Der Zippverschlussmann

Der Zippverschlussmann

Joe Seiler


EUR 24,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 396
ISBN: 978-3-99131-962-7
Erscheinungsdatum: 06.03.2023
Joe Seiler, ein Wienerkind der 1960er-Jahre, war gut behütet und geliebt, doch das Schicksal wird erbarmungslos sein. Joes Lebensweg führt geradewegs ins Gefängnis. Gewalt, Drogen und selbst der Tod sorgen für dramatische Ereignisse und unglaubliche Wendungen.
Damals ging es schon einmal etwas rauer zur Sache, wurde ein Mädchen belästigt oder betätigte sie den Alarmknopf am Zimmer, war der Kellner für die „richtige Lösung“ verantwortlich und ich war gut und schnell im Lösen von Problemen, außer ich selbst wurde zu einem „Problem“, dann war es weniger gut.
Wenn ein Mädchen oder ein Gast unbewusst den Alarm auslösten, entstanden schon Mal die irrsten Situationen, ich war dann nur schwer vom Gegenteil zu überzeugen, meistens endete so ein blinder Alarm jedoch glimpflich oder in einer eher lustigen Situation, nur einmal ging so eine Aktion ziemlich böse ins Auge.
Es war schon gegen zwei Uhr früh, als drei Mädchen mit drei Gästen die Bar betraten, alle waren in Hochstimmung, es wurde Champagner bestellt, was auch mich in Hochstimmung brachte, für derart teure Getränke bekamen unsere Mädchen einen Extrabonus und Bonus war immer gut. Ich kannte keinen der drei Männer, zwei dieser Burschen waren etwas jünger und gut durchtrainiert, der Dritte war schon etwas älter und den Mädchen bekannt, was eindeutig zu erkennen war. Vom Milieu war er nicht, das hätte ich gewusst, er entwickelte sich zu einem hervorragenden Gast, auch andere Mädchen begrüßten ihn freundlich, er war hier fast allen Mädchen bekannt, nur ich wusste nicht, wer er war. Es war mir auch egal, Hauptsache, die Kasse klingelte und alles passte.
Kaum waren die Gläser geleert, bestellte dieser Mann großzügig weiter und reservierte freundlich das große Whirlpool-Zimmer. Einige Minuten später ging er mit allen drei Mädchen auf dieses Zimmer und bezahlte großzügig, die beiden anderen Männer warteten auf ihren Gönner oder Boss im Bar-Raum.
Keine fünf Minuten später ertönte der Alarm, der just von dem großen Whirlpool-Zimmer aus ging. „Scheiße“, dachte ich, wartete aber ab, da ein Versehen nahe lag und schon war der Alarm auch wieder aus. Einige Sekunden später ging der Alarm erneut los, doch dieses Mal hörte er nicht mehr auf.
„Scheiße“, dachte ich, „warum passiert so was immer mir?“ … Ich ließ alles liegen und stehen und eilte in Richtung Whirlpool-Zimmer, als ich die Tür aufriss waren alle nackt und sichtlich überrascht, ein Vergehen konnte ich beim besten Willen nicht ausmachen, zum Nachfragen kam ich aber nicht mehr. In selben Augenblick wurde ich von hinten sehr unsanft an meiner Schulter gepackt und zurückgezogen.
Nun, das war jetzt eindeutig ein Vergehen, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte, mit dem, was folgte, hatten dann alle anderen nicht gerechnet und wenn man es ganz genau nimmt, ich am allerwenigsten.
Nachfragen war jetzt nicht mehr, dieser Bereich war für Gäste ohne Damenbegleitung tabu, für Betriebsfremde sowieso und ein Angriff konnte auf keinen Fall geduldet werden, egal, wer auch immer diese beiden Idioten waren.
