Steine der Macht – Band 13

Steine der Macht – Band 13

Stan Wolf


EUR 21,90

Format: 15 x 22 cm
Seitenanzahl: 160
ISBN: 978-3-99131-234-5
Erscheinungsdatum: 13.10.2021

Leseprobe:

Kapitel 17

Der Stollen unter dem Untersberg

Als im Sommer 2021 die Grenzen zwischen Deutschland und Österreich wieder für jedermann geöffnet waren, wollte Wolf nochmals die sogenannte Hologrammhöhle mit den verglasten schwarzen Wänden aufsuchen. Er fuhr daher zum Parkplatz hinter der Kirche von Maria Gern, wo er auf einen der Höhlenforscher traf, die ihm vor Jahren schon von der Hologrammhöhle erzählt hatten. Sie begrüßten sich recht herzlich und der Forscher meinte:
„Ich kann dir dieses Mal von einer Neuigkeit berichten. Es wurde nämlich schon vor vielen Jahren ein Stück unterhalb der Wallfahrtskirche ein kleiner, unscheinbarer Stollen entdeckt, von dem eigentlich viele Leute wussten, aber niemand glaubte, dass er etwas Besonderes sei. Bis einige Kinder im vergangenen Jahr in diesem Stollen ein Fahrrad entdeckten, welches wahrscheinlich schon lange dort gestanden hatte, doch niemanden hatte es interessiert. Die neugierigen Kinder zeigten Interesse dafür und schoben es aus dem Stollen heraus. Sie wunderten sich bei genauerem Hinsehen über die seltsame Form dieses Fahrrades und mussten dann feststellen, dass eine Jahreszahl eingestanzt war, nämlich 2035. Die Kinder wunderten sich zwar, wollten aber vorerst keinem anderen davon berichten und das Fahrrad selbst ausprobieren. Es handelte sich dabei um ein Elektrofahrrad. Die Kinder wollten mit dem Gerät herumspielen und suchten den Einschaltknopf am Display, fanden ihn aber nicht. Als eines der Kinder mit dem Finger rund um das Display fuhr, schaltete sich plötzlich der Motor ein und alle schreckten kurz zurück. Offenbar war der Akku noch geladen. Die Kinder inspizierten die Anzeige des Displays, wobei sich keines von ihnen damit auskannte. Da sie nach weiteren Versuchen das Fahrrad nicht in Bewegung bringen hatten können und ihnen auch immer unwohler dabei war, brachten sie es zum Vater eines der Jungen. Dieser Mann wandte sich in dieser Folge an uns, und so bekam ich dieses Ding, welches offenbar aus der Zukunft stammt, zu Gesicht. Da ich ja bereits um die seltsamen Dinge in der Hologrammhöhle wusste und diese ja ein gutes Stück oberhalb der Kirche Maria Gern liegt, vermutete ich einen Zusammenhang zwischen dem Fahrrad und der Höhle. Wir hatten diesem Stollen bislang kein besonderes Augenmerk geschenkt, er war auch nicht ins Höhlenregister aufgenommen worden, aber wollten der Sache nun jedoch auf den Grund gehen. Wir gingen also zu viert mit unserer Ausrüstungen bis ans Ende dieses Stollens. Dort endeckten wir dann einen kleinen Eingang in eine richtige, niedrige Höhle. Wir folgten dieser Höhle, die sich dann aber als recht weitläufig entpuppte. Mit unseren Messgeräten konnten wir feststellen, dass wir uns in der Nähe des sogenannten Auenlands befanden, des untersten Teiles der gewaltigen Riesendinghöhle, nämlich dort, wo vor Jahren der Höhlenforscher aus Bad Cannstatt schwer verletzt wurde. Wir hatten uns bereits auf eine mehrtägige Tour eingestellt und hatten keine Ahnung, was uns dort im Berg erwarten würde. Es war offensichtlich eine noch nicht erforschte Höhle, in welcher wir uns befanden. Schön langsam kamen Zweifel in uns auf, ob es da tatsächlich einen Zusammenhang zwischen dem seltsamen Fahrrad und der Hologrammhöhle gab. Aber wir gingen weiter. Immerhin war es eine für uns neue Höhle. Aber dann änderte sich die Situation im Inneren des Berges schlagartig. Wir entdeckten plötzlich eine Abzweigung, welche jedoch eine große Ähnlichkeit mit der Hologrammhöhle aufwies. Auch hier waren die Wände nämlich glatt und sahen aus, als wären sie verglast. Unsere Messgeräte zeigten weiterhin an, dass wir uns jetzt in unmittelbarer Umgebung des so genannten „Auenlandes“ befinden mussten. Irgendwie kam mir die ganze Angelegenheit komisch vor. Vor allem wegen des Fahrrads. Als dann aber plötzlich der Geigerzähler ausschlug und zu piepsen begann, wurde uns beiden mulmig zumute. So etwas hatten wir bei Höhlenbefahrungen im Untersberggebiet noch nie erlebt. Wir entdeckten dann in dieser verglasten Wand eine Einbuchtung, in welcher runde, sehr schwere kleine Bleibehälter standen. In deren Nähe zeigte der Geigerzähler eine erhebliche, radioaktive Strahlung an. Da es sich bei dieser Höhle um etwas Ähnliches wie in der Hologrammhöhle handeln dürfte, wäre es mir lieber, wenn du niemandem etwas davon erzählen würdest. Ich habe zwei von diesen schweren Behältern mitgenommen. Sie aufzumachen war mir dann doch zu heikel, da der Geigerzähler dabei recht stark ausgeschlagen hat. Kannst du damit etwas anfangen, denn mir ist dies zu gefährlich?“ Wolf antwortete.
