Cover: Eine Liebe – zwei Systeme

Eine Liebe – zwei Systeme
Kämpfen lohnt sich


EUR 19,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 196
ISBN: 978-3-7116-1684-5
Erscheinungsdatum: 18.05.2026
Um ihre Liebe zu beweisen, gerät ihr Leben unter dem Einfluss der Stasi-Diktatur aus den Fugen. Zwischen Angst, Bedrohung und Hoffnung kämpft sie im Grenzbereich menschlicher Entscheidungen – auch für ihren zehnjährigen Sohn. 3 ½ Jahre für die Ewigkeit.
Vorwort

Liebe Leserschaft, mein Name ist Antje Plaspohl und ich habe die Ehre, dieses wertschätzende Vorwort zu verfassen, da ich zur Autorin eine besondere Verbindung habe.
Uns vereint die DDR-Geschichte.
In einem langen persönlichen Gespräch schilderte mir Sabine ihre erschütternden Erfahrungen mit den Stasi-Methoden.
Denn ihre wahre Geschichte von Verfolgung, wahrer Liebe „zweier Welten“ sowie die Auswirkungen von Depressionen nach psychischer Misshandlung war mit der Grund, ihr anzuraten, ein Buch darüber zu schreiben.

Die Autorin hat das Talent, mit ihren fesselnden und mitreißenden Worten die Leser auf eine Zeitreise in die jüngere deutsche Vergangenheit mitzunehmen. Gänsehaut-Feeling!!! Ich bin selbst ein Kind der DDR und kann jetzt durch ihr Buch noch besser und intensiver die skrupellose Macht der Stasi verstehen.

Ich empfehle dieses Buch, da ich möchte, dass die unzähligen wahren Geschichten der ehemaligen DDR-Bürger erhalten bleiben und nicht in Vergessenheit geraten.

Antje Plaspohl



Zu diesem Buch

Ich habe dieses Buch ohne Angst vor Kritik oder Ablehnung geschrieben.
Keine Zweifel hielten mich zurück, nein, ich habe die Herausforderung angenommen, allein der Glaubwürdigkeit geschuldet.

Gedanken, Gefühle und Respekt standen diametral zu Angst, Panik und Lügen.

So erlebte ich den fundamentalen Widerspruch:
„Ich zitterte, meine Knie wurden weich und mein Körper drohte zu versagen.
Plötzlich zog er eine Pistole aus seiner Jacke, trat auf mich zu und hielt mir diese an meine Schläfe … plötzlicher Tod, dachte ich, oder nur ein Moment des Ausgeliefertseins … wer wusste es schon?
Er genoss förmlich diesen Augenblick meiner puren Angst, wie erbärmlich waren doch die Stasi-Schergen.
Ich war wie in einer Schockstarre gefangen, mein Blut schien das Gehirn nicht mehr zu erreichen und ein Ohnmachtsgefühl machte sich breit.“

Für die Liebe meines Lebens war ich bereit, diese Ängste auszuhalten, Mut zu haben zum Überleben, um die Erinnerungen daran zu bewahren und in diesem Buch niederzuschreiben.

Ich möchte Sie, liebe Leserinnen und Leser, dazu bewegen, dass sich Kämpfen lohnt, auch im Hier und Jetzt.
Haben Sie Mut – denn der beginnt im Kopf.

„Wer etwas verändern will,
muss bereit sein, dass es unbequem wird.“
Oskar Wilde



Eine Liebe – zwei Systeme

Ich habe mir vorgenommen, den schwierigen Teil meines Lebens niederzuschreiben, um diesen dunklen Lebensabschnitt auch gedanklich verarbeiten und damit leben zu können … und zu dieser „Lebensreise“ möchte ich DICH gern mitnehmen.

Mein Name ist Sabine und ich wurde 1953 als jüngste von drei Töchtern in einem Dorf bei Oschersleben geboren.

