Das Leben ist kein Fischfurz, Vol. 1
EUR 22,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 376
ISBN: 978-3-7116-0773-7
Erscheinungsdatum: 19.03.2025
Katy Karrenbauer, Schauspielerin, Musikerin und Autorin, öffnet in ihrem Buch ihr Herz und erlaubt tiefe Einblicke in ihr Seelenleben – mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern und schwarzem Humor schildert sie berührende Erlebnisse aus ihrem Leben.
Das Leben ist kein Fischfurz, Vol. 1
… sagte „Pa“, der Held des berühmt-berüchtigten Pro 7 TV-Westerns „Spiel mir das Lied und du bist tot“, den ihm der zauberhafte Autor T. K., nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Krankenkasse, in den Mund gelegt hatte. Ich spielte „Ma“ und Pas Satz beschrieb mein gesamtes Leben, womit erklärt wäre, warum ich mir diesen Ausspruch als Titel „geliehen“ habe. Wenn er Ihnen nicht zusagt, hier noch einige weitere Titel, die mir im Laufe des Schreibens einfielen, von Freunden und Feinden angeraten wurden und die Sie, wenn Sie mögen, ersatzweise selbst einfügen können:
„Aus-Zeit“ … (Mein erster Arbeitstitel, aber doch sehr an „Hinter Gittern“ angelehnt und weniger an meinem Leben.)
„Ich Walter – du Jane!“ (Mein zweiter, den ich allerdings nach der Sendung von H. E. Balder und Hella verwarf.)
„In Freiheit“ (Bezog sich auf … na was wohl?)
„Fettnapf“ (Könnte auch irreführend sein.)
„Ich nehme ein A“ (Frei nach der Sesamstraße.)
„Ich kaufe ein A“ (Siehe oben.)
„Verrückt“ (Sowieso!)
„Verrucht“ (… aber eigentlich bin ich das nicht.)
„Ich wollte nie ein A… sein“ (Anarchist, Angsthase, A-loch?)
„A zu sein bedarf es wenig …“ (Wer ein A ist, ist ein König)
„Wer A war, muss auch D aushalten“ (Zum Thema, ich sei nur noch ein D-Promi.)
„AAAmen“ (Na ja!)
„Streicheleinheiten“ (Klang ein bisschen zu sehr wie „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche.)
„Mit der Harley durch Kalifornien“ (Schlug Herr M. C. vom ersten Verlag vor, dem ich die Geschichten zusandte, der mir aber unmissverständlich klarmachte, dass er mich nicht mehr als AAA-Promi sehe und mir somit keine Chance einräumte, mich zu verlegen.)
„Mein wildes Leben vor und ‚Hinter Gittern‘“ (Ebenfalls ein Vorschlag von Herrn M. C., wobei ich beim Lesen seiner Absage dachte, er solle dieses Buch doch gefälligst selbst schreiben!)
AAAber nicht mit mir!
Im Übrigen werden Sie auf den folgenden Seiten keine Abhandlung oder den Schnelldurchlauf meines Lebens zu lesen bekommen, wie es normalerweise üblich ist. Kein „Wie“, „Wann“ und „Warum“ ich bin und „Wo“ ich geboren wurde. Sie werden auch keine Biografie lesen, wenn Sie überhaupt weiterlesen, denn Biografien, so zumindest stellte ich fest, werden fast immer erst im hohen Alter von Menschen geschrieben.
Warum?
Vielleicht, da dann die meisten Menschen, über die man schreibt, schon lange unter der Erde liegen und sich nicht mehr gegen mögliche Vorwürfe, Angriffe oder gar die Wahrheit wehren können. Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel, und so fand ich z. B. Herrn Bohlens Biografie äußerst unterhaltsam. Er plaudert schon zu Lebzeiten kleine, aber feine „Wahrheiten“ über seine vermeintlichen Protagonisten und natürlich über sich selbst aus und ich finde das höchst amüsant. Es spaltet ja eh kaum ein Mensch im deutschen Fernsehen die Gemüter so sehr wie Herr Bohlen. Ich denke, Missgunst und Neid sind hier keine Schlagworte und man sollte sich einfach vor seinem überaus hellen Geist, seinem Können und seiner Gradlinigkeit verbeugen. (Darf ich alles sagen, da ich Herrn Bohlen eh am Popo vorbeigehe und auch keine Gesangskarriere starten werde, weil ich ihn cool finde. Ich mache schließlich schon Musik, seit ich drei Jahre alt war. Dazu kommt, dass ich für „DSDS“ definitiv zu alt bin, auch wenn ich meinen Pass fälschen würde!)
