Stumm – ich wusste nicht, wem ich glauben sollte

Stumm – ich wusste nicht, wem ich glauben sollte

Lena Villiger


EUR 17,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 106
ISBN: 978-3-99107-610-0
Erscheinungsdatum: 12.05.2021
Als Lena zum zweiten Mal die Diagnose Zungenkrebs erhält, wagt sie es, die Methoden der Schulmedizin infrage zu stellen und eine alternative Heilmethode anzuwenden. Ein kluger Entscheid oder reiner Wahnsinn?
1.
Vorwort

Wer kennt nicht mindestens eine Person, die an Krebs verstorben ist, obwohl sie oder er alles getan hat, wozu die Ärzte rieten? Verstümmelnde Operationen, Chemotherapien mit schweren Nebenwirkungen, Bestrahlungen mit Spätfolgen. So habe ich es mit meiner Mutter erlebt. Sie war mit fünfzig an Brustkrebs erkrankt. Oder richtig ausgedrückt, wurde bei ihr mit fünfzig Brustkrebs festgestellt – in fortgeschrittenem Stadium.
Meine Mutter hatte in ihrem ganzen Leben nie eine Zigarette geraucht und sehr selten Alkohol getrunken. Nach der Diagnose Brustkrebs sah ich mit an, wie sie fünf Jahre litt. Nach der Operation begab sie sich in Chemotherapie und musste zudem Bestrahlungen über sich ergehen lassen. Trotzdem frass der Krebs sich weiter.
Als ich Jahre später ein kleines Büchlein fand, das ihr – so nahm ich an – während ihrer Krankheit jemand geschenkt hatte, dachte ich, das sei die Lösung, sollte ich dereinst auch an Krebs erkranken.
In besagtem Büchlein war eine Saftkur beschrieben, zu der ebenso verschiedene Kräutertees gehören. Einige Tees werden bei allen Krebserkrankungen empfohlen, andere werden erkrankten Körperteilen zugeordnet, zum Beispiel ein spezieller Tee bei Brustkrebs, einer bei Lungenkrebs usw.
Für den Saft werden bestimmte Gemüse im richtigen Mengenverhältnis entsaftet. Sechs Wochen soll ein Fastender nur diese Säfte und Tees zu sich nehmen. Erlaubt ist ausserdem eine Portion Zwiebelsuppe pro Tag. Mache man die Kur richtig, sei der Gewichtsverlust klein. So steht es im Büchlein.
Es finden sich im Büchlein Bestätigungsschreiben von ehemals an Krebs Erkrankten, die diese Kur angewendet hatten und vom Krebs geheilt worden seien. Einer, der die Kur anscheinend erfolgreich anwandte, hat sogar ein eigenes Buch dazu geschrieben. Er beschrieb die Anwendung der Säfte und Tees ausführlich und systematisch.
Auch von anderen Kuren und Mitteln wird behauptet, sie könnten Krebs heilen. Als Argument gegen Operationen hört man von alternativer Seite, sobald man in eine Geschwulst schneide, breiteten sich die Krebszellen im Körper aus und es komme in der Folge zu Metastasen. Chemotherapie und Bestrahlung würden den Körper schwächen, was die Selbstheilungskräfte an ihrer Entfaltung hindere.
Die Schulmedizin jedoch geht davon aus, dass es noch keine Alternativen zu den gängigen Behandlungen wie Operation, Chemotherapie und Bestrahlung gibt. Ausser der Immuntherapie, von der seit kurzem berichtet wird.
Sollen wir an die Schulmedizin glauben oder an alternative Behandlungen?