Es ging sofort ordentlich zur Sache, einem der beiden fiel eine Waffe aus dessen Hosenbund, der andere versuchte, mich von hinten festzuhalten, ich schlug ihm mit meinem Hinterkopf in die Fresse, sodass er kurz losließ, was mir den Raum gab, den Ersteren mit einem Fußtritt auf seinem Kopf von der Waffe am Boden fernzuhalten, die drei nackten Mädchen unterstützten mich nach Leibeskräften. Ihren mir unbekannten Gast war die Fassungslosigkeit dieser Situation ins Gesicht geschrieben, er sagte nichts und bewegte sich auch kein bisschen.
Sekunden später hatte der Spuk auch schon sein Ende, Fredi war gerade mit zwei seiner Leibwächter auf Kontrollbesuch gekommen. Er war außer sich vor Zorn, er war nicht besonders groß und er hatte auch keine athletische Statur, aber er war sehr gefährlich, er zählte zu denen, die keine Probleme hatten, auf jemanden zu schießen und er hatte auch keine Probleme, einen derart zu malträtieren, dass ihm ein Tag wie eine Jahreszeit vorkommen konnte.
Ich erkannte den Ernst der Lage sofort, ich versuchte, beruhigend auf Fredi einzuwirken, der mittlerweile die fremde Waffe an sich genommen und durchgeladen hatte und einen der beiden an den Kopf hielt.
Ich stellte dann die Frage, die brennend im Raum stand und hoffte dadurch deeskalierend einzuwirken.
„Was zum Teufel ist hier eigentlich los?! … Warum ist der Alarm ausgelöst?! … Und was ist mit euch zwei Arschlöchern, was soll der Scheiß?“
Die beiden Idioten waren mittlerweile von Fredis Buckeln am Boden fixiert und alle schauten mich fragend an, auch unser Gast, den Fredi offenbar kannte, schaute ungläubig drein und niemand konnte eine erklärende Antwort geben. Fredi war sichtlich genervt.
„Kommt in die Gänge, Leute“, brüllte er uns alle an.
Einer der beiden Männer, die nun vor Fredi knieten, wollte etwas sagen, doch Fredi schlug ihn sofort mit der geladenen Waffe in sein Gesicht, dass sein Blut nur so spritze.
„Du, mein Freund, hältst die Fresse, bis du dran bist und überhaupt, … geh, bringst die beiden Wichser ins Büro, das machen wir später.“
Fredi richtete seine Frage nun zielgerichtet an den Gast unserer drei Mädchen.
„Sag Herbert, hat dir wer in dein Gehirn geschissen, kommst zu mir als Gast, … mit zwei ‚Buckeln‘ im Gepäck?! … Einer noch dazu bewaffnet und machst hier Ärger, … bei mir?“
„Ich schwöre dir, Fredi, ich habe keine Probleme gemacht, warum auch? Frag bitte deine Mädchen, … frag den Kellner, … bitte, … so sagt ihm das doch bitte, ich schwöre, … ich habe nichts gemacht.“
Fredi schaute die Mädchen an, die sich ihrerseits gegenseitig fragend anschauten, und dann richteten sich alle Blicke auf mich.
Ja, … das war jetzt echt blöd, denn ich konnte diesem Herbert nicht wirklich an irgendetwas die Schuld geben, ich bin ja erst gar nicht zum Nachfragen gekommen und gesehen hatte ich nichts.
„Sag, Joe! … Um was geht es hier eigentlich?“, schrie mich Fredi an. „Seid ihr alle komplett bescheuert? … Was soll der ganze Scheiß und zu wem gehören die zwei Vollpfosten, die jetzt bei mir im Büro hocken?“
„He, he, … Fredi, schau mich nicht so an, der Alarm ging los, ich bin aufs Zimmer und bevor ich noch was fragen konnte, hatte ich die beiden Arschlöcher im Rücken, was hätte ich tun sollen? … Ich weiß genau nichts, … keine Ahnung, was da jetzt abging, … frag die Mädchen!“
Es stellte sich heraus, dass Herbert seine Hose so unglücklich abgelegt hatte, dass der Dorn der Gürtelschnalle auf den versteckten Alarmknopf drückte.
Genau nichts wäre passiert, wenn die beiden „Möchtegern Leibwächter“ ihre Ärsche dort gelassen hätten, wo sie hätten bleiben sollen.
Herbert bat Fredi um Entschuldigung, er hatte keine Ahnung, dass einer seiner Begleiter bewaffnet war, zumindest versicherte er uns das.