„Ja, ich nehme die Behälter und werde dabei sicherlich etwas herausfinden.“
„Wir werden in einigen Tagen noch einmal dort hineingehen“, meinte der Höhlenforscher, „vielleicht finden wir dabei noch etwas heraus. Ich werde dir auf alle Fälle Bescheid geben, wenn wir noch weitere Erkenntnisse gewonnen haben.“
Wolf fuhr mit seinem Wagen hinter dem Höhlenforscher zu ihm nach Hause nach Berchtesgaden, wo ihm der Mann die beiden Behälter übergab. Als Wolf zuhause in Bürmoos angekommen war, nahm er seine drei Geigerzähler aus dem Kasten und testete damit die Behälter im verschlossenen Zustand. Dabei musste er feststellen, dass jedes der Messgeräte dasselbe Resultat lieferte. Er beschloss, den großen weißen Behälter vorsichtig zu öffnen. Natürlich merkte er dabei nichts von der Strahlung. Er leuchtete mit einer starken LED-Lampe ins Innere und konnte lauter etwa einen Zentimeter große, glänzende Kristalle sehen. Seiner Meinung musste es sich um Uranoxid handeln, welches eine beträchtliche Strahlungsdichte aufweist. Deshalb verschloss Wolf den Bleibehälter sofort wieder und verstaute die beiden im Keller in einem abgeschlossenen Schrank. Aufgrund der Erzählungen des Höhlenforschers war Wolf neugierig geworden und wollte in dem Stollen selbst auch noch nachsehen. Dazu nahm er aus seiner Garage ein Mienensuchgerät, welches er von einem Major der deutschen Volksarmee erhalten hatte. Er nahm es aus der militärfarbenen Tasche heraus und gab neue Batterien in das Gerät. Nach dem Einschalten hörte er in den großen Kopfhörern bereits ein Piepsen, welches ihm anzeigte, dass das Gerät noch funktionstüchtig war. Zur Sicherheit packte er auch den Armbandgeigerzähler, welchen er ebenfalls mit neuen Knopfzellen ausstattete, mit ein und fuhr los nach Maria Gern.
Wolf sagte nichts zur Claudia, um sie nicht zu beunruhigen. Sie würde ohnehin nichts von seinem Ausflug mitbekommen, da er sicherlich früher zu Hause sein würde als sie. Durch die ausführlichen Erklärungen des Höhlenforschers fand er den Eingang ziemlich rasch. Bevor er in den Stollen trat, schaltete er seine Stirnlampe ein. Immer weiter ging Wolf in die recht leicht begehbare Höhle. Diese ähnelte in der Tat der Hologrammhöhle. Nach einiger Zeit schaute Wolf auf seine Uhr, um zumindest einen Überblick zu behalten. Auch erreichte er nach kurzer Zeit die kleine Ausbuchtung, in welcher sich noch mehrere runde kleine Behälter befanden, die vermutlich ebenfalls mit radioaktivem Material gefüllt waren, was der Geigerzähler offenbar anzeigte. Wolf ging weiter den Gang entlang. Nun wollte er sein Minensuchgerät ausprobieren und packte es daher aus, setzte sich die Kopfhörer auf und schaltete es ein. Ein Piepsen des Gerätes zeigt ihm an, dass sich in unmittelbarerer Nähe ein metallener Gegenstand befinden musste. Nach einigem Herumsuchen mit dem Minensuchgerät fand Wolf am Rande der verglasten Wand am Boden mehrere Batterien, welche offenbar zu einer Stirnlampe gehörten. Er nahm eine dieser kleinen Batterien in die Hand, dabei wurde ihm klar, dass es sich der Aufschrift nach um italienische Erzeugnisse handeln musste. Sogar ein Herstellungsjahr war noch zu erkennen. Natürlich lag jetzt der Verdacht nahe, dass es sich bei diesen Batterien um Teile der Ausrüstung von italienischen Rettungsmannschaften handelte, welche damals bei der Bergung des Höhlenforschers aus Bad Cannstatt verwendet wurden. Auf welche Art diese Batterien jedoch in den Stollen bei Maria Gern gelangt waren, blieb vorerst rätselhaft. Eine andere Erklärung für das Vorhandensein dieser Batterien konnte sich Wolf nicht vorstellen. Erst die weitere Erforschung dieser Höhle würde darüber Aufschluss geben können. Allein weiterzugehen war für ihn zu gefährlich und kam daher nicht in Frage. Außerdem wusste niemand Bescheid, dass er in diesem Stollen unterwegs war.
