Cover: 18 & das Leben

18 & das Leben
Crystal Meth Diary


EUR 24,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 378
ISBN: 978-3-7116-0077-6
Erscheinungsdatum: 30.09.2024
Für viele junge Menschen bedeutet die Pubertät, das eigene Selbst zu finden. Dabei ist diese Lebensphase von einer ausgesprochenen Fragilität gekennzeichnet, wie Sofia Maria in „18 & das Leben (Crystal-Meth-Diary)“ warnend aufzeigt.
Kind sein


Berlin, 2004

Mein Leben fing mit einer regelrecht wundervollen Kindheit an. Ich würde sogar beteuern, ich sei eines der glücklichsten Kinder dieser Erde gewesen. Ich sag’s euch, dieses Glück begleitet mich bis heute.

Nur zu gern erinnere ich mich an verblasste Bilder aus alten Zeiten, und wenn ich dann am Fenster in der Küche stehe, während von draußen die Sonnenstrahlen hineinschauen, lasse ich diese Zeit noch einmal Revue passieren. Genau diese Nachmittage kommen mir in den Sinn, an denen ich in meinem Kinderzimmer saß und mit meinen Barbies spielte. Ich besaß eine riesige Ansammlung von Spielsachen. Oft verkleidete ich mich oder malte Bilder. Ich spielte auf einem Kinderkeyboard, zupfte wild an meiner Gitarre und hörte auf dem Radio meine Lieblingsmusik. Ich war ein aufgewecktes Kind und hatte große Träume. Ich wollte ein Star werden. Am liebsten Schauspielerin. In der Schülerband spielte ich damals die E-Gitarre und ging nachmittags zum Gitarrenunterricht.

Allerdings brach ich die ganze Aktion ab, weil es mir an Geduld fehlte. Ich wollte am liebsten sofort meine Lieblingslieder spielen können, und obwohl man mir sagte, dass ich talentiert war, langweilte es mich. Ich belegte einen Tanzkurs nach der Schule in der Aula, und auch dort versicherte man mir, ich habe Talent. Die ganze Geschichte fand aber ein Ende, als unsere Tanzlehrerin mit den gesamten Einnahmen die Biege machte und niemand von ihr seither etwas gehört hatte. Im Winter fuhr ich mit Mama in den Skiurlaub, lernte dort Ski fahren und tobte mich aus. Im Sommer sammelte ich Schnecken und erforschte die Natur im Garten meiner Großeltern. Meinen Papa sah ich jeden Sonntag. Er kam dann zu uns zu Besuch oder Mama brachte mich zu ihm in seinen eigenen Laden. Ich war glücklich mit dem, was ich besaß, und ich brauchte nicht viel, um glücklich zu sein.

Aus meiner Kindheit erinnere ich mich an viele Dinge, viele Urlaube, an Geburtstage, an Fernsehabende und Ausflüge. Alles schien nahezu perfekt gewesen zu sein. Ich sehe mich noch vor mir, wie ich mit meiner Oma im Garten Brombeeren pflückte und zu ihr sagte: „Endlich ist der Sommer da. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, dass jemals Winter gewesen ist, und trotzdem ist der letzte Sommer eine Ewigkeit her.“

Die Zeit verging so langsam. Ich dachte eben nicht an morgen. Aber ich dachte schon immer viel nach. Ich betrachte diese Eigenschaft als eine gute. Trotzdem sagt jeder Freund oder Feind seit geraumer Zeit diesen einen Satz zu mir: „Kiki! Du denkst zu viel nach!“ Was sollte ich aber dagegen tun? Das machte mich einfach aus. Ich träumte nur so vor mich hin und ließ meiner eigenen Fantasie keine Grenzen.

Es gab allerdings eine Sache, die mir damals schon zu schaffen machte.




Gejagt und verfolgt?


Berlin, 2005

Es war ein normaler Donnerstagnachmittag. Ich war gerade auf dem Weg zum Gitarrenkurs, um mich dort einmal mehr zu langweilen, als es langsam schummerig wurde. Ich wusste schon vorher, das ist mein erster Weg nach Hause. Allein in der Dunkelheit. Es war natürlich gerade einmal sechzehn Uhr, als ich dann meine Heimreise antrat. „Bis zum nächsten Mal ihr beiden! Bitte übt fleißig“, rief meine Gitarrenlehrerin durch das Treppenhaus. Jaja! Wofür sollte ich üben? Drei Noten zu zupfen und das in Zeitlupe?

