Cover: Wilde Locken und Perlen im Haar

Wilde Locken und Perlen im Haar
From Virgin to Woman


EUR 26,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 228
ISBN: 978-3-7116-1476-6
Erscheinungsdatum: 05.02.2026
Monika ist ohne Vater aufgewachsen und vermisst ihn. Ihre Mutter will aber nichts mehr von Männern wissen. Da taucht ein sehr sympathischer Mann auf, Paul. Monika ist begeistert, er könnte der neue Vater werden – aber wie bringt sie die beiden zusammen?
Vorwort

Die Entfernung ist unwichtig, nur der erste Schritt ist wichtig.

Waren Sie schon mal in einer psychologischen Klinik?
Nicht als Besucher, sondern als Patient?

Ich hatte ein Schockerlebnis, das mich für einige Wochen aus der Bahn warf.
Das Resultat: Es begann mit Herzrasen, steigerte sich in Herzrhythmusstörungen und am Schluss kam noch Schlaflosigkeit dazu. Das ging ein paar Wochen, dann musste ich zum Arzt. Ich weiß, diesen Schritt hätte ich viel früher machen sollen, aber hinterher ist man immer schlauer.
Ich landete also beim Arzt.
Wir hatten unterhaltsame Gespräche. Am Schluss der Behandlung meinte er nur: Sie haben ein Burnout und latente suizidale Gedanken. Dies war mir neu, aber der Arzt ist in der Regel ein kluger Mann, der seine Gründe für diese Diagnose hat.
Er schrieb mich krank und meinte nur, er werde meinen Fall weiterleiten.

Zwei, drei Wochen ging es ein bisschen hin und her, dann wurde ich für ein Gespräch in die Klinik gebeten.
Die Adresse lautete Alte Landstrasse, Kilchberg, vielleicht sagt Ihnen die Adresse etwas? Richtig, Thomas Mann lebte kurze Zeit an dieser Adresse. Er hatte eine gute Wahl getroffen. Das muss ich dem Schriftsteller lassen.

Ich wurde also in Empfang genommen und zum Herrn Doktor geführt. Er war mir sehr sympathisch. Die Sitzung war recht unterhaltsam. Am Schluss meinte er, ich sei herzlich willkommen. Ich bekomme ein Einzelzimmer …
Ich war neugierig und wollte wissen, wie lange der Aufenthalt dauern würde. Er lachte fröhlich und meinte, bis ich gesund sei.
Na toll! Ich fand, das sei eine vielversprechende Aussage. Aber sie schreckte mich auch etwas ab.
Die Frage sei gestattet, was ist gesund? Ich hatte keinen Beinbruch und mir auch keinen Finger geschnitten. Meine Psyche war angeschlagen, mehr nicht. Und wie messe ich die Psyche?
Natürlich mit Gesprächen. Aber was passiert, wenn Arzt und Patient nicht die gleiche Lebensauffassung haben oder den gleichen Bildungsstand? Enden sie in Streitgesprächen? Der Arzt hat immer recht, dafür hat er ja studiert. Ich musste innerlich lachen.
Dann wurde mir der Eintrittstermin bekanntgegeben und ich tauchte in eine mir unbekannte Welt ein.
So unbekannt war sie mir nicht. Schließlich war mein Lieblingsthema der Mensch und sein Verhalten! In meinem Leben habe ich dutzende Bücher über die Psyche gelesen. Innere Werte wie Hass und Liebe. Krieg und Frieden, was gibt es noch? Den Neid, natürlich den Tod, aber der kommt erst am Ende. So als freudiges Happy End.
Töne ich zynisch?
Wollte ich aber nicht.
Ich blieb für einige Wochen und ich muss sagen, es war eine beeindruckende Zeit. Selten hatte ich so einen interessanten Umgang gehabt wie hier in der Klinik.
Ich bekam eine Ärztin zur persönlichen Betreuung zugesprochen.
Sie mochte etwa fünfzig Jahre alt sein, stammte aus Indien und war eine wunderbare Frau. Wir haben in dieser Zeit sehr viel über den Sinn des Lebens und natürlich über die Religion philosophiert.
Beim Wort Gott schauten wir uns an und fanden, Gott sollte man nicht personifizieren, lassen wir ihn also beiseite.

