Cover: Die Schlafzimmertür

Die Schlafzimmertür
Geschichten aus dem Unterholz


EUR 19,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 170
ISBN: 978-3-7116-1761-3
Erscheinungsdatum: 18.08.2026
In vierzig Kurzgeschichten erzählt Leo Gehrig vom Leben einer großen Arbeiterfamilie in der Ostschweiz – von den Zwanzigerjahren bis heute. In schlichter, eindringlicher Sprache entstehen berührende, humorvolle und poetische Momentaufnahmen.
Im Unterholz

Der fünfjährige Bernhard saß mit gespreizten Beinen – vor sich hin summend – auf dem Waldboden. Mit der rechten Hand schaufelte er Tannennadeln in die linke und ließ sie, indem er seine Finger ein wenig spreizte, wieder auf den Boden fallen. Wenige Meter daneben spaltete Vater Johann Holz. Er hatte sich vorgenommen, an diesem ersten warmen Julitag, dem vierten von fünf bezahlten Ferientagen, fünfzig Reiswellen zu machen. Für einen normalen Winter brauchten sie mindestens zweihundert, wenn sie an sehr kalten Tagen zweimal „einfeuern“ wollten. Im letzten Winter war – bei Minustemperaturen bis zu dreißig Grad – gegen Ende Januar alles Holz ausgegangen, und Vater Johann musste bei einem Bauern „Pöscheli“ kaufen, was ihm, wie er ständig wiederholte, nicht mehr passieren dürfe.

Bernhard saß noch immer da. Nun schaufelte er mit einer Rinde, seinem Traktor, Tannennadeln, seine Baumstämme, auf ein Ahornblatt, seinen Lastwagen. Als dieser voll beladen war, fuhr er in die Sägerei des Klosters und lud hier fünfzehn Stämme ab. Weiter ging es in die Waldau, die Fabrik, wo Vater Johann arbeitete. Hier entlud er mit einem Kran, einer großen Rinde, zwanzig Baumstämme und transportierte danach die restlichen zum Bahnhof Tegerschen. Darauf kehrte er in den Wald zurück, lud wieder Baumstämme auf den Lastwagen, brummte dabei vor sich hin und heulte auf, als er wieder losfuhr. Diese Tour fuhr Bernhard unzählige Male, bis sich der Lastwagen in einer engen Kurve überschlug und eine steile Felswand hinunterstürzte.

Vater Johann ging das Spaltholz aus. Auf der Beige hatte es noch dreißig Scheiter. Das reichte nur noch für sechs „Pöscheli“. Im Revier liege wenig Spaltholz herum, das ihnen dieses Jahr vom Förster des Klosters zugeteilt worden sei, berichteten die älteren Söhne, die seit dem frühen Morgen Äste und Reisig herbeischleppten.
Der vierzehnjährige Josef meinte verstanden zu haben, was Vater Johann gesagt hatte. Er nahm eine Säge, forderte die zwei jüngeren Brüder, Paul und Bruno, auf, Beile in die Hand zu nehmen und mitzukommen. Sie liefen weit über ihr Revier hinaus, durch Gestrüpp und quer durch den Birkenwald, bis sie schließlich zu einem steilen Abhang kamen. Es müsse rasch gehen, der Förster könne jederzeit auftauchen, sagte Josef zu seinen zwei Brüdern, und befahl Bruno, auf dem Kamm oben Wache zu halten. Dann begann er zu sägen. Zuerst schnitt er hangabwärts, etwa zehn Zentimeter oberhalb des Wurzelansatzes, einen Keil heraus, dann sägte er von oben einen Querschnitt. Es dauerte nicht lange, bis eine etwa zwölf Meter hohe und dreißig Zentimeter dicke Rottanne mit großem Getöse den Hang hinunterstürzte.

