Sonstiges & Allerlei

Teufels Werk und Gottes Beitrag

Manfred Klein

Teufels Werk und Gottes Beitrag

Leseprobe:

Kapitel Eins
Die Heimkehr

Es war ein lebenslanger harter Kampf, aber zuletzt hatte ich mich doch noch für die Liebe entschieden. Ich rede nicht von der Liebe zwischen Frau und Mann, von der Liebe, die immer eine Gegenleistung erfordert, sondern von einer anderen Liebe, von einer Liebe, die so rein ist, als wäre sie aus goldenem Staub, der im Sonnenlicht hell erstrahlt und alles ringsherum durchflutet. Eine Liebe, die nichts fordert und keinen Bezug hat, sie ist einfach da, immer und permanent.
Wer so liebt, hat die Scheinwelt des Irdischen überwunden, er nimmt sie einfach nicht mehr wahr, weil es ihn nicht mehr interessiert und er keine Energie mehr in diese Dinge investiert. Ich habe in diesen Leben nichts ausgelassen, keine Sünde war mir zu blöd, kein Abenteuer zu groß, und es gab viel zu viele schöne Dinge, Autos, Uhren, Geld, Macht, Gier – und schöne Frauen. Diese hatten mich am längsten im irdischen Bann gehalten, aber am Ende habe ich diese Illusion auch noch durchschaut. Als ich dann plötzlich gestorben bin, ging das so schnell, als wäre ich im Meer geschwommen und eine große Welle hätte mich sanft angehoben und etwas weiter getragen, berauschend und irgendwie angenehm, also nichts zum Fürchten oder grausig und schaurig, einfach nur schön und völlig normal, als ginge man einkaufen oder so. Es hatte für mich überhaupt keine Bedeutung, im Zustand der Liebe kennt man keine Angst, man ist immer in seiner Mitte und nie allein, man ist getragen und spürt das bis hin zur letzten Zelle.
Irgendwie bekam ich noch so irdische Sachen mit, wie Ärzte und Schwestern, die durcheinander rannten und Panik in den Augen hatten, grelles Licht, irgendwelche Nadeln, die mich kitzelten, und anderen Schwachsinn. Ich legte Ihnen unendliche Liebe mitten ins Herz und plötzlich standen sie alle still. Dem Oberarzt rannen plötzlich Tränen übers Gesicht, aber er sah nicht verzweifelt, sondern wundersam glücklich aus; die Schwestern weinten leise mit, aber zugleich lachten sie auch, weil sie spürten, was sie nur vermuten konnten: Da war ja doch noch etwas Größeres, Göttliches, und alle hatten es auf einmal gespürt. Es war ja doch nicht alles sinnlos hier auf Erden.
Danach sendete ich noch ein paar Gedanken der vollkommenen Liebe an meine geliebten Kinder und an ein paar Menschen, die ich liebte. Sie wurden von allen empfangen und ein Gefühl des tiefen Friedens machte sich plötzlich bei allen Betroffenen breit. Sie wussten, dass ich jetzt gegangen und dass es in tiefem Frieden geschehen war.
Als ich drüben ankam, war das wie eine Wiedergeburt. Ich konnte mich plötzlich wieder an alles erinnern. Das wundervolle, angenehme, strahlende Licht der unendlichen Liebe, Stimmen voller Freude, aber nicht akustisch wahrnehmbar, nur mit dem Gefühl, welches ungefähr da wahrnehmbar ist, wo vorher das Herz gewesen war. Die Musik war derart wunderschön, liebevoll und friedenbringend, dass man allein vom Hinhören unweigerlich in Freudentränen ausgebrochen wäre, hätte man noch Augen gehabt. So war es einfach nur ein vollkommener Augenblick, ein Augenblick, der jedoch unendlich andauert, weil es hier Zeit nicht gibt. Angst vor dem Tod – so etwas Lächerliches!