Ich selbst fühle mich dennoch noch zu jung, um Sie, den Leser und die Leserin, mit meinem komplett „wilden“ Leben aus den Geburtsjahren zu belästigen oder zu behelligen. (Das Wort „belästigen“ fällt in diesem Zusammenhang, weil ich ja jetzt schon die Nörgler hören kann, die da rufen: „Und warum belästigt sie uns dann trotzdem mit ihren blöden Geschichten?“)
Die Menschen, die ich für erwähnenswert halte, tauchen in diesem Buch auf! Glauben Sie mir. So viel dazu!
Wussten Sie eigentlich, dass A- und D-Promis im Ungleichverhältnis stehen? Zumindest zur Körbchengröße?
Während scheinbar alle Welt D-Körbchen bei Frauen vorzieht, werden, ebenfalls „scheinbar“, denn ich kann eigentlich gar nicht so recht mitreden, in der aktuellen Fernsehwelt nur AAAs ernst genommen.
Kann man mal drüber nachdenken, muss man aber nicht.
Jedenfalls können Sie, dürfen und sollen Sie dieses Buch auch lesen, wenn Sie auf A-Körbchen stehen oder selbst dieser Dekolleté-Größe angehören. Hier sind wirklich keine Grenzen gesetzt!
Allerdings sollten Sie auch noch wissen: Hier, also am Ende des Buches, können Sie weder ein Auto noch eine Million gewinnen. Sie nehmen auch an keinem Preisausschreiben teil und wahrscheinlich werden Sie auch nicht der 999.999. Leser dieses Buches sein.
Machen Sie sich nichts draus!
Sollte ich Sie dennoch zu Tode langweilen, verschenken Sie das Buch einfach an jemanden, den Sie nicht leiden können.
So wird ein „Schuh“ draus, wenn auch nicht der Schuh des Manitu, glauben Sie mir.
Ich mache das auch nicht anders.
Und schnell noch das Wichtigste, nicht am Ende, sondern zu Beginn.
Danke!!!
An Sie, dass Sie sich für mich, meine Geschichten und Gedanken interessieren und dieses Buch lesen! (Oder auch nicht!)
An meine Familie, die die Schmach mit mir teilen muss und schon sehr nervös ist.
An meine Freunde, „im Himmel wie auf Erden!“ (Ich weiß, es heißt „so“, aber es passt grad nicht.)
Mein ganz besonderer Dank gilt allerdings dem novum Verlag, dass er dieses Buch möglich gemacht hat, dass er an mich glaubt und sich traut, mit mir auf diese sehr spezielle Reise zu gehen.
Und wenn Sie sich die Frage stellen:
WAHRHEIT ODER LÜGE, dann bitte ich Sie, entscheiden Sie selbst.
Das Leben ist kein Wunschkonzert und auch kein Fischfurz! Ich habe mir die Geschichten nicht ausgedacht, dennoch ein bisschen aufgefrischt, aber sie sind mir passiert, wie eben das Leben passiert.
Einfach so!
Schnell noch eine wichtige
Kurzinformation zum Thema:
Titel, Thesen, Temperamente!
Die Zehn Gebote
(nach Martin Luther)
Das erste Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott.
Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Das zweite Gebot
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes,
nicht missbrauchen.
Das dritte Gebot
Du sollst den Feiertag heiligen.
Das vierte Gebot
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
Das fünfte Gebot
Du sollst nicht töten.
Das sechste Gebot
Du sollst nicht ehebrechen.
Das siebte Gebot
Du sollst nicht stehlen.
Das achte Gebot
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
Das neunte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
Das zehnte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib,
Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist.
Und ich verspreche, ich werde mich hier, in diesem meinem Buch, an diese Zehn Gebote halten!
Jetzt geht’s los!
Viel Spaß beim Lesen!!!
Herzlichst,
Ihre
Katy Karrenbauer
„Tschüss!“
„Tschüss!“
„Bekomme ich keinen Kuss?“
„Nein.“
„Na dann wünsche ich dir ganz viel Spaß in Kiel!“
„Na ja, so viel Spaß, wie man eben auf einer Beerdigung haben kann.“
Ich machte auf dem Absatz kehrt und ging die fünf Stockwerke hinunter, ohne mich umzusehen. Ich wusste, er steht noch da und sieht mir nach, aber komischerweise hatte ich überhaupt kein Gefühl für ihn, für diesen Menschen. Nicht das geringste.
