Wühlmauspflanze und Augen oder Kohlendioxid und Sommerklamotten

Wühlmauspflanze und Augen oder Kohlendioxid und Sommerklamotten

Marie Likisch


EUR 14,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 114
ISBN: 978-3-95840-339-0
Erscheinungsdatum: 02.03.2017
Bei einem Familienbesuch auf dem Land wird geredet, gelacht und über die verschiedensten Themen philosophiert. Alle genießen das schöne Sommerwetter im Garten - doch dann kommt Jakob mit der giftigen Wühlmauspflanze in Berührung … Ein spannendes Theaterstück!
Über mich

Hallo, ich bin die Andrea. Mein Pseudonym ist Marie. Und ich stellte mich vor allem in meinen Romanen „Jetzerla“ und „Die Gedanken sind frei. Der tote Krimi und lebendiges Wasser“ vor. Außerdem erfand ich die Kunstfigur Sahra. Über sie gibt es auch zwei Romane. Und ich war vor Kurzem in der Freilichtbühne in Feuchtwangen in der Aufführung „Arsen und Spitzenhäubchen“. Und weil ich ja für mich den Krimi abschaffte, hielt ich dieses Stück nicht aus. Gefallen hat mir die Leidenschaft und die Hingabe der Schauspielerinnen und Schauspieler. Auch das Publikum fand ich gut. Die Leute lachten an den dafür gedachten Stellen und bei den richtigen Wortwitzen. Drehten die Köpfe in die Richtungen, aus denen die Schauspielerinnen kamen, klatschten und verhielten sich sonst ruhig. Nur ich betrachtete dies aus dieser Perspektive. Setzte mich innerlich außerhalb dieses Geschehens auf der Bühne. Und ich bekam Bauchweh, Bauchschmerzen, weil ich Durchfall wegen gammeliger Kirschen hatte und auch ein unwohles Gefühl wegen der vielen Morde. Ich ahnte ja schon vorher, dass mir das Stück vielleicht Schwierigkeiten machen würde. Aus Neugierde und Erlebnishunger wollte ich es aber anschauen. Außerdem gingen wir ja als Gruppe und als Event hin. Und wenn ich mir was nicht anschaue, weiß ich ja nicht genau, um was es geht. Und darum habe ich mich darauf eingelassen. Und nur so kann ich auch wirklich mitreden. Natürlich weiß ich auch, dass ich damit eine Vorstellung unterstütze, die mir eigentlich nicht gefällt, und ich damit den Erfolg und Inhalt des Stückes stütze. Ich wollte einfach dabei sein. Und es ging mir auch um die Geselligkeit und Unterhaltung bei dem Ausflug. Ich verließ also den tollen Bühnenraum, etwa 20 min vor Ende der Vorstellung in Richtung Toilette. Dann setze ich mich vor den Eingang. Die Frauenbundgruppe holte mich dann dort ab und wir fuhren heim. Und diese Vorstellung ist eine Inspiration für mein Theaterstück. Außerdem hatte mein Vater ein Augenleiden wegen einer Gartenpflanze. Und meine zweitälteste Tochter war auf Berlinklassenfahrt. Und meine Zwillinge hatten vor einigen Monaten Kommunion und bei uns gibt es eine Gammelschublade. Die hasst mein Vater über alles. Und im Garten werden gerade viele Früchte reif. Und wir haben tatsächlich kleine Kätzchen. Und ich wohne im Landkreis Ansbach und machte einmal ein Märchenseminar mit. Und das sind die Stützpunkte für meine Idee des Theaterstücks. Und im realen Leben war dies der Zeitraum vom 11.7.2016 bis 18.7.2016. Und am Tag nach der Theatervorführung, an einem Donnerstag, begann ich dieses Stück.