Man konnte die Freude über meine Anwesenheit spüren, doch irgendetwas war anders. Ich war als normale und sehr neugierige Seele gegangen, um in der irdischen Welt ein paar Erlebnisse zu sammeln – und kam zurück als Lichtwesen. Das war mir aber zu diesem Augenblick noch nicht bewusst. Mein ursprünglicher Lichterglanz war von „gedimmt“ auf wesentlich heller gestellt worden, also ziemlich hell, wurde aber von anderen Wesen noch mal deutlich überstrahlt, deren Schein so hell war, dass man, mit irdischen Maßstäben gemessen, vom bloßen Hinschauen unverzüglich erblindet wäre.
Ich fühlte ein so herzliches Willkommen, als hätte der gesamte Himmel nur auf mich gewartet. Ich wurde herumgetragen wie eine Trophäe, „Er hat es geschafft, er hat es geschafft, er ist endlich einer von uns!“
Was hatte ich geschafft? Ich war ein wenig verwirrt, ich empfing so viele glückliche Gedanken und so viel Liebe, dass ich förmlich überflutet wurde; Mutter war auch da und Vater, wie die sich erst freuten – und wie die aussahen, wie zwei Deckenleuchten. Ich musste grinsen. Zuletzt hatte ich Vater auf dem Sterbebett als kleines Häufchen Elend gesehen – und jetzt: Deckenleuchte. Ich verschmolz kurz mit ihnen, um ihnen meine Liebe und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, und wir mussten alle herzhaft lachen … Meine beiden verlorenen Kinder waren auch da, ich liebte sie so unendlich, endlich konnte ich ganz zu ihnen, um auch mit Ihnen zu verschmelzen. Es war ein Augenblick der vollkommenen reinen Liebe. Meine Frau und ich hatten sie während unserer Studienzeit „wegmachen“ lassen, erst sehr viel später war uns klargeworden, dass Abtreibungen der größte Massenmord an unschuldigen Seelen unserer modernen Zeit waren. Doch wir hatten im Laufe der Jahre sehr viel dazugelernt und unseren „verlorenen“ Kindern den ihnen zustehenden Platz im Familiensystem zugeteilt und sie voll integriert. So gab es auch keinen Groll, als wir verschmolzen, sondern nur Freude.
Dann waren noch alte Freunde, Verwandte, Bekannte und sogar Nachbarn da – und alle, wirklich alle freuten sich, es war das schönste Gefühl der Akzeptanz, das ich jemals erleben durfte. Aber was hatte ich geschafft? Wovon redeten die mich umgebenden Seelen die ganze Zeit? Reden war gar nicht der richtige Ausdruck, weil alle ja nur wild durcheinanderfühlten, aber dieses Fühlen war wie Stimmen im irdischen Kopf zu spüren und zu hören, fast wie Telepathie.
Plötzlich war ein Licht präsent, das so hell war, dass die anderen zurückwichen, um ihm ehrfurchtsvoll Platz zu machen. Es war Michael, einer der mächtigsten Erzengel überhaupt, und es war der Engel, der mich im irdischen Leben aus so manch beschissener Situation herausgerissen hatte, weil ich ihn immer irgendwie an meiner Seite gehabt und ihn dauernd angefleht hatte, er möge mir hierbei helfen, mich hier und dort bei allem und jedem beschützen. Ich hatte ihn sicherlich fürchterlich genervt, weil ich denselben Blödsinn dann ja bald darauf wieder tat und wahrscheinlich noch ein drittes Mal; aber er war immer für mich da gewesen und deshalb erkannte ich ihn auch sogleich.
Michael war der Erzengel schlechthin. Erzengel stehen an der Spitze der Engelhierarchie, die Endung „el“ ist lateinisch und heißt „wie Gott, gottgleich“. Aber sie sind bereits voneinander unterscheidbar, also nicht allumfassend wie Gott oder Metatron. Erzengel sind nicht stofflich, sie sind reine Energiewesen, können sich aber, wenn sie es wollen, für uns sichtbar machen. Da sie körperlos und geschlechtslos sind, gibt es weder Raum noch Zeit für diese Wesen.
