Aus der Sicht der Fremden

Aus der Sicht der Fremden

Maria von Hall


EUR 27,90

Format: 18 x 24,5 cm
Seitenanzahl: 394
ISBN: 978-3-95840-840-1
Erscheinungsdatum: 06.02.2020
Ein Leben voller Existenzängste, Enthusiasmus und Hingabe schildert Maria von Hall in ihrem Buch „Aus der Sicht der Fremden“, bis sie in der unerwarteten und schicksalhaften Begegnung mit Pater Ober aus Aschau, einen Naturheilkundigen, ihre Bestimmung findet.
Als ich Pater Ober fragte, wie er zum Pendeln gekommen war, zeigte er mir ein Foto, auf dem eine Klosterfrau abgebildet war, und sagte: „Das ist Schwester Hildegardis, Durch sie habe ich erfahren, dass es Radiästhesie überhaupt gibt. Diese Nonne hat mir das richtige Instrument in die Hand gelegt. Durch ihre Hartnäckigkeit habe ich das Pendeln gelernt und nur ihr habe ich meine Heilerfolge zu verdanken.“ Seine Worte waren leise und haben wie eine Beichte geklungen.

Pater Ober hat mit seiner Ausstrahlung und dem besonderem Charisma, mit dem er gesegnet war, Menschen in seinen Bann gezogen, und durch seine Fähigkeit, heilen zu können, Patienten gewonnen. Drei Generationen, die auch ich noch behandeln durfte, sind an ihm hängengeblieben.

Ich nahm das Foto der Nonne, das mir Pater Ober an diesem Abend zeigte, in die Hand, betrachtete es und sagte, dass ich es schon mal gesehen hätte. Es stand auf dem Schreibtisch in der Praxis. Er war überrascht und fragte mich, wann das gewesen sei. Da fing ich an zu erzählen, wie sich meine Schwester Toni um meinen gesundheitlichen Zustand kümmerte, nachdem ich 1987 nach Deutschland gekommen war. „Ich war krank und Toni wollte mich unbedingt nach Aschau bringen. Sie hatte einen Termin ausgemacht, ohne zu wissen, dass du nicht in Aschau weiltest.“ Da Pater Ober mit großem Interesse zuhörte, erzählte ich weiter, wie freundlich uns damals eine Heilpraktikantin empfangen hatte und dass sie mich gleich im Haus hatte behalten wollen. Das war am 10. Oktober 1987 gewesen. „Warum wollte sie dich behalten?“, fragte Pater Ober neugierig. „Na ja, sie sagte, dass ich in das Haus passen würde. Sie wollte mir auch das Pendeln beibringen. Sie bot mir eine Zweizimmerwohnung und 1.200 DM im Monat an, damit ich bleibe. Ich vermute, dass das die Wohnung war, in der ich jetzt wohne. Als mir Toni das Angebot auf Polnisch übersetzte, sagte ich aber sofort ab. Ich wollte erst die Sprache lernen und eine Schule besuchen.“ Pater Ober staunte.



An einem anderen Abend saßen wir in seinem Esszimmer zusammen. Als ich Pater Ober schon verlassen wollte, um nach oben in meine Wohnung zu gehen, sagte er zu mir, dass ich noch warten solle. Er eilte die Treppe nach oben in sein Arbeitszimmer. Er kam wieder herunter und drückte mir zwei dünne Heftchen in die Hand. Ich nahm sie, wünschte eine gute Nacht und ging. In meiner Wohnung angekommen, setzte ich mich in meiner kleinen Küche noch an den Tisch und schaute mir trotz später Stunde noch mit großem Interesse die beiden Heftchen an. Das waren Monatsheftchen vom Verlagspostamt Nürnberg unter dem Titel: „Weltmission“ aus dem Jahre 1965. Auf der Innenseite des Umschlagblattes las ich: „Und wieder Misereor!“, und weiter: „Was Misereor ist und was Misereor leistet, hat sich mittlerweile in der ganzen Welt herumgesprochen. Auf allen Kontinenten, ja auch auf einsamen Inseln in den Weltmeeren, stießen wir auf Einrichtungen, die Misereor erstellt hat. In sechs großen Fastenkollekten hat die ‚Aktion Misereor, Kampf gegen Hunger und Krankheit in der Welt‘ bisher aus dem Raum der deutschen Katholiken insgesamt 264 Millionen Mark aufgebracht, in der Hauptsache Spargelder guter, gläubiger, tief christlich denkender und fühlender Menschen, denen Not und Elend, Hunger und Krankheit, Aussetzen und Armut ihrer farbigen Brüder und Schwestern zu Herzen gingen und die mithelfen wollten, so gut sie konnten und so weit sie es nur vermochten. Über 3000 Entwicklungsprojekte wurden bisher unterstützt.“
Ich blätterte neugierig weiter, die Zeit hatte ich inzwischen vergessen. Da sah ich plötzlich zwei Briefe, die Pater Ober aus Madagaskar an die Redaktion in Nürnberg geschrieben hatte! Wusste Pater Ober damals schon, warum er mir die beiden Heftchen in die Hände drückte? Ich hatte es auf jeden Fall nicht gewusst, aber eines davon, nämlich das mit seinen Briefen, habe ich intuitiv sorgfältig aufgehoben. Beide Briefe, die mich tief beeindruckt haben, möchte ich dem Leser jetzt in vollem Umfang weitergeben.