Fredi kümmerte sich anschließend um die beiden, er sprach von entsorgen, wie und was er auch immer damit meinte, ich sah die beiden nicht wieder.
Herbert gab mir dann fürstliches Trinkgeld für die Unannehmlichkeiten, wie er meinte, und mit diesem Ausgang konnte ich gut leben. Fredi handelte sich seinerseits eine ordentliche Entschädigung aus und auch die Mädchen fanden am Ende ihr Lächeln wieder, was sicher auch ordentlich gekostet hat.
Es war schon eine tolle Zeit für mich, ich verdiente richtig viel Geld und ich war in meinem Job gut angesehen, bei den Gästen, bei den Mädchen und bei deren Luden. Fredi wie auch andere Bosse, Kollegen und Freunde respektierten mich, ich dankte es ihnen mit meiner Loyalität und meinem Einsatz. Eigentlich war alles perfekt, bis auf meinen sehnlichsten Wunsch hatte ich alles, allein das Glück der wahren Liebe, von der ich träumte, die wollte sich nicht ergeben.
Ich schaffte es zu dieser Zeit nie, ein Mädchen außerhalb des Milieus für mich als Joe zu begeistern, auf keinen Fall wollte ich ein Mädchen aus dem horizontalen Gewerbe, obwohl sich mehrfach die eine oder andere Gelegenheit dazu geboten hatte. Es war eben nicht mein Ding, ich wusste, in einer festen Beziehung könne ich Sex und Liebe nicht trennen, es ging einfach nicht in meinen Kopf, dabei verstand ich mich mit genau diesen Mädchen am besten, ich haderte immer mit meinen Gefühlen.
Ich wusste, dass es einige Luden gab, die mehr als ein Mädchen für sich hatten, mein Freund Rudi war auch so ein Künstler und alle Mädchen waren in ihn verliebt und glaubten, was auch immer er ihnen versprochen hatte.
Die meisten Luden achteten sehr darauf, dass sich ihre Mädchen nicht untereinander trafen oder diese im selben Club, Bordell oder auf der Straße gemeinsam arbeiteten. Vor allem Rudi konnte ich nicht verstehen, er hatte fünf Mädchen, die für ihn anschaffen gingen und die wussten alle voneinander. Unfassbar, ich fragte ihn oft, wie das funktionieren konnte, er lachte immer nur und meinte: „Ich liebe sie alle, Joe, aber mich mag ich am meisten und wäre ich nicht so, keine von denen würde mich respektieren oder mich so achten, wie sie es tun. Schau, Joe, die wollen dieses Leben so leben und ich gebe ihnen die Möglichkeit dazu, … alle sind zufrieden.“
Es war schon eine ganz eigene Welt, die ich nie so richtig verstehen konnte.
Gabi, ein Mädchen, das wie ich in Fredis Club arbeitete, sie war schon etwas älter, stand aber den jüngeren um nichts nach, sie war immer nett und gebildet, ich verstand mich gut mit ihr, sie erzählte mir von der großen Liebe zu ihrem Mann, der einer der bekanntesten Luden im Milieu war. Horst, die Geschichten über ihn waren legendär. er wurde bei einer Schießerei sechs Mal am Körper getroffen und überlebte, aber nicht nur das, er tötete auch seinen vermeintlichen Killer und Angreifer.
Es kam schon mal vor, dass die beiden richtig Stress hatten, vor allem dann, wenn er mit Gabis Verdienst nicht so gut klappte. Für mich war es dann richtig unangenehm, wenn der sein Mädchen so richtig vor mir zusammenputzte, bis diese weinte oder Schlimmeres.
Vorprogrammierter Ärger stand bevor, als Horst mit einem neuen Mädchen ankam, sie hieß Angie und ich hatte davor noch nie ein so hübsches Mädchen gesehen, sie war eine Mulattin und hatte einen Körper wie gemalt, … unfassbar schön. Ich äußerte gegenüber Horst sofort meine Bedenken.
„Sag, was soll ich tun, wenn das Gabi erfährt? Das gibt sicher Probleme!?“