Ja, ich wusste sehr viel über Engel, da ich sie bereits im irdischen Leben eingehend studiert hatte. Deshalb wich ich auch nicht zurück, ich sah Michael glücklich, bewundernd und dankbar an und fühlte mich unendlich geehrt, weil er extra gekommen war, um mich zu begrüßen. Er hob mich empor auf seine Ebene, die viel höher war als meine eigene, um überhaupt mit mir kommunizieren zu können, und als er mich angehoben hatte, verstand ich plötzlich seine Worte. Ich konnte sie nicht hören, aber sie waren einfach in mir, während das Stimmengefusel rundherum immer mehr erstarb und bald gar nicht mehr zu hören war.
„Du hast es geschafft“, sagte nun auch er, aber ich wusste noch immer nicht, was ich denn geschafft hatte. „Du bist ein Engel geworden, ein echter Engel, einer von uns!“
Was? Ich? Ein Engel? Das konnte doch nicht wahr sein. Gemäß dem Handbuch der Engel – sozusagen das Standardwerk eines jeden Himmelbewohners, welches ich sehr gut kannte, schon seit ca. 100.000 Jahren, weil ich es immer wieder sehnsuchtsvoll gelesen hatte – war es so gut wie unmöglich, ein Engel zu werden, außer man könnte sich und sein Ego zu 100?% in reine Liebe verwandeln, um somit einen Akt der Liebe nach dem anderen zu begehen. Ein Akt der Liebe ist eine Tat, die vollkommen aus reiner Liebe zum Nächsten begangen wird, ohne dafür irgendeine Gegenleistung zu erwarten. Man darf dazu nicht aufgefordert werden, sondern sie muss im reinen Herzen aus irgendeiner spontanen Aktion heraus entstehen. Und es müssen genau 100.000 an der Zahl sein. Ich? 100.000 Akte der Liebe? Niemals. Selbst bei größter Selbstüberschätzung kam ich nicht einmal auf den Bruchteil dieser Anzahl.
Außerdem musste man insgesamt 1.000 Menschenleben gerettet haben. Wann hatte ich jemals Menschenleben gerettet? Ein paar vielleicht durch Zufall, aber niemals, nicht annähernd diese Zahl.
Und die ganzen Sünden, die ich allein im vorigen Leben begangen hatte? Mal nachrechnen. Da hatte ich wirklich kaum irgendeiner Fleischeslust widerstehen können und auch gar nicht wollen … Die mussten sich irren oder mich mit jemand anderem verwechseln … Michael übermittelte mir ein liebevolles Lachen, er amüsierte sich doch tatsächlich über mich …
Dann erwies er mir die höchste Ehre, die überhaupt möglich war: Er verschmolz mit mir für kurze Zeit zu einem Wesen, um alles genau zu erklären.
„Also, Du warst Arzt, nicht wahr?“
Ganzheitsmediziner.
„Was denkst du, wie viele Menschenleben du gerettet hast?“
Meine Antwort kam sofort, 50 vielleicht.
„Nein“, kam es zurück, „du hast genau 1027 Menschen gerettet.“
Was? Wie?
„Es zählen nicht nur die unmittelbaren Lebensrettungen, sondern auch die mittelbaren, die Leben, die vorzeitig beendet worden wären, hättest du nicht einen beherdeten Zahn genau zur richtigen Zeit gezogen.“
Was? Ich war völlig überfordert und konnte Michael kaum folgen.
„Du weißt am besten über die Zusammenhänge zwischen Herdzähnen und Krebsgeschehen Bescheid. Und was ist mit den Menschen, die suizidal gefährdet waren, denen du genau im richtigen Moment die richtigen Worte gabst?“
Das waren doch nur ganz wenige …
„Nein, es waren 153.“
WAS? Wo nahm dieser Michael nur diese Zahlen her? Mir war zugleich bewusst, dass ein Lichtwesen wie er unmöglich mit mir spielen würde oder auch nur etwas andeuten könnte, was nicht zu 100 % der Wahrheit entsprach. Michael stand für alles Gute und Reine, für das ich mich letztendlich entschieden hatte. Ich konnte es nicht fassen.
