Geschichte & Biografie

Hannes, ein Leben mit Behinderung

Jürg Speich

Hannes, ein Leben mit Behinderung

Leseprobe:

2. Hannes bis zum 32. Lebensjahr

In der Obhut seiner Eltern

Hannes wuchs behütet bei seinen Eltern auf. Die ersten Jahre bis zum Besuch der Primarschule erlebte er unbeschwert. Sein Umfeld beachtete wenig seine körperliche Behinderung. Er konnte, wenn auch humpelnd, selbstständig laufen und die Einschränkung seiner rechten Hand beschäftigte ihn nicht besonders. Im Wohnquartier traf er sich mit Gleichaltrigen, machte alles mit und spielte leidenschaftlich Fußball. Die geistige Limitierung infolge der Lähmung der einen Gehirnhälfte kam erst 1955 beim Antritt der Primarschule so richtig zum Vorschein. Kein Problem für ihn war das Erlernen der deutschen Sprache. Auch im Fach Geografie kam er in seiner Klasse gut mit. Im Fach Mathematik konnte er aber dem Unterricht nicht folgen. Er war in diesem Fach total überfordert. Hannes vermochte einfache Zahlen nicht zu addieren. Trotzdem schaffte er die normale Primarstufe dank der intensiven Unterstützung seiner Mutter. Diese war in den ersten fünf Primarschuljahren wichtig. Seinen Primarlehrern fehlte das Einfühlungsvermögen für Hannes. Auf seine Behinderung nahmen sie keine Rücksicht. Erst im sechsten und letzten Primarschuljahr mit dem neuen Lehrer Herrn Däschler bekam Hannes richtig Freude am Schulunterricht. Herr Däschler hatte ebenfalls ein geistig behindertes Kind und deshalb großes Einfühlungsvermögen für Hannes. Er verstand es, ihn stets für die Schule zu motivieren und schützte ihn gegenüber Mokierungen seiner Mitschüler. Doch in der folgenden Sekundarschule ging es in der normalen Schule trotz täglicher Nachhilfestunden durch Bethli nicht mehr. Hannes besuchte darum von 1961–63, bis zu seinem 15. Lebensjahr, die Privatschule Rosenberg. Diese Schule ist eines der ältesten Internate der Schweiz. Es liegt in einem Jugendstil-Villenviertel nördlich des St. Galler Stadtzentrums. Dort lernte Hannes auch französisch und beherrschte Deutsch am Ende seiner Schulzeit. Das war wichtig für sein späteres Leben. Zu dieser Zeit gab es für Gehirngeschädigte keine Therapien wie heute (ab sechsten Monat bis zur Erreichung der vollen Körpergröße). Sie werden wie Physiotherapien erfolgreich eingesetzt, um die Behinderung zu mildern. Vater Johann förderte mit viel Geduld stets seine körperliche Beweglichkeit. Er begleitete ihn regelmäßig in den Turnunterricht für Behinderte, obgleich Hannes sich dagegen sträubte. Er hatte das Gefühl, er sei im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern nicht eingeschränkt. Oft lächelte er sogar über sie. In solchen Situationen wurde seinen Eltern wieder bewusst, dass Hannes nicht nur körperlich, sondern auch geistig eingeschränkt war. Johann übte auch wöchentlich mit Hannes Greifübungen. Er musste mit seiner eingeschränkten, rechten Hand Gegenstände aus einem Sack herausnehmen und diese auf den Tisch legen. Dank seinem Vater konnte Hannes auch schwimmen. Regelmäßig besuchten sie im Sommer die Naturbäder „Drei Weihern“, südlich und oberhalb von St. Gallen gelegen. Die drei Weiher zählen zu den schönsten Naturschwimmbädern der Schweiz. Es ist auch ein Naturgebiet, das mit schönen Ausblicken über die Stadt St. Gallen bis hin zum Bodensee zu Spaziergängen ermuntert.