Eine große schwarze Ameise, wie er noch nie eine gesehen hatte, kroch Bernhard über die Hand. Er erschrak ein wenig. Die Ameise lief seinen Unterarm hinauf und kehrte auf der Höhe des Ellbogens um. Bernhard hielt den Arm vor sich in die Höhe und spreizte die Finger: Die Ameise kletterte den Daumen – den Selun, eine Bergspitze der Churfirsten, hinauf. Auf dem Gipfel kehrte sie, ohne anzuhalten, um und stieg den Berg hinunter. Als sie im Tal ankam, kletterte sie sogleich den Frümsel hinauf. Dafür bräuchte sie, rechnete Bernhard aus, in ihrem Ameisenleben mehrere Tage. Die schwarze Ameise bestieg nun den Säntis, den höchsten Berg, hinter dem die Menschenfresser lebten, wie ein älterer Bruder Bernhard einmal vor dem Einschlafen erzählt hatte. Einmal seien diese sogar bis nach Wolfenswil gekommen, hätten ein kleines Kind mitgenommen und gefressen. Bernhard hielt den Atem an: Die schwarze Ameise war auf dem Gipfel des Säntis angekommen. Er atmete tief aus, als sie nicht den Weg hinab zu den Menschenfressern – auf der Rückseite des Mittelfingers – nahm, sondern den gleichen Weg, wie sie nach oben gekommen war.

Mutter Frieda traf mit den Schwestern am Pöscheliplatz ein. Sie brachten drei bis an den Rand mit Beeren gefüllte Milchkübel mit: Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren. Daraus machten sie noch am selben Abend bis tief in die Nacht hinein Konfitüre. Sie seien auf dem Rückweg dem Förster begegnet, berichtete Mutter Frieda, er habe nur knapp gegrüßt. Vater Johann antwortete nicht und arbeitete weiter. Mutter Frieda packte das mitgebrachte Mittagessen aus und kochte über dem Feuer Suppe und Haferbrei.

„Wegen dieser einen Tanne verarmt das Kloster nicht“, sagte Josef zu Paul, als er damit begann, den ausgeasteten Stamm in zwölf Rundkloben zu zersägen. „Das Kloster“, fuhr er fort, „ist der beste Steuerzahler der Gemeinde. Den Zisterzienserinnen gehören vierzig Hektar Wald, fünf Bauernhöfe mit über hundert Kühen, drei Stieren, sechs Pferden, vielen Schafen, Hühnern, Bienen. Im Thurgau haben sie sogar einen Rebberg und lassen einen eigenen Wein produzieren. Auch mit den Telefonstangen verdienen die Nonnen ein Heidengeld. Und wir räumen für sie den Wald, suchen im Unterholz nach Ästen und Reisig und erhalten dafür nicht einen Nonnenfurz.“ Josef warf die Säge auf den Boden und befahl Bruno, seinen Wachposten aufzugeben.

Gegen sechzehn Uhr tranken sie Tee und aßen ein Stück Brot. Es wurde wenig gesprochen. Vater Johann war auf dem Waldboden eingeschlafen. Bernhard bat Mutter Frieda um ein Stück Brot.

Er müsse noch die Tiere füttern.

„Welche?“, fragte Mutter Frieda.

„Meine“, antwortete Bernhard bestimmt und mit ernstem Gesicht.

Mutter Frieda gab ihm ein kleines Stück Brot. Bernhard steckte es in den Mund und kaute.

„Du wolltest doch deine Tiere, die Ameisen, füttern“, sagte Mutter Frieda zu ihm.

Bernhard antwortete nicht und kaute weiter.

„Wie lange lebt eine Ameise?“, wollte Bernhard wissen, nachdem er den Brei hinuntergeschluckt hatte.

„Einen Sommer lang“, antwortete die zehnjährige Schwester.

„Für eine Ameise ist ein Tag ein Jahr“, sagte Bernhard und fügte hinzu, „also dauert ein Ameisenleben beinahe hundert Jahre.“

Die Brüder lachten. Bernhard bemerkte es nicht.

„Es gibt einen Ameisenhimmel“, sagte er.

„In den Himmel kommen die Menschen nur, wenn sie brav sind“, entgegnete Mutter Frieda.

„Die Ameisen haben einen eigenen Gott, den Ameisengott“, antwortete Bernhard und verlangte nach mehr Brot.