Ich empfand weder Mitleid noch Liebe, ich empfand einfach, schrecklicherweise, überhaupt nichts. Ich war nur unendlich traurig, dass ich mit einem Mann zusammenlebte, der absolut gar nichts verstand, der ignorant und gefühllos war.
Wer um Gottes willen war dieser Typ, mit dem ich zweieinhalb Jahre meines Lebens verbracht hatte?
Mit gesenktem Kopf stieg ich in den grünen Golf, den ich nie hatte leiden können, ließ den Motor an und fuhr Richtung Autobahn. Der kleine, alte Kassettenrekorder fasste die ebenso alte Kassette und jammerte mir ein „Time to say goodbye“ entgegen.
Time to say good bye!
Warum ich dieses Lied gleich dreimal hintereinander aufgenommen hatte, wusste ich nicht mehr so genau. Aber spätestens nach dem dritten Mal und auftretendem Ekel spulte ich tatsächlich die Kassette wieder zurück und Andrea Bocelli begann von vorn.
Als ob ich mir Mut antrinken wollte, endlich zu sagen, was ich empfand, hörte ich wieder und wieder dieses Lied, bis ich auf einem Parkplatz den Wagen zum Stehen brachte, mittlerweile mit tränenüberströmtem Gesicht. So sehr schämte ich mich für die Worte des Mannes, den ich einst geliebt hatte.
„Viel Spaß in Kiel“, dröhnte es in meinem Kopf.
Viel Spaß!
Er wusste, meine alte Schauspiellehrerin war gestorben.
Er wusste, wie schwer mir der Abschied von ihr fallen würde.
Er wusste doch, dass sie ein ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens gewesen war, sie, die mich auf die Bretter, die die Welt bedeuten, geschubst hatte und die mich kurz vor Weihnachten sozusagen frühzeitig mit meinem Erbe beschenkt hatte. Mit zwei Figuren aus Holz, von denen sie unbedingt wollte, dass ich sie habe.
„Du liebst doch Holz, ich weiß das genau“, hatte sie gesagt, als sie sich mühsam, auf meinen Arm gestützt, in ihr Arbeitszimmer geschleppt hatte.
„Bitte Uta, jetzt fang bloß nicht an, mir mein Erbe aufzuzwingen. Ich will nichts haben. Und außerdem wirst du mindestens hundert. Also lass das bitte.“
Sie hatte die beiden Figuren auf den Wohnzimmertisch gestellt.
„Missgunst und Neid“, hatte sie zahnlos genuschelt.
„Missgunst und Neid. Hüte dich davor, Katy. Beides wird dir immer wieder begegnen. Sei stark und lass dich nicht mitreißen, auch wenn es manchmal einfacher erscheint. Lass dich von diesen beiden nie zerfressen, nie in die Irre führen!“ Ihre Worte drangen so tief in mich ein, wie mich vielleicht nie zuvor Worte berührt hatten. Tränen schossen mir in die Augen, aber ich wusste, sie hasste es, wenn man einfach so „heulte ohne Nutzen“. Es sei denn, man stand auf der Bühne als Penthesilea, die von Ares, dem Gott des Krieges, den Streitwagen forderte, um Achill, den Geliebten, der sie verletzt hatte und der sie nun zum Kampf forderte, zu töten, auszulöschen. Aber sonst? Sonst hatte es gefälligst keine Tränen zu geben. Tränen bedeuteten Schwäche, und die zeigte man nicht. Nicht als Schauspielerin. Nie!
Missgunst und Neid sahen zwar aus wie zwei Geistliche, aber ihre Gesichter hatten dennoch etwas Bedrohliches. Das Holz war leicht und würde mein Gepäck nicht beschweren. Und während wir den Sauerbraten meiner Mutter an diesem ersten Weihnachtstag aßen und mir fast jeder Bissen im Halse stecken blieb, lächelte mir die alte Dame zufrieden zu. Dann zeigte sie auf das Bild über ihrem Sofa.
„Ich möchte, dass du es bekommst, wenn ich mal nicht mehr bin.“
Das Bild war eigentlich ehemals ein Bühnenbild für ein Theaterstück gewesen, das sie in hohem Alter noch inszeniert hatte, gemalt als großes Transparent. Aber der Bühnenmaler hatte dieses Bild nochmals in „klein“ für sie kopiert, damit es in ihr Wohnzimmer passte, über das alte Sofa, nahe dem Esstisch. Es zeigte einen Tiger, der grade dabei war, einen Wasserbüffel zu reißen. Des Tigers gewaltige Zähne steckten im Hals des Büffels, aber das Komische daran war, dass der Büffel zu lächeln schien.
