Frauen, die das Schicksal Europas bestimmten
1100 bis 1800
EUR 26,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 230
ISBN: 978-3-7116-1795-8
Erscheinungsdatum: 22.06.2026
Frauen prägten Europas Geschichte entscheidend – von mittelalterlichen Machtkämpfen über Religionskriege bis zur Aufklärung. Dieses Buch zeigt, wie Herrscherinnen und Denkerinnen Nationen formten und den Weg zu den modernen Frauenrechten ebneten.
Einleitung
Zum Schicksal Europas gehören die großen kriegerischen Konflikte wie der Hundertjährige Krieg Frankreichs gegen England, aus dem die souveräne französische Nation entstand, und der ewige Kampf zwischen Frankreich und Habsburg um die Vorherrschaft in Europa. Es gehören die berühmten Entdeckungsreisen dazu, die den Grundstein für einen weltweiten Seehandel legten. Auch die Kirchenspaltung ist Teil der Geschichte Europas, wie auch der Vorrang der katholischen Kirche in Spanien, ihre Dominanz in Frankreich und im Gegensatz dazu die dauerhafte Etablierung Englands als protestantische Macht im Norden Europas. Die Bedeutung Russlands als eine in alle Richtungen nach territorialem Besitz strebende Nation wirkt bis heute nach. Auch die Ausbildung der Frauenrechte im 18. Jahrhundert als Teil der Menschenrechte und der Demokratisierung ist eine bis heute aktive Bewegung. Alle diese elementaren Entwicklungen wurden maßgeblich durch Frauen bestimmt.
Eleonore von Aquitanien ließ sich vom französischen König scheiden und heiratete den englischen König, der dadurch in Frankreich einen größeren Landbesitz als der französische König selbst kontrollierte. Damit schuf sie die Voraussetzungen für einen lange schwelenden Konflikt, der über Generationen fortbestand und schließlich in den Hundertjährigen Krieg mündete.
In der späten Phase dieses Konflikts trat Jeanne d’Arc auf, die in einer Epoche lebte, in der mystische Religiosität mit nationalem Empfinden verschmolzen. Die spätmittelalterliche Mystik, geprägt von direkter Gotteserfahrung und visionären Offenbarungen, fand in der Jungfrau von Orléans ihre politische Repräsentantin. Sie griff in den Hundertjährigen Krieg zu einer Zeit ein, als Frankreich militärisch und moralisch am Boden lag. Ihr militärischer Erfolg trug maßgeblich zur französischen Identitätsbildung und letztendlich zum Sieg Frankreichs über England bei. Es entstand die souveräne Nation Frankreich.
Während Frankreich sich seiner nationalen Identität bewusst wurde, schufen Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón das vereinte Spanien. Isabellas Entscheidung, Christoph Kolumbus die legendäre Westfahrt von 1492 zu ermöglichen, ließ den Welthandel entstehen, aber auch die Kolonisierung – mit all ihren verheerenden Begleiterscheinungen wie dem transatlantischen Sklavenhandel. Durch die Eroberung von Granada beendete Isabella die Zeit der Mauren auf der iberischen Halbinsel, und durch die Vertreibung der Juden sowie die Aktivierung der Inquisition verschaffte sie dem Katholizismus eine absolute Position, prägend auch für kommende Generationen. Unterstützt vom Papst, der sie auszeichnete, wurde Spanien zur führenden katholischen Macht in Europa – mit Auswirkungen bis in die Zeit der Reformation und der Kirchenspaltung, die schließlich in den Dreißigjährigen Krieg mündete.
Kaum war der Hundertjährige Krieg beendet, da entwickelte sich im Zentrum Europas ein verhängnisvoller Konflikt zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich, der zu zahllosen Kriegen und diplomatischen Verwicklungen führte. Die Heirat von Maria von Burgund mit Maximilian I. von Habsburg verhinderte die Übernahme des reichen Burgunds durch Frankreich und legte den Grundstein sowohl für die habsburgische Vorherrschaft in Europa als auch für den tiefen Konflikt zwischen Frankreich und dem Haus Habsburg. Der Interessenkonflikt um Burgund bildete den Ausgangspunkt für die großen Kriege zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich: die Italienischen Kriege im 16., die Kriege Ludwigs XIV. im 17., den Spanischen Erbfolgekrieg im frühen und den Österreichischen Erbfolgekrieg in der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Diese machtpolitischen Auseinandersetzungen wurden durch die konfessionelle Spaltung Europas weiter verschärft. Nachdem der Papst und Kaiser Karl V. Luthers Bemühungen um eine Reformation der Kirche abgelehnt hatten, kam es zu dem Bruch und zu tiefen Verwerfungen zwischen den Anhängern der zwei Glaubensrichtungen in zahlreichen Ländern Europas. In Frankreich geriet Katharina von Medici als faktische Herrscherin während der Hugenottenkriege in die Schwierigkeit, zwischen den verfeindeten Konfessionen navigieren zu müssen. Katharinas entscheidender, aber verhängnisvoller Beitrag zur Bartholomäusnacht markiert den Wendepunkt ihrer Regentschaft: Die systematische Ermordung Tausender Hugenotten in Paris und anderen französischen Städten radikalisierte die konfessionellen Gegensätze.
Elisabeth I. von England dagegen, Tochter Heinrichs VIII. und Anna Boleyns, konnte den von ihrem Vater eher zufällig und reaktiv begründeten anglikanischen Protestantismus festigen und setzte damit die protestantische Glaubensrichtung im Norden Europas durch. Elisabeths kluger Mittelweg zwischen Katholizismus und radikalem Protestantismus schuf ein neues Modell religiöser Toleranz aus Staatsräson. Darüber hinaus schuf Elisabeth I. wichtige infrastrukturelle und wirtschaftliche Voraussetzungen für die spätere Industrielle Revolution: Förderung des Seehandels und der Marine, wirtschaftliche, religiöse und politische Stabilität, Schutz früher Industrien wie der englischen Wollverarbeitung und nicht zuletzt die koloniale Expansion als Grundlage für das spätere Empire.
