In den Fängen der Angst
Eine wahre Geschichte – Teil 1
EUR 22,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 404
ISBN: 978-3-7116-0916-8
Erscheinungsdatum: 29.01.2026
Die Geschichte einer Familie, in der Angst und Gewalt ständig präsent sind. Trotzdem will dieses Buch Mut machen und zeigen, dass das Leben trotz allem viel zu geben hat.
1. KAPITEL
Kindheit
Müsste ich über meine Kindheit erzählen, müsste ich von einem andauernden Psychoterror erzählen, der nicht zu Ende schien. Es gab an keinem Tag die Gewissheit, was morgen passieren würde, es war ein Kampf, fast auch ums Überleben. Niemand, den wir kannten, konnte erahnen, wie es bei uns zu Hause zuging, auch wenn von außen hin alles so harmonisch wirkte. Und hier die Geschichte: An einem Sonntagmorgen, die Sonne schien mir ins Gesicht, noch etwas verschlafen, vernahm ich ein lautes Schreien und ein bitterliches Weinen. Es war meine Mutter, mit flehender Stimme bat sie meinen Vater, ihr nicht weh zu tun, aber nichts konnte meinen Vater aufhalten. Ich hörte einen Schlag, der sich mehrmals wiederholte … und dann nochmals ein lautes Geschrei, das sich über das laute Weinen meiner Mutter erhob. Ich saß nun da in meinem Bettchen, mir zerriss es das Herz. Im selben Moment nahm ich mein Kopfkissen und hielt es mir ins Gesicht, um das alles nicht zu hören, aber meine Angst um meine Mutter und die Neugier hielten mich weiter davon ab. Ich vernahm kein lautes Geschrei mehr, nur das bittere Weinen meiner Mutter. Ich dachte nur: Wieder hat er zugeschlagen. Ich spürte nur den Schmerz meiner Mutter und ich konnte ihr nicht helfen, da ich doch nur ein kleines Kind von 6 Jahren war. Plötzlich war es still. Erwartungsvoll blickte ich auf die Schlafzimmertür meiner Eltern. Was passiert jetzt … Plötzlich öffnete mein Vater die Tür und sah mich bissig an und ging wortlos an mir vorbei. Meine Mutter folgte nach ein paar Minuten und sah mich mit sorgenvollen, traurigen Augen an, als wollte sie mir ihr Leid erzählen … Ach Mama, dachte ich, könnte ich nur dein Leid beenden. Hatte doch meine Mutter seit ihrer Kindheit ein hartes Leben, die Mutter viel zu früh gestorben, als meine Mutter noch ein Kind war, musste auf ihre zwei Brüder mithelfen, sie aufzuziehen. Aber trotz ihres Schicksalsschlags wollte sie immer helfen und für die Kranken da sein, machte sie eine Ausbildung als Krankenschwester und dann kreuzten sich ihre Wege und sie traf meinen Vater, heiratete und einen Monat später kam meine Schwester auf die Welt, und drei Jahre später ich. In dieser Zeit wusste meine Mutter nicht, dass ihre Hölle jetzt begonnen hatte. Mein Vater zeigte ihr schon die Faust, als meine Mutter schon schwanger war mit meiner Schwester. Hatte sie nicht auch ein respektvolles Leben verdient? Mir flossen einige Gedanken durch den Kopf und ich war für einige Minuten abwesend, bemerkte dabei nicht, dass meine Schwester, die im Zimmer gegenüber von mir ihr Bett hatte, aufgewacht ist und auf mich in meiner Abwesenheit redet, mit mir, dann sagte sie: „Wo warst du jetzt?“ Ich wusste nicht, sollte ich ihr von dem Ereignis erzählen, aber mich überkam ein seltsames Gefühl und hielt mich zu schweigen. Dann stand ich auf, ging ins Badezimmer, wo mich mein Vater verscheuchte, da er meinte, er war als Erster da. Ich ging in die Küche, wo meine Mutter das Frühstück vorbereitete. Sie gab mir das Gefühl, als wäre alles in Ordnung, und meinte: Setz dich hin, ich habe da einen Kakao für dich und ein Milchbrot. Mein Vater kam aus dem Badezimmer, auch kam meine Großmutter durch die Küchentür herein, die neben unserer Wohnung wohnte, und sie erzählte von Nachbarn, die sich komisch verhalten, und was sie beim Einkaufen erlebt hat. Als ich mit dem Frühstück fertig war, machte ich mich fertig, um in den Hof zu gehen, zu spielen. Ich rief meine Cousine, die mit ihren 3 Brüdern im gleichen Zinshaus wohnte wie wir. Ihr Vater, mein Onkel, ein Vertreter für eine Süßwarenfirma, er war ein etwas kleiner Mann mit gewelltem Haar und Brille, war oft auf Reisen durch seinen Beruf. Meine Tante war früher auch eine Krankenschwester und ist auch mit meiner Mutter in dieselbe Krankenpflegeschule gegangen, hatte ihren Beruf auch an den Nagel gehängt, als sie den Bruder meines Vaters kennenlernte, heiratete und 4 Kinder bekam. Sie hielt sich mit Halbtagsarbeit über Wasser, da das Geld, was mein Onkel verdiente, nicht reichte. Ich lief im Hof herum und wartete auf meine Cousine und ihre 3 Brüder. Wir spielten Verstecken, meine Schwester kam auch dazu. Ich hatte so viel Spaß, dass ich das Erlebnis von heute Morgen etwas hinter mir ließ. Die Zeit verging schnell und es wurde Mittag, meine Mutter stand auf der Veranda und rief meine Schwester und mich zum Mittagessen. Es gab ein mageres Essen, nur Salzkartoffeln mit Butter, da mein Vater den Rest des Lohnes im Wirtshaus versoffen hatte, das war nicht das erste Mal. Wie oft musste ich mein Sparschwein mit den paar Schilling ausleeren, weil meine Mutter nicht genug Geld hatte, um etwas einzukaufen. Meine Mutter hatte zwar eine Arbeit als private Pflegerin bei einer alten Dame, ich hatte meine Mutter oft zu ihrer Arbeit begleitet, und ich mochte die alte Dame. Sie war eine kleine, zierliche alte Frau und in ihren früheren Tagen war sie Lehrerin und konnte sehr gut mit Kindern umgehen. Sie lernte mir auch das Lesen, da war ich 5 Jahre alt. Auch hatte sie mich einmal zu einer Weihnachtsfeier mitgenommen, die in einem sehr noblen Hotel war, und sie lernte mir für dieses Weihnachtsfest ein Gedicht aufzusagen, weil ich mir viel merken konnte. Ich erinnere mich heute noch, ich hatte bei der Weihnachtsfeier hohe braune Stiefel an, eine rote Strumpfhose blitzte aus meinem grauen Trägerkleid, und ich stand auf einem kleinen Schemel, damit mich alle sehen konnten, und ich sagte mein Gedicht vor all den 100 Leuten und ich war kein bisschen schüchtern. Danach klatschten die Leute und manche drückten mir etwas Geld in meine kleinen Hände als Belohnung