Das glaubt mir ja eh keiner
Ein amüsanter und lehrreicher Leitfaden für ein Leben in unbeschwerter Leichtigkeit
EUR 19,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 208
ISBN: 978-3-7116-1195-6
Erscheinungsdatum: 12.01.2026
Ein sehr amüsantes Werk. Die humorvollen Kurzgeschichten sind leicht zu lesen und doch spannend. Kann man nicht mehr weglegen. Gute unterhaltsame Lektüre für den Urlaub und zwischendurch – auch wenn man nicht viel Zeit hat. Köstlich!
1. Kapitel: USA
Von Wien nach Carmel
Während des Studiums in Wien traf ich immer wieder Amerikaner: Studenten, Künstler, Musiker, Sportler, Touristen etc. Ich konnte schon seit der Schule gut Englisch. Es fiel mir sehr leicht und war schier mühelos! Die Amis sagten mir immer wieder: Du musst nach Kalifornien gehen! You look like a Westcoaster! (Du siehst aus wie jemand von der Westküste). Das blieb irgendwie hängen!
Also bewarb ich mich bei der Ökista um einen Sommerjob in den USA. Es gab da eine Servicestelle für Studenten. Die meisten fanden dort Arbeit im Gastgewerbe an der Ostküste. Ich wollte aber auf jeden Fall nach Kalifornien! Also schrieb ich auf die Anmeldung: KALIFORNIEN! Und unterstrich es mehrere Male mit roter Farbe!
Ich hatte Glück, denn ich bekam die Nachricht, dass ich einen Job in Carmel-by-the-Sea hätte – als Zimmermädchen! Nicht unbedingt mein Lieblingsjob, aber ich konnte meinen Traum von der Westküste erfüllen!
Anmerkung: Carmel ist ein berühmter, malerischer Ort an der Küste südlich von San Francisco. Dort gibt es herrlich weißen Sandstrand. Aber auch Kieselstrand – den beliebten „Pebble Beach“, wo sich ein wunderschönes Naturschutzgebiet befindet, mit vielen Tieren: Vögel, Seehunde, Robben etc. Abgesehen von der Schönheit der Landschaft ist das Besondere an Carmel, dass an diesem Ort viele Künstler und Musiker wohnen. Der Bürgermeister war für einige Jahre kein Geringerer als der berühmte Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood!
Als ich dort ankam, begab ich mich sofort auf die Suche nach dem „Pine Inn“ in der Ocean Avenue. Eine putzige, belebte Straße mit vielen hübschen Restaurants, Galerien, Shops und Hotels.
Ich ging zur Rezeption und wurde freundlich von einer netten jungen Frau namens Renée begrüßt! Als sie herausfand, dass ich aus Österreich kam, antwortete sie mir sofort in makellosem Deutsch. Sie war nämlich als Kind mit ihren Eltern nach Amerika ausgewandert und lebte mit ihrer Mutter und Oma in Carmel!
Renée ließ mich wissen, dass sie an jenem Tag nur als Aushilfe an der Rezeption für jemanden eingesprungen sei. Sie riet mir, nicht dortzubleiben, denn der Job als Zimmermädchen sei nicht so erbaulich.
Ganz überraschend wurde ich von ihr eingeladen, mit ihr nach Hause zu kommen. Sie versprach, dass sie mich in ein anderes Hotel mitnehmen würde, wo sie normalerweise arbeitete. Im Holiday Inn am Highway One! Dort würde stets eine Cocktail Waitress (Bardame) gebraucht!
Wow, das war ja eine tolle Sache! So eine Fügung des Schicksals! (Ich glaube ja nicht an Zufälle, sondern an die beeindruckende Präzision des Universums!)
Ich fuhr also mit Renée nach Hause, wurde herzlich von ihrer Mutter und Oma begrüßt, bekam mein eigenes Zimmer und fühlte mich wunderbar aufgehoben!