2.
Damals, als alles begann

Die Probleme mit meiner Zunge begannen vor vielen Jahren. Ich spürte ein Brennen an immer derselben Stelle der Zunge. Meine Tochter Aylin war noch ein Kleinkind, als ich zum ersten Mal das Brennen am Zungenrand wahrnahm. Vielleicht war mein Organismus nach Schwangerschaft, Geburt und zwei Jahren Stillen geschwächt.
Zur Linderung benutzte ich ein medizinisches Mundwasser. Das Brennen kam und ging. Als ich immer häufiger an Migräneanfällen litt, hatte ich den Eindruck, dass die beiden Beschwerden zusammenhingen. Hatte ich einen Migräneanfall, spürte ich das Brennen an der Zunge. Die Migräne spürte ich immer rechts; die brennende Stelle an der Zunge war auch rechts. Der Gedanke an eine mögliche Krebserkrankung machte mir Angst.
Als ich nach ein paar Jahren eine weisse Stelle an der Zunge entdeckte – dort, wo ich jeweils das Brennen verspürte – wollte mich meine Zahnärztin beim Kieferorthopäden anmelden. Ich fragte mich, was der Kieferorthopäde mit der Zunge zu tun hat, und wandte mich an die HNO-Abteilung des Universitätsspitals.
Ich bekam sofort einen Termin bei Dr. Mayer, einem Oberarzt der HNO-Klinik. Er entnahm eine Gewebeprobe. Der kleine weisse Fleck war laut Ergebnis eine Vorstufe zu Krebs. Dr. Mayer riet mir bei der Nachbesprechung, etwas benachbartes Gewebe herausschneiden und untersuchen zu lassen. Ich, die im ganzen Leben nie eine einzige Zigarette geraucht hatte, litt mit 44 an einer Vorstufe zu Krebs an der Zunge.
Just zu dieser Zeit war ich wegen meinen häufigen Migräneanfällen bei einer Ärztin in Behandlung, die ihre Patienten ausschliesslich homöopathisch behandelte. Nachdem ich einen ausführlichen Fragebogen ausgefüllt hatte, verschrieb sie mir ein Mittel. Während mehreren Monaten ging ich wöchentlich in ihre Sprechstunde und hoffte, sie finde ein Mittel gegen meine Migräneanfälle.
Als ich der Ärztin erzählte, dass ich mich an der Zunge operieren lassen sollte, riet sie mir davon ab. Sie meinte, es sei ja nur eine Vorstufe zu Krebs. Es könnte nämlich sein, dass sich nach der Operation an der vernarbten Stelle eine Krebsgeschwulst entwickle.
Ich fragte sie: „Und wenn sich die entarteten Zellen zu Krebs entwickeln? Was mache ich dann?“
„Dann können Sie sich immer noch operieren lassen.“
Daraufhin entschied ich mich für die Operation. Warum sollte ich erst abwarten, ob aus den entarteten Zellen Krebs entstand oder nicht. Es schien mir sicherer, diese Zellen so schnell wie möglich loszuwerden.
Vorher wollte ich aber mit meinem Mann Selim und meiner Tochter Aylin einen geplanten zweiwöchigen Urlaub in der Türkei am Meer verbringen. Darauf verzichtete ich nicht, auch wenn Dr. Mayer meinte, ich solle den Urlaub verschieben und mich sofort operieren lassen. Wir einigten uns auf einen Termin kurz nach meinem Urlaub. Nach der Operation ging es mir gut. Ich kann mich erinnern, dass ich in der Narkose einen schönen Traum hatte. Es war angenehm, so aufzuwachen. Ein paar Stunden blieb ich im Aufwachraum. Danach konnte Selim mich abholen.
Sowohl sprechen als auch essen konnte ich sofort wieder. Meine Zunge sah noch normal aus. Als das Ergebnis aus dem Labor kam, konnte ich zudem beruhigt sein. Es waren weder Krebszellen noch Vorstufen zu Krebs entdeckt worden.
„Es sieht aus, als ob ich mit der Biopsie alle entarteten Zellen erwischt habe“, meinte Dr. Mayer.
Damals hatten wir mit einer Nachbarin engen Kontakt. Sie sagte mir einmal, ein Bekannter von ihr habe Zungenkrebs. Sie wollte mich wohl beruhigen, als sie sagte: „Er lebt noch.“
Darauf antwortete ich nichts, dachte aber: „Bei mir war es kein Krebs. Es war nur eine kleine weisse Stelle.“
Ich ertappte mich beim Gedanken, diese Operation sei für nichts gewesen – falscher Alarm sozusagen. Hatte die Ärztin, die mich homöopathisch behandelte, womöglich doch recht gehabt, als sie mir von der Operation abriet?