für das schöne Vortragen des Gedichtes. Meine Mutter arbeitete schon viele Jahre bei Frau Medisch, und sie hatte dort auch einige Aufgaben, sie machte den Haushalt, kochte und pflegte, sie machte auch ihre Wäsche. Da Frau Medisch keine Waschmaschine hatte, nahm meine Mutter ihre Wäsche in großen Säcken mit und schleppte es bis Nachhause und es war schon ein Stück zu gehen. Oft tat meine Mutter mir leid, dass sie sich so abschleppen musste, oft hielt ich ihr die Hand, wenn sie den schweren Sack trug, um mitzuhelfen. Meine Mutter verdiente nicht viel bei der alten Dame und das bisschen, was sie verdiente, hat ihr mein Vater gleich abgenommen. Sie durfte sich nichts selbst dafür kaufen, ihr wurde das Geld von meinem Vater eingeteilt und das war nicht viel, mit dem sie wirtschaften musste. Der Tag neigte sich dem Ende zu, es wurde schon dunkel draußen und man konnte schon den Mond sehen. Meine Schwester Barbara und ich saßen in unserem Zimmer und hörten Musik und meine Schwester nebenbei las in einem Buch. Meine Mutter kam etwas in Hast ins Zimmer und beschwerte sich, warum wir noch nichts für den morgigen Schultag hergerichtet haben. Meine Schwester Barbara antwortete mit einem etwas schnippischen Ton: Ich werde es gleich machen. Ich saß nur da und beobachtete die Hektik, die sich in dem Zimmer breit machte. Nach einer Weile ging ich zu Bett und drückte meine Puppe dicht an mich, auch mein hellblaues Kopftuch, das ich überall mithatte, brauchte ich zum Schlafen. Nach einer Weile schlief ich ein.
Am Morgen erwachte ich, meine Mutter rannte wie von der Tarantel gestochen durchs Zimmer und rief laut: „Aufstehen, für die Schule fertig machen!“ Ich wollte nicht aufstehen, viel zu müde, aber nach dem mehrmaligen Rufen meiner Mutter, dass wir endlich aufstehen sollten, standen wir auf. Meine Schwester und ich liefen zur gleichen Zeit zum Badezimmer und stritten uns, wer zuerst da war. Meine Mutter kam dazwischen und schlichtete den Streit. Nach einem kurzen Frühstück nahmen wir unsere Schultaschen und gingen zur Schule. Meine Schwester nahm mich bei der Hand. Ich hatte so ein unwohles Gefühl, in die Schule zu gehen, hatte ich doch nicht wirklich Freunde. Auch war mir die Lehrerin etwas suspekt, hatte sie doch ihre Lieblingsschüler, die ganz vorne sitzen durften und die immer die Beachtung bekamen. Ich hatte meinen Platz ganz hinten in der Klasse, und ich bekam immer ein rotes Gesicht, wenn mich die Lehrerin etwas fragte und ich vor der ganzen Klasse aufstehen musste. Ach, warum konnte ich nicht vorne sitzen, müsste ich die ganzen Schüler nicht sehen, dachte ich. All diese Gedanken machten sich breit in meinem Kopf am Weg zur Schule. Im Schulhof angekommen, sah ich schon ein paar Mitschüler von mir, die mich etwas komisch ansahen. Ich hatte sogar das Gefühl, sie wussten, dass ich nicht so die Lockerere von nebenan bin und auch nicht die so Beliebte in der Schule. Ich hatte nicht die neuesten Kleider, ich musste das tragen, was meiner Schwester nicht mehr passte. Auch war ich eine mittelmäßige Schülerin, und diese Erkenntnis, nicht die Beliebteste zu sein, machte mir Sorgen. Ich hielt die Hand meiner Schwester ganz fest, wollte sie nicht mehr auslassen, bis eine Mitschülerin von mir kam. Es war Elisabeth, ein kleines bulliges Mädchen mit langen braunen Haaren, das immer ein Stofftier in die Schule mitbrachte. Auch wurde sie immer von ihrer Mutter in die Schule gebracht und wieder abgeholt, und sie wirkte nicht, als hätte sie Angst, in die Schule zu gehen. Ist aber auch kein Wunder, sie war ja beliebt und hatte auch immer viele Süßigkeiten mit, die sie in der Pause an ihre Freundinnen aufteilte. Sie kam zu mir und hatte einen großen Plüschaffen fest umklammert in ihrer Hand und fragte mich: „Ist das deine Schwester?“ Etwas verstört sah ich sie an und auch etwas überrascht, da sie sich sonst nicht wirklich mit mir unterhielt, und ich sagte: „Ja … meine große Schwester …“ Meine Schwester sah mich mit einem Lächeln an und ließ meine Hand aus und sagte: „Dann geh jetzt in deine Klasse …“ Besorgt sah ich sie an und wünschte mir, könnte sie nur bei mir bleiben. In der Zwischenzeit ist Elisabeth schon zu einer ihrer Freundinnen verschwunden. Ich stand ganz alleine im Schulhof und fasste mir einen Mut, in die Klasse zu gehen. Sie war im ersten Stock der Schule. Dort angekommen, waren schon ein paar Mitschüler von mir in der Klasse und alberten herum. Da war auch ein Bub, er hieß Andreas. Er war ein kräftiger kleiner Kerl mit einem runden Gesicht und roch immer nach Kartoffelchips. Auch hatte ich bei ihm das Gefühl, dass er mich nicht sonderlich mochte, aber das beruhte auf Gegenseitigkeit. Er stand in der Mitte des Klassenzimmers und unterhielt sich mit einem anderen Buben. Ich stand neben der Tür des Klassenzimmers und wollte am liebsten nach Hause laufen … Plötzlich erblickte mich Andreas und machte sich über meine zwei geflochtenen Zöpfe lustig und auch über meine Kleidung. Ich bekam Magenschmerzen. Meine Rettung war, dass meine Klassenlehrerin hereinkam und dem ein Ende machte und Andreas rechtschaffen darauf hinwies, damit aufzuhören. Es strömten die restlichen Kinder in die Klasse und drängten zu ihren Sitzplätzen. Meine Aufregung stieg. Was würde heute passieren, und ich hoffte, dass ich der Erwartung gerecht bin, was von mir verlangt wurde. Meine Lehrerin Frau Kottan forderte zur Ruhe auf, da sich die Kinder alle gemischt unterhielten. Sie sagte: „So, erste Stunde haben wir Rechtschreibung, bitte holt alle die Hefte … so, und jetzt üben wir das kleine r und das große R …“ Ich bemühte mich so gut ich konnte … schrieb ein R nach dem anderen. Die Lehrerin Frau Kottan ging durch die Reihe, ob wir es auch richtig machten. Ich war fertig mit der Übung und sah zum Fenster und sah, dass es zu regnen begann. Ich dachte im Stillen, ich hoffe, dass es aufhören würde, bis die Schule aus ist. Die 4 Stunden in der Schule verflogen schnell und ich hatte es geschafft … endlich nach Hause. Es hatte leider auch nicht zu regnen aufgehört, alle Kinder drängten zur Klassentür und wollten sich schnell anziehen, um nach Hause zu kommen. Am Flur von der Klasse hatte jedes Kind seinen Spintkasten und ich versuchte, mich von den Kindermassen zu meinem Spind zu drängen. Ein paar Kinder stießen mich weg, weil jeder der Erste sein wollte, aber endlich kam ich zu meinen Sachen. Ich zog mich schnell an und mit erwartungsvollen Augen versuchte ich zu erhaschen, ob ich meine Mutter sah, die versprochen hatte, mich abzuholen. Im Schulhof angekommen, sah ich meine Mutter. Sie lachte mich an und hatte für mich einen kleinen roten Regenschirm mit und meinte: „Lass uns schnell nach Hause gehen.