Das Theaterstück und ich

Hallo, ich bin Sahra (genannt Sehra) und von Beruf Schriftstellerin. Und nun wage ich mich an mein erstes Bühnenstück in meinem Leben. Es spielt auf einer Bühne. Es gibt rechts und links eine Tür. Die linke Tür geht in den Stadl. Die rechte Tür ist die Haustür und geht in eine Küche und eine Öffnung geht hinten hinaus. Es ist der Eingang zum Hof. Und dieser Hof ist die Bühne. Der Hof ist ein großer Garten. Ein Garten in einem kleinen Dorf im Landkreis Ansbach. In ihm steht ein Gartentisch mit zwei Bänken und zwei Stühlen in der Mitte. Links stehen zwei Liegestühle. In der Mitte hinten ist ein Kirschbaum und es sind mehrere Gemüsebeete auf der Bühne mit Erdbeeren, angestangten Tomaten, daneben Wühlmauspflanze, Gurken, Zucchini, Karotten, Zwiebeln und Kohlrabi. Außerdem gibt es eine Buchshecke und Efeu wächst an dem Stadl hinauf. Johannisbeerensträucher stehen herum. Auch ein Himbeerstrauch. Es ist Mitte Juli. Und neben den Tomaten steht die große Wühlmauspflanze, ein Wolfsmilchgewächs. Es gibt auch Minze und Melisse. Die Bühne soll ein Garten sein, ein Teil des Gartens von Sahras Vater. Dann geht auf der Bühne eine Treppe zur Straße rauf. Real könnte es ein Balkon auf der Bühne sein. Oben steht ein offenes Auto, ein Cabriolet. Und da können sich fünf Leute reinsetzen. Und in diesem Auto, das fährt, finden auch viele Dialoge statt.
Es gibt also zwei Spielstätten, den Garten und das Auto. Und immer wenn jemand mit dem Auto anreist, kommt er die Treppe herunter und geht in den Hof mit Garten.
Mitspielen in dem Stück soll ich, also Sahra. Ich bin über 40 Jahre alt. Während dieses Bühnenstückes – es geht über vier Tage – sind meine Zwillinge bei dem Vater und nicht da. Ich beschreibe mich der Einfachheit halber mit „ich“. Meine 16-jährige Tochter Michaela und ihr etwas älterer Freund Ali. Mein Vater, also Opa. Seine gleichaltrige Freundin Hedwig. Beide sind über 70 Jahre alt. Opas Schwester Frieda; sie wird Tante Frieda genannt. Ihre Tochter Frauke und ihr Mann Gerd. Der Nachbar Martin. Außerdem die Nachbarin Lina. Meine Freundin Lisa und ihr Mann Mesut, die Eltern von Ali, und seine Brüder Ibrahim und Mechmet. Außerdem zwei Kätzchen, die eigentlich echt sein sollen. Es sind aber zwei Plüschkätzchen. Die Katzeneltern sind die Mats und der Batzi. Es gibt einen vollen Schub mit Sachen. Es gibt auch immer wieder Essen. Das soll bereitgestellt werden. Und Getränke. Dafür ist auch Geschirr nötig. Neben der Eingangstür hängt ein Briefkasten. Und ein Zeitungshalter. Es gibt Werbeprospekte, Berlinreiseführer und drei Heftchen vom Bundestag. Dann zwei Tageszeitungen. Die Fränkische Landeszeitung. Zwei Gartenhacken. Außerdem gibt es einen Jakobiapfelbaum mit Äpfeln und eine Leiter. Dann noch einen Gartenwasserhahn. Und ein Maulwurfsvertreibungssolargerät. Erdbeerpflanzen. Wasserschlauch. Medikamente in Plastiktüte. Plastiktüte groß. Ibuprofen und Magenschoner. Autoschlüssel für jedes Papierauto. Gesundheitskarte. Vlies und Steine. Infusion. Zwei Decken und Sonnenmilch. Geschirr und Küchenzubehör. Vase mit Filzband. Blumen. Sauerkirschen. Geschichtenbuch und Plakat mit Stift. Drei Arten von Tropfen. Brille und Handschuhe. Und sonstige Utensilien, die ich vielleicht vergessen habe zu erwähnen.
In dem Stück darf improvisiert werden. Es darf auch etwas weggelassen werden. Auch der Text darf leicht verändert werden. Auch die Orte dürfen verändert werden, wenn es mit dem Wasserproblem übereinstimmt. Aber der Sinn sollte schon erhalten bleiben. Im Original reden alle im fränkischen Dialekt. Das Stück kann ich leider nicht so schreiben. Dazu bin ich zu ungeschickt. Kann aber in verschiedene Dialekte gesetzt werden.
Für die Bühne ist es so gedacht, dass die Pflanzen dort sind. Allerdings kann zum Beispiel die Ernte pantomimisch dargestellt werden. Das heißt, bei den Gurken wird nur so getan, als kämen sie in eine Schüssel. Also Arbeit mit Gestik, Mimik und Wort. Außerdem können die Schüsseln alle leer sein und die Leute tun nur so, als würden sie essen. Sie essen also pantomimisch. Der Koffer kann pantomimisch getragen werden. Damit können eine Menge Requisiten eingespart werden. Das Bühnenbild ist nicht so aufwendig, wenn nur so getan wird als ob. Damit ersparen sich die Bühnenbildner und Schauspieler eine Menge Arbeit. Das Geschehen wird vereinfacht. Und die Phantasie der Zuschauer wird angeregt.
Natürlich kann das Bühnenbild komplett real umgesetzt werden. Vor allem, wenn es ein Kinofilm ist. Dann kann auch der Stadl und die Küche eingefangen werden. Oder das Krankenhaus, in dem der Opa gerade liegt. Oder die zwei Ärzte und Sanitäter, die den Opa behandeln. Dann kann jede Idee in Bilder umgesetzt werden. Der Phantasie sind bei der Aufführung des Stückes keine Grenzen gesetzt. Bei einem Kinofilm können auch Gedanken eingefangen werden. Zum Beispiel wenn Michaela von Berlin erzählt, kann davon ein Filmchen gedreht und gezeigt werden. Die Sehenswürdigkeiten und zum Beispiel das Laufen in das Parlament gezeigt werden. Oder die Zeitungsnachrichten werden gezeigt. Ob bei einem Kinofilm die Leute sich beteiligen müssen, bleibt offen. Es sind ja keine realen Personen, die das gerade spielen und leben, im Raum. Ich weiß es nicht. Keine Ahnung. Mit dieser Frage bin ich gerade komplett überfordert.
Die Handlung beginnt Freitagnachmittag und endet Montag am Spätnachmittag.

