Deutschtum

Deutschtum

Gerd Wange


EUR 21,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 422
ISBN: 978-3-99131-563-6
Erscheinungsdatum: 01.09.2022
Ein ebenso komplexer wie differenzierter Abriss der deutschen Geschichte; kritisch, sehr gut recherchiert und wissenschaftlich fundiert, inklusive zahlreicher Zitate namhafter Autor(inn)en und Publikationen. Informativ, wissenswert und aufklärend.
„Das 20. Jahrhundert hat uns in extreme
Lagen menschlicher Existenz geführt.“

Richard von Weizsäcker
1984–1994 Bundespräsident der
Bundesrepublik Deutschland

„Was die jetzige Regierung als nationale Gesinnung vorschreibt, ist nicht mein Deutschtum. Die Zentralisierung, den Zwang, die brutalen Methoden, die Diffamierung Andersdenkender, das prahlerische Selbstlob halte ich für undeutsch und unheilvoll.“

Die deutsche Schriftstellerin, Philosophin und Historikerin Ricarda Huch im April 1933 an die Preußische Akademie der Künste


„Wie weit haben sich die Deutschen von ihrer Geschichte entfernt? Das Wort Vaterland geht heute niemandem mehr über die Lippen.
Nicht nur, weil es während der Nazizeit pervertiert und mit Blut befleckt wurde, sondern auch, weil es einer Welt zugeordnet ist, die für uns nicht mehr existiert.“

Marion Gräfin Dönhoff
Publizistin

„Man kann Deutschland nur mit
gebrochenem Herzen lieben.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
zum 75. Jahrestag des Kriegsendes