3.
Es hört nicht auf

Es verging ungefähr ein Jahr, bis das Brennen wiederauftauchte – an derselben Stelle. Als ich wieder einmal am Wochenende mit Migräne im Bett lag, war das Brennen an der Zunge deutlich zu spüren. Ich meinte, auch einen weissen Fleck zu sehen.
Am Montag rief ich in der HNO-Abteilung an. Ich bekam sofort einen Termin. An meiner Zunge war aber nichts Auffälliges zu sehen. Dr. Mayer schlug vor, ich solle in regelmässigen Abständen zur Kontrolle kommen.
Danach machte ich einen Fehler. Ich sagte einen Termin ab, weil ich meinte, ich sei nicht abkömmlich von der Arbeit. Leider machte ich auch keinen neuen Termin ab. Das war ein Fehler, selbst wenn ich nicht weiss, ob es an meiner weiteren Krankengeschichte etwas geändert hätte, wäre ich damals zur Kontrolle gegangen.
Die Zunge, die hie und da an immer derselben Stelle brannte, war nur ein Problem, das mich beschäftigte. Ich arbeitete Vollzeit. Daneben erledigte ich auch noch den grössten Teil der Hausarbeiten. Was noch an Zeit blieb, musste ich zwischen Ehemann und Tochter aufteilen. Es kriselte schon seit einigen Jahren in unserer Ehe.
Carola, eine deutsche Freundin, die ich vor vielen Jahren in Stockholm kennengelernt hatte, trennte sich zu dieser Zeit von ihrem Mann. Ich fand es schade. Sie hatten einen dreijährigen Sohn. Im Jahr zuvor waren sie während der Weihnachtsfeiertage zum Truthahnessen bei uns eingeladen gewesen.
Sie hatten damals den Eindruck einer intakten Familie gemacht. Deshalb konnte ich nicht verstehen, dass Carola sich scheiden lassen wollte. Sie sagte mir, ihr Mann sei depressiv. Es sei ihr nicht zuzumuten, bei ihm zu bleiben. Sie müsse an sich selber denken, was ich übrigens auch tun solle. Die Geschichte mit meiner Zunge sah sie als Warnsignal.
„Es hat eine Bedeutung, wo im Körper wir Krebs bekommen. Du solltest aufhören, dir auf die Zunge zu beissen, statt zu handeln.“
Im Grunde genommen wusste ich, dass sie recht hatte. Aber ich war überfordert mit der Umsetzung. Ich scheute die Konflikte, die auf mich zukommen würden. Bei uns waren ja die Rollen vertauscht. Bei einer Scheidung hätte ich meinem Mann, der kein Einkommen erzielte, Unterhalt bezahlen müssen. Womöglich hätte er noch das Sorgerecht für unsere Tochter bekommen.
„Er würde nach einer Scheidung in die Türkei zurückkehren“, meinte meine Schwester Lilly. Da war ich mir gar nicht sicher. Er würde die Schweiz nicht ohne seine Tochter verlassen. Das sagte er mir auch öfters. Diese Drohung nahm ich ernst. So versuchte ich, das Beste aus der Situation zu machen und weiterhin die Zähne zusammenzubeissen.
Mit der Zeit fing ich an, mir rechts auf die Zunge zu beissen. Es tat jeweils höllisch weh. Ich fragte mich, ob es an den Zähnen oder an der Zunge liege, die scheinbar zu gross war für mein Gebiss. Seit meinem ersten Besuch in der HNO-Klinik waren drei Jahre vergangen.
Eines Tages tastete ich die Zunge ab und erschrak. Ich spürte einen Knoten. Ausgerechnet wieder kurz vor einem Urlaub. In wenigen Tagen wollten wir – wie seit Monaten geplant – in die Türkei reisen. Ich entschied mich, nach dem Urlaub in der HNO-Abteilung des Universitätsspitals anzurufen. Ein paar Wochen würden jetzt wohl keinen grossen Unterschied machen, da der Knoten ja schon da war.
Im Urlaub konnte ich die Gedanken an den Knoten am Zungenrand gut verdrängen. Aber etwas anderes machte mir Sorgen. Ich hatte seit einer Erkältung im Winter einen starken Husten, der sich vor allem nach dem Aufstehen bemerkbar machte. Während des Frühstücks wurde ich regelmässig von Hustenanfällen gequält. So etwas hatte ich bisher in meinem Erwachsenenleben noch nie gehabt. Hatte der Husten am Ende etwas mit dem Knoten auf der Zunge zu tun?