Gerade als Wolf sich umzukehren anschickte, fiel sein Blick auf eine Stelle in der schwarz verglasten Wand der Höhle, welche jedoch anders aussah als die übrige Wand. Er wollte das mit der Hand betasten, wich jedoch rasch zurück, als er bemerkte, dass es sich hier, ebenso wie bei der oberen Höhle am Berg, um ein Hologramm handeln musste. Er legte das sperrige Minensuchgerät zur Seite und versuchte kniend auf dem Boden die Abmessungen dieser Stelle zu ertasten. Sie war zumindest so groß, dass er sich ohne große Mühe hindurchzwängen konnte. Kaum war er hindurchgekrochen, befand er sich plötzlich, ähnlich wie damals in der Höhle oben am Berg, in einem grob behauenen Gang, welcher vermutlich mit dem „Auenland“ in Verbindung stand. Plötzlich kam ihm wieder in den Sinn, wie der Landrat von Berchtesgaden nach der erfolgreichen Rettungsaktion damals in der Nähe des Stöhrhauses den Höhleneingang durch eine Schlosserei vergittern und absperren ließ. Seitens der Behörde sollte ein abermaliger Einstieg in die fast eintausend Meter tiefe Höhle nicht mehr möglich sein. Es musste dort unten aber etwas derart Interessantes geben, denn schon bald wurden die Gitterstäbe von Unbekannten fachgerecht mit einem Akkuschleifgerät aufgeschnitten, damit sie sich Zugang verschaffen konnten.
Wolfs LED-Lampe war frisch aufgeladen, und so hätte er eigentlich noch stundenlang weitergehen können. Nur sein Mienensuchgerät hatte er im verglasten Gang liegen gelassen. Er würde es beim Rückweg wieder mitnehmen. Jetzt kam er an eine Türe, diese war aber nicht aus Stein, so wie damals oben bei der Hologrammhöhle. Nein, sie war aus Stahl und schwer gebaut. Wolf konnte sie aber leicht öffnen. Die Tür fiel auch nicht von selbst zu, wie damals, nein, sie blieb offen stehen. Aber er hörte jetzt plötzlich menschliche Stimmen. Sie klangen etwas hektisch und sprachen auch nicht immer in deutscher Sprache. Manchmal glaubte Wolf etwas auf Italienisch zu verstehen, und ein anderes Mal auf Englisch. Die Stimmen waren irgendwo in der Nähe, er konnte aber nicht exakt ausmachen, aus welcher Richtung sie kamen. Wolf verhielt sich ganz ruhig und lauschte gespannt weiter, um mehr Information zu erhalten. Er wusste ja nicht, wo er sich gerade befand – und ob er eventuell auch in einer anderen Zeit war. Das Stimmengewirr zwischen verschiedenen Personen und Sprachen brach einfach nicht ab. Plötzlich überkam ihn eine dumpfe Ahnung. Konnte es etwas sein, dass er sich hier mitten in der Rettungsaktion für den verunglückten Höhlenforscher im Juni 2014 wiederfand? So ließen sich auch die drei italienischen Batterien für die Stirnlampe erklären. Wolf überlegte. Er sollte besser umkehren, um von niemanden gesehen zu werden. So geschah es auch. Er drehte sich vorsichtig um und ging wieder durch die Stahltüre zurück, welche er vorsichtig schloss. Nun hörte er auch keine Stimmen mehr. Erst nachdem er durch die Hologrammöffnung im verglasten Stollen hindurchgekrochen war und sein zurückgelassenes Minensuchgerät wieder vorfand, hoffte er, wieder in seine Zeit zurückgekommen zu sein.