Eine Schwester gab ihm ein kleines Stück. Bernhard steckte es in den Mund. Nachdem er wieder lange gekaut und den Brei hinuntergeschluckt hatte, sagte er:

„Jetzt haben die Tiere genügend zum Fressen bekommen.“

„Welche Tiere?“, wollte die älteste Schwester von ihm wissen.

„Die in meinem Bauch leben“, antwortete Bernhard und fuhr gleich weiter, „und in diesen Tieren leben wieder Tiere, kleinere eben, und in diesen wieder Tiere, noch kleinere, und in diesen noch viel, viel kleinere und so weiter und so weiter und so weiter.“

Bernhard hielt einen kurzen Moment inne.
„Vielleicht leben wir Menschen im Bauch eines Riesen und dieser im Bauch eines noch größeren Riesen und dieser in einem eines noch viel, viel, viel größeren Riesen und so weiter und so weiter und so weiter.“

Die Brüder lachten. Mutter Frieda schüttelte den Kopf:

„Was ist nur wieder in diesen Buben gefahren?“

Bernhard lief weg und versteckte sich hinter einer Tanne. Eine Schwester holte ihn zurück.

Es wurde später Abend, bis die drei Brüder alle Rundkloben zum Pöscheliplatz getragen hatten. Als sie den Schwestern lachend erzählten, wo und wie sie die Tanne gefällt und den Förster getäuscht hätten, beschleunigten Vater Johann und Mutter Frieda ihre Schritte.

Bernhard trottete hinter ihnen her.

Josef und seine Brüder beichteten nicht, dass sie eine Tanne im Wald des Klosters gefällt hatten.



Das Käppchen

Die Klosterkirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. In der rechten Seite, vom Altar aus gesehen, die Mädchen und Frauen. In der vordersten Bank die künftigen Erstkommunikantinnen, dann die Schülerinnen und hinter diesen, weiß gekleidet, die Jungfrauenkongregation, junge Frauen, die vorhatten, einmal keusch in die Ehe einzugehen. Danach die verheirateten Frauen, alle in ihren schönsten Sonntagskleidern, und in den hintersten Bänken der dritte Orden, die alten Jungfern. Auf der Männerseite in der vordersten Bank ebenfalls die Erstkommunikanten, dann die Schüler und gleich hinter diesen in dunklen Anzügen die geladenen Gäste: ein Vertreter der Kantonsregierung, die katholischen Gemeindepräsidenten der näheren Umgebung, die Kirchenpräsidenten der umliegenden Gemeinden. Dahinter, auch in dunklen Anzügen, der hiesige Kirchenrat: der Posthalter, der Bäckermeister, der Großbauer und ein Vertreter der Höfe, auch ein Bauer. (Die Klosterkirche war auch das Gotteshaus der Kirchgenossen.) Hinter diesen weltlichen Würdenträgern das männliche Pendant zur Jungfrauenkongregation, die Jungmannschaft, alle in weißen Hemden und mit blauen Krawatten. Dahinter die Ehemänner und in den hintersten Bänken die Junggesellen. Auf der Empore, unsichtbar für die Weltlichen, die zweiundsechzig Zisterzienserinnen des Klosters.
Die Kirche war mit Blumen und Kränzen geschmückt wie während des ganzen Jahres nicht: der Eingang mit Narzissen, der Mittelgang des Kirchenschiffes mit Margeriten, die Altäre mit weißen Tulpen. Abt Beda las das Hochamt, assistiert von Pater Karl, dem Beichtiger der Nonnen, und von Pfarrer Basil, dem Seelsorger der Kirchgenossen, sowie von sechs Ministranten. Zu diesen gehörte auch der zehnjährige Josef, der Drittälteste von Johann und Frieda. Die Klosterfrauen hatten ihre helle Freude an ihm. Keiner könne das Confiteor so schön beten und das Kreuz so würdevoll tragen wie er.
Der Abt kam einmal im Jahr zur Visitation ins Kloster. Keiner der Kirchgenossen wusste genau, was er inspizierte, welche Weisungen er der Mutter Äbtissin gab, ob alle Nonnen bei ihm die Beichte abzulegen hatten, ob er mit ihnen das Essen einnahm oder alleine in seinen Gemächern, ob er Zutritt zur Klausur hatte oder nicht. Und so kursierten immer wieder die wildesten Gerüchte über das Tun und Lassen der Äbte während ihrer Anwesenheit im Kloster. Vor vielen Jahren soll einmal eine Nonne nach der Visitation von Abt Beda aus dem Kloster geflüchtet und in die Nähe des Männerklosters im österreichischen Mehrerau gezogen sein, dem Beda vorstand. Dort sei sie täglich, bis zu ihrem Lebensende, in den Gottesdienst gegangen.