Das 18. Jahrhundert brachte mit der Aufklärung eine neue geistige Strömung hervor, die Vernunft und rationale Staatsführung in den Mittelpunkt rückte. Katharina die Große war die bedeutendste Repräsentantin dieser Epoche aufgeklärter Herrschaft. Sie korrespondierte mit Voltaire und Diderot, studierte die Werke Montesquieus und versuchte umsichtig, aufklärerische Prinzipien in die Staatspraxis umzusetzen. Ihre Regierung stand für den Versuch, absolute Herrschaft durch rationale Prinzipien zu legitimieren und zu modernisieren. Gleichzeitig erweiterte Russland unter ihrer Führung systematisch die territorialen Grenzen des Reichs: nach Süden durch Kriege gegen das Osmanische Reich, nach Westen durch die Teilungen Polens.
Maria Theresia regierte in derselben Epoche des Übergangs vom barocken Absolutismus zu einer Regierungsform im Jahrhundert der Aufklärung. Anders als Katharina von Russland blieb sie jedoch eine Getriebene des europäischen Mächtespiels. Sie war die erste weibliche Herrscherin der Habsburger Monarchie und gefordert, ihre Legitimität gegen mächtige europäische Rivalen zu behaupten und gleichzeitig ein heterogenes Vielvölkerreich zu modernisieren. Doch konnte sie weder den Aufstieg Preußens zur europäischen Großmacht unter Friedrich dem Großen verhindern noch den damit verbundenen Verlust Schlesiens rückgängig machen. Auch den strukturellen Niedergang des Heiligen Römischen Reiches vermochte sie nicht aufzuhalten – das Reich wurde zunehmend zu einer politischen Fiktion, bevor Napoleon es 1806 formal auflöste.
In früheren Jahrhunderten und gewiss im Mittelalter war die Rolle der Frau noch unendlich viel stärker von ständischer Ordnung und kirchlichem Weltbild geprägt. Rechtlich standen Frauen zunächst unter der Vormundschaft ihres Vaters und nach der Heirat unter der ihres Ehemanns. Nur im Hochadel kam es in seltenen Fällen zu einer Ausnahme von dieser Regel, sodass sich bedeutende Frauenpersönlichkeiten entwickeln konnten. Dies zumal dann, wenn sie in geistiger Unabhängigkeit erzogen und ausgebildet wurden, machtbewusst waren und große territoriale Erbschaften machten. Aber auch diese Herrscherinnen waren nicht gegen Vorurteil und Vorverurteilung gefeit.
Als im Jahrhundert der Aufklärung die Menschenrechte formuliert wurden, war es nur folgerichtig, auch die Rechte der Frauen zumindest einzufordern. Olympe de Gouges und Mary Wollstonecraft sind die beiden bedeutenden Repräsentantinnen dieser damaligen Bewegung, die bis in unsere Zeit um die Gleichstellung der Frauen kämpft.
Eleonore von Aquitanien (1124–1204)
Prägung und Eheschließung
Aquitanien wurde schon von Caesar als eines der drei Teile Galliens beschrieben, es war dessen bedeutendstes und stolzestes Herzogtum, im Südwesten des Landes gelegen. Eleonores Vorfahren waren Grafen von Poitou, die immer größere Landesteile übernahmen, den Herzogtitel beanspruchten und schließlich mit der Übernahme der Gascogne Herrscher über ganz Aquitanien wurden. Die Unabhängigkeit der Herzöge und das Empfinden dynastischer Würde forderten gedankliche Freiheit und erlaubten andererseits die Ablehnung von gesellschaftlichen Zwängen und Vorgaben der Etikette. Diese Unabhängigkeit beanspruchte Eleonores Großvater in besonderer Weise, denn er nutzte seine Begabung, um zu einem europaweit bekannten Troubadour-Versdichter zu werden. Von nördlicheren Gegenden wurden der französische Süden und die dort lebenden Menschen allgemein abschätzig als von „einem temperamentvollen, emotionalen und vergnügungssüchtigen Naturell“ angesehen (Turner).
Eleonore wurde im Jahr 1124 geboren. Bereits als Heranwachsende war sie elegant, schön, stolz, willensstark, unbeugsam und wurde zu dem ausgeprägten Freiheitsbedürfnis und Machtbewusstsein erzogen, das in ihrer Familie vorgelebt wurde. Ihr Vater starb, als sie dreizehn Jahre alt wurde. Eleonore war jetzt Herzogin von Aquitanien und wegen ihrer territorialen Mitgift die natürliche Braut des Kronprinzen Ludwig von Frankreich, Sohn Ludwigs VI. Die Heirat erfolgte im Juli desselben Jahres. Kaum einen Monat nach ihrer Hochzeit starb der König. Sein bereits im Jahr 1131 gekrönter Sohn, Ludwig VII., trat im Alter von fünfzehn Jahren die Nachfolge an; die dreizehn Jahre alte Eleonore wurde Königin von Frankreich. So war Aquitanien nun Teil des Frankenreichs, würde es aber nur bleiben, wenn aus der Ehe ein männlicher Nachfolger geboren würde.
