Steine der Macht – Band 14

Steine der Macht – Band 14

Stan Wolf


EUR 23,90

Format: 15 x 22 cm
Seitenanzahl: 160
ISBN: 978-3-99131-879-8
Erscheinungsdatum: 10.10.2022
Auch im 14. Band von Stan Wolfs erfolgreicher Reihe „Steine der Macht“, die sich um den geheimnisvollen Untersberg dreht, entführen Claudia und Wolf die Leserinnen und Leser in andere Zeiten, Länder und Dimensionen.
Kapitel 23
Der alte Fischer von Arguineguin

Wie jedes Mal, wenn Wolf und Claudia die Insel Gran Canaria besuchten, war der Ausflug mit dem Schiff von Arguineguin nach Puerto de Mogan ein absolutes Muss. So fuhren sie gemütlich nach dem Frühstück mit dem Leihauto nach Arguineguin. Die kleine, enge Straße zur Anlegestelle war ziemlich versteckt. Da sehr wenige Touristen von dieser Stelle mit dem Schiff nach Mogan fuhren, waren dorthin auch kaum Leute unterwegs. Die beiden stellten das Auto auf dem großen Parkplatz ab, welcher hauptsächlich den Besuchern der großen Fischhalle, die neben dem Parkplatz stand, diente. Da sie auf die Abfahrt der Blue Bird noch eine halbe Stunde warten mussten, gingen sie zu einer kleinen Kapelle, die in die hohe Hafenmauer gebaut war. Claudia hatte so etwas noch nicht gesehen. Diese Kapelle war eingegrenzt mit einer weiß-blauen Mauer. Innerhalb davon standen viele verschiedene südländische Pflanzen und Blumen. Das Dach war mit Fischernetzen, welche von bunten Bojen gehalten wurden, geschmückt. Claudia gefiel die kleine Kapelle, eine solche hatte sie bei uns im Alpenraum noch nie gesehen. Während Claudia ihre Begeisterung Wolf gegenüber kundtat, wurden die beiden von zwei Fischern, welche neben der Kapelle saßen, beobachtet. Nachdem die beiden die Kapelle ausgiebig begutachtet hatten, wollten sie zum Schiff gehen. Da sprach einer der Fischer sie an: „Jedes Mal, wenn wir Fischer in See stechen, kommen wir hierher und bitten um Schutz“, sagte der jüngere Mann in gebrochenem Deutsch. „Das Meer hier im Atlantik kann ziemlich stürmisch sein, und viele von uns Fischern sind nie mehr nach Hause gekommen. Die Bitte um Schutz gibt uns mehr Kraft.“ „Gibt es noch viele Fischer hier?“, fragte Claudia. „Nein, es sind nur noch sehr wenige“, antwortete der Fischer. „Ich habe die kleine Fischerei von meinem Großvater übernommen.“ Bei diesen Worten drehte er sich zu dem älteren, neben ihm sitzenden Mann. „Obwohl er schon 90 Jahre ist, hilft er mir, so gut er kann.“ Da fiel Wolf die Insel San Borondon ein und er wollte wissen, ob der alte Fischer dazu auch etwas sagen konnte. Er fragte: „Ich habe einmal von einer Insel namens San Borondon gehört. Kennen Sie diese?“ Kaum hatte Wolf diese Worte ausgesprochen, zuckte der alte Mann zusammen. Wolf und Claudia, welche dies beobachteten, sahen sich kurz an. Der Alte murmelte ein paar unverständliche Worte auf Spanisch. Lediglich „La Isla Magica“ konnten die beiden verstehen, was so viel heißt wie „Zauberinsel“. Um das Vertrauen des Alten zu gewinnen, erzählte Wolf von seinem Erlebnis, als er die Insel San Borondon überflogen hatte. Der junge Fischer übersetzte dies dem Alten, welcher interessiert zuhörte, aber nach Ansicht von Wolf unentschlossen war, etwas darüber zu berichten. Erst nach einer kurzen Pause fing der Alte zu erzählen an, und der Jüngere übersetzte auf Deutsch: „Mein Vater hatte am Bein eine sehr große Narbe. Da ich als Jüngling neugierig war, wollte ich unbedingt wissen, woher diese stammte. Erst nach vielen Jahren erzählte er