Geschichte & Biografie

Die Damen werden gebeten im Stehen zu pinkeln

Wolfgang Friedrich Frank

Die Damen werden gebeten im Stehen zu pinkeln

Ein Essay über die Gründe der zunehmenden Verrohung der Sitten in den Latrinen und den Beziehungsgeflechten unserer Gesellschaft

Leseprobe:

Die Typologie

1) Die Urologen
2) Die Schuhfetischisten
3) Die Grünzeug-Fanatiker
4) Die Heilsbringer
5) Die Geizhälse
6) Die Gierigen
7) Die Hochprozentigen
8) Die Nichtraucherdiktatoren
9) Die Sexisten
10) Die Anhänger von Pomp-Duck & Circumstances
11) Die Beziehungsakrobaten
12) Die Wichtigtuer/Innen (Kleines Zugeständnis an Feministinnen)
13) Die Neidhammel
14) Die Künstlichen
15) Das Fazit

Wie man auf so etwas kommt? Für einen professionellen Konfliktschlichter, Scheidungsmanager, Beziehungs- und Paartherapeuten mit psychotherapeutischer, sowie einer Ausbildung zum Mediator (FH-Koblenz, bei Familienrichter Arthur Trossen, zum Mediator i. M. FH), der seit fünfzehn Jahren eine eigene psychologische Mediationspraxis betreibt und als psychologischer Berater in der Kinderkardiologie des Universitätsklinikums Heidelberg tätig war, eigentlich nichts Ungewöhnliches.

Der Anlass war es allerdings!