Raschen Schrittes ging er nun nach draußen, und sein Erstaunen war groß, als vor dem Stolleneingang unterhalb von Maria Gern der Illuminat auf ihn wartete.
„Na, jetzt haben Sie sozusagen live miterlebt, was damals, vor fünf Jahren, passiert ist.“ Wolf sah ihn erstaunt an und fragte:
„Dann war das also tatsächlich die Rettungsaktion für diesen Höhlenforscher?“ Becker schmunzelte nur und verschwand vor Wolfs Augen. Jetzt galt es eigentlich nur noch, das Geheimnis des Fahrrades aufzuklären, welches angeblich nicht aus dem Jahr 2021 stammte, sondern aus der Zukunft. Falls der Berchtesgadener Höhlenforscher etwas dazu sagen konnte, war Wolf gespannt darauf. Nun wollte er nur nach Hause, um das Ganze jetzt erst einmal verarbeiten zu können. Es war für Wolf wieder eine Beruhigung festzustellen, dass es bei diesem Erlebnis zu keiner Zeitverschiebung gekommen war. Auch Claudia war erleichtert, als er ihr von seinem Abenteuer erzählte. Aber die beiden Bleibehälter mit dem radioaktiven Inhalt behagten ihr eigentlich überhaupt nicht, auch wenn sie sich im Keller befanden. Wolf wusste aber nicht, wo er sie sonst aufbewahren sollte.
Wichtiger für ihn war jetzt aber, was es mit diesem ominösen Fahrrad aus der Zukunft auf sich hatte. Vorher würde er sich aber noch mit Becker über den verglasten Stollen unterhalten. Es war ihm nämlich das Gespräch mit Dr. Heinrich Kusch in den Sinn gekommen. Dieser hatte ihn vor ein paar Jahren gewarnt, dass ihm aufgrund seiner Forschungen etwas zustoßen könne. Dieser Dr. Kusch hatte in der Steiermark und auch in der Nähe von Wien, bei Klosterneuburg, unterirdische Gänge entdeckt, welche äußerst mysteriös waren. Eines der größten Mysterien war, dass diese mit sehr großer Präzession errichteten Gänge unter anderem verglast waren, bedingt durch die große Hitze bei der Verarbeitung. Im Glas eingeschlossen fand man abgebrochene Metallspitzen von den verwendeten Werkzeugen, welche aus Stahl bestanden. Und zwar aus hochlegiertem Stahl, den es erst seit maximal einhundert Jahren gibt. Die tunnelartigen Gänge selbst haben jedoch ein Alter von mindestens zwölftausend Jahren. Jetzt war Beckers Hilfe gefragt. Damals, vor einigen Jahren, als Wolf in der „Hologrammhöhle“ gewesen war, hatte er doch dasselbe Phänomen mit diesen verglasten Wänden entdeckt. Und erst jetzt fiel ihm die Ähnlichkeit mit den Stollen von Dr. Kusch wieder ein.
Becker schien überhaupt nicht erstaunt, als Wolf ihm die Frage nach den verglasten Stollen stellte. Er erinnerte ihn an die Reise zu Basis Vier, welche Atlantis genannt wurde und wo es eine technisch weit fortgeschrittene Entwicklung gab.
Stellen Sie sich vor, dass diese Zeitreisen in den Kriegsjahren 1940 bis 1943 schon möglich gewesen wären und auch die Gänge unter dem Kloster Vorau und Klosterneuburg auf diese Weise gebaut worden waren. „Dass ich nicht früher auf diese Idee gekommen bin“, überlegte Wolf. Freilich brauchte man dazu nicht an Außerirdische zu denken, nein, das waren unsere Leute, welche mittels Zeitreisen in die Vergangenheit gelangt waren und dort diese Bauwerke errichtet hatten. Und auch ganz klar war dann, weshalb die Suche der Geheimdienste nach diesen Geheimnissen in Gang gesetzt worden war.
„Wir können auch eine kurze Reise in die Zeit der Errichtung dieses verglasten Stollens machen“, meinte Becker.
„Gerne“, erwiderte Wolf. Binnen weniger Sekunden befanden sich die beiden tief in dieser Höhle, wo sie eigenartige technische Geräte erblicken konnten, welche sich wie ferngesteuert an den Wänden bewegten. Es waren aber keine Menschen zu sehen. Außer gleißendem Licht und Rauch war nichts zu erblicken. Wolf konnte fast gar nichts sehen, da das Licht so dermaßen blendend war. Er wunderte sich, dass die Maschinen keinen großen Lärm erzeugten, eigentlich nur ein lautes Zischen. Wolf wollte unbedingt die Maschinen sehen und zwickte die Augen zusammen, aber das gleißende Licht war zu stark, um etwas zu erkennen.
