Cover: Femizidversuch

Femizidversuch
Wenn es um Macht statt um Liebe geht


EUR 18,90

Format: 12 x 19 cm
Seitenanzahl: 228
ISBN: 978-3-99185-025-0
Erscheinungsdatum: 12.01.2026
„Femizidversuch – Wenn es um Macht statt um Liebe geht“ – das Buch von Henriette Wunderlich widmet sich dem viel diskutierten Thema „Femizid“. Eine aufwühlende, sehr persönliche Geschichte von Macht, psychischen Missbrauch und einem Mordversuch. 
Einleitung

Am 10. April 2019 geht nachts um 2:23 Uhr ein Notruf bei der Rettungsleitstelle der Feuerwehr in Brandenburg an der Havel ein. „Meine Mama wird gerade umgebracht“, sagt ein Kind am anderen Ende der Leitung. „Von Papa“, fügt es hinzu.
Dieses mutige Kind am Telefon war meine damals neunjährige Tochter. Sie ist in allererster Linie der Grund dafür, warum ich überhaupt eine Überlebenschance in dieser Nacht hatte. Denn mein Ex-Partner M., der leibliche Vater meiner zwei Kinder, wollte mich töten. Er wollte mich aus dem Leben löschen, weil ich mich kurz zuvor getrennt und er die Macht über mich verloren hatte. Den Mordversuch habe ich nur knapp überlebt, weil ich neben meiner Tochter noch viele weitere Schutzengel hatte.
Mit diesem Mann, der mich töten wollte, habe ich 16 Jahre gemeinsam in einer Beziehung verbracht, das war bis dato die Hälfte meines Lebens. Und doch hatte ich das Gefühl, diesen Mann gar nicht wirklich zu kennen. Ich konnte ihn nicht einschätzen, hatte keinerlei Einblick in seine Gefühlswelt.
Im Vorfeld des Mordversuches gab es körperliche Übergriffe und psychische Gewalt. Mir war es innerhalb der Beziehung aber lange nicht bewusst, dass es nicht richtig ist, wie M. mit mir umgeht. Erst im Laufe der Jahre ahnte ich, dass dieser Umgang zwischen uns nicht immer normal, ja, dass er gar gefährlich ist.
Fast jeden Tag tötet ein Mann irgendwo in Deutschland seine aktuelle oder ehemalige Partnerin. Im Jahr 2023 waren es laut Lagebild des Bundeskriminalamts zur Gewalt gegen Frauen 360 Tötungsdelikte in Deutschland von Männern an einer Frau, weil sie eine Frau ist. Die größte Gefahr für Frauen lauert dabei zu Hause und eben nicht nachts im dunklen Park. Im Jahr 2019 endete für 117 Frauen die Gewalt durch den (Ex-)Partner tödlich. Ich bin eine von 301 Frauen, die laut BKA den Tötungsversuch durch den (ehemaligen) Partner im Jahr 2019 überlebt hat.
Als ich nach dem Mordversuch im Krankenhaus lag, wurde mir klar, dass es kein „Versehen“ von meinem Exfreund M. war, sondern er mir tatsächlich das Leben nehmen wollte, so sehr hasste er mich. Und mir wurde ebenso bewusst, dass es dafür keine Entschuldigung gibt. Er wollte mich vernichten und ich fing an, meine 16-jährige Beziehung zu diesem Mann ganz stark zu reflektieren. Ich erkannte eine Art Systematik hinter seinem Verhalten, hinter der Dynamik unserer Beziehung und setzte mich immer mehr mit dem Begriff „Femizid“ und mit dem Thema „häusliche Gewalt“ auseinander.
Femizide sind keine Einzeltaten oder gar Beziehungsdramen, wie meist in den Medien dargestellt wird. Nein, es handelt sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem. Denn Frauen werden getötet, weil sie Frauen sind. Der Fachbegriff dafür ist Femizid. Dabei gibt es nicht einen bestimmten Typ Mann, der einen bestimmten Typ Frau umbringt. Dennoch ist eine bestimmte Systematik in den Beziehungen erkennbar, die auf ein erhöhtes Risiko hindeutet.
