Ich bin.

Ich bin.

Sandra Plaar


EUR 21,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 172
ISBN: 978-3-99038-781-8
Erscheinungsdatum: 13.01.2015

Leseprobe:

1
Glauben Sie an Gott?

„Glauben Sie an Gott?“
Die Frage überraschte mich in zweierlei Hinsicht. Einerseits, weil sie mir doch einigermaßen intim erschien und ich diesem Mann, der mir gegenübersaß, nur deshalb noch einmal begegnete, weil ich die Fäden, die er mir „einverleibt“ hatte, nicht vertrug. Andererseits, weil diese Worte aus dem Munde eines Arztes gekommen waren, eines Chirurgen noch dazu, der sich in meinen Augen streng der empirischen Wissenschaft verschrieben hatte und sich nicht aufs Philosophieren über Gott und die Welt mit seinen Patienten einließ.
Indirekt hatte ich mit Herrn Gutzwyler schon vor einiger Zeit Bekanntschaft geschlossen und mir ein Bild von ihm gemacht. Vor über einem Jahr hatte er meinen Mann an seinem Allerwertesten operiert, den er sich im wahrsten Sinne des Wortes aufgerissen hatte. Die anfänglich gut verheilende Wunde wollte des Guten zu viel und verheilte an der Oberfläche zu schnell, ohne in der Tiefe zugewachsen zu sein. Bei einer Nachkontrolle fackelte Doktor Gutzwyler, der ein Mann der Taten und nicht der vielen Worte zu sein schien, nicht lange und setzte das Skalpell in seinem Untersuchungszimmer zum Nachschnitt an. Mein Mann war derart überrumpelt, dass er mit einem Sack voll neuer Kompressen in der Hand noch immer sprachlos nach Hause kam, dafür aber umso mehr blutete.
Obwohl ich meinen Mann seit einigen Wochen pflegte und ich den ersten Schock, als ich die einige Zentimeter tief klaffende Wunde zum ersten Mal erblickte, überwunden hatte, sah ich mich vor eine neue Herausforderung gestellt. Ich fluchte nicht schlecht über die Dreistigkeit dieses Arztes, als ich mit Mullbinden gegen die Blutung ankämpfte. Zum Glück ließ sie über Nacht nach und ich musste mir nicht ernsthaft den Kopf über den Ruf Doktor Gutzwylers zermartern, der in Fachkreisen als Koryphäe gilt. Dennoch blieb mir in Gedanken das Bild eines Metzgers, der zwar gekonnt, aber nicht gerade zimperlich mit seinem Messer umgeht.

Als ich ihm dann vor einigen Wochen zum ersten Mal persönlich begegnete, war mir so hundeelend, dass ich mir darüber keine Gedanken machen konnte. Eine akute Entzündung der Gallenblase ließ mir keine Zeit, mich gegen den diensthabenden Arzt aufzulehnen. Alles, was ich wollte, war die Erlösung von meinen Schmerzen, und ich vertraute ihm voll und ganz in seiner Aussage, dass dieses Ding, das mich die ganze Nacht zum Pendelgang zwischen Toilette und Bett gezwungen hatte, raus musste. Er hatte mir kurz mitfühlend die Hand gehalten, als er mich über allfällige nachoperative Komplikationen aufklärte, was mein Vertrauen in ihn ungemein stärkte.
Noch am gleichen Abend wurde ich operiert. Die Entfernung der Gallenblase und gleichzeitig der kartoffelgroßen Gallensteine wäre ein Klacks gewesen, hätte es da nicht das Antibiotikum gegeben, das man mir verabreichte. Doch dazu später.
Zurück zu seiner Frage.
„Oh ja, ich glaube an Gott. Auf meine ganz spezielle Art. Es ist nicht so, dass ich oft in die Kirche renne. Das ist etwas, das ich mit Gott und mir ausmache, ganz tief in mir drin“, sagte ich. Die Antwort kam ganz spontan, ohne zu überlegen. Früher hätte ich wohl Probleme gehabt, mich so offen zu meinem Glauben zu bekennen. In unserer Gesellschaft scheint es nicht „in“ zu sein, an Gott zu glauben und zu beten. Ich bin zwar überzeugt, dass es viele tun, dazu zu stehen, ist aber was anderes.
„Das habe ich mir gedacht“, entfuhr es ihm mit einem Lächeln, das ihn weich und zugleich spitzbübisch erscheinen ließ. „Ohne den Glauben hätten Sie das wohl nicht überlebt. Ich habe in letzter Zeit viel an Sie gedacht, Frau Plaar. Als ich Ihre Krankenakte studierte, habe ich mich ein wenig schlaugemacht, was so ein Lyell-Syndrom überhaupt ist. Ich hatte nämlich vorher noch nie davon gehört. Ganz schön heftig!“
„Ja“, bestätige ich, „das wünsche ich niemandem. Es war eine harte Erfahrung. Aber es ist nicht so, dass ich mit meinem Schicksal hadere. Ich wäre heute nicht da, wo ich bin, wenn ich diese Krankheit nicht gehabt hätte. Sie hat mich näher zu mir selbst gebracht, mich zu dem gemacht, was ich eigentlich bin. Insofern bin ich dankbar dafür, was mir widerfahren ist. Für viele ist das schwer verständlich. Für mich ist es eher so, dass ich ein zweites Leben geschenkt bekommen habe. Mein Leben hat sich seither um 180 Grad gedreht, ich bin nicht mehr der Mensch, der ich mal war.“
„Es wäre wirklich spannend, eine Krankheit von diesem Standpunkt aus kennenzulernen. Wir Mediziner lesen in den Büchern ja nur über die Symptome. Was aber machen sie mit dem Menschen, wie erlebt er das Ganze? Ich bin auch überzeugt, dass die Einstellung des Kranken, die Psyche, genauso wichtig ist für den Heilungserfolg wie die medizinische Behandlung. Wenn nicht sogar wichtiger. Wir Mediziner leisten da nur einen kleinen Teil. Haben Sie sich schon mal überlegt, ein Buch über Ihre Geschichte zu schreiben?“ Erwartungsvoll schaute er mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Ehrlich gesagt spiele ich schon lange mit diesem Gedanken. Aber irgendwie habe ich die Kurve nie gekriegt. Im Kopf habe ich’s schon hundertmal geschrieben. Und dann stelle ich mir die Frage, wen interessiert das?“
„Mich! Ich würde es sofort lesen. Sie müssen mir versprechen, dass ich einer der Ersten bin, die es zu lesen bekommen.“
Beschwingt verließ ich das Krankenhaus. Ja, vielleicht sollte ich es tatsächlich anpacken, das Schreiben. Aber wie es halt so ist, den inneren Schweinehund konnte ich doch nicht überwinden, und so blieb es einmal mehr bei den guten Vorsätzen.
Der Gedanke holte mich aber bald wieder ein. Wie ein Bumerang, der immer wieder zurückkehrt. Man kann ihn noch so weit wegwerfen, er kommt immer wieder zurück.
„Mit jedem Ausatmen gibst du etwas von dir nach außen ab und mit jedem Einatmen nimmst du etwas von außen auf“, begleitete Daniela, unsere Yogalehrerin, die Entspannungsübung.
„Was gebe ich ab?“, fragte ich mich. „Klar, verbrauchte Luft, was sonst. Aber ist das alles? Was hinterlasse ich sonst noch auf dieser Welt?“
Ich wurde nachdenklich. Ein Buch, das ich vor einiger Zeit gelesen hatte, kam mir in den Sinn. Es handelt von einem klinisch Toten, der eine Begegnung mit Jesus hat und mit einer Frage konfrontiert wird, die sein ganzes Leben verändern soll.
„Was hinterlässt du im Leben? Was kannst du mir zeigen? Was hast du geleistet?“ möchte Jesus von ihm wissen. Als der vermeintlich Tote ins Leben zurückkehrt, ändert er dieses radikal.
Was hatte ich vorzuweisen? Was hatte ich bisher aus meinem Leben gemacht? Schön, ich hatte eine wundervolle achtjährige Tochter, wohl das tollste Kind, das ich mir überhaupt nur wünschen konnte. Aber war das mein Verdienst, dass sie so großartig war? Na ja, wenn, dann nur zum Teil.
Mir kam noch so einiges in den Sinn, aber nichts Bewegendes, Großartiges, nichts weswegen ich in Erinnerung bleiben mochte. Plötzlich war die Idee von einem Buch wieder ganz präsent. Vielleicht war es nun an der Zeit, meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meiner Krankheit aufzuschreiben. Egal, wenn’s niemanden interessierte. Ich musste es mir einfach von der Seele schreiben. Und vielleicht, vielleicht las es ja auch jemand.
Wenn Sie diese Zeilen gerade lesen, dann habe ich es sogar geschafft, dass Sie mit mir den ersten Schritt auf eine emotionale Reise durch die Hochs und Tiefs meiner Krankheit gemacht haben. Meine Erfahrungen und Gedanken sollen Mut machen, die eigene Stärke zu erkennen und zu nutzen, um das Schicksal, so hart einem das Leben manchmal mitspielen mag, anzunehmen. Dieses Buch soll auffordern, die Schätze im Dunkeln auszugraben und zu entdecken, dass in jedem Schicksalsschlag eine gewaltige Chance steckt.