Vorrede

Manchem Leser werden die im vorliegenden Buch gemachten Ausführungen über die beiden menschenverachtenden Weltkriege und ihre Folgen zweifelsfrei zu sehr ins Detail gehen. Doch das hat seine Bewandtnis. Bei meinen sich über viele Jahre hinziehenden Recherchen musste ich feststellen, dass die Mehrheit der Deutschen in Gesprächen auf das Thema „Drittes Reich“, Judenverfolgung und Nachkriegschaos nicht selten mit Überdruss und Unbehagen reagierte – insbesondere in Bezug auf die unerschöpflichen Berichterstattungen in den Massenmedien. Nirgends zeigte sich dies deutlicher als im Umgang und in der Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Dieser geriet zuweilen in scharfem Gegensatz zu den Erinnerungen der Eltern und Großeltern, die von der Angst im Bombenkeller erzählten, während sie die jüdischen Nachbarn, die plötzlich verschwunden waren, allenfalls beiläufig erwähnten. Täter- und Opfergeschichte standen unerträglich unverbunden nebeneinander.
Was die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts betrifft, zeigen zahlreiche Studien ein bedenkliches Wissensdefizit unter den Angehörigen der Nachkriegsgenerationen, also unter den Kindern, Enkeln und Urenkeln. Dies gilt insbesondere für die neuen Bundesländer, was eingedenk des offensiv vertretenen Antifaschismus – ein zentraler Aspekt des ideologisch-politischen Legimitationssystems des DDR-Regimes – erstaunlich ist. Nach ihren Ergebnissen kann ein Fünftel der Jugendlichen im Alter von 14–17 Jahren mit dem Begriff „Auschwitz“ oder „Treblinka“ – Inbegriff für die Ermordung europäischer Juden – nichts mehr anfangen. Nach über 75 Jahren der Befreiung der Insassen aus den Konzentrationslagern wollen unzählige Menschen nichts mehr von der beschämenden Vergangenheit hören. Die Wahrheit über den Holocaust ist ein Statement gegen jene, die bis heute die Vernichtung des europäischen Judentums verdrängen, relativieren oder gar leugnen. Heute brennen wieder israelische Flaggen, Gedenksteine an den Holocaust und Grabsteine auf jüdischen Friedhöfen werden geschändet und auf vielen Schulhöfen ist „Jude“ als Schimpfwort gegenwärtig. „Nichts gehört der Vergangenheit an, alles ist noch Gegenwart und kann wieder Zukunft werden“ (Fritz Bauer, 1903–1968, ehem. hessischer Generalstaatsanwalt und Streiter für die Demokratie).
Ein Großteil der jungen Leute weiß bedauerlicherweise wenig über historische Hintergründe. Einer Studie zufolge können viele nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden – und haben auch sonst ein mäßiges Wissen über die politischen und historischen Ereignisse in Deutschland. Jahrzehntelang gaben die Generationen, die Krieg und Judenverfolgung erlebt und erlitten hatten, wenn auch erst spät, ihre Erlebnisse weiter – in den Familien, in biografischen Berichten, als Zeitzeugen in den Medien. Doch tritt dieser Bezug zu den Menschheitskatastrophen im 20. Jahrhundert immer mehr in den Hintergrund. Für die nachgeborenen Generationen wird es immer schwieriger, authentische Stimmen aus dieser Zeit zu finden. Schließlich sind die Großeltern heutiger Teenager schon „Nachkriegskinder“.
Geschichte – für manch einen ist das eine mehr oder weniger trockene Angelegenheit, eine Anhäufung von Namen und Daten, die man in der Schule gelernt und danach schnell wieder vergessen hat. Dass Geschichte eben nicht nur aus leblosen Jahreszahlen und nüchternen Fakten besteht, dass Geschichte lebendig wird, wenn man sie erzählt, dass sie immer und in erster Linie die Geschichte von Menschen ist, dass Geschichte einmal Leben war mit allem, was dazugehört, mit Hoffnungen und Ängsten, mit Leidenschaft und Träumen, Krankheiten und menschlichem Elend, dass Geschichte einmal Alltag war und die ganz persönliche Erfahrung einer namenlosen Zahl von Frauen, Männern und Kindern, all dies soll in diesem Buch zur Sprache kommen.
Das 20. Jahrhundert hat die Menschheit nach vorn katapultiert wie kein Jahrhundert zuvor. Doch Fortschritt und Konkurrenzstreben zeigen auch ihre dunkle Seite. Keine Generation wurde so gebeutelt wie die um die Jahrhundertwende geborene. Der Gang der deutschen Geschichte ließ ihnen erst spät Zeit zum Aufatmen: Erster Weltkrieg, Inflation, Weltwirtschaftskrise, NS-Zeit, Zweiter Weltkrieg, Nachkriegszeit, Währungsreform, Wiederaufbau. Ereignisse, die in vielen Familien tiefe Spuren hinterlassen haben. Nach der Barbarei zweier Weltkriege entwickelte der Mensch erstmals globale Instrumente, die stärker als jemals zuvor dabei helfen sollten, Kriege zu verhindern und Frieden zu sichern – wie die Gründung der Vereinten Nationen und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Bedauerlicherweise sind bis heute nur wenige Erwartungen erfüllt worden.