Nach einer erholsamen Nacht nahm mich Renée mit zu ihrem Arbeitsplatz. Ich erhielt sofort den angekündigten Job in der Bar. Am darauffolgenden Tag ging es mit der Arbeit los. Es war der 4. Juli!
Independence Day!
Ich war gespannt, wie das ablaufen würde. Ich kam zur Hotelbar. Dort arbeiteten 2 Philippinos als Barkeeper.
Ich hatte die Aufgabe, an den Tischen die Bestellungen entgegenzunehmen. Dann musste ich an der Bar mitteilen, welche Getränke die Gäste bestellt hatten.
In atemberaubendem Tempo mixten die Barkeeper die von mir angegebenen Drinks und zack, 1, 2, 3 standen sie auf meinem Tablett!
Anmerkung: Man muss wissen, dass die Amerikaner gerne Cocktails trinken. Bei uns ist das nicht sehr verbreitet. Es gibt davon ziemlich viele, ca. 30 oder mehr. Alle haben interessante Namen: Cosmopolitan, Tom Collins, Singapur Sling, Manhattan, White Russian, Black Russian, Harvey Wallbanger, Screwdriver, Tequila Sunrise, Daiquiri, Mai Tai, Pina Colada, Brandy Alexander, Mojito, um nur einige zu nennen. Sie sehen alle toll aus. Bunt und sehr einladend. Wie lustige Getränke für Kinder. Aber meist sind sie hochprozentig!
So, nun musste ich also die gemixten Cocktails zu den Gästen bringen. Hmm, aber was war jetzt was?
Ich sagte einfach die Wahrheit: Sorry Leute, ich bin aus Österreich. Heute ist mein erster Arbeitstag und Ihr kennt sicher eure Drinks besser als ich!
Oh, come on Honey, sagten sie und lachten.
Jeder nahm sich seinen Trunk und sie gaben mir ein großzügiges Trinkgeld.
Der 4. Juli – Independence Day – ist einer der beliebtesten Feiertage in Amerika. Die Bar und alle Tische waren voll besetzt. Alle waren lustig, tranken viel und feierten ihren Unabhängigkeitstag. Ich sauste zwischen den Tischen und der Bar hin und her, bemühte mich, mir wenigstens die bestellten Drinks zu merken (viele merkwürdige Namen, die ich vorher nie gehört hatte!) Uff, mit Hilfe der superschnellen Barkeeper und der gut gelaunten Gäste ging der Abend oder besser die Nacht ohne Hindernisse vorbei. Außerdem hatte ich obendrein noch jede Menge Trinkgeld kassiert!
Ich dachte mir, wenn ich diesen Abend gut überstehe, wird der Rest ein Kinderspiel sein. Und so war es auch.
Mit der Zeit konnte ich mir die diversen Cocktails merken und wusste genau, wie sie aussahen. Es war ein toller Job. Ich war elegant gekleidet, servierte bunte Drinks an gut gelaunte Gäste, kassierte Trinkgeld, keine Dreckarbeit, kein Aufräumen und obendrein gratis Verpflegung! Kaum zu überbieten!
Durch einen Kontakt von Renée bekam ich sogar eine eigene Wohnung. Eine ihrer Freundinnen war zu ihrem Freund nach L. A. gezogen. Ihr Apartment stand leer und so durfte ich umsonst dort wohnen.
Zu alldem war die Besitzerin sogar froh, dass ihr Domizil „bewohnt“ war. (House sitting nennt man das eigentlich, aber das war mir damals noch nicht bekannt.)
Wow, danke, liebes Universum!
Wie kann das noch besser werden?
Zu meinem Glück waren die Barkeeper auch sehr nett und hilfreich. Sie holten mich abends zur Arbeit ab und brachten mich wieder nach Hause. Was für ein Service!
Dann schenkte mir jemand ein altes Fahrrad, das nur ein bisschen Luft in den Schläuchen brauchte. Und schon war ich per Drahtesel unabhängig und konnte tagsüber in meiner Freizeit zum Strand radeln oder die Gegend erkunden!
