Sonstiges & Allerlei

Verletzte Vögel singen nicht

Grace Gorzelniaski

Verletzte Vögel singen nicht

Blauer Nagellack

Leseprobe:

Meine Geschichte

Mein Name ist Lola, warum meine Mutter sich gerade für diesen Namen entschieden hat, weiß ich nicht. Ich lebe mit meiner Mutter alleine. Ich bin 16 und habe nicht wirklich viele Freunde, doch eine beste Freundin. Sie ist etwas ganz Besonderes für mich und älter als ich, um genau zu sein, zwei Jahre. Ich bin eher zurückhaltend und schüchtern, aber auf einmal hat sich alles geändert. Ich hatte eigentlich auch keine Wahl, ich musste mein altes Ich ablegen, weil sich mein Leben gewandelt hat. Man sagt zwar, sowas geht nicht über Nacht, aber ich denke mittlerweile, dass sowas geht. Manchmal geht es eben einfach nicht anders, das Leben tut mit einem, was es will, oder ist es Schicksal?

Ich und meine beste Freundin Nadine sind heute shoppen, was ich nicht oft tue, nur mit Nadine, weil sie kaufsüchtig ist. Seit sie mit ihrem Idioten Freund James zusammen ist, der ihr bei jeder Gelegenheit Geld gibt, wenn sie etwas braucht. Ich frag mich immer, wie lange er ihr noch diesen Luxus bieten kann oder bieten wird.
Wir sind gerade in einem Dessous-Laden. James fährt voll ab auf sowas und deshalb sind wir hier jetzt schon drei Stunden drin. Weil Nadine auch wirklich das perfekte sexy Outfit für James tragen will …
Ich gehe unauffällig zu Nadine in die Umkleidekabine und betrachte sie. Sie ist gerade dabei, einen schwarzen Push-up-BH mit Spitze anzuziehen, den passenden Tanga dazu hat sie schon an. Sie sagt zu mir: „Tanga ist schon geil, oder? Hilfst du mir eben den BH zuzumachen? Lola, du musst auch was anprobieren. Wenn du keinen Freund hast, dann musst du erst recht zeigen, wie sexy du bist.“ Ich verdrehe meine Augen und sage: „Nadine, ich will doch keinen Freund, wirklich, das ist nur noch mehr Stress.“
„Ach Süße, laber doch nicht, ich weiß genau, wie sehr du dir einen heißen Typen an deiner Seite wünschst.“
„Nein Nadine! Ich hab übrigens deinen BH zugemacht. Sieht echt heiß aus.“
„Oha, du hast recht. James wird mich direkt in sein Bett zerren, ohne dass ich mich wehren kann“, sie kichert leise los. Ich will mir das gar nicht vorstellen. James ist ein Arschloch, ich streite mich immer mit ihm, wenn ich ihn sehe.
Manchmal sind Nadine und ich bei James in seiner Wohnung und chillen. Aber seine Art und sein Charakter machen mich einfach immer so aggressiv. Er will immer recht haben und meint, er weiß alles besser, außerdem ist er ein idiotischer Angeber und in seinen Augen, kann er einfach alles. Das halte ich nie lange aus und beleidige ihn dann und beschimpfe ihn lauthals, was er aber mit mir auch immer liebend gern macht.
Nadine und ich wissen, wie es ist, wenn man nicht viel Geld hat. Wir müssen immer auf die Preise achten. Doch seit James, ihr Freund, er ist 21, ihr immer Geld gibt, ist sie anders. Er schenkt ihr alles, was sie will, aber er ist auch ein bisschen gestört. Er ist sehr eifersüchtig und sieht in jedem Typen eine Gefahr für Nadine, weil er eifersüchtig ist bis zum Mond und Angst hat, dass Nadine einen besseren Mann findet, was aber bei ihm auch nicht schwer ist. Ich habe manchmal schon das Gefühl, er hat eine krankhafte, eifersüchtige Störung. Ich will nicht wissen, was passiert, wenn Nadine eines Tages Schluss mit ihm macht. Auch wenn sie mir immer felsenfest verspricht, dass sie James bald heiraten wird, wenn er ihr einen Antrag macht.
Ich hingegen hatte noch nie einen Freund und bin 16. Aber man sollte sich nicht verrückt machen: Wenn man James sieht, bin ich froh, dass ich noch Single bin und noch keinen Freund habe.
