Cover: Gazella – Leidenschaft, die Leiden schafft

Gazella – Leidenschaft, die Leiden schafft
Eine Anleitung gegen Gaslighter, oder solche, die es werden wollen


EUR 18,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 92
ISBN: 978-3-7116-1851-1
Erscheinungsdatum: 26.08.2026
Wenn Liebe die Wirklichkeit verschiebt: Gazella gerät in die subtilen Mechanismen des Gaslighting – und beginnt, sie zu durchschauen. Zwischen Großmutter und Enkelin entsteht ein leiser, bewegender Dialog über Macht, Würde und Vertrauen.
1.5 – Die Zündung


„Omi, was ist denn jetzt? Ich bin so weit. Ich warte doch schon.“ „Ja, ja – die liebe Ungeduld.“ Oma lächelt gütig.

„Püppi, nicht zu schnell. Gut, Püppi. Schritt für Schritt. Was machen wir jetzt?“ „Schnüffeln.“
Püppi schnüffelt und schnauft wie ein Hund. Selbst in den Ecken des Raumes, sogar an Omas Decke. „Omi, die musst du mal waschen. Aber vom Gas rieche ich nichts. Ganz sicher.“
„Gut. Dann zünden wir an. Ich mach das Streichholz, du übernimmst dann.“ „Ja.“

Neugierig beginnt Püppi – die Stirn gerunzelt, die Zunge ein wenig zwischen den Lippen.
Ich lächle, als sie sich vorbeugt, fast so, als wolle sie wirklich helfen. „So, jetzt darf ich – ich helfe dir beim ersten Mal!“, sage ich leise und antworte mir selbst mit einem Nicken. Ich greife nach dem Streichholz. Lang, dünn, altmodisch – wie früher. Die Zeit hat eine andere Konsistenz, wenn man sie allein mit Püppi teilt. „Ganz vorsichtig jetzt“, murmele ich. „Nur ein bisschen drehen, sonst kommt zu viel Gas.“ Das Zischen. Ein kaum hörbares Pffft.

Ich halte die Luft an. Das Streichholz zündet, zitternd, unsicher, als wüsste es selbst nicht, ob es leben will oder verlöschen. Ein Moment Stille.

Dann:

Licht.
Ein Aufglimmen, ein leises Atmen aus Gas.
Die Flamme wächst, nimmt Form an, tastet sich an die Ränder des Zylinders.

„Schau, Püppi“, flüstere ich. „Jetzt brennt er – der Gazlighter.“

Ehrfürchtig sieht Püppi Gazella zu. Mit einem Zischen entflammt das Magnesium, und Püppi übernimmt mit angehaltenem Atem das brennende Holz. Keine Explosion. Glück gehabt. Das Ventil ist geschlossen. Behutsam führt Püppi das brennende Holz an den Glühstrumpf. Dieser entflammt sofort, heftig. Püppi erschrickt. Und ebenso schnell ist der Puff wieder vorbei. Übrig bleibt eine Art Skelett aus Salz.

„Sind das jetzt die Ochsen?“ „Ganz genau. Die Oxide, die bei der Verbrennung übrigbleiben. Gut gemacht.“ „Und jetzt, Omi, wie geht’s weiter?“ „Jetzt darfst du das Ventil öffnen. Schau – ganz, ganz behutsam drehen. Jawohl, hier kommt die Flamme.“ Püppi staunt mit großen Augen. Feuer. Selbstgemacht. „Du solltest nicht zu lange warten, stell die Flamme auf Maximum. Schau – einfach hier drehen. Das ist Regulieren. Sonst geht sie gleich wieder aus.“
Püppi schaut mit offenem Mund zu.

„Wir zählen jetzt langsam bis dreißig. So lange braucht die Flamme, bis sie stabil ist. Sie gewöhnt sich ans Brennen. Verstehst du?“ „Also – los geht’s.“ „Eins, zwei, drei“ … atmen. „Vier, fünf, sechs“ … atmen.

„Omi!“
„Was denn?“
„Wie lange sind dreißig Sekunden?“

„Elf, zwölf, dreizehn – nicht unterbrechen!“ „Siebzehn, achtzehn, neunzehn, zwanzig – du redest zu viel.“ „Achtundzwanzig, neunundzwanzig … dreißig. Jetzt.“

Das Feuer flackert, als hätte es selbst gelauscht. Ein sanftes Knistern, das sich wie Atem anhört. Püppi hält die Hand dicht an die Flamme, fühlt die Wärme auf der Haut. „Lebt das?“, flüstert sie. „Ja“, sagt Oma. „Alles, was brennt, lebt. Aber es will gefüttert werden. Sonst verhungert es.“ Die alte Frau lehnt sich zurück, ihre Augen spiegeln das Licht.

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