Die Kirchturmuhr schlug zehn Uhr. Abt Beda war noch immer am Predigen. „Das Hochamt“, rechnete Josef aus, wird bis elf dauern.

Er verstand nicht, was Abt Beda den Gläubigen sagen und auf den Weg geben wollte.

Josef schaute ins Kirchenschiff. Der Präsident des Kirchenrates stieß dem Bäckermeister mit dem Ellbogen in die Brust. Dieser hob kurz den Kopf und nickte gleich wieder ein.

Josef schaute zur gegenüberliegenden Wand und bemerkte das Käppchen des Abtes auf dem weißen Samtkissen. Es sah aus wie das Käppchen, das die Sennen im Appenzellerland bei der Alpauffahrt und -abfahrt trugen, nur dass es purpurrot und nicht gelb war.

Die Kommunion dauerte über eine halbe Stunde. Alle wollten aus den Händen von Abt Beda die Hostie empfangen.

Der Chor der Nonnen sang das Schlusslied.

Als Abt Beda den Segen gesprochen hatte, gab Pfarrer Basil den Ministranten das vereinbarte Zeichen. Josef erhob sich von den Knien, ging mit gefalteten Händen zum Stuhl, wo das weiße Samtkissen mit dem Käppchen des Abtes lag. Er fuhr langsam mit den Armen unter das Kissen, hob es sorgsam auf und schritt langsam und aufrecht Abt Beda entgegen. Als er etwa einen Meter vor ihm entfernt war, griff er mit der rechten Hand nach dem Käppchen, setzte es auf den eigenen Kopf, verbeugte sich so tief vor Hochwürden, dass es auf den Boden fiel. Ein Raunen ging durch die Kirche. Von der Frauenseite waren Schreie zu hören. Pfarrer Basil schüttelte den Kopf. Pater Karl stand wie versteinert da. Abt Beda beugte sich, hob das Käppchen auf und setzte es auf seinen Kopf und sprach den Segen. Die Kirchturmuhr schlug elf. Josef bemerkte, dass er am ganzen Körper zitterte.

Kaum hatten Abt Beda und sein Gefolge die Sakristei betreten, kam Schwester Theresa in raschen Schritten auf Josef zu, riss ihn an den Ohren und ohrfeigte ihn mehrmals. Beim Weggehen drehte sie sich nochmals zu ihm um: „Josef, du brauchst nicht mehr zu kommen. Das war dein letzter Gottesdienst als Ministrant.“ Schwester Antonia, die zweite Sakristarin, rannte, das Kissen mit dem Käppchen tragend, hin und her: „Es muss neu eingesegnet werden, es muss neu eingesegnet werden.“ Abt Beda stand in einer Ecke, zog das weiße Messgewand aus, ohne ein Wort zu sagen.

Auf Umwegen ging Josef nach Hause: durch den dichten Wald, das tiefe Tobel, über den Altenberg, wo er sich ins Gras legte und nach Wolfenswil hinunterschaute.

Er wischte sich Tränen ab.