Der heute eher selten benutzte Begriff „Deutschtum“ steht für die Wesensart des deutschen Volkstums, das Sein und den Charakter der Deutschen sowie als Bezeichnung für die unvergleichlichen Eigenarten, die sich neben der gemeinsamen Sprache durch das Zusammenwirken physischer, geografischer und geschichtlicher Ursachen herausgebildet haben. Es bezieht sich auf die ganze geistige und materielle deutsche Kultur, schließt alle Angehörigen deutscher Zunge ein, die innerhalb Deutschlands, Österreichs und des größten Teils der Schweiz leben, sowie diejenigen, die über das übrige Europa und die ganze Welt verbreitet sind. Volksdeutsche war in der Zeit des Nationalsozialismus eine Bezeichnung für außerhalb des Deutschen Reichs in den Grenzen von 1937 und Österreichs lebende Personen deutscher Volkszugehörigkeit, vor allem in Ost- und Südeuropa. Davor war es üblich, sie als „Auslandsdeutsche“ zu bezeichnen.
Deutschtum, Anfang des 19. Jahrhunderts zuerst ironisch gebraucht, ersetzte das ältere Deutschheit. Für die Vertreter des „Alldeutschen Verbands“ bedeutete „alldeutsch“, dass seine Mitglieder deutscher als die Deutschen sein sollten, also eben sehr deutsch. Man musste also eine besondere nationale Gesinnung aufweisen, um als „Alldeutscher“ Anerkennung zu finden. „Alldeutsch“ war quasi eine Steigerungsform von „deutsch“. Viele Mitglieder dieses Verbandes stammten aus dem Bildungsbürgertum, waren Lehrer und Professoren und hatten damit auch großen Einfluss auf die Jugend. Für diese galt das Deutschtum und das „deutsche Wesen“ als Vorbild für alle, und das Schlimmste an diesem Denken war das Überlegenheitsgefühl gegenüber allem, was sie selbst als „nicht deutsch“ betrachteten. Die „Alldeutschen“ wollten das Deutschtum fördern und gegen die Minderheiten im Deutschen Reich – vor allem gegen die Polen, die in Westpreußen und Oberschlesien lebten, sowie die Franzosen im Elsass – vorgehen. Der Alldeutsche Verband wurde im Laufe der Zeit immer radikaler. Selbst die national eingestellte Politik Wilhelms II. reichte dem Verband noch nicht aus und man stellte sich sogar gegen Kaiser und die Reichsleitung. Der Glaube an das Recht des Stärkeren prägte das Denken des Verbandes. Der Wunsch nach „Lebensraum im Osten“ und der Ausbreitung der Deutschen Richtung Osten war eines der wesentlichen Ziele. Zu den prominenten Gründungsmitgliedern des Verbands zählte der Unternehmer Alfred Hugenberg, der während der Weimarer Republik die rechten Parteien unterstützte und später zum Wegbereiter des Nationalsozialismus wurde. Der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches, Graf Otto von Bismarck, war sogar Ehrenmitglied im Alldeutschen Verband. Durch ihre mutmaßliche Dominanz taten sich nicht selten einige Mitglieder durch markige Sprüche hervor, die später oftmals von den Nationalsozialisten kopiert wurden. Im Jahre 1935 gründete der SS-Reichsführer Heinrich Himmler die Forschungsgemeinschaft Ahnenerbe e. V. als Studiengesellschaft für deutsche Geistesurgeschichte. Im Vordergrund standen archäologische, anthropologische und geschichtliche Forschungen. Hingegen beteiligte sich das Ahnenerbe während der Nazizeit am systematischen Kunstraub und führte verbrecherische und grausame Menschenversuche durch.
Dieses Buch beschränkt sich explizit auf das Deutschtum oder Deutschsein im 20. Jahrhundert, weil in diesen zehn Dekaden der Werdegang Deutschlands insbesondere von Geschehnissen geprägt wurde, zu denen es bis dahin keine Parallelen gab. Das Jahrhundert war geformt von aggressivem Nationalismus, kriegerischen Auseinandersetzungen, der Hölle zweier Weltkriege und damit einhergehend tiefgreifenden Veränderungen, ethnischen Auseinandersetzungen und Gebietsstreitigkeiten, Klassen- und Generationskonflikten, Entwicklungslinien der Politik, Wirtschaft sowie Kultur und Gesellschaft. Dabei dürfen wir Deutsche nicht vergessen, dass die Geschichte unserer Nachbarvölker (kein zweites Land in Europa grenzt an so viele Nachbarstaaten) und ihre Kultur eng mit der unseren verbunden ist und dass zum Teil eine leidvolle und blutige Verknüpfung besteht, die uns Deutsche mehr zum Dialog verpflichtet als andere Völker.
Jedes Jahrzehnt brachte bahnbrechende Veränderungen mit sich sowie technische Errungenschaften, aber auch sozialen und politischen Wandel. Wo wären wir heute, wenn viele in den Sechziger- und Siebzigerjahren nicht für Frauenrechte, Umwelt und Frieden auf die Straße gegangen wären? Jede Generation verbindet mit ihrer Jugend ein bestimmtes Lebensgefühl, eng verknüpft mit Mode, Musik und politischen Meilensteinen jener Zeit. Wenn wir uns daran erinnern, verfallen wir gerne in nostalgische Schwärmereien: „Früher war alles besser“, „Früher war alles billiger“, „Früher hatte man mehr Freizeit“ oder „Früher war die Jugend noch politisch engagierter“. Es gab weniger Leistungsdruck und die Dinge hatten mehr Beständigkeit. Reden wir uns dabei die Vergangenheit etwa nur schön? Was ist Nostalgie und was macht sie mit uns? Hängen bleibt in der Regel das Positive. Erinnerungen geben uns ein warmes Gefühl der Geborgenheit und gleichzeitig den bittersüßen Beigeschmack, dass Vergangenes nun mal unwiederbringlich verloren ist.