„Du hast bereits im Studium und im Pflegedienst damit begonnen.“
Was? Ich konnte mich gar nicht mehr an diese Zeit erinnern … Aber ich habe doch niemals 1.000 Menschen …
„Doch. In unzähligen medizinischen Arbeiten in deiner Tätigkeit als Arzt, die du nicht einmal wahrgenommen hast, weil sie selbstverständlicher Alltag waren.“
Michael war sich seiner Sache ganz sicher. Es wurde schließlich über jede Tat und über jedes Bewusstsein akribisch ein himmlisches Buch geführt, welches jedem Engel offen zugänglich war. Hierfür existierte eine eigene Kompanie an Informations-, Transformations- und Schreibengeln, welche immerzu damit beschäftigt waren, Dinge und Taten und jedes Geschehnis vom menschlichen oder himmlischen Bewusstsein in eben dieses Buch zu transformieren. Dies alles geschah auf rein energetische Weise und war echte Lichtarbeit. So konnte man sich ebenfalls zum echten Engel hocharbeiten, aber an die Anzahl der abgedienten Himmelsstunden wagte ich gar nicht zu denken, das wäre mir viel zu langweilig und eintönig gewesen. Ständig in irgendwelchen Geschichten und Taten irgendwelcher Menschen herumzuwühlen und in ein imaginäres Buch zu transformieren, nein, auf so etwas konnte ich gerne verzichten. Durch das Verschmelzen mit diesem Buch kam ein Lichtwesen dann sofort an jede Information, wobei es natürlich kein echtes Buch mit Seiten aus Papier war, sondern mehr die Vorstellung eines Buches, welches nur aus Energie und Information bestand. Somit war es also zu jeder Zeit und von allen Lichtwesen abrufbar.
Wieder verspürte ich ein Schmunzeln von Michael, der all meine Gedanken genau mitbekam. Ich musste besser aufpassen, was ich so vor mich hin fühlte, schließlich war ich gerade mit dem Erzengel Michael verschmolzen!
Meine Gedanken kehrten zurück zu den Akten der Liebe. Da hatte ich schon viele begangen, war ja etwas Selbstverständliches, aber 100.000 Akte der Liebe? Niemals!
„Doch“, antwortete der große Erzengel. „Du hast deine vorigen Leben nicht hinzugezählt, weil du diese bereits seit Langem vergessen hast.“
Die vorigen Leben? Ach ja, nur dass ich mich an kein einziges mehr erinnern konnte, nur an das letzte Leben und selbst das begann bereits in der mich umgebenden Liebe zu verblassen. Ich sah nur mehr die Gesichter meiner Kinder vor mir, diese würden wohl nie verblassen, oder doch?
Ich war mit den Gedanken ganz woanders, als mich Michael wieder anfühlte. „Hier wird nichts vergessen“, sagte er. „Jede Tat ist genau festgehalten. Du hast tatsächlich nicht 100.000 Akte der Liebe begangen, sondern nur 75.783.“
So viele? Ich war sprach- beziehungsweise Gedankenlos. Aber halt – das war doch um 25.000 zu wenig, um Engel werden zu können?
„Nein, eben nicht“, antwortete der wunderschön leuchtende Michael. Er hatte vor Spaß am Geschehen ein wenig mit seinen Farben gespielt und erstrahlte in einem wundervollen Blau. Ich war so fasziniert von seiner unendlichen Schönheit, ich hätte vor Freude, Tränen geweint, sofern ich noch gekonnt hätte. Nun war er dabei, in das hellste Weiß überzugehen, welches ich jemals wahrgenommen hatte. Michael erwähnte den Erlass von Gottes Botschaft vom vorigen Äon: „Laut Erlass vom letzten Äon wird hiermit festgelegt, dass man nur mehr 75.000 Akte der Liebe begehen muss, um in die Hierarchie der Erd- und Himmelsengel aufgenommen werden zu können.“
Und so weiter und so fort. Die Verlesung des Erlasses dauerte noch eine ganze Weile und ich konnte ihn kaum erfassen, weil er so umfangreich war. Dies war Himmelspolitik und die war mir schon immer zu hoch gewesen. Hier wurde also plötzlich die Anzahl der nötigen Akte der Liebe herabgesetzt. „Aber warum?“, fragte ich mich. Meines Wissens hatte es in der Ausbildung der Engel noch niemals seit Bestehen der Himmelsheerscharen irgendeinen Nachlass gegeben, das war seltsam.