Es sind Szenen und jede Szene ist ein Tag.
Freitag die I., Samstag die II., Sonntag die III. und Montag die IV. Ich weiß noch nicht, wie lange das Stück dauern wird. Mal schauen.


Szene I. Freitag

Ich sitze am Steuer vom Auto, Tante Frieda neben mir, hinten Ali und Michaela. Es brummt und wir steigen aus. Wir holen das Gepäck aus dem Kofferraum und unterhalten uns.
Ich: Jetzt sind wir da. Endlich bei Papa und Hedwig angekommen. Es ist ja eine kleine Reise von Nürnberg hierher. Bin ich froh, dass wir jetzt da sind und alles so wunderbar geklappt hat.
Michaela: Ich bin auch froh. Ich habe jetzt ja schon ein Mammutprogramm hinter mir. Die ganze Woche in Berlin zur Klassenfahrt und nun das Wochenende, das ich bei Opa verbringen darf. Ich bin jetzt froh, dass ich mich jetzt ein wenig ausruhen kann. Zumindest habe ich jetzt nicht mehr packen müssen. Ihr habt mich samt Gepäck ja gleich vom Bus abgeholt.
Tante Frieda: Du hast ja viel erlebt diese Woche. Aber das Programm geht weiter. Nach dem Abendessen wollen wir ja ins Theater gehen.
Ich: Ich finde auch toll, dass uns Papa und Hedwig ohne besonderen Anlass zum Essen und Theater einladen. Ich freue mich schon so auf das Freilichtstück.
Ali: Ich finde es auch nett, dass ich eingeladen wurde. Wirklich total nett. Als Freund von Michaela ist es ja nicht selbstverständlich.
Ich: Manchmal ist Opa total großzügig. Er will seiner Familie eine Freude machen. Das finde ich ganz arg toll. Und glücklicherweise hat er ausreichend Rente, sodass er das alle heilige Zeiten kann. Ein voller Glücksfall für uns.
Tante Frieda: Haben wir alles? Dann können wir in den Hof hineinlaufen.
Alle laufen die Treppe hinab.
Tante Frieda: Jetzt ist es 16.30 Uhr. Die warten jetzt auf uns. Wir sind total pünktlich. Ich freue mich schon auf das Essen und die Abendunterhaltung.
Ich: Es ist gut, dass wir was Warmes zum Anziehen mitgenommen haben. Heute Abend soll es ja ziemlich frisch werden. Im Moment ist es ja in unseren Sommerkleidern noch ziemlich okay, angenehm warm. Aber es soll frischer werden.
Wir sind unten angekommen. Hedwig und Opa kommen aus dem Haus und stürmen auf uns zu. Opa umarmt mich, Frieda und Michaela.
Opa: Schön, dass ihr da seid. Herzlich willkommen. Ihr seid ja pünktlich wie die Mauerwerker. Ich fange jetzt mal bei meiner Tochter mit der Begrüßung an. Jetzt kommt Frieda dran und dann meine Michaela.
Opa, zu Ali: Dich kenn ich noch nicht. Schön, dass wir uns kennenlernen. Ich bin der Opa. Du kannst auch Opa zu mir sagen. Und das ist Hedwig.
Opa zeigt auf Hedwig. Ali gibt auch ihr die Hand. Und sagt: Ali. Jetzt begrüßt Hedwig uns mit Handschlag, reihum.
Hedwig: Grüß Gott.
Ich, Tante Frieda, Michaela und Ali: Grüß dich.
Opa: Setzt euch doch mit an den Tisch. Es ist wie ausgerechnet: Wir haben sechs Plätze.
Ich: Danke, das machen wir doch gerne.
Alle setzen sich.
Hedwig: Ich hole was zum Trinken. Was darf ich euch anbieten? Wir haben selbstgemachten Apfelsaft von unserem Obstgarten, Mineralwasser still und Bier.
Ich: Na ja, die Autofahrer sollten mal kein Bier trinken. Die jungen Leute um diese Uhrzeit auch noch nicht. Es bleibt ja eigentlich nur das andere.
Hedwig: Dein Wort in Gottes Ohr. Ich hole den Saft und das Wasser.