Als ich verschiedene Leute kennenlernte, sagten sie oft zu mir: Oh, Honey, wenn du was brauchst, ruf mich an, ich hol Dich ab! Das klang verlockend, aber nicht sehr glaubwürdig!
Zu meinem Erstaunen fand ich heraus, dass es die Leute wirklich ernst meinten. Es war nicht nur so dahingesagt! Ein tolles Völkchen, diese Kalifornier.
So wurde ich an verschiedene Orte kutschiert. Die Gegend dort war außerordentlich malerisch und es gab viel zu sehen.
Bill, der junge Hoteldirektor, organisierte immer wieder Volleyballspiele, wozu er mich einlud. Ich liebe diesen Sport schon seit meiner Schulzeit! Es war immer lustig. Anschließend gab es im Hotel einen Snack und erfrischende Getränke! Ja, so kann man auch das Leben genießen.
Mr. Bill fuhr mich auch nach Big Sur. Eine legendäre Landschaft etwas südlich von Carmel. Dort gibt es große Dünen und einen wild bewachsenen Strand.
Wir machten ein Picknick mit kühlem Chablis und Sandwiches. Zum Schwimmen ist dort das Wasser am Pazifik zu kalt. Daher bleibt man eher zwischen den Dünen und genießt den Ausblick aufs Meer.
Eigentlich wollte ich nie mehr weg von dort, so schön war es! Doch es kam wieder mal anders!
Oder: Das Leben geschieht, während man andere Pläne schmiedet.
(Originalzitat von John Lennon)
Wie ich dann doch noch in Kalifornien landete und fast 12 Jahre blieb, steht im nächsten Kapitel!
Umzug nach Kalifornien
In Wien hatte ich eine Zahnarztpraxis (für Österreicher: eine Ordination), die ich teuer von einem alten Zahnarzt abgelöst hatte.
So arbeitete ich ca. 80 % für die Bank und deren Zinsen und musste eine Arbeit verrichten, die mir nicht wirklich Spaß machte. Sprich: bohren, bohren, sich verbiegen, jede Menge Stress, Schulter- und Nackenschmerzen und so weiter.
In diesem Beruf ist man immer ziemlich unter Druck. Es soll nicht wehtun, schnell gehen, schön aussehen. Und vor allem nicht zu viel kosten!
Dr. John Blanton, ein weiser amerikanischer Kollege, meinte, als Patient darf man sich davon nur zwei aussuchen! Leider habe ich diesen Tipp erst viel zu spät erhalten.
August K., ein befreundeter Kinderarzt, riet mir: Du musst regulieren, regulieren… Da kannst du jede Menge Geld verdienen!
Wir hatten aber leider auf der Universitätszahnklinik die KFO nur leicht überflogen, und es hat sich eigentlich niemand so recht ausgekannt. (Ich habe später sogar ausgebildete Kieferorthopäden kennengelernt, die mir sagten, sie mussten erst mal in einer Praxis mitarbeiten, um etwas zu verstehen!)
So meldete ich mich in Wien zu einem Kurs an. Ich saß neben einem netten Kollegen, der anscheinend viel mehr wusste und mir dieses Wissen auch besser übermitteln konnte als der Vortragende. Ein älterer, bebrillter Herr, der irgendetwas Unverständliches daherschwafelte, von dem fast niemand etwas verstand! Sehr mühsam!
Ich drehte mich zu meinem Nachbarn:
Wieso bist du hier? Du weißt doch so viel?
Ach, ich wollte nur mal schauen, was sich so tut!
Viel später wurde mir klar, dass die meisten Kieferorthopäden es nicht wünschen, dass die Zahnärzte sich in dieser Materie auskennen. Sonst besteht ja die Gefahr, dass sie ihnen die Patienten wegnehmen könnten!
Nun, dieser nette Kollege neben mir riet mir: Du musst nach Steyr fahren. Dort gibt es die POS-Kurse von den Amerikanern, und innerhalb kurzer Zeit kennst du dich super aus!