“ Wir liefen die Straße hinunter und hatten so 20 Minuten zu Fuß zu gehen bis nach Hause. Ich freute mich auf meinen neuen Regenschirm, der mich trocken hielt, nur meine Füße wurden nass, aber bald hatten wir es geschafft. Wir kamen in unsere Straße und von Weitem konnte ich meine Großmutter sehen, die auch gerade vom Einkaufen kam. Meine Mutter und ich gingen durch den Hof, wo sich die Nachbarskatzen tummelten und einen Schutz suchten vor dem Regen. Als meine Mutter und ich in der Wohnung ankamen, zog ich meine nassen Schuhe aus und meine Mutter Maria trocknete meine nassen Füße und zog mir frische Socken an. Meine Mutter begann das Mittagessen zu machen, es gab heute Kartoffelschnitzel und Dillsauce, das aß ich für mein Leben gerne. Ich spielte in der Zwischenzeit mit unserer Katze „Maxi“, sie war eine rot-weiße Katze. Nach einiger Zeit kam auch meine Schwester zur Tür herein und verzog sich ins Zimmer, da sie schlechte Nachrichten bekam von ihrem Aufsatz in der Schule. Meine Mutter rief nach ihr und fragte: „Na, wie ist es mit der Schularbeit ausgegangen?“ Meine Schwester zögerte etwas mit ihrer Antwort und versteckte ihre Schularbeit hinter ihrem Rücken. Meine Mutter: „Zeig schon her, so schlimm wird es wohl nicht sein?“ Sie zeigte es meiner Mutter und sie hatte einen Dreier geschrieben. Meine Mutter sagte: „Na ja, nicht so schlecht. So, jetzt wasch dir die Hände, das Mittagessen ist bald fertig.“ Wir setzten uns alle an den Tisch in der Küche. Mein Vater Peter aß mit uns nicht zu Mittag, da er bei der Arbeit war. Er arbeitete bei einer Reifenfirma, er hatte es auch bis zum Betriebsrat gebracht und war auch politisch aktiv und kannte sogar den Bürgermeister. Beim Mittagessen alberten meine Schwester und ich herum, meine Mutter war schon etwas genervt und sagte: „So, jetzt ist aber genug, ihr macht dann die Hausaufgaben.“ Barbara und ich gingen in unser Zimmer, das auch nicht immer sehr bequem war, da es ein Durchgangszimmer war und meine Eltern immer durchliefen, wenn sie in ihr Schlafzimmer wollten. Wir setzten uns an unsere Schreibtische. Meine Schwester fragte: „Wie war es bei dir in der Schule? Was hast du als Aufgabe?“ Ich sagte ihr: „Nicht viel, nur die Rechtschreibung üben.“ Dann erzählte meine Schwester mir eine Geschichte über eine Mitschülerin in ihrer Klasse, die sie immer ärgern würde. Ich hörte ihr aufmerksam zu und wendete mich meiner Hausübung zu, nebenbei dachte ich über das nach, was meine Schwester mir gerade erzählt hat, und dachte darüber nach, wie ich dem Mädchen, die meine Schwester ärgerte, auch ärgern konnte. Auch wenn ich erst 6 Jahre alt war, hatte ich schon eine große Gerechtigkeitsliebe und Beschützerinstinkt. Meine Schwester Barbara war mehr die Ruhige, die nicht wo anecken möchte. Ich studierte so vor mich hin, wie ich meiner Schwester helfen konnte … ich dachte so, vielleicht sollte ich auf ihren Sitzplatz in der Klasse voll machen mit Klebstoff, sie würde sich hinsetzen und nicht mehr aufstehen, oder … ihr die Schultasche verstecken … nein, dachte ich, vergiss das, mach jetzt deine Hausübungen. Meine Schwester und ich schauten konzentriert auf unsere Hausübungen, als wir plötzlich ein lautes Geschrei vernahmen. Es war mein Vater, der nach einiger Zeit nach Hause kam. Meine Mutter schrie: „O Gott, was ist da los?“ Mein Vater stürmte ins Zimmer, kam mit einer Hast zu meiner Schwester und mir und mit einem Schlag räumte er den ganzen Tisch ab und schrie dabei nur verwirrtes Zeug. Dann packte er mich am Kragen und drückte mich mit einer Wucht zur Wand. Mir wurde in dem Schreck klar, er hat wieder getrunken. Er schrie weiter auf mich ein, meine Schwester Barbara begann bitterlich zu weinen, dann ließ er von mir ab, lief meiner Mutter hinterher und schrie sie an, auch nur wieder verwirrtes Zeug, das keiner verstand. Meine Mutter weinte und schrie zugleich, lief von ihm davon. Er packte sie und würgte sie und schlug auf sie mehrmals ein, bis sie am Boden lag mit einer blutüberströmten Nase. Sie lag da wie ein Elend, ich stand in der Ecke des Zimmers und weinte bitterlich und rief: „Mama“, aber meine Mama konnte sich nicht rühren, zu tief war ihr Schock und ihre Angst … Ich lief zu meiner Mutter und hielt ihr die Hand, nun saßen wir beide da und weinten. Meine Schwester Barbara war in unserem Zimmer und saß am Boden und drückte sich ein Kopfkissen ins Gesicht, als wollte sie sich schützen. Mein Vater tobte in der Zwischenzeit in der Küche und schrie unverständliche Sachen. Meine Mutter fasste sich wieder und stand auf und sagte mir: „Geh zu Barbara“, und legte meine Arme um sie. Sie hielt mich fest und weinte, ich sagte ihr: „Komm, alles wird gut.“ Wir setzten uns an den Bettrand und hielten uns die Hände, voller Angst und Erwartung, ob mein Vater nochmals zuschlagen wird. Meine Mutter saß alleine im Schlafzimmer und weinte. Mein Vater kam erneut und beschimpfte meine Mutter mit solchen grausamen Worten, die zutiefst verletzend waren. Ich war dann voller Wut auf meinen Vater und fasste mir einen Mut, stellte mich vor meinen Vater und sagte: „Jetzt ist aber Schluss“, und trat ihn ans Schienbein. Mein Vater holte mit Wucht aus und verpasste mir eine Ohrfeige. Ich fiel zu Boden, hielt meine Hand auf meine Wange und begann zu weinen.