Meine Mutter war zu der Zeit 36 Jahre und mein Vater 58 Jahre alt. Trotz des Altersunterschiedes von 25 Jahren war die Ehe meiner Eltern sehr glücklich. Ihre Liebe begann unter schwierigen Vorzeichen. Mein Vater, ein Geschäftsmann, war verheiratet und hatte eine Tochter, die nur ein Jahr jünger war als meine Mutter. In seinem Geschäft arbeiteten auch Bedienstete und eine davon war meine Mutter. Aus diesem Angestelltenverhältnis entwickelte sich ein Liebesverhältnis. Die Annäherung begann damit, dass meine Mutter öfter mit ihm im Auto zu Besorgungen mitfahren durfte. Natürlich war dies seiner Frau nicht entgangen, dass das Dienstmädchen mit ihrem Mann unterwegs war. Den Frust daraus ließ sie meine Mutter spüren, indem sie mehr Arbeit als sonst zugeteilt bekam. Von dieser Zeit an zeigte sie deutlich den Unterschied zwischen Geschäftsfrau und Dienstmädchen, indem meine Mutter die Schuhe von ihrer Tochter stets putzen und auf Sauberkeit kontrollieren musste. Währenddessen bekam ihre Tochter Klavierunterricht. Diese Schikane geschah nur, wenn mein Vater nicht im Hause war. Er merkte es meiner Mutter an, dass der Umgang mit seiner Noch-Ehefrau erniedrigend abgelaufen sein musste. Mein Vater war ein sehr gradliniger und respektvoller Mensch und seine derzeitige Situation passte nicht in sein Lebensbild – verheiratet, eine Tochter, eine Geliebte! Er zog seine Konsequenzen und reichte somit die Scheidung ein. Zu dieser Zeit, in den 1940er-Jahren, war das alles andere als normal, zumal er 25 Jahre älter als meine Mutter war, doch er zog seine Entscheidung durch. Die Familie seitens meines Vaters war sehr enttäuscht, dass er sich dazu entschlossen hatte, sein Dienstmädchen zu heiraten, das passte nicht in diese gehobene Gesellschaft, welche von Geschäftsleuten und Medizinern geprägt war. Dazu kam noch die Aufteilung von Ländereien und Immobilien, aber auch das gehörte zur Scheidung. Ein Zurück gab es für ihn nicht, denn er liebte meine Mutter sehr und wollte mit ihr eine neue Familie gründen. Seine Ex-Frau und Tochter waren natürlich sehr enttäuscht von meinem Vater und so schnell wie möglich zog er aus dem gemeinsamen Wohnhaus aus. Gemeinsam mit meiner Mutter zog er in einen Nachbarort, wo er noch ein großes Gutshaus von seitens seiner Familie besaß. In dieser Zeit tobte der 2. Weltkrieg und mein Vater kam in russische Kriegsgefangenschaft. Für meine Mutter war es eine schwere Zeit, denn ihre Eltern wohnten im Nachbarort und die Familie meines Vaters wollte mit ihr nichts zu tun haben, weil es unter ihrer Würde war. Als mein Vater aus der Gefangenschaft zurückkam, war er stark abgemagert, seine rechte Hand war irreparabel deformiert, aber er war glücklich und dankbar, wieder bei seiner Frau sein zu dürfen. Ein Jahr später, 1944, kam meine älteste Schwester auf die Welt. Mittlerweile hatte sich das Verhältnis zu seinen Geschwistern etwas normalisiert, nachdem er seinen festen Standpunkt zur Ehe mit meiner Mutter vehement verteidigt hatte. Das Wort meines Vaters hatte in seiner Familie Gewicht. Als meine Schwester ca. 1 Jahr alt war, fuhren sie mit dem Kinderwagen zu Besuch seines Bruders, da sich sein Neffe zum Fronturlaub angekündigt hatte, und sie blieben auch über Nacht. Am nächsten Tag machten sie sich wieder zu Fuß mit Kinderwagen auf den Weg nach Hause. Als sie vor dem Haus standen, versperrten die Russen mit Gewehren über den Schultern den Eingang und ließen sie nicht mehr in ihr Haus. Mein Vater gestikulierte mit Händen und Füßen, dass es sein Haus sei und er jetzt mit seiner Familie hineinwolle. Die Russen schubsten ihn auf die