Generationen von Frauen und Männern haben Deutschlands Geschichte geprägt. Einen Zeitraum, der den Übergang von der Pferdekutsche zur Raumfahrt, vom ersten Telefon zur Datenautobahn erlebt hat. Erfindergeist und der Ehrgeiz der Bewohner haben das Land groß gemacht und immer mehr Menschen dazu verleitet, vom Land in die Stadt zu ziehen. Kein Land in Europa hat so viele Städte wie Deutschland. Aber es gab lange Zeit keine alles überragende Hauptstadt wie London oder Paris. Der Grund: Bis Ende des 18. Jahrhunderts war Deutschland das Land der Kleinstaaterei. Es gab über 300 beinahe selbstständige Staaten, die meisten davon im Miniformat. Und jeder Herrscher leistete sich seine eigene Residenzstadt. Bis nach dem Ersten Weltkrieg waren für die meisten Menschen Autoritäten sehr wichtig. Sie bewunderten Titel, verehrten den Adel und das Militär. Viele Deutsche sahen sich – anders als die Bürger anderer Länder – immer in erster Linie als Untertanen ihres Staates, ihrer Nation. Man passte sich an und hatte große Angst vor jeder – meist selbstüberzogenen – Amtsperson. Der Schriftsteller Heinrich Mann hat dieser Figur des deutschen Untertanen in seinem beachtenswerten Roman „Der Untertan“ ein Denkmal gesetzt. Er persifliert unübertrefflich die damalige Zeit und analysiert eindrucksvoll die wilhelminische Epoche. Heinrich Manns Protagonist Diederich Heßling ist ein Kind seiner Zeit, ein Machtmensch, der nach oben buckelt und nach unten tritt. Heßling ist obrigkeitshörig, feige und ohne Zivilcourage. Er ist ein Mitläufer und Konformist. Mit ironischer Distanz erzählt der Autor Heßlings Lebensgeschichte von dessen Kindheit bis hin zur Sicherung seiner Stellung in der wilhelminischen Gesellschaft.
Geschichte ist ein faszinierendes Thema, hat es doch mit uns selbst zu tun. Unsere Vorgeschichte zu kennen, hilft uns, das Heute zu meistern und das Morgen zu erreichen. Wer seine Wurzeln sucht, wird nur in der Geschichte fündig. Fragen entstehen. Aus dem Woher kommt das Wohin, das Warum. Warum hat sich Geschichte so ereignet? Welche Alternativen gab es? Mit dem Bewusstsein für unsere eigene Geschichte lässt sich die Gegenwart besser verstehen und die Zukunft meistern. Es ist eine gewaltige Herausforderung, Geschichte zu erzählen, denn wir bekommen nur Überliefertes, manchmal nur vom Hörensagen Aufgeschriebenes.
Gleichwohl möchte ich nicht, dass eines Tages jüngere Generationen bei geschichtsrevisionistischen Scharlatanen landen, die neuerdings wieder Erinnerungen an 1933 wachrufen, Gaskammern in KZs leugnen, Überlebende des Holocaust beleidigen, mit ihrem rechtsextremen Gedankengut für ein „Viertes Reich“ propagieren und somit zunehmend Anlass für die schlimmsten Befürchtungen geben. Es gibt beängstigende Parallelen zur Weimarer Republik, in der Verleumdung, Hass und Niedertracht hoffähig geworden sind. Der aufkeimende Neonazismus findet mittlerweile nicht nur auf der Straße statt, sondern auch in den Parlamenten, wo ein schleichender Verfall unserer politischen Kultur festzustellen ist und wo einige Volksvertreter derzeit im Wochenrhythmus antisemitische und rassistische Äußerungen von sich geben. Oft hat man den Eindruck, dass Antisemitismus hierzulande wieder offiziell legimitiert ist.
Ich würde mir wünschen, dass die heutige Jugend Deutschlands zukünftig ausschließlich über die zwei Weltkriege des 20. Jahrhunderts liest, aber niemals einen dritten durchmachen muss.