Bis ich die Briefe durchgelesen hatte, war es sehr spät geworden. Ich hatte sie mit großem Interesse gelesen und sie hatten in mir ein tiefes Mitgefühl geweckt, nicht nur den Afrikanern gegenüber, sondern vor allem Pater Ober als Europäer gegenüber, der die Klimaverhältnisse, die fremden Umstände, das primitive Leben auf der Insel nicht gewohnt war und das ganze Elend fast zehn Jahre lang ertragen musste! Die Armut Afrikas hatte mich tief bewegt. Durch die Briefe gewann ich einen kleinen, aber realistischen Einblick in das Leben der Afrikaner, deren Elend sich tatsächlich keiner in Europa vorstellen kann.
Obwohl ich müde war, konnte ich nicht einschlafen. Und am Sonntag, als ich die Bilder aus Madagaskar sah, die schon am Tisch auf mich warteten, war mein Mitgefühl vollständig! Da die Hauptnahrung auf Madagaskar Reis war, hatte Pater Ober auch, wie die Einheimischen, diesen dreimal am Tag gegessen. Sein einziger Trost war das Avocadobäumchen vor seiner Hütte gewesen. An diesem Nachmittag war Pater Ober besonders gesprächig, er berichtete mir die weitere Geschichte, wie er mit der Arbeit mit dem Pendel angefangen hatte, weil das am Vortag meine eigentliche Frage gewesen war.
Am Tag der Abreise nach Afrika schenkte ihm Schwester Hildegardis ein Pendel. Er nahm es an, steckte es in seinen Rucksack und vergaß es. Er war erst bei dem schwarzen Bischof auf der Hauptstation untergebracht, und hier bekam er eines Tages einen unerwarteten Besuch von zwei zerstrittenen Buschmedizinern, die sich nicht einig waren, ob eine bestimmte Pflanze giftig ist oder doch eine heilende Wirkung hat. Pater Ober sollte entscheiden, wer von den beiden Recht hat. Erst wusste er nicht, wie er sich verhalten sollte, dann aber erinnerte er sich an das Pendel und holte es aus seinem Rucksack. Er benutzte es zum ersten Mal und stellte mit Staunen fest, dass es auf seine Fragen reagierte. Er fand sogar heraus, dass die Pflanze eine stark heilende Wirkung hatte. Er war wie elektrisiert und wollte die Blätter derselben gleich ausprobieren und bei seinem Bruder aus Mainz anwenden. Der Ordensbruder hatte nämlich eine sehr große Wunde an einem Bein, die seit Monaten nicht heilen wollte. Er hatte schon Verschiedenes ausprobiert, aber vergeblich, die Wunde wollte nicht heilen, und jetzt, als Pater Ober die Pflanze anwenden wollte, lehnte er aus Verzweiflung erstmal ab. Er glaubte an keine Heilung mehr und wollte den nächsten Versuch auch nicht zulassen. Pater Ober gab aber nicht auf, er war so davon überzeugt, dass die Pflanze helfen würde, dass der Ordensbruder es dann doch zuließ. Das Wunder ist geschehen. Die Wunde fing an, sich langsam zu schließen, und nach ein paar Wochen war sie geheilt. Das war die erste Erfahrung des Paters mit dem Pendel, und seit dieser Zeit wandte er es bei seiner täglichen Arbeit an.