„Das ist der springende Punkt“, sagte Michael, „deswegen sind wir beide hier. Was ich dir jetzt zu sagen habe, ist nur für dich bestimmt, nie darf jemand von diesem Gespräch erfahren.“
„Ja, aber warum denn?“ Ich kannte mich nun überhaupt nicht mehr aus. Kaum eine Stunde gestorben, war ich bereits restlos verwirrt. Michael wurde ganz ernst und traurig, ich konnte es ganz klar fühlen, denn wir waren ja zu einem Wesen verschmolzen.
„Es wird Krieg geben. Einen Krieg, den es seit Anbeginn aller Zeiten nicht mehr gab, einen Krieg der Engel.“
Meine Verwirrung schlug in Panik um. Ein Krieg der Engel? Warum denn bloß? Wie konnten Engel, die friedlichsten aller Wesen überhaupt, Krieg führen? Und mit wem? Und warum? Ich war so entsetzt, dass die Verschmelzung kurz auseinanderbrach, aber Michael zog mich wieder liebevoll zurück und spendete mir unendliche Liebe und Ruhe, sodass es mir gleich wieder gut ging.
„Ja aber warum denn?“, fühlte ich zurück.
„Das ist sehr kompliziert, und sprengt den Rahmen dieser Verschmelzung, aber es wird ein Krieg, wie ihn die Welt und der Himmel noch nie gesehen hat.“
„Ja, aber warum denn Krieg, was ist geschehen?“
„Jemand hat versucht, Gott zu töten.“
Gott? Gott konnte man doch gar nicht töten, er war doch der Allmächtige, der Herrscher allen Seins, aller Wesen, wie war so etwas möglich?
„Das haben wir bis zuletzt auch gedacht, bevor es nun jemandem fast gelungen ist, Gott zu töten. Er ist jetzt ist in einem Zustand, den du als Arzt noch als ‚Koma‘ bezeichnet hättest, und es ist kaum noch Leben in Ihm.“
Ich wurde abermals so traurig und verzweifelt, dass ich nahezu mein Bewusstsein verlor, aber wieder richtete Michael mich auf.
„Wir wissen nur, dass es einer der mächtigsten Engel war, der jemals existiert hat, er war von Anfang an gegen die Herrschaft Gottes und er sammelt seit vielen Äonen weitere mächtige Engel um sich, um sich gegen Gott zu verbünden. Es sind dabei so mächtige Engel, dass sie mit einem einzigen Flügelschlag ihrer Gedanken ein ganzes Universum vernichten könnten.“ „Er hat mit Hilfe Satans dieses Verbrechen gegen der Himmel begangen.“
Aber warum denn, wo liegt denn der Sinn im Ganzen? Gott ist doch reine Liebe, ist nur Licht und absolut vollkommen und rein.
„Ich weiß, was Du meinst, aber genau das ist der wahre Grund, warum sich manche so auflehnen, Gott ist diesen Engel zu gut!“
Zu gut? Wie konnte jemand zu gut sein? Ich verstand den Himmel nicht mehr.
„Manche sehen es nicht ein, dass es auf manchen Planeten so viel Leid gibt und niemand eingreift. Gott sieht immer nur zu und lässt geschehen, das wollen die Abtrünnigen in Zukunft nicht mehr hinnehmen, sie wollen bestrafen und zwar unmittelbar nach einer begangenen Schandtat.“
Aber das verstieß doch gegen jede himmlische Ordnung. War nicht eines der obersten Gesetze der freie Wille aller Menschen und Lebewesen ohne die Einmischung von oben? Mal abgesehen von „ins Gewissen reden“, „Liebe schicken“, „retten“, „beschützen“ etc., aber keine direkten Befehle oder gar Bestrafungen.