Hedwig geht ins Haus.
Opa: Ich habe heute noch nicht mal die Nachrichten gehört. Ich war heute den ganzen Tag im Wald und habe Holz gemacht. Es ist der Wahnsinn, wie viel Kiefern gerade absterben. Die vertrugen das Trockenjahr letztes Jahr nicht. 2015 ist für den Wald ein hartes Jahr. Jetzt sind die Feinwurzeln bei den Bäumen abgestorben und sie können kein Wasser aufnehmen. Um noch Schlagholz zu haben, muss ich sie wegmachen; sonst gehen sie komplett kaputt und dann wird es Brennholz. Ich bin ganz schockiert von der Situation.
Hedwig: Ja, es ist schon schlimm, wenn unsere größten Pflanzen so enden.
Opa: Jetzt wollen wir von was Angenehmen reden.
Hedwig kommt mit den Getränken und Gläsern, verteilt die Gläser und schenkt ein. Sie fragt jeden, was er gerade will – Wasser, Saft oder Schorle – und schenkt ein.
Hedwig: So, nun kommen die Durstlöscher. Was darf ich dir anbieten? Was nimmst du?
Alle sind versorgt.
Hedwig: Ich habe eine Kohlrabisuppe für euch gemacht. Danach gibt es Kartoffel-Zucchini-Auflauf für euch. Dazu gibt es grünen Salat vom Garten. Es ist der letzte Kopf. Dazu noch Gurkensalat. Und als Nachtisch Pudding mit gekochten Johannisbeeren. Ich hoffe, dieses vegetarische Menü trifft euren Geschmack. Alle Früchte vom Garten. Der Auflauf ist gerade noch im Ofen. Dauert noch eine Weile. Dann können wir essen.
Ich: Das klingt ja toll. Total lecker. Der Auflaufduft kommt ja schon aus der Küche in den Garten gezogen. Super. Riecht total gut. Und vegetarisches Essen finde ich ja immer köstlich.
Michaela: Opa, das finde ich so toll, dass du dich noch so um deinen Garten kümmerst. Du bist da ja mit Feuereifer dabei. Ich kenne mich nur wegen dir mit Gartenarbeit aus. Ich kann mich noch erinnern, wie du mir als Kind das Säen und Pflanzen gelehrt hast. Am liebsten tue ich aber ernten.
Ich: Als du klein warst, habe ich immer verdammt aufpassen müssen, dass du kein Efeu und keinen Buchs anlangst und isst. Beides ist ja so giftig. Ich habe auf dich immer ein Auge werfen müssen. Habe dich immer im Blickfeld haben müssen. Und einmal hast du einen Mohn gemampft. Und dann habe ich den Giftnotruf angerufen und erfragt, ob die Pflanze giftig ist. Und Gott sei Dank war sie das nicht. Das war eine Aufregung. Ich will gar nicht mehr dran denken.
Opa: Ich auch nicht.
Michaela: Da habe ich aber Glück gehabt.
Opa: Und morgen geht es mit der Gartenarbeit weiter; und morgen dürft ihr mir bei der Gartenarbeit alle helfen. Schön, dass ihr das Wochenende bei uns verbringt. Da spann ich euch gleich alle mit ein. Ihr dürft dann auch von den Johannisbeeren mit nach Nürnberg und Fürth nehmen. Es hängen so viele dran. Die Himbeeren haben wir schon fast alle weggerupft. Aber einzelne sind noch zu finden.
Ich: Es ist ja jedes Jahr so, dass ab Mitte Juli so viel Sachen auf einmal reif werden. Die Erdbeerphase ist jedoch schon vorbei. Aber die Beeren sind toll. Und auch die Kirschen. Oh, ich seh den Kirschbaum. Da will ich mir gleich mal welche schnappen.
Ich stehe auf und renne zu dem Kirschbaum und fange das Pflücken und Essen an.