2
April 1993

So einen Knackarsch hatte ich noch nie. Zufrieden drehte ich mich vor dem Spiegel hin und her und begutachtete das Werk des Schneiders. Passte wirklich wie angegossen, mein erstes maßgeschneidertes Kostüm. Behutsam strich ich mit meinen Fingern über die cremefarbige Rohseide, die sich kühl und glatt anfühlte. Die Farbe brachte meine tiefe Bräune noch mehr zur Geltung. Es war eine gute Entscheidung gewesen, die Reise nach Asien anzutreten.
Noch vor vier Wochen hatte ich völlig verschnupft mit einer roten, verquollenen Nase und am Rande einer Lungenentzündung im Sprechzimmer meines Arztes gesessen, der mir dringend davon abriet, ins Flugzeug zu steigen. Das war natürlich nicht das, was ich hören wollte. Ich brauchte dringend eine Auszeit. Mein Jurastudium und die zwei Nebenjobs, die mich finanziell über Wasser hielten, hatten mich völlig ausgelaugt. Ich lief regelrecht auf dem Zahnfleisch. Ich hatte mich so auf diesen Urlaub gefreut, da sollte mir ein blöder Schnupfen doch keinen Strich durch die Rechnung machen. Ich suchte einen zweiten Arzt auf, der meinte, ein Klimawechsel täte mir vielleicht ganz gut. Genau, ganz meine Meinung, und recht hatten wir. Die Erkältung war Schnee von gestern. Ich fühlte mich so gut wie schon lange nicht mehr.
„Is it okay?“
Die Frage des Schneiders riss mich aus meinen Gedanken. Sie war so vorsichtig gestellt, dass ich sie kaum vernahm. Mit leicht gesenktem Haupt und vor der Brust zur Gebetshaltung gefalteten Händen harrte er angespannt meiner Antwort.
„It’s wonderful!“, erlöste ich den Meister aus seiner demütigen Haltung, die den Thais manchmal so eigen ist. Sofort lockerte er sich und blickte mir strahlend in die Augen.
„Thank you, Ma’am!“
Überglücklich hakte ich mich bei Mike unter und wir verließen vollgepackt den klimatisierten Laden. Die schwüle Hitze schlug uns wie eine Wand entgegen. Sofort bildete sich ein feuchter Film auf der Haut, der sich mit dem Dreck, der in grauen Schleiern durch die Luft waberte, zu einem klebrigen, unappetitlichen Belag vermischte. Ich hatte mich auf unserer Reise durch Asien an die hohe Luftfeuchtigkeit gewöhnt und sie machte mir nichts mehr aus. Hier in Bangkok jedoch hatte ich ständig das Bedürfnis, mich unter die Dusche zu stellen.
Der Gestank der Autos und der Tuk-Tuks, die sich im Schritttempo durch die Straßen wälzten, vermischte sich mit dem wohligen Geruch, welche die Garküchen am Straßenrand verströmten. Ein Mix aus Gewürzen wie Ingwer, Chili und Curry in gebratenem Fleisch mit Gemüse ließ einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Schnell war da der Abgasgestank vergessen.
Und da war es wieder, dieses zweischneidige Gefühl, das Bangkok in mir auslöste. Ich liebte und hasste diese Stadt, eine pulsierende Metropole, die für mich eine Mischung aus moderner Großstadt und asiatischem Kuddelmuddel darstellte. Für einige Tage war ich von ihr fasziniert, ließ mich von dem ständigen Treiben mitreißen, tauchte ins Händlerleben ein und ließ mich auf das Spiel des Feilschens ein. Doch dann war es höchste Zeit zu flüchten. Bangkok muss man gesehen und erlebt haben, dort zu leben, wäre für mich ein Unding.
Morgen stand der letzte Abschnitt unserer Ferien bevor. Die Malediven sollten das Sahnehäubchen werden. Tauchen, viel Sonne, glasklares Wasser, weiße Sandstrände und süßes Nichtstun, bevor uns der schnöde Alltag wiederhaben sollte. Ich freute mich besonders aufs Tauchen. Ich war schon immer von der Unterwasserwelt begeistert gewesen. Für mehr als Schnorcheln hatte es bis jetzt leider nicht gereicht.