Ich verließ das Sanatorium nach einigen Wochen. Es waren Wochen, die mich sehr beeindruckten und in denen ich viele Schicksale kennengelernt hatte.
Und sie haben mich auch beim Schreiben dieses Buches inspiriert, denn es beginnt mit Pauls Eintritt in das Sanatorium.

Paul ist der Protagonist und schildert die ergreifende Geschichte eines Mädchens, das die Liebe sucht.

Diese Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten.
Schicksale mit ähnlicher Thematik sind rein zufällig und nicht gewollt.




Wilde Locken und Perlen im Haar

Steil führte die Steintreppe nach oben. Es mochten etwas über hundert Stufen sein und öffneten den Blick auf den See und die Berge, die jetzt im letzten Sonnenlicht leuchteten. Auch gab es einige Meter weiter ein Hirschgehege, dort äste friedlich ein Rudel Dammhirsche.
Rechts von der Treppe befand sich ein kleines Hochplateau, dort reiften Blauburgundertrauben, sie wuchsen auf künstlichen Terrassen und genossen voll den Sonnenschein, was sich im köstlichen Wein widerspiegelte.
Auf der linken Seite lehnte die Treppe an einer verwitterten Klostermauer, die mit Efeu überwuchert war. Dies gab der Treppe einen malerischen Anstrich, man wähnte sich fast wie im Mittelalter.
Im unteren Drittel der Treppe wurden die Stufen von einem Podest unterbrochen, ein Steinbogen in der Mauer lud den Besucher ins Kloster ein.
Der Klosterhof war mit Steinpflaster ausgelegt.
Auf der linken Seite befand sich die malerische Klosterpforte, auf der rechten Seite die ehrwürdige Kirche mit der schon etwas verwitterten Kirchentür.
Unten an der Treppe stand Paul und schaute hinauf.
Hier war er schon mal gestanden. Damals noch als kleiner Junge. Aber in der Zwischenzeit waren einige Jahrzehnte vergangen.
Er mochte etwa vier Jahre alt gewesen sein, da wurde ein Familienausflug geplant und auch gemacht. Für den Zug reichte das Geld nicht, so borgte man die Fahrräder von Freunden und trampelte mit eigener Muskelkraft die weiten Kilometer nach Rapperswil. Verschwitzt und etwas mürrisch kamen sie dort auch an.
Irgendwann stand dann die ganze Familie unten an der Treppe und schaute hinauf, es gab keinen zweiten Aufstieg. Seine beiden älteren Brüder schauten sich an und hetzten lachend die Stufen hinauf.
Vater und Mutter standen unten am Fuße und überlegten, sollte man den Kleinen hochschleppen oder sollte er die Treppe selber besteigen.
Sie versuchten es mit einem Versprechen: Auf dem Schlosshof oben gab es Hirsche, wenn er selber die Treppen hinaufsteigen würde, dürfte er sie streicheln.
Aber die Hirsche interessierten nicht, der kleine Paul wehrte sich, er wollte von seinem Vater getragen werden, auf dessen Schultern sitzend und hoch über den Köpfen der anderen das Treppensteigen genießen.
Es kam aber anders. Nachdem sich Paulchen geweigert hatte, wurde er von der Mutter übers Knie gelegt und bekam eine Abreibung. Die Eltern stiegen hoch und Paulchen quälte sich schwitzend und heulend hinter ihnen her.
Endlich waren alle auf dem Hof angelangt und gingen zum Hirschgehege. Friedlich lagen die Wiederkäuer im weichen Gras und genossen die Ruhe.
Das sollten die Hirsche sein, von denen die Eltern so geschwärmt hatten? Faul standen sie herum. Paulchen nahm eine Handvoll Kies, holte aus und warf die Steine nach den Hirschen. Die erschraken und stoben davon.
„Was bist du nur für ein böser Bub! Schäme dich!“ Die Mutter schüttelte ihn.
Aber lassen wir die Vergangenheit ruhen und kehren in die Gegenwart zurück.
Unter dem Steinbogen erschien jetzt der männliche Paul. Er betrat den Klosterhof, blieb bewundernd stehen und ließ seinen Blick schweifen.
Paul mochte etwa sechzig Jahre alt sein, groß und schlank, er wirkte sympathisch. Er hatte feingeschnittene Gesichtszüge, was ihm eine intelligente Note verlieh.
Er schritt zur Kirche, die Kirchentür jammerte in den Angeln, als er sie öffnete. Das Kirchenschiff war eher klein.
Vorne standen ein paar Blumen auf dem Altar. Daneben ein Tisch mit Kerzen. Ein paar unbequeme Stühle luden zum Sitzen ein. Ein Pfeil deutete den Weg zur Grotte.
Nachdenklich musterte der Mann die Umgebung, dann setzte er sich in Bewegung. Vorbei an den leeren Beichtstühlen, vorbei auch an den heiligen Bildern, ein Vorhang versperrte den Weg, er zog ihn zur Seite und betrat das Heiligtum, die Grotte.
Sie war in den Berg hineingehauen, die rohen Felsen schauten hervor. Die Wände waren mit Motiven aus der Bibel bemalt und gaben dem Raum eine feierliche Note. Ein Gestell war mit Kerzen bestückt, die für die frommen Pilger gedacht waren. Hier konnten sie ihre Kerze kaufen, anzünden und in die Ablage stellen. Dies wurde wohl oft benutzt, denn die Lichter der Flammen erhellten gespenstisch den Raum.
Paul setzte sich auf einen Stuhl und starrte verloren in die Flammen der Kerzen.
In seinem Gesicht arbeitete es, dann raffte er sich auf.
Ich weiß, du liebst mich nicht, aus welchem Grund auch immer. Bis heute habe ich nur gelitten.
Du hast mir das Liebste auf der Welt genommen, wieso?
Was habe ich dir getan?
Du schaust zu, wie Kinder im Krieg verhungern und wie die Frauen geschändet und vergewaltigt werden.
Ist das die Gerechtigkeit, von der die Bibel spricht?
Wo bist du? Zeige dich endlich!