Hier würden sie mich nicht lange halten können. Ich ging noch bis vorn ans Ausgangstor mit meiner Freundin Lisa, als sich dann unsere Wege spalteten. Das war er nun, der erste Alleingang. Ich musste nicht allzu weit laufen und machte mir nicht sonderlich viele Gedanken, doch auf einmal wurde mir ganz heiß. Ich spürte, wie mein Kopf glühte und mir blieb ein wenig die Luft weg. Ich drehte mich rasch um, doch Lisa war bereits in eine Nebenstraße abgebogen und wahrscheinlich schon über alle Berge. Ich bekam Panik und lief weiter. Ich riss die Augen auf.

Was war das? War da jemand hinter mir? Ich drehte mich um und lief dabei zügig weiter. Ich hatte ein mulmiges Gefühl. Irgendwie war es total gruselig. Richtig seltsam. Niemand zu sehen. Ich schaute wieder geradeaus und versuchte meine Gedanken zu verdrängen. Ich versuchte zu verdrängen, dass dort jemand hinter mir her war und ich ihn nicht sehen konnte.

Ich hörte jedoch, wie er hinter mir herschlich. Als ich mich wieder ruckartig umdrehte, war nichts zu sehen. Er versteckte sich offenbar. Ich lief immer schneller, und dieser Jemand hinter mir tat es auch. Ich war mir sicher, dass es ein Mann gewesen sein musste. Sein Atem war tief und kehlig. Mir wurde immer heißer mit jedem Schritt, den ich rannte. Ich hatte das Gefühl, als sei er nur noch eine Haaresbreite von mir entfernt. Gleich würde er mich packen. Gleich würde er mir wehtun und mich dann erdrosseln. Ich drehte mich besser nicht mehr um, denn so hielt ich an. Ich hatte eine Heidenangst und fing an zu sprinten. Ich sprintete bis nach Hause. Als ich um die Ecke zu unserem Haus abgebogen war, hatte ich das Gefühl, ihn abgehängt zu haben. Trotzdem rannte ich weiter.

Erst als der Schlüssel steckte, konnte ich verschnaufen. Ich schaltete blitzschnell den Fernseher ein, um die Stille zu durchbrechen. Nun war ich in Sicherheit und atmete erst einmal tief durch. Ich schaute dann nur noch wie gebannt in den Fernseher und wendete meinen Blick keine Sekunde von ihm ab. Ich ging nicht zur Toilette und hatte auch keinen Appetit. Meinen Schulrucksack hatte ich direkt irgendwo in den Flur gepfeffert. Ich saß nur noch wie angewurzelt auf der Couch und lauschte unbewusst ein wenig zum Treppenhaus hin. Als ein paar Stunden später Mama eintraf, sprang ich ihr sofort wie ein kleiner Chihuahua in die Arme. Mit dem Geklirr ihrer Schlüssel war augenblicklich alles wieder gut. Wie im Flugzeug, wenn man sich wieder anschnallt, zum Landen. Bei mir war dann irgendwie immer schon alles überstanden, und ich hatte keine Angst mehr. Endlich war sie wieder da, Mama. Ich vergaß sofort meinen Heimweg und blubberte sie mit allem möglichen Zeug voll. Schule hier, Langeweile da, der Sportlehrer wird bald unser Klassenlehrer … Dieses und das und jenes. Sie hörte gespannt zu und freute sich mit mir zusammen über meine Lebhaftigkeit. Im Anschluss kochte sie mir mein Lieblingsessen, eine Tomatensuppe mit Sternchennudeln.

Ich verschwand währenddessen in meinem Zimmer und klimperte erst laut auf meinem Keyboard herum, dann nahm ich mir ein paar Kuscheltiere mit ins Wohnzimmer und setzte sie alle nebeneinander auf die dunkelblaue Couch. Später, nach dem Essen, legten wir uns dann hin, und sie kraulte meinen Rücken, bis ich einschlief.