Ludwig VII. war Thronfolger erst geworden, als sein älterer Bruder nach einem Jagdunfall verstorben war. Er war nicht darauf vorbereitet, als König zu regieren, sondern als Schüler der Domschule Notre-Dame identifizierte er sich zutiefst mit der christlichen Lehre, besonders mit der von ihr geforderten Enthaltsamkeit. Auch nach seiner Krönung setzte er die religiöse Ausbildung fort, die sein Denken und Auftreten so tiefgreifend prägte, dass man in ihm einen Mönch hätte vermuten können. Gott würde ihn führen, so seine Überzeugung, und als König würde er Gottes Willen befolgen, geleitet von christlichen Grundsätzen. Diese Enge der gelebten Religiosität am französischen Hof vertrug sich schlecht mit der nur der Form genügenden Frömmigkeit, in der Eleonore aufgewachsen war. Die Gebote der Kirche standen der Freizügigkeit und dem vergnüglichen Leben am Hofe der Herzöge von Aquitanien nicht im Wege. In Paris galt all dies als Sünde, unvereinbar mit der christlichen Lehre. Während das kulturelle Leben am herzoglichen Hof in Aquitanien von Künstlern, Musikern, Komödianten bestimmt war, prägten in Paris Persönlichkeiten aus dem klösterlichen Umfeld die Grundstimmung am Hofe, allen voran Abt Suger von Saint-Denis, der schon unter Ludwig VI. sehr einflussreich war und nun bei dessen Sohn mit Rat und Tat die Fäden zog – ein geborener Rivale Eleonores, wenn es um den Einfluss auf Ludwig ging.
Doch schon wenige Jahre nach Eleonores Ankunft in Paris nahm sich Abt Suger mehr und mehr zurück, wohl aus der Erkenntnis, dass er gegen Eleonores Einfluss nicht würde bestehen können. Der König und die Königin waren jung, und so war es der Verlust an mäßigendem Einfluss durch den bedachten und erfahrenen Berater, der aus dem scheinbaren Sieg über den Rivalen eine Schwächung werden ließ. Pacault schreibt, dass die zahlreichen Fehler des Königspaares darauf zurückzuführen seien, dass der König: „mit ungeordnetem Feuereifer den Versuch machte, fast überall zu gleicher Zeit und mit allen Mitteln, Gewalt nicht meidend, tätig zu werden.“ Ludwig und Eleonore verstrickten sich in zahlreiche Konflikte, die auch wiederholt die Kirche einbezogen und sogar den Papst gegen sie aufbrachte. Es passte in die Zeit, dass Ludwig seine eigenen Verfehlungen als besonders bedrückend empfand und nach Wegen suchte, vor Gott Vergebung für seine Sünden zu finden. Es passte auch in die Zeit, dass Eleonores Auftreten, ihr Bestehen auf eigener Meinung, ihr Einfluss auf den König Vorurteile hervorriefen und in den adligen Kreisen auf Ablehnung stießen.
Gescheiterter Kreuzzug, gescheiterte Ehe
Acht Jahre nach der Eheschließung von Ludwig VII. und Eleonore erreichte Europa eine besorgniserregende Nachricht: Die Grafschaft Edessa, eine der christlichen Gründungen im Heiligen Land nach dem Ersten Kreuzzug, war zu Weihnachten 1144 von den Truppen des türkischen Herrschers Zengi erobert worden. Zengi – so die Befürchtung – würde das ehrgeizige Ziel verfolgen, ganz Syrien unter seine Kontrolle zu bringen, was eine ernste Bedrohung für die übrigen Kreuzfahrerstaaten bis hin zum Königreich Jerusalem darstellte. Für Ludwig VII., der bereits eine Bußpilgerfahrt nach Jerusalem geplant hatte, bot sich nun die Gelegenheit, durch einen großen Kreuzzug die von der Kirche versprochene Vergebung seiner Sünden zu erlangen. Entscheidende Unterstützung fand er bei Bernhard von Clairvaux, dem einflussreichen Zisterzienserabt, der mit mitreißender Rhetorik vehement für die Sicherung Jerusalems und der Kreuzfahrerfürstentümer eintrat.
Die offizielle Initiative ging jedoch von Papst Eugen III. aus, der im Dezember 1145 einen Kreuzzugsaufruf erließ, der die Rückeroberung Edessas forderte. Der Papst propagierte den Heiligen Krieg als gottgewolltes Instrument zur Sündenvergebung. Die mittelalterliche Furcht vor Höllenstrafe und Jüngstem Gericht, verstärkt durch die Predigten der Kirche, ließ Könige, Adlige und einfaches Volk dem päpstlichen Aufruf mit großer Begeisterung folgen. „Die Straße nach Jerusalem wurde zur Straße in den Himmel. In seinem Aufruf zum Kreuzzug hatte der Papst versprochen, dass denjenigen, die das Kreuz auf sich nehmen, alle Sünden vergeben würden. Während des Kreuzzugs entwickelte sich dann die Vorstellung, dass sich alle, die im Kampf fielen, der Erlösung sicher sein könnten. Der Zug nach Osten war eine lange Reise im diesseitigen Leben, aber auch ein Weg, um im nächsten Leben ins Paradies zu gelangen.“ (Frankopan)
Dem französischen Königspaar schlossen sich weitere Herrscher an: der deutsch-römische König Konrad III., der nach einer persönlichen Begegnung mit Bernhard von Clairvaux für den Kreuzzug gewonnen worden war, sowie Roger II., König von Sizilien. Der byzantinische Kaiser Manuel I. Komnenos bot den Kreuzfahrern Unterstützung, sicheres Geleit und Versorgung ihrer Heere an.