Opa: Oah – iss mal bitte nicht! Die Kirschen sind schon überzeitig. Die fangen schon an faul zu werden; die haben wir nicht rechtzeitig bei der Ernte erwischt. Wir haben die übersehen. Die sind nicht mehr gut und du bekommst davon vielleicht Bauchschmerzen.
Ich: Das denke ich jetzt nicht; die schmecken doch noch ganz gut.
Ich stopfe mir noch mehr in den Mund.
Ich: Kirschkernweitspucken wäre doch cool.
Ich spucke.
Opa: Hörst auf! Du hast dann im Theater Bauchschmerzen.
Tante Frieda: Ich würde jetzt keine mehr essen. Ich hab als Kind deswegen auch schon oft Bauchschmerzen bekommen. Aber das Kirschkernspucken war als Kind so toll. Wir haben da richtige Wettbewerbe gemacht.
Ich: Weil wir gerade von den Kirschkernwettbewerben reden: Meine 8-jährigen Zwillinge haben gerade Schulfest in der Grundschule. Stefan ist mit ihnen dort. Und auf dem Programm stehen auch viele Spielwettbewerbe. Unter anderem auch das Kirschkernweitspucken. Finde ich toll, so ein Sommerfest.
Michaela: Als Grundschülerin hat mir das auch immer gefallen. Es hat so viel Spaß gemacht. Schon damals ist der Papa immer mitgegangen. Opa, für welches Stück hast du nun für uns Karten besorgt?
Opa: Ich habe nicht nur für uns Karten besorgt, sondern auch für Frauke und ihren Mann Gerd. Die kommen dann und begleiten uns.
Ich: Das ist ja toll. Super. Freue ich mich.
Tante Frieda: So eine Überraschung. Meine Tochter hat mir jedoch noch gar nichts davon erzählt.
Opa: Es soll ja eine Überraschung sein.
Ich: Und in welches Stück gehen wir denn jetzt in Feuchtwangen? Mach es doch nicht gar so spannend.
Opa: „Arsen und Spitzenhäubchen.“
Ich: „Arsen und Spitzenhäubchen.“ Das klingt ja nach Gift. Um was geht es denn in diesem Stück?
Opa: Es ist eine Krimikomödie und wurde auch schon mehrmals im Fernsehen gezeigt.
Mir fällt meine Kinnlade runter und ich schaue betreten.
Ich: Papa, du weißt schon, dass mir keine Krimis gefallen. Ich hasse Verbrechen jeder Art. Ich verkrafte schon keine Krimis im TV. Und nun das.
Opa: Jetzt sei doch nicht so vorurteilsvoll. Das ist doch nur Spaß. Es ist doch alles nicht ernst gemeint. Es ist doch nur Theater. Kennst du überhaupt das Stück?
Ich: Ich habe keinen blassen Schimmer.
Ali: Da kann ich abhelfen. Ich habe das Handy da und wir können den Inhalt googeln. Das mache ich jetzt mal.
Er zückt das Handy aus der Hosentasche und googelt.
Ich: Ich lasse mich mal überraschen.
Ali: Jetzt habe ich es. Bei Wikipedia steht: „‚Arsen und Spitzenhäubchen‘ ist ein amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1941.“ Es steht ganz viel über die Handlung darin. Ich überfliege das mal so. – Also es geht darum, dass zwei alte Damen viele Leichen im Keller haben, weil sie die Männer mit Arsen umbringen. Und ein Neffe, der adoptiert ist und darum nicht mit den anderen wahnsinnigen Menschen in der Familie verwandt ist, erfährt das. Und er lässt die Tanten in eine Anstalt einweisen. So mal als Grobzusammenfassung. Und ziemlich zum Schluss stehen folgende Sätze darin: „Die Redaktion des Lexikons des internationalen Films urteilt, der Film sei ein Evergreen des schwarzen Humors, von Capra mit makabrem Witz und Phantasie angereichert, wobei er aus dem Gegensatz zwischen kleinbürgerlicher Behaglichkeit und nacktem Entsetzen köstliche Effekte erzielt.“

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