1) Die Urologen

Vor einiger Zeit waren wir bei ganz normalen, im Grunde überwiegend netten, bajuwarischen Menschen zum Brunch eingeladen. Nach Weißwurst und etlichen Bieren kam es, wie es kommen musste – man muss mal.
In der Toilette angekommen, verrichtete ich mein Bedürfnis im Stehen, wie ich es von klein auf gewohnt bin – ich ziele auch ziemlich gut!
Dabei fiel mir ein Spruchband über dem Spülkasten auf, das ich aber leider nicht entziffern konnte, weil es in irgendeiner asiatischen Schrift gehalten war. Um ein Haar vergaß ich zu zielen, weil mir das allzu interessant erschien.
Bei nächster Gelegenheit fragte ich die Gastgeber, was das dort Geschriebene denn zu bedeuten habe. Ich hatte schon eine gewisse Ahnung, es bei diesen sonst so plakativ weltoffenen, hypertoleranten Leuten aber eigentlich nicht für möglich gehalten.
Tatsache, das Ding war in mongolischer Schrift gehalten und bedeutete, dass hier gefälligst im Sitzen zu pinkeln sei: Männchen, Weibchen oder Elefant – einfach jeder!
Mein Einwand, das könnte kontraproduktiv sein, weil die Männchen vor lauter Lesen das Zielen vergessen würden, wurde immerhin mit Gelächter quittiert – ob es da etwas zu lachen gibt?
Das kann ich inzwischen nur noch bedingt finden.
Diese, von radikalem Feminismus geprägte Untugend, nimmt allenthalben immer mehr zu.
Ich sehe vor meinem geistigen Auge die mit der Sprühflasche bewaffneten Sagrotankriegerinnen, die jedem noch so unscheinbaren Keim den Kampf angesagt haben, um ihm den Garaus zu machen. Dass wir Bakterien zum Leben brauchen und in früheren Zeiten ganz gut und hysteriefrei damit leben konnten, hat sich bis in diese Kreise leider noch nicht herumgesprochen – vielleicht fehlt es vielen auch nur am nötigen Intellekt.
Jedenfalls sind ihre umgluckten Zöglinge in Folge dessen ständig krank. Sie brauchen nur im Fernsehen eine Petrischale zu sehen und schon haben sie die übelste Infektion am Hals.
Der Ehemann, auch heute noch häufig Ernährer der Sippe, kommt nach einem dieser Arbeitstage heim, muss mal, und wird bei der Heimkehr erst mal ultimativ aufgefordert, sich beim Pinkeln gefälligst hinzusetzen. Er wird das nur ungern tun und sich bestenfalls brummelnd fügen, um den Haussegen nicht zu gefährden. Falls er den Widerstand gegen diese, für Männer widernatürliche Art des Wasserlassens, nicht schon lange aufgegeben und resigniert hat.
Schließlich müsse sie die Sauerei ja wegputzen – keift dann die Dame des Hauses.
Das Angebot, die Toilette selber nach jedem Klobesuch zu reinigen, kann er sich gleich verkneifen. Nie und nimmer würde er die Standards einer hysterischen Sauberkeitsfanatikerin erfüllen können. Zudem sähe sie sich dann in ihrer Autorität gefährdet, weil Sauberkeit im Haus ihre Domäne ist – weil sie sonst keine hat, vielleicht?
Kein Vertreter des „starken Geschlechts“ kann es nachvollziehen, wieso jetzt gerade wieder Zeit ist, das Unterste nach oben zu kehren. Vom Boden kann notfalls gegessen werden, aber wer will das schon, alles ist aus seiner Sicht blitzsauber.
Trotzdem behauptet die Dame des Hauses, wider allem Anschein, hier sähe es aus wie Sau.
Die Putzorgien finden natürlich nicht während der Zeiten statt, in denen das Haus wie leer gefegt ist und es keinen stören würde. Die Kinder in der Schule, der Gatte bei der Arbeit. Wo käme man denn da hin, wenn keiner die aufopferungsvollen Einsätze der Ehefrau und Mutter im Dienste der Gesundheit und des Ansehens der Familie mitbekommen würde?
Folgerichtig finden die großen, lärmigen Staubsaugermanöver denn auch just zu der Zeit statt, wo der Gatte via Fernsehnachrichten etwas vom Weltgeschehen erfahren will. Natürlich nicht ohne den strengen Hinweis der Gattin, die Kiste gefälligst nicht so laut zu stellen – man verstehe ja sein eigenes Wort nicht mehr!
Die Kinder werden nach einer neunstündigen Tortur in der Schule ebenfalls umgehend in die Notwendigkeiten der Hygiene unterwiesen und zu Frondiensten gezwungen – die müssen das ja lernen!
Der „Herr des Hauses“ sollte sich sehr hüten, nachzufragen, wieso das eigentlich nicht während der Zeiten gemacht wird, wo’s keinen stört? Im Extremfall droht die Scheidung!
Schließlich hat die Dame noch anderes zu tun:
Sie muss ihre Attraktivität erhalten, die Konkurrenz schläft schließlich nicht. Da wollen die Nägel gepinselt und die Haut gepeelt und die Frisur gestylt werden und die Shopping-Malls sind abends und am Wochenende auch nicht ewig offen.
Also muss das vor Publikum erledigt werden, das bei der Desinfektion dann nützlicherweise auch hilfreich zur Hand gehen kann.
Das läuft unter dem Hauptmotto: „Was sollen denn die anderen Leute denken, wenn es hier nicht klinisch rein ist?“
Womit wir wieder beim Thema wären. Die gesellige Unsitte, Leute einzuladen, nur um ihnen dann explizit vorschreiben zu können, wie urologische Probleme anzugehen wären, greift leider epidemieartig um sich.
Manchmal hat man wirklich den Eindruck, dass Einladungen nur dazu da sind, den Eingeladenen präzise vorzuschreiben, wie sie sich in den „Heiligen Hallen“ der Gastgeber zu benehmen haben:
Ich habe selbst erlebt, wie eine, eigentlich sehr sympathische Kollegin, beim Abendessen, zu dem sie uns eingeladen hatte, mit Besen und Kehrschaufel während des Essens jedem Krümel, der zu Boden fiel, hinterhergejagt ist – das hatte schon was Pathologisches – und hat die Gemütlichkeit des Abends natürlich ins Unermessliche gesteigert.
Bei den folgenden Einladungen ihrerseits hatte ich natürlich plötzlich immer sehr viel zu tun und konnte leider nicht teilnehmen.