Im Sommer 1147 brachen die verschiedenen Kontingente des Kreuzfahrerheeres auf und erreichten im Oktober Konstantinopel. Eleonore genoss die Wochen in dieser für Schönheit, Kultur und Reichtum berühmten Stadt weitaus mehr als ihr Gemahl. Besonders erfreulich für die Königin war die Begegnung mit Kaiserin Irene, der deutschen Bertha von Sulzbach, die nach ihrer Konversion zum orthodoxen Glauben diesen Namen angenommen hatte. Was Eleonore an die Raffinesse ihres heimischen Hofes erinnerte, empfand Ludwig als verweichlicht – die Zeremonien und Extravaganzen des byzantinischen Hofes stießen ihn ab.
Kurz nach der Abreise aus Konstantinopel erreichte die Franzosen eine erschreckende Nachricht: Konrads Heer war auf kleinasiatischem Boden von türkischen Reitertruppen überfallen und vernichtend geschlagen worden. Ludwig ließ sich jedoch nicht beirren, ignorierte alle Warnungen und befahl trotz der offensichtlichen Gefahren den Weitermarsch der vereinten französisch-deutschen Truppen über den Landweg. Konrad hingegen kehrte nach Konstantinopel zurück und setzte im folgenden Jahr per Schiff nach Palästina über.
Der Landweg dorthin erwies sich für Ludwig als äußerst mühsam und gefährlich, wobei dem König schwerwiegende Führungsfehler angelastet werden müssen. So ließ er z. B. zu, dass während des Marsches ein kritisch großer Abstand zwischen Vorhut und Hauptheer entstand. Türkische Reiterverbände erkannten diese Schwachstelle sofort und nutzten sie aus: In einem verheerenden Angriff wurde das Kreuzfahrerheer dezimiert und nahezu vernichtet.
Im Januar 1148 erreichten die Überlebenden Antalya. Von dort reisten Ludwig und Eleonore per Schiff nach Antiochia weiter, während das dezimierte Heer den beschwerlichen Landweg nehmen musste – es war keine ausreichende Zahl von Schiffen verfügbar. Nach weiteren Überfällen und großen Strapazen kamen schließlich nur etwa zehn Prozent des ursprünglichen Heeres in Antiochia zusammen.
Eleonores Onkel Raimund von Poitiers, der jüngere Bruder ihres Vaters, war Fürst von Antiochia. Dort erlebte sie – wie bereits in Konstantinopel – einen Luxus und eine Lebensauffassung, die sie aus ihrer Jugend kannte, die aber in starkem Kontrast zu den Verhältnissen am französischen Hof standen. Auch hier reagierte Ludwig mit Abscheu auf die dortigen Gepflogenheiten und missbilligte insbesondere den freundschaftlichen Umgang der christlichen Siedler mit der muslimischen Bevölkerung (Turner).
Zur wachsenden emotionalen Distanz zwischen Ludwig und Eleonore kam eine intellektuelle hinzu, als deutlich wurde, dass der König die klugen strategischen Ziele Raimunds nicht mittragen wollte. Raimund von Poitiers plante die Rückeroberung Aleppos als Voraussetzung für die Wiedergewinnung Edessas und letztlich die Sicherung Jerusalems. Nachdem der bedeutende islamische Feldherr Imad ad-Din Zengi verstorben war, verfolgte sein Sohn Nur ad-Din weiterhin konsequent das Ziel, ganz Syrien zu beherrschen. Ludwig durchschaute diese politischen Zusammenhänge nicht und argwöhnte hinter Raimunds Strategie lediglich den Versuch, den eigenen Machtbereich über Antiochia hinaus zu erweitern.
Da Eleonore die Klugheit der Pläne ihres Onkels erkannte, ihm wesensgemäß nahestand und erneut von Ludwigs Uneinsichtigkeit sowie seinem Mangel an strategischem Denken enttäuscht war, kam es bald zum offenen Bruch zwischen dem Königspaar. Eleonore eröffnete ihrem Mann, sie wolle sich von ihm trennen und die Ehe annullieren lassen – er solle allein nach Jerusalem weiterziehen, während sie in Antiochia bleiben würde. Ludwig stimmte der angestrebten Trennung zu, bestand jedoch darauf, dass Eleonore ihn auf der gesamten Rückreise nach Paris begleiten müsse. Diese Entwicklung wurde bald öffentlich bekannt, und sofort lebten die altbekannten Vorurteile gegen Eleonores Charakter wieder auf. Man unterstellte ihr sogar ein inzestuöses Verhältnis zu ihrem Onkel Raimund.
Nach der Ankunft in Jerusalem berief Ludwig ein Konzil nach Akkon ein. Dort führte er die Verhandlungen so ungeschickt, dass aus einer völligen Fehleinschätzung der Lage heraus der Beschluss gefasst wurde, das muslimisch regierte Damaskus anzugreifen. Auch dies war ein schwerwiegender strategischer Fehler, der außer Acht ließ, dass die dortigen Franken friedlich mit den islamischen Herrschern zusammenlebten und von diesen geschätzt wurden – erwarteten sie doch deren Schutz vor der Bedrohung durch Nur ad-Din.
Wie vorhersehbar, endete auch dieses militärische Abenteuer binnen weniger Tage als Desaster und erniedrigender Misserfolg. Das Heer fiel endgültig auseinander, alle Teilnehmer machten sich auf den Heimweg. Der Kreuzzug war dramatisch gescheitert, und besonders Ludwig wurde wegen seiner Führungsschwäche scharf kritisiert.
Dennoch gewann er in Frankreich an Ansehen, da man ihm zugutehielt, einen Kreuzzug initiiert und alle Widrigkeiten mit unerschütterlichem Glauben überwunden zu haben. Die Achtung seiner Frau jedoch hatte Ludwig unwiderruflich verloren. Auf Eleonores energisches Betreiben hin wurde die Ehe 1152 annulliert.