Nach einer Weile ging mein Vater ins Bett und schlief ein. Wir drei konnten nicht fassen, was da passiert ist. Nach einer Weile kam meine Mutter ins Zimmer meiner Schwester und mir, setzte sich auch ans Bett, und ich und meine Schwester setzten sich zu ihr. Meine Mutter umarmte uns und fing erneut an zu weinen. Mit einer verzweifelten und unsicheren Stimme sagte sie: „Macht euch jetzt fertig fürs Bett, morgen müsst ihr wieder in die Schule …“ Meine Mutter Maria stand auf, blickte uns sorgenvoll an und wollte ins Schlafzimmer zurückkehren, und ich sah ihr mit Angst nach und dachte, sie ging zurück in dieses Zimmer, da, wo das Grauen ist. Ich konnte sie nicht alleine dorthin zurückgehen lassen, was, wenn er aufwachte? Ich lief ihr nach, mir war so unwohl und ich hatte solche Angst … Ich sah aber als Gewissheit: Mein Vater schlief tief und fest und sah dabei so unschuldig aus. Ich sah ihn mit verhassten Augen an und dachte: Wäre meine Faust so groß wie deine, würde ich beim nächsten Mal zurückschlagen. Aber dann dachte ich … nein, ich möchte nicht so wie du sein. Meine Mutter hatte sich etwas gefasst von ihrem Schock und sagte: Geh jetzt zu Bett, es ist schon spät. Ich ging zurück ins Zimmer, wo meine Schwester auch auf mich wartete, und ich setzte mich noch kurz zu ihr, und wir blickten uns an. Ich ging wortlos ins Bett und starrte auf die Decke, und mich durchfluteten einige Gedanken, und auch dachte ich an den grausamen Vorfall. Mir kamen die Tränen, mich quälten so viele Gedanken, und ich konnte nicht schlafen … Ich sprach für mich ganz leise ein Gebet: „Lieber Gott, hilf uns in unserer Not, mach dem ein Ende, beschütze meine Mama. Ich danke dir, lieber Gott, weil ich weiß, dass du meine Gebete erhört hast. Amen.“ Am Morgen des 15. März – es ist mein Geburtstag – ich wurde ganz langsam munter, rief schon meine Mutter nach mir: „Dana, wach auf, schau, was ich für dich habe“, und sie streckte ein Kleid mir entgegen, das sie für meinen Geburtstag gekauft hatte. Es war ein blaues Kleid mit blauem Kragen. Ich, noch ganz verschlafen und noch nicht ganz munter, schaute mit meinen verschlafenen Augen meiner Mutter nach und dann: Ja, ich habe heute Geburtstag! Ich sprang aus dem Bett und bewunderte mein neues Kleid, das ich heute zur Schule anziehen möchte. Ich dachte mir, heute wird ein guter Tag. Auch hatte ich heute nur 4 Stunden in der Schule, die Zeit verging schnell und die 4 Stunden waren schnell um. Am Heimweg unterhielt ich mich mit meiner Klassenkameradin Sonja und alberten herum. Wir hatten auch die blöde Idee, bei einem Haus zu läuten und, wenn jemand sich bei der Sprechanlage meldet, wegzulaufen … wir hatten einen Spaß. Dann verabschiedeten wir uns bis morgen, und ich ging weiter heimwärts. Als ich zu Hause angekommen bin, hat meine Oma Illy mich auch begrüßt und drückte mir auch ein Geschenk in die Hand und gratulierte mir. Meine Mutter war in der Küche und machte mir ein Geburtstagsessen und sagte: Wo ist das Geburtstagskind! Ich lief ins Zimmer von mir und meiner Schwester und machte das Geschenk von meiner Oma auf. Ganz vorsichtig öffnete ich es und versuchte, das schöne Geschenkpapier nicht zu beschädigen, das mit kleinen Teddybären war, und ich freute mich, sie hat mir Kleider geschenkt. Meine Mutter rief bei der halb geschlossenen Tür und sagte: „Bald ist das Mittagessen fertig.“ Ich spielte in der Zwischenzeit mit meinen Puppen und freute mich auf den heutigen Tag, da es war wie ein Glückstag für mich – es war mein Geburtstag! Ich spielte und tobte im Zimmer herum, voller Übermut. Ich vergaß dabei, dass im Nebenzimmer mein Vater schlief, der Nachtschicht hatte, als plötzlich die Tür aufging und mein Vater herauskam und mich packte und mich links und rechts ins Gesicht schlug und mich dabei so anschrie, ich sollte leise sein. Meine Mutter streckte ihren Kopf zur Tür hinein und sagte mit strengem Ton zu meinem Vater, er solle mich in Ruhe lassen, aber mein Vater versetzte ihr auch einen Schlag ins Gesicht und befahl ihr, zu verschwinden. Aus war es mit meinem Glückstag an meinem Geburtstag … Verstört und traurig setzte ich mich in die Ecke des Zimmers und weinte und nahm eine meiner Puppen und zerstörte sie bis zur Unkenntlichkeit und hasste meinen Geburtstag. Nach einer Weile kam meine Mama und tröstete mich und nahm mich in den Arm und sagte ganz leise: Komm, lass uns zu Mittag essen und die Geburtstagstorte essen, du musst ja auch die Kerzen ausblasen. Ich stand auf und ging mit Mama in die Küche, wir aßen gemeinsam, und ich hatte mich etwas beruhigt. Ich unterhielt mich mit Mama, auch unsere Katze „Maxi“ streckte ihren Kopf zum Küchenfenster hinein und sagte „Miau“. Nach dem Mittagessen ging ich in den Hof und traf dort die Nachbarskinder Eva und Paul. Wir spielten gemeinsam in der Sandkiste, und ich hatte die geniale Idee, den Zwetschgenbaum hinaufzukraxeln, und blieb stecken. Dann rief ich nach meiner Mama … Hilf mir! Meine Mama hörte mich nicht, aber meine Tante, die im Parterre wohnte, kam mir zu Hilfe. Endlich war ich befreit.