„Er lächelt, siehst du?“
„Ja, stimmt“, sagte ich nachdenklich.
„Er lächelt, weil er den Lauf des Lebens kennt und anerkennt.“
Ich war anderer Meinung, denn ich hatte in keiner Dokumentation, die ich je gesehen hatte, ein Tier wahrgenommen, das gerissen wurde und das im Todeskampf „gelächelt“ hatte. Ich wollte widersprechen, wollte auf den Maler verweisen, der hier ein Opfer als williges, dem Tode zustimmendes Objekt darstellte. Ich wollte darauf hinweisen, dass das Stück, das sie inszeniert hatte und das dieses Bild eben als Bühnenbild benutzte, vielleicht diese Aussage hatte, dass ich aber grundsätzlich nicht der Meinung sei, dass „Opfer“ sich freiwillig in ihr Schicksal fügen und fast dankbar wirkten, als hätte sich ihr Los erfüllt, nämlich das des Opferdaseins. Aber, als ich ansetzen wollte, ihr meine Theorie zu erklären, hob sie den Kopf und warf ihre mittlerweile komplett ergraute, lange Mähne in den Nacken, als wollte sie sich zum Kampfe gegen mich rüsten, und ich schwieg. Ich schaute sie an und schwieg. Und zum allerersten Mal, seit ich den „Theaterdragoner“, wie ich sie oft ohne ihr Wissen zu nennen pflegte, kannte, zum allerersten Mal liebte ich diesen Menschen von ganzem Herzen, tief und aufrichtig.
Ich glaubte, ein kleines Lächeln in ihrem Gesicht zu erkennen, und die alte Dame rührte mich so sehr, dass ich schnell den Tisch abräumte und mich in die Küche tummelte, um „eben schnell“ den Abwasch zu erledigen, aber eigentlich nur, weil sie meine Tränen nicht sehen sollte, die ich nun nicht mehr zurückhalten konnte.
„Völlig unwichtig“, grunzte sie mir aus dem Wohnzimmer entgegen und meinte damit den Abwasch, aber ich ließ mich nicht davon abbringen und fuhr mir sogar noch schnell mit den nassen Abwaschhänden durchs Gesicht, damit mich nichts, keine Spur von Tränen, entlarvte.
„Ich möchte, dass du bei mir im Theater spielst!“, rief sie mir zu. „Deinen Soloabend! Ich möchte ihn sehen. Und deinen musikalischen Abend auch. Machst du das? Machst du mir die
Freude?“
„Ja!“, rief ich aus der Küche.
„Und noch etwas“, fügte sie hinzu. „Du wirst niemals Synchronsprecherin, hörst du? Versprich mir das. Niemals!“ Mit diesen Worten begrüßte sie mich, als ich wieder ins Wohnzimmer zurückkam.
„Du weißt ja, ich war jahrelang die Stimme von Anna Magnani. Aber durch meine Synchronarbeit wurde ich eine immer schlechtere Bühnenschauspielerin. Ich habe dadurch mehr und mehr meine Identität verloren. Mach das nicht, Katy. Niemals synchron! Man ist nicht mehr man selbst. Man opfert sich zugunsten eines Filmcharakters und man verliert sich selbst so verdammt schnell. Man verliert sich selbst. Verstehst du?“
Der Wasserbüffel grinste mich an und ich hielt die Holz-Missgunst- und Neid-Figuren im Arm. Konnte es sein, dass sie wusste, dass sie zu Ende ging? Oder warum packte sie gleich mehrere Themen gleichzeitig auf den Weihnachtstisch, Themen, über die wir noch nie gesprochen hatten? Wusste sie, dass ein baldiger Abschied bevorstand?
Spürt man das?
Vom Parkplatz aus rief ich Peter an.
„Überleg dir, während ich weg bin, was du mit mir möchtest, und ich überlege in der Zeit, in der ich mich in Kiel befinde, was ich mit dir möchte, o. k.?“
„Ja, o. k.!“
„Ich melde mich nicht, bis ich zurück bin, o. k.?“
„Ja, o. k.!“
Ich legte auf und wusste: Time to say good bye!