„Bemühen Sie sich nicht, etwas zu sehen“, meinte Becker. „Das Licht macht dies fast unmöglich.“ Wolf war ziemlich enttäuscht. Er konnte lediglich erkennen, dass die Maschinen rasch an der Wand hin und her glitten. Wolf kam es so vor, als ob die Geräte in der Luft schweben würden. Er konnte sich nur vorstellen, dass diese Maschinen eine Art Laser waren. Wolf wartete auf eine Erklärung von Becker, die aber nicht kam. Ganz langsam entfernten sich die Maschinen Meter für Meter weiter von ihnen und hinterließen diese glatte Oberfläche. Wolf wollte diese gerade berühren, als Becker meinte:
„Greifen Sie da nicht hin, denn diese Fläche ist noch viel zu heiß.“ Auf einmal fiel Wolf auf, dass die bearbeitete Fläche noch leicht rauchte. Dies war ein sehr ungewöhnlicher Anblick. Außerdem konnte Wolf noch einen undefinierbaren Geruch feststellen, der aber nicht ganz Brandgeruch glich. Dieser war Gott sei Dank nicht beißend. Immer weiter entfernten sich die Maschinen nun von ihnen. Auch von weitem konnte Wolf weder die Maschinen noch die Umrisse erkennen. Becker stand immer noch schweigend neben Wolf. Als die beiden die Maschinen nicht mehr sahen, fragte Wolf Becker:
„Ist es wirklich nicht möglich, dass ich die Oberfläche berühren kann?“
„Warten Sie noch eine Minute, dann müsste diese abgekühlt sein.“ Für Wolf, welcher schon so gespannt war, verging die Minute unendlich langsam. Vorsichtig berührte Wolf die Verglasung. Sie fühlte sich noch warm an und war ganz glatt. Wolf leuchtete mit seiner Lampe ganz nahe an die Wand, um vielleicht doch etwas besser zu sehen. Leider konnte er überhaupt nichts erkennen, nur dass die Oberfläche spiegelglatt und schwarz war. Wolf ging ein paar Meter an der Wand entlang und ließ seine Hand drübergleiten, um festzustellen, ob doch nicht ein paar Unebenheiten erkennbar waren. Er konnte aber nichts Derartiges bemerken. Wolf fiel nun auf, dass die Maschinen schon sehr weit von ihnen entfernt sein mussten, da das Zischen kaum mehr zu hören war. Es war schon ein eigenartiges Gefühl für Wolf, in diesem verglasten Gang zu stehen. Trotz der hervorragenden Leistung von Wolfs Lampe war es ziemlich dunkel. Wolf drehte sich zu Becker und sagte:
„Nun haben Sie mir gezeigt, wie diese Tunnel entstanden sind. Können Sie mir auch mitteilen, für welche Zwecke diese genutzt wurden?“ Ohne eine Antwort zu geben, nahm Becker Wolf beim Handgelenk, und in der nächsten Sekunde standen sie in der wesentlich größeren Hologrammhöhle, welche Wolf vor Jahren bereits schon zwei Mal besucht hatte. Wolf erkannte die Höhle sofort. Auch hier versuchte Wolf, die glatten Wände mit seiner Hand zu betasten. Es war genauso wie in der Höhle unter Maria Gern, nur waren diese Wände kalt. Wolf wiederholte seine Frage. Becker schaute ihn an und meinte:
„Sie wissen doch selbst, welchen Zwecken diese dient? Sind Sie nicht durch diese Höhle gegangen und in einer anderen Zeit angelangt? Deshalb wurden diese Gänge angelegt.“ Nun hatte Wolf die mündliche Bestätigung von Becker erhalten, dass diese Höhlen für Zeitreisen genutzt wurden. „Nicht auszudenken, welche Möglichkeiten diese Höhle bietet“, dachte Wolf. Dieses Wissen durfte auf keinen Fall in falsche Hände gelangen.
„Da haben Sie Recht“, meinte Becker und riss Wolf aus seinen Gedanken, „deshalb dürfen ja auch nur bestimmte Personen den Ort dieser Höhlen wissen.“ Wolf sah den Illuminaten erstaunt an und nickte nur. Er konnte sich immer noch nicht daran gewöhnen, dass Becker seine Gedanken lesen konnte. Wolf konnte sich ausmalen, was geschehen würde, sollte diese Höhle missbraucht werden.
„Aber um dies zu verhindern, gibt es einige Personen“, beruhigte Becker Wolf.
„Dann könnte man sie ja als Wächter bezeichnen“, sagte Wolf.
„In gewisser Weise stimmt das“, antwortete der Illuminat lächelnd.
