in diesem Fass, sodass sein Deckel kurz vor einer Explosion steht. Zu allem Überfluss ist das nicht das Einzige. In staubigen, dunklen Ecken des Kellers gibt es noch viele Kisten, ebenfalls zwar von Spinnweben überzogen, aber mit hochexplosivem Inhalt versehen. Da auch schon vor vielen, vielen Jahren die funzelige Glühbirne den Geist aufgegeben hat, herrscht also völlige Dunkelheit in diesem Keller. Folglich bleibt die Tür fest verschlossen, denn der Mensch möchte keinesfalls die Treppe hinunterfallen, in die völlige Dunkelheit hinabgleiten und möglicherweise noch über die diversen Kisten stolpern und gegen das Fass stoßen. Er könnte Angst bekommen, und das Stoßen würde ihm sicherlich Schmerzen bereiten.
Alles würde durcheinandergeraten, Traumata, Glaubenssätze und alte Verhaltensmuster würden mit dem Menschen die Kellertreppe nach oben wollen. Alle diese Kisten liegen seit Jahrzehnten dort unten herum und klopfen bisweilen an die Kellertür. Mal laut – im Rücken knackt es, der Nacken schmerzt – , mal leise, ein Tinnitus nach einem Hörsturz, der chronisch wird. Der Körper trägt aus, was nicht im Einklang ist.
Jetzt fragt sich der Mensch vielleicht: „Im Einklang mit was denn, bitteschön?“ Ich würde ihm antworten: „Im Einklang mit dir selbst aus dir selbst heraus. Getragen durch deine innere schöpferische Kraft und Freiheit, die dich hinführt zur Liebe deines Herzens.“
Vielleicht ist der fragende Mensch nun durch diesen Satz völlig verwirrt. Ich war es auch, und mit meinem allzeit eingeschalteten, analytischen Verstand habe ich lange nicht begriffen und Zweifel gehegt. Was ich nicht sehen, hören und anfassen kann, existiert auch nicht, so sagte es die immer präsente Stimme in meinem Kopf. Mein Herz aber weiß und wusste schon immer, dass es so viel mehr zwischen Himmel und Erde gibt …
Ich durfte und darf diesen Weg gehen, erfahren und spüren, was es bedeutet, in meinem eigenen Keller aufzuräumen. Die Kisten und das Fass vorsichtig und langsam zu öffnen, um die hochexplosive Kraft, die darunter sitzt, zu dosieren. Unsere Vergangenheit gehört zu uns, und sie beeinflusst uns, ohne dass wir uns oftmals dessen bewusst sind – diese zu betrachten und anzunehmen, hilft uns auf dem Weg.
Ebenso durch schmerzhafte, aber sehr heilsame Prozesse zu gehen und allmählich von Altem loszulassen. Dies ist meine ganz persönliche Reise auf dem Weg, die Kellertreppe hinauf ins Licht, hinauf zu innerer Klarheit, hinauf zum (Selbst)-Bewusstsein der vielen glücklichen Momente in Verbundenheit mit Natur, Tier und Mensch, hinauf zur schöpferischen Freiheit. Energie fließt in Liebe, Mitgefühl, Achtsamkeit, Wertschätzung und Demut gegenüber allem Lebendigen. Ich bin dankbar für diesen Weg und möchte Menschen Mut machen, sich zu trauen, den eigenen Weg zu finden, die eigenen „Kisten im Keller“ zu betrachten, um darin aufräumen zu dürfen und die Inhalte ans Licht zu bringen.
Ich danke allen, die mich in dieser Schreibphase, auf welche Art auch immer, unterstützt und mir zur Seite gestanden haben. Meiner Familie, meinen Freunden, meinen Pferden für ihr Sein, meinen Schülern und Kollegen, und ganz besonders danke ich Lisa für die Schärfung des Blicks auf die Wiederentdeckung des großen Ganzen, meiner Freundin „Anne“ für ihre Worte, Renate und Frank für ihr stetig offenes Ohr und die wunderbare Begleitung in diesem Prozess, meine eigene Geschichte zu Papier zu bringen. Danke!

Charlotte Löttich




Schatten und Licht


Gehört – so oft – und still ertragen.
Gesehen – so oft – die Augen verschlossen.
Erfahren – so oft – und ohne zu sagen.
Gespürt – so oft – wie der Schmerz vergangen.
Geschwiegen – so lange – die Seele gefangen.