mir, als er einmal ein paar Gläser Wein zu viel getrunken hatte, dass er während eines Sturmes beim Fischen in den frühen Morgenstunden an einer Insel gestrandet war, welche er nicht kannte. Die Vegetation war völlig anders als auf den kanarischen Inseln. Mein Vater zog das Boot, welches Gott sei Dank heil geblieben war, so gut wie möglich an Land. Er konnte feststellen, dass es nach dem angrenzenden Dickicht steil nach oben ging. Um mehr von dieser Insel zu erfahren, wollte er sich umsehen und marschierte deshalb ins Gebüsch, wo er verschiedene Tiere sah, welcher er bisher noch nicht gekannt hatte. Als er von weitem ein furchteinflößendes Geräusch hörte und sah, dass vor ihm mittelgroße Bäume umgeknickt wurden, packte ihn die Angst und er floh. Dabei stolperte er und schnitt sich sein Bein an einem Felsen auf, welcher mit Pflanzen bedeckt war, weshalb er ihn nicht gesehen hatte. Von Schmerzen geplagt konnte er sich noch humpelnd zum Boot retten, welches er dann auf das Meer steuerte. Danach verlor er das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kam, lag er im Krankenhaus. Einige andere Fischer hatten ihn ein paar Tage später im Boot, welches im Meer getrieben hatte, gefunden. Mein Vater hatte noch Glück, dass er gefunden wurde. Dennoch lag er tagelang im Krankenhaus im Koma und kämpfte um sein Leben. Die Wunde, welche durch eine unbekannte pflanzliche Substanz eiterte, löste ein hohes Fieber aus. Die Ärzte konnten damals nicht feststellen, um welches Gift es sich handelte, da man die Pflanze nicht bestimmen konnte. Es war auf jeden Fall kein Gewächs, das man auf den kanarischen Inseln vorfindet. So hofften sie nur, dass die Medikamente, welches sie ihm gaben, halfen. Als mein Vater wieder zu sich kam, berichtete er sein Erlebnis dem Arzt, welcher ihn nur für verrückt erklärte. Da mein Vater vermutete, dass ihn auch andere Menschen für geistesgestört halten würden, erzählte er niemandem mehr von der Insel. Ich habe ihn damals auch nicht für voll genommen und meinte, dass dies nur ein Ammenmärchen sei.“ Wolf und Claudia waren erstaunt, dies zu hören. Da der Alte sehr authentisch erzählte, glaubten sie seinen Worten. Da er nun in Gedanken versunken wirkte und nur noch auf die Schiffe starrte, welche am Kai befestigt waren, bedankte sich Wolf und verabschiedete sich mit kurzen Worten auf Spanisch. Er zupfte Claudia am Kleid, um ihr zu bedeuten, dass sie gehen sollten. Claudia, die den Wink von Wolf wahrnahm, verbeugte sich höflich und folgte ihm. Nun mussten sie feststellen, dass die Silver Bird, das Schiff, welches sie nach Puerto Mogan bringen sollte, längst abgefahren war. Daher beschlossen Sie, diesen Ausflug auf einen anderen Tag zu verschieben. Während der Fahrt zurück zum Hotel meinte Wolf: „Sicherlich gibt es noch mehr Menschen, welche Ähnliches erlebt haben, aber Angst davor haben, für verrückt gehalten zu werden und deshalb schweigen.“ „Da hast du Recht“, meinte Claudia. „Da fällt mir noch etwas ein. Das habe ich ja total vergessen, dir mitzuteilen. Ein Einheimischer der Kanaren hat in den Medien über neun Inseln berichtet. Ist doch schon seltsam, dass einer neun Kanareninsel zählt, obwohl es doch eigentlich nur acht sind. Dieser zählte also San Borondon dazu. Irgendwie erinnert mich das an das Buch ‚Die Neun Unbekannten‘ von Walter Ernsting.“ Da Wolf diesbezüglich auch keine Antwort wusste, schwieg er.

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