Allerdings, meinte er, wäre es günstig, wenn du gut Englisch kannst! Na ja, das war ja kein Problem für mich.
Also meldete ich mich in Steyr für die Kurse an. Einige Monate später gab es schon den ersten Termin. (Es waren insgesamt 12 Seminare, verteilt über 18 Monate.)
Seminar Nr. 1: Der Boss, Doktor McGann, ein Zahnarzt aus Kalifornien, war der Vortragende. Es war alles ziemlich interessant.
Zum Mittagessen setzte ich mich natürlich zu ihm und fing an, mit ihm in Englisch zu plaudern.
McGann: How come you speak English so well?
I speak 5 languages fluently!
Wie aus der Pistole geschossen erwiderte er:
Give me your card!
Ich händigte ihm meine Visitenkarte aus. Beim Abschied meinte er nur kurz, dass ich eines Tages eventuell sehr viel reisen müsste! Interessant! Was hatte das wohl zu bedeuten? Das sollte sich bald herausstellen!
Der Jazzpianist aus San Francisco
Durch meine liebe Freundin Elly W. – wie ich Jazzsängerin in Wien – lernte ich den hervorragenden Pianisten Merrill H. kennen. Wir hatten sofort eine magische Verbindung – nicht nur durch die Musik, sondern auch mit dem Herzen.
Wir streiften unbeschwert etliche Zeit in der schönen Stadt Wien herum, lachten und amüsierten uns. Es war da eine wundervolle Leichtigkeit, wenn wir zusammen waren.
Außerdem verbrachten wir viele Stunden am Klavier. Er begleitete mich. Ein begnadeter Begleiter für jeden Sänger. Als ich zu singen begann, liefen ihm die Tränen über die Wangen. Er meinte:
Mein Gott, deine Stimme! Zusammen könnten wir Millionen verdienen!
Als er wieder nach Kalifornien zurückkehren musste, war mir das Herz sehr schwer. Es gab viele Tränen.
Am Telefon einigten wir uns, dass ich übers Wochenende nach San Francisco fliegen sollte. Um zu reden! Es ist ja nicht gerade sehr nahe für einen Wochenendtrip, aber das war mir ziemlich egal!
Weekend in San Francisco
Was als Nächstes geschah und warum, kann ich wirklich nicht genau erklären.
Ich schickte Dr. McGann ein Fax, in dem ich ihm mitteilte, dass ich am Wochenende nach San Francisco fliegen würde. Kurz darauf läutete das Telefon. Am anderen Ende hörte ich:
This is Doctor McGann from overseas!
I want to meet you in San Francisco!
Huch, dachte ich, interessant! Er wollte mich am Wochenende in San Francisco treffen! Er hätte etwas mit mir zu besprechen! Beeindruckend, denn er musste dazu von Los Angeles anreisen! Na, das war ja wie im Kino!
Als wir uns dann trafen, machte er mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte! Er brauchte einen Dolmetscher. Für Deutschland und die Schweiz!
Ich sagte sofort zu, würde aber gerne in Kalifornien wohnen!
Ok, no problem!
Kleine Anmerkung: Dr. McGann, dieser tolle Zahnarzt und ein Genie in Sachen KFO, hatte bereits in 14 verschiedenen Ländern seine Kurse laufen.
Überall benötigte er natürlich einen Zahnarzt als Dolmetscher, der mindestens zwei Sprachen beherrschte: Englisch und die jeweilige Landessprache, wo die Seminare stattfanden.
Später fand ich heraus, dass er einen Spion nach Österreich schickte. Ein Instructor. Der nächste Vortragende. Offiziell Dr. John Blanton. Mit Spitznamen „Buzz“.
Dr. „Buzz“ Blanton
Wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Später erzählte er mir, dass McGann ihn aufgefordert hatte, mich zu testen.
Buzz fragte.
Na, wer ist es denn?