An einem Wochenende ist Pater Ober nach Altötting gekommen, um den riesigen, schwarzen, 300 Jahre alten Schrank aus dem ersten großen Zimmer im Erdgeschoß zu verkaufen. Der Schrank mit dem Bildhauerwerk vorne an den Türen war sehr groß und immer noch schön, aber sehr schwer. Pater Ober freute sich, dass sich noch ein Käufer für den Schrank gefunden hatte, der dazu bereit war, 3000 Euro für ihn zu bezahlen. Im Haus befanden sich noch viele sehr alte Schränke, die im Weg standen, und wir vermuteten, dass die letzte Bewohnerin, die Tochter des Künstlers, eine Restauratorin gewesen war. Dafür sprachen auch die vielen Farben und Chemikalien in einem Zimmer. Nachdem der riesige Schrank weg war, konnte ich das Zimmer räumen. Danach haben wir einen langen Tisch hingestellt. Pater Ober wünschte sich, dass ich alle Bücher herunterbrachte, damit die Menschen, die aus Neugier ins Haus hineinkamen, sie sich anschauen und eventuell auch kaufen konnten. Für diese Bücher hat sich aber kein Mensch interessiert. Das war das Zimmer, das sich Pater Ober für die künftigen Gespräche mit Kranken vorstellte, obwohl er doch längst mit der Arbeit als Heilpraktiker aufhören wollte. Er konnte aber nicht anders, er dachte immer noch an die Hilfe suchenden Menschen! An diesem Tag erfuhr ich von ihm, dass die weiteren Zimmer im Erdgeschoss für mich gedacht waren, weil er oben wohnen wollte. Es gab noch einen dritten, sehr großen Raum im Erdgeschoss, den Pater Ober als Küche und gleichzeitig als Wirtschaftsraum vorgesehen hatte. Die Idee fand ich ganz gut. Es kam auch gleich der Oberschreiner ins Haus, um die Wände auszumessen. Er sollte auch die Möbel für den Raum herstellen. Während der sechs Wochen habe ich in dem kleinem Zimmer im Erdgeschoß, in dem nur noch eine neue, nicht gebrauchte Wäscherolle auf den Abtransport wartete, so eine Art Flohmarkt errichtet. Auf zwei langen, schmalen Tischen habe ich noch brauchbares Spielzeug vom Dachboden gesammelt und zum Verkauf angeboten. Natürlich hatte ich die Sachen erst sauber gemacht und die Puppen hergerichtet. Für diesen Flohmarkt haben sich die Menschen doch interessiert. Auch nach Sterbebildern wurde ich gefragt. Pater Ober machte Augen wegen meines Verkaufsengagements, er wunderte sich jedes Mal, woher ich das Geld hatte, das ich ihm gab, und staunte, dass es mir immer wieder gelungen war, noch etwas von dem Gerümpel, wie er es nannte, zu verkaufen. Einmal gab ich Pater Ober über tausend Euro, da staunte er und freute sich! Die Bilder, die ich überall im Haus fand, habe ich zu den Büchern gebracht. Für sie haben sich Menschen interessiert und Pater Ober konnte auch manche verkaufen. An den Zimmerwänden fanden wir auch Spuren von Bildern, die abgenommen worden waren. Pater Ober ließ nicht locker, er sprach mit Menschen und ging den Informationen so lange nach, bis er die Bilder in der Stadt wiederfand. Er holte sie mit Hilfe der Polizei ins Haus zurück.
Es gab auch noch Dinge im Haus, die man tragen oder verwenden konnte, z.B. Damenschuhe oder Sachen für den Haushalt. All dies habe ich jeden Tag am Abend vor das Haus gestellt, und tatsächlich, in der Früh, wenn ich die Türe aufmachte, freute ich mich, weil alles weg war. Die Armut sieht man tagsüber doch seltener. An einem anderen Wochenende war Pater Ober wieder da und brachte zwei Männer mit, die er bestellt hatte, um die Gartenlaube, die noch im damaligen Garten stand, auseinanderzulegen.