Hannes hatte das Glück, dass sein Vater Johann als Kantonsapotheker ihm 1964 eine Magazinerstelle in der Spitalapotheke besorgte, die er bis zu seinem 61. Altersjahr behielt. Zugleich war sein Vater in Hannes’ ersten Berufsjahren bis 1972 sein Chef. In dieser Funktion war er für Hannes eine große Respektsperson, und Hannes versuchte ihn stets nachzuahmen. Wie sein Vater spielte er gerne den Vorgesetzten. Er erwartete, dass man ihm das abnahm. Er konnte recht arrogant werden, wenn sein Gegenüber nicht spurte. Manche waren von seinem Verhalten irritiert. Wer auf ihn einging, spürte die kindliche Seite in seinem Wesen. Hannes’ Einsatz zu Hause beschränkte sich vorwiegend auf die Mithilfe beim Decken des Tisches für die Mahlzeiten. Für andere Haushaltsarbeiten war sein Arbeitstempo für Bethli zu langsam. Hie und da erledigte Hannes auch Einkäufe für das Essen. Seine Mutter gab ihm stets die gleiche oder nur wenig veränderte Einkaufsliste. Sonst wurde für ihn das Einkaufen zu kompliziert. Bei den Mahlzeiten stellte Hannes keine Ansprüche. Er schätzte die gute Küche seiner Mutter. Beim Anziehen der Kleider war Hannes mehr oder weniger selbstständig. Er benötigte dazu aber reichlich Zeit. Manchmal beanspruchte er Unterstützung beim Schuhebinden und Hemdzuknöpfen. Bei der Auswahl der Anzüge half ihm Bethli. Hannes hatte eine Schwäche für schöne Krawatten. Er benutze anfänglich nur Spezialkrawatten mit fertigem Knoten. Das Binden des Knotens war für ihn mit seiner behinderten, rechten Hand zu umständlich. Hannes liebte aber Krawatten so sehr, dass er in ihrer Auswahl nicht eingeschränkt sein wollte. Darum beherrschte er mit der Zeit und viel Übung das Binden des einfachen Knotens.

Meistens fuhr Hannes mit seinen Eltern Bethli und Johann in den Urlaub. Sie fühlten sich in der Schweiz wohl und verbrachten ihre Ferien mit ihren Kindern jedes Jahr im Tessin. In Morcote Arbostora mieteten sie von guten Bekannten ein kleines Haus mit schönem Garten und Schwimmbad. Die Reise ins Tessin erfolgte jeweils am Sonntag. Vor jeder Abreise besuchten sie den Gottesdienst im St. Galler Dom. Dann fuhren sie mit dem Zug bis Lugano und weiter mit dem Postauto bis Morcote. Das Ferienhaus befand sich in Hanglage mit schöner Sicht auf den Luganersee. Täglich badete die ganze Familie bei gutem Wetter im Schwimmbad des Hauses oder im nahe gelegenen See. Nicht weit vom Haus am Seeufer befand sich ein kleiner Laden. Dort wurde das Wichtigste wie Brot, Früchte, Milch und Teigwaren eingekauft. In der Umgebung des Hauses standen viele schöne Villen mit prachtvollen Gärten, zum Teil von berühmten Besitzern wie Peter Alexander. Vor dessen Villa sang Hannes mehrmals das Lied: „Öffne die Tür. Hier ist ein Mensch. Lass ihn hinein.“ Er wurde aber nie hineingelassen und darüber war er enttäuscht. Die Familie Kessler musste 1975 das Feriendomizil Morcote Arbostora aufgegeben, da das Haus verkauft wurde. Das Tessin blieb aber für Hannes und seine Eltern ein wichtiger Ferienort. Einige Male erholten sie sich im Hotel Villa Castagnola in Lugano. Einmal logierten sie in einem Hotel in Brissago, als Notker dort als Assistenzarzt in der Klinik Hildebrand arbeitete.
Solange die Eltern lebten, wohnte Hannes bei ihnen. Hannes war es gewohnt, dass sie seine persönlichen Rechnungen bezahlten. Er kam nie auf die Idee, einmal die Kosten zu übernehmen. Er hatte keine Beziehung zu Zahlen, und deshalb war der Umgang mit Geld für ihn abstrakt. Einmal wollte er ein eigenes Zuhause beziehen. Bethli und Johann gingen auf diesen Wunsch nicht ein. Hannes hätte in seiner eigenen Wohnung weiterhin die Betreuung durch seine Eltern gebraucht, und dies war ihnen zu umständlich. Im Wohnsitz seiner Eltern war Hannes räumlich nicht eingeengt. Er verfügte für sich allein über zwei Zimmer. Eines zum Schlafen und das andere für seine geliebte Modelleisenbahn. Mit der Zeit war die „eigene Wohnung“ für Hannes kein Thema mehr.