Straße zurück und schrien lauthals „daroga“, was so viel heißt wie „weg“ – jetzt unser Haus. Mein Vater hatte keine Möglichkeit hineinzukommen, da die Russen schon das Gewehr in Anschlag hielten und riefen: „Du Kapitalist – nix hier rein“. Nun standen die drei buchstäblich auf der Straße, sie durften keine Sachen mehr aus dem Haus holen, somit besaßen sie nur noch die Kleidung auf dem Leib und den Kinderwagen. Vor lauter Verzweiflung sind sie dann die 2 km Entfernung zu meinen Großeltern gelaufen, um bei ihnen zu übernachten. Es war eine kaum denkbare Situation, die Realität wirklich zu erkennen: das eigene Haus von den Russen besetzt und kein Dach über dem Kopf. Nach einiger Zeit organisierte mein Vater eine kleine Kammer unter dem Dach, wo er nun mit seiner kleinen Familie wohnte. Als sich das ganze „Geschehen“ im Dorf herumgesprochen hatte, waren einige Leute sehr schadenfroh, mit Äußerungen wie: „Dass der Geschäftsmann nun in einer Dachkammer hausen muss, ist die Strafe, weswegen er sich hat scheiden lassen und sein Dienstmädchen geheiratet hat“. Wie schon erwähnt, war mein Vater ein sehr stolzer und charakterfester Mensch, er gab niemals auf und versuchte alles in seiner Macht Stehende, um seine Familie zu ernähren, zu behüten und weiterhin inständig zu lieben.
Nach Kriegsende ergab sich die Möglichkeit, in ein anderes Haus zu ziehen, und meine zweite Schwester wurde 1947 geboren, das Glück schien perfekt. Mein Vater versuchte noch mehrere Jahre nach der Enteignung durch die Russen, sein Haus wiederzubekommen, doch ohne Erfolg. Die damalige DDR erkannte die Enteignung an und war somit neuer Besitzer des gesamten Gebäudekomplexes, welcher aus dem Haupthaus, 2 Gesindehäusern und einem Kinosaal bestand. Die Nachkriegsjahre waren für alle eine beschwerliche und entbehrungsreiche Zeit, doch die Menschen hielten zusammen und unterstützten sich so gut es ging. Sechs Jahre nach meiner 2. Schwester kam ich auf die Welt – wieder ein Mädchen – doch das Glück meines Vaters war groß, so erzählte es mir meine Mutter.
Dem großen Glück grätschte ein Jahr später ein Schicksalsschlag mit voller Wucht dazwischen: Mein Vater erkrankte 1956 an Lungenkrebs und starb 1957 daran. Das Jahr 1957 änderte alles in unserer Familie, meine Mutter stand mit drei kleinen Kindern allein da. Ich war erst 4 Jahre alt und konnte es überhaupt nicht begreifen, dass mein Vater nicht mehr lebte und nicht mehr für mich da war. Ich suchte ihn noch wochenlang vergeblich! Schmerz, Leid und Entbehrungen waren von nun an unsere „Begleiter“, was immer meine Mutter auch versucht hat, diese „Begleiter“ klebten an uns wie Pech und Schwefel. Mit 6 Jahren wurde ich eingeschult, bei allen Kindern waren Mutter und Vater dabei, nur bei mir fehlte der Vater. Es dauerte ein paar Tage, bis die Kinder in der Schule erfahren hatten, dass ich Halbwaise war und keinen Vater mehr hatte. Kinder können grausam sein, das Hänseln und Fingerzeigen – die hat keinen Vater mehr – begleitete mich nun fortan. Meiner Mutter entging das alles nicht und sie versuchte, uns drei Kinder zu trösten. An ihren tiefen Schmerz als Witwe dachten wir nicht. Mit den Jahren entwickelte sie einen starken Ehrgeiz, sie wollte es den Leuten im Dorf zeigen, dass sie auch als alleinerziehende Mutter imstande war, ihren drei Töchtern eine gute Erziehung und Ausbildung zu ermöglichen. Diesen Ehrgeiz, vielleicht auch mit etwas Trotz gespickt, hat sie uns anerzogen. Wir haben von ihr die menschlichen Werte wie Disziplin, Ehrlichkeit und Respekt vermittelt bekommen.

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