Steine der Macht - Band 6

Steine der Macht - Band 6

Stan Wolf


EUR 21,90
EUR 13,99

Format: 15 x 22 cm
Seitenanzahl: 230
ISBN: 978-3-99038-714-6
Erscheinungsdatum: 13.10.2014
Wolf erhält Zugang zu einem geheimen Stollen, wo sich ein Bergkristall befindet, der den Deutschen vor über 70 Jahren schon einmal hilfreich war. Als er auf der Insel Mauritius Pyramiden erforscht, entdeckt er dabei ebenfalls etwas Unerwartetes.
Kapitel 22

Kaiser Karl im Untersberg


„Weißt du“, sagte Claudia, „Mich würde interessieren, wie es eigentlich zu dieser Sage um den Kaiser Karl im Untersberg gekommen ist.
Soweit ich mich informiert habe, ist dieser Kaiser, der nun seit fast genau eintausendzweihundert Jahren tot ist, in Aachen begraben. Er soll durch den Papst Leo den Dritten am Weihnachtstag des Jahres achthundert zum Kaiser gekrönt worden sein und ein paar Hundert Jahre später wurde er angeblich sogar heilig gesprochen.
Es muss sich auf alle Fälle um einen sehr beeindruckenden Menschen gehandelt haben. Aber wie das Volk auf die Idee gekommen ist, ihn in den Untersberg zu befördern, ist mir nicht klar.“
„Soviel ich weiß“, antwortete Wolf, „war es zuerst der Kaiser Friedrich Barbarossa, der den Berg bewohnen sollte. Der Staufenkaiser Friedrich der Erste schaffte es, den Christen einen freien Zugang zu Jerusalem zu ermöglichen. Barbarossa ist übrigens angeblich in Kleinasien auf einem Kreuzzug ertrunken. Seine Grablege ist bis heute unbekannt. Offenbar war er aber im Volk so beliebt, dass man ihn in den Berg einziehen ließ. Aber da gibt es noch etwas sehr Interessantes. Du kennst doch das Stift St. Peter, direkt unter der Festung Hohensalzburg. Dieses Kloster ist das älteste im deutschsprachigen Raum.
Dort im Archiv befindet sich ein winziges, handgeschriebenes Büchlein.
Das ‚Psalterium Sancti Ruperti‘ Es ist nur 31 mal 37 Millimeter groß und dennoch stehen auf jeder Seite achtzehn Zeilen. Dass dieses Büchlein noch dazu im letzten Drittel des neunten Jahrhunderts angefertigt wurde und zudem mit den Buchstaben der ‚Karolingischen Minuskel‘ geschrieben wurde, ist sicher ein Beweis, dass es zur Zeit von Karl dem Großen entstanden ist. Was aber die Kleinheit dieses Psalmenbuches betrifft, könnte es auch ein Hinweis auf sehr kleine Leute sein.“
Claudia musste lachen. „Du willst doch nicht damit sagen, dass dies ein Hinweis auf die Zwerge im Untersberg sein könnte?“
„Nein, natürlich nicht, aber es ist halt irgendwie seltsam. Zumindest sind an dem Büchlein Gebrauchsspuren entdeckt worden, die darauf hinweisen, dass es auch tatsächlich benützt wurde. Aber wer kann Buchstaben mit einer Höhe von eineinhalb Millimetern lesen, wenn nicht Zwerge? Sei es, wie es sei, interessant ist es allemal.“
Claudia schmunzelte: „Barbarossa, Kaiser Karl mit seinen Zwergen und nun haben wir den General auch noch da drinnen im Berg.“
„Ja“, gab Wolf zur Antwort, „du solltest aber auch die Mönche nicht vergessen. Wie sich die Geschichten eben gleichen. Erinnere dich, sogar Adolf Hitler, der den Untersberg als den Berg der Götter verehrte und der Stadt Salzburg verboten hatte, damals eine Seilbahn zu seinem Gipfel zu errichten, wollte einst dort drinnen im Berg sein Mausoleum haben und offenbar damit die Rolle der Kaiser im Berg weiterführen, sozusagen als kommender Retter, wenn das Volk in höchster Not ist.“
„Na ja, das hat er wohl nicht geschafft, aber ich möchte nochmals auf den Kaiser Karl zurückkommen“, sagte Claudia, „das ist doch derjenige, von welchem am längsten berichtet wird, dass er im Untersberg schläft. Die Zwerge bewachen und versorgen ihn und seine Mannen der Sage nach. Und genau von solchen Zwergen wurde doch auch immer wieder, sogar bis in die Neuzeit berichtet. Der Rosenkreuzer Baron hat dir doch vor vielen Jahren erzählt, dass damals in den Fünfzigerjahren sein kleiner Sohn von sogenannten Zwergen in den Untersberg geführt wurde.“
„Ja, der Baron bewohnte damals direkt am Fuße des Untersberges ein schmuckes Holzhaus, als sein Sohn plötzlich verschwunden war. Erst nach vielen Stunden ist dieser dann mit seinem Schäferhund wieder aufgetaucht und hat gemeint, dass er nur kurz mit den Zwergen im Berg drinnen gewesen sei. Er hätte da allerhand wundersame Sachen gesehen, sagte der kleine Bub. So etwas deckt sich doch auch mit den Sagen um den Kaiser Karl.“