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Kindheit
Müsste ich über meine Kindheit erzählen, müsste ich von einem andauernden Psychoterror erzählen, der nicht zu Ende schien. Es gab an keinem Tag die Gewissheit, was morgen passieren würde, es war ein Kampf, fast auch ums Überleben. Niemand, den wir kannten, konnte erahnen, wie es bei uns zu Hause zuging, auch wenn von außen hin alles so harmonisch wirkte. Und hier die Geschichte: An einem Sonntagmorgen, die Sonne schien mir ins Gesicht, noch etwas verschlafen, vernahm ich ein lautes Schreien und ein bitterliches Weinen. Es war meine Mutter, mit flehender Stimme bat sie meinen Vater, ihr nicht weh zu tun, aber nichts konnte meinen Vater aufhalten. Ich hörte einen Schlag, der sich mehrmals wiederholte … und dann nochmals ein lautes Geschrei, das sich über das laute Weinen meiner Mutter erhob. Ich saß nun da in meinem Bettchen, mir zerriss es das Herz. Im selben Moment nahm ich mein Kopfkissen und hielt es mir ins Gesicht, um das alles nicht zu hören, aber meine Angst um meine Mutter und die Neugier hielten mich weiter davon ab. Ich vernahm kein lautes Geschrei mehr, nur das bittere Weinen meiner Mutter. Ich dachte nur: Wieder hat er zugeschlagen. Ich spürte nur den Schmerz meiner Mutter und ich konnte ihr nicht helfen, da ich doch nur ein kleines Kind von 6 Jahren war. Plötzlich war es still. Erwartungsvoll blickte ich auf die Schlafzimmertür meiner Eltern. Was passiert jetzt … Plötzlich öffnete mein Vater die Tür und sah mich bissig an und ging wortlos an mir vorbei. Meine Mutter folgte nach ein paar Minuten und sah mich mit sorgenvollen, traurigen Augen an, als wollte sie mir ihr Leid erzählen … Ach Mama, dachte ich, könnte ich nur dein Leid beenden. Hatte doch meine Mutter seit ihrer Kindheit ein hartes Leben, die Mutter viel zu früh gestorben, als meine Mutter noch ein Kind war, musste auf ihre zwei Brüder mithelfen, sie aufzuziehen. Aber trotz ihres Schicksalsschlags wollte sie immer helfen und für die Kranken da sein, machte sie eine Ausbildung als Krankenschwester und dann kreuzten sich ihre Wege und sie traf meinen Vater, heiratete und einen Monat später kam meine Schwester auf die Welt, und drei Jahre später ich. In dieser Zeit wusste meine Mutter nicht, dass ihre Hölle jetzt begonnen hatte. Mein Vater zeigte ihr schon die Faust, als meine Mutter schon schwanger war mit meiner Schwester. Hatte sie nicht auch ein respektvolles Leben verdient? Mir flossen einige Gedanken durch den Kopf und ich war für einige Minuten abwesend, bemerkte dabei nicht, dass meine Schwester, die im Zimmer gegenüber von mir ihr Bett hatte, aufgewacht ist und auf mich in meiner Abwesenheit redet, mit mir, dann sagte sie: „Wo warst du jetzt?“ Ich wusste nicht, sollte ich ihr von dem Ereignis erzählen, aber mich überkam ein seltsames Gefühl und hielt mich zu schweigen. Dann stand ich auf, ging ins Badezimmer, wo mich mein Vater verscheuchte, da er meinte, er war als Erster da. Ich ging in die Küche, wo meine Mutter das Frühstück vorbereitete. Sie gab mir das Gefühl, als wäre alles in Ordnung, und meinte: Setz dich hin, ich habe da einen Kakao für dich und ein Milchbrot. Mein Vater kam aus dem Badezimmer, auch kam meine Großmutter durch die Küchentür herein, die neben unserer Wohnung wohnte, und sie erzählte von Nachbarn, die sich komisch verhalten, und was sie beim Einkaufen erlebt hat. Als ich mit dem Frühstück fertig war, machte ich mich fertig, um in den Hof zu gehen, zu spielen. Ich rief meine Cousine, die mit ihren 3 Brüdern im gleichen Zinshaus wohnte wie wir. Ihr Vater, mein Onkel, ein Vertreter für eine Süßwarenfirma, er war ein etwas kleiner Mann mit gewelltem Haar und Brille, war oft auf Reisen durch seinen Beruf. Meine Tante war früher auch eine Krankenschwester und ist auch mit meiner Mutter in dieselbe Krankenpflegeschule gegangen, hatte ihren Beruf auch an den Nagel gehängt, als sie den Bruder meines Vaters kennenlernte, heiratete und 4 Kinder bekam. Sie hielt sich mit Halbtagsarbeit über Wasser, da das Geld, was mein Onkel verdiente, nicht reichte. Ich lief im Hof herum und wartete auf meine Cousine und ihre 3 Brüder. Wir spielten Verstecken, meine Schwester kam auch dazu. Ich hatte so viel Spaß, dass ich das Erlebnis von heute Morgen etwas hinter mir ließ. Die Zeit verging schnell und es wurde Mittag, meine Mutter stand auf der Veranda und rief meine Schwester und mich zum Mittagessen. Es gab ein mageres Essen, nur Salzkartoffeln mit Butter, da mein Vater den Rest des Lohnes im Wirtshaus versoffen hatte, das war nicht das erste Mal. Wie oft musste ich mein Sparschwein mit den paar Schilling ausleeren, weil meine Mutter nicht genug Geld hatte, um etwas einzukaufen. Meine Mutter hatte zwar eine Arbeit als private Pflegerin bei einer alten Dame, ich hatte meine Mutter oft zu ihrer Arbeit begleitet, und ich mochte die alte Dame. Sie war eine kleine, zierliche alte Frau und in ihren früheren Tagen war sie Lehrerin und konnte sehr gut mit Kindern umgehen. Sie lernte mir auch das Lesen, da war ich 5 Jahre alt. Auch hatte sie mich einmal zu einer Weihnachtsfeier mitgenommen, die in einem sehr noblen Hotel war, und sie lernte mir für dieses Weihnachtsfest ein Gedicht aufzusagen, weil ich mir viel merken konnte. Ich erinnere mich heute noch, ich hatte bei der Weihnachtsfeier hohe braune Stiefel an, eine rote Strumpfhose blitzte aus meinem grauen Trägerkleid, und ich stand auf einem kleinen Schemel, damit mich alle sehen konnten, und ich sagte mein Gedicht vor all den 100 Leuten und ich war kein bisschen schüchtern. Danach klatschten die Leute und manche drückten mir etwas Geld in meine kleinen Hände als Belohnung für das schöne Vortragen des Gedichtes. Meine Mutter arbeitete schon viele Jahre bei Frau Medisch, und sie hatte dort auch einige Aufgaben, sie machte den Haushalt, kochte und pflegte, sie machte auch ihre Wäsche. Da Frau Medisch keine Waschmaschine hatte, nahm meine Mutter ihre Wäsche in großen Säcken mit und schleppte es bis Nachhause und es war schon ein Stück zu gehen. Oft tat meine Mutter mir leid, dass sie sich so abschleppen musste, oft hielt ich ihr die Hand, wenn sie den schweren Sack trug, um mitzuhelfen. Meine Mutter verdiente nicht viel bei der alten Dame und das bisschen, was sie verdiente, hat ihr mein Vater gleich abgenommen. Sie durfte sich nichts selbst dafür kaufen, ihr wurde das Geld von meinem Vater eingeteilt und das war nicht viel, mit dem sie wirtschaften musste. Der Tag neigte sich dem Ende zu, es wurde schon dunkel draußen und man konnte schon den Mond sehen. Meine Schwester Barbara und ich saßen in unserem Zimmer und hörten Musik und meine Schwester nebenbei las in einem Buch. Meine Mutter kam etwas in Hast ins Zimmer und beschwerte sich, warum wir noch nichts für den morgigen Schultag hergerichtet haben. Meine Schwester Barbara antwortete mit einem etwas schnippischen Ton: Ich werde es gleich machen. Ich saß nur da und beobachtete die Hektik, die sich in dem Zimmer breit machte. Nach einer Weile ging ich zu Bett und drückte meine Puppe dicht an mich, auch mein hellblaues Kopftuch, das ich überall mithatte, brauchte ich zum Schlafen. Nach einer Weile schlief ich ein.