„Also haben diese Dinge nichts mit Außerirdischen zu tun, sondern wurden von Zeitreisenden erbaut“, hakte Wolf nach.
„Das soll aber nicht bedeuten, dass es keine Außerirdischen gibt“, meinte Becker, „doch zumindest diese Sachen sind eindeutig von Zeitreisenden geschaffen worden.“ Obwohl Wolf sehr gerne gewusst hätte, worum es sich bei der Technologie in diesen Höhlen handelte, wagte er nicht danach zu fragen, da er darauf bestimmt keine Antwort erhalten hätte. Eine Frage jedoch stellte er dem Illuminaten trotzdem:
„Können Sie mir noch einen Hinweis zu dem Fahrrad, welches die Buben in dem Stollen gefunden haben und welches aus dem Jahr 2035 stammen soll, geben?“ Becker meinte:
„Dieses Fahrrad hätte niemals in dieser Zeit landen dürfen, und deshalb werde ich es nun wieder in die Zukunft bringen. Es ist noch zu früh, dass die Antriebstechnik dieses Fahrrades in Ihrer jetzigen Zeit bekannt gemacht wird.“ Nach diesen Worten nahm Becker Wolf am Handgelenk und im nächsten Augenblick befanden sie sich wieder in Wolfs Büro. Ohne ein Wort zu sagen, verschwand Becker in der nächsten Sekunde.

Kapitel 17

Der Stollen unter dem Untersberg

Als im Sommer 2021 die Grenzen zwischen Deutschland und Österreich wieder für jedermann geöffnet waren, wollte Wolf nochmals die sogenannte Hologrammhöhle mit den verglasten schwarzen Wänden aufsuchen. Er fuhr daher zum Parkplatz hinter der Kirche von Maria Gern, wo er auf einen der Höhlenforscher traf, die ihm vor Jahren schon von der Hologrammhöhle erzählt hatten. Sie begrüßten sich recht herzlich und der Forscher meinte:
„Ich kann dir dieses Mal von einer Neuigkeit berichten. Es wurde nämlich schon vor vielen Jahren ein Stück unterhalb der Wallfahrtskirche ein kleiner, unscheinbarer Stollen entdeckt, von dem eigentlich viele Leute wussten, aber niemand glaubte, dass er etwas Besonderes sei. Bis einige Kinder im vergangenen Jahr in diesem Stollen ein Fahrrad entdeckten, welches wahrscheinlich schon lange dort gestanden hatte, doch niemanden hatte es interessiert. Die neugierigen Kinder zeigten Interesse dafür und schoben es aus dem Stollen heraus. Sie wunderten sich bei genauerem Hinsehen über die seltsame Form dieses Fahrrades und mussten dann feststellen, dass eine Jahreszahl eingestanzt war, nämlich 2035. Die Kinder wunderten sich zwar, wollten aber vorerst keinem anderen davon berichten und das Fahrrad selbst ausprobieren. Es handelte sich dabei um ein Elektrofahrrad. Die Kinder wollten mit dem Gerät herumspielen und suchten den Einschaltknopf am Display, fanden ihn aber nicht. Als eines der Kinder mit dem Finger rund um das Display fuhr, schaltete sich plötzlich der Motor ein und alle schreckten kurz zurück. Offenbar war der Akku noch geladen. Die Kinder inspizierten die Anzeige des Displays, wobei sich keines von ihnen damit auskannte. Da sie nach weiteren Versuchen das Fahrrad nicht in Bewegung bringen hatten können und ihnen auch immer unwohler dabei war, brachten sie es zum Vater eines der Jungen. Dieser Mann wandte sich in dieser Folge an uns, und so bekam ich dieses Ding, welches offenbar aus der Zukunft stammt, zu Gesicht. Da ich ja bereits um die seltsamen Dinge in der Hologrammhöhle wusste und diese ja ein gutes Stück oberhalb der Kirche Maria Gern liegt, vermutete ich einen Zusammenhang zwischen dem Fahrrad und der Höhle. Wir hatten diesem Stollen bislang kein besonderes Augenmerk geschenkt, er war auch nicht ins Höhlenregister aufgenommen worden, aber wollten der Sache nun jedoch auf den Grund gehen. Wir gingen also zu viert mit unserer Ausrüstungen bis ans Ende dieses Stollens. Dort endeckten wir dann einen kleinen Eingang in eine richtige, niedrige Höhle. Wir folgten dieser Höhle, die sich dann aber als recht