3
Sahnehäubchen mit ranzigem Beigeschmack

Etwas mulmig zumute war mir schon. Der Japaner, der mir gegenübersaß, schraubte schon seit einer halben Stunde an seiner ultramodernen Taucherausrüstung rum. Mit allem Schnickschnack, der ein Taucherherz höher schlagen ließ. Das musste ein Vollprofi sein. Ich war froh, dass man für mich alle Geräte geprüft und eingestellt hatte, und wartete nun mit klopfendem Herzen auf meinen ersten Tauchgang im offenen Meer.
Am Strand hatte ich mich bei den Tauchübungen recht geschickt angestellt, sodass man mich am gleichen Tag mit aufs Boot rausnahm. Ich war selbst von mir überrascht gewesen, denn offen gestanden leide ich unter Platzangst und ich hatte Bedenken, dass ich unter Wasser in Panik ausbrechen könnte. Aber nichts dergleichen. Das gleichförmige Geräusch des Lungenautomaten beim Ein- und Ausatmen sowie das klirrende Geräusch des aufgewühlten Wassers beruhigten mich eher. Die Unterwasserwelt zog mich sofort in ihren Bann.
Da ich die Einzige auf dem Boot war, die heute ihren ersten Tauchgang bestritt, musste ich bis zum Schluss warten. Nach einer gefühlten Ewigkeit, mein Magen begann nämlich vom leichten Seegang zu rebellieren, war ich an der Reihe. Auf ein Zeichen des Tauchlehrers sprang ich mit der Grazie eines Elefanten – die Gewichte sind an Land ganz schön schwer – ins Wasser. An der Stilnote würde ich wohl noch etwas arbeiten müssen.
Zu meiner Überraschung erblickte ich neben mir den Japaner. Mit rudernden Armen versuchte er vergeblich, sich unter Wasser zu drücken. Man hatte ihm schon Unmengen an Gewicht angehängt, um ihm den Abstieg in die Tiefen zu erleichtern. Bevor er überhaupt nur einen Meter unter Wasser abgetaucht war, hatte er in seiner Aufregung die ganze Flasche leergenuckelt und musste zurück an Bord. So viel zum Vollprofi.
Mit ein paar tiefen und ruhigen Atemzügen ließ ich mich langsam in die Tiefe gleiten. Das T-Shirt, das in diesen warmen Gewässern völlig ausreicht, um nicht auszukühlen, flatterte an meinem Oberkörper und kitzelte mich. Das Sonnenlicht flimmerte wie goldene Strahlen durch meinen gespreizten Finger. Der Tauchlehrer bedeutete mir, ihm zu folgen. Da tauchte der erste Fisch auf. Nein, es war vielmehr ein ganzer Schwarm bunt glitzernder Fischleiber, die dicht an dicht an mir vorüberzogen. Sie schienen sich in keinster Weise von mir gestört zu fühlen. Im Gegenteil, sie pickten neugierig an meinen Unterarmen.
Nur wenige Meter tiefer eröffnete sich mir ein wahrer Zauberwald unter Wasser. Die Korallen ragten in den verschiedensten Formen in die Höhe. Weiße und rötliche, einige sahen aus wie große Blumenkohlköpfe, andere wiegten sich sachte wie Fächer in der Strömung. Immer wieder schossen Fische in allen Farben und Größen dazwischen hervor.
Das Eindrücklichste jedoch war für mich die ganz eigene Ruhe, die hier unten herrschte. Alles schien ruhig in seinen geregelten Bahnen zu laufen, ganz ohne Hektik. Mir wurde klar, weshalb manche Menschen regelrecht süchtig nach dem Tauchen werden. Es ist wie das Eintauchen in eine ganz andere Welt.
Ich merkte gar nicht, wie schnell die Zeit verstrichen war. Wir mussten zurück an die Oberfläche.
„Es ist der Wahnsinn!“, schrie ich beim Auftauchen.
„Na, dann hab ich dir ja nicht zu viel versprochen“, grinste Mike, als er mir die Hand reichte, um an Bord zu steigen. Vollgepumpt mit Glückshormonen zog ich mein T-Shirt über den Kopf. Da entdeckte ich auf meinem Dekolleté einige kleine Pöckchen.
„Na bravo, jetzt kriege ich doch noch so eine blöde Sonnenallergie! Ich dachte, dass ich dieses Mal davon verschont bliebe.“
Etwas erstaunt war ich schon, dass sich die ungeliebten Bläschen erst jetzt meldeten. Normalerweise bekam ich die am Anfang des Urlaubs, wenn sich meine Haut noch an die Sonne gewöhnen musste. Jetzt allerdings war ich schon so braun gebrannt, dass mir das schon ungewöhnlich erschien. Die Freude über meinen ersten gelungenen Tauchgang war jedoch so groß, dass ich mir die Stimmung von den paar Pickelchen nicht verderben lassen wollte. Auch als sich die unschönen Dinger immer mehr ausbreiteten, machte ich mir keine ernsthaften Gedanken. Ich beschloss ganz einfach, ein T-Shirt anzuziehen und mich mit einem Cocktail in den Schatten einer Palme zu verkriechen. Die Dinger verzogen sich aber nicht wie erhofft und begannen fürchterlich zu jucken. Ich konnte sie nicht länger ignorieren. Am Abend fühlte ich mich hundeelend.
„Du musst heute alleine zum Essen gehen, ich fühle mich nicht besonders.“
„Soll ich dir was Leckeres mitbringen?“, fragte Mike besorgt.
„Nein, danke! Mir ist gerade nicht nach Essen.“
Als Mike zurückkam, glühte ich bereits wie ein Ofen. Knapp 40 Grad zeigte das Fieberthermometer an. Die Hitze in mir drin war kaum auszuhalten. Die Bläschen an meinem Dekolleté wurden immer größer und breiteten sich langsam, aber sicher aus. Sie krochen den Hals hinauf bis hinter die Ohren und wanderten die Arme hinunter. Zum Jucken war ein heftiges Brennen hinzugekommen. Ich hatte das Gefühl, innerlich zu verbrennen. Eins war mir schlagartig klar: Das war keine Sonnenallergie! Mike wurde immer hektischer, lief das Zimmer auf und ab.
Plötzlich wurde ich von heftigen Krämpfen geschüttelt, mein Körper begann wild zu zucken. Ich wurde wie bei einem elektrischen Stromschlag in die Luft katapultiert und prallte heftig wieder zurück aufs Bett. Ich hatte meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle. Diese Krämpfe bekam ich nun in regelmäßigen, immer kürzer auftretenden Abständen. Bei diesem Anblick verlor Mike endgültig die Fassung.
„Was soll ich bloß tun, lieber Gott, was soll ich bloß tun?“, murmelte er immer wieder vor sich hin und vergrub die Hände in seinen Haaren. Ich dachte mir nur, dass ich nun kühlen Kopf bewahren musste, und gab ihm kurze, klare Anweisungen.
„Hol mir die Cola-Dosen aus der Minibar und leg sie mir auf die Brust!“
Es war das Einzige, das mir in den Sinn kam, die Hitze zu kühlen. Eis hatten wir keines. Wie ein Roboter folgte Mike meinen Anweisungen. Dann kniete er sich neben mein Bett und wimmerte nur noch vor sich hin. Irgendwann mussten wir beide wohl eingeschlafen sein. Die ersten Strahlen der Sonne weckten mich.
„Du musst mich zum Arzt bringen“, weckte ich Mike.
Eilig stürzte er sich in seine Shorts und in ein T-Shirt und organisierte eine Überfahrt mit dem Boot zur Hauptinsel Male. Hier auf unserer Insel gab es keinen Arzt. Sie war ja so klein, dass man sie gut in einer Viertelstunde zu Fuß erkunden konnte. Ich kam mir wie eine alte Frau vor, als mich Mike stützen musste. Das Fieber hatte meine Beine zu einem wabbligen Brei gemacht.
Ich hatte mir das einzige langarmige Shirt, das ich überhaupt dabeihatte, übergezogen und ein Tuch um meine Beine gewickelt. In die Hose konnte ich mittlerweile nicht mehr steigen, da sich die Blasen bis dahin ausgebreitet hatten und schmerzten, als ich die Jeans anziehen wollte. Das gefälschte Hermès-Tuch, ein Schnäppchen aus Bangkok, zog ich mir über den Kopf und versteckte mein Gesicht, um die mitfahrenden Passagiere nicht zu erschrecken. Dass ich das Tuch als Gesichtsschleier brauchen würde, hätte ich mir einige Tage zuvor, als ich den Händler mit meinem hartnäckigen Feilschen fast in den Wahnsinn getrieben hatte, nicht vorstellen können.
Die Leute auf dem Boot bemühten sich angestrengt, mich nicht dauernd anzustarren und versuchten krampfhaft, ihre Heiterkeit zu bewahren und ließen sich über das schöne Wetter aus. Die Stimmung auf dem Boot blieb beklemmend.
In Male angekommen, machten wir uns sofort zum einzigen diensthabenden Arzt auf. Zum Glück war es ein Schweizer. Ich war selten so froh gewesen, schweizerische Klänge zu vernehmen, als er uns mit einem herzlichen „Grüezi“ begrüßte. Ich hatte mir schon ausgemalt, wie ich auf Englisch erklären sollte, was mir fehlte. Obwohl ich der englischen Sprache mächtig bin, fehlen dann oft im entscheidenden Augenblick die richtigen Worte. Doch allzu vieler Worte bedurfte es wohl gar nicht, denn mein Aussehen und Zustand sprachen Bände.
Der Arzt vermutete, dass es sich um eine toxische fotosynthetische Reaktion, ausgelöst durch das starke UV-Licht auf den Malediven, handelte.