Am Morgen erwachte ich, meine Mutter rannte wie von der Tarantel gestochen durchs Zimmer und rief laut: „Aufstehen, für die Schule fertig machen!“ Ich wollte nicht aufstehen, viel zu müde, aber nach dem mehrmaligen Rufen meiner Mutter, dass wir endlich aufstehen sollten, standen wir auf. Meine Schwester und ich liefen zur gleichen Zeit zum Badezimmer und stritten uns, wer zuerst da war. Meine Mutter kam dazwischen und schlichtete den Streit. Nach einem kurzen Frühstück nahmen wir unsere Schultaschen und gingen zur Schule. Meine Schwester nahm mich bei der Hand. Ich hatte so ein unwohles Gefühl, in die Schule zu gehen, hatte ich doch nicht wirklich Freunde. Auch war mir die Lehrerin etwas suspekt, hatte sie doch ihre Lieblingsschüler, die ganz vorne sitzen durften und die immer die Beachtung bekamen. Ich hatte meinen Platz ganz hinten in der Klasse, und ich bekam immer ein rotes Gesicht, wenn mich die Lehrerin etwas fragte und ich vor der ganzen Klasse aufstehen musste. Ach, warum konnte ich nicht vorne sitzen, müsste ich die ganzen Schüler nicht sehen, dachte ich. All diese Gedanken machten sich breit in meinem Kopf am Weg zur Schule. Im Schulhof angekommen, sah ich schon ein paar Mitschüler von mir, die mich etwas komisch ansahen. Ich hatte sogar das Gefühl, sie wussten, dass ich nicht so die Lockerere von nebenan bin und auch nicht die so Beliebte in der Schule. Ich hatte nicht die neuesten Kleider, ich musste das tragen, was meiner Schwester nicht mehr passte. Auch war ich eine mittelmäßige Schülerin, und diese Erkenntnis, nicht die Beliebteste zu sein, machte mir Sorgen. Ich hielt die Hand meiner Schwester ganz fest, wollte sie nicht mehr auslassen, bis eine Mitschülerin von mir kam. Es war Elisabeth, ein kleines bulliges Mädchen mit langen braunen Haaren, das immer ein Stofftier in die Schule mitbrachte. Auch wurde sie immer von ihrer Mutter in die Schule gebracht und wieder abgeholt, und sie wirkte nicht, als hätte sie Angst, in die Schule zu gehen. Ist aber auch kein Wunder, sie war ja beliebt und hatte auch immer viele Süßigkeiten mit, die sie in der Pause an ihre Freundinnen aufteilte. Sie kam zu mir und hatte einen großen Plüschaffen fest umklammert in ihrer Hand und fragte mich: „Ist das deine Schwester?“ Etwas verstört sah ich sie an und auch etwas überrascht, da sie sich sonst nicht wirklich mit mir unterhielt, und ich sagte: „Ja … meine große Schwester …“ Meine Schwester sah mich mit einem Lächeln an und ließ meine Hand aus und sagte: „Dann geh jetzt in deine Klasse …“ Besorgt sah ich sie an und wünschte mir, könnte sie nur bei mir bleiben. In der Zwischenzeit ist Elisabeth schon zu einer ihrer Freundinnen verschwunden. Ich stand ganz alleine im Schulhof und fasste mir einen Mut, in die Klasse zu gehen. Sie war im ersten Stock der Schule. Dort angekommen, waren schon ein paar Mitschüler von mir in der Klasse und alberten herum. Da war auch ein Bub, er hieß Andreas. Er war ein kräftiger kleiner Kerl mit einem runden Gesicht und roch immer nach Kartoffelchips. Auch hatte ich bei ihm das Gefühl, dass er mich nicht sonderlich mochte, aber das beruhte auf Gegenseitigkeit. Er stand in der Mitte des Klassenzimmers und unterhielt sich mit einem anderen Buben. Ich stand neben der Tür des Klassenzimmers und wollte am liebsten nach Hause laufen … Plötzlich erblickte mich Andreas und machte sich über meine zwei geflochtenen Zöpfe lustig und auch über meine Kleidung. Ich bekam Magenschmerzen. Meine Rettung war, dass meine Klassenlehrerin hereinkam und dem ein Ende machte und Andreas rechtschaffen darauf hinwies, damit aufzuhören. Es strömten die restlichen Kinder in die Klasse und drängten zu ihren Sitzplätzen. Meine Aufregung stieg. Was würde heute passieren, und ich hoffte, dass ich der Erwartung gerecht bin, was von mir verlangt wurde. Meine Lehrerin Frau Kottan forderte zur Ruhe auf, da sich die Kinder alle gemischt unterhielten. Sie sagte: „So, erste Stunde haben wir Rechtschreibung, bitte holt alle die Hefte … so, und jetzt üben wir das kleine r und das große R …“ Ich bemühte mich so gut ich konnte … schrieb ein R nach dem anderen. Die Lehrerin Frau Kottan ging durch die Reihe, ob wir es auch richtig machten. Ich war fertig mit der Übung und sah zum Fenster und sah, dass es zu regnen begann. Ich dachte im Stillen, ich hoffe, dass es aufhören würde, bis die Schule aus ist. Die 4 Stunden in der Schule verflogen schnell und ich hatte es geschafft … endlich nach Hause. Es hatte leider auch nicht zu regnen aufgehört, alle Kinder drängten zur Klassentür und wollten sich schnell anziehen, um nach Hause zu kommen. Am Flur von der Klasse hatte jedes Kind seinen Spintkasten und ich versuchte, mich von den Kindermassen zu meinem Spind zu drängen. Ein paar Kinder stießen mich weg, weil jeder der Erste sein wollte, aber endlich kam ich zu meinen Sachen. Ich zog mich schnell an und mit erwartungsvollen Augen versuchte ich zu erhaschen, ob ich meine Mutter sah, die versprochen hatte, mich abzuholen. Im Schulhof angekommen, sah ich meine Mutter. Sie lachte mich an und hatte für mich einen kleinen roten Regenschirm mit und meinte: „Lass uns schnell nach Hause gehen.