weitläufig entpuppte. Mit unseren Messgeräten konnten wir feststellen, dass wir uns in der Nähe des sogenannten Auenlands befanden, des untersten Teiles der gewaltigen Riesendinghöhle, nämlich dort, wo vor Jahren der Höhlenforscher aus Bad Cannstatt schwer verletzt wurde. Wir hatten uns bereits auf eine mehrtägige Tour eingestellt und hatten keine Ahnung, was uns dort im Berg erwarten würde. Es war offensichtlich eine noch nicht erforschte Höhle, in welcher wir uns befanden. Schön langsam kamen Zweifel in uns auf, ob es da tatsächlich einen Zusammenhang zwischen dem seltsamen Fahrrad und der Hologrammhöhle gab. Aber wir gingen weiter. Immerhin war es eine für uns neue Höhle. Aber dann änderte sich die Situation im Inneren des Berges schlagartig. Wir entdeckten plötzlich eine Abzweigung, welche jedoch eine große Ähnlichkeit mit der Hologrammhöhle aufwies. Auch hier waren die Wände nämlich glatt und sahen aus, als wären sie verglast. Unsere Messgeräte zeigten weiterhin an, dass wir uns jetzt in unmittelbarer Umgebung des so genannten „Auenlandes“ befinden mussten. Irgendwie kam mir die ganze Angelegenheit komisch vor. Vor allem wegen des Fahrrads. Als dann aber plötzlich der Geigerzähler ausschlug und zu piepsen begann, wurde uns beiden mulmig zumute. So etwas hatten wir bei Höhlenbefahrungen im Untersberggebiet noch nie erlebt. Wir entdeckten dann in dieser verglasten Wand eine Einbuchtung, in welcher runde, sehr schwere kleine Bleibehälter standen. In deren Nähe zeigte der Geigerzähler eine erhebliche, radioaktive Strahlung an. Da es sich bei dieser Höhle um etwas Ähnliches wie in der Hologrammhöhle handeln dürfte, wäre es mir lieber, wenn du niemandem etwas davon erzählen würdest. Ich habe zwei von diesen schweren Behältern mitgenommen. Sie aufzumachen war mir dann doch zu heikel, da der Geigerzähler dabei recht stark ausgeschlagen hat. Kannst du damit etwas anfangen, denn mir ist dies zu gefährlich?“ Wolf antwortete.
„Ja, ich nehme die Behälter und werde dabei sicherlich etwas herausfinden.“
„Wir werden in einigen Tagen noch einmal dort hineingehen“, meinte der Höhlenforscher, „vielleicht finden wir dabei noch etwas heraus. Ich werde dir auf alle Fälle Bescheid geben, wenn wir noch weitere Erkenntnisse gewonnen haben.“
Wolf fuhr mit seinem Wagen hinter dem Höhlenforscher zu ihm nach Hause nach Berchtesgaden, wo ihm der Mann die beiden Behälter übergab. Als Wolf zuhause in Bürmoos angekommen war, nahm er seine drei Geigerzähler aus dem Kasten und testete damit die Behälter im verschlossenen Zustand. Dabei musste er feststellen, dass jedes der Messgeräte dasselbe Resultat lieferte. Er beschloss, den großen weißen Behälter vorsichtig zu öffnen. Natürlich merkte er dabei nichts von der Strahlung. Er leuchtete mit einer starken LED-Lampe ins Innere und konnte lauter etwa einen Zentimeter große, glänzende Kristalle sehen. Seiner Meinung musste es sich um Uranoxid handeln, welches eine beträchtliche Strahlungsdichte aufweist. Deshalb verschloss Wolf den Bleibehälter sofort wieder und verstaute die beiden im Keller in einem abgeschlossenen Schrank. Aufgrund der Erzählungen des Höhlenforschers war Wolf neugierig geworden und wollte in dem Stollen selbst auch noch nachsehen. Dazu nahm er aus seiner Garage ein Mienensuchgerät, welches er von einem Major der deutschen Volksarmee erhalten hatte. Er nahm es aus der militärfarbenen Tasche heraus und gab neue Batterien in das Gerät. Nach dem Einschalten hörte er in den großen Kopfhörern bereits ein Piepsen, welches ihm anzeigte, dass das Gerät noch funktionstüchtig war. Zur Sicherheit packte er auch den Armbandgeigerzähler, welchen er ebenfalls mit neuen Knopfzellen ausstattete, mit ein und fuhr los nach Maria Gern.