1
Glauben Sie an Gott?

„Glauben Sie an Gott?“
Die Frage überraschte mich in zweierlei Hinsicht. Einerseits, weil sie mir doch einigermaßen intim erschien und ich diesem Mann, der mir gegenübersaß, nur deshalb noch einmal begegnete, weil ich die Fäden, die er mir „einverleibt“ hatte, nicht vertrug. Andererseits, weil diese Worte aus dem Munde eines Arztes gekommen waren, eines Chirurgen noch dazu, der sich in meinen Augen streng der empirischen Wissenschaft verschrieben hatte und sich nicht aufs Philosophieren über Gott und die Welt mit seinen Patienten einließ.
Indirekt hatte ich mit Herrn Gutzwyler schon vor einiger Zeit Bekanntschaft geschlossen und mir ein Bild von ihm gemacht. Vor über einem Jahr hatte er meinen Mann an seinem Allerwertesten operiert, den er sich im wahrsten Sinne des Wortes aufgerissen hatte. Die anfänglich gut verheilende Wunde wollte des Guten zu viel und verheilte an der Oberfläche zu schnell, ohne in der Tiefe zugewachsen zu sein. Bei einer Nachkontrolle fackelte Doktor Gutzwyler, der ein Mann der Taten und nicht der vielen Worte zu sein schien, nicht lange und setzte das Skalpell in seinem Untersuchungszimmer zum Nachschnitt an. Mein Mann war derart überrumpelt, dass er mit einem Sack voll neuer Kompressen in der Hand noch immer sprachlos nach Hause kam, dafür aber umso mehr blutete.
Obwohl ich meinen Mann seit einigen Wochen pflegte und ich den ersten Schock, als ich die einige Zentimeter tief klaffende Wunde zum ersten Mal erblickte, überwunden hatte, sah ich mich vor eine neue Herausforderung gestellt. Ich fluchte nicht schlecht über die Dreistigkeit dieses Arztes, als ich mit Mullbinden gegen die Blutung ankämpfte. Zum Glück ließ sie über Nacht nach und ich musste mir nicht ernsthaft den Kopf über den Ruf Doktor Gutzwylers zermartern, der in Fachkreisen als Koryphäe gilt. Dennoch blieb mir in Gedanken das Bild eines Metzgers, der zwar gekonnt, aber nicht gerade zimperlich mit seinem Messer umgeht.

Als ich ihm dann vor einigen Wochen zum ersten Mal persönlich begegnete, war mir so hundeelend, dass ich mir darüber keine Gedanken machen konnte. Eine akute Entzündung der Gallenblase ließ mir keine Zeit, mich gegen den diensthabenden Arzt aufzulehnen. Alles, was ich wollte, war die Erlösung von meinen Schmerzen, und ich vertraute ihm voll und ganz in seiner Aussage, dass dieses Ding, das mich die ganze Nacht zum Pendelgang zwischen Toilette und Bett gezwungen hatte, raus musste. Er hatte mir kurz mitfühlend die Hand gehalten, als er mich über allfällige nachoperative Komplikationen aufklärte, was mein Vertrauen in ihn ungemein stärkte.
Noch am gleichen Abend wurde ich operiert. Die Entfernung der Gallenblase und gleichzeitig der kartoffelgroßen Gallensteine wäre ein Klacks gewesen, hätte es da nicht das Antibiotikum gegeben, das man mir verabreichte. Doch dazu später.
Zurück zu seiner Frage.
„Oh ja, ich glaube an Gott. Auf meine ganz spezielle Art. Es ist nicht so, dass ich oft in die Kirche renne. Das ist etwas, das ich mit Gott und mir ausmache, ganz tief in mir drin“, sagte ich. Die Antwort kam ganz spontan, ohne zu überlegen. Früher hätte ich wohl Probleme gehabt, mich so offen zu meinem Glauben zu bekennen. In unserer Gesellschaft scheint es nicht „in“ zu sein, an Gott zu glauben und zu beten. Ich bin zwar überzeugt, dass es viele tun, dazu zu stehen, ist aber was anderes.
„Das habe ich mir gedacht“, entfuhr es ihm mit einem Lächeln, das ihn weich und zugleich spitzbübisch erscheinen ließ. „Ohne den Glauben hätten Sie das wohl nicht überlebt. Ich habe in letzter Zeit viel an Sie gedacht, Frau Plaar. Als ich Ihre Krankenakte studierte, habe ich mich ein wenig schlaugemacht, was so ein Lyell-Syndrom überhaupt ist. Ich hatte nämlich vorher noch nie davon gehört. Ganz schön heftig!“
„Ja“, bestätige ich, „das wünsche ich niemandem. Es war eine harte Erfahrung. Aber es ist nicht so, dass ich mit meinem Schicksal hadere. Ich wäre heute nicht da, wo ich bin, wenn ich diese Krankheit nicht gehabt hätte. Sie hat mich näher zu mir selbst gebracht, mich zu dem gemacht, was ich eigentlich bin. Insofern bin ich dankbar dafür, was mir widerfahren ist. Für viele ist das schwer verständlich. Für mich ist es eher so, dass ich ein zweites Leben geschenkt bekommen habe. Mein Leben hat sich seither um 180 Grad gedreht, ich bin nicht mehr der Mensch, der ich mal war.“
„Es wäre wirklich spannend, eine Krankheit von diesem Standpunkt aus kennenzulernen. Wir Mediziner lesen in den Büchern ja nur über die Symptome. Was aber machen sie mit dem Menschen, wie erlebt er das Ganze? Ich bin auch überzeugt, dass die Einstellung des Kranken, die Psyche, genauso wichtig ist für den Heilungserfolg wie die medizinische Behandlung. Wenn nicht sogar wichtiger. Wir Mediziner leisten da nur einen kleinen Teil. Haben Sie sich schon mal überlegt, ein Buch über Ihre Geschichte zu schreiben?“ Erwartungsvoll schaute er mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Ehrlich gesagt spiele ich schon lange mit diesem Gedanken. Aber irgendwie habe ich die Kurve nie gekriegt. Im Kopf habe ich’s schon hundertmal geschrieben. Und dann stelle ich mir die Frage, wen interessiert das?“
„Mich! Ich würde es sofort lesen. Sie müssen mir versprechen, dass ich einer der Ersten bin, die es zu lesen bekommen.“
Beschwingt verließ ich das Krankenhaus. Ja, vielleicht sollte ich es tatsächlich anpacken, das Schreiben. Aber wie es halt so ist, den inneren Schweinehund konnte ich doch nicht überwinden, und so blieb es einmal mehr bei den guten Vorsätzen.
Der Gedanke holte mich aber bald wieder ein. Wie ein Bumerang, der immer wieder zurückkehrt. Man kann ihn noch so weit wegwerfen, er kommt immer wieder zurück.
„Mit jedem Ausatmen gibst du etwas von dir nach außen ab und mit jedem Einatmen nimmst du etwas von außen auf“, begleitete Daniela, unsere Yogalehrerin, die Entspannungsübung.
„Was gebe ich ab?“, fragte ich mich. „Klar, verbrauchte Luft, was sonst. Aber ist das alles? Was hinterlasse ich sonst noch auf dieser Welt?“
Ich wurde nachdenklich. Ein Buch, das ich vor einiger Zeit gelesen hatte, kam mir in den Sinn. Es handelt von einem klinisch Toten, der eine Begegnung mit Jesus hat und mit einer Frage konfrontiert wird, die sein ganzes Leben verändern soll.
„Was hinterlässt du im Leben? Was kannst du mir zeigen? Was hast du geleistet?“ möchte Jesus von ihm wissen. Als der vermeintlich Tote ins Leben zurückkehrt, ändert er dieses radikal.
Was hatte ich vorzuweisen? Was hatte ich bisher aus meinem Leben gemacht? Schön, ich hatte eine wundervolle achtjährige Tochter, wohl das tollste Kind, das ich mir überhaupt nur wünschen konnte. Aber war das mein Verdienst, dass sie so großartig war? Na ja, wenn, dann nur zum Teil.
Mir kam noch so einiges in den Sinn, aber nichts Bewegendes, Großartiges, nichts weswegen ich in Erinnerung bleiben mochte. Plötzlich war die Idee von einem Buch wieder ganz präsent. Vielleicht war es nun an der Zeit, meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meiner Krankheit aufzuschreiben. Egal, wenn’s niemanden interessierte. Ich musste es mir einfach von der Seele schreiben. Und vielleicht, vielleicht las es ja auch jemand.
Wenn Sie diese Zeilen gerade lesen, dann habe ich es sogar geschafft, dass Sie mit mir den ersten Schritt auf eine emotionale Reise durch die Hochs und Tiefs meiner Krankheit gemacht haben. Meine Erfahrungen und Gedanken sollen Mut machen, die eigene Stärke zu erkennen und zu nutzen, um das Schicksal, so hart einem das Leben manchmal mitspielen mag, anzunehmen. Dieses Buch soll auffordern, die Schätze im Dunkeln auszugraben und zu entdecken, dass in jedem Schicksalsschlag eine gewaltige Chance steckt.