Horst lachte nur. „Joe“, sagte er, „… werde mal erwachsen, wir sind hier nicht im Kindergarten, … sie weiß es. Alles klar?“
Na, mit dem hatte ich nicht gerechnet und trotzdem, ich war mir sicher, dass das nicht gutgehen konnte.
Gegen jede meiner Erwartung arrangierten sich die beiden Mädchen von Horst wirklich gut, sie machten nie zusammen Pause und hatten auch jeweils an anderen Tagen frei, Horst hatte das wirklich gut hinbekommen. Diese Angie war nicht nur in meinen Augen eine der schönsten Frauen, die ich je gesehen hatte, auch die Gäste rissen sich geradezu um sie, während Gabi merkbar weniger Gäste abbekam. Auch andere Mädchen verloren den einen oder anderen Stammkunden an Angie, man muss jetzt kein Hellseher sein, um zu erahnen, dass sich hier nichts Gutes anbahnen konnte.
Nach und nach wurde Neid unter den Mädchen spürbar und eine kleine Gruppe formierte sich gegen Angie, die das nicht wirklich mitbekam, ich denke, es war ihr auch scheißegal gewesen, sie hatte echt viel zu tun und sie hatte sichtlich Spaß daran.
Angie war zu allen nett, ihr schien die Ablehnung ihrer Kolleginnen nichts auszumachen, sie war immer gut drauf und weder arrogant noch eingebildet, ich verstand mich gut mit ihr. Mittlerweile war Angie das am besten verdienende Mädchen am Start und sie war auch sehr großzügig, alle Kellner wurden von ihr fürstlich mit Trinkgeld bedacht.
Gabi hingegen führte einen harten inneren Kampf mit ihrem Schicksal, sie bemühte sich sehr, diesen unbemerkt zu kämpfen, doch es schien ganz so, als ob sie in einer Abwärtsspirale gefangen war, in der es keine Freunde oder Helfer gab. Sie tat mir leid, es war schlimm, diesen Verfall von dem einst so lebenslustigen Mädchen mitanzusehen, doch was sollte ich tun, ich konnte ihr nicht helfen. Vermehrt kam es zwischen ihr und Horst zu kleinen Streitigkeiten, wenn er sie abholte oder auch bei einem seiner Kontrollbesuche.
Ich hatte dann alle Hände voll zu tun, um Schlimmeres zu verhindern, was mir Horst ziemlich übelnahm. Es war aber mein Job, hier in der Bar für Ruhe zu sorgen und es war ungeschriebenes Gesetz, dass sich Luden während den Dienstzeiten von den Mädchen fernhielten. Wohl oder übel berichtete ich Fredi von den Problemen, die sich durch diese blöde Situation ergaben, es war schlecht für das Geschäft, wenn Streit und Frust für Unruhen sorgten. Fredi gab mir recht und kümmerte sich um diese Sache, doch alles wurde dadurch noch schlimmer.
Horst verschärfte seine Gangart, er wurde zum Teil respektlos, befahl Angie wie auch Gabi, mir kein Trinkgeld mehr zukommen zu lassen, was aber beide mehr oder weniger dann doch taten. Mir ging diese ganze Situation schon mächtig auf den Sack, wie dieser tolle Typ zum Arschloch mutierte konnte ich gar nicht verstehen, ich machte ja nur meinen Job und den machte ich gut. Letztlich durfte Gabi mit mir auch in ihrer Pause nicht mehr sprechen und Alkohol durfte sie auch nicht trinken, das Ganze war dann schon schlimmer als im Kindergarten.
Bald darauf kam es dann zu einem recht heftigen finalen Streit zwischen den beiden, Angie hatte frei und Gabi hatte einige gute Zimmer gemacht und sie hatte mit ihren Gästen auch einiges an Alkohol getrunken. Es schien ganz so, als ob sie ihren Kummer für ein paar Stunden vergessen konnte. Wie es ebenso ist mit Schein und Sein, mit dem Gehen des Gastes ging auch ihre gespielte Unbekümmertheit und Gabi fiel wieder in ihr tiefes Loch voll Traurigkeit.
„Eigentlich“, sagte Gabi zu mir, „… mein Alter holt mich heute ohnehin nicht ab, der ist ja bei seiner Angie, also lass mich bitte noch was trinken, … bitte, Joe, bitte!“
