Geschichte & Biografie

Frauen klagen an

Britt Brandenburger

Frauen klagen an

Das wütende Virus

Leseprobe:

<strong>Vorwort</strong>

Die in den Jahren 1978/79 gesetzlich vorgeschriebene und durchgeführte Anti-D-Immunprophylaxe mit Hepatitis-C-verseuchtem Serum, bei fast siebentausend Impfungen, fordert ihre Opfer.
Zahlreiche Frauen mit Rhesusfaktor negativ, die nach einer Geburt, einem Schwangerschaftsabbruch oder einer Fehlgeburt zwischen dem 2. August 1978 und dem 14. März 1979 diese Injektion erhielten, wissen womöglich immer noch nicht, dass sie Hepatitis-C-infiziert sind.
Frauen übertrugen das Virus auf bis heute medizinisch noch nicht eindeutig geklärten Wegen auf eine immer noch unbekannte Zahl an „Kontaktpersonen“, die folglich mittelbar geschädigt wurden.

Dieser Impfskandal, deren Folgen nicht einschätzbar sind, wird heruntergespielt, verharmlost, vertuscht. Hintergründe stehen unter der Rubrik:

GEHEIME VERSCHLUSSSACHE

Ein Buch im stillen Angedenken an die verstorbenen Frauen, Kinder und Kontaktpersonen.

Hintergründe als Nachlass für die Menschheit.

Aufklärung für Betroffene, die mit der Krankheit HCV leben.


Wie muss Gisela in den letzten Monaten ihres jungen Lebens gelitten haben. Starb sie doch mit gerade dreiundzwanzig Jahren an den Folgen einer Hepatitis-C-Erkrankung, mit deren Erregern sie sich nach der Geburt ihres Babys im Jahr 1978 infiziert hatte.
„Straftat“ schießt es mir durch den Kopf, es war eine Straftat.
Aus geheimen Unterlagen des Bundesarchivs, die mir anonym zugeschickt wurden, filtere ich ihre Todesbestätigung heraus.
Ich starre den Text an, lese ihr Geburtsdatum und erkenne, Gisela wäre heute genauso alt wie ich. Mich schaudert es. Eine Kältewelle durchfährt meinen Körper.
Meine Hände zittern, und das Blatt Papier zittert mit.
„So sieht eine Todesbekanntgabe aus“, denke ich. „Es könnte genauso gut mein Name auf diesem Blatt stehen, wenn ich bedenke, dass auch ich im Jahr 1978 ein Kind bekam und mit Hepatitis-C-Viren aus einer Ampulle der gleichen Charge infiziert worden bin.“ Lange schweige ich das Papier an. Vor mir liegt ein Schicksal, endgültig beendet. Buchstaben, Abkürzungen und Zahlen bestätigen es.
„Warum musste diese junge Mutter sterben?“ Ich schüttle unentwegt den Kopf und ziehe Parallelen. Uns verbindet nicht nur das gemeinsame Geburtsjahr sowie das unserer Kinder im Herbst 1978, uns verbindet auch die gemeinsame Infizierung aus einer Charge mit der Nummer 100678.
„Warum kommt diese Todesbekanntgabe von Gisela in meine Hände? Was soll ich damit? Wer will, dass ich sie lese?
Sonderbar. Mir nützt dieser Schein nichts. Ich kannte sie nicht einmal“, denke ich. Eine Weile sitze ich auf meinem Drehstuhl und bewege ihn von links nach rechts, von rechts nach links. Ich lege das Schriftstück beiseite, ziehe meine Beine an und lasse mich einige Runden im Kreis drehen. Gegenstände um mich herum ziehen schnell vorüber. Schwankend halte ich mich an meinem Schreibtisch fest. Hastig überfliegen meine Augen die Unordnung, dann fährt mein Blick wieder über die Bescheinigung und bleibt auf ihr hängen.
„Wenn Gisela mit dreiundzwanzig Jahren tatsächlich eines natürlichen Todes gestorben ist, dann wäre wohl vermutlich ein Gutachten aus der Gerichtsmedizin nicht notwendig gewesen.“
In einem vorliegenden Schriftstück vom 07. Juli 1980 lese ich:
(Quellenangabe: Bundesarchiv Bestandssignatur DQ 1, Aktenband 11705)