2) Die Schuhfetischisten

Ein besonders beliebtes Spielchen ist es, erwachsene Menschen zu nötigen, im Flur vor der Türe die Schuhe auszuziehen, was dann von außen regelmäßig so aussieht, als hätten sich radikale Islamisten zur Verschwörung getroffen. Fehlt eigentlich nur die obligatorische Fußwaschanlage der Moscheen und ein Regal für die Treter, wobei Letzteres schon mal vorhanden sein kann, was freundlicherweise das Treppenhaus ebenso verschandelt wie verstellt und die Mitbewohner zu Balanceakten nötigt, wenn sie mit ihren Utensilien daran vorbei müssen.
Dazu werden den Gästen idealerweise auch noch irgendwelche, möglichst noch selber genähten Schlappen aufgenötigt. Darin hat man in der Regel dann saukalte Füße. Weil der „Gastgeber“ zwar dem Ausziehwahn frönt, sich aber eine Fußbodenheizung nicht leisten konnte – oder wollte.
Außerdem lässt es sich lebhaft vorstellen, wie viele Generationen Fuß- und Nagelpilz in den Untiefen der Pantoffel auf zu infizierende Füße lauern.
Nicht nur bei Schmuddelwetter, etwa im Winter, wo sich wenigstens der Sinn der Übung noch erahnen ließe. Nein, auch bei trockener Straße, bei – vor allem im Schwabenland – saubersten Gehwegen und strahlendem Sonnenschein ist es unumgänglich, sich seines Schuhwerks zu entledigen, um den sauteuren Boden ja nicht etwa zu kontaminieren, oder gar zu beschädigen – mit dem will man ja schließlich noch länger angeben.
Man ahnt schon, dass es sinnlos sein würde, aber man müsste den Eifernden trotzdem einmal erklären, dass das Ausziehen der Schuhe im hintersten Anatolien – wo diese Sitte herkommt – durchaus ihren Sinn hat. Dort bestehen die Straßen aus staubigen Pisten, Gehwege gibt es kaum.
Wenn es regnet, verwandeln sich die Straßen in ein Schlammbad, gut durchmischt mit Eselsdung und Ähnlichem. Dass man diesen Dreck nicht im Haus haben will, ist gut nachvollziehbar. Wer das nicht von selbst kapiert – ohne Anleitung im Imperativ – müsste schon hirntot sein.
Allerdings könnten wir in Sachen Gastfreundschaft von diesen braven Leuten in Anatolien möglicherweise noch einiges lernen. Wir reden hierzulande nämlich von den – qua Gesetz – saubersten Straßen und Gehwegen, die weltweit zu finden sein dürften.
Wo also liegt der Grund, dass man meint, Gäste einladen zu müssen, nur um ihnen dann explizit vorzuschreiben, wie sie sich von Anfang bis Ende der Visite zu benehmen haben? Könnte es daran liegen, dass die Gelegenheit dazu genutzt wird, endlich mal den anderen etwas vorschreiben zu können? Wenn man die ganze Woche Anweisungen des Chefs, der Kollegen, des Vermieters etc. zu befolgen hat, könnte es eine Wohltat für’s gepeinigte Ego sein, den Verwandten, Freunden und Bekannten mal zu zeigen, wer hier ultimativ das Sagen hat.
Ich habe keine Vorfahren, die nachweislich aus Gegenden stammen, wo die Gastfreundschaft ein besonders hohes Gut ist. Trotzdem ist mir klar, dass ich Einladungen immer an Individuen ausspreche, die nicht unbedingt meine Marotten pflegen, oder auch nur gut heißen würden.
Aber ich halte es für sehr lehrreich, auch mal Leute mit anderen Ansichten einzuladen und diese dann auch zu tolerieren – manchmal auch zähneknirschend – um nicht restlos im Sumpf der persönlichen Eitelkeiten und Eigenheiten zu versinken.
Das galt wohl schon für Voltaire, der immer illustre Gesprächszirkel veranstaltete. Unter den Teilnehmern waren naturgemäß auch einige, die dem Gastgeber gehörig auf die Nerven gingen und deren Argumente so gar nicht zu seinen Ansichten passen wollten.
Er quittierte diese Meinungsverschiedenheiten mit der Aussage:
„Mein Freund, ich bin durchaus nicht deiner Meinung. Aber ich werde notfalls mit meinem Leben dafür einstehen, dass du sie immer und überall äußern kannst.“
Dazu brauchte man in diesen Zeiten, als die Scheiterhaufen noch brannten, durchaus eine gehörige Portion Mut. Wie viel leichter könnte es uns heute fallen, ohne Gefahr für Leib und Leben, etwas mehr Toleranz zu zeigen? Bei uns zu Hause gilt:
Nein, man muss die Schuhe nicht ausziehen, auch bei Schmuddelwetter nicht. Man darf natürlich schon, wenn sich die persönliche Marotte als stärker erweisen sollte. Aber dann bitte nicht maulen, wenn’s kalt wird – keine Fußbodenheizung. Rauchen darf jeder was, wo und so viel er will und zu brauchen meint. Ausnahme:
Während des Essens, sonst verhagelt es den Gourmets, aus in diesem Fall auch für mich nachvollziehbaren Gründen, den Appetit (mehr dazu im Kapitel „Nichtraucherdiktatoren“). Vegetarier, deren Population sich in letzter Zeit epidemisch auszudehnen scheint, müssen kein Fleisch essen, für irgendwelches Grünfutter ist immer gesorgt. Die Beutegreifer unter den Besuchern bekommen selbstverständlich Fleisch, so viel sie wollen und essen können. Auch dann, wenn die Vegetarier vor sich hin würgen, weil sie mit diesen Aasfressern am Tisch sitzen müssen. Für Abhilfe wurde gesorgt:
Unser Wohn-Esszimmer ist zum Glück groß genug, um zwei Tische aufzustellen. So können die Weidetiere den Beutegreifern ausweichen – in der Natur hat sich das bestens bewährt.