Wolf sagte nichts zur Claudia, um sie nicht zu beunruhigen. Sie würde ohnehin nichts von seinem Ausflug mitbekommen, da er sicherlich früher zu Hause sein würde als sie. Durch die ausführlichen Erklärungen des Höhlenforschers fand er den Eingang ziemlich rasch. Bevor er in den Stollen trat, schaltete er seine Stirnlampe ein. Immer weiter ging Wolf in die recht leicht begehbare Höhle. Diese ähnelte in der Tat der Hologrammhöhle. Nach einiger Zeit schaute Wolf auf seine Uhr, um zumindest einen Überblick zu behalten. Auch erreichte er nach kurzer Zeit die kleine Ausbuchtung, in welcher sich noch mehrere runde kleine Behälter befanden, die vermutlich ebenfalls mit radioaktivem Material gefüllt waren, was der Geigerzähler offenbar anzeigte. Wolf ging weiter den Gang entlang. Nun wollte er sein Minensuchgerät ausprobieren und packte es daher aus, setzte sich die Kopfhörer auf und schaltete es ein. Ein Piepsen des Gerätes zeigt ihm an, dass sich in unmittelbarerer Nähe ein metallener Gegenstand befinden musste. Nach einigem Herumsuchen mit dem Minensuchgerät fand Wolf am Rande der verglasten Wand am Boden mehrere Batterien, welche offenbar zu einer Stirnlampe gehörten. Er nahm eine dieser kleinen Batterien in die Hand, dabei wurde ihm klar, dass es sich der Aufschrift nach um italienische Erzeugnisse handeln musste. Sogar ein Herstellungsjahr war noch zu erkennen. Natürlich lag jetzt der Verdacht nahe, dass es sich bei diesen Batterien um Teile der Ausrüstung von italienischen Rettungsmannschaften handelte, welche damals bei der Bergung des Höhlenforschers aus Bad Cannstatt verwendet wurden. Auf welche Art diese Batterien jedoch in den Stollen bei Maria Gern gelangt waren, blieb vorerst rätselhaft. Eine andere Erklärung für das Vorhandensein dieser Batterien konnte sich Wolf nicht vorstellen. Erst die weitere Erforschung dieser Höhle würde darüber Aufschluss geben können. Allein weiterzugehen war für ihn zu gefährlich und kam daher nicht in Frage. Außerdem wusste niemand Bescheid, dass er in diesem Stollen unterwegs war.
Gerade als Wolf sich umzukehren anschickte, fiel sein Blick auf eine Stelle in der schwarz verglasten Wand der Höhle, welche jedoch anders aussah als die übrige Wand. Er wollte das mit der Hand betasten, wich jedoch rasch zurück, als er bemerkte, dass es sich hier, ebenso wie bei der oberen Höhle am Berg, um ein Hologramm handeln musste. Er legte das sperrige Minensuchgerät zur Seite und versuchte kniend auf dem Boden die Abmessungen dieser Stelle zu ertasten. Sie war zumindest so groß, dass er sich ohne große Mühe hindurchzwängen konnte. Kaum war er hindurchgekrochen, befand er sich plötzlich, ähnlich wie damals in der Höhle oben am Berg, in einem grob behauenen Gang, welcher vermutlich mit dem „Auenland“ in Verbindung stand. Plötzlich kam ihm wieder in den Sinn, wie der Landrat von Berchtesgaden nach der erfolgreichen Rettungsaktion damals in der Nähe des Stöhrhauses den Höhleneingang durch eine Schlosserei vergittern und absperren ließ. Seitens der Behörde sollte ein abermaliger Einstieg in die fast eintausend Meter tiefe Höhle nicht mehr möglich sein. Es musste dort unten aber etwas derart Interessantes geben, denn schon bald wurden die Gitterstäbe von Unbekannten fachgerecht mit einem Akkuschleifgerät aufgeschnitten, damit sie sich Zugang verschaffen konnten.
Wolfs LED-Lampe war frisch aufgeladen, und so hätte er eigentlich noch stundenlang weitergehen können. Nur sein Mienensuchgerät hatte er im verglasten Gang liegen gelassen. Er würde es beim Rückweg wieder mitnehmen. Jetzt kam er an eine Türe, diese war aber nicht aus Stein, so wie damals oben bei der Hologrammhöhle. Nein, sie war aus Stahl und schwer gebaut. Wolf konnte sie aber leicht öffnen. Die Tür fiel auch nicht von selbst zu, wie damals, nein, sie blieb offen stehen. Aber er hörte jetzt plötzlich menschliche Stimmen. Sie klangen etwas hektisch und sprachen auch nicht immer in deutscher Sprache. Manchmal glaubte Wolf etwas auf Italienisch zu verstehen, und ein anderes Mal auf Englisch. Die Stimmen waren irgendwo in der Nähe, er konnte aber nicht exakt ausmachen, aus welcher Richtung sie kamen. Wolf verhielt sich ganz ruhig und lauschte gespannt weiter, um mehr Information