Zitat:
„sofortmeldung gem. 1.2.(4.)
betreff: todesfall mit zweifelhaftem bzw. schwer feststellbarem sachverhalt.
wann: todeseintritt 02.06.80
vp bekannt: 03.07.80
wer: unbekannt
wo: … goerlitz, entbindungsklinik im bezirkskrankenhaus
was: verdacht fahrlaessiger toetung gem. § 114 abs. 1 strafgesetzbuch
wie/womit: betroffene entband am 11.10.1978, wurde am 12.10.1978 wegen rh-negativ, blutfaktor mit 5 ml anti-d-serum immunisiert. verwendete ampulle aus charge-nr. 100678 fiel am 12.01.1979 unter sperrung, da bei anderen frauen komplikationen bekannt wurden. immunisierte frauen waren zu aerztlicher ueberwachung zu melden. meldung der betroffenen unterblieb aus bisher nicht geklaerten gruenden. sie erkrankte dezember 1979 an hepatitis. kausalzusammenhang zwischen immunisierung, erkrankung und todesfolge (leberkoma) ist zu pruefen.
wen: s. gisela, geb. … 1957 in …, ledig, …
warum: verdacht fahrlaessig versaeumter meldepflicht.
was veranlasst: anzeige gefertigt, erforderliche gutachten bei gerichtsmedizin beantragt, beweismittelsicherung, notwendige zv erfolgen, interessierte dienststellen verstaendigt …“ Zitatende

Noch einmal lese ich den Text sehr genau. „Zweifelhafter Sachverhalt, Meldepflicht, fahrlässige Tötung. Es kann kein natürlicher Tod gewesen sein.“
Still sitze ich in meinem Zimmer. Erinnerungen flammen auf. „Aha, meine Einweisung in ein Krankenhaus nach der Geburt meiner Tochter geschah auf Anweisung. Es bestand damals eine Meldepflicht. Und Gisela? Erst gestorben und dann gemeldet?“ Mir ist, als säße ich auf glühenden Kohlen.
Angespannt und wissbegierig überfliege ich weitere Kopien aus dem Bundesarchiv. Alle stehen in Verbindung mit der zwischen dem 2. August 1978 bis zum 14. März 1979 in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik stattgefundenen Massenverseuchung mit dem Hepatitis-C-Virus und G-Virus.
Bei Müttern mit negativem Rhesusfaktor soll mit einer Schutzimpfung vorsorglich der Rhesusfaktorunverträglichkeit zwischen ihr und einem weiteren Kind vorgebeugt werden.
Im Falle einer neuen Schwangerschaft kann so ein möglicher Schaden vom Kind abgewendet werden. Für diese Fälle war seit dem 17.12.1970 die Gabe der Anti-D-Immunprophylaxe gesetzlich vorgeschrieben.
Die Massenverseuchungen wurden durch Pflichtimpfungen ausgelöst, durch eine mit Viren kontaminierte Anti-D-Immunprophylaxe bei fast siebentausend Frauen. Geimpft wurden die Frauen nach einer Geburt, Schwangerschaftsunterbrechung oder Fehlgeburt in Krankenhäusern oder gynäkologischen Einrichtungen.

Damals schrieben drei Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit Folgendes:
(Quellenangabe: Blatt 84 in der geheimen Verschlusssache GVS JHS 001 – Nr. 32/81)

Zitat:
„… Es erkrankten nach der HIG ‚Anti D‘-Immunisierung …

2.636 Frauen, davon
665 ikterisch (gelb gefärbt) und
1.971 anikterisch sowie
133 Säuglinge und sonstige Kontaktpersonen,
davon
4 ikterisch und
129 anikterisch,
an einer Hepatitis infectiosa.“

„… Folgen bestanden in der gesundheitlichen Schädigung von 2.636 Frauen und 133 Säuglingen durch die iatrogen ausgelöste Hepatitiserkrankung. Dadurch wurde das sozialistische Gesundheitswesen in seiner Zuverlässigkeit erschüttert … Der gesellschaftspolitische Schaden muss hoch eingeschätzt werden … Die folgerichtige Anerkennung der Hepatitiserkrankungen als Impfschaden in Verbindung mit der staatlichen Haftung machte hohe finanzielle Aufwendungen für die Geschädigten erforderlich … Die erforderliche stationäre Behandlung der Erkrankten machte zusätzliche Leistungen im staatlichen Gesundheitswesen notwendig.“ Zitatende