***


Die Dämmerung brach herein. Der Verkehr der Stadt normalisierte sich und die Autos rollten wieder flüssiger.
Das Martinshorn eines Krankenwagens zerriss den Straßenlärm.
Mit Sirenengeheul und Blaulicht kämpfte sich ein Krankenwagen durch den abendlichen Verkehr.
Zwei weiß gekleidete Männer saßen im Fond.
Sie kamen zu einem düsteren Platz, der großzügig abgesperrt war. Signalbänder flatterten im Wind und hielten die Gaffer auf Distanz. Polizei und Feuerwehr warteten bereits auf die Ambulanz. Der Wagen bremste ab und die beiden weiß gekleideten Männer sprangen aus dem Auto, suchend schauten sie sich um. Der Einsatzleiter und der Feuerwehrkommandant eilten herbei. Es folgte eine kurze Begrüßung. „Wo ist unser Mann?“
Der Polizist deutete stumm auf das Hausdach. Oben auf dem Dach sah man eine Gestalt stehen, es war Paul. Verunsichert schaute er in die Tiefe, dann wich er erschrocken zurück, anscheinend war er nicht schwindelfrei.
Dr. Bounack ergriff das Wort: „Seit wann ist der Mann da oben, kennt man seinen Namen?“
Der Einsatzleiter schüttelte den Kopf: „Wir versuchten mit ihm zu kommunizieren, aber er gab keine Antwort. Er schrie, wir sollen ihn in Ruhe lassen, sonst springe er.“
Der Polizist ärgerte sich: „So ein Idiot, der verdirbt mir noch den Abend!“
„Das ist noch leicht möglich“, grinste der Arzt aufgeräumt. „Geben Sie mir mal das Megafon.“
Der Arzt grabschte das Megafon. „Bitte bleiben Sie oben und rühren Sie sich nicht vom Fleck. Wir holen Sie herunter.“
Paul drohend: „Wenn jemand heraufkommt, springe ich!“
„Machen Sie keine Dummheiten, Sie würden es bereuen.“
„Lassen Sie mich in Ruhe, hier kommt niemand herauf!“
Der Arzt drehte sich zum Feuerwehrkommandanten: „Wie funktioniert eure Hebebühne?“
„Ganz einfach, Sie steigen in den Korb, den Rest mache ich schon.“
„Sie haben eine Fernsteuerung?“
„Genau! Mit der kann ich Sie millimetergenau auf dem Dach absetzen!“
„Und wie komm ich in den Korb hinein?“
„Kommen Sie, ich zeige es Ihnen!“ Sie gingen zum Korb.
„Ich muss aber nicht hineinkriechen?“
„Nein, es hat eine Türe, die ist groß genug für zwei Personen.“
Behutsam stieg Dr. Bounack in den Korb, aus Sicherheitsgründen war der mit einem Geländer ausgerüstet.
„Haben Sie keine Angst, Sie sind im Korb sicher!“
„Wer hat denn hier Angst?“ Der Arzt grinste schief.
Ein Ruck, der Korb erhob sich und schwebte fast schwerelos zum Dach.
Erstaunt hatte Paul das ganze Drum und Dran beobachtet.
„Kommen Sie nicht näher, sonst springe ich!“
„Beruhigen Sie sich, ich mach Ihnen doch nichts! Ich will nur mit Ihnen reden.“
„Aber ich nicht mit Ihnen.“
Sanft setzte der Rettungskorb auf dem Dach auf.
„Nicht aussteigen, sonst …“