Einmal lud Johann Vertreter der Pharmaindustrie zu Hause zu einem Mittagessen ein, um Geschäftliches zu besprechen, denn er war als Leiter der Kantonsapotheke für die Bestellung von Medikamenten zuständig und somit auf diese Kontakte angewiesen. Für die ganze Familie und die Gäste zu kochen, war für Bethli dieses Mal ausnahmsweise zu viel. Sie bestellte deshalb das Essen bei einem Party Service, ohne dies groß zu erwähnen. Als auf dem gedeckten Tisch die Mahlzeiten im fremden Geschirr serviert wurden, stutzte Hannes. Er fragte: „Woher kommt dieses Geschirr? Habe ich noch nie gesehen.“ Auch erstaunte ihn das kurz gehaltene Tischgebet. „Im engsten Familienkreis beten wir länger“, ergänzte er. Die Anwesenden konnten über seine ehrlichen und undiplomatischen Äußerungen schmunzeln.


Seine Beschäftigungen

In der Apotheke des Kantonsspital St. Gallen war Hannes seit seiner Anstellung im Jahr 1964 für die Aufbewahrung der Medikamente und Infusionslösungen sowie für deren Verteilung auf alle Abteilungen im Spital zuständig. Letztere Arbeit liebte er besonders. Sie gab ihm die Möglichkeit viele Leute zu treffen. Manchmal wurde er sogar zum Kaffee eingeladen, was er sehr schätzte. Die Einarbeitung in diese Aufgaben dauerte bei ihm länger als bei einer nicht behinderten Person. Alle neuen Arbeiten mussten mehrmals geübt werden. Aber einmal angelernt waren alle Abläufe fest in seiner gesunden Hirnhälfte eingeprägt. Seine Vorgesetzten konnten sich voll auf ihn verlassen. Das Bewusstsein, dass sein Vater die Apotheke im Spital während seiner ersten Berufsjahre leitete und ihn jedermann in seiner Arbeitsumgebung kannte und schätzte, gab ihm viel Selbstbewusstsein. Hannes wollte beruflich so weit kommen wie sein Vater, ohne zu realisieren, dass dies von seinen geistigen Fähigkeiten her nicht möglich war. Aufs Essen in der Kantine des Spitals freute er sich jedes Mal, weil er dort Leute außerhalb seines Arbeitsbereichs kennenlernte. Viele dieser Menschen traf Hannes dann auch für einen kurzen Schwatz in der Stadt.