So kann ich es also auf den Punkt bringen, „unser sozialistisches Gesundheitswesen unzuverlässig und in seiner Glaubwürdigkeit erschüttert, hoher gesellschaftspolitischer Schaden und hohe finanzielle Aufwendungen für die Geschädigten.“ Jetzt wird mir klar, „wir haben den DDR-Staat viel Geld gekostet. Schon im Jahre 1979 wurden wir ein materielles, unüberschaubares Übel.
Was war mit den Jahren nach 1980? Hatten wir da ebenso hohe finanzielle Aufwendungen verursacht? Wurden viele infizierte Frauen aus diesem Grund vergessen?“
Aus den vorliegenden Unterlagen geht hervor, dass letztlich 6.773 Frauen diese gesetzlich vorgeschriebene Anti-D-Immunprophylaxe erhalten hatten.
Was ich daraufhin noch erfahren muss, ist unfassbar. Mir stockt der Atem. Laut der vorliegenden Unterlagen wussten die Verantwortlichen damals, also bereits schon vor der Verabreichung, dass diese Mittel mit Hepatitis-Viren verseucht waren. Als ich das lese, wird mir schlecht. Ich renne ins Bad, muss mich übergeben.

Stunden vergehen, bis ich weiterlesen kann. Anklageschrift, nicht öffentliche Hauptverhandlung, alle anwesenden Personen werden verpflichtet, über diese Problematik nicht zu sprechen. Stasi-Mitarbeiter sitzen im Saal, 5 Sitzungstage, Urteil. Es gab einen Geheimprozess im Bezirksgericht Halle, 4. Strafsenat, Aktenzeichen 4 BS 13/79, der über die Anklageschrift vom 30.10.1979 und über das seit dem 15.02.1980 rechtskräftige Urteil, die Vorkenntnis über die Hepatitis-Viren-infizierten Anti-D-Chargen beurkundet.
Erst nach dreißig Jahren werde ich endlich aufgeklärt, weil mir zusammengestellte Dokumente anonym übersendet wurden.
Ich denke an die lustigen Filme über die ehemalige DDR, die seit einiger Zeit in Mode gekommen sind. Mit heiteren Kinder-Kaufmannsladen-Mentalitäten wird ein naives, unbeschwertes Leben vorgeführt, auf dem großen Spielplatz DDR. Hiervon kann bei unserem Geschehen, mit den lebenslangen Folgen für unschuldige Mütter und Kinder, nun wirklich keine Rede sein.
Bei dreißig Jahren Filmstoff bräuchte es Unmengen an Taschentüchern. Aber dazu wird es nicht kommen, wir sind nicht populär. Wir waren und sind in gewisser Weise zum Teil noch heute „geheime Verschlusssache“. Über den Zusammenbruch des politischen Systems hinaus blieben die wahren Hintergründe der Masseninfektionen und das wahre Ausmaß ihrer Folgen eine Geheimsache. Spätere Handlanger ebenso.
1978/79: Einer der größten Arzneimittelskandale in der Geschichte der Menschheit nahm und nimmt noch heute so seinen Lauf.
Aber wer weiß über all das schon Bescheid? Wer weiß Bescheid über dieses Vergehen?
So hatte es sich z.B. erst vor Kurzem in meinem Beisein zugetragen, dass eine mir unbekannte wohlbeleibte Dame, die beim Einkauf in einer Bäckerei von den geschädigten Frauen hörte, sich in das Gespräch zwischen der Verkäuferin und meiner Bekannten einmischte. Die fremde Dame erklärte kurzerhand: „Diese Frauen sind doch alle schon tot …“
Meine Bekannte drehte sich um und sagte „Da irren Sie.“
Ich starre wie hypnotisiert die Backware an und schweige. Da kann man wieder einmal sehen. Die Unwissenheit ist groß.
Zu Zeiten des DDR-Unrechtsregimes wurden nur Auserwählte über die Hepatitis-Viren-Infizierungen informiert. Nicht einmal die betroffenen Frauen selbst wussten und wissen über die Hintergründe genau Bescheid, geschweige denn von dem geheimen Prozess und Urteil. Sie haben über all die Jahre hinweg nur das erfahren, was sie laut den Anweisungen der Behörden der DDR erfahren sollten. Auf der einen Seite stand das undurchsichtige Unrechtsregime mit seinen treuen Handlangern. Auf der anderen Seite gibt es Tausende unschuldig infizierte Frauen und Kinder mit nur einem Leben, die an den Folgen leiden.
Aber auch über die Wendezeit hinaus scheint das Thema „krank gespritzte Mütter – lebenslange Folgeschäden“ in der Öffentlichkeit nicht besonders beliebt zu sein. Ganz besonders nicht nach einer virusreduzierenden Therapie ab dem Zeitpunkt, wo sich zwar die Hepatitis-C-Virenlast unterhalb des messbaren Bereichs befindet, die Frauen aber trotzdem weiterhin chronisch krank sind. Was für eine Welt …