Eleonore wandte sich daraufhin Heinrich Plantagenet zu, dem Herzog der Normandie und Grafen von Anjou und zukünftigen englischen König. Heinrich war der Repräsentant einer neuen, dynamischen Generation europäischer Herrscher.
Zum Schicksal Europas gehören die großen kriegerischen Konflikte wie der Hundertjährige Krieg Frankreichs gegen England, aus dem die souveräne französische Nation entstand, und der ewige Kampf zwischen Frankreich und Habsburg um die Vorherrschaft in Europa. Es gehören die berühmten Entdeckungsreisen dazu, die den Grundstein für einen weltweiten Seehandel legten. Auch die Kirchenspaltung ist Teil der Geschichte Europas, wie auch der Vorrang der katholischen Kirche in Spanien, ihre Dominanz in Frankreich und im Gegensatz dazu die dauerhafte Etablierung Englands als protestantische Macht im Norden Europas. Die Bedeutung Russlands als eine in alle Richtungen nach territorialem Besitz strebende Nation wirkt bis heute nach. Auch die Ausbildung der Frauenrechte im 18. Jahrhundert als Teil der Menschenrechte und der Demokratisierung ist eine bis heute aktive Bewegung. Alle diese elementaren Entwicklungen wurden maßgeblich durch Frauen bestimmt.
Eleonore von Aquitanien ließ sich vom französischen König scheiden und heiratete den englischen König, der dadurch in Frankreich einen größeren Landbesitz als der französische König selbst kontrollierte. Damit schuf sie die Voraussetzungen für einen lange schwelenden Konflikt, der über Generationen fortbestand und schließlich in den Hundertjährigen Krieg mündete.
In der späten Phase dieses Konflikts trat Jeanne d’Arc auf, die in einer Epoche lebte, in der mystische Religiosität mit nationalem Empfinden verschmolzen. Die spätmittelalterliche Mystik, geprägt von direkter Gotteserfahrung und visionären Offenbarungen, fand in der Jungfrau von Orléans ihre politische Repräsentantin. Sie griff in den Hundertjährigen Krieg zu einer Zeit ein, als Frankreich militärisch und moralisch am Boden lag. Ihr militärischer Erfolg trug maßgeblich zur französischen Identitätsbildung und letztendlich zum Sieg Frankreichs über England bei. Es entstand die souveräne Nation Frankreich.
Während Frankreich sich seiner nationalen Identität bewusst wurde, schufen Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón das vereinte Spanien. Isabellas Entscheidung, Christoph Kolumbus die legendäre Westfahrt von 1492 zu ermöglichen, ließ den Welthandel entstehen, aber auch die Kolonisierung – mit all ihren verheerenden Begleiterscheinungen wie dem transatlantischen Sklavenhandel. Durch die Eroberung von Granada beendete Isabella die Zeit der Mauren auf der iberischen Halbinsel, und durch die Vertreibung der Juden sowie die Aktivierung der Inquisition verschaffte sie dem Katholizismus eine absolute Position, prägend auch für kommende Generationen. Unterstützt vom Papst, der sie auszeichnete, wurde Spanien zur führenden katholischen Macht in Europa – mit Auswirkungen bis in die Zeit der Reformation und der Kirchenspaltung, die schließlich in den Dreißigjährigen Krieg mündete.
Kaum war der Hundertjährige Krieg beendet, da entwickelte sich im Zentrum Europas ein verhängnisvoller Konflikt zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich, der zu zahllosen Kriegen und diplomatischen Verwicklungen führte. Die Heirat von Maria von Burgund mit Maximilian I. von Habsburg verhinderte die Übernahme des reichen Burgunds durch Frankreich und legte den Grundstein sowohl für die habsburgische Vorherrschaft in Europa als auch für den tiefen Konflikt zwischen Frankreich und dem Haus Habsburg. Der Interessenkonflikt um Burgund bildete den Ausgangspunkt für die großen Kriege zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich: die Italienischen Kriege im 16., die Kriege Ludwigs XIV. im 17., den Spanischen Erbfolgekrieg im frühen und den Österreichischen Erbfolgekrieg in der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Diese machtpolitischen Auseinandersetzungen wurden durch die konfessionelle Spaltung Europas weiter verschärft. Nachdem der Papst und Kaiser Karl V. Luthers Bemühungen um eine Reformation der Kirche abgelehnt hatten, kam es zu dem Bruch und zu tiefen Verwerfungen zwischen den Anhängern der zwei Glaubensrichtungen in zahlreichen Ländern Europas. In Frankreich geriet Katharina von Medici als faktische Herrscherin während der Hugenottenkriege in die Schwierigkeit, zwischen den verfeindeten Konfessionen navigieren zu müssen. Katharinas entscheidender, aber verhängnisvoller Beitrag zur Bartholomäusnacht markiert den Wendepunkt ihrer Regentschaft: Die systematische Ermordung Tausender Hugenotten in Paris und anderen französischen Städten radikalisierte die konfessionellen Gegensätze.
Elisabeth I. von England dagegen, Tochter Heinrichs VIII. und Anna Boleyns, konnte den von ihrem Vater eher zufällig und reaktiv begründeten anglikanischen Protestantismus festigen und setzte damit die protestantische Glaubensrichtung im Norden Europas durch. Elisabeths kluger Mittelweg zwischen Katholizismus und radikalem Protestantismus schuf ein neues Modell religiöser Toleranz aus Staatsräson. Darüber hinaus schuf Elisabeth I. wichtige infrastrukturelle und wirtschaftliche Voraussetzungen für die spätere Industrielle Revolution: Förderung des Seehandels und der Marine, wirtschaftliche, religiöse und politische Stabilität, Schutz früher Industrien wie der englischen Wollverarbeitung und nicht zuletzt die koloniale Expansion als Grundlage für das spätere Empire.