Dann endlich hat Nadine ihre Favorit-Dessous gefunden und wir gehen an die Kasse, um zu bezahlen. Doch es ist Freitagabend. Vor uns steht eine Schlange mit vielen Pärchen und Frauen. Ich nehme ein Kaugummi aus meiner Handtasche und stecke es in meinen Mund. Nadine hält mir ihre Hand hin und sagt cool: „Gib mir auch eins. Wird wohl noch länger dauern. Wenn ich die Pärchen sehe, wird mir voll übel. Wäre ich mit James hier, würde das so nach hinten losgehen. Er würde wie ein Bodyguard vor der Umkleidekabine stehen, damit ich ja nicht in Unterwäsche da rausgehe“, sie seufzt. Ich sage:„Ja, so ist er, echt anstrengend.“
Nach dem Bezahlen sind wir endlich wieder draußen. Es ist angenehm warm.
„Wo sollen wir noch hin?“, fragt sie mich.
„Ich weiß nicht“, sage ich total müde.
Nadine meint: „James holt uns so um halb sechs ab. Das ist okay, oder?“
„Ja, ist okay, dann müssen wir nicht Bus fahren.“
In dem nächsten Laden gibt es alles Mögliche an Sachen, von Schuhen bis zu falschen Wimpern. Nadine entdeckt gerade einen BH in Militärgrün. Damit will sie bestimmt James geil machen. Er war mal bei der US Army in der Ausbildung und ist seitdem besessen von diesem Grün. Nadine hat bestimmt 20 BHs in dieser Farbe und kurze Shorts, Bikinis und Jacken. James steht auch noch auf Frauen in Uniform, oh Gott er ist so ein verrückter Mann.
Ich setze mich auf einen Stuhl. Plötzlich vibriert mein iPhone.
„Hallo Lola Maus, wann kommst du?“
,,Mama, ich bin in der Stadt.“
„Mit wem?“
„Mit Nadine.“
„Und wann kommst du nach Hause?“
„Um sechs bin ich da, okay?“
„Okay, aber pass auf und sprich mit niemandem, den du nicht kennst Lola, versprich mir das!“
„Ja Mum!“
Meine Mama behandelt mich wie eine 10-Jährige. Das nervt so.
„Lola, guck mal, sieht das gut aus?“ Ich will zu ihr in die Umkleide gehen, Nadine kommt aber einfach raus zu mir und den ganzen anderen Leuten. Sie hat einen sexy BH an, in Leoparden Muster und dem dazu passenden String-Tanga.
„Sexy, oder?“
„Ja total, James werden die Augen rausfallen.“ Ich schaue mich flüchtig um und sehe, dass alle, wirklich alle Typen zu ihr schauen. Nadine schaut sich kurz um und sagt dann laut: „Okay, sollen wir bezahlen? Nicht dass du auch noch was anprobierst. Dann kommen wir hier gar nicht mehr weg“, und sie zwinkert mir zu. Jetzt schauen mich die Typen an. Ich schaue schnell auf mein Handy, damit ich so wirke, als ob mich das nicht stört, dass die Typen zu mir gucken. Sind übrigens alle in Begleitung ihrer Freundinnen, die auch alle vor den Umkleidekabinen warten und in der Zeit bei den anderen Frauen Ärsche gucken.
Ich probiere nichts mehr an, denn ich habe wirklich kein Geld mehr, da ich noch essen eingekauft habe und eine schwarze Hose gekauft habe. Nach dem Bezahlen hat Nadine 100 Euro weniger in ihrem Gucci Portmonee von James, ein Geschenk. Ich frage sie: „Hast du eigentlich echt alles gekauft, was du anprobiert hast Nadine?“ Sie sagt munter:
„Ja fast, bis auf eine Hose, die war mir doch zu porno, weißt du? Diese schwarze mit offenem Schritt. Aber Lola, das andere sah alles so gut aus und James liebt sowas ja. Außerdem hat er mir dafür das Geld gegeben.“ Sie schaut auf ihr Handy, weil es geklingelt hat. Ich sage zu ihr:
„Ja, aber 100 Euro. Er gibt dir immer so viel Kohle, findest du das nicht komisch? Ich meine, wo herhat er denn das ganze Geld?“
„Er hat ne gute Arbeit.“
„Nadine, er ist Angestellter bei einem Discounter. Da wird er zwar bezahlt, aber nicht so, dass er Mal eben jede Woche 300 Euro für dich übrig hat. Zudem schenkt er dir ja auch so viel. Er hat dir doch letzte Woche eine Kette geschenkt, die auch locker 150 Euro gekostet hat.“
Nadine verzieht ihr Gesicht wie ein kleines Kind, was beleidigt ist. Dann sagt sie selbstsicher: „Ja und ich vertraue ihm, dass er keine Scheiße baut. Er hat selbst gesagt, dass er das hinter sich gelassen hat.“