Tatsächlich leben noch Geschädigte, aber eben nicht alle. Mit meinen Bemühungen und mit dieser Schrift möchte ich die Frauen ehren, die bereits an den Folgen der Hepatitis-C-Virus-Infektion verstorben sind. Ich möchte ihnen ein würdiges Denkmal setzen. Unseren noch lebenden kranken Frauen, die neben ihren Infektions-Folgekrankheiten durch das Geschehene oftmals zusätzlich schwer traumatisiert sind, möchte ich Mut spenden. „Traut euch zu sagen, was hier zu sagen ist. Deckt auf, was die Handlanger des DDR-Regimes vertuschten und was noch immer verschwiegen wird.“
„Wissen denn überhaupt alle Rhesusfaktor-negativen Frauen, dass sie damals, in der Zeit von August 1978 bis März 1979, nach einer Schwangerschaftsunterbrechung, Geburt oder Fehlgeburt eine gesetzlich vorgeschriebene Anti-D-Schutzimpfung erhalten haben? Noch dazu eine, die mit Hepatitis-C-Viren kontaminiert war? Wissen das alle Frauen?“ Wieder pendle ich mit meinem Drehstuhl von der einen Seite zur anderen und folge meinen Gedanken.
Immerhin erfuhr ich im Jahr 1978 von der gesetzlich vorgeschriebenen Anti-D-Immunprophylaxe gar nichts. Sollte ich die Einzige gewesen sein? Die Notwendigkeit einer Aufklärung war hier anscheinend fehl am Platz. Erst 17 Jahre später erfahre ich durch einen schlichten Zufall von meiner Infektion. Ich erfahre, dass der Inhalt der Ampulle schließlich mit Hepatitis-Viren belastet war. Siebzehn Jahre später! Unvorstellbar.
In der damaligen Deutschen Demokratischen Republik gab es bereits für Kinder schon jede Menge Pflichtimpfungen.
Keuchhusten, Windpocken, Masern, Kinderlähmung … weiß der Kuckuck, wogegen noch alles. Es wurde geimpft und geimpft, kaum ein Mensch erkundigte sich nach den Nebenwirkungen. Impfungen zogen sich durch unser Leben, waren keine außergewöhnliche Sache im sozialistischen System. Widerstand zwecklos. So auch im Jahr 1978. Durch die Geburt meiner Tochter entkräftet, legte ich also meinen Arm ohne Protest zur Infizierung bereit. Keine Aufklärung, keine Unterschrift. Pflichtimpfung eben!
Und weil es so war, wie es war, ist es durchaus vorstellbar, dass viele andere Rhesusfaktor-negative Frauen, die im damalig angegebenen Zeitrahmen in der DDR ein Baby auf die Welt brachten, eine Unterbrechung vornehmen ließen oder eine Fehlgeburt erlitten haben, auch bis heute noch nicht wissen, dass sie möglicherweise mit Hepatitis-C-Viren infiziert worden sind. Eine Information über die Verseuchung von offizieller Stelle wurde, wie ich jetzt erst weiß, nicht nur in meinem Fall unterlassen. Warum wohl? Waren wir zu viele Opfer? War die Anzahl der erfassten Frauen ausreichend für die staatlich angeordnete Beforschung? Hätten alle erfasste Infizierte zu viel gekostet? War letztlich eine Geldfrage der Grund dafür, dass nur ein Bruchteil der Infizierten benachrichtigt wurde?
„Gesetzlich vorgeschriebene Schutzimpfung!“, schreie ich laut. Durch diese Pflichtimpfung wurden Tausende Frauen in einer Zeitspanne von acht Monaten verseucht. Tausende Unschuldige in acht Monaten, dies nur aufzuschreiben … ist für mich kaum zu ertragen.
Die Massenproduktion von Impfstoffen hatte in der DDR zu funktionieren. Sie durfte unter keinen Umständen unterbrochen werden. So lautete eine Anweisung. Der sozialistische Staat wollte ohne jegliche Unterbrechung seine Bürgerinnen und Bürger immer mit Impfstoffen versorgen können.
Und wenn nach den gesetzlichen Regelungen geimpft werden sollte, dann wurde geimpft. Getreue Bürgerinnen und Bürger leisten keinen Widerstand. Sie sind gut erzogen.
„Es ist nicht zu fassen!“, schreie ich noch lauter, während ich mich noch einige Male mit meinem Stuhl kreisend bewege. Aus meiner Empörung wird Wut. „Acht lange Monate wurden Frauen und auch Kinder mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert. Fast ein Dreivierteljahr lang! Mir unbegreiflich, aber trotzdem wahr. Wer weiß denn schon hiervon?“
Mein Interesse, so viel wie möglich über die Hintergründe dieses Skandals zu erfahren, ist groß. Welche Umstände führten dazu? Wer war daran beteiligt? Wie konnte eine derart breitflächige Infizierung über einen so langen Zeitraum stattfinden?
Was haben die ausgewählten Ärzte später bei den registrierten Frauen an diagnostischen Daten erhoben, zwischen den Jahren 1978/79 und dem Zusammenbruch des politischen Systems am 3. Oktober 1990?
Gab es hierzu Anweisungen von den DDR-Behörden? Existierten bis zum Anfang der 90er-Jahre überhaupt sinnvolle Behandlungsmöglichkeiten für die Hepatitis-C-Virusinfektion und die Folgekrankheit „chronische Hepatitis C“?
Was geschah mit den gesammelten ärztlichen Forschungsdaten nach der Wende? Was geschah mit den Patientendaten, die der Ärzteberatungskommission zugeleitet wurden? Befinden sich unsere persönlichen Daten immer noch bei den ausgewählten DDR-Ärzten?
Was werde ich herausbekommen?