Ich schlief mit meiner Mama zusammen auf der Couch. Allein in meinem Bett konnte ich nicht schlafen. Ich hatte irgendwie Angst gehabt, sie würde gehen, ohne dass ich etwas davon mitbekommen würde. Ich wollte nicht, dass sie wieder gehen würde. Das blieb viele Jahre so. Auch heute schlafe ich nicht gern allein. Das ist so bei mir dringeblieben.

Ich konnte in dieser Nacht sehr gut schlafen, und am nächsten Morgen weckte sie mich dann wieder sanft. „Guten Morgen mein Schatz. Es ist Zeit aufzustehen.“ Ich wachte nach zwei bis drei Versuchen endlich richtig auf und zog mich anschließend an. Dann plauderte ich mit ihr in der Küche, während sie meine Brote schmierte. Sie arbeitete in einem Restaurant als Restaurantfachfrau und musste frühestens um elf Uhr auf der Arbeit sein. Sie arbeitete entweder in der Früh-, Mittel- oder Spätschicht und brachte mich an jedem Morgen sicher und behütet zur Schule. Der Weg war nicht weit oder gar gefährlich. Aber wie schon gesagt, ich war absolut nicht gern allein, egal ob unterwegs oder zu Hause.

Ein paar Wochen später musste ich wieder vom Gitarrenkurs allein nach Hause laufen. Es war diesmal Stock duster, denn es war nun schon Ende November.

Als meine Freundin Lisa und ich uns am Tor verabschiedeten, wurde mir mal wieder ganz komisch. Ich blieb eine Weile stehen, und als ich mich nach ihr umdrehte, sah ich Lisa bereits nicht mehr. Dann ging der Spaß wieder los. Ich holte tief Luft und lief dann schnell die Straße entlang bis zur Kreuzung, als ich bemerkte, wie jemand mich verfolgte. Mir war so verdammt heiß. Ich kam mir vor, als seien unter meinen Klamotten mindestens vierzig Grad gewesen. Meine Ohren glühten und in meinem Nacken wurde es dann mit einem Mal eiskalt. Dieser Atem. Da war er wieder. So tief und rauchig. Gruselig.

Der Typ lief im selben Tempo wie ich, dass spürte ich. Er wollte nicht auffallen. Er war verdammt gut darin gewesen, sich zu verstecken. Ich wurde jedoch wieder schneller und bemerkte, wie er meinen Rücken berührte. Das machte mir verdammt große Angst, und so rannte ich, ohne mich umzudrehen, den ganzen Weg bis nach Hause. Dass auf vielen Straßen noch andere Leute meinen Weg gekreuzt hatten, blendete ich total aus. Für mich war es Nacht. Es war dunkel und still auf den Straßen. Ich war allein und wurde verfolgt. Als ich zu Hause das Licht und den Fernseher anschaltete und „Timmy und die helfenden Elfen“ gerade anfing, schnaufte ich vor Anstrengung und ließ mich auf die warme Couch fallen. Mit dem Blick auf den Fernseher gerichtet und geistig nicht mehr davon abschweifend, in einer steifen Position sitzend und heimlich nach draußen lauschend, ließ ich den Abend ausklingen. Als später Mama in die Tür hineinkam, rannte ich auf sie zu und umarmte sie. An diesem Abend schlief ich wieder wie ein Engel.

Als ich später den Gitarrenkurs abbrach, weil er mir zu langweilig geworden war, hatte mich auch keiner mehr verfolgt. Auch Mama hatte nie erfahren, wie sehr allein ich mich fühlte, wenn sie zur Spätschicht gegangen war.




Schule


Berlin, Januar 2009

Nach dem Abschluss der sechsten Klasse und den langen Sommerferien ging es für mich weiter auf das Johann-Gymnasium: ein Elitegymnasium mit hohen Forderungen. Es dauerte genau das Probehalbjahr, bis ich mir eine neue Schule suchen durfte. Ich hatte wesentlich andere Dinge im Kopf, als jeden Tag zu büffeln und mir gewaltsam Dinge einzuprägen, die mich null interessierten und für die ich keinerlei Verwendung in meinem späteren Leben sah. Ich war schließlich gerade erst zwölf geworden.