Mittlerweile weiß ich, dass solch eine Beziehung, wie ich sie zu M. hatte, keine Ausnahme, sondern leider weit verbreitet ist. Anhand meiner Geschichte möchte ich die gefährliche Dynamik einer Beziehung zeigen und verdeutlichen, dass häusliche Gewalt sehr vielfältig ist und wir uns alle mit diesem Thema auseinandersetzen müssen. Denn häusliche Gewalt passiert immer und betrifft uns alle. Jeder von uns kennt statistisch gesehen mindestens eine Betroffene und jeder von uns kennt mindestens einen Täter.
Mich überkam der Wille, mit meinen Erfahrungen aus meiner langjährigen Beziehung nach außen zu dringen, laut zu werden. Ich gab ein Interview beim Radiosender Fritz in Berlin. In einer Folge des Podcasts „tabulos“ schildere ich den Verlauf meiner Beziehung zu M. und die sich einschleichenden Gefahren sowie die brutale Tat. Außerdem hielt ich im März 2022, circa drei Jahre nach der Tat, einen Vortrag mit Fragerunde in einer 10. Klasse über das Thema „Femizid“. Mittlerweile habe ich eine 40-stündige Online-Fortbildung zum Thema „Schutz und Hilfe bei häuslicher Gewalt“ erfolgreich absolviert. Im Juni 2023 redete ich außerdem auf der Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche bei einem Panel darüber, wie die Berichterstattung über Femizide und Femizidversuche verbessert werden kann. Als Überlebende habe ich meine Erfahrungen geschildert und mögliche Alternativen aufgezeigt. Mittlerweile habe ich auch Interviews für beispielsweise den Stern Crime gegeben.
Und nun schreibe ich meine Geschichte auf. Manchmal schaffe ich es nur, einen Satz zu schreiben, manchmal bekomme ich Gänsehaut oder gar Angst, manchmal weine ich während des Schreibens. Und es ist ok so, es tut gut, es muss sein und ich darf loslassen. Für mich und für meine Kinder und vielleicht – in stiller Hoffnung – auch für andere Frauen, die Ähnliches erleben.
Ich möchte, dass über das Thema „Femizid und Femizidversuch in (Ex-)Partnerschaften“ und auch über die vorhergehende Gewalt mehr gesprochen wird. Ich möchte aufmerksam darauf machen, sichtbar machen, wie gefährlich es für viele Frauen und auch Kinder zu Hause ist. Dort, wo sie sich doch eigentlich am sichersten fühlen sollten, lauert in vielen Fällen große Gefahr. Diesen Gefahren gehen oftmals bestimmte Verhaltensweisen und Muster voraus, die durchaus erkannt werden können. Emotionale Abhängigkeit, Herabwürdigung, Abweisung, Beschuldigung, finanzielle Abhängigkeit, Isolierung oder Drohung sind nur einige Merkmale dafür, dass der Mann es schafft, Macht und Kontrolle über seine Partnerin auszuüben.
Anhand meiner Erfahrungen möchte ich versuchen, aufzuklären und zu sensibilisieren sowie aufzuzeigen, an welchen Stellen bereits bestimmte Hilfemaßnahmen möglich gewesen wären und welche Anzeichen es gab. Hierzu habe ich mir fachliche Unterstützung geholt. Sabine* ist Mitarbeiterin in einem Frauenhaus und Katja* psychosoziale Prozessbegleiterin. Sie kommentieren meine Geschichte und zeigen Möglichkeiten der Intervention auf.
Hinweis: Ich schildere in diesem Buch meine Erfahrungen, die sich auf selbst Erlebtes und Gehörtes sowie Beobachtungen beziehen. Aussagen, die ich beispielsweise zum Prozess treffe, habe ich selbst vor Ort gehört und miterlebt. Ich habe die für mich traumatischen Ereignisse unbewusst im Präsens geschrieben, da ich das Schreiben über diese Situationen besonders erlebt habe und es so für mich therapeutischen Charakter hatte.
* Namen aus Schutzgründen geändert