Eine Mauer gebaut und gut geschützt,
einen starken Pfeiler, der kräftig stützt.
Jahrzehntelang da drin versteckt,
mit einer Decke, die Narben verdeckt.

„Betreten verboten“, so steht es dort.
„Alles ist gut“, sagt es beständig fort.
Und doch geschieht es, ganz still und leise,
die Mauer bröckelt, es beginnt meine Reise.

Ich tauch in die Tiefe und was ich sehe,
das lass ich empor,
durch das Herz hindurch und berühr meine Seele.

Ein heilender Schmerz auf den Weg gebracht,
ein zartes Licht wird in mir entfacht,
es erfüllt mein Herz mit Dankbarkeit,
die Seele ein kleines Stück weiter befreit.
(August 2018)




1


Aufgerüttelt

Januar 2017

Ich schließe hinter mir die Klassenzimmertür. Die Schülerin verabschiedet sich von mir und bedankt sich für das Gespräch. Wir vereinbaren noch, dass ich ihre Betreuerin darüber informieren würde. Ich höre, wie die Schritte meiner Schülerin im Schulflur hallen und dann immer leiser werden. Bis auf ein paar Geräusche aus dem gegenüberliegenden Klassenzimmer herrscht nun Stille. Eine Stille, die sich geradezu bedrohlich anfühlt. Noch während ich den Schlüssel ins Schloss stecke und ihn herumdrehe, verspüre ich ein merkwürdiges Gefühl irgendwo tief in meinem Inneren, es ist so, als wenn plötzlich alles Blut in den Adern gefriert und sämtliche Energie ins Stocken gerät. Mein Kopf fühlt sich leer an, als hätte jemand mit einem Staubsauger alle Gedanken und Bilder aus meinem Kopf herausgesaugt. Für einen kurzen Augenblick halte ich mich am Türgriff fest und spüre, wie der Boden unter meinen Füßen schwankt. „Jetzt bloß nicht umkippen, du musst an die frische Luft“, denke ich und versuche, tief durchzuatmen. Ich trete hinaus auf den Schulhof. Dort treffe ich auf meine liebe Kollegin Doreen, die gerade vom Rauchen zurückkommt. Ihr als meine Teamkollegin hätte ich von dem Gespräch mit unserer Schülerin Mia berichten sollen. Aber anstatt zu reden, erfasst mich erneut dieses komische Gefühl und gleichzeitig eine heftige, undefinierbare Welle der Übelkeit. Ich schaffe es gerade noch mit ein paar Schritten hinter die Sporthalle, beuge mich vor und erbreche mich hinter einem Busch. Es schüttelt und rüttelt mich gefühlt minutenlang, bis sich mein Magen endlich wieder entkrampft. Glücklicherweise ist es noch Unterrichtszeit, sodass keine Schüler auf dem Schulhof sind. Auf die erstaunte Frage meiner Kollegin hin, was denn mit mir los sei, kann ich keine sinnvolle Antwort finden. Wie gelähmt und mit immer noch leerem Kopf stehe ich mit geschlossenen Augen an die Wand der Sporthalle gelehnt und brauche noch eine ganze Weile, bis ich in der Lage bin, ins Gebäude zurückzukehren.
