Sonstiges & Allerlei

Steine der Macht - Band 6

Stan Wolf

Steine der Macht - Band 6

Die Kraft der heiligen Berge

Leseprobe:

Kapitel 22

Kaiser Karl im Untersberg


„Weißt du“, sagte Claudia, „Mich würde interessieren, wie es eigentlich zu dieser Sage um den Kaiser Karl im Untersberg gekommen ist.
Soweit ich mich informiert habe, ist dieser Kaiser, der nun seit fast genau eintausendzweihundert Jahren tot ist, in Aachen begraben. Er soll durch den Papst Leo den Dritten am Weihnachtstag des Jahres achthundert zum Kaiser gekrönt worden sein und ein paar Hundert Jahre später wurde er angeblich sogar heilig gesprochen.
Es muss sich auf alle Fälle um einen sehr beeindruckenden Menschen gehandelt haben. Aber wie das Volk auf die Idee gekommen ist, ihn in den Untersberg zu befördern, ist mir nicht klar.“
„Soviel ich weiß“, antwortete Wolf, „war es zuerst der Kaiser Friedrich Barbarossa, der den Berg bewohnen sollte. Der Staufenkaiser Friedrich der Erste schaffte es, den Christen einen freien Zugang zu Jerusalem zu ermöglichen. Barbarossa ist übrigens angeblich in Kleinasien auf einem Kreuzzug ertrunken. Seine Grablege ist bis heute unbekannt. Offenbar war er aber im Volk so beliebt, dass man ihn in den Berg einziehen ließ. Aber da gibt es noch etwas sehr Interessantes. Du kennst doch das Stift St. Peter, direkt unter der Festung Hohensalzburg. Dieses Kloster ist das älteste im deutschsprachigen Raum.
Dort im Archiv befindet sich ein winziges, handgeschriebenes Büchlein.
Das ‚Psalterium Sancti Ruperti‘ Es ist nur 31 mal 37 Millimeter groß und dennoch stehen auf jeder Seite achtzehn Zeilen. Dass dieses Büchlein noch dazu im letzten Drittel des neunten Jahrhunderts angefertigt wurde und zudem mit den Buchstaben der ‚Karolingischen Minuskel‘ geschrieben wurde, ist sicher ein Beweis, dass es zur Zeit von Karl dem Großen entstanden ist. Was aber die Kleinheit dieses Psalmenbuches betrifft, könnte es auch ein Hinweis auf sehr kleine Leute sein.“
Claudia musste lachen. „Du willst doch nicht damit sagen, dass dies ein Hinweis auf die Zwerge im Untersberg sein könnte?“
„Nein, natürlich nicht, aber es ist halt irgendwie seltsam. Zumindest sind an dem Büchlein Gebrauchsspuren entdeckt worden, die darauf hinweisen, dass es auch tatsächlich benützt wurde. Aber wer kann Buchstaben mit einer Höhe von eineinhalb Millimetern lesen, wenn nicht Zwerge? Sei es, wie es sei, interessant ist es allemal.“
Claudia schmunzelte: „Barbarossa, Kaiser Karl mit seinen Zwergen und nun haben wir den General auch noch da drinnen im Berg.“
„Ja“, gab Wolf zur Antwort, „du solltest aber auch die Mönche nicht vergessen. Wie sich die Geschichten eben gleichen. Erinnere dich, sogar Adolf Hitler, der den Untersberg als den Berg der Götter verehrte und der Stadt Salzburg verboten hatte, damals eine Seilbahn zu seinem Gipfel zu errichten, wollte einst dort drinnen im Berg sein Mausoleum haben und offenbar damit die Rolle der Kaiser im Berg weiterführen, sozusagen als kommender Retter, wenn das Volk in höchster Not ist.“
„Na ja, das hat er wohl nicht geschafft, aber ich möchte nochmals auf den Kaiser Karl zurückkommen“, sagte Claudia, „das ist doch derjenige, von welchem am längsten berichtet wird, dass er im Untersberg schläft. Die Zwerge bewachen und versorgen ihn und seine Mannen der Sage nach. Und genau von solchen Zwergen wurde doch auch immer wieder, sogar bis in die Neuzeit berichtet. Der Rosenkreuzer Baron hat dir doch vor vielen Jahren erzählt, dass damals in den Fünfzigerjahren sein kleiner Sohn von sogenannten Zwergen in den Untersberg geführt wurde.“
„Ja, der Baron bewohnte damals direkt am Fuße des Untersberges ein schmuckes Holzhaus, als sein Sohn plötzlich verschwunden war. Erst nach vielen Stunden ist dieser dann mit seinem Schäferhund wieder aufgetaucht und hat gemeint, dass er nur kurz mit den Zwergen im Berg drinnen gewesen sei. Er hätte da allerhand wundersame Sachen gesehen, sagte der kleine Bub. So etwas deckt sich doch auch mit den Sagen um den Kaiser Karl.“
Claudia nickte und meinte: „Stell dir vor, irgendjemand käme heutzutage in die Station des Generals und sähe dort Dinge, die es eben bei uns noch nicht gibt. Erginge es so einem Menschen nicht genauso, wie es in den Sagen von damals erzählt wird?