Du wirst wissen, wer es ist!
Mein Freund John B. meinte, dass McGann noch nie etwas Mysteriöses gesagt habe. Er war sehr beeindruckt!
Er äußerte sich gegenüber McGann später so:
Sie ist verrückt. (Ich war gemeint!)
Aber gib ihr den Job!
…
Von Wien nach Carmel
Während des Studiums in Wien traf ich immer wieder Amerikaner: Studenten, Künstler, Musiker, Sportler, Touristen etc. Ich konnte schon seit der Schule gut Englisch. Es fiel mir sehr leicht und war schier mühelos! Die Amis sagten mir immer wieder: Du musst nach Kalifornien gehen! You look like a Westcoaster! (Du siehst aus wie jemand von der Westküste). Das blieb irgendwie hängen!
Also bewarb ich mich bei der Ökista um einen Sommerjob in den USA. Es gab da eine Servicestelle für Studenten. Die meisten fanden dort Arbeit im Gastgewerbe an der Ostküste. Ich wollte aber auf jeden Fall nach Kalifornien! Also schrieb ich auf die Anmeldung: KALIFORNIEN! Und unterstrich es mehrere Male mit roter Farbe!
Ich hatte Glück, denn ich bekam die Nachricht, dass ich einen Job in Carmel-by-the-Sea hätte – als Zimmermädchen! Nicht unbedingt mein Lieblingsjob, aber ich konnte meinen Traum von der Westküste erfüllen!
Anmerkung: Carmel ist ein berühmter, malerischer Ort an der Küste südlich von San Francisco. Dort gibt es herrlich weißen Sandstrand. Aber auch Kieselstrand – den beliebten „Pebble Beach“, wo sich ein wunderschönes Naturschutzgebiet befindet, mit vielen Tieren: Vögel, Seehunde, Robben etc. Abgesehen von der Schönheit der Landschaft ist das Besondere an Carmel, dass an diesem Ort viele Künstler und Musiker wohnen. Der Bürgermeister war für einige Jahre kein Geringerer als der berühmte Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood!
Als ich dort ankam, begab ich mich sofort auf die Suche nach dem „Pine Inn“ in der Ocean Avenue. Eine putzige, belebte Straße mit vielen hübschen Restaurants, Galerien, Shops und Hotels.
Ich ging zur Rezeption und wurde freundlich von einer netten jungen Frau namens Renée begrüßt! Als sie herausfand, dass ich aus Österreich kam, antwortete sie mir sofort in makellosem Deutsch. Sie war nämlich als Kind mit ihren Eltern nach Amerika ausgewandert und lebte mit ihrer Mutter und Oma in Carmel!
Renée ließ mich wissen, dass sie an jenem Tag nur als Aushilfe an der Rezeption für jemanden eingesprungen sei. Sie riet mir, nicht dortzubleiben, denn der Job als Zimmermädchen sei nicht so erbaulich.
Ganz überraschend wurde ich von ihr eingeladen, mit ihr nach Hause zu kommen. Sie versprach, dass sie mich in ein anderes Hotel mitnehmen würde, wo sie normalerweise arbeitete. Im Holiday Inn am Highway One! Dort würde stets eine Cocktail Waitress (Bardame) gebraucht!
Wow, das war ja eine tolle Sache! So eine Fügung des Schicksals! (Ich glaube ja nicht an Zufälle, sondern an die beeindruckende Präzision des Universums!)
Ich fuhr also mit Renée nach Hause, wurde herzlich von ihrer Mutter und Oma begrüßt, bekam mein eigenes Zimmer und fühlte mich wunderbar aufgehoben!
Nach einer erholsamen Nacht nahm mich Renée mit zu ihrem Arbeitsplatz. Ich erhielt sofort den angekündigten Job in der Bar. Am darauffolgenden Tag ging es mit der Arbeit los. Es war der 4. Juli!
Independence Day!
Ich war gespannt, wie das ablaufen würde. Ich kam zur Hotelbar. Dort arbeiteten 2 Philippinos als Barkeeper.