2
April 1993

So einen Knackarsch hatte ich noch nie. Zufrieden drehte ich mich vor dem Spiegel hin und her und begutachtete das Werk des Schneiders. Passte wirklich wie angegossen, mein erstes maßgeschneidertes Kostüm. Behutsam strich ich mit meinen Fingern über die cremefarbige Rohseide, die sich kühl und glatt anfühlte. Die Farbe brachte meine tiefe Bräune noch mehr zur Geltung. Es war eine gute Entscheidung gewesen, die Reise nach Asien anzutreten.
Noch vor vier Wochen hatte ich völlig verschnupft mit einer roten, verquollenen Nase und am Rande einer Lungenentzündung im Sprechzimmer meines Arztes gesessen, der mir dringend davon abriet, ins Flugzeug zu steigen. Das war natürlich nicht das, was ich hören wollte. Ich brauchte dringend eine Auszeit. Mein Jurastudium und die zwei Nebenjobs, die mich finanziell über Wasser hielten, hatten mich völlig ausgelaugt. Ich lief regelrecht auf dem Zahnfleisch. Ich hatte mich so auf diesen Urlaub gefreut, da sollte mir ein blöder Schnupfen doch keinen Strich durch die Rechnung machen. Ich suchte einen zweiten Arzt auf, der meinte, ein Klimawechsel täte mir vielleicht ganz gut. Genau, ganz meine Meinung, und recht hatten wir. Die Erkältung war Schnee von gestern. Ich fühlte mich so gut wie schon lange nicht mehr.
„Is it okay?“
Die Frage des Schneiders riss mich aus meinen Gedanken. Sie war so vorsichtig gestellt, dass ich sie kaum vernahm. Mit leicht gesenktem Haupt und vor der Brust zur Gebetshaltung gefalteten Händen harrte er angespannt meiner Antwort.
„It’s wonderful!“, erlöste ich den Meister aus seiner demütigen Haltung, die den Thais manchmal so eigen ist. Sofort lockerte er sich und blickte mir strahlend in die Augen.
„Thank you, Ma’am!“
Überglücklich hakte ich mich bei Mike unter und wir verließen vollgepackt den klimatisierten Laden. Die schwüle Hitze schlug uns wie eine Wand entgegen. Sofort bildete sich ein feuchter Film auf der Haut, der sich mit dem Dreck, der in grauen Schleiern durch die Luft waberte, zu einem klebrigen, unappetitlichen Belag vermischte. Ich hatte mich auf unserer Reise durch Asien an die hohe Luftfeuchtigkeit gewöhnt und sie machte mir nichts mehr aus. Hier in Bangkok jedoch hatte ich ständig das Bedürfnis, mich unter die Dusche zu stellen.
Der Gestank der Autos und der Tuk-Tuks, die sich im Schritttempo durch die Straßen wälzten, vermischte sich mit dem wohligen Geruch, welche die Garküchen am Straßenrand verströmten. Ein Mix aus Gewürzen wie Ingwer, Chili und Curry in gebratenem Fleisch mit Gemüse ließ einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Schnell war da der Abgasgestank vergessen.
Und da war es wieder, dieses zweischneidige Gefühl, das Bangkok in mir auslöste. Ich liebte und hasste diese Stadt, eine pulsierende Metropole, die für mich eine Mischung aus moderner Großstadt und asiatischem Kuddelmuddel darstellte. Für einige Tage war ich von ihr fasziniert, ließ mich von dem ständigen Treiben mitreißen, tauchte ins Händlerleben ein und ließ mich auf das Spiel des Feilschens ein. Doch dann war es höchste Zeit zu flüchten. Bangkok muss man gesehen und erlebt haben, dort zu leben, wäre für mich ein Unding.
Morgen stand der letzte Abschnitt unserer Ferien bevor. Die Malediven sollten das Sahnehäubchen werden. Tauchen, viel Sonne, glasklares Wasser, weiße Sandstrände und süßes Nichtstun, bevor uns der schnöde Alltag wiederhaben sollte. Ich freute mich besonders aufs Tauchen. Ich war schon immer von der Unterwasserwelt begeistert gewesen. Für mehr als Schnorcheln hatte es bis jetzt leider nicht gereicht.