4.
Knoten am Zungenrand – gut- oder bösartig?

Als wir aus dem Urlaub zurück waren, rief ich in der HNO-Klinik an. Ich bekam einen Termin für einige Wochen später. Obwohl ich etwas beunruhigt war, wollte ich nicht drängen. Ich hoffte, dass es auf ein paar Wochen nicht mehr ankommen würde.
In der Zwischenzeit googelte ich nach Zungenkrebs und bekam es mit der Angst zu tun. Ich las von eher harmlosen Basaliomen und von Spinaliomen, die gefährlicher seien, weil bei dieser Art von Hautkrebs die Gefahr von Ablegern grösser sei.
Noch hatte ich den Knoten nicht untersuchen lassen, also wollte ich auch keine Panik machen. Den Husten brachte ich übrigens mit einem homöopathischen Mittel weg.
Endlich war der Tag gekommen, an dem ich den Termin in der HNO-Klinik hatte. Ein junger Assistenzarzt untersuchte meine Zunge und nahm eine Probe. Das Resultat sollte ich eine Woche später erfahren.
Wo war Dr. Mayer geblieben? Bisher war ich jedes einzelne Mal von ihm untersucht und behandelt worden, kein einziges Mal von einem anderen Arzt. Sogar in seinem privaten Sprechzimmer hatte er mich empfangen.
Aber auch als ich eine Woche später wiederkam, war er nicht da. Ein Assistenzarzt empfing mich, um mir mitzuteilen, dass in der Gewebeprobe keine Krebszellen gefunden worden waren, aber ein Hautpilz nachgewiesen wurde.
Ich erhielt ein Rezept für ein Mittel gegen Hautpilz und einen Termin für den nächsten Untersuch. Inzwischen konnte ich den Knoten schon seit zwei Monaten ertasten.
Bei einem Besuch bei meiner Hausärztin sagte ich ihr klipp und klar: „Ich möchte den Knoten in einem anderen Spital untersuchen lassen. Jedes Mal empfängt mich ein anderer Assistenzarzt – ohne Resultat. Können Sie mich woandershin überweisen?“
Bei meinem nächsten Besuch riet mir meine Hausärztin eindringlich, den nächsten Termin in der HNO-Klinik des Universitätsspitals wahrzunehmen. Sie hatte in der HNO-Klinik angerufen und mein Anliegen geschildert.
„Mit Ihrem Problem sind Sie dort bestens aufgehoben. Man hat mir bestätigt, dass das Universitätsspital auf diesem Gebiet führend ist.”
Beim nächsten Besuch in der HNO-Klinik des Universitätsspitals wurde ich nicht von einem Assistenzarzt empfangen, sondern von Dr. Sommer, dem leitenden Arzt für Hals- und Gesichtschirurgie. Dass er der Leiter war, erfuhr ich allerdings erst später.
Was mir sofort auffiel an ihm, war seine sehr aufrechte Haltung. Er besass eine gute Körperspannung und wirkte dadurch sehr selbstbewusst. Ich schätzte ihn als höchstens mittelgross ein. Seine Statur war vollschlank und er besass volles dunkles Haar. Um dieses dichte Haar wurde er sicherlich oft benieden. Nicht, dass ich ihn deswegen hätte beneiden müssen, besitze ich doch seit jeher einen vollen Haarschopf. Ich bin ja aber auch eine Frau. Bei einem Mann ist so volles Haar schon eher ungewöhnlich – jedenfalls bei uns in Mitteleuropa.
Dr. Sommer fragte mich, warum ich nicht mehr in die Sprechstunde der HNO-Klinik kommen wollte, und sagte, dass das Universitätsspital auf diesem Gebiet führend sei.
„Ich war jeweils bei Dr. Mayer in der Sprechstunde.“
„Dr. Mayer hat die Stelle gewechselt. Er arbeitet jetzt in einer anderen Stadt.“
Sah er mir die Enttäuschung an? Dass Dr. Mayer nicht mehr da war, bedauerte ich sehr. Wahrscheinlich hatte er mich längst vergessen, konnte nicht ahnen, wie es jetzt um meine Gesundheit stand. Ich erinnerte mich, wie er mich persönlich angerufen hatte. Zuvor hatte ich in der HNO-Klinik des Universitätsspitals angerufen und meine Beschwerden geschildert. Eine Assistentin rief mich bald darauf zurück und bot mir einen baldigen Untersuchungstermin an.