Ich hatte die Aufgabe, an den Tischen die Bestellungen entgegenzunehmen. Dann musste ich an der Bar mitteilen, welche Getränke die Gäste bestellt hatten.
In atemberaubendem Tempo mixten die Barkeeper die von mir angegebenen Drinks und zack, 1, 2, 3 standen sie auf meinem Tablett!
Anmerkung: Man muss wissen, dass die Amerikaner gerne Cocktails trinken. Bei uns ist das nicht sehr verbreitet. Es gibt davon ziemlich viele, ca. 30 oder mehr. Alle haben interessante Namen: Cosmopolitan, Tom Collins, Singapur Sling, Manhattan, White Russian, Black Russian, Harvey Wallbanger, Screwdriver, Tequila Sunrise, Daiquiri, Mai Tai, Pina Colada, Brandy Alexander, Mojito, um nur einige zu nennen. Sie sehen alle toll aus. Bunt und sehr einladend. Wie lustige Getränke für Kinder. Aber meist sind sie hochprozentig!
So, nun musste ich also die gemixten Cocktails zu den Gästen bringen. Hmm, aber was war jetzt was?
Ich sagte einfach die Wahrheit: Sorry Leute, ich bin aus Österreich. Heute ist mein erster Arbeitstag und Ihr kennt sicher eure Drinks besser als ich!
Oh, come on Honey, sagten sie und lachten.
Jeder nahm sich seinen Trunk und sie gaben mir ein großzügiges Trinkgeld.
Der 4. Juli – Independence Day – ist einer der beliebtesten Feiertage in Amerika. Die Bar und alle Tische waren voll besetzt. Alle waren lustig, tranken viel und feierten ihren Unabhängigkeitstag. Ich sauste zwischen den Tischen und der Bar hin und her, bemühte mich, mir wenigstens die bestellten Drinks zu merken (viele merkwürdige Namen, die ich vorher nie gehört hatte!) Uff, mit Hilfe der superschnellen Barkeeper und der gut gelaunten Gäste ging der Abend oder besser die Nacht ohne Hindernisse vorbei. Außerdem hatte ich obendrein noch jede Menge Trinkgeld kassiert!
Ich dachte mir, wenn ich diesen Abend gut überstehe, wird der Rest ein Kinderspiel sein. Und so war es auch.
Mit der Zeit konnte ich mir die diversen Cocktails merken und wusste genau, wie sie aussahen. Es war ein toller Job. Ich war elegant gekleidet, servierte bunte Drinks an gut gelaunte Gäste, kassierte Trinkgeld, keine Dreckarbeit, kein Aufräumen und obendrein gratis Verpflegung! Kaum zu überbieten!
Durch einen Kontakt von Renée bekam ich sogar eine eigene Wohnung. Eine ihrer Freundinnen war zu ihrem Freund nach L. A. gezogen. Ihr Apartment stand leer und so durfte ich umsonst dort wohnen.
Zu alldem war die Besitzerin sogar froh, dass ihr Domizil „bewohnt“ war. (House sitting nennt man das eigentlich, aber das war mir damals noch nicht bekannt.)
Wow, danke, liebes Universum!
Wie kann das noch besser werden?
Zu meinem Glück waren die Barkeeper auch sehr nett und hilfreich. Sie holten mich abends zur Arbeit ab und brachten mich wieder nach Hause. Was für ein Service!
Dann schenkte mir jemand ein altes Fahrrad, das nur ein bisschen Luft in den Schläuchen brauchte. Und schon war ich per Drahtesel unabhängig und konnte tagsüber in meiner Freizeit zum Strand radeln oder die Gegend erkunden!
Als ich verschiedene Leute kennenlernte, sagten sie oft zu mir: Oh, Honey, wenn du was brauchst, ruf mich an, ich hol Dich ab! Das klang verlockend, aber nicht sehr glaubwürdig!