Was soll’s, dachte ich mir, ich konnte sie ja auch gut verstehen, also gab ich ihr, was sie verlangte. Irgendwie passte es zu Gabis Glück, dass Horst dann doch noch kam und das war jetzt gar nicht gut. Ich wusste, was jetzt kommen würde, und ich versuchte Horst zu bremsen, ihn zu beschwichtigen, doch er hatte für mich auch keine schönen Worte im Köcher, ganz im Gegenteil, jetzt war er richtig sauer, und zwar auf uns beide.
Gabi, die viel zu viel getrunken hatte, stellte sich dann auch noch todesmutig gegen Horst, beschimpfte ihn und klar, die ganze Situation eskalierte völlig. Horst schlug auf sie wie auf einen Mann ein, mir blieb nichts anderes übrig, als die beiden zu trennen, was mir Horst überaus übelnahm, aber was hätte ich tun sollen, so eine beschissene Situation hatte ich noch nie gehabt, da kann man ohnehin nichts richtig machen.
Gott sei Dank hatte eines unserer anderen Mädchen Fredi kontaktiert, sodass dieser keine Sekunde zu früh in die Bar stürmte. Letztlich war ich der Dumme, weil ich mich nicht an die Anweisungen von Horst gehalten hatte.
Ich hatte diese ganze Scheiße ordentlich satt, wenn es Streit zwischen Luden und Mädchen gab, war der Kellner immer im Arsch. Entweder war der Lude auf einen böse oder das Mädchen oder beide. Ich hatte es geschafft, dass auch Fredi richtig sauer auf mich war, am liebsten hätte ich gleich alles hingeschmissen.
Ein paar Tage später wurde von Fredi ein großes Treffen aller Kellner von drei Clubs, im Club 28, anberaumt. Es stellte sich heraus, dass einer von uns offenbar einen Griff in Kasse gemacht hatte, der Schuldige war schnell ausgemacht, es musste „Eber“ sein, alle anderen waren hier und konnten plausibel ihre Schuldlosigkeit beweisen. Fredi machte sich mit vier Buckeln auf die Suche nach „Eber“, ich musste auch mitkommen, na toll, dachte ich, eigentlich mochte ich Eber gerne, ich traute ihn das gar nicht zu.
Ich wusste, „Eber“ hatte mit seiner Frau gerade Nachwuchs bekommen, wir mussten daher nicht lange suchen, ein Scheinanruf bei seiner Freundin von einem unserer Mädchen machte dann alles klar, wir wussten jetzt, wo „Eber“ war.
Seine Freundin öffnete uns sichtlich überrascht mit dem Baby im Arm die Tür, sie weinte und flehte uns an, ihrem Mann nichts zu tun, als würde sie wissen, was geschehen war.
Eber selber saß im Wohnzimmer mit gesenktem Blick und auch er weinte wie ein kleines Mädchen. Andi, einer der Buckeln, schlug ihm ansatzlos mit der Waffe in der Hand in sein Gesicht, Eber wehrte sich kein Stück und krümmte sich am Boden, er flehte um Vergebung und versuchte, mit idiotischen Ausreden den Grund seines Diebstahls zu erklären.
Ich konnte nicht fassen, was ich da alles sah und hörte, mir wurde richtig heiß vor so viel Selbstmitleid, dieser Typ … ahhh, … ich erkannte ihn nicht wieder, sonst hatte er immer eine große Klappe und erzählte, was für ein harter Bursche er sei. … Ehre und Stolz und Freunde für immer und Bruder und nur Bla, bla, bla.
„Siehst du“, sagte Fredi, … da schau, was aus unserem Helden geworden ist, ein beschissener Dieb, als Dank für einen guten Job. Nun gut, also… komm, du Schwein, Zeit, eine Rechnung zu begleichen.“
Noch bevor sich die Buckeln mit „Eber“ beschäftigen konnten, stürzte sich dessen Freundin über ihn, mit ihrem Baby im Arm, und flehte Fredi an, ihm nichts zu tun. Sie versprach, Fredi die Schuld samt Zinsen für ihren beschissenen Freund abzuarbeiten, samt Zinsen und alles, was Fredi auch verlangen würde. „Nur bitte“, flehte sie, „… bitte lasst ihn in Ruhe.“