An sich ist es nichts Außergewöhnliches, dass wir mit unseren – oft sehr problembeladenen – Schülern und Schülerinnen, von denen sicherlich schon viele Schlimmes erlebt haben, Gespräche dieser Art führen. Das geschieht sogar häufiger und ist ein Teil unserer Arbeit an dieser Schule. Ich liebe meine Arbeit an dieser besonderen Schule mit unseren Schülern, die sich vor allem mit viel Herzblut für unsere Jugendlichen gut gestalten lässt, auch wenn sie manches Mal sehr herausfordernd ist. Mit Verlassen des Schulgeländes nach Unterrichtsschluss verlasse ich aber auch immer die Welt meiner Schüler – normalerweise. Dieses Mal sollte es komplett anders sein, das aber ist erst viele Wochen und Monate später – und auch nur häppchenweise – an den Rand meines Bewusstseins gedrungen.
Nachdem ich mich soweit gefangen habe und der Becher Kaffee, den ich trinke, ein bisschen meinen Kreislauf ankurbelt, gehe ich in die letzten zwei Unterrichtsstunden des Tages. Gedanklich bin ich wieder voll und ganz bei meiner Klasse und dem Unterrichtsstoff. Alles ist gewohnt und vertraut wie sonst auch. Der Klassenraum, der Flur, das Lehrerzimmer, das Gebäude mit seinen langen, niedrigen Gängen und der Schulhof mit seinen alten Bäumen, alles scheint unverändert. Auch die noch vorher als bedrohlich empfundene Stille existiert nicht mehr, und der übliche, vertraute Geräuschpegel dringt wieder an meine Ohren. Nach Unterrichtsschluss betreibe ich noch ein bisschen Small Talk mit zwei Kollegen im Lehrerzimmer, bevor ich die Schule verlasse und mich auf den Weg zu meinem Auto mache.
Als ich ins Auto steige und mich auf den Weg nach Hause begebe, rotiert es jedoch in meinem Kopf, und mein Verstand arbeitet auf Hochtouren. Eine derart starke, körperliche Reaktion auf ein Problemgespräch mit einer meiner Schülerinnen ist mir schlichtweg unbegreiflich. Seit nahezu zwanzig Jahren bin ich inzwischen in meinem Job als Lehrerin tätig, aber so etwas wie heute ist mir noch nie passiert. Fast hätte ich beim Abbiegen auf die Hauptstraße einen Radfahrer übersehen, so sehr bin ich in Gedanken vertieft, abrupt bremse ich, und der Radler schimpft in meine Richtung.
Zu Hause angekommen, bereite ich das Mittagessen vor, und nachdem auch meine Kinder aus der Schule eingetroffen sind, essen wir zu Mittag, und für eine Weile vergesse ich meine Gedankengänge von heute Vormittag, da meine Kinder – wie meistens – viel zu berichten haben.
Anschließend jedoch verabschiede ich mich und fahre zum Hof, auf dem meine beiden Pferde stehen. Hier, bei meinen beiden Ponywallachen, finde ich normalerweise zu innerer Ruhe und Gelassenheit, es reicht schon das Dasein, das Bei- und Mit-ihnen-Sein. Doch heute stelle ich fest, dass ich keine innere Ruhe finden kann. Daran ändert auch der Waldspaziergang mit meinem Islandwallach nichts. Trotz der Stille, dem weich federnden Waldboden, dem leichten Tannen- und Pilzgeruch, den ich so mag, finde ich nicht in meine Mitte. Irgendetwas in mir ist angesprungen, ich kann es weder greifen noch finden, spüre nur ein undefinierbares, komisches Gefühl, das mich fortan in all meinem Tun begleitet, mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Nach mir bekanntem Verhaltensmuster versuche ich, dieses Gefühl möglichst weit von mir wegzuschieben.