3) Die Grünzeug-Fanatiker

Überhaupt, diese Vegetarier!
Ich bin der Letzte, der meint, massenweise Tierisches auftischen zu müssen. Ich kaufe ein Mal im Jahr, im Dezember, ein Rinderviertel Black-Angus, nur auf der Weide mit Unterstand gewesen, kein Stall, kein Kraftfutter, und beim Bauern um die Ecke persönlich. Ja, das muss man sich leisten können. Das kostet mich ganze 9 Euro pro Kilo, vom Siedfleisch bis zur Lende ist alles dabei, die Qualität ist erstklassig. Schmeckt wie früher, als man noch nicht beim Discounter „heimischen Wasserbüffel“ angedreht bekam, mit dem Wasserschlauch in Kurzzeitmast so aufgebläht, dass das Steak in der Pfanne zur Miniatur schrumpft.
Ein Braten mit ca. 750 Gramm reicht uns dreien für zwei Mahlzeiten, außerdem gibt es längst nicht jeden Tag Fleisch.
Auch ich finde die Auswüchse der Massentierhaltung skandalös, bis teilweise ekelhaft, und verstehe Menschen nicht, die das mit Antibiotika und teils noch Schlimmerem verseuchte Zeug täglich in rauen Mengen in sich hineinstopfen – man ahnt, dass das nicht gut sein kann.
Das berechtigt aber niemanden dazu, das Gegenteil zu ideologisieren und arroganterweise die „Fleischfresser“ verächtlich zu machen.
Könnte ja durchaus sein, dass es sich eben nicht jeder leisten kann, bio-ökologisch wertvoll einzukaufen. Gäbe es sonst dermaßen viele Discounter? Alle rennen hin, aber kaum einer steht dazu. Das billige Zeug, das man dort erstehen kann, wird auf Kosten von Menschen, die sich dagegen nicht wehren können, erzeugt, und andere Menschen, die sklavenartig gehalten werden, müssen es dann für einen Hungerlohn verhökern.
Einzig und allein zu dem Zweck, ein paar mutmaßlich unglückliche Gierhälse, die schon gar nicht mehr wissen wohin mit dem ganzen Zaster, noch reicher zu machen, als sie es ohnehin schon sind – wie pervers ist das denn? Diese Herrschaften sind für mich der beste Beweis, dass man nicht klug sein muss, um reich zu werden – nur skrupellos.
Man wird davon wohl auch nicht glücklich, diese Miesepeter sehen jedenfalls nicht danach aus.
Eine alte Volksweisheit will wissen: Jeder unverschämt Reiche ist entweder ein Gauner oder zumindest der Sohn oder die Tochter eines Gauners.
Mit normalen Kräften und einem Restbestand an ethischen Grundsätzen im Leib ist es schlicht unmöglich, aus eigenem Verdienst solche Reichtümer anzuhäufen.
Es sei denn, man ist zur rechten Zeit an der richtigen Stelle:
Man bekommt einen Exklusivauftrag von IBM und besorgt sich auf kartellrechtlich fast kriminelle Weise ein Monopol, das es der ganzen Computerwelt unmöglich macht, etwas anderes einzusetzen. Dazu muss man aber viel Dusel und wenig, bis keine Skrupel haben, und sieht dann zur Strafe mit über fünfzig Jahren noch so aus wie ein Pennäler, der die Hosen voll hat.
Immerhin betätigt man sich in den USA karitativ, womöglich wegen schlechten Gewissens.
Es ist schon ein ungeheurer Verzicht, von den ergaunerten Milliarden die Hälfte in Stiftungen einzubringen. Wovon soll der arme Mann denn nun leben? (Fortsetzung unter „Die Gierigen“)