3
Sahnehäubchen mit ranzigem Beigeschmack

Etwas mulmig zumute war mir schon. Der Japaner, der mir gegenübersaß, schraubte schon seit einer halben Stunde an seiner ultramodernen Taucherausrüstung rum. Mit allem Schnickschnack, der ein Taucherherz höher schlagen ließ. Das musste ein Vollprofi sein. Ich war froh, dass man für mich alle Geräte geprüft und eingestellt hatte, und wartete nun mit klopfendem Herzen auf meinen ersten Tauchgang im offenen Meer.
Am Strand hatte ich mich bei den Tauchübungen recht geschickt angestellt, sodass man mich am gleichen Tag mit aufs Boot rausnahm. Ich war selbst von mir überrascht gewesen, denn offen gestanden leide ich unter Platzangst und ich hatte Bedenken, dass ich unter Wasser in Panik ausbrechen könnte. Aber nichts dergleichen. Das gleichförmige Geräusch des Lungenautomaten beim Ein- und Ausatmen sowie das klirrende Geräusch des aufgewühlten Wassers beruhigten mich eher. Die Unterwasserwelt zog mich sofort in ihren Bann.
Da ich die Einzige auf dem Boot war, die heute ihren ersten Tauchgang bestritt, musste ich bis zum Schluss warten. Nach einer gefühlten Ewigkeit, mein Magen begann nämlich vom leichten Seegang zu rebellieren, war ich an der Reihe. Auf ein Zeichen des Tauchlehrers sprang ich mit der Grazie eines Elefanten – die Gewichte sind an Land ganz schön schwer – ins Wasser. An der Stilnote würde ich wohl noch etwas arbeiten müssen.
Zu meiner Überraschung erblickte ich neben mir den Japaner. Mit rudernden Armen versuchte er vergeblich, sich unter Wasser zu drücken. Man hatte ihm schon Unmengen an Gewicht angehängt, um ihm den Abstieg in die Tiefen zu erleichtern. Bevor er überhaupt nur einen Meter unter Wasser abgetaucht war, hatte er in seiner Aufregung die ganze Flasche leergenuckelt und musste zurück an Bord. So viel zum Vollprofi.
Mit ein paar tiefen und ruhigen Atemzügen ließ ich mich langsam in die Tiefe gleiten. Das T-Shirt, das in diesen warmen Gewässern völlig ausreicht, um nicht auszukühlen, flatterte an meinem Oberkörper und kitzelte mich. Das Sonnenlicht flimmerte wie goldene Strahlen durch meinen gespreizten Finger. Der Tauchlehrer bedeutete mir, ihm zu folgen. Da tauchte der erste Fisch auf. Nein, es war vielmehr ein ganzer Schwarm bunt glitzernder Fischleiber, die dicht an dicht an mir vorüberzogen. Sie schienen sich in keinster Weise von mir gestört zu fühlen. Im Gegenteil, sie pickten neugierig an meinen Unterarmen.
Nur wenige Meter tiefer eröffnete sich mir ein wahrer Zauberwald unter Wasser. Die Korallen ragten in den verschiedensten Formen in die Höhe. Weiße und rötliche, einige sahen aus wie große Blumenkohlköpfe, andere wiegten sich sachte wie Fächer in der Strömung. Immer wieder schossen Fische in allen Farben und Größen dazwischen hervor.
Das Eindrücklichste jedoch war für mich die ganz eigene Ruhe, die hier unten herrschte. Alles schien ruhig in seinen geregelten Bahnen zu laufen, ganz ohne Hektik. Mir wurde klar, weshalb manche Menschen regelrecht süchtig nach dem Tauchen werden. Es ist wie das Eintauchen in eine ganz andere Welt.
Ich merkte gar nicht, wie schnell die Zeit verstrichen war. Wir mussten zurück an die Oberfläche.
„Es ist der Wahnsinn!“, schrie ich beim Auftauchen.
„Na, dann hab ich dir ja nicht zu viel versprochen“, grinste Mike, als er mir die Hand reichte, um an Bord zu steigen. Vollgepumpt mit Glückshormonen zog ich mein T-Shirt über den Kopf. Da entdeckte ich auf meinem Dekolleté einige kleine Pöckchen.
„Na bravo, jetzt kriege ich doch noch so eine blöde Sonnenallergie! Ich dachte, dass ich dieses Mal davon verschont bliebe.“
Etwas erstaunt war ich schon, dass sich die ungeliebten Bläschen erst jetzt meldeten. Normalerweise bekam ich die am Anfang des Urlaubs, wenn sich meine Haut noch an die Sonne gewöhnen musste. Jetzt allerdings war ich schon so braun gebrannt, dass mir das schon ungewöhnlich erschien. Die Freude über meinen ersten gelungenen Tauchgang war jedoch so groß, dass ich mir die Stimmung von den paar Pickelchen nicht verderben lassen wollte. Auch als sich die unschönen Dinger immer mehr ausbreiteten, machte ich mir keine ernsthaften Gedanken. Ich beschloss ganz einfach, ein T-Shirt anzuziehen und mich mit einem Cocktail in den Schatten einer Palme zu verkriechen. Die Dinger verzogen sich aber nicht wie erhofft und begannen fürchterlich zu jucken. Ich konnte sie nicht länger ignorieren. Am Abend fühlte ich mich hundeelend.
„Du musst heute alleine zum Essen gehen, ich fühle mich nicht besonders.“
„Soll ich dir was Leckeres mitbringen?“, fragte Mike besorgt.
„Nein, danke! Mir ist gerade nicht nach Essen.“
Als Mike zurückkam, glühte ich bereits wie ein Ofen. Knapp 40 Grad zeigte das Fieberthermometer an. Die Hitze in mir drin war kaum auszuhalten. Die Bläschen an meinem Dekolleté wurden immer größer und breiteten sich langsam, aber sicher aus. Sie krochen den Hals hinauf bis hinter die Ohren und wanderten die Arme hinunter. Zum Jucken war ein heftiges Brennen hinzugekommen. Ich hatte das Gefühl, innerlich zu verbrennen. Eins war mir schlagartig klar: Das war keine Sonnenallergie! Mike wurde immer hektischer, lief das Zimmer auf und ab.
Plötzlich wurde ich von heftigen Krämpfen geschüttelt, mein Körper begann wild zu zucken. Ich wurde wie bei einem elektrischen Stromschlag in die Luft katapultiert und prallte heftig wieder zurück aufs Bett. Ich hatte meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle. Diese Krämpfe bekam ich nun in regelmäßigen, immer kürzer auftretenden Abständen. Bei diesem Anblick verlor Mike endgültig die Fassung.
„Was soll ich bloß tun, lieber Gott, was soll ich bloß tun?“, murmelte er immer wieder vor sich hin und vergrub die Hände in seinen Haaren. Ich dachte mir nur, dass ich nun kühlen Kopf bewahren musste, und gab ihm kurze, klare Anweisungen.
„Hol mir die Cola-Dosen aus der Minibar und leg sie mir auf die Brust!“
Es war das Einzige, das mir in den Sinn kam, die Hitze zu kühlen. Eis hatten wir keines. Wie ein Roboter folgte Mike meinen Anweisungen. Dann kniete er sich neben mein Bett und wimmerte nur noch vor sich hin. Irgendwann mussten wir beide wohl eingeschlafen sein. Die ersten Strahlen der Sonne weckten mich.
„Du musst mich zum Arzt bringen“, weckte ich Mike.
Eilig stürzte er sich in seine Shorts und in ein T-Shirt und organisierte eine Überfahrt mit dem Boot zur Hauptinsel Male. Hier auf unserer Insel gab es keinen Arzt. Sie war ja so klein, dass man sie gut in einer Viertelstunde zu Fuß erkunden konnte. Ich kam mir wie eine alte Frau vor, als mich Mike stützen musste. Das Fieber hatte meine Beine zu einem wabbligen Brei gemacht.
Ich hatte mir das einzige langarmige Shirt, das ich überhaupt dabeihatte, übergezogen und ein Tuch um meine Beine gewickelt. In die Hose konnte ich mittlerweile nicht mehr steigen, da sich die Blasen bis dahin ausgebreitet hatten und schmerzten, als ich die Jeans anziehen wollte. Das gefälschte Hermès-Tuch, ein Schnäppchen aus Bangkok, zog ich mir über den Kopf und versteckte mein Gesicht, um die mitfahrenden Passagiere nicht zu erschrecken. Dass ich das Tuch als Gesichtsschleier brauchen würde, hätte ich mir einige Tage zuvor, als ich den Händler mit meinem hartnäckigen Feilschen fast in den Wahnsinn getrieben hatte, nicht vorstellen können.
Die Leute auf dem Boot bemühten sich angestrengt, mich nicht dauernd anzustarren und versuchten krampfhaft, ihre Heiterkeit zu bewahren und ließen sich über das schöne Wetter aus. Die Stimmung auf dem Boot blieb beklemmend.
In Male angekommen, machten wir uns sofort zum einzigen diensthabenden Arzt auf. Zum Glück war es ein Schweizer. Ich war selten so froh gewesen, schweizerische Klänge zu vernehmen, als er uns mit einem herzlichen „Grüezi“ begrüßte. Ich hatte mir schon ausgemalt, wie ich auf Englisch erklären sollte, was mir fehlte. Obwohl ich der englischen Sprache mächtig bin, fehlen dann oft im entscheidenden Augenblick die richtigen Worte. Doch allzu vieler Worte bedurfte es wohl gar nicht, denn mein Aussehen und Zustand sprachen Bände.
Der Arzt vermutete, dass es sich um eine toxische fotosynthetische Reaktion, ausgelöst durch das starke UV-Licht auf den Malediven, handelte.
5 Sterne
Das Buch ging mir unter die Haut - 17.04.2016
Doris Stadelmann

Ich habe noch nie eine solch von positiver Energie strotzende Erzählung über ein tief dramatisches Erlebnis gelesen. Und die klar dargestellte Erkenntnis daraus, welche mir wieder mal gezeigt hat, worauf es im Leben ankommt. Wie wir immer wieder aufstehen können, um auf unserem Weg zu wachsen.Danke für das absolut tolle Buch, das ich allen empfehle.