Hat euch nicht auch der General damals einen Reichsgoldbarren für den Flug nach Fuerteventura gegeben? Genauso sind die Leute vor Jahrhunderten schon vom Kaiser Karl beschenkt worden.“
Wolf erwiderte: „Vielleicht war es aber in Wirklichkeit der General, welchen die Leute vor Jahrhunderten schon gesehen haben. Wenn durch dessen Dimensionstore Leute in der Vergangenheit in seine Station gelangen konnten …“
Claudia unterbrach ihn: „Jetzt gehst du aber schon zu weit. So etwas halte ich absolut für unmöglich.“
„Nicht unbedingt“, sagte Wolf, „denke an den Wilden mit dem Faustkeil in der Hologrammhöhle oder an der Mann mit dem Lendenschurz, welcher vor ein paar Jahren aus dem Schacht bei der Mykerinos Pyramide herausgekommen ist. Die sind ja auch durch so eine Art Dimensionsportal in die Zukunft gelangt. Auch der Keltenkrieger, welcher dem SS-Soldaten nachgelaufen ist, kam doch in einer für ihn fernen Zukunft an.“
„Wenn man es so betrachtet, dann könnte schon etwas dran sein an deiner Theorie“, antwortete die junge Frau nachdenklich.
„Das könnte aber auch bedeuten“, antwortete Wolf, „dass der Schriftsteller, welcher vor dreißig Jahren mit seinem Buch ‚Die neun Unbekannten‘ so eine Station im Untersberg beschrieb, doch eigentlich nur dem General in seiner Station einen Besuch abgestattet hatte. Freilich hat er das Ganze dann mit etwas Fiktion ausgeschmückt, sodass nicht jeder gleich an den SS-General denken musste.“
„Das wäre durchaus plausibel“, ergänzte die junge Frau, „denn über die Waffen-SS und deren Angehörige wird ja noch nicht einmal heute, nach siebzig Jahren, gerne geredet. Sogar manche große Tageszeitung wagt es hierzulande nicht, darüber zu berichten. Und mit der Wahrheit hätte sich dieser Autor wahrscheinlich rasch ins rechte Lager geoutet, aber da er ja bekannterweise ein Pazifist war, wollte er so etwas natürlich nicht und hat daher lieber Kapuzenmänner als Protagonisten verwendet, als schwarz uniformierte SS-Leute.“
Wolf nickte und erwiderte:
„Das mit der Wahrheit ist halt so eine Sache. Einerseits wird von prominenter Seite gesagt, die Wahrheit sei für jeden Menschen individuell und niemand habe das Recht, diese als falsch zu bezeichnen.
Andererseits ist die Toleranzgrenze hierzulande aber so gering, dass es schon beinahe als Verbrechen gilt, bestimmte geschichtliche Vorgaben auch nur anzuzweifeln und eben nicht als Wahrheit anzuerkennen.
Manche Väter und Großväter von Leuten, die heute als politisch korrekte Saubermänner dastehen wollen, waren vor über siebzig Jahren selbst einflussreiche SS-Bonzen. Ich habe da ein wenig recherchiert und glaube mir, welche Namen dabei auftauchten, darüber würde so mancher staunen.“
„Diese Namen musst du mir unbedingt einmal sagen“, meinte Claudia neugierig.
„Ach, weißt du, lassen wir diese Zeit ruhen, da hat doch keiner etwas davon“, antwortete Wolf, „aber wenn sich diese Leute zu sehr aufspielen, dann sollte man das schon öffentlich machen. Ist ja schließlich wirklich nur die Wahrheit.“
Wolf lächelte: „Die Sache mit den Kapuzenmännern entspricht aber übrigens auch der Wahrheit. Erinnere dich, General Kammler hat doch damals, als er auf dem Weg hierher zum Untersberg war, in der Nähe von Garmisch Partenkirchen dem Benediktiner Kloster Ettal noch einen Besuch abgestattet. Die Abtei Ettal war damals zum Lazarett umfunktioniert worden. Von dort hatte der General neben Medikamenten und Klosterlikör auch Mönchskutten mitgenommen, wie er mir einmal selbst erzählt hat. Möglicherweise hatte der Autor diese Kutten in der Station gesehen und war aus diesem Grunde auch auf die Idee mit den Kapuzenträgern gekommen.“
„Mir ist es egal“, lächelte Claudia, „wer da zur Schlacht um den Endsieg auf dem Walserfeld aus dem Berg kommen wird, ob es Barbarossa, Kaiser Karl oder gar der General ist, Hauptsache wir gewinnen und das neue Zeitalter bricht an.“
„Ja“, nickte Wolf beipflichtend, „der Birnbaum hat ja heuer schon geblüht und ich werde mir diesmal unbedingt eine Birne pflücken gehen.“


Format: 15 x 22 cm
Seitenanzahl: 230
ISBN: 978-3-99038-714-6
Erscheinungsdatum: 13.10.2014
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
EUR 21,90
EUR 13,99

Frühlings-Tipps