Aldi und Konsorten kommen uns jedenfalls nicht ins Haus, wer bin ich denn, so blöd zu sein, bei Milliardären einzukaufen? Da haben die Vegetarier, ausnahmsweise, unbedingt recht. Man sollte nur Lebensmittel zu sich nehmen, von denen man mindestens erahnen kann, woher sie stammen und dass sie einigermaßen korrekt erzeugt wurden.
Komischerweise haben diejenigen, die bei Aldi, Lidl und Konsorten kaufen müssen, weil sie angeblich kein Geld haben, immer die neuesten Flatscreens, Smartphones und ähnliches nutzloses, teures Zeug – dafür reicht das Geld eigentlich immer. Die lassen sich von der Werbemaschinerie zuballern, bis ihnen das Hören und das Sehen vergeht:
„Aber die wollen doch nur unser Bestes.“ „Stimmt schon – unser Geld.“
Für reelle Nahrungsmittel – womöglich auch noch selbst kochen (!) – ist aber jeder Cent zu viel.
Es ist erschreckend, dass wir Deutschen einmal bis zu 40 % unseres Einkommens für Nahrung ausgaben, heute sind es nur noch etwa lächerliche 11 %. Dafür werden wir von den Franzosen gehörig belächelt. Die fahren lieber eine alte Kiste, gehen aber dafür vom Feinsten essen.
In Frankreich zelebriert man gutes Essen, fast wie die Gläubigen die Eucharistie in der Messe.
Übrigens, liebe Vegetarier, die futtern alles, was kreucht und fleucht – igitt!
Immerhin ist es nicht so schlimm wie bei den Chinesen, von denen Prinz Philipp einmal behauptete: „Wenn es Beine hat und kein Tisch oder Stuhl ist, werden sie es essen.“
Die Kochkünstler sind gefeierte Stars und damit in der Lage, wagenradgroße Teller mit viel Schnickschnack recht übersichtlich zu garnieren und zu stolzen Preisen dem geneigten Gourmet unterzujubeln. Ja, auch das muss man mögen und goutieren. Mir ist da die Slow-Food-Bewegung wesentlich sympathischer, die vor allem gute, regionale Produkte bevorzugt und die Entschleunigung des Lebens, vor allem bei den Mahlzeiten, propagiert.
Unbedingt neu ist das aber auch keineswegs. Der Küchenpapst der Franzosen, Paul Bocuse, hat immer darauf bestanden, dass seine Küche sich nicht an überkandideltem Chichi, sondern sich eher an der bodenständigen Küche seiner Oma orientiert. Na gut, zwischendurch hat er den Pomp-Ducks mal einen Gefallen getan und ihre Extravaganzen bedient, inzwischen ist er aber geläutert – wie man hört. Die heutigen „Feinschmecker“ mit zu viel Kohle essen ganz andere Sachen, von wegen Molekularküche, die ein Katalane erfunden hat und Gerichte zelebriert, die aus einer Küche kommen, die wie ein Chemielabor aussieht. Auch die Produkte erinnern an Resultate von Versuchen aus dem Chemielabor eines Gymnasiums. Das hält den geneigten Gourmet aber keinesfalls davon ab, davon so reichlich Gebrauch zu machen, dass die Bude des Katalanen schon Jahre im Voraus ausgebucht ist.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 200
ISBN: 978-3-95840-202-7
Erscheinungsdatum: 17.01.2017
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
EUR 15,90
EUR 9,99

Krampus & Nikolo