Ab seinem sechzehnten Altersjahr war seine Märklin Modelleisenbahn sein liebstes Hobby. Schritt für Schritt wurde diese Bahn aufgebaut. Sein Bruder Notker unterstützte ihn dabei und in späteren Jahren half auch sein Nachbar Hans Hedinger. Hans, etwas älter als Hannes, half ihm wie Notker bei handwerklichen Aufgaben. Sie alle freuten sich über die Bahn. Hannes war trotz Behinderung seiner rechten Hand fähig, die Wagen und Lokomotiven der Modellbahn selbstständig auf das Geleise zu setzen. Zu jeder Weihnacht wünschte er sich Ergänzungen wie neue Lokomotiven, Wagen, Schienen, Weichen, Signale, und die Anlage vergrößerte sich von Jahr zu Jahr. Hannes spielte fast jeden Tag mit der Bahn. Die Steuerinstrumente konnte er dank der Instruktionen von Notker gut bedienen. Seine Eltern waren froh über dieses Hobby. Hannes beschäftigte sie sonst, wenn er zu Hause war, rund um die Uhr. Er stellte Fragen über alles Mögliche und wälzte seine Probleme mit ihnen. Man musste auch stets ein Auge auf ihn haben, wenn er mit Apparaten in der Küche hantierte, und seine Beschäftigung mit der Modelleisenbahn gab ihnen Luft. Hannes interessierte sich schon früh für alle Medien. So wollte er schon in jungen Jahren als Sprecher zum Radio. Er konnte Nachrichtensprecher täuschend ähnlich nachahmen. So kam es vor, dass mitten am Nachmittag an seinem Wohnort die offiziellen Mittagsnachrichten im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses schallten. Als sein Nachbar Hans Hedinger seine selbst gesprochenen Nachrichten auf Tonband aufnahm und sie über das Radio abspielen ließ, war Hannes’ Glück vollkommen. Er glaubte, der offizielle Nachrichtensprecher des Schweizer Radios zu sein. Hannes schrieb von 1978 an täglich in ein Tagebuch. Dazu benützte er pro Jahr einen Terminkalender mit je einer Seite pro Tag. Alles Erlebte notierte er. So hielt er sich fit im deutschen Sprachgebrauch. Lieblingsthemen waren für ihn das Leben des Papstes und das von einzelnen Bundesräten. Auch die jährlichen St. Galler Ereignisse durften nicht fehlen: Olma (die wichtigste Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung) und Fasnacht sowie die Basler Mustermesse. Auch Familiengeschichten und Informationen über spezielle Wettersituationen lagen ihm am Herzen. Auf dem letzten Blatt eines Monats, das für Notizen vorgesehen war, fasste er die wichtigsten Ereignisse des abgelaufenen Monats zusammen.
Im Herbst 1978 verbrachte Hannes zwei Wochen Ferien auf der Insel Kreta, gemeinsam mit seiner Schwester Beta und zwei Bekannten. In der ersten Woche logierten sie im Hotel Creta Maris. Dies gefiel Hannes. „Ein Traum wie im Bilderbuch, Ferien einmalig, ein Tag schöner als der andere, Sonne, Meer, Strand, gutes Hotel und essen wie die Fürsten“, notierte er in sein Tagebuch. Er lernte bei seinen Strandwanderungen zwei Krankenschwestern in seinem Alter aus Innsbruck kennen. Hannes trank mit ihnen abends einen Kaffee und schwang anschließend mit ihnen manchmal noch das Tanzbein. Er flippte aus, als seine Haut Farbe annahm und rief „braun wie ein Negerlein“. Weniger gefiel ihm die anschließende Rundreise. Die langen Autofahrten und der stetige Hotelwechsel behagten ihm überhaupt nicht. Das tägliche Ein- und Ausräumen der Kleider in den Hotelzimmern war für ihn eine Tortur. Hannes schrieb jeweils in sein Tagebuch: „Abends müde und früh ins Bett, dürftige Unterkunft.“ Infolge des für ihn stressigen Hotelwechsels entging ihm, dass er jeweils in einer komfortablen Herberge übernachtete.

Hannes konnte laut und gut lesen. Dies bewies er in seinem Amt als Lektor ab seinem 20. Altersjahr im Dom von St. Gallen. Den Höhepunkt als Lektor erlebte er 1980 während der Ostertage. Alle St. Galler Domlektoren reisten im Schlafwagen eines Zuges für fünf Tage nach Rom. Das erste Mal in seinem Leben sah Hannes den Papst. Das war für ihn ein großes emotionales Erlebnis. Am Mittwoch, den 16. April, schrieb er in sein Tagebuch: „Früh aufgestanden! Gegen neun Uhr auf dem Petersplatz, langes Warten! Gegen elf Uhr erscheint der Papst auf einem Jeep. Fährt durch die Menschenmenge und grüßt alle! Dann Ansprache des Heiligen Vaters!“ Hannes war glücklich, nicht zuletzt dank der guten Kameradschaft unter den Lektoren. „Alles Freunde“, schrieb er in seinen Tagebuchnotizen. Nach vielen Besichtigungen (Papstaltar, Trevi-Brunnen, Engelburg, Pantheon, Pauluskathedrale, Katakomben usw.) reiste Hannes mit seinen Kollegen im Nachtzug nach St. Gallen zurück. Er notierte in sein Tagebuch: „Das war Rom 1980. Alle glücklich und zufrieden wieder zu Hause.“


