Geschichte & Biografie

Der Kampf der Magdalena

Christine Gisin-Buhlinger

Der Kampf der Magdalena

Eine Liebesgeschichte zwischen einem mächtigen Gott und einer einfachen kleinen Köchin

Leseprobe:

Vorwort

„Wir sehen viele Wege, doch welchen sollen wir gehen? Wir hören viele Worte, nur eines bleibt bestehn.“ Mit diesen Worten eines Kirchenliedes verweist der Verfasser Kurt Rommel auf Zuversicht und Hoffnung im Auf und Ab des alltäglichen Lebens. Es ist heute eine große Herausforderung, auf die innere Stimme zu hören und für sich den bestmöglichen Lebensweg zu wählen. Das Beste ist das, was uns innerlich aufblühen und unsere Augen leuchten lässt. Die Kraft dazu liegt im Glauben an Gott, der das Leben in uns ist.
Im vorliegenden Buch „Der Kampf der Magdalena“ gibt die Autorin Zeugnis für ihren Glauben an Gott. Der Glaube zu Gott ist ein Weg, der sich mit den Lebensjahren herauskristallisierte. So wie auch die biblische Maria Magdalena durch schwierige Lebensstürme zu Gott gefunden hat, so ging auch die Autorin Christine durch schwierige Lebensumstände hindurch, um letztlich aus dem Glauben an einen persönlichen und liebenden Gott ihre ganze Kraft zu schöpfen. Gerade wenn sich im Leben alles andere als wohltuende Phasen auftun, wenn Erfahrungen des liebevollen Angenommenseins ausbleiben und das Leben grau und dunkel erscheint, dann braucht es Herzensentscheidungen. Nur Entscheidungen, die mit dem ganzen Herzen gefällt werden, geben dem Wollen und Können Bestand. Die innere Gottesbeziehung öffnet dabei unser Herz für das Bestmögliche in unserem Leben, das sich Gott für uns ausgedacht hat. So mag es auch der biblischen Maria Magdalena ergangen sein im lebensgrauen und dunklen Alltag der Abhängigkeiten und der Einsamkeit. Sie hat in sich hineingehört und eine Herzensentscheidung getroffen, diesen bisherigen Alltag hinter sich zu lassen und Jesus Christus nachzufolgen. Sie glaubte durch die Begegnung mit Jesus Christus an einen Gott, der sie liebevoll und ohne Vorbehalt annehmen wollte – unabhängig davon, was sich vorher alles ereignet und so schwierig und belastend auf ihr Leben ausgewirkt hatte. Es gibt einen Gott, der immer wieder einen Neuanfang und Lichtblicke mitten im Alltag schenkt. Diese einfühlsamen Schlussfolgerungen aus dem Leben der biblischen Maria Magdalena prägen auch das Leben der Autorin dieses Buches. Sie beschreibt in ihrem Buch die schwierigsten Lebensumstände, die sie mit der Liebe zu Gott und zu ihren Kindern bewältigen konnte. Es ist eine Liebe, die immer wieder auf das Bestmögliche vertraut.
Nichts ist unmöglich für den, der auf Gott vertraut. Das Vertrauen in Gott und das Leben durchzieht die Lebensgeschichte der Autorin. Der Refrain des Kirchenliedes von Kurt Rommel bezieht dieses Vertrauen mit ein:
„Zeig uns, Herr, den rechten Weg, der zum Ziele führt. Gib uns du das gute Wort, das uns retten wird.“ Mit diesem Refrain schließt sich der Kreis von Zuversicht und Hoffnung durch das Vertrauen, das Gott mit seiner Hilfe uns in allen Lebensumständen Heil und Leben zusprechen möchte.