Zu meinem Erstaunen fand ich heraus, dass es die Leute wirklich ernst meinten. Es war nicht nur so dahingesagt! Ein tolles Völkchen, diese Kalifornier.
So wurde ich an verschiedene Orte kutschiert. Die Gegend dort war außerordentlich malerisch und es gab viel zu sehen.
Bill, der junge Hoteldirektor, organisierte immer wieder Volleyballspiele, wozu er mich einlud. Ich liebe diesen Sport schon seit meiner Schulzeit! Es war immer lustig. Anschließend gab es im Hotel einen Snack und erfrischende Getränke! Ja, so kann man auch das Leben genießen.
Mr. Bill fuhr mich auch nach Big Sur. Eine legendäre Landschaft etwas südlich von Carmel. Dort gibt es große Dünen und einen wild bewachsenen Strand.
Wir machten ein Picknick mit kühlem Chablis und Sandwiches. Zum Schwimmen ist dort das Wasser am Pazifik zu kalt. Daher bleibt man eher zwischen den Dünen und genießt den Ausblick aufs Meer.
Eigentlich wollte ich nie mehr weg von dort, so schön war es! Doch es kam wieder mal anders!
Oder: Das Leben geschieht, während man andere Pläne schmiedet.
(Originalzitat von John Lennon)
Wie ich dann doch noch in Kalifornien landete und fast 12 Jahre blieb, steht im nächsten Kapitel!
Umzug nach Kalifornien
In Wien hatte ich eine Zahnarztpraxis (für Österreicher: eine Ordination), die ich teuer von einem alten Zahnarzt abgelöst hatte.
So arbeitete ich ca. 80 % für die Bank und deren Zinsen und musste eine Arbeit verrichten, die mir nicht wirklich Spaß machte. Sprich: bohren, bohren, sich verbiegen, jede Menge Stress, Schulter- und Nackenschmerzen und so weiter.
In diesem Beruf ist man immer ziemlich unter Druck. Es soll nicht wehtun, schnell gehen, schön aussehen. Und vor allem nicht zu viel kosten!
Dr. John Blanton, ein weiser amerikanischer Kollege, meinte, als Patient darf man sich davon nur zwei aussuchen! Leider habe ich diesen Tipp erst viel zu spät erhalten.
August K., ein befreundeter Kinderarzt, riet mir: Du musst regulieren, regulieren… Da kannst du jede Menge Geld verdienen!
Wir hatten aber leider auf der Universitätszahnklinik die KFO nur leicht überflogen, und es hat sich eigentlich niemand so recht ausgekannt. (Ich habe später sogar ausgebildete Kieferorthopäden kennengelernt, die mir sagten, sie mussten erst mal in einer Praxis mitarbeiten, um etwas zu verstehen!)
So meldete ich mich in Wien zu einem Kurs an. Ich saß neben einem netten Kollegen, der anscheinend viel mehr wusste und mir dieses Wissen auch besser übermitteln konnte als der Vortragende. Ein älterer, bebrillter Herr, der irgendetwas Unverständliches daherschwafelte, von dem fast niemand etwas verstand! Sehr mühsam!
Ich drehte mich zu meinem Nachbarn:
Wieso bist du hier? Du weißt doch so viel?
Ach, ich wollte nur mal schauen, was sich so tut!
Viel später wurde mir klar, dass die meisten Kieferorthopäden es nicht wünschen, dass die Zahnärzte sich in dieser Materie auskennen. Sonst besteht ja die Gefahr, dass sie ihnen die Patienten wegnehmen könnten!
Nun, dieser nette Kollege neben mir riet mir: Du musst nach Steyr fahren. Dort gibt es die POS-Kurse von den Amerikanern, und innerhalb kurzer Zeit kennst du dich super aus!
Allerdings, meinte er, wäre es günstig, wenn du gut Englisch kannst! Na ja, das war ja kein Problem für mich.