Sein Glaube

Seine Eltern prägten seinen Geist. Von ihnen übernahm er auch die Treue zur katholischen Kirche. Für die Familie war es selbstverständlich, dass man am Wochenende den Gottesdienst besuchte. Hannes führte diese Tradition fort, und sie gab ihm großen Halt. Er war streng gläubig und hatte bis zu seinem Lebensende großen Respekt vor geistlichen Würdenträgern. Immer wieder ermunterte er seine Geschwister Beta und Notker, die Gottesdienste zu besuchen. Dazu kam noch, dass der Onkel seiner Mutter, Alois Scheiwiler, von 1930–1938 als Bischof des Bistums St. Gallen wirkte. Auch von seiner Gotte Elisabeth Kessler, Vaters Schwester, wurde er religiös geprägt. Sie unterstützte finanziell kirchliche Hilfsorganisationen und gab lernschwachen Schülern und Schülerinnen gratis Nachhilfeunterricht. Elisabeth war bekannt für ihr soziales Engagement. Sie wohnte als alleinstehende Frau in Wil, arbeitete als Lehrerin öfters in St. Gallen und aß dann an Bethlis gedecktem Tisch. Trotz ihrer Selbstständigkeit war sie keine Feministin. Sie vertrat die Meinung „es braucht Männer in der Gesellschaft, die das Zepter übernehmen“. Deshalb bewunderte sie auch ihren Bruder Johann und behandelte ihn stets bevorzugt. Ich erlebte dies eindrücklich nach dem Kennenlernen von Hannes. Die ganze Familie Kessler besuchte Elisabeth mit zwei Autos. Ich als Fahrer mit Johann und Bethli in meinem neuen VW; Antonella, Beta, Hannes und Notker in einem alten VW Käfer. Als wir uns auf die Rückfahrt vorbereiteten und Johann in den VW Käfer einsteigen wollte, rief Elisabeth: „Johann, du fährst mit Jürg zurück.“ Das neue Auto war für sie sicherer als das alte.

Hannes pflegte regen Kontakt mit seinem etwas älteren Cousin Pater Pascal im Kloster Einsiedeln, ein gut aussehender und sportlicher Mann. Pascal war für Hannes eine wichtige Ansprechperson, vor allem, wenn es ihm nicht gut ging. Pascal besuchte das Gymnasium im Kloster Einsiedeln. Er trat dann in das Kloster ein, studierte dort Theologie und wurde Lehrer. Später absolvierte Pascal noch die Sekundarlehrerausbildung an der Universität in Fribourg. Nach diesem Abschluss kehrte er wieder als Pater in das Kloster Einsiedeln zurück. Bis heute ist Pascal dem Kloster als Lehrer und Seelsorger treu geblieben. Wir schätzten es, ihn in unserem Verwandtenkreis zu haben. Bei der Suche nach einem Geistlichen war er stets für uns da. Er segnete die Ehe von mir und Beta im Kloster Einsiedeln und taufte unsere Tochter Bettina ebenfalls am gleichen Ort. Ein Hobby von Pascal war das Reiten. Das Kloster beherbergt seit Jahren eine in der Schweiz berühmte Pferdezucht. Als in neuzeitlichen Kloster-Werbungen die Pferdehaltung gezeigt wurde, waren Pascals Reitkünste gefragt. Wir freuten uns, Pascal zum Beispiel in der Coop-Zeitung als reitenden Pater zu sehen. Nebst den regelmäßigen Kontakten zu Pascal und Kirchenbesuchen verfolgte Hannes geistliche Sendungen im Fernsehen. Die Osterzeremonie und das weihnachtliche Urbi et Orbi auf dem Petersplatz in Rom waren für ihn Höhepunkte. An Ostern sang er „Christus ist auferstanden, halleluja und freuet euch“. Für reformierte Mitmenschen hatte er eher ein müdes Lächeln übrig. „Das ist einfach nicht das Richtige.“ Reformierte Mitmenschen, mit denen er nicht besonders gut auskam, sprach er als Zwinglianer an und bat sie, ihren Wohnsitz nach Zürich zu verlegen. Nur die Nachbarn Hedinger ließ er diesbezüglich gelten. Iréne und Hans Hedinger unterrichten in der Sonntagsschule. Sein Glaube ließ ihn hoffen, dass er einmal durch ein Wunder wieder normal gehen könnte und sein rechter Arm geheilt würde. Einige Male hatte er die Empfindung, das Wunder beginne. Er fühlte sich körperlich besser als sonst und wurde euphorisch. Wenn er während der Nacht das Gefühl eines angeblichen Mirakels spürte, weckte er seine Eltern. Einmal rüttelte er in dieser Situation auch Beta aus dem Schlaf, als sie bei ihren Eltern übernachtete. Er vertraute dabei seinen Gebeten und seinem Gottvertrauen sowie dem stillen Wirken von Verstorbenen und Priestern, die ihn nach seiner Anschauung unterstützten. Trat dann aber die erhoffte Genesung nicht ein, war er enttäuscht. Doch Hannes verlor lange Zeit nie den Mut und hoffte stets von Neuem auf ein Wunder.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 114
ISBN: 978-3-99048-032-8
Erscheinungsdatum: 30.06.2015
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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