Das 18. Jahrhundert brachte mit der Aufklärung eine neue geistige Strömung hervor, die Vernunft und rationale Staatsführung in den Mittelpunkt rückte. Katharina die Große war die bedeutendste Repräsentantin dieser Epoche aufgeklärter Herrschaft. Sie korrespondierte mit Voltaire und Diderot, studierte die Werke Montesquieus und versuchte umsichtig, aufklärerische Prinzipien in die Staatspraxis umzusetzen. Ihre Regierung stand für den Versuch, absolute Herrschaft durch rationale Prinzipien zu legitimieren und zu modernisieren. Gleichzeitig erweiterte Russland unter ihrer Führung systematisch die territorialen Grenzen des Reichs: nach Süden durch Kriege gegen das Osmanische Reich, nach Westen durch die Teilungen Polens.
Maria Theresia regierte in derselben Epoche des Übergangs vom barocken Absolutismus zu einer Regierungsform im Jahrhundert der Aufklärung. Anders als Katharina von Russland blieb sie jedoch eine Getriebene des europäischen Mächtespiels. Sie war die erste weibliche Herrscherin der Habsburger Monarchie und gefordert, ihre Legitimität gegen mächtige europäische Rivalen zu behaupten und gleichzeitig ein heterogenes Vielvölkerreich zu modernisieren. Doch konnte sie weder den Aufstieg Preußens zur europäischen Großmacht unter Friedrich dem Großen verhindern noch den damit verbundenen Verlust Schlesiens rückgängig machen. Auch den strukturellen Niedergang des Heiligen Römischen Reiches vermochte sie nicht aufzuhalten – das Reich wurde zunehmend zu einer politischen Fiktion, bevor Napoleon es 1806 formal auflöste.
In früheren Jahrhunderten und gewiss im Mittelalter war die Rolle der Frau noch unendlich viel stärker von ständischer Ordnung und kirchlichem Weltbild geprägt. Rechtlich standen Frauen zunächst unter der Vormundschaft ihres Vaters und nach der Heirat unter der ihres Ehemanns. Nur im Hochadel kam es in seltenen Fällen zu einer Ausnahme von dieser Regel, sodass sich bedeutende Frauenpersönlichkeiten entwickeln konnten. Dies zumal dann, wenn sie in geistiger Unabhängigkeit erzogen und ausgebildet wurden, machtbewusst waren und große territoriale Erbschaften machten. Aber auch diese Herrscherinnen waren nicht gegen Vorurteil und Vorverurteilung gefeit.
Als im Jahrhundert der Aufklärung die Menschenrechte formuliert wurden, war es nur folgerichtig, auch die Rechte der Frauen zumindest einzufordern. Olympe de Gouges und Mary Wollstonecraft sind die beiden bedeutenden Repräsentantinnen dieser damaligen Bewegung, die bis in unsere Zeit um die Gleichstellung der Frauen kämpft.
Eleonore von Aquitanien (1124–1204)
Prägung und Eheschließung
Aquitanien wurde schon von Caesar als eines der drei Teile Galliens beschrieben, es war dessen bedeutendstes und stolzestes Herzogtum, im Südwesten des Landes gelegen. Eleonores Vorfahren waren Grafen von Poitou, die immer größere Landesteile übernahmen, den Herzogtitel beanspruchten und schließlich mit der Übernahme der Gascogne Herrscher über ganz Aquitanien wurden. Die Unabhängigkeit der Herzöge und das Empfinden dynastischer Würde forderten gedankliche Freiheit und erlaubten andererseits die Ablehnung von gesellschaftlichen Zwängen und Vorgaben der Etikette. Diese Unabhängigkeit beanspruchte Eleonores Großvater in besonderer Weise, denn er nutzte seine Begabung, um zu einem europaweit bekannten Troubadour-Versdichter zu werden. Von nördlicheren Gegenden wurden der französische Süden und die dort lebenden Menschen allgemein abschätzig als von „einem temperamentvollen, emotionalen und vergnügungssüchtigen Naturell“ angesehen (Turner).
Eleonore wurde im Jahr 1124 geboren. Bereits als Heranwachsende war sie elegant, schön, stolz, willensstark, unbeugsam und wurde zu dem ausgeprägten Freiheitsbedürfnis und Machtbewusstsein erzogen, das in ihrer Familie vorgelebt wurde. Ihr Vater starb, als sie dreizehn Jahre alt wurde. Eleonore war jetzt Herzogin von Aquitanien und wegen ihrer territorialen Mitgift die natürliche Braut des Kronprinzen Ludwig von Frankreich, Sohn Ludwigs VI. Die Heirat erfolgte im Juli desselben Jahres. Kaum einen Monat nach ihrer Hochzeit starb der König. Sein bereits im Jahr 1131 gekrönter Sohn, Ludwig VII., trat im Alter von fünfzehn Jahren die Nachfolge an; die dreizehn Jahre alte Eleonore wurde Königin von Frankreich. So war Aquitanien nun Teil des Frankenreichs, würde es aber nur bleiben, wenn aus der Ehe ein männlicher Nachfolger geboren würde.