Fredi lachte nur und sagte: „Deine Frau hat mehr Eier, als du jämmerlicher Scheißkerl jemals hattest, jetzt sieh mich an, bevor ich dir den Schädel einschlage, du Schlappschwanz!“
„Eber“ sah mit tränengetränkten Augen auf und faltete seine Hände wie zu einem Gebet. „Bitte, Fredi, … bitte, ich mache es auch nie wieder, ich schwöre es dir!“
„Da hast du wohl recht, … DU machst es sicher nie wieder, dafür sorgen wir schon.“
„Unfassbar“, dachte ich mir, „der hat überhaupt kein Rückgrat, das ist ja alles schon mehr als peinlich, statt dass er seine Frau und das Baby schützt, geht es ihm nur um seine eigene, beschissene Haut zu retten.“ Mir war speiübel geworden, am liebsten hätte ich gekotzt.
Fredi setzte noch einen drauf: „Weißt du, ‚Eber‘, weil du gar so ein beschissener Schlappschwanz bist, wir wetzen jetzt alle nacheinander deine Frau und du hältst inzwischen euer Baby! … Na, wie gefällt dir das?“
Für einen Augenblick war ich geschockt und hoffte stark, dass Fredi das nicht wirklich vorhatte. Ich hätte das auf keinen Fall zulassen können, schon allein wegen dem Baby nicht. Noch von diesen Gedanken schockiert, sah ich, wie sich „Eber“ aufrichtete, um das Baby wortlos und irgendwie erleichtert an sich zu nehmen. Ich konnte nicht glauben, was ich sah, bei diesem Anblick trieb es mir Tränen voller Hass in meine Augen, mich überkam eine Wut, wie ich sie noch nie hatte.
Ich drängte mich augenblicklich vor „Ebers“ Frau, die weinend ihr Baby diesem feigen Arschloch übergeben wollte, schnappte sie samt dem Baby und brachte sie in ein anderes Zimmer, ich befahl einem Buckel, die beiden nicht mehr aus dem Zimmer zu lassen, ich war außer mir vor Zorn und schrie alle an: „Keiner fasst die Frau und ihr Baby an, … keiner!!“
Fredi zeigte allen mit einem Blick, dass es in Ordnung war, dass ich frei Hand und Entscheidung hatte, also fügten sich auch alle meinen Worten.
Ich ging langsam auf „Eber“ zu, ich kann noch heute die Tränen auf meinem Gesicht spüren, mit ruhiger Stimme sagte ich: „Steh auf, ‚Eber‘, … jetzt musst du Mann sein oder ich töte dich. STEH AUF!“, brüllte ich ihn an.
Ich packte selber an, stellte ihn auf seine Beine und schlug auf ihn ein, bis man sein Gesicht kaum mehr erkennen konnte, die anderen versuchten, mich dann schon von ihm zu trennen, doch ich wollte nicht mehr aufhören, „dieses Schwein“ schrie ich immer wieder, wie kann der seine Frau für sich so opfern, im Angesicht des eigenen Kindes? „Du miese Kreatur, ich töte dich, du verdammtes Schwein.“
Fredi und die anderen hatte alle Mühe, mich dann doch noch von diesem Schwein zu lösen, wer weiß, vielleicht hätte ich ihn wirklich getötet.
5 Sterne
Hat Tendenz....zum Bestseller-Knaller - 10.03.2023
Rene' F.

Weltklasse!!!......ein Buch aus meiner Heimatstadt!Das Wien... wie es auch sein kann.Ein Feldzug durch gut und böse.Fesselndes Buch mit starkem Charakter!

5 Sterne
Spannend und Berührend - 07.03.2023
Robert Kaltenegger

Ein Buch voller Wucht und Emotionen.

5 Sterne
Spannend und Berührend - 07.03.2023
Robert Kaltenegger

Ein Buch voller Wucht und Emotionen.

5 Sterne
Authentisch, spannend und ergreifend - 07.03.2023
Christian S., 1130 Wien

Eine Zeitreise ins frühere Wien abseits von Sachertorte, Stephansdom und Habsburger. Das dunkle Wien. Genial

Das könnte ihnen auch gefallen :

Der Zippverschlussmann

Klaus Hübschmann

Trotzdem - (m)ein pralles Leben in der DDR

Buchbewertung:
*Pflichtfelder