“ Wir liefen die Straße hinunter und hatten so 20 Minuten zu Fuß zu gehen bis nach Hause. Ich freute mich auf meinen neuen Regenschirm, der mich trocken hielt, nur meine Füße wurden nass, aber bald hatten wir es geschafft. Wir kamen in unsere Straße und von Weitem konnte ich meine Großmutter sehen, die auch gerade vom Einkaufen kam. Meine Mutter und ich gingen durch den Hof, wo sich die Nachbarskatzen tummelten und einen Schutz suchten vor dem Regen. Als meine Mutter und ich in der Wohnung ankamen, zog ich meine nassen Schuhe aus und meine Mutter Maria trocknete meine nassen Füße und zog mir frische Socken an. Meine Mutter begann das Mittagessen zu machen, es gab heute Kartoffelschnitzel und Dillsauce, das aß ich für mein Leben gerne. Ich spielte in der Zwischenzeit mit unserer Katze „Maxi“, sie war eine rot-weiße Katze. Nach einiger Zeit kam auch meine Schwester zur Tür herein und verzog sich ins Zimmer, da sie schlechte Nachrichten bekam von ihrem Aufsatz in der Schule. Meine Mutter rief nach ihr und fragte: „Na, wie ist es mit der Schularbeit ausgegangen?“ Meine Schwester zögerte etwas mit ihrer Antwort und versteckte ihre Schularbeit hinter ihrem Rücken. Meine Mutter: „Zeig schon her, so schlimm wird es wohl nicht sein?“ Sie zeigte es meiner Mutter und sie hatte einen Dreier geschrieben. Meine Mutter sagte: „Na ja, nicht so schlecht. So, jetzt wasch dir die Hände, das Mittagessen ist bald fertig.“ Wir setzten uns alle an den Tisch in der Küche. Mein Vater Peter aß mit uns nicht zu Mittag, da er bei der Arbeit war. Er arbeitete bei einer Reifenfirma, er hatte es auch bis zum Betriebsrat gebracht und war auch politisch aktiv und kannte sogar den Bürgermeister. Beim Mittagessen alberten meine Schwester und ich herum, meine Mutter war schon etwas genervt und sagte: „So, jetzt ist aber genug, ihr macht dann die Hausaufgaben.“ Barbara und ich gingen in unser Zimmer, das auch nicht immer sehr bequem war, da es ein Durchgangszimmer war und meine Eltern immer durchliefen, wenn sie in ihr Schlafzimmer wollten. Wir setzten uns an unsere Schreibtische. Meine Schwester fragte: „Wie war es bei dir in der Schule? Was hast du als Aufgabe?“ Ich sagte ihr: „Nicht viel, nur die Rechtschreibung üben.“ Dann erzählte meine Schwester mir eine Geschichte über eine Mitschülerin in ihrer Klasse, die sie immer ärgern würde. Ich hörte ihr aufmerksam zu und wendete mich meiner Hausübung zu, nebenbei dachte ich über das nach, was meine Schwester mir gerade erzählt hat, und dachte darüber nach, wie ich dem Mädchen, die meine Schwester ärgerte, auch ärgern konnte. Auch wenn ich erst 6 Jahre alt war, hatte ich schon eine große Gerechtigkeitsliebe und Beschützerinstinkt. Meine Schwester Barbara war mehr die Ruhige, die nicht wo anecken möchte. Ich studierte so vor mich hin, wie ich meiner Schwester helfen konnte … ich dachte so, vielleicht sollte ich auf ihren Sitzplatz in der Klasse voll machen mit Klebstoff, sie würde sich hinsetzen und nicht mehr aufstehen, oder … ihr die Schultasche verstecken … nein, dachte ich, vergiss das, mach jetzt deine Hausübungen. Meine Schwester und ich schauten konzentriert auf unsere Hausübungen, als wir plötzlich ein lautes Geschrei vernahmen. Es war mein Vater, der nach einiger Zeit nach Hause kam. Meine Mutter schrie: „O Gott, was ist da los?“ Mein Vater stürmte ins Zimmer, kam mit einer Hast zu meiner Schwester und mir und mit einem Schlag räumte er den ganzen Tisch ab und schrie dabei nur verwirrtes Zeug. Dann packte er mich am Kragen und drückte mich mit einer Wucht zur Wand. Mir wurde in dem Schreck klar, er hat wieder getrunken. Er schrie weiter auf mich ein, meine Schwester Barbara begann bitterlich zu weinen, dann ließ er von mir ab, lief meiner Mutter hinterher und schrie sie an, auch nur wieder verwirrtes Zeug, das keiner verstand. Meine Mutter weinte und schrie zugleich, lief von ihm davon. Er packte sie und würgte sie und schlug auf sie mehrmals ein, bis sie am Boden lag mit einer blutüberströmten Nase. Sie lag da wie ein Elend, ich stand in der Ecke des Zimmers und weinte bitterlich und rief: „Mama“, aber meine Mama konnte sich nicht rühren, zu tief war ihr Schock und ihre Angst … Ich lief zu meiner Mutter und hielt ihr die Hand, nun saßen wir beide da und weinten. Meine Schwester Barbara war in unserem Zimmer und saß am Boden und drückte sich ein Kopfkissen ins Gesicht, als wollte sie sich schützen. Mein Vater tobte in der Zwischenzeit in der Küche und schrie unverständliche Sachen. Meine Mutter fasste sich wieder und stand auf und sagte mir: „Geh zu Barbara“, und legte meine Arme um sie. Sie hielt mich fest und weinte, ich sagte ihr: „Komm, alles wird gut.“ Wir setzten uns an den Bettrand und hielten uns die Hände, voller Angst und Erwartung, ob mein Vater nochmals zuschlagen wird. Meine Mutter saß alleine im Schlafzimmer und weinte. Mein Vater kam erneut und beschimpfte meine Mutter mit solchen grausamen Worten, die zutiefst verletzend waren. Ich war dann voller Wut auf meinen Vater und fasste mir einen Mut, stellte mich vor meinen Vater und sagte: „Jetzt ist aber Schluss“, und trat ihn ans Schienbein. Mein Vater holte mit Wucht aus und verpasste mir eine Ohrfeige. Ich fiel zu Boden, hielt meine Hand auf meine Wange und begann zu weinen.