Nur der Herr durfte am Ende eines irdischen Lebens gemeinsam mit dem betroffenen Wesen entscheiden, wie weit es gekommen oder wie tief es gefallen war, und dann legten sie gemeinsam die Konsequenzen aus den bisherigen Taten und Handlungen fest, gemeinsam deshalb, weil es nur hier zur echten Einsicht und Umkehr kam, was sich direkt darauf auswirkte, wo und als was und in welcher Form das jeweilige Lebewesen weiterexistieren würde. Es war alles so logisch und klar und dies seit Anbeginn aller Zeiten. Und jetzt wollte jemand Gott töten! Ich war so niedergeschlagen wie schon lange nicht und dabei hatte ich immer geglaubt, im Himmel gäbe es keinen Schmerz.
Michael, der mich meine Gedanken kurz alleine fühlen gelassen hatte, schaltete sich wieder ein. „Jemand hat Gott eine Art Hassvirus verpasst, der so schlimm ist, dass er reine Liebe sofort in Hass und Groll umwandelt. Niemand weiß, woher dieser Virus kam, wie er wirkt und was dagegen zu tun ist. Zuerst gab es nur leichte Zornesausbrüche und viel Grollen, danach wurde es noch viel schlimmer, bis schließlich echter Hass von Gott, dem Vater aller Liebe, ausging. Es gibt dabei einige Hinweise auf abtrünnige mächtige Engel, denn dieser Virus ist so mächtig, als hätte ihn Gott persönlich erschaffen. Als Gottes Liebe, umgewandelt zu reinem Hass, zu wirken begann, war dieser so mächtig, dass ein Teil des Himmels einbrach und irreparabel geschädigt worden ist. Es gibt viele schwer verletzte Engel, deren reine Aura so verschmutzt wurde, dass es für viele keine Hilfe mehr gab. Sie starben unter unendlichen Qualen. Mehr Informationen habe ich selbst nicht, darüber verfügen nur die höchsten aller Heerscharen.“
Ich erinnterte mich kurz an die Hierarchien im Himmel: Seraphin und Cherubin standen Seite an Seite direkt unter Gott und waren mit Ihm verschmolzen. Anscheinend hatten sie unter dem Virus nicht gelitten. Ihnen direkt unterstellt waren Metatron und Melchizedek, erst danach folgten in der Hierarchie die Erz- und Erdengel. Dann kamen die aufgestiegenen Meister, die Engel, Naturengel, Naturgeister und schließlich der Mensch.
Nun konnte ich zum ersten Mal echte Verzweiflung spüren, die aber nicht von mir herrührte, sondern von Michael. Diesmal machte ich ihm Mut, indem ich ihm meine ganze reine Liebe sandte.
„Wir stellen gerade eine Armee auf. Eine Armee der Engel. Und du sollst einer ihrer Führer sein.“
Ich? Ein Führer? Ich habe doch keine Erfahrung im Führen oder Kämpfen, ich war ja nicht einmal bei der Armee gewesen, was könnte ich schon tun?
Michael verschmolz noch ein wenig mehr mit mir, sofern das überhaupt möglich war. „Alles, was du erfahren und lernen musst, erfährst du von unseren besten Spezialisten, Engel, die schon in den finstersten Schlachten gekämpft haben, und jede Art der Kriegsführung kennen, jede Kampfkunst, sei sie körperlicher oder mentaler Natur, jede Waffe, jeden Griff, jeden Trick. Deine Ausbildung wird hart, intensiv und entbehrungsreich, aber am Ende wirst du einer der stärksten und mächtigsten Kämpfer aller Zeiten sein.“
„Ja, aber warum ich?“
„Weil ich dich seit sehr langer Zeit sehr intensiv begleitet habe und jeden deiner Gedanken und Taten in- und auswendig kenne. Du hattest schon immer ein Herz voller Liebe und Hingabe und kennst dich auch ein wenig im irdischen Sündenpfuhl aus, was für deine Aufgabe enorm wichtig sein wird. Aber das Wichtigste ist: Ich vertraue dir.“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 348
ISBN: 978-3-903155-24-4
Erscheinungsdatum: 24.05.2017
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