Claudia nickte und meinte: „Stell dir vor, irgendjemand käme heutzutage in die Station des Generals und sähe dort Dinge, die es eben bei uns noch nicht gibt. Erginge es so einem Menschen nicht genauso, wie es in den Sagen von damals erzählt wird?
Hat euch nicht auch der General damals einen Reichsgoldbarren für den Flug nach Fuerteventura gegeben? Genauso sind die Leute vor Jahrhunderten schon vom Kaiser Karl beschenkt worden.“
Wolf erwiderte: „Vielleicht war es aber in Wirklichkeit der General, welchen die Leute vor Jahrhunderten schon gesehen haben. Wenn durch dessen Dimensionstore Leute in der Vergangenheit in seine Station gelangen konnten …“
Claudia unterbrach ihn: „Jetzt gehst du aber schon zu weit. So etwas halte ich absolut für unmöglich.“
„Nicht unbedingt“, sagte Wolf, „denke an den Wilden mit dem Faustkeil in der Hologrammhöhle oder an der Mann mit dem Lendenschurz, welcher vor ein paar Jahren aus dem Schacht bei der Mykerinos Pyramide herausgekommen ist. Die sind ja auch durch so eine Art Dimensionsportal in die Zukunft gelangt. Auch der Keltenkrieger, welcher dem SS-Soldaten nachgelaufen ist, kam doch in einer für ihn fernen Zukunft an.“
„Wenn man es so betrachtet, dann könnte schon etwas dran sein an deiner Theorie“, antwortete die junge Frau nachdenklich.
„Das könnte aber auch bedeuten“, antwortete Wolf, „dass der Schriftsteller, welcher vor dreißig Jahren mit seinem Buch ‚Die neun Unbekannten‘ so eine Station im Untersberg beschrieb, doch eigentlich nur dem General in seiner Station einen Besuch abgestattet hatte. Freilich hat er das Ganze dann mit etwas Fiktion ausgeschmückt, sodass nicht jeder gleich an den SS-General denken musste.“
„Das wäre durchaus plausibel“, ergänzte die junge Frau, „denn über die Waffen-SS und deren Angehörige wird ja noch nicht einmal heute, nach siebzig Jahren, gerne geredet. Sogar manche große Tageszeitung wagt es hierzulande nicht, darüber zu berichten. Und mit der Wahrheit hätte sich dieser Autor wahrscheinlich rasch ins rechte Lager geoutet, aber da er ja bekannterweise ein Pazifist war, wollte er so etwas natürlich nicht und hat daher lieber Kapuzenmänner als Protagonisten verwendet, als schwarz uniformierte SS-Leute.“
Wolf nickte und erwiderte:
„Das mit der Wahrheit ist halt so eine Sache. Einerseits wird von prominenter Seite gesagt, die Wahrheit sei für jeden Menschen individuell und niemand habe das Recht, diese als falsch zu bezeichnen.
Andererseits ist die Toleranzgrenze hierzulande aber so gering, dass es schon beinahe als Verbrechen gilt, bestimmte geschichtliche Vorgaben auch nur anzuzweifeln und eben nicht als Wahrheit anzuerkennen.
Manche Väter und Großväter von Leuten, die heute als politisch korrekte Saubermänner dastehen wollen, waren vor über siebzig Jahren selbst einflussreiche SS-Bonzen. Ich habe da ein wenig recherchiert und glaube mir, welche Namen dabei auftauchten, darüber würde so mancher staunen.“
„Diese Namen musst du mir unbedingt einmal sagen“, meinte Claudia neugierig.
„Ach, weißt du, lassen wir diese Zeit ruhen, da hat doch keiner etwas davon“, antwortete Wolf, „aber wenn sich diese Leute zu sehr aufspielen, dann sollte man das schon öffentlich machen. Ist ja schließlich wirklich nur die Wahrheit.“
Wolf lächelte: „Die Sache mit den Kapuzenmännern entspricht aber übrigens auch der Wahrheit. Erinnere dich, General Kammler hat doch damals, als er auf dem Weg hierher zum Untersberg war, in der Nähe von Garmisch Partenkirchen dem Benediktiner Kloster Ettal noch einen Besuch abgestattet. Die Abtei Ettal war damals zum Lazarett umfunktioniert worden. Von dort hatte der General neben Medikamenten und Klosterlikör auch Mönchskutten mitgenommen, wie er mir einmal selbst erzählt hat. Möglicherweise hatte der Autor diese Kutten in der Station gesehen und war aus diesem Grunde auch auf die Idee mit den Kapuzenträgern gekommen.“
„Mir ist es egal“, lächelte Claudia, „wer da zur Schlacht um den Endsieg auf dem Walserfeld aus dem Berg kommen wird, ob es Barbarossa, Kaiser Karl oder gar der General ist, Hauptsache wir gewinnen und das neue Zeitalter bricht an.“
„Ja“, nickte Wolf beipflichtend, „der Birnbaum hat ja heuer schon geblüht und ich werde mir diesmal unbedingt eine Birne pflücken gehen.“