Pfarrer Rolf Maria Reichle

***

Am Morgen des 17. Dezember 1968 wurde Magdalena als fünftes Kind geboren. Die Sonne schien an diesem kalten Wintermorgen über Deutschland. Sophie, die Mutter von Magdalena, dachte angesichts der bevorstehenden Geburt bei sich: Heute scheint die Sonne und ich muss sterben. Magdalena war jedoch ein sehr kleines Mädchen und somit eine leichte Geburt für ihre Mutter. Nach einem kurzen Aufenthalt im Spital kam Magdalena am 24.12.1968 als Christkindlein in ihrer Familie an.
Magdalenas Vater Friedhelm Rullinger kam aus einer Alkoholikerfamilie und war somit ein Randständiger. Er arbeitete als ungelernte Kraft auf dem Bau. Da er körperlich sehr leistungsfähig war, erntete er in diesem Bereich große Wertschätzung. Magdalenas Vater konnte auch sehr gut Geschichten erzählen und manche davon waren Erzählungen aus seinem Leben, die ihm zu gesellschaftlichem Ansehen verhelfen sollten, jedoch nicht stimmten. Da Magdalenas Vater eine schwere Kindheit hatte, kam er mit dem Leben nicht zurecht. Er konnte weder lesen noch schreiben und hatte überhaupt kein Selbstwertgefühl. Um sich selbst zu schützen, wechselte er ständig seine Arbeitsstelle. Und weil er es nicht anders gelernt hatte, ertrank er seinen Schmerz und seine Einsamkeit im Alkohol. Dies machte ihn dann immer sehr wütend.