Nach einer Weile ging mein Vater ins Bett und schlief ein. Wir drei konnten nicht fassen, was da passiert ist. Nach einer Weile kam meine Mutter ins Zimmer meiner Schwester und mir, setzte sich auch ans Bett, und ich und meine Schwester setzten sich zu ihr. Meine Mutter umarmte uns und fing erneut an zu weinen. Mit einer verzweifelten und unsicheren Stimme sagte sie: „Macht euch jetzt fertig fürs Bett, morgen müsst ihr wieder in die Schule …“ Meine Mutter Maria stand auf, blickte uns sorgenvoll an und wollte ins Schlafzimmer zurückkehren, und ich sah ihr mit Angst nach und dachte, sie ging zurück in dieses Zimmer, da, wo das Grauen ist. Ich konnte sie nicht alleine dorthin zurückgehen lassen, was, wenn er aufwachte? Ich lief ihr nach, mir war so unwohl und ich hatte solche Angst … Ich sah aber als Gewissheit: Mein Vater schlief tief und fest und sah dabei so unschuldig aus. Ich sah ihn mit verhassten Augen an und dachte: Wäre meine Faust so groß wie deine, würde ich beim nächsten Mal zurückschlagen. Aber dann dachte ich … nein, ich möchte nicht so wie du sein. Meine Mutter hatte sich etwas gefasst von ihrem Schock und sagte: Geh jetzt zu Bett, es ist schon spät. Ich ging zurück ins Zimmer, wo meine Schwester auch auf mich wartete, und ich setzte mich noch kurz zu ihr, und wir blickten uns an. Ich ging wortlos ins Bett und starrte auf die Decke, und mich durchfluteten einige Gedanken, und auch dachte ich an den grausamen Vorfall. Mir kamen die Tränen, mich quälten so viele Gedanken, und ich konnte nicht schlafen … Ich sprach für mich ganz leise ein Gebet: „Lieber Gott, hilf uns in unserer Not, mach dem ein Ende, beschütze meine Mama. Ich danke dir, lieber Gott, weil ich weiß, dass du meine Gebete erhört hast. Amen.“ Am Morgen des 15. März – es ist mein Geburtstag – ich wurde ganz langsam munter, rief schon meine Mutter nach mir: „Dana, wach auf, schau, was ich für dich habe“, und sie streckte ein Kleid mir entgegen, das sie für meinen Geburtstag gekauft hatte. Es war ein blaues Kleid mit blauem Kragen. Ich, noch ganz verschlafen und noch nicht ganz munter, schaute mit meinen verschlafenen Augen meiner Mutter nach und dann: Ja, ich habe heute Geburtstag! Ich sprang aus dem Bett und bewunderte mein neues Kleid, das ich heute zur Schule anziehen möchte. Ich dachte mir, heute wird ein guter Tag. Auch hatte ich heute nur 4 Stunden in der Schule, die Zeit verging schnell und die 4 Stunden waren schnell um. Am Heimweg unterhielt ich mich mit meiner Klassenkameradin Sonja und alberten herum. Wir hatten auch die blöde Idee, bei einem Haus zu läuten und, wenn jemand sich bei der Sprechanlage meldet, wegzulaufen … wir hatten einen Spaß. Dann verabschiedeten wir uns bis morgen, und ich ging weiter heimwärts. Als ich zu Hause angekommen bin, hat meine Oma Illy mich auch begrüßt und drückte mir auch ein Geschenk in die Hand und gratulierte mir. Meine Mutter war in der Küche und machte mir ein Geburtstagsessen und sagte: Wo ist das Geburtstagskind! Ich lief ins Zimmer von mir und meiner Schwester und machte das Geschenk von meiner Oma auf. Ganz vorsichtig öffnete ich es und versuchte, das schöne Geschenkpapier nicht zu beschädigen, das mit kleinen Teddybären war, und ich freute mich, sie hat mir Kleider geschenkt. Meine Mutter rief bei der halb geschlossenen Tür und sagte: „Bald ist das Mittagessen fertig.“ Ich spielte in der Zwischenzeit mit meinen Puppen und freute mich auf den heutigen Tag, da es war wie ein Glückstag für mich – es war mein Geburtstag! Ich spielte und tobte im Zimmer herum, voller Übermut. Ich vergaß dabei, dass im Nebenzimmer mein Vater schlief, der Nachtschicht hatte, als plötzlich die Tür aufging und mein Vater herauskam und mich packte und mich links und rechts ins Gesicht schlug und mich dabei so anschrie, ich sollte leise sein. Meine Mutter streckte ihren Kopf zur Tür hinein und sagte mit strengem Ton zu meinem Vater, er solle mich in Ruhe lassen, aber mein Vater versetzte ihr auch einen Schlag ins Gesicht und befahl ihr, zu verschwinden. Aus war es mit meinem Glückstag an meinem Geburtstag … Verstört und traurig setzte ich mich in die Ecke des Zimmers und weinte und nahm eine meiner Puppen und zerstörte sie bis zur Unkenntlichkeit und hasste meinen Geburtstag. Nach einer Weile kam meine Mama und tröstete mich und nahm mich in den Arm und sagte ganz leise: Komm, lass uns zu Mittag essen und die Geburtstagstorte essen, du musst ja auch die Kerzen ausblasen. Ich stand auf und ging mit Mama in die Küche, wir aßen gemeinsam, und ich hatte mich etwas beruhigt. Ich unterhielt mich mit Mama, auch unsere Katze „Maxi“ streckte ihren Kopf zum Küchenfenster hinein und sagte „Miau“. Nach dem Mittagessen ging ich in den Hof und traf dort die Nachbarskinder Eva und Paul. Wir spielten gemeinsam in der Sandkiste, und ich hatte die geniale Idee, den Zwetschgenbaum hinaufzukraxeln, und blieb stecken. Dann rief ich nach meiner Mama … Hilf mir! Meine Mama hörte mich nicht, aber meine Tante, die im Parterre wohnte, kam mir zu Hilfe. Endlich war ich befreit.
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