Die Beziehung

Kennengelernt habe ich M. mit 15 Jahren bei einem Pokalspiel seiner Wasserballmannschaft bei einem Auswärtsspiel in Leipzig. Ich war mit meiner Schwester, welche mit einem Mannschaftskameraden von M. liiert war und heute verheiratet ist, zum Spiel mitgereist. Ich selbst hatte Bezug zum Wassersport, da ich seit meinem fünften Lebensjahr schwamm und selbst kurzzeitig Wasserball spielte. Wir fuhren gemeinsam mit der Mannschaft mit einem Reisebus nach Leipzig. Meine Schwester zeigte während des Spiels auf M. und sagte, er wäre doch auch ganz süß und würde zu mir passen. Er war mir bis dato noch nicht aufgefallen und ich war nicht auf der Suche nach einem Freund. Aber meine Schwester hatte recht, er sah ganz süß aus. M. hatte bislang scheinbar nie eine Freundin gehabt bzw. mitgebracht.
Auf der Rückfahrt glotzte ich M. wohl die ganze Zeit an – jedenfalls merkte er mir mein Interesse an. Die Mannschaft war abends noch in unserer Heimatstadt in einer Kneipe zusammengekommen. Ich war schon daheim. Er gab meiner Schwester dort später zu verstehen, dass ich ihm zu jung war. M. war zu dem Zeitpunkt schon 19 Jahre alt, ich 15.
Ein knappes Jahr später, mittlerweile war ich 16 Jahre alt, war M. in einer Diskothek tanzen. Meine Schwester war auch dort und er sprach sie an. Er sagte ihr, dass er mich auch ganz gut fände, und wollte mich nun doch kennenlernen.
Meine Schwester rief mich am nächsten Tag gleich an und erzählte mir davon. Ich hatte gerade eine kleine Liaison mit einem anderen Jungen und beendete diese aus Fairness sofort, denn für M. schwärmte ich immer noch. Ich freute mich wahnsinnig, dass M. nun auch Interesse für mich zeigte. Am darauffolgenden Wochenende ging ich zum nächsten Heimspiel, um zuzugucken. Abends war bei meinem Schwager dann noch eine Zusammenkunft der Mannschaft, M. war natürlich auch da. Den ganzen Abend über beobachteten wir uns nur von Weitem. Erst als M. am Gehen war, fragte er mich, ob wir uns vielleicht mal treffen wollten. Ich bejahte, war aber total unsicher und stammelte irgendetwas vor mich hin, dass ich vermutlich die nächsten Tage in Dänemark bei meiner Oma wäre und keine Zeit hätte. M. war weg und ich kam mir voll blöd vor, weil ich quasi erst mal abgesagt hatte. Er wohnte aber gleich um die Ecke und ich fasste noch einmal meinen Mut zusammen und ging zu seiner Wohnung rüber. Ich erklärte die Sache mit meiner Oma und dem Wegfahren etwas genauer und bekräftigte, dass ich mich gern mit ihm treffen würde. In der Nacht entschied sich dann erst, dass wir aufgrund von zu viel Schneefall nicht nach Dänemark zu meiner Oma fahren würden. Also ging ich am nächsten Tag, einem Sonntag, zum Vormittagsspiel und sprach danach mit M. Wir verabredeten uns für den Nachmittag. Ich ging zu ihm nach Hause, wir redeten, dann knutschten wir auch schon und danach gingen wir Eis essen. Ab da an waren wir eigentlich zusammen.
Ich war in der zehnten Klasse auf dem Gymnasium, gerade 16 Jahre alt. M. war fast 20 Jahre alt, ein gutaussehender Sportler, voll berufstätig, hatte eine eigene Wohnung und war neben meinen gleichaltrigen Mitschülern für mich ein Bild von Mann. M. war höflich und zuvorkommend. Er war sozial sehr gut angepasst, kinderlieb, aufmerksam, ruhig. Er hat eine solide Ausbildung hinter sich und stand mit beiden Beinen fest im Leben, er ist auch sehr korrekt und penibel.
M. war meine erste echte, feste und längere Beziehung und meine erste große Liebe.
Während meiner Schulzeit schlief M. unter der Woche fast jeden Tag bei mir, am Wochenende waren wir bei ihm. Er zog in eine Wohnung direkt gegenüber von meinem Gymnasium. Einen Schlüssel von seiner Wohnung bekam ich aber nie.