Magdalenas Mutter Sophie stammte aus sogenanntem guten Hause. Ihre Mutter Pauline hatte einen Teil eines großen Bauernhofes geerbt. Während des Krieges und danach waren Bauern in Deutschland die reichsten Leute. Sophies Vater Bertus Bertis hatte eine Kiefermeisterausbildung, diente unter Hitler als Unteroffizier und bekam die Ehre eines Helden. Nach dem Krieg war Bertus als Kiefermeister selbstständig, doch diese Arbeit war sehr schwer. Als es in Deutschland wieder eine Bundeswehr gab, meldete er sich dort und war voll in seinem Element. Dort konnte Bertus die Ausbildung zum Fahrschullehrer machen und als es im Militär Rangprobleme gab, machte er sich als Fahrschullehrer selbstständig. Dies gab ihm gesellschaftliches Ansehen, Macht und viel Geld. Noch während der Zeit, in der Bertus bei der Bundeswehr diente, wollte er Sophie an einen Soldaten verkuppeln. Darum musste Sophie in der Buchhaltung beim Militär arbeiten. Sophie war darüber sehr unglücklich, sie wollte lieber Verkäuferin im Textilhandel werden. Sie trug gerne schöne Kleider und ihre Eltern hatten ihr dies nie ermöglicht. Außerdem hatte sie in der Schule schon große Mühe gehabt zu lernen und bestand den Volksschulabschluss nur, weil Bertus ständig die Schulleitung und Lehrer beschimpfte und diese Angst vor ihm hatten. Sehr zum Verdruss ihrer Eltern verliebte sich Sophie nun nicht in einen Offizier, sondern in Friedhelm. Es kam zu einem großen Streit und Bertus wollte Sophie mit Gewalt nach Hause holen, das nun in einem weit entfernten Dorf lag. Sophie sprang schwanger aus dem fahrenden Auto.
Nun lebte Sophie im Haus von Friedhelm zusammen mit den alkoholkranken Schwiegereltern. Sophie und Friedhelm heirateten aufgrund der Schwangerschaft. Sophie war 19 und Friedhelm 21. Bertus und Pauline weigerten sich, zur Hochzeit zu kommen. Unter großer Armut und elenden Umständen gebar Sophie vier Kinder innerhalb von drei Jahren. Erst Ella, dann die Zwillinge Siegbert und Joseph und später Alexander. Joseph starb drei Tage nach der Geburt an Hirnblutung. Alexander kam geistig behindert auf die Welt. Da Sophie die Kinder nicht versorgen konnte und Alexander zu verhungern drohte, schrieb Sophie Bettelbriefe an ihre Eltern. Diese entführten daraufhin Sophie mit ihren drei Kindern. Friedhelm wollte seine Familie zurückhaben und reiste ihnen nach. Da die Schwiegereltern Friedhelm nicht mehr loswurden, durfte er bleiben.
Von nun an lebte Sophie mit ihrer Familie und den Großeltern unter einem Dach. Die untere Wohnung des Zweifamilienhauses bewohnten Bertus und Pauline mit dem 13-jährigen Peter und der dreijährigen Gerdi. In der oberen Wohnung lebten Sophie und Friedhelm mit ihren drei Kindern und Bettina war auch schon unterwegs. Natürlich gab es ständig Streit. Sophie und Friedhelm konnten es Bertus und Pauline nie recht machen. Und deshalb gab es auch oft großen Streit zwischen dem jungen Ehepaar. Der Alkohol spielte dabei leider auch keine untergeordnete Rolle und so kam es auch zu Gewalttätigkeiten. Sophie war stark darin, Menschen mit Worten zu verletzen und auch im größten Suff war sie enorm treffsicher. Friedhelm kannte ja gar nichts anderes als sich mit Schlägen zu wehren und außerdem galt dies zu seiner Zeit als etwas Männliches. Friedhelm sehnte sich danach, von seinen Schwiegereltern akzeptiert zu werden und erfüllte ihnen deshalb jeden Wunsch, was körperliche Arbeit anging. Einmal musste Friedhelm den ganzen Hof alleine aufgraben. Erst die obere Steinschicht entfernen und dann einen tiefen Kanal in den Boden graben. Als er damit fertig war, bekam er von Bertus eine Zigarre als Lohn. Und so ging es über 20 Jahre. Friedhelm wurde von den Schwiegereltern beschimpft und als Wiedergutmachung arbeitete er schwer und bekam dafür keine wirkliche Anerkennung, sondern die Botschaft, das ist deine Pflicht, du lebst schließlich auf unsere Kosten.