Ludwig VII. war Thronfolger erst geworden, als sein älterer Bruder nach einem Jagdunfall verstorben war. Er war nicht darauf vorbereitet, als König zu regieren, sondern als Schüler der Domschule Notre-Dame identifizierte er sich zutiefst mit der christlichen Lehre, besonders mit der von ihr geforderten Enthaltsamkeit. Auch nach seiner Krönung setzte er die religiöse Ausbildung fort, die sein Denken und Auftreten so tiefgreifend prägte, dass man in ihm einen Mönch hätte vermuten können. Gott würde ihn führen, so seine Überzeugung, und als König würde er Gottes Willen befolgen, geleitet von christlichen Grundsätzen. Diese Enge der gelebten Religiosität am französischen Hof vertrug sich schlecht mit der nur der Form genügenden Frömmigkeit, in der Eleonore aufgewachsen war. Die Gebote der Kirche standen der Freizügigkeit und dem vergnüglichen Leben am Hofe der Herzöge von Aquitanien nicht im Wege. In Paris galt all dies als Sünde, unvereinbar mit der christlichen Lehre. Während das kulturelle Leben am herzoglichen Hof in Aquitanien von Künstlern, Musikern, Komödianten bestimmt war, prägten in Paris Persönlichkeiten aus dem klösterlichen Umfeld die Grundstimmung am Hofe, allen voran Abt Suger von Saint-Denis, der schon unter Ludwig VI. sehr einflussreich war und nun bei dessen Sohn mit Rat und Tat die Fäden zog – ein geborener Rivale Eleonores, wenn es um den Einfluss auf Ludwig ging.
Doch schon wenige Jahre nach Eleonores Ankunft in Paris nahm sich Abt Suger mehr und mehr zurück, wohl aus der Erkenntnis, dass er gegen Eleonores Einfluss nicht würde bestehen können. Der König und die Königin waren jung, und so war es der Verlust an mäßigendem Einfluss durch den bedachten und erfahrenen Berater, der aus dem scheinbaren Sieg über den Rivalen eine Schwächung werden ließ. Pacault schreibt, dass die zahlreichen Fehler des Königspaares darauf zurückzuführen seien, dass der König: „mit ungeordnetem Feuereifer den Versuch machte, fast überall zu gleicher Zeit und mit allen Mitteln, Gewalt nicht meidend, tätig zu werden.“ Ludwig und Eleonore verstrickten sich in zahlreiche Konflikte, die auch wiederholt die Kirche einbezogen und sogar den Papst gegen sie aufbrachte. Es passte in die Zeit, dass Ludwig seine eigenen Verfehlungen als besonders bedrückend empfand und nach Wegen suchte, vor Gott Vergebung für seine Sünden zu finden. Es passte auch in die Zeit, dass Eleonores Auftreten, ihr Bestehen auf eigener Meinung, ihr Einfluss auf den König Vorurteile hervorriefen und in den adligen Kreisen auf Ablehnung stießen.
Gescheiterter Kreuzzug, gescheiterte Ehe
Acht Jahre nach der Eheschließung von Ludwig VII. und Eleonore erreichte Europa eine besorgniserregende Nachricht: Die Grafschaft Edessa, eine der christlichen Gründungen im Heiligen Land nach dem Ersten Kreuzzug, war zu Weihnachten 1144 von den Truppen des türkischen Herrschers Zengi erobert worden. Zengi – so die Befürchtung – würde das ehrgeizige Ziel verfolgen, ganz Syrien unter seine Kontrolle zu bringen, was eine ernste Bedrohung für die übrigen Kreuzfahrerstaaten bis hin zum Königreich Jerusalem darstellte. Für Ludwig VII., der bereits eine Bußpilgerfahrt nach Jerusalem geplant hatte, bot sich nun die Gelegenheit, durch einen großen Kreuzzug die von der Kirche versprochene Vergebung seiner Sünden zu erlangen. Entscheidende Unterstützung fand er bei Bernhard von Clairvaux, dem einflussreichen Zisterzienserabt, der mit mitreißender Rhetorik vehement für die Sicherung Jerusalems und der Kreuzfahrerfürstentümer eintrat.
Die offizielle Initiative ging jedoch von Papst Eugen III. aus, der im Dezember 1145 einen Kreuzzugsaufruf erließ, der die Rückeroberung Edessas forderte. Der Papst propagierte den Heiligen Krieg als gottgewolltes Instrument zur Sündenvergebung. Die mittelalterliche Furcht vor Höllenstrafe und Jüngstem Gericht, verstärkt durch die Predigten der Kirche, ließ Könige, Adlige und einfaches Volk dem päpstlichen Aufruf mit großer Begeisterung folgen. „Die Straße nach Jerusalem wurde zur Straße in den Himmel. In seinem Aufruf zum Kreuzzug hatte der Papst versprochen, dass denjenigen, die das Kreuz auf sich nehmen, alle Sünden vergeben würden. Während des Kreuzzugs entwickelte sich dann die Vorstellung, dass sich alle, die im Kampf fielen, der Erlösung sicher sein könnten. Der Zug nach Osten war eine lange Reise im diesseitigen Leben, aber auch ein Weg, um im nächsten Leben ins Paradies zu gelangen.“ (Frankopan)
Dem französischen Königspaar schlossen sich weitere Herrscher an: der deutsch-römische König Konrad III., der nach einer persönlichen Begegnung mit Bernhard von Clairvaux für den Kreuzzug gewonnen worden war, sowie Roger II., König von Sizilien. Der byzantinische Kaiser Manuel I. Komnenos bot den Kreuzfahrern Unterstützung, sicheres Geleit und Versorgung ihrer Heere an.
Im Sommer 1147 brachen die verschiedenen Kontingente des Kreuzfahrerheeres auf und erreichten im Oktober Konstantinopel. Eleonore genoss die Wochen in dieser für Schönheit, Kultur und Reichtum berühmten Stadt weitaus mehr als ihr Gemahl. Besonders erfreulich für die Königin war die Begegnung mit Kaiserin Irene, der deutschen Bertha von Sulzbach, die nach ihrer Konversion zum orthodoxen Glauben diesen Namen angenommen hatte. Was Eleonore an die Raffinesse ihres heimischen Hofes erinnerte, empfand Ludwig als verweichlicht – die Zeremonien und Extravaganzen des byzantinischen Hofes stießen ihn ab.