„Wenn ich einen Bach gestaut und darin Fische und Frösche gefangen hätte und deswegen die Polizei ins Haus käme, dann würde Vater Johann ihn in Schutz nehmen und den Polizisten wegschicken, wie er es kürzlich getan hatte, als sie zu dritt auf dem Velo nach Tegerschen gefahren waren. Aber für das, was ich heute Morgen angestellt habe, wird er kein Pardon kennen.“

Als Josef zu Hause ankam, nahm Vater Johann den Küchenbesen in die Hand, nahm ihn über ein Knie und schlug mit voller Kraft auf den Hintern ein. „Ich sterbe“, schrie Josef, „ich sterbe ja.“ Vater Johann warf den Besen weg und ging aus dem Haus. Ob er Schmerzen habe, fragte Mutter Frieda Josef. Nein, nein, antwortete er, es sei nur ein bisschen heiß geworden.

Josef blieb Ministrant. Abt Beda soll bei der Mutter Äbtissin ein gutes Wort für ihn eingelegt haben.

Der heute über achtzigjährige Josef besucht hin und wieder das Hochamt am Sonntagmorgen in der großen Kathedrale in der dreißig Kilometer entfernten Stadt. An den Gott der Bibel glaube er nicht, wohl aber an eine höhere Macht, eine unfassbare Gottheit.



Die Bomber

Fünf Kinder hat Frieda vor dem Krieg, drei während und vier nach dem Krieg geboren – alle im gleichen Bett. Vater Johann war als Gehilfe der Hebamme immer dabei. Er kochte heißes Wasser, räumte nach der Geburt des Kindes auf und spülte Blut und Mutterkuchen die Toilette hinunter. Ein Arzt kam nur, wenn er zum Schneiden und Nähen gebraucht wurde.
Als Kind lag Frieda häufig mit Fieber im Bett. Ihre Mutter sei überzeugt gewesen, sie würde das zwanzigste Lebensjahr nicht erreichen. Niemand hätte ihr zugetraut, dass sie einmal ein Dutzend Kinder gebären würde. Als sie vierzehn Jahre alt war, starb ihr Vater. Frieda wurde aus der Schule genommen und in die Textilfabrik geschickt. Für ein Paar Schuhe arbeitete sie drei Wochen, für einen besseren Wintermantel drei Monate, für ein Pfund Brot einen halben Tag.

Frieda wäre gerne Krankenschwester geworden.

Sie blieb bis zur Heirat in der Textilfabrik. In ihrem Abschlusszeugnis, das sie bis zu ihrem Tod in der kleinen Schublade des Stubenbuffets aufbewahrte, wird sie als allseits beliebte und geschätzte, fleißige und zuverlässige Mitarbeiterin beschrieben.
In der Kantine wärmte Frieda täglich das Mittagessen auf, das sie am Morgen zu Hause zubereitet hatte. An einem Maitag, Frieda hatte sich eben an den langen Tisch gesetzt, trat ein junger, hübscher Mann ein, nahm ihr gegenüber Platz und lächelte sie an.

Es war Johann.

Während des Krieges leistete Vater Johann über tausend Tage Aktivdienst. Er erhielt einen bescheidenen Sold und wenig Entschädigung für den Lohnausfall. Mutter Frieda verdiente mit Heimarbeit und Servieren im Löwen und in der Sonne etwas dazu. Zusammen mit den Kindern beackerte sie eine kleine Wiese, die der Familie von der Gemeinde zur Verfügung gestellt worden war. Sie pflanzten Kartoffeln, Mais, Stangenbohnen, Erbsen, Zuckererbsen, Rüben, weiße und blaue Kohlrabi, Weißkohl, Lauch, Zwiebeln, Schnittlauch, Kopfsalat, Endivie und Beeren an. Obst bekamen sie für wenig Geld von Verwandten, die einen großen Bauernhof betrieben. Im Dorfladen kauften sie Mehl, Reis, Hafer, Öl, Essig. Da die Rationierungskarten für Brot und Milch den Bedarf für die Kinder nicht abdeckten, betrieb Frieda einen Tauschhandel mit zwei Ehepaaren ohne Kinder aus dem großen Nachbardorf. Sie gab ihnen die Fleisch- und Buttermarken und erhielt dafür Milch- und Brotmarken. Nein – Hunger mussten sie keinen leiden.

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