„Ein Anzeichen für Macht und Kontrolle“ Sabine*

Schon damals hatte ich das Gefühl, dass er nicht alles von sich zeigt. Ich kannte nur seine Wasserballfreunde, von anderen Kumpels erzählte er, wenn dann, nur beiläufig etwas. Einmal berichtete er mir von einer besten Freundin namens Kathi, die er angeblich hätte und bei der er schlafen würde. Von dieser besten Freundin hatte ich vorher noch nie etwas gehört und wir waren mittlerweile schon eine ganze Zeit zusammen. Das hat mich sehr getroffen, weil er sie mir nicht vorstellen wollte. Ich vermute mittlerweile, dass es diese Freundin gar nicht in dieser Form gab, jedenfalls war sie nie wieder ein Thema.

„In dem bisher Berichteten zeigen sich bereits einige Anzeichen, die darauf hinweisen, dass diese Beziehung nicht auf Respekt und Augenhöhe aufgebaut ist. Zunächst scheint der Altersunterschied und die unterschiedlichen Lebenssituationen bedeutsam: Einerseits ist da ein junger Mann, der bereits im Berufsleben steht und unabhängig leben kann, und andererseits eine 4 Jahre jüngere Schülerin ohne eigenes Einkommen, die auf verschiedenen Ebenen (beispielsweise finanziell) von anderen, wie ihren Eltern, abhängig ist. 4 Jahre Altersunterschied sind bei Menschen mit ähnlichen Lebenserfahrungen oder ab einem gewissen Alter in einer Beziehung keine große Sache. Aber die hier entstehenden Machtunterschiede auszugleichen und nicht auszunutzen, ist eine große Herausforderung, die persönliche Integrität und gegenseitiger Wertschätzung bedarf. Sabine*

Im Jahr 2004 haben wir uns im Sommer für 5 Wochen getrennt. M. hatte zu Beginn des Jahres seinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr begonnen und kam nur an den Wochenenden nach Hause. Wenn er dann da war, hat er mich extrem kumpelhaft behandelt und war seltsam zu mir. Er wiederum interpretierte es später so, dass er mir zu wenig Zeit an den Wochenenden widmete. Das an sich war nicht seltsam, sondern das Zusammenkommen. Ich kann mich nicht mehr ganz genau erinnern, aber er schrieb mir eine sehr anzügliche Nachricht, die überhaupt nicht zu ihm passte und sehr erniedrigend war. Als ich ihn darauf ansprach, stritt er ab, diese Nachricht verfasst zu haben, und behauptete, es sei ein Kumpel gewesen. Ich wusste nicht, was ich ihm glauben konnte. Irgendwie kamen wir dann aber doch wieder zusammen.
Später war einmal die eine Seite von seinem Doppelbett komplett abgezogen, seine Seite aber nicht. Er erzählte mir, dass ein Kumpel zu Besuch war, dort geschlafen hätte und eingepullert hatte. Das war für mich wenig glaubwürdig, aber ich habe darauf vertraut. Solche widersprüchlichen, fragwürdigen Situationen gab es häufiger. Ich wusste nie wirklich, was ist ernst und was ist Spaß. Aber M. hat es immer wieder geschafft, mich zu überzeugen.

„Es fallen einige Hinweise auf mögliches Leugnen auf: die Geschichten über eine enge Freundin, die ansonsten in dieser Beziehung nie wieder eine Rolle spielt, die Geschichte über den Freund, der in das Bett uriniert haben soll – all das kann ein Hinweis darauf sein, dass M. nicht bei der Wahrheit bleibt. Es kann ein Hinweis darauf sein, dass er die Kontrolle über die Beziehung haben will, indem er Macht ausspielt. Er gibt den Schlüssel zu seiner Wohnung nicht her, er verweist auf ein soziales Umfeld, zu dem die Partnerin aber keinen Zugang hat, und nicht zuletzt: Er bestimmt, ab wann die Beziehung überhaupt begonnen werden kann. Gaslighting ist eine oft genutzte Täterstrategie. Sie wird psychischer Gewalt zugeordnet und meint das bewusste Verunsichern von Personen durch Leugnen oder Manipulation. Das Ziel der Gewalt ausübenden Person ist, dass sich die Betroffenen ihrer eigenen psychischen Stabilität und Integrität unsicher werden und an sich selbst (ver)zweifeln.“ Sabine*