Sophie entdeckte für sich die Methode zu weinen und zu klagen. So konnte sie sich vor jeder Verantwortung drücken. Ja sie betrachtete sich sogar als Opfer ihrer eigenen Kinder. Diese Opferhaltung hielt sie ihr Leben lang aufrecht und sie hatte damit sehr viel Macht. Zum einen konnte sie damit Menschen manipulieren und zum anderen jede Verantwortung für ihr Leben abgeben. Als Bettina auf die Welt kam, gab es bei der Geburt große Probleme. Sophie wollte dieses Kind nicht, so wie sie keines ihrer Kinder gewollt hatte und war deshalb nicht bereit, für ihr Kind zu kämpfen. Sie nahm die Opferrolle ein und so kam es bei der Geburt von Bettina zu Komplikationen. Bettina erlitt unter der Geburt einen erheblichen Sauerstoffmangel. Bettina musste nun ein Leben als Körperbehinderte verbringen – mit dem Wissen, dass das die Schuld ihrer Mutter war.
Als Magdalena in ihre Familie kam, waren da nun schon vier unglückliche Geschwister.
Ella, der Grund warum Friedhelm und Sophie heiraten mussten. Ella war ein schönes Mädchen mit blonden Haaren und blauen Augen. Ja, für ihren Großvater eine echte Deutsche. Ella wurde die Vertraute von Sophie und schützte ihre Mutter, wenn sie vom Vater geschlagen wurde. Ella nahm auch ganz die Opferrolle ein. Damit traktierte sie ihre Geschwister, Ella war für nichts in ihrem Leben verantwortlich und ihre Geschwister mussten ihr in allem helfen: Wohnung putzen, Kleider waschen, Hausaufgaben machen und auf ihr Kind aufpassen. Ella wurde schon als Kind zu einer notorischen Lügnerin. Sie sagte den Menschen das, was für Ella nützlich war. Und benutzte ihre schwere Familiensituation, um Kapital daraus zu schlagen.
Siegbert war immer sehr aggressiv und verhaltensauffällig, er schlug schon als kleiner Junge alle in seiner Umgebung k.o. Er wurde zum Dieb und brachte schon früh zur Freude seiner Mutter reiche Beute nach Hause. Später konsumierte er Alkohol und Drogen und tyrannisierte seine ganze Familie. Er schlug seine Geschwister und holte sich alles, was er brauchte, mit Gewalt. Er wurde ein sehr gefährlicher Mensch und saß mehrmals im Gefängnis. Er begründete die Berechtigung zur Gewalt mit seiner schweren Familiensituation.
Alexander war ein guter Junge, er war geistig behindert und wusste dies auch. Und so war er glücklich, wenn trotzdem jemand mit ihm spielte. Er wurde von seiner Umgebung oft geschlagen und ausgenutzt. Und Bertus beschimpfte ihn als Trottel und Depp. Alexander war immer friedlich. Er lebte in einem Heim und kam nur an einigen Wochenenden und in den Ferien nach Hause. Immer freute er sich, wenn er nach Hause kam und es nach Orangen roch. Im Heim konnte er sogar eine Lehre zum Feinmechaniker machen. Doch als er mit der Ausbildung fertig war, wurde er plötzlich nicht mehr betreut. Nun kehrte Alexander in sein Elternhaus zurück, wo er nur der Trottel und Depp war. Auch Alexander sehnte sich nach Liebe und Bertus gab ihm große körperliche Aufgaben und schimpfte täglich mit Alexander auf das Wüsteste. Und so kam es, wie es kommen musste und auch Alexander erlag dem Teufel Alkohol und wurde später auch aggressiv. Natürlich übernahm seine Familie dafür keine Verantwortung.
Bettina lernte aufgrund ihrer Behinderung erst im Alter von drei Jahren laufen. Sie wurde in die ganz normale Grundschule vom Ort eingeschult. Es gab keinen Grund, warum sie nicht diese Schule besuchen sollte. Dort wurde sie jedoch ständig wegen ihrer Behinderung von den Mitschülern aufgezogen und auch die Lehrerin zeigte ihre Abneigung gegenüber Bettina, weil sie aus der Rullinger-Familie kam. Bettina weigerte sich bald, weiterhin diese Schule zu besuchen und so war Sophie gezwungen, eine andere Lösung zu finden. Bettina durfte in einem Heim für Körperbehinderte leben. Dies schützte sie vor der Gewalt außerhalb der Familie, doch war die Scham der Armut sehr groß. Bettina hatte keine Kleider oder Hygieneartikel, die für andere Kinder selbstverständlich waren, und sie musste viele Tricks anwenden, damit dies verborgen blieb. Bettina konnte eine kaufmännische Ausbildung absolvieren, doch als diese beendet war, kehrte auch sie zu ihrer Ursprungsfamilie zurück. Dort hütete sie jahrelang ihre Nichte Nathalie, die Tochter von Ella, sie begleitete Bertus, als er wegen Darmkrebs im Sterben lag, einen Mann, der immer wieder in großer Wut herumgeschrien hatte, dass solche Menschen wie Bettina und Alexander vergast gehörten. Auch betreute Bettina jahrelang Pauline, als diese an Demenz erkrankte und nebenbei betreute sie noch Stefano, den Sohn von Tante Gerdi. Niemand dankte es Bettina, alles war selbstverständlich und sowieso ihre Pflicht. Erst im Alter von 46 Jahren gelang es Bettina, ein eigenes Leben zu beginnen.