Es sollte noch nicht so ernst sein. Nicht jetzt schon! Es tat mir leid um Mama, die gehofft hatte, ich würde ein gutes Abitur hinlegen, und um alle, die so sehr an mich geglaubt hatten. Aber ich wollte und konnte das einfach nicht so durchziehen, wie es für mich vorbestimmt war. Mich langweilte diese Schule unheimlich. Diese strengen Lehrer mit ihrem nervigen Getue. Und meine Klassenkameraden waren auch nicht besser. Sie waren eingebildet und sprachen immer nur davon, was ihre Eltern verdienten. Einer wollte noch vorbildlicher sein als der andere. Ich verstand das einfach nicht, und deshalb konnte und wollte ich nicht mit ihnen mithalten. Wir waren schließlich Kinder. Es ging doch nur darum, dass man Spaß hat.

Ich hatte mich schon bald mit zwei Mädchen verschworen, die in meine Klasse gingen. Sie waren Kinder normaler Eltern und verhielten sich eben auch so. Sie verhielten sich wie Kinder. Das gefiel mir. Wir machten von da an nur noch Quatsch, flogen mindestens einmal pro Woche aus dem Unterricht und bekamen nur sehr selten etwas vom Unterrichtsgeschehen mit. Außerdem hatte jede von uns einen Jungen anvisiert. Wir waren verknallte Mädchen, und so kam nichts anderes an uns heran. Eine schöne Zeit. Liebesbriefe schreiben, tuscheln, schüchtern sein. Als wir dann alle drei nicht versetzt und somit auf unterschiedliche Gesamtschulen verschoben wurden, trennten sich unsere Wege, und die Freundschaft fand ein Ende. Ich hatte mir dann auch eine neue Schule gesucht. Die Auswahl durfte ich selbst treffen. Ich entschied mich damals für eine Gesamtschule in Mitte. Darauf gingen viele Mädchen aus meiner Grundschule, und ich freute mich schon tierisch auf meinen ersten Tag.

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, die Schönheit der Schule zu werden. Wie in einem Teeniefilm. Es sollte perfekt werden. Ich wollte dort dazu gehören. Es sollte anders laufen als auf dem Gymnasium. Auf dieser Schule würde sicher nur zählen, ob du cool genug bist. Ich hatte sie so sattgehabt auf der anderen Schule. Sie waren mir zu intellektuell.

Hier sollte einfach alles anders sein. Das hatte bis auf Weiteres auch geklappt. Ich wollte zu den Beliebten gehören und verstand mich auch auf Anhieb mit den coolen Kids aus den höheren Klassenstufen. Es passte alles, und als ich dann als „die Neue“ mit noch einem anderen Mädchen meine neue Klasse betreten durfte, freute ich mich riesig darüber, Gina Bauer aus der Ecke winken zu sehen. Ich kannte sie seit der ersten Klasse, und wir verstanden uns meistens super. Was ich mit ihr noch alles erleben würde, hätte ich mir niemals erdacht. „Komm her Kiki. Setz dich neben mich. Wir chillen gerade. Wir haben Freistunde“, schrie Gina durch den unordentlichen Klassenraum. Alle wurden aufmerksam und schauten mich an.

Super, dachte ich mir, pflanzte mich direkt neben Gina und packte meine Siebensachen aus. Wir hatten uns seit dem Abgang aus der Grundschule nach der sechsten Klasse nicht mehr gesehen. Sie war nun schon ein halbes Jahr länger auf dieser Schule und konnte mir sicher ein paar nützliche Dinge darüber erklären. Ich musterte meine neue Klasse und mir gefiel, was ich sah. Sie sahen alle lebendig aus und versprachen jede Menge Aktion und Fun. Die Jungs prügelten sich freundschaftlich, und ein paar von ihnen kamen in der nächsten Stunde zu spät zum Unterricht, weil sie draußen alle noch eine Zigarette geraucht hatten. Hier wollte ich bleiben. Ich hatte noch nie eine Zigarette geraucht und fand es total aufregend.