Arzttermine wahrzunehmen, war für mich damals nicht so einfach, weil ich sozusagen Alleinsekretärin war. Vier Halbtage pro Woche kam zusätzlich eine Studentin, die von der Büropartnerin meines Chefs angestellt worden war. Die Studentin war bereit einzuspringen, damit ich den Termin hätte wahrnehmen können. Ihre Chefin wollte ihr aber just für jene Woche freigeben, weil sie selber Urlaub machte. Deswegen musste ich die ganze Woche anwesend sein für eingehende Telefonanrufe. So rief ich in der HNO-Klinik an und sagte, ich könne nicht kommen, weil ich bei der Arbeit nicht abkömmlich sei. Bald darauf rief Dr. Mayer persönlich an und riet mir, zum Untersuch zu kommen. Da bot mein Chef netterweise an, den Telefondienst für mich zu übernehmen, während ich weg war.
Den weissen Fleck am Zungenrand hielt ich damals für Pilzbefall. Nach einer Biopsie stellte sich dann jedoch heraus, dass es eine Vorstufe zu Krebs war. Ich war stolz darauf gewesen, dass ich für die Gewebeprobe auf eine lokale Betäubung verzichtet hatte. Niemals hätte ich es geglaubt, wenn mir damals jemand gesagt hätte, was noch alles auf mich zukommen würde.
Insgesamt hatte ich mehrere Termine bei Dr. Mayer, Operation inbegriffen. Ich sah nie einen anderen Arzt.
Nun sass ich einem Arzt gegenüber, der mich nur empfing, weil sich meine Hausärztin bei ihm beschwert hatte. So dachte ich jedenfalls. Ich war nur allgemein versichert, konnte also nicht erwarten, dass ein leitender Arzt mich untersuchte.
Früher, als ich noch unverheiratet war und im Ausland arbeitete, war ich privat versichert. Nach der Geburt meiner Tochter wechselte ich auf halbprivat. Für die Geburt bezahlte ich in einer türkischen Privatklinik nämlich weniger, als ich in der Schweiz als allgemein Versicherte bezahlt hätte.
Als wir dreieinhalb Jahre später in die Schweiz zogen, musste auch mein Mann hier krankenversichert werden. Ich reduzierte meine Versicherungsdeckung auf allgemein. Nur meine Tochter liess ich noch ein paar Jahre halbprivat versichert.
Dr. Sommer kam auf die Gewebeproben zu sprechen:
„Um Gewissheit zu bekommen, muss ich eine grössere Probe entnehmen. Das mache ich im Operationssaal mit lokaler Betäubung. Ich denke, für diesen Eingriff braucht es keine Vollnarkose.“
Das klang nicht wie eine Frage, eher wie eine Feststellung. Wollte er mir unterstellen, ich sei zimperlich? Die erste Gewebeprobe an der Zunge hatte ich ganz ohne Betäubung über mich ergehen lassen. Dr. Mayer hatte mich dafür gelobt.
Ambulant mit Lokalanästhesie wurde ich eine Woche später an der Zunge operiert. Es war zwar unangenehm, aber erträglich. Eine etwas grössere Gewebeprobe wurde entnommen. Danach wurde ich in den Überwachungsraum geschoben. Selim konnte mich bald darauf abholen.
Als ich am nächsten Morgen in meinem Bett aufwachte, fühlte sich die Bettwäsche nass an. Kein Wunder: Das Kissen, das Laken und der Matratzenschoner waren blutdurchtränkt. Noch bevor ich zur Arbeit ging, wusch ich die Sachen aus.
Eine böse Ahnung beschlich mich. Noch nie hatte meine Zunge nach einer Gewebeentnahme derart geblutet. Ich hatte gelesen, dass Krebszellen sich eigene Blutgefässe schüfen. Daher blutete wohl die operierte Stelle derart stark.
4 Sterne
Sehr besonders - 25.06.2021
Kata Madzarevic

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