Wir waren meine gesamte Abiturzeit über zusammen und M. begleitete mich zu meinem Abiball, verstand sich gut mit meinen Kumpels von der Schule, obwohl er wesentlich älter war. Einmal waren wir gemeinsam mit Freunden auf dem Baumblütenfest in Werder/Havel, ein großes Volksfest. Wir tranken jede Menge des regionalen Obstweins und tanzten vor den Bühnen. Mich tanzte ein fremder Mann an bzw. er tanzte einfach neben mir und grinste mich an. Plötzlich kam M. von hinten, griff mich an meinem Pferdeschwanz und zog mich rückwärts an den Haaren von der Tanzfläche. So hatte ich ihn bis dato noch nie erlebt, so wütend. Er tat so, als wollte er mich vor dem Typen beschützen und gab mir das Gefühl, als hätte ich etwas falsch gemacht. M. war eigentlich sonst nicht eifersüchtig.

M. fuhr mit meiner Familie und mir mehrmals in den Skiurlaub und war bei meinen Eltern sehr beliebt. Denn er war hilfsbereit, umsichtig, nett und höflich.
Ein Jahr nach meinem Studienbeginn zogen wir zusammen in unsere erste gemeinsame Wohnung. Diese befand sich nahe dem Bahnhof, da ich täglich mit dem Zug zur Universität fuhr. Das Mietshaus gehörte meinem Stiefpapa. Er ließ uns einen Einbauschrank einbauen, uns wurde der Fußboden verlegt und wir sparten die Kaution. Mein Studium und Lebensunterhalt finanzierte ich mithilfe meiner Eltern und einem Minijob. Ich hatte 650 € plus meinen Verdienst von durchschnittlich 100 € im Monat. M. arbeitete Vollzeit bei einem großen Unternehmen in unserer Stadt. Die Miete für unsere Wohnung wurde hälftig geteilt, ebenso Einkäufe usw. Die ersten Möbel für die Wohnung bezahlte er. M. sind Finanzen sehr wichtig. Miete und Nebenkosten wurden trotz unterschiedlichen Verdienstes deshalb immer „gerecht“ durch zwei geteilt. Urlaube habe ich bei ihm oft in Raten abgezahlt. Zu Beginn unserer Beziehung hat er sie manchmal aber auch übernommen.
Ich studierte Lehramt und spielte seit meinem 18. Lebensjahr nebenbei im Jugendtheater. Das war meine Bühne und so gar nichts für M. Mit Theater hatte er nichts am Hut. Mir zuliebe kam er zumindest zu den Premierenvorstellungen.
Im Jahr 2009 spielte ich kein Theater mehr, denn wir bekamen unsere Tochter Lisa*. Die Schwangerschaft war zwar im Studium geplant, doch nicht ganz so zeitig. M. sagte immer, er wolle noch Papa werden, bevor er 30 Jahre alt wird. Ich war gerade am Ende meines Bachelorstudiums. Da wir erwartet hatten, dass es nach Absetzen der Pille einige Zeit dauern würde, bis ich schwanger werde, setzte ich die Pille im Herbst 2008 ab. Kurz darauf war ich allerdings schon schwanger. Unseren Eltern haben wir die frohe Botschaft schnell mitgeteilt und alle freuten sich. Als M. beim Training sich seinen Mitspielern mitzuteilen versuchte, glaubte ihm zunächst niemand, weil er auch dort als „Geschichtenerzähler“ bekannt war. Man wusste nie so richtig, woran man bei ihm ist. Erst als ich mit einem Babybauch zu einem Spiel zugucken kam, wussten die anderen um den Ernst der Sache. Auch um den Namen unserer Tochter machte M. vor der Geburt ein Geheimnis und sagte stattdessen einen anderen, nicht weniger glaubwürdigen Namen. Den Sinn dahinter verstand nur er.
Die Schwangerschaft und Geburt hatte ich mir naiverweise etwas anders vorgestellt. Nachdem ich immer „Hallo Baby“ im Fernsehen gesehen hatte, wo sich die Papas immer ganz doll auf das Baby freuen und bei der Geburt Tränen vergießen, dachte ich, es sei überall so.