Gerd Wange, im Mai 2022


Deutschtum

Das Deutschtum ist tief verwurzelter Grundstock der eigenen Identität, obwohl es jahrhundertelang keine Deutschen im eigentlichen Sinn gab. Genauso wenig hat es die Germanen als einheitliches Volk nie gegeben. Hinter der Bezeichnung verbergen sich zahlreiche Sippen und Stämme, die ab Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. in Mittel- und Nordeuropa gelebt haben und die unterschiedlicher nicht sein konnten. Es gibt kaum ein europäisches Land, das nicht auf germanische Ahnen zurückblicken kann. „Wild blickende blaue Augen, rötliches Haar und große Gestalten, die allerdings nur zum Angriff taugen.“ So abfällig beschrieben die Römer die Barbaren östlich des Rheins. Gemeint waren die Germanen, die selbst ihren Namen einem Römer zu verdanken hatten. Julius Caesar soll sie in seiner Abhandlung über den Gallischen Krieg so genannt haben, nachdem ihm bei seinen Streifzügen durch Germanien gewisse Prototypen über den Weg gelaufen sein sollen. Er fand sie muskulös und kriegerisch, jedoch diszipliniert. Außerdem schienen sie in einer Art kommunistisch-nudistischem Familienverband zu leben und strenge Paläodiät (Steinzeitdiät) zu halten. So jedenfalls verkaufte es Caesar seinen Römern, von denen er fand, sie könnten sich ein Vorbild nehmen am nordischen Lifestyle. (Gab es damals schon diesen Begriff?) Allerdings ließen die Herrscher vom Tiber in ihrer Heimat kein gutes Haar an dieser kulturlosen nordischen Rasse. Der Geschichtsschreiber Tacitus (dem es lediglich die „entblößten Brüste“ der germanischen Weiblichkeit antaten) beschreibt sie ansonsten als grauenerregendes, durch Wälder und Sümpfe umherstreifendes Gesindel. Der Historiker Johannes Fried behauptet, dass es völliger Unsinn sei, Germanen und Deutsche gleichzusetzen. Ein deutsches Volk habe sich erst im Laufe des Mittelalters herausgebildet – aus einem multikulturellen Vielvölkergemisch, das sich unter anderem aus keltischen und germanischen Stämmen, Römern und Slawen zusammengesetzt habe. Zögerlich, von ihnen selbst unbemerkt und ohne Absicht, hätten die Bewohner weiter Teile Mitteleuropas schließlich das Bewusstsein entwickelt, Deutsche zu sein. „Schon gar nicht existiert ein zeitlich weit zurückreichendes und nach außen abgrenzbares deutsches Wesen“, ergänzt der Forscher. Die deutsche Sprache, lange Zeit roh und tumb, entwickelte sich erst in Auseinandersetzung mit dem Lateinischen zu kultureller Blüte.

Das könnte ihnen auch gefallen :

Deutschtum

Eric Fox

Biografie von Eric Fox

Buchbewertung:
*Pflichtfelder