Meine Nachforschungen nach der 1978 und 1979 ausgelösten Viren-Verseuchung sind enorm aufwendig und langwierig. Das ganze schmutzige Geschehen wurde vorsorglich weit unter den Teppich gekehrt. Nach über dreißig Jahren hat sich inzwischen der Schmutz zu einer Betonplatte verfestigt. Geduldig werde ich Stück für Stück aus dem Beton herausbrechen.

In meinem ersten Buch „Die Frau(en) und das Virus“ beschreibe ich nicht nur meine eigene Betroffenheit und Situation. Hierin berichte ich auch von der Übertragung des Hepatitis-C-Virus auf meine zweitgeborene Tochter, und zwar im Jahr 1980.
Nur durch Eigeninitiative finde ich siebzehn Jahre später he­raus, dass auch meine Tochter Hepatitis-C-Virus-positiv ist.
Erst jetzt, nach über dreißig Jahren, begreife ich, warum mir behandelnde Internisten und Gynäkologen im Jahr 1979 zu einer Schwangerschaftsunterbrechung geraten hatten.
Eine Begründung für den Rat zum Abbruch hatte ich damals nicht erhalten.

Mit einer Hausmitteilung vom 18.1.1979, von HA III/D/3/Dr. Di/Sie an M1 wird mitgeteilt:
(Quellenangabe: Bundesarchiv, Bestandssignatur DQ 1, Aktenband 11705)

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 350
ISBN: 978-3-99003-282-4
Erscheinungsdatum: 26.04.2011
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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