„Macht und Kontrolle sind die stärksten Elemente geschlechtsbasierter partnerschaftlicher Gewalt. Und Schwangerschaft, Geburt und Trennung sind oft Gewalt auslösende und/oder Gewalt verstärkende Situationen. Mit der Schwangerschaft und der Geburt wird die Abhängigkeit von der Gewalt ausübenden Person verstärkt, mit der Trennung geht der Verlust von Macht und Kontrolle einher.“ Sabine*

5 Sterne
Sehr ergreifend  - 23.05.2026
kosmetikstudio-neue@gmx.de

Das Buch ist super geschrieben und hilft Femizid Opfer sich zu outen.Tolle Starke Frau.

5 Sterne
Eine wahre Begebenheit - 22.03.2026
Anonym

Schon bei den ersten Zeilen des Vorwortes bekam ich Gänsehaut. Henriettes Vater schrieb sie. Das ging mir bereits durch Mark und Bein und das obwohl ich einiges aus Medien oder HörenSagen kannte, aber eben noch nicht dieses Buch! Mit jeder Seite mehr wurde ich sprachloser und ich konnte das Buch nicht mehr beiseite legen. Ihr Buch klärt in vielerlei Hinsicht auf und zeigt damit aber auch Missstände in unserer Gesellschaft als auch in unserem Rechtssystem auf. Am Ende kann man garnicht anders als den Hut vor so einer starken Persönlichkeit zu ziehen!Ich bewundere ihren Kampfgeist, ihren Lebensmut und die Freude am Leben, die sie seitdem nicht verloren hat. Henriette ist für mich eine absolut tolle und starke Frau und eine Löwenmama. Toll, dass sie so ein starkes Umfeld hatte und hat, was ja ein Indiz für eine liebevolle Person sein muss!!! Gleiches gilt für ihre Tochter, die unfassbares geleistet hat.Danke für dieses Buch, für die viele Zeit, die dort eingeflossen ist, für sie selbst und für die Gesellschaft, um dieser ein weiteres Stück die Augen zu öffnen.

5 Sterne
Herzzerreißende Geschichte aus der Sicht des Opfers - 19.02.2026
Annelie

Femizidversuch geht unter die Haut. Henriette Wunderlich zeigt schmerzhaft ehrlich, wie aus vermeintlicher Liebe Kontrolle und Gewalt werden. Das Buch erschüttert, macht wütend und traurig – und ist gerade deshalb so wichtig gelesen zu werden!!

5 Sterne
Ich bewundere die Stärke von Henriette!  - 13.02.2026
Maria Spiess

Innerhalb von 2 Tagen habe ich dieses Buch gelesen und bin schockiert, wie ein Mann solch eine Tat durchführen kann. Ich bin sprachlos. Es hat mich emotional getroffen. All den Schmerz, konnte man beim lesen direkt nach fühlen. Dieses Buch, sollte jede Frau lesen.

5 Sterne
Ich bewundere die Stärke von Henriette!  - 13.02.2026
Maria Spiess

Innerhalb von 2 Tagen habe ich dieses Buch gelesen und bin schockiert, wie ein Mann solch eine Tat durchführen kann. Ich bin sprachlos. Es hat mich emotional getroffen. All den Schmerz, konnte man beim lesen direkt nach fühlen. Dieses Buch, sollte jede Frau lesen.

5 Sterne
Die Schuldfrage, die sich nicht stellt: Der Täter trägt IMMER die Verantwortung. - 01.02.2026
Karin Haberlandt

Eine Frau kann nach außen stark wirken.Eine Mann liebevoll und zuvorkommend.Die Kinder fröhlich.Doch was dieses Buch zeigt, ist die Realität, die wir gern ignorieren. Hinter der (häuslichen) Fassade sehen viele Welten grauer aus, als das bunt gezeichnete Leben. Henriette berichtet in ihrem Buch von einer Geschichte, die sich in jedem Haushalt abspielen könnte. Die vielen Beispiele (von Fachfrauen kommentiert und eingeordnet) zeigen auf, wo physische und psychische Gewalt beginnt und wie sich diese (manchmal über Jahre) ihren Weg sucht und nicht auf den ersten Blick entdeckt wird. Weil sie sich maskiert, wie die Täter. Und die Täter (im Falle des Femizids meistens Männer) von der Gesellschaft und dem Rechtssystem geschützt werden, während die weiblichen Opfer mit Häme (traurigerweise auch von anderen Frauen), Stigmatisierung und absurderweise mit der Schuldfrage konfrontiert werden.Es muss sich etwas ändern - und dieses Buch trägt dazu bei.

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