„Keine Angst, ich bleibe im Korb. Darf ich fragen, wie Sie heißen?“
„Das geht Sie nichts an!“
„Ich weiß, aber es wäre nett, wenn Sie mir Ihren Namen nennen würden, ich verrate Ihnen auch den meinen. Ich bin Doktor Bounack.“
Paul schien sich zu beruhigen. „Mein Name ist Paul, Müller Paul.“
„Sehen Sie, es geht doch!“ Dr. Bounack versuchte es mit einem gewinnenden Lächeln. „Finden Sie nicht auch, dass Sie etwas übertreiben? Sie gefährden Menschenleben mit Ihrem Tun, seien Sie vernünftig und steigen Sie ein. Ich bringe Sie sicher hinunter!“ Dabei öffnete er das Gitter und reichte Paul hilfreich seine Hand, zuerst zögernd, dann aber fasste er sie und ließ sich in den Korb ziehen.
Dr. Bounack hob den Arm und signalisierte, ihn herunterzuholen. Sanft setzte sich der Rettungskorb in Bewegung und glitt in die Tiefe. Mit einem leichten Ruck berührte er den rettenden Boden, unter dem Applaus der neugierigen Gaffer verließen sie das Vehikel und wurden sogleich von den Rettern umringt. Jemand legte Paul eine Decke um die Schultern, dann wurde er zum Krankenwagen geführt, wo ihn die Ärzte in Empfang nahmen.
Das Blaulicht wurde eingeschaltet und die Sirene begann zu heulen, der Rettungswagen verließ vorsichtig den Ort und reihte sich in den Abendverkehr ein. Polizei und Feuerwehr begannen, den Platz zu räumen. Die Neugierigen verschwanden und einige Minuten später erinnerte nichts mehr an die kleine Tragödie, die sich hier abgespielt hatte.


***


Paul lag in einem Einzelzimmer im Krankenhaus. Eine Pflegerin betreute ihn.
Sie hängte Pauls Kleider in den Schrank und schaute, dass alles bereitlag für den morgigen Tag.
„Also, Herr Müller. Ich lasse Sie jetzt alleine, wenn Sie etwas brauchen, drücken Sie einfach die Klingel – und ich komme sofort.“
„Wie lange muss ich hierbleiben?“
„Da müssen Sie schon den Arzt fragen. Sie haben morgen zuerst die große Untersuchung, danach werden Sie vom Arzt erwartet und der sagt Ihnen, wie es weitergeht.“
„Wer ist der Arzt – und wie heißt er?“
„Es ist Doktor Bounack, er ist der Oberarzt und hat diese Abteilung unter sich. Und jetzt versuchen Sie, etwas zu schlafen, für Sie war es sicher ein anstrengender Tag.“
Sie reichte dem Patienten ein Glas mit einer Flüssigkeit. „Trinken Sie das, es wird Ihnen helfen. Für Sie war es sicher ein bitterer Tag.“
Paul dankte, trank einen Schluck und ließ sich dann in die Kissen sinken. Vorsichtig drehte er sich auf die Seite und schloss die Augen.
Die Pflegerin ging zur Türe. „Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht!“, aber Paul schlief bereits. Die Anstrengungen des Tages zollten ihren Tribut. Die Pflegerin schloss sachte die Türe.

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