Ich glaube, dass James nichts hinter sich gelassen hat. Im Gegenteil, James ist unberechenbar, er macht, was er will, und behandelt Nadine auch so, wie er es will. Das hat sich in den zwei Jahren nicht geändert, auch wenn sie es sich einzureden versucht. Nadine bekommt vielleicht Geld und Geschenke von ihm, aber sie muss auch seine scheiß Laune aushalten. Diese schwankt immer zwischen, „ich liebe dich über alles Nadine“, bis zu, „du Hure geh für mich auf den Strich“. Das ist sein Niveau und,,ich bring dich um, wenn du einen anderen Mann auch nur anzusehen wagst!“ Trotzdem ist sie jetzt schon seit fast zwei Jahren mit ihm zusammen, und sie nimmt seinen Scheißcharakter hin, für diese ganzen materiellen Dinge, die sie von ihm bekommt.
Als wir den Laden verlassen, fragt mich Nadine: „Wir können doch heute auf die Party von Hella?“
,,Meine Mum bringt mich um“, sage ich sofort.
„Wer sagt, dass sie es mitkriegen muss, Lola Schatz.“ Ich lächle sie an und umarme sie stürmisch. Nadine ist echt die beste Freundin, die man haben kann. Dann haken wir unsere Arme zusammen und genießen die warme Abendluft in der Stadt, die zwar stickig, aber trotzdem schön ist. Anschließend gehen wir zum Treffpunkt, wo James uns mit seiner Angeberkarre abholt.
Ich mag James einfach nicht, schon von Anfang an nicht. Er ist immer so gierig nach macht und Kontrolle. „Lola, er kommt gleich.“
„Ja gut, was hat er noch geschrieben?“
„Dass er Hunger hat und wir gleich irgendwo essen gehen oder ich soll kochen.“
„Kann er nicht alleine essen? Obwohl ich hab auch Hunger.“
„Ja, aber lass’ Pizza bestellen. Ich hab kein Bock, jetzt ein Dinner für ihn zu kochen.“ Sie lässt erschöpft ihre Arme mit den voll bepackten Tüten zu Boden sinken. Ich spüre schon gar nicht mehr die Schwere der Tüten in meinen Armen. Toll, dafür habe ich morgen dann schön Muskelkater.
Wenig später kommt James auch schon mit seinem Proleten-Golf GTI in Metallic-Schwarz angefahren. Er hält neben uns auf der Straße an und schaltet Warnlicht ein. Die anderen Autofahrer glotzen uns an oder hupen, weil James in zweiter Reihe wie ein Taxi steht. Das stört ihn aber nicht im Geringsten. „Komm Lola, einsteigen!“ Nadine setzt sich nach vorne zu James. Ich setze mich nach hinten, zu den fünf vollen Discounter-Tüten und den rumfliegenden Bierdosen. „Na Ladys, schön viel gekauft?“, fragt James, dreht die Musik laut auf und fährt mit Vollgas los. „Ja!“, brüllt Nadine gegen die Musik an. James bremst hart, weil Rot ist. Das nutzt Nadine aus, um ihm einen Kuss zu geben, was James genießt. Doch James beginnt sie daraufhin wild zu küssen und nicht mehr auf die Ampel zu achten. Die ist inzwischen wieder Grün. „James, fahr los!“, sagt Nadine nervös.
„Warte doch mal“, sagt James mit seinem blöden Grinsen. Dann fährt er wieder los. Dabei greift er Nadine grob mit einer Hand in ihren Nacken und zieht sie zu sich.
„James, Lola ist hier.“
„Ach, egal, sie kennt doch meine gestörte Art. Nicht wahr Lola?“, und er guckt zu mir nach hinten. Ich nicke nur und sage: „Gut, dass du selber weißt, wie gestört du bist James.“
„Klar weiß ich das, Lola Tussi“, und er grinst mich mit seinem provozierenden Lächeln an. Mir läuft ein Schauer über den Rücken, der Aggressionen in mir auslöst. Ruhig bleiben, alles wird gut. Lola immer ruhig bleiben, denke ich mir innerlich.
Er fährt schnell, so dass man bei jeder Gelegenheit die Reifen quietschen hört. Damit auch ja jeder sehen kann, was für ein geiler Macker er ist. Das ist ihm besonders wichtig.
James redet weiter: „Lola, hat dir Nadine schon erzählt, dass ich ihr eine Louis Vuitton Tasche geschenkt habe? Nadine ist voll ausgerastet, ne?“, und er blickt sie gespannt an. Sie sagt nur: „Du bist so ein Arsch, James.“