Als nun Magdalena auf die Welt kam, baute Bertus ein großes Herrschaftshaus auf dem Gelände, auf dem schon seine Fahrschule stand und dort lebten Bertus mit Pauline, Peter und Gerdi. Obwohl die Familie von Sophie wuchs, musste sie weiterhin in der kleinen Wohnung bleiben und die untere Wohnung wurde vermietet. Ab nun war der gesellschaftliche Status von Bertus gesichert und der offizielle Wettstreit der Familien Bertis und Rullinger begann. Bertis waren die Guten und Rullingers die Bösen.
Obwohl Magdalena in einer großen Familie aufwuchs, war sie in den ersten sechs Lebensjahren viel alleine. Sie durfte unter der Woche nicht mit ihren Geschwistern essen und wurde oft ins Zimmer gesperrt, weil Sophie sich um die anderen Kinder kümmern musste. So saß Magdalena viel alleine im Zimmer und betete. Sie träumte von einer friedlichen Welt und sang Lieder. Da Magdalena keine Liedtexte kannte, erfand sie einfach welche. Und sie sang davon, welche Menschen sie liebte und dankte Gott dafür. Magdalena liebte ihre Mutter über alles, aber auch Ella, Alexander, Bettina und ihre Patentante Ruth. Dass sie ihren Vater liebte, wurde Magdalena verboten und sie sprach vom Vater nur als ER, nie in seinem Leben nannte sie ihn Papa oder nannte seinen Namen. Der Vater von Magdalena war einfach ER.
Die Familie Bertis konnte Magdalena nicht lieben. Bertus war für Magdalena ein böser Mann, Pauline tat ihr Übriges, um dies zu fördern. Peter und Gerdi wuchsen in dem Glauben auf, etwas Besseres zu sein und ließen das Magdalena bei jeder Gelegenheit spüren. Und für Magdalena war es unmöglich Siegbert zu lieben, der sie im Alter von neun Jahren sexuell missbrauchte. Auf diese Menschen war Magdalena nicht böse und sie versuchte immer wieder ein gutes Auskommen mit ihnen zu haben, doch verschloss sie für immer ihr Herz gegenüber diesen Menschen und es war ihr egal, was sie von ihr hielten.
Nachdem Magdalena drei Jahre alt war, kam noch Robert in die Familie, er war ein echter Sonnenschein und brachte ein wenig Glück in die Familie Rullinger. Auch Magdalena freute sich, bekam ihren Bruder aber erst zu Gesicht, als dieser laufen konnte.
Da Sophie vor allem und jedem Angst hatte, nahm sie Magdalena zum Einkaufen mit oder wenn sie Robert in den Kindergarten brachte. Auf dem Weg zum Einkaufen traf Sophie ständig andere Hausfrauen und Magdalena hörte, was diese Frauen miteinander sprachen und was sie beschäftigte, Magdalena wurde aber gar nicht wahrgenommen.
Als Magdalena sah, wie gut es Robert im Kindergarten ging, freute sie sich sehr für ihn. Er konnte singen, spielen, lachen und hatte Kontakt zu anderen Kindern. Magdalena war kurz vor der Einschulung und freute sich sehr darauf. Sie hatte die Vorstellung, dann könnte sie endlich auch mal unter lieben Menschen sein.
Als der erste Schultag kam, bekam Magdalena eine große Schultüte. Sie freute sich, denn es war das erste Mal, das Magdalena ein Geschenk bekam. Die Mutter hatte natürlich keine Zeit, sie an ihrem ersten Schultag in die Schule zu begleiten und so musste Ella das übernehmen. Ella war sauer und schämte sich wieder einmal für ihre Familie. Als nun Magdalena freudig zur Schule kam, waren dort ganz viele Eltern mit ihren Kindern. Und es war wohl das erste Mal, dass Magdalena sah, wie freundlich Eltern und Kinder miteinander umgehen können. Die Lehrerin von Magdalena war sehr ruppig zu Magdalena und sie musste ganz streng am Pult sitzen. Da bekam Magdalena große Angst. Auf dem Nachhauseweg nahm Ella, die sich irgendwo im Schulhaus versteckt hatte, Magdalenas Schultüte. Sie saßen auf einem nahe gelegenen Spielplatz und Ella aß alle Süßigkeiten, die in der Schultüte waren, auf. Magdalena bekam irgendetwas in die Hand, konnte jedoch nichts essen Immer wieder musste sie zu ihrer Schwester schauen, wie sie gewissenlos alles in sich hineinstopfte.