test
5 Sterne
Empfehlung für Band 9 - 31.01.2017
H.K.

Es wäre schön, wenn der Autor sich einmal in Band 9 mit den Märchen der Wirtin vom Gasthof Esterer (Fürstenbrunn) befassen würde, die auf You Tube ihren Unfug vom zechprellenden General Kammler verbreitet. Also bei Eurem dürftigen Geschichtswissen könnt Ihr Unwissenden ihm Kriegsverbrechen und Sonstiges ohne Ende anhängen, doch dass ein Offizier seiner Generation seine Ehre durch Zechprellerei aufs Spiel setzt, das sollten selbst BRD-Schlafmichl und Piefkes und auch heutige Ostmark-Bewohner nicht glauben. Da will einfach nur jemand als Trittbrettfahrer am Untersberg-Boom teilhaben, um seine Gaststätte mit Besuchern zu füllen.

5 Sterne
Großes Kompliment! - 14.01.2017
Andrea F.

Einfach genial!! Diese Buchreihe möchte man nicht mehr aus der Hand legen. Sie ziehen einen in Bann......und geben zu Denken.....was ist nun wirklich nur Fiction....

5 Sterne
Steine der Macht - 24.02.2015
Reinhard Raidl

Ein sehr gutes Buch!

5 Sterne
die spannende fortsetzung der reihe - 23.02.2015
sd

die hochglanzbilder in diesem band sind ein echter hingucker. zudem erlauben sie dem leser wolfs abenteuer noch intensiver nachzuempfinden...

5 Sterne
Spannend - 21.02.2015
WeR

Mir gefallen sie spannenden Episoden Marke Stan Wolf!

5 Sterne
angenehm - 07.02.2015
PeteParker

wow wow eine Welt für sich. mystisch wie keine Andere. Daumen hoch

5 Sterne
Spannend und lesenswert - 04.02.2015
ge-gi

Ein weiterer Band, den man nicht mehr weglegen kann. Spannend und fesselnd geschrieben.

5 Sterne
Tolles Buch - 04.02.2015
Serendipity

Wie die ersten Bände absolut lesenswert und sehr zu empfehlen!Es bleibt immer noch offen, was Fantasie und was Wirklichkeit ist - jeder Leser wird jedoch in den Bann der "Steine der Macht" gezogen!Ich freue mich auf viele weitere Romane!

5 Sterne
Tolles Buch - 01.02.2015
gargitter günther

Steine der Macht

5 Sterne
Mein Kompliment für das "Gesamtpaket" BAND 6 ... - 26.10.2014
Lutz Eikelmann

... geht an den Autor und auch an den Verlag! Die Auflockerung des Textes durch höchst interessante und die Inhalte bestens ergänzende Bilder in den Kapiteln wie auch der Bildteil in der Mitte des Buches sorgen für eine lebendige Lektüre! Vielen Dank für die gelungene grafische Gestaltung und vor allem dafür, daß Stan Wolf Weiteres aus seinem Bilderarchiv bzw. auch Bilder seiner aktuellen 2014er Reisen in diesem Werk veröffentlicht hat! Zu den Inhalten dann mehr im Laufe der nächsten Wochen!

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