5 Sterne
Eine Achterbahn der Gefühle - 27.08.2015
Walter Becker

Ein Buch, das wirklich unter die Haut geht, das einen erschaudern, aber auch herzhaft lachen lässt.Ein Buch, das trotz aller Tiefen viel Mut macht.Man muss es gelesen haben.

5 Sterne
Bereicherndes Buch - 16.05.2015
Petra Kania

Lysell-Syndrom? Davon hatte ich vorher noch nie gehört. Die Autorin, Sandra Plaar schildert auf beeindruckende, verständliche Art und Weise wie die Krankheit ausbrach und wie ihr Leben dadurch bestimmt wurde.Das alles schildert sie ohne bei dem Leser "auf die Tränendüse" zu drücken. Das zeichnet gerade dieses Buch aus. Hier wird die Stärke der Autorin im Kampf gegen und letztendlich mit der Krankheit glaubhaft geschildert geschildert. Auch Selbstironische, humorvolle Beschreibungen von Situation lassen den Leser schmunzeln. Das Buch sollte jedem eine Hilfe in der Auseinandersetzung mit Krankheit sein.Der Leser wird angeregt sein eigenes Leben und Lebensziele zu hinterfragen. Sehr gut zeigt die Autorin auf, dass diese Erkrankkung trotz allem auch eine persönliche Bereicherung war. Schließt sich eine Tür, dann öffnet sich eine andere.Umbedingt lesen!Petra Kania

5 Sterne
Ein Buch, das extrem unter die Haut geht - 14.05.2015
peedee

Sandra Plaar erzählt von ihrem Leben mit dem „Lyell-Syndrom“. Für eine Traumreise nach Asien nimmt die Autorin eine Malariaprophylaxe ein, die dann zum Auslöser einer schrecklichen Krankheit mit Kampf um Leben und Tod wurde – ein Albtraum.Das Buch ist sehr intensiv (kann man das so sagen?)… Es kamen wahnsinnig viele Emotionen hoch und nicht selten standen mir Tränen in den Augen. Die Beschreibungen der verschiedenen Klinikaufenthalte waren zum Teil wirklich heftig und ich musste leer schlucken: z.B. die zweimal falsch aufgelegte Spezialfolie im Bett, die dann an der Haut klebte und sie beim Abreissen ablöste (es schüttelte mich!). Oder dann die Sache mit dem Ausreissen der Fingernägel! Horror! Ach Gott oh Gott, habe ich oft gedacht, hört denn das Elend nicht endlich auf?„Ich selbst aber zweifelte keinen Augenblick lang, dass ich überleben würde. Jetzt zu sterben, kam nicht in Frage.“ Als ich das gelesen habe, musste ich mal tief durchatmen und einen Moment pausieren. Das hat mich schwer beeindruckt.Zum Glück gibt es nicht nur Beschwerliches im Buch, nein es gibt auch Leichtes und Fröhliches, das mich zum Schmunzeln gebracht hat, wie z.B. die Suche im Internet nach „Mr Right“.„Alles, was im Leben geschieht, hat einen Sinn.“„Was auch immer in Ihrem Leben geschieht, nehmen Sie es als Chance, sich selbst und damit Gott zu verwirklichen. Denn letztendlich heisst eins mit sich sein nichts anderes als mit Gott sein.“Ich bin beeindruckt von Sandra Plaars Grösse, wie sie mit dieser Krankheit umgeht und sich nicht nach dem „Warum“ fragt. Sie ist auch nicht verbittert, sondern wirkt sehr lebensfroh und glücklich – Hut ab! Die Geschichte wird mich lange begleiten – vielen Dank für dieses Buch. Ich wünsche Sandra Plaar und ihrer Familie alles Gute

5 Sterne
Das Leben ist ein Geschenk, das sollte man nie vergessen ... - 14.05.2015
Leuchtturmwaerterin

Ein wirklich unglaubliches Buch, das mich persönlich sehr berührt hat und mir immer wieder zeigt, wie wertvoll das Leben ist und wie schnell es unter den seltsamsten Umständen vorbei sein könnte.Ich finde man nimmt das Leben immer so als selbstverständlich im täglichen Leben hin und realisiert selbst viel zu wenig, dass es ein Wunder ist, dass man so viele wunderbare und aufregende Dinge erleben darf Tag für Tag.Wir sollten alle viel bewusster durch den Tag gehen und Dinge, die wir tun müssen (arbeiten, putzen, einkaufen, etc.) bewusster tun, denn all das sind Dinge, die unser Leben gestaltet.Für mich ist die Autorin eine sehr starke Persönlichkeit, die mit ihrer Krankheit und den Spätfolgen so souverän umgeht und solch eine Ruhe ausstrahlt in ihren Worten. Ich kann das nur sehr schlecht in meine eigenen Worte fassen. Mich hat dieses Buch vollkommen mitgenommen und ich bin unglaublich froh, dass ich es lesen durfte.

5 Sterne
Ich bin überzeugt - 27.03.2015
G.Frauchiger

Vielen Dank für dieses spannende, berührende Buch. Ich bewundere den Mut, den es braucht so viel persönliches, intimes in Form eines Buches preiszugeben. Ich bin überzeugt. Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Zeile gefesselt. Ich habe beim Lesen geweint, gelacht und mitgelitten. Mir hat der Stil sehr gut gefallen: Offen, direkt ohne unnötigen Schnörkel, absolut authentisch.Absolut empfehlenswert zum Lesen.

5 Sterne
Ein absolut empfehlenswertes Buch das unter die Haut, durch die Seele und ins Herz geht! - 11.03.2015
Arnika

Dieses Buch packt einen von der ersten bis zur letzten Seite. Wenn man einmal angefangen hat zu lesen lässt es einen nicht mehr los. Es vermag einen zutiefst zu berühren und sämtliche Emotionen aus einem hervorzulocken. Es ist eine unglaubliche wie wahre Geschichte - und eine Geschichte über das, was wirklich wichtig ist im Leben. Ich danke der Autorin für ihren Mut, ihren Humor und ihre Authentizität uns an ihrer Geschichte so hautnah teil haben zu lassen und wünsche ihr noch viele weitere begeisterte Leser. Ihrer Familie wünsche ich weiterhin diesen unerschütterlichen Glauben, diese ansteckende Lebensfreude und Lebenskraft und Gesundheit satt. Alles Liebe!!!

5 Sterne
Ich bin....froh, dass Du dieses Buch geschrieben hast - 10.03.2015
Heidi Jehle

Das Buch habe ich an einem Nachmittag gelesen, ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Es berührt, es geht Wort Wörtlich unter die Haut. Was ein Lyell-Syndrom ist kann man jetzt im Internet sehen, vor 20 Jahren war das noch ein Buch mit sieben Siegeln, natürlich wussten wir dass es seeeehhhhr schlimm ist aber so. Die Gesundheit ist das höchste Gut, das hat man wieder einmal gespürt, man nimmt es nur nicht immer so wahr.Liebe Sandra Danke für Deine Einblicke in diese für uns schon fast vergessene Zeit.