Als Schauspielerin schlecht gebucht, hatte ich zu diesem Zeitpunkt den Job als Casterin für Komparsen und Kleindarsteller für die Serie „Der Fahnder“ bei einer Kölner Produktionsfirma übernommen, nachdem ich bei einer gewissen „Agentur“ grade arbeitslos geworden war.
...
… sagte „Pa“, der Held des berühmt-berüchtigten Pro 7 TV-Westerns „Spiel mir das Lied und du bist tot“, den ihm der zauberhafte Autor T. K., nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Krankenkasse, in den Mund gelegt hatte. Ich spielte „Ma“ und Pas Satz beschrieb mein gesamtes Leben, womit erklärt wäre, warum ich mir diesen Ausspruch als Titel „geliehen“ habe. Wenn er Ihnen nicht zusagt, hier noch einige weitere Titel, die mir im Laufe des Schreibens einfielen, von Freunden und Feinden angeraten wurden und die Sie, wenn Sie mögen, ersatzweise selbst einfügen können:
„Aus-Zeit“ … (Mein erster Arbeitstitel, aber doch sehr an „Hinter Gittern“ angelehnt und weniger an meinem Leben.)
„Ich Walter – du Jane!“ (Mein zweiter, den ich allerdings nach der Sendung von H. E. Balder und Hella verwarf.)
„In Freiheit“ (Bezog sich auf … na was wohl?)
„Fettnapf“ (Könnte auch irreführend sein.)
„Ich nehme ein A“ (Frei nach der Sesamstraße.)
„Ich kaufe ein A“ (Siehe oben.)
„Verrückt“ (Sowieso!)
„Verrucht“ (… aber eigentlich bin ich das nicht.)
„Ich wollte nie ein A… sein“ (Anarchist, Angsthase, A-loch?)
„A zu sein bedarf es wenig …“ (Wer ein A ist, ist ein König)
„Wer A war, muss auch D aushalten“ (Zum Thema, ich sei nur noch ein D-Promi.)
„AAAmen“ (Na ja!)
„Streicheleinheiten“ (Klang ein bisschen zu sehr wie „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche.)
„Mit der Harley durch Kalifornien“ (Schlug Herr M. C. vom ersten Verlag vor, dem ich die Geschichten zusandte, der mir aber unmissverständlich klarmachte, dass er mich nicht mehr als AAA-Promi sehe und mir somit keine Chance einräumte, mich zu verlegen.)
„Mein wildes Leben vor und ‚Hinter Gittern‘“ (Ebenfalls ein Vorschlag von Herrn M. C., wobei ich beim Lesen seiner Absage dachte, er solle dieses Buch doch gefälligst selbst schreiben!)
AAAber nicht mit mir!
Im Übrigen werden Sie auf den folgenden Seiten keine Abhandlung oder den Schnelldurchlauf meines Lebens zu lesen bekommen, wie es normalerweise üblich ist. Kein „Wie“, „Wann“ und „Warum“ ich bin und „Wo“ ich geboren wurde. Sie werden auch keine Biografie lesen, wenn Sie überhaupt weiterlesen, denn Biografien, so zumindest stellte ich fest, werden fast immer erst im hohen Alter von Menschen geschrieben.
Warum?
Vielleicht, da dann die meisten Menschen, über die man schreibt, schon lange unter der Erde liegen und sich nicht mehr gegen mögliche Vorwürfe, Angriffe oder gar die Wahrheit wehren können. Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel, und so fand ich z. B. Herrn Bohlens Biografie äußerst unterhaltsam. Er plaudert schon zu Lebzeiten kleine, aber feine „Wahrheiten“ über seine vermeintlichen Protagonisten und natürlich über sich selbst aus und ich finde das höchst amüsant. Es spaltet ja eh kaum ein Mensch im deutschen Fernsehen die Gemüter so sehr wie Herr Bohlen. Ich denke, Missgunst und Neid sind hier keine Schlagworte und man sollte sich einfach vor seinem überaus hellen Geist, seinem Können und seiner Gradlinigkeit verbeugen. (Darf ich alles sagen, da ich Herrn Bohlen eh am Popo vorbeigehe und auch keine Gesangskarriere starten werde, weil ich ihn cool finde. Ich mache schließlich schon Musik, seit ich drei Jahre alt war. Dazu kommt, dass ich für „DSDS“ definitiv zu alt bin, auch wenn ich meinen Pass fälschen würde!)