Kurz nach der Abreise aus Konstantinopel erreichte die Franzosen eine erschreckende Nachricht: Konrads Heer war auf kleinasiatischem Boden von türkischen Reitertruppen überfallen und vernichtend geschlagen worden. Ludwig ließ sich jedoch nicht beirren, ignorierte alle Warnungen und befahl trotz der offensichtlichen Gefahren den Weitermarsch der vereinten französisch-deutschen Truppen über den Landweg. Konrad hingegen kehrte nach Konstantinopel zurück und setzte im folgenden Jahr per Schiff nach Palästina über.
Der Landweg dorthin erwies sich für Ludwig als äußerst mühsam und gefährlich, wobei dem König schwerwiegende Führungsfehler angelastet werden müssen. So ließ er z. B. zu, dass während des Marsches ein kritisch großer Abstand zwischen Vorhut und Hauptheer entstand. Türkische Reiterverbände erkannten diese Schwachstelle sofort und nutzten sie aus: In einem verheerenden Angriff wurde das Kreuzfahrerheer dezimiert und nahezu vernichtet.
Im Januar 1148 erreichten die Überlebenden Antalya. Von dort reisten Ludwig und Eleonore per Schiff nach Antiochia weiter, während das dezimierte Heer den beschwerlichen Landweg nehmen musste – es war keine ausreichende Zahl von Schiffen verfügbar. Nach weiteren Überfällen und großen Strapazen kamen schließlich nur etwa zehn Prozent des ursprünglichen Heeres in Antiochia zusammen.
Eleonores Onkel Raimund von Poitiers, der jüngere Bruder ihres Vaters, war Fürst von Antiochia. Dort erlebte sie – wie bereits in Konstantinopel – einen Luxus und eine Lebensauffassung, die sie aus ihrer Jugend kannte, die aber in starkem Kontrast zu den Verhältnissen am französischen Hof standen. Auch hier reagierte Ludwig mit Abscheu auf die dortigen Gepflogenheiten und missbilligte insbesondere den freundschaftlichen Umgang der christlichen Siedler mit der muslimischen Bevölkerung (Turner).
Zur wachsenden emotionalen Distanz zwischen Ludwig und Eleonore kam eine intellektuelle hinzu, als deutlich wurde, dass der König die klugen strategischen Ziele Raimunds nicht mittragen wollte. Raimund von Poitiers plante die Rückeroberung Aleppos als Voraussetzung für die Wiedergewinnung Edessas und letztlich die Sicherung Jerusalems. Nachdem der bedeutende islamische Feldherr Imad ad-Din Zengi verstorben war, verfolgte sein Sohn Nur ad-Din weiterhin konsequent das Ziel, ganz Syrien zu beherrschen. Ludwig durchschaute diese politischen Zusammenhänge nicht und argwöhnte hinter Raimunds Strategie lediglich den Versuch, den eigenen Machtbereich über Antiochia hinaus zu erweitern.
Da Eleonore die Klugheit der Pläne ihres Onkels erkannte, ihm wesensgemäß nahestand und erneut von Ludwigs Uneinsichtigkeit sowie seinem Mangel an strategischem Denken enttäuscht war, kam es bald zum offenen Bruch zwischen dem Königspaar. Eleonore eröffnete ihrem Mann, sie wolle sich von ihm trennen und die Ehe annullieren lassen – er solle allein nach Jerusalem weiterziehen, während sie in Antiochia bleiben würde. Ludwig stimmte der angestrebten Trennung zu, bestand jedoch darauf, dass Eleonore ihn auf der gesamten Rückreise nach Paris begleiten müsse. Diese Entwicklung wurde bald öffentlich bekannt, und sofort lebten die altbekannten Vorurteile gegen Eleonores Charakter wieder auf. Man unterstellte ihr sogar ein inzestuöses Verhältnis zu ihrem Onkel Raimund.
Nach der Ankunft in Jerusalem berief Ludwig ein Konzil nach Akkon ein. Dort führte er die Verhandlungen so ungeschickt, dass aus einer völligen Fehleinschätzung der Lage heraus der Beschluss gefasst wurde, das muslimisch regierte Damaskus anzugreifen. Auch dies war ein schwerwiegender strategischer Fehler, der außer Acht ließ, dass die dortigen Franken friedlich mit den islamischen Herrschern zusammenlebten und von diesen geschätzt wurden – erwarteten sie doch deren Schutz vor der Bedrohung durch Nur ad-Din.
Wie vorhersehbar, endete auch dieses militärische Abenteuer binnen weniger Tage als Desaster und erniedrigender Misserfolg. Das Heer fiel endgültig auseinander, alle Teilnehmer machten sich auf den Heimweg. Der Kreuzzug war dramatisch gescheitert, und besonders Ludwig wurde wegen seiner Führungsschwäche scharf kritisiert.
Dennoch gewann er in Frankreich an Ansehen, da man ihm zugutehielt, einen Kreuzzug initiiert und alle Widrigkeiten mit unerschütterlichem Glauben überwunden zu haben. Die Achtung seiner Frau jedoch hatte Ludwig unwiderruflich verloren. Auf Eleonores energisches Betreiben hin wurde die Ehe 1152 annulliert.
Eleonore wandte sich daraufhin Heinrich Plantagenet zu, dem Herzog der Normandie und Grafen von Anjou und zukünftigen englischen König. Heinrich war der Repräsentant einer neuen, dynamischen Generation europäischer Herrscher.