2


Wie vor knapp dreißig Jahren?

Februar 2017

Die nächsten Wochen vergehen, und wie das im Winter eben so ist, wird es früh dunkel. An einem Wochenende, es mag vielleicht Ende Januar oder Anfang Februar gewesen sein, fahre ich am Abend zu einer Verabredung mit einer Freundin in die angrenzende Stadt. Ich stelle mein Auto an einem kleinen Bahnhof im Norden der Stadt ab, um mit dem Zug und der Straßenbahn in die Innenstadt zu gelangen. Dort angekommen, gehen wir in einem netten kleinen Bistro etwas essen und verbringen einen schönen Abend miteinander. Wir haben uns länger nicht gesehen, haben uns viel zu erzählen und viel zu lachen. Die Stimmung ist gut, und ich genieße unser Treffen.
Doch dann, ganz plötzlich, kurz bevor wir aufbrechen, taucht dieses komische Gefühl, das ich nicht genau zuordnen kann, in mir wieder auf. Mir bleibt das Lachen förmlich im Halse stecken, und mein Puls beschleunigt sich. Ich merke, wie ich unter meiner Kleidung anfange zu schwitzen. Mein Herz fängt laut an zu schlagen, und es fühlt sich an, als wenn es mir gleich aus der Brust springen möchte. Schnell verabschiede ich mich von meiner Freundin – ich will nur noch weg. Meine Wahrnehmung verzerrt sich, und ich empfinde die Menschen zu dieser späten Stunde im Dunkeln um mich herum als bedrohlich, besoffene Typen, die dicht an mir vorbeigehen, Schritte hinter meinem Rücken, ein Atemhauch in meinem Nacken. Immer wieder drehe ich mich hastig um, kann aber hinter mir niemanden sehen. Mir ist klar, dass ich keine andere Wahl habe, als mit der Straßenbahn und dem Zug zu meinem Auto zu gelangen. An der Haltestelle der Straßenbahn sehe ich nervös auf den Fahrplan. Noch vier Minuten, bis die nächste Bahn kommt. Gegenüber der Haltestelle ist ein Kiosk, der zu späterer Stunde gut besucht ist. Ich bete, dass die besoffenen Männer dort drüben bleiben und drehe ihnen den Rücken zu. Noch zwei Minuten. Die Zeit scheint endlos zu sein. Plötzlich höre ich Schritte hinter mir, die lauter werden, und eine Gänsehaut überzieht meinen Körper. Glücklicherweise kommt in diesem Moment die Straßenbahn, und ich steige ein. Als diese anfährt, kriecht mir jedoch erneut eine Gänsehaut über den Rücken. Noch so viele Menschen zu so später Stunde in der Straßenbahn und überall so schräge Typen, die mich anglotzen, oder bilde ich mir das nur ein? In wenigen Sekunden schnellt mein Puls wieder in die Höhe. Das halte ich nicht aus! An der nächsten Haltestelle hämmere ich wie verrückt auf den Türöffner, stürze aus der Bahn und schnappe nach Luft. Bin ich jetzt völlig durchgedreht? WAS BITTE IST DENN LOS? Ich beschließe, den Weg zum Hauptbahnhof zu Fuß zurückzulegen, und auf dem Weg dorthin beruhige ich mich etwas. Der Zug kommt glücklicherweise pünktlich und ist auch nicht besonders voll. Doch mein Pulsschlag beschleunigt sich erneut, als ich ans Aussteigen denke und den größtenteils unbeleuchteten Bahnhof, auf dessen anderer Seite mein Auto auf dem Pendlerparkplatz steht. Der Zug hält an, und ich stolpere aus der Tür und renne zur Treppe. Sind da Schritte hinter mir, die ebenfalls an Tempo zunehmen? Ein blanker Schatten im Licht der einzigen Lampe, die den kleinen Bahnhof notdürftig beleuchtet. Ich spüre den Schatten in meinem Nacken. Er hat keine Augen, nur Hände. Große, glitschige Hände, die nach mir greifen. Ein Flüstern, das wie kalter Regen gegen meine Ohren klatscht. Ohne mich diesmal umzudrehen, laufe ich, so schnell ich kann, die Treppen hoch, überquere die Straße und erreiche, inzwischen fast panisch geworden und völlig außer Atem, mein Auto. In meinen Ohren rauscht es. Erst als ich die Fahrertür hinter mir zuknalle und mich einschließe, begreife ich für einen kurzen Augenblick: Es ist pure Angst, die Besitz von mir nimmt. Ich lehne mich in meinem Autositz zurück, schließe die Augen, und für den Bruchteil einer Minute sehe ich mich als Jugendliche, vor ungefähr dreißig Jahren. Es war dunkel und mitten in der Nacht. Unbeleuchtete Wege und nur schemenhafte Umrisse von Bäumen und Sträuchern zu erkennen. Gefühle der Angst flammen wieder auf. Es ist so lange her. Und es ist so gut wie vergessen. Und gut im Keller eingesperrt. Knapp 30 Jahre lang hat es mir nichts ausgemacht. Ich bin überall hingegangen und hingefahren, egal ob Tag oder Nacht. Was sollen diese Bilder? Und warum ausgerechnet jetzt? Ich will diese Bilder nie wieder sehen, nicht fühlen und spüren. Nie wieder. Einen kurzen Augenblick später schaltet sich mein Verstand wieder ein, und die Rückblende erlischt so plötzlich, wie sie vor meinem inneren Auge erschienen ist. Ich atme tief durch, stecke den Schlüssel mit noch leicht zitternden Händen ins Zündschloss und fahre nach Hause.
...
3 Sterne
Spannung gut aufgebaut - 10.02.2026
Gisela L. Drees-Schumacher

Charlotte Löttich: Kellertreppe aufwärts MagersuchtLehrerin Rückblende panische Angst , die aufflammt, + Vorwort und Prolog führen gut in das Thema (Ursache für Magersucht), gutes Symbol: unaufgeräumter Keller, Spannung wird erzeugt: was ist vor langer Zeit geschehen? … allerdings ahnt man es bereits. Wie wird die Schilderung des traumatischen Vergangenen sprachlich bewältigt? Das könnte bei einem autobiographischem Text schwierig sein...

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