Nicht nur Pater Ober und der Garten hatten auf mich gewartet, sondern auch die Patienten, die ich seit Monaten schon manuell behandelte. Pater Ober hatte mich damals gefragt, ob ich mich an seine Patienten trauen würde, und mir in seiner Praxis im Subparterre zwei Therapieräume zu Verfügung gestellt. Seit diesem Zeitpunkt hatte ich in meiner Wohnung oben einen Bereitschaftsdienst vormittags und wurde bei Bedarf in die Praxis gerufen. Pater Ober hat aber nie mit mir über einen Patienten gesprochen, bevor er ihn zu mir ins Subparterre schickte. Er hat sich voll auf meine Intuition, mein Gefühl und mein Handeln verlassen.
Kurz nach meiner Rückkehr aus Altötting wurde ich an einem Vormittag hinuntergerufen. Ich kam ins Subparterre und sah eine Frau, die mit einem Kind auf dem Arm auf mich wartete. Sie war in Begleitung ihrer Mutter. Es waren noch zwei kleine Kinder dabei. Das Kind im Arm der Mutter lag im Koma. Sie fragte mich gleich, ob sie alle bei der Behandlung dabei sein durften. „Natürlich“, sagte ich und bat alle in meinen kleinen Raum. Die Mutter legte das Kind behutsam auf die Therapieliege und machte die Beine des Kindes frei. Ich sah mir das Kind erst mal genau an. Es war neun Jahre jung, aber sehr klein und mager. Beide Beinchen sahen wie dünne Röhrchen aus, und zwar von den Hüften bis zu den Knöcheln. Das Kind wurde seit Monaten künstlich ernährt. Ich habe mich auf das Kind konzentriert und fing an, es nach meinem Gefühl zu berühren. Ich spürte es. Die kleinen Geschwisterchen waren ganz still und schauten interessiert zu. Die Mutter kam dann jeden Tag mit dem Kind in die Praxis und Pater Ober ließ mich rufen. Anfangs hat sich nichts getan, das Kind reagierte nicht. Dann aber, während der siebten Behandlung, machte das Kind plötzlich seine Augen halb auf! Das Mädchen hatte schöne, große, braune Augen. Sie schielte stark und sah mich nicht. Bei der nächsten Behandlung bewegte das Mädchen einen Arm und nach einer weiteren schließlich das Bein. Als die Mutter am nächsten Tag mit der Tochter zu mir kam, erzählte sie mir noch ganz aufgeregt, dass sie mit ihrer Tochter nachts hatte Kontakt aufnehmen und sich mit ihr hatte verständigen können! Diese Information verblüffte mich selbst. Während der Behandlung erfuhr ich von der Mutter, dass das Kind in normalem Zustand in das Krankenhaus aufgenommen worden war. Die Tochter hatte gehen und sprechen können, sie war ein ganz normales Kind gewesen, hatte gerne gezeichnet und dabei auch gerne gesungen. Das Kind war talentiert, die Mutter hatte all ihre Zeichnungen aufgehoben. Als das Kind im Krankenhaus Medikamente bekommen hatte, war es schwach geworden und hatte nach kurzer Zeit nicht mehr aus dem Bett aufstehen wollen. Es war bettlägerig geworden und schließlich ins Koma gefallen. Man hatte dem Kind eine Magensonde gelegt und es wurde seitdem künstlich ernährt. Aufgrund dessen bildete sich in der Lunge Schleim, und damit das Kind nicht erstickte, musste es unter ständiger Beobachtung bleiben und der Schleim regelmäßig abgesaugt werden. In so einem Zustand wurde das Mädchen vom Krankenhaus in die Hände der Mutter übergeben. Sie bekam ein Absauggerät und wurde darüber informiert, wie sie beim Absaugen vorgehen musste. Man hatte ihr auch gesagt, dass sie mit dem Schlauch nur bis zum Ende der Zunge gehen durfte und nicht weiter, da die Bronchien dem Arzt vorbehalten blieben. Um der Tochter bei der Pflege des Kindes zu helfen, kam die Großmutter aus Griechenland nach Deutschland. Die Mutter hatte ihre älteste Tochter nicht aufgegeben und weiter nach Hilfe gesucht. Als sie nach langer Zeit von Pater Ober erfuhr, kam sie nach Aschau und schließlich in meine Hände. Die Auswirkungen meiner Behandlung waren für die Familie und natürlich auch für mich eine Überraschung. Ich konnte tatsächlich die energetischen Blockaden im Körper durch meine sanfte Behandlung beeinflussen, lösen.



"Dann kam die Mutter mit dem Kind nicht mehr und wir wissen nicht warum. Nach einer langen Zeit stand sie plötzlich ohne Kind vor meinem Behandlungsraum. Ich bat sie herein und sie erzählte mir was passiert war. In der Nacht war das Kind plötzlich so stark verschleimt gewesen, dass sie einen Notarzt um Hilfe gebeten hatte. Dieser war gekommen und hatte, statt das Kind vom Schleim zu befreien, ein gelöstes Antibiotikum in eine Spritze gefüllt und dem Kind das "Medikament" durch die Magensonde verabreicht. Mit Tränen in den Augen beendete die Mutter ihre traurige Geschichte mit folgenden Satz: "es hat nicht zwei Minuten gedauert und meine Tochter war tot."

Das könnte ihnen auch gefallen :

Aus der Sicht der Fremden

Dr. Rolf Peter

Den Tschechen entkommen, den Russen entflohen, aus Österreich geflüchtet

Buchbewertung:
*Pflichtfelder