Ach Süße, warum? Lola ist schon nicht neidisch, oder Lola?“
„James, das ist ja schön. Ich bin nicht neidisch, aber wenn Nadine nicht will, dass du das überall rumerzählst, dann solltest du das akzeptieren!“ James sieht jetzt ein wenig angepisst aus von mir. Da ist es wieder. Ich kann ihn immer auf die Palme bringen. Ich meine, als ob mich das jetzt so krass interessiert oder was? Nadine hätte mir das bestimmt erzählt, wenn sie es gewollt hätte. James erzählt sowas nur wieder, damit ich weiß, wie viel Geld er hat. Er führt mir vor Augen, dass ich ja kein Geld für sowas habe. Das stimmt auch, aber er muss das nicht so provozieren.
,,Lola, respektier du mich erstmal und akzeptier mich als Nadines Freund!“, sagt er laut und aggressiv. Ich schaue ihn verständnislos an und sage: „Alter James, geht’s noch, warum redest du jetzt wieder so laut wie ein Alkoholiker? Entspann dich mal“, sage ich möglichst ruhig. James ist schon wieder kurz davor auszurasten.
Nadine sagt lieber gar nichts mehr und ich bin echt sauer auf ihn.
„Alter Lola, chill mal. Ich bin entspannt und lass den Scheiß mit dem Alk. Du weißt, dass ich trinke, aber ich bin kein Alkoholiker wie mein Vater.“
James Vater ist krasser Alkoholiker. Er hat James mit 16 einfach aus dem Haus geschmissen, weil er eine neue Bitch mit nach Hause genommen hat. Vielleicht ist James deshalb so ein Arschloch geworden.
Nadine wird langsam immer unruhiger. „James, jetzt lass Lola doch.“
„Misch dich nicht ein, mein Schatz.“
„Ich misch mich sehr wohl ein.“ James sagt dann: „Lola sorry, dass ich so aggressiv bin“, und mit einem komischen Unterton, so nach dem Motto: Ich bin noch harmlos im Vergleich zu anderen, was auch sein kann, aber trotzdem ist und bleibt er ein Arschloch. Dennoch sage ich: „Ja, tut mir auch leid, dass ich dich mit deinem Vater verglichen habe. Ich weiß ja, dass du so schlimm nicht bist.“
„Ja gut, ist auch nicht so. Ich trinke zwar öfter, aber so wie mein Alter trink ich echt nicht.“
Dann fahren wir zu McDonald’s. James fährt bei McDrive rum und wenig später kommen wir in seiner Wohnung an. Wir essen zusammen in seiner Miniküche. Ich bin am Verhungern.
„Nadine, ich hab heute Spätschicht, deshalb hab ich jetzt Zeit bis 18 Uhr.“ „Schön Schatz.“ Er umfasst Nadines Taille von hinten und gibt ihr einen Kuss. Da wird man schon neidisch. Okay, Nadine ist 18, ich erst 16, aber ich will so gerne wissen, wie es ist geküsst zu werden, vielleicht nicht gerade von James aber von einem anderen Mann irgendwie schon.
James bringt mich nach Hause, weil er dann gleich weiter zur Arbeit fahren kann. „Danke fürs Fahren James“, sage ich.
„Ey Lola, du, kein Problem, und ich habe es wirklich nicht so gemeint vorhin, wo ich so blöd war, du weißt, wie ich manchmal bin.“
„Ja, schon okay.“
Dann hält er mit seinem Auto vor unserem Haus. Ich öffne die Tür und steige aus. Aber James kommt mir nach und hält mich plötzlich am Handgelenk fest. Er sagt: „Komm, lass dich umarmen.“
„Lass das James! Es ist doch okay jetzt.“
Ich versuche meinen Arm wegzuziehen, aber er meint: „Wieso? Du bist doch meine beste Freundin.“
„Trotzdem will ich das jetzt nicht.“ Er nimmt mich aber einfach in den Arm, ob ich will oder nicht. Dann drückt er mich an seine harte Brust und ich höre sein Herz schlagen und rieche das Parfum, was Nadine und ich zusammen ausgesucht haben. Das hatte sie ihm zu seinem Geburtstag geschenkt. Sein Pulli riecht nach Zigarettenrauch. Er lässt mich los und sagt: „Lola, komm wieder vorbei, ja? Nadine ist ja fast jeden Abend bei mir.“
„Ja James, bis dann“, und ich gehe zur Wohnungstür, ohne mich zu James umzudrehen. Der wartet noch kurz und fährt dann mit Vollgas weg.