Von nun an wurde Magdalena täglich beschimpft und geschlagen. Zum einen von Mitschülern, die wussten, aus welchen Familienverhältnissen Magdalena stammte. Und Magdalenas Lehrerin Frau Woland wollte Magdalena loswerden, eine Rullinger in ihrer Klasse, das ging gar nicht. Und sie beschimpfte Magdalena schon zu Beginn jeder Unterrichtsstunde.
Die Enttäuschung für Magdalena war groß, denn es gab keinen einzigen Menschen, der Magdalena Liebe entgegenbrachte.
Auf dem Schulweg gab es ein brachliegendes Stück Land. Mit Erdhügeln, Pfützen und umliegenden Ästen, dort spielte Magdalena gerne und redete mit Gott. Er war der Einzige, der für sie da war. Dieser Ort war für Magdalena eine Oase, an den sie sich auch bei Regen, Wind und Schnee zurückzog.
Magdalena hatte häufig starke Ohrenschmerzen und ihre Mutter fand es zum Lachen komisch, wenn sich ihre Tochter vor Schmerzen krümmte.
Als Magdalena sich wie so oft bei der Oase aufhielt, kam eines Tages eine freundliche Frau auf sie zu. Sie setzte sich zu Magdalena auf eine nahe gelegene Treppe. Es war eine schöne, gut gekleidete Frau und sie roch so gut. Magdalena wunderte sich, dass diese Frau auf sie zugekommen war, war sie selber doch schmutzig. Diese Frau sprach ganz sanft und mit wohlklingenden Worten zu Magdalena. So etwas kannte Magdalena gar nicht und es tat ihrer Seele sehr gut und sie fasste Vertrauen. So begann diese Frau namens Eleonore Magdalena zu erzählen, was in Magdalenas Leben passierte und sie nannte Magdalena dabei zärtlich meine liebe kleine Maus. Magdalenas Familie sei verflucht. Und Magdalena stünde ein schweres Leben bevor, und Eleonore sagte: „Bitte, meine liebe kleine Maus, nimm dir nicht das Leben, es gibt einen Menschen, der sehr traurig darüber wäre.“ Magdalena sollte sich erst im Erwachsenenalter vom Fluch befreien können. Bis dahin stand ihr noch sehr viel Schweres bevor, dies beeindruckte Magdalena wenig, schlimmer konnte es wohl nicht mehr werden. Eleonore gab ihr Anweisungen, wie sie ihren weiteren Lebensweg gehen sollte.
Diese Anweisungen verstand Magdalena im Moment nicht, doch immer wenn sie an einem Punkt in ihrem Leben ankam, wo sie reifer wurde, verstand sie diese Anweisungen, sie waren in ihr Herz geschrieben. Diese Anweisungen wurden als freundliche Bitten formuliert und es wurde betont, dass Magdalena völlig frei war, diese anzunehmen oder abzulehnen. Eleonore gab Magdalena auch Zeichen, die ihr zeigen sollten, ab wann Magdalena vom Fluch befreit werden sollte. Eines dieser Zeichen war, dass Magdalena als erwachsene Frau viele Umarmungen erleben würde. Magdalena freute sich, ja, sie meinte, als erwachsene Frau würde sie geliebt werden. Eleonore verabschiedete sich von Magdalena und Magdalena nahm sich vor, als erwachsene Frau so schön zu sein wie Eleonore und auch solch schöne Worte zu gebrauchen. Der Abschied war für Magdalena gar nicht schwer, wusste sie zu diesem Zeitpunkt doch noch nicht, dass sie Eleonore ihr Leben lang unter großem Schmerz vermissen würde.
Magdalena durfte mit Ella in die Jungschar gehen. Magdalena wurde dort gar nicht wahrgenommen, lediglich geduldet. Ja, die Jungscharleiterin und die Mädchen dachten, Magdalena komme einfach, um es ein bisschen schön zu haben und Gebäck essen zu können. Doch Magdalena hörte sich die Geschichten von Gott, dem Vater, an und von Jesus und erst jetzt bemerkte Magdalena, dass sie ein spiritueller Mensch war. Jesus war von nun an namentlich ihr ständiger Begleiter.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 116
ISBN: 978-3-99038-655-2
Erscheinungsdatum: 01.12.2014
EUR 18,90
EUR 11,99

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