Also meldete ich mich in Steyr für die Kurse an. Einige Monate später gab es schon den ersten Termin. (Es waren insgesamt 12 Seminare, verteilt über 18 Monate.)
Seminar Nr. 1: Der Boss, Doktor McGann, ein Zahnarzt aus Kalifornien, war der Vortragende. Es war alles ziemlich interessant.
Zum Mittagessen setzte ich mich natürlich zu ihm und fing an, mit ihm in Englisch zu plaudern.
McGann: How come you speak English so well?
I speak 5 languages fluently!
Wie aus der Pistole geschossen erwiderte er:
Give me your card!
Ich händigte ihm meine Visitenkarte aus. Beim Abschied meinte er nur kurz, dass ich eines Tages eventuell sehr viel reisen müsste! Interessant! Was hatte das wohl zu bedeuten? Das sollte sich bald herausstellen!
Der Jazzpianist aus San Francisco
Durch meine liebe Freundin Elly W. – wie ich Jazzsängerin in Wien – lernte ich den hervorragenden Pianisten Merrill H. kennen. Wir hatten sofort eine magische Verbindung – nicht nur durch die Musik, sondern auch mit dem Herzen.
Wir streiften unbeschwert etliche Zeit in der schönen Stadt Wien herum, lachten und amüsierten uns. Es war da eine wundervolle Leichtigkeit, wenn wir zusammen waren.
Außerdem verbrachten wir viele Stunden am Klavier. Er begleitete mich. Ein begnadeter Begleiter für jeden Sänger. Als ich zu singen begann, liefen ihm die Tränen über die Wangen. Er meinte:
Mein Gott, deine Stimme! Zusammen könnten wir Millionen verdienen!
Als er wieder nach Kalifornien zurückkehren musste, war mir das Herz sehr schwer. Es gab viele Tränen.
Am Telefon einigten wir uns, dass ich übers Wochenende nach San Francisco fliegen sollte. Um zu reden! Es ist ja nicht gerade sehr nahe für einen Wochenendtrip, aber das war mir ziemlich egal!
Weekend in San Francisco
Was als Nächstes geschah und warum, kann ich wirklich nicht genau erklären.
Ich schickte Dr. McGann ein Fax, in dem ich ihm mitteilte, dass ich am Wochenende nach San Francisco fliegen würde. Kurz darauf läutete das Telefon. Am anderen Ende hörte ich:
This is Doctor McGann from overseas!
I want to meet you in San Francisco!
Huch, dachte ich, interessant! Er wollte mich am Wochenende in San Francisco treffen! Er hätte etwas mit mir zu besprechen! Beeindruckend, denn er musste dazu von Los Angeles anreisen! Na, das war ja wie im Kino!
Als wir uns dann trafen, machte er mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte! Er brauchte einen Dolmetscher. Für Deutschland und die Schweiz!
Ich sagte sofort zu, würde aber gerne in Kalifornien wohnen!
Ok, no problem!
Kleine Anmerkung: Dr. McGann, dieser tolle Zahnarzt und ein Genie in Sachen KFO, hatte bereits in 14 verschiedenen Ländern seine Kurse laufen.
Überall benötigte er natürlich einen Zahnarzt als Dolmetscher, der mindestens zwei Sprachen beherrschte: Englisch und die jeweilige Landessprache, wo die Seminare stattfanden.
Später fand ich heraus, dass er einen Spion nach Österreich schickte. Ein Instructor. Der nächste Vortragende. Offiziell Dr. John Blanton. Mit Spitznamen „Buzz“.
Dr. „Buzz“ Blanton
Wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Später erzählte er mir, dass McGann ihn aufgefordert hatte, mich zu testen.
Buzz fragte.
Na, wer ist es denn?
Du wirst wissen, wer es ist!
Mein Freund John B. meinte, dass McGann noch nie etwas Mysteriöses gesagt habe. Er war sehr beeindruckt!
Er äußerte sich gegenüber McGann später so:
Sie ist verrückt. (Ich war gemeint!)
Aber gib ihr den Job!
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