Wieder zu Hause bei Mama

Ich schließe die Tür auf und betrete das Haus, wo meine Mama und ich wohnen. „Hallo Mama! Ich bin wieder da.“ Meine Mutter kommt zu mir, sie sieht verweint aus. Meine Mum hatte eine Scheißvergangenheit mit mir und meinem Vater, weil mein Vater das größte Arschloch auf Erden zu uns gewesen ist.
„Hallo mein Schatz“, sagt sie und nimmt mich in die Arme. Ich liebe diese Umarmungen von meiner Mutter. Sie sind für mich das Gefühl von Zuhause und Heimat. „Hattest du einen schönen Tag in der Stadt?“, fragt sie „Ja, war megaschön.“
„Und wie geht es Nadine mit James so?“, fragt Mum und holt dabei Milch aus dem Kühlschrank für ihren Kaffee. „Ja ganz gut … Nur er ist manchmal ein bisschen zu … Ach, ist auch egal. Es ist nur, er ist manchmal sehr egoistisch und so. Kann ich auch einen Kaffee?“, sage ich schnell.
Ich will eigentlich nicht, dass sie mir gleich wieder eine Moralpredigt hält. Von wegen, wie scheiße alle Männer sind. Mum sagt dann: „Ja, kann ich mir vorstellen. So, wie er manchmal drauf ist, aber Lola pass auf, es gibt viele solche Typen. James ist nicht der einzige, dein Vater …“ Ich unterbreche sie schnell. „Ja Mama, ich weiß, bitte lass Dad da raus“, sage ich ernst. Ich will jetzt überhaupt nicht über meinen Vater reden. Darüber was er für ein Scheißkerl war, auch wenn ich es genau weiß und miterlebt habe.
Ich hole mir eine Dose Cola aus dem Kühlschrank, weil ich keine Lust habe auf den Kaffee zu warten. Dann gehe ich nach oben in mein Zimmer, ohne noch weiter mit Mum zu reden. Ich kann einfach gerade nicht mit ihr reden, über die Vergangenheit und Dad. Ich hole mein Laptop unter dem Bett hervor und setze mich aufs Bett. Dann lege ich ihn doch wieder weg und guck auf mein Handy. Eine Nachricht von Nadine und auch von James eine. Ich guck mir erst die unwichtige von James an.

Lola es tut mir leid, nochmal wegen vorhin.

Ich schreibe ihm zurück.

Hey James, ich hab die Entschuldigung angenommen.

Nach kurzer Zeit kommt eine weitere Nachricht von James.

Oh geil, war ja auch alles nicht ernst gemeint. So bin ich eben, schnell aggressiv und dann sage ich meistens so was, aber das kennst du ja schon von mir.
Ja ich kenne deine Macken. Ist alles gut bei Nadine, ist sie bei dir?
Nein, aber denke schon. Bin ja jetzt auf Arbeit, Regale und so einräumen. Kann aber auch sein, dass sie nach Hause gefahren ist. Sie war echt sauer wegen mir, weil ich wieder so schnell aggressiv war.
Ach so, okay, ja dann hoffe ich, sie sieht endlich ein, dass du der Falsche für sie bist.
Alter Lola, so schlimm bin ich auch nicht.

Ich schreibe ihm aber:

James, du checkst ja nicht, wie du bist! Das muss Nadine aber alles ertragen.
Ja, deine Meinung, aber Nadine liebt mich.

Ich schreibe ihm nicht mehr, finde aber keine Ruhe, dann piept mein Handy, Nadine hat mir eine Nachricht geschickt, ich beschließe, die WhatsApp von Nadine zu lesen, weil ich sowieso zu hippelig bin.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 212
ISBN: 978-3-903271-54-8
Erscheinungsdatum: 07.07.2020
EUR 21,90
EUR 13,99

Krampus & Nikolo