5 Sterne
Emotional - 24.02.2015
Sabrina

Das Buch zu lesen war sehr emotional und man konnte nicht aufhören. Beim lesen dieser Biographie wird man sich wieder bewusst, was zum Leben gehört, Gesundheit und die richtigen Werte. Das Buch ist zum Weiterempfehlen und die Autorin ist eine sehr starke Frau. Persönlich kann man viel von der Autorin lernen. Sie gibt einem die Kraft, von Tiefpunkten im Leben, die man nicht selber ausliest, sich wieder ins Leben zurück zu kämpfen und wieder aufzusteigen und ein "normales" Leben zu leben. Bin sehr dankbar, das ich das Buch lesen durfte. Herzlichen Dank Sandra, dass Du Deine Geschichte aufgeschrieben hast und andere Menschen an Deinem Schicksal teilnehmen lässt.

5 Sterne
ICH BIN... Weil das «Lesen» unter die Haut geht - 12.02.2015 - 13.02.2015
Blazenka Kostolna

Der Titel des Buches ist eine einfache Feststellung: ICH BIN. Und darunter kleingedruckt, «Wenn das Leben unter die Haut geht». Nach der Lektüre dachte ich: Weil das «Lesen» unter die Haut geht, denn es ist eine Lebensgeschichte, die unter die Haut geht. Eine junge Frau Anfang zwanzig, durch Einnahme von zwei Tabletten, die eigentlich als Vorbeugung gegen Malaria-Ansteckung gedacht waren, erkrankt an einer seltenen Krankheit, in der es buchstäblich um Leben und Tod geht. Die Diagnose «Lyell-Syndrom» könnte man als Schlangen-Häutung, oder als Ausziehen der eigenen Haut benennen. Die Sterblichkeit bei dieser Krankheit liegt bei 25-70 %, je nach Ausmass der Schädigung (bei ihr lag es an der oberen Grenze). Der Körper verwandelt sich in ein unbekanntes Monster, verwischt alles, was war, dehnt sich, pustet sich aus, das vertraute Eigenbild gibt’s nicht mehr. Körperliche Entfremdung pur.Ich habe das Buch in einem Atemzug gelesen, ich war berührt, habe geweint und gestaunt und war dankbar für den Humor und die Leichtigkeit, mit denen mich Frau Plaar durch ihre Geschichte geführt hat. Sie zeichnet ein Porträt einer sehr, sehr starken Frau, keiner fiktiven, sondern einer echten, die um ihr Dasein kämpft. Dem äusseren und auch dem inneren. Es ist die Biografie eines Wunders und zugleich ein Glaubensbekenntnis an das Leben. Der Text ist leserfreundlich, verständlich, reich an Bildern, Düften, Geräuschen und Geschichten, das Erzählerische geht durch Selbstanalyse und Bewertung nicht verloren, es ist ein Fluss der Ereignisse, so spannend wie ein Krimi und so emotional wie ein Liebesroman. Es ist eine interessante Lektüre über das menschliche Wissen und Nichtwissen, über den Mut, enormen Lebenswille, Glaube und Vertrauen in die eigenen Heilungskräfte. Es ist kein Trauerbuch, kein Schuldzuweisungsbuch, sondern eine unglaublich wunderbare Krankheits- und Genesungsgeschichte, die für Gesunde fast unvorstellbar ist. Das Buch ist wie ein Magnet, der einen festhält. Bis auf die letzten einundhalb Seiten des Buches, die es meiner Meinung nach nicht unbedingt gebraucht hätte. Es ist ein Fazit, eine Erklärung und eine Ansammlung von Erkenntnissen und Weisheiten, die mich irgendwie irritierten, weil sie einfach überflüssig sind - wenn man die ganze Geschichte wirklich liesst. Aber es gibt sicher Leser, die sehr dankbar für diese Seiten sind, weil dort eine Antwort zu finden ist, auf die zum Schluss gestellte Frage, die ihr im Spital ein alter, verbitterter Mann stellt: «Haben sie sich nie gefragt, warum Ihnen die ganze Scheisse passiert?».Mir scheinen diese Sätze wie ein Amen hinter einer Biografie-Geschichte, die zu Ende ist, aber das ist natürlich ein Irrtum, sie ist eben nicht zu Ende, sondern geht weiter. Und ich hoffe, in einem anderem Buch.

5 Sterne
Super eindrücklich - 11.02.2015
Jrene

Wau, ich kann das Buch jedem empfehlen. Es ist so eindrücklich geschrieben, das man wieder Mut bekommt selber um seine Krankheit weiter zu kämpfen. Danke Sandra für Deinen Mut diese Geschichte zu schreiben. Viel Glück weiterhin!

5 Sterne
Ich bin " wenn das leben unter die haut geht" - 10.02.2015
Claudia Massa Bertrang

ich kann nur sagen Lesen, Lesen und nochmals lesen. Genial geschrieben. Es geht einem wirklich unter die haut, mich hat es zum teil auch zum weinen gebracht. Einfach nur zu empfehlen.

5 Sterne
Ich bin berührt! - 10.02.2015
Doris Fessler

Eine beeindruckende Geschichte, die einem sehr nahe geht! Wie sie mit ihrer Krankheit positiv umgeht und sogar anderen Mut macht; alle Achtung!! Sehr zu empfehlen!

5 Sterne
Ich bin....muss man unbedingt lesen! - 09.02.2015
Claudia Zulliger

Die Autorin nimmt uns mit auf eine unglaubliche Reise voller Schmerz und ihren Kampf ums Überleben. Ihre Offenheit hat mich sehr berührt und zeigt uns auf, dass die Einstellung die wir zum Leben haben enorm wichtig ist. Das man aus noch so schlimmen Erfahrungen,das beste für sein Leben gewinnen kann. Das Buch ist fesselnd geschrieben und man kann es nicht mehr weglegen. Die Autorin gibt uns Einblicke in Ihre Seele, was sehr mutig ist und lässt uns damit hautnah miterleben,dafür danke ich Ihr sehr!

5 Sterne
Ich bin ..... geht absolut unter die Haut ! - 03.02.2015
Gerti Becker

Dieses Buch nimmt man in die Hand und legt es erst weg, wenn man die letzte Seite gelesen hat. Und es beschäftigt einen noch eine ganze Weile. Man spürt einfach, dass es nicht mit Tinte, sondern mit Herzblut geschrieben ist.Der sehr flüssige, ansprechende und mitreißende Schreibstil ist die eine Seite, aber der bisherige Lebensweg der Autorin lässt einem manchmal den Atem anhalten.Sie gibt viel von sich preis, nicht selbstdarstellerisch, sondern real, äußerst nachvollziehbar und sympathisch.Nach einem "Irrtum" in der Partnerwahl, bitteren Erfahrungen und einem unglaublichen Leidensweg hat sie letztlich mit ihrem jetzigen Mann das Glück gefunden und beide bieten ihrer kleinen Tochter ein Nest voller Liebe und Geborgenheit.Gleichzeitig stellt man beim Lesen erstaunt fest, welche Schätze in einem Menschen wohnen und wie diese durch Bezugspersonen und einen unerschütterlichen Glauben aktiviert werden können.

5 Sterne
ich bin... berührt! - 02.02.2015
Estefan Pedro

sehr zu empfehlen und absolut lesenswert. eine sehr bewegende geschichte, die berührend und mitreissend geschrieben und erzählt wird. ich konnte das buch nicht mehr beiseite legen und habe es in einem wisch gelesen. die schreiberin gibt sehr viele intime einblicke und erzählt von einem schicksal (krankeit), das so wohl die wenigsten kennen. ihr positiver umgang mit der krankheit ist sehr beeindruckend.

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Danke, dass wir hier weiterleben dürfen

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