Die Schule bestand aus zwei Gebäuden, dem ersten und dem zweiten Haus. Überdies besaß sie zwei Turnhallen und jede Fassade der Gebäude war komplett vollgesprayt. Hier fühlte ich mich wohl. Ich war zwar anfangs schüchtern, doch fand ich schnell Anschluss mit meiner lustigen, offenen und sympathischen Art. Auch den Jungs gefiel ich, und es dauerte kein halbes Jahr, da wollte meine halbe Klasse mit mir gehen. Ich wurde somit immer selbstbewusster. Ich liebte mich selbst, denn ich bekam allerhand Anerkennung. Alles lief perfekt bis auf die Schulnoten, die ein wenig schwankten, aber das machte ich in meiner Welt nicht zum Thema.

Hauptsache Spaß. So viel stand fest. Gina wurde schnell zu meiner allerbesten Freundin, und wir bildeten gerne mit noch einer weiteren Person ein Trio, dann war mehr los. Am Anfang gab es Tran und wir waren mit ihm zu dritt best friends. Er war ein kleiner, lustiger Klassenkamerad. Irgendwann interessierte sich Tran allerdings mehr für seine Kumpel, und Gina und ich fanden jedoch schnell einen neuen Anhang und dann wieder einen neuen. Wir beide waren allerdings ständig zusammen.

Damals verlief alles noch komplett ohne Drogen und Alkohol. Auch mit dem Rauchen hatten Gina und ich erst später angefangen. Anfang der achten Klasse war das, als unsere anderen Kumpel längst richtige Raucher waren. Meine erste Zigarette rauchte ich zu Hause allein in meinem Zimmer. Ich hatte sie in der Schule von einer Klassenkameradin geschenkt bekommen und wollte es erst einmal so lange ausprobieren, bis es mir stand und ich es richtig machte. Als ich dann so weit war, fingen Gina und ich auch gleich ordentlich zu paffen an. Wir rauchten schon jeder eine gute Schachtel am Tag weg und bekamen dann später an unserem Lieblingskiosk auch zu jeder Zeit unsere Zigaretten. Mit der Zeit kauften wir dann auch jedes Wochenende eine Pulle Fusel an diesem besagten Kiosk. Meistens war es Wodka. Wir rauchten auf dem Weg zur Schule und liefen noch mit Kippe im Mund auf den Schulhof. Wir fühlten uns dabei wie kleine Ghettoqueens. Außerdem fanden wir unsere eigene Clique.

Sie bestand aus Marc, dem kleinen Wuschelkopf, Toralf, einem großen Blonden mit Lockenkopf, den ich sehr gerne hatte, Fred, der irgendwie seltsam, aber lustig war, dem lieben Danny, Gina und mir.

Außerdem kamen manchmal noch ein paar andere Schüler dazu, aber wir blieben soweit die einzigen Mädchen. Wir vertrugen uns besser mit den Kerlen, weil wir selbst eher so die Kumpeltypen waren. Wir trafen uns bald schon jeden Nachmittag mit der Clique auf unserem Stammplatz hinter der Schule. Außer Gina und mir kiffte unsere geniale Clique sich jeden Tag die Birne zu. Gina und ich hatten schnell einen großen Gefallen am Alkohol gefunden.

Wir trafen uns jeden Tag nach dem Unterricht mit Toralf und Co, und an den Wochenenden kauften wir uns eine große Flasche Wodka und tranken sie komplett leer, bis wir Sternhagel voll irgendwo auf dem Platz einschliefen. Der Winter war dann irgendwann ausgebrochen, und es waren um die Minus zwanzig Grad in der Hauptstadt. Wir hatten mehrere Jogginghosen übereinander angezogen. Dazu trugen wir unsere Winterstiefel aus der Badstraße und obenrum einige Pullover und ein paar Strickjacken darüber. Trotz der antarktischen Temperaturen in jenem Winter verbrachten wir unsere Freizeit nur noch draußen, besoffen auf unserem Stammplatz hinter der Schule. Ich sang meist am Ende der Abende die alten Kirchenlieder, die ich in der Grundschule gelernt hatte. Leon gefiel das immer ganz besonders, wenn ich gesungen hatte. Es hatte so etwas Friedliches. Meist hatten mindestens vier von uns gekotzt. Jedes Mal war irgendeiner abgestürzt.
...

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