Ich selbst fühle mich dennoch noch zu jung, um Sie, den Leser und die Leserin, mit meinem komplett „wilden“ Leben aus den Geburtsjahren zu belästigen oder zu behelligen. (Das Wort „belästigen“ fällt in diesem Zusammenhang, weil ich ja jetzt schon die Nörgler hören kann, die da rufen: „Und warum belästigt sie uns dann trotzdem mit ihren blöden Geschichten?“)
Die Menschen, die ich für erwähnenswert halte, tauchen in diesem Buch auf! Glauben Sie mir. So viel dazu!
Wussten Sie eigentlich, dass A- und D-Promis im Ungleichverhältnis stehen? Zumindest zur Körbchengröße?
Während scheinbar alle Welt D-Körbchen bei Frauen vorzieht, werden, ebenfalls „scheinbar“, denn ich kann eigentlich gar nicht so recht mitreden, in der aktuellen Fernsehwelt nur AAAs ernst genommen.
Kann man mal drüber nachdenken, muss man aber nicht.
Jedenfalls können Sie, dürfen und sollen Sie dieses Buch auch lesen, wenn Sie auf A-Körbchen stehen oder selbst dieser Dekolleté-Größe angehören. Hier sind wirklich keine Grenzen gesetzt!
Allerdings sollten Sie auch noch wissen: Hier, also am Ende des Buches, können Sie weder ein Auto noch eine Million gewinnen. Sie nehmen auch an keinem Preisausschreiben teil und wahrscheinlich werden Sie auch nicht der 999.999. Leser dieses Buches sein.
Machen Sie sich nichts draus!
Sollte ich Sie dennoch zu Tode langweilen, verschenken Sie das Buch einfach an jemanden, den Sie nicht leiden können.
So wird ein „Schuh“ draus, wenn auch nicht der Schuh des Manitu, glauben Sie mir.
Ich mache das auch nicht anders.
Und schnell noch das Wichtigste, nicht am Ende, sondern zu Beginn.
Danke!!!
An Sie, dass Sie sich für mich, meine Geschichten und Gedanken interessieren und dieses Buch lesen! (Oder auch nicht!)
An meine Familie, die die Schmach mit mir teilen muss und schon sehr nervös ist.
An meine Freunde, „im Himmel wie auf Erden!“ (Ich weiß, es heißt „so“, aber es passt grad nicht.)
Mein ganz besonderer Dank gilt allerdings dem novum Verlag, dass er dieses Buch möglich gemacht hat, dass er an mich glaubt und sich traut, mit mir auf diese sehr spezielle Reise zu gehen.
Und wenn Sie sich die Frage stellen:
WAHRHEIT ODER LÜGE, dann bitte ich Sie, entscheiden Sie selbst.
Das Leben ist kein Wunschkonzert und auch kein Fischfurz! Ich habe mir die Geschichten nicht ausgedacht, dennoch ein bisschen aufgefrischt, aber sie sind mir passiert, wie eben das Leben passiert.
Einfach so!
Schnell noch eine wichtige
Kurzinformation zum Thema:
Titel, Thesen, Temperamente!
Die Zehn Gebote
(nach Martin Luther)
Das erste Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott.
Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Das zweite Gebot
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes,
nicht missbrauchen.
Das dritte Gebot
Du sollst den Feiertag heiligen.
Das vierte Gebot
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
Das fünfte Gebot
Du sollst nicht töten.
Das sechste Gebot
Du sollst nicht ehebrechen.
Das siebte Gebot
Du sollst nicht stehlen.
Das achte Gebot
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
Das neunte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
Das zehnte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib,
Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist.
Und ich verspreche, ich werde mich hier, in diesem meinem Buch, an diese Zehn Gebote halten!
Jetzt geht’s los!
Viel Spaß beim Lesen!!!
Herzlichst,
Ihre
Katy Karrenbauer
„Tschüss!“
„Tschüss!“
„Bekomme ich keinen Kuss?“
„Nein.“
„Na dann wünsche ich dir ganz viel Spaß in Kiel!“
„Na ja, so viel Spaß, wie man eben auf einer Beerdigung haben kann.“
Ich machte auf dem Absatz kehrt und ging die fünf Stockwerke hinunter, ohne mich umzusehen. Ich wusste, er steht noch da und sieht mir nach, aber komischerweise hatte ich überhaupt kein Gefühl für ihn, für diesen Menschen. Nicht das geringste.
Ich empfand weder Mitleid noch Liebe, ich empfand einfach, schrecklicherweise, überhaupt nichts. Ich war nur unendlich traurig, dass ich mit einem Mann zusammenlebte, der absolut gar nichts verstand, der ignorant und gefühllos war.
Wer um Gottes willen war dieser Typ, mit dem ich zweieinhalb Jahre meines Lebens verbracht hatte?
Mit gesenktem Kopf stieg ich in den grünen Golf, den ich nie hatte leiden können, ließ den Motor an und fuhr Richtung Autobahn. Der kleine, alte Kassettenrekorder fasste die ebenso alte Kassette und jammerte mir ein „Time to say goodbye“ entgegen.
Time to say good bye!
Warum ich dieses Lied gleich dreimal hintereinander aufgenommen hatte, wusste ich nicht mehr so genau. Aber spätestens nach dem dritten Mal und auftretendem Ekel spulte ich tatsächlich die Kassette wieder zurück und Andrea Bocelli begann von vorn.
Als ob ich mir Mut antrinken wollte, endlich zu sagen, was ich empfand, hörte ich wieder und wieder dieses Lied, bis ich auf einem Parkplatz den Wagen zum Stehen brachte, mittlerweile mit tränenüberströmtem Gesicht. So sehr schämte ich mich für die Worte des Mannes, den ich einst geliebt hatte.
„Viel Spaß in Kiel“, dröhnte es in meinem Kopf.
Viel Spaß!
Er wusste, meine alte Schauspiellehrerin war gestorben.
Er wusste, wie schwer mir der Abschied von ihr fallen würde.
Er wusste doch, dass sie ein ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens gewesen war, sie, die mich auf die Bretter, die die Welt bedeuten, geschubst hatte und die mich kurz vor Weihnachten sozusagen frühzeitig mit meinem Erbe beschenkt hatte. Mit zwei Figuren aus Holz, von denen sie unbedingt wollte, dass ich sie habe.
„Du liebst doch Holz, ich weiß das genau“, hatte sie gesagt, als sie sich mühsam, auf meinen Arm gestützt, in ihr Arbeitszimmer geschleppt hatte.
„Bitte Uta, jetzt fang bloß nicht an, mir mein Erbe aufzuzwingen. Ich will nichts haben. Und außerdem wirst du mindestens hundert. Also lass das bitte.“
Sie hatte die beiden Figuren auf den Wohnzimmertisch gestellt.
„Missgunst und Neid“, hatte sie zahnlos genuschelt.
„Missgunst und Neid. Hüte dich davor, Katy. Beides wird dir immer wieder begegnen. Sei stark und lass dich nicht mitreißen, auch wenn es manchmal einfacher erscheint. Lass dich von diesen beiden nie zerfressen, nie in die Irre führen!“ Ihre Worte drangen so tief in mich ein, wie mich vielleicht nie zuvor Worte berührt hatten. Tränen schossen mir in die Augen, aber ich wusste, sie hasste es, wenn man einfach so „heulte ohne Nutzen“. Es sei denn, man stand auf der Bühne als Penthesilea, die von Ares, dem Gott des Krieges, den Streitwagen forderte, um Achill, den Geliebten, der sie verletzt hatte und der sie nun zum Kampf forderte, zu töten, auszulöschen. Aber sonst? Sonst hatte es gefälligst keine Tränen zu geben. Tränen bedeuteten Schwäche, und die zeigte man nicht. Nicht als Schauspielerin. Nie!
Missgunst und Neid sahen zwar aus wie zwei Geistliche, aber ihre Gesichter hatten dennoch etwas Bedrohliches. Das Holz war leicht und würde mein Gepäck nicht beschweren. Und während wir den Sauerbraten meiner Mutter an diesem ersten Weihnachtstag aßen und mir fast jeder Bissen im Halse stecken blieb, lächelte mir die alte Dame zufrieden zu. Dann zeigte sie auf das Bild über ihrem Sofa.
„Ich möchte, dass du es bekommst, wenn ich mal nicht mehr bin.“
Das Bild war eigentlich ehemals ein Bühnenbild für ein Theaterstück gewesen, das sie in hohem Alter noch inszeniert hatte, gemalt als großes Transparent. Aber der Bühnenmaler hatte dieses Bild nochmals in „klein“ für sie kopiert, damit es in ihr Wohnzimmer passte, über das alte Sofa, nahe dem Esstisch. Es zeigte einen Tiger, der grade dabei war, einen Wasserbüffel zu reißen. Des Tigers gewaltige Zähne steckten im Hals des Büffels, aber das Komische daran war, dass der Büffel zu lächeln schien.
„Er lächelt, siehst du?“
„Ja, stimmt“, sagte ich nachdenklich.
„Er lächelt, weil er den Lauf des Lebens kennt und anerkennt.“
Ich war anderer Meinung, denn ich hatte in keiner Dokumentation, die ich je gesehen hatte, ein Tier wahrgenommen, das gerissen wurde und das im Todeskampf „gelächelt“ hatte. Ich wollte widersprechen, wollte auf den Maler verweisen, der hier ein Opfer als williges, dem Tode zustimmendes Objekt darstellte. Ich wollte darauf hinweisen, dass das Stück, das sie inszeniert hatte und das dieses Bild eben als Bühnenbild benutzte, vielleicht diese Aussage hatte, dass ich aber grundsätzlich nicht der Meinung sei, dass „Opfer“ sich freiwillig in ihr Schicksal fügen und fast dankbar wirkten, als hätte sich ihr Los erfüllt, nämlich das des Opferdaseins. Aber, als ich ansetzen wollte, ihr meine Theorie zu erklären, hob sie den Kopf und warf ihre mittlerweile komplett ergraute, lange Mähne in den Nacken, als wollte sie sich zum Kampfe gegen mich rüsten, und ich schwieg. Ich schaute sie an und schwieg. Und zum allerersten Mal, seit ich den „Theaterdragoner“, wie ich sie oft ohne ihr Wissen zu nennen pflegte, kannte, zum allerersten Mal liebte ich diesen Menschen von ganzem Herzen, tief und aufrichtig.
Ich glaubte, ein kleines Lächeln in ihrem Gesicht zu erkennen, und die alte Dame rührte mich so sehr, dass ich schnell den Tisch abräumte und mich in die Küche tummelte, um „eben schnell“ den Abwasch zu erledigen, aber eigentlich nur, weil sie meine Tränen nicht sehen sollte, die ich nun nicht mehr zurückhalten konnte.
„Völlig unwichtig“, grunzte sie mir aus dem Wohnzimmer entgegen und meinte damit den Abwasch, aber ich ließ mich nicht davon abbringen und fuhr mir sogar noch schnell mit den nassen Abwaschhänden durchs Gesicht, damit mich nichts, keine Spur von Tränen, entlarvte.
„Ich möchte, dass du bei mir im Theater spielst!“, rief sie mir zu. „Deinen Soloabend! Ich möchte ihn sehen. Und deinen musikalischen Abend auch. Machst du das? Machst du mir die
Freude?“
„Ja!“, rief ich aus der Küche.
„Und noch etwas“, fügte sie hinzu. „Du wirst niemals Synchronsprecherin, hörst du? Versprich mir das. Niemals!“ Mit diesen Worten begrüßte sie mich, als ich wieder ins Wohnzimmer zurückkam.
„Du weißt ja, ich war jahrelang die Stimme von Anna Magnani. Aber durch meine Synchronarbeit wurde ich eine immer schlechtere Bühnenschauspielerin. Ich habe dadurch mehr und mehr meine Identität verloren. Mach das nicht, Katy. Niemals synchron! Man ist nicht mehr man selbst. Man opfert sich zugunsten eines Filmcharakters und man verliert sich selbst so verdammt schnell. Man verliert sich selbst. Verstehst du?“
Der Wasserbüffel grinste mich an und ich hielt die Holz-Missgunst- und Neid-Figuren im Arm. Konnte es sein, dass sie wusste, dass sie zu Ende ging? Oder warum packte sie gleich mehrere Themen gleichzeitig auf den Weihnachtstisch, Themen, über die wir noch nie gesprochen hatten? Wusste sie, dass ein baldiger Abschied bevorstand?
Spürt man das?
Vom Parkplatz aus rief ich Peter an.
„Überleg dir, während ich weg bin, was du mit mir möchtest, und ich überlege in der Zeit, in der ich mich in Kiel befinde, was ich mit dir möchte, o. k.?“
„Ja, o. k.!“
„Ich melde mich nicht, bis ich zurück bin, o. k.?“
„Ja, o. k.!“
Ich legte auf und wusste: Time to say good bye!
Als Schauspielerin schlecht gebucht, hatte ich zu diesem Zeitpunkt den Job als Casterin für Komparsen und Kleindarsteller für die Serie „Der Fahnder“ bei einer Kölner Produktionsfirma übernommen, nachdem ich bei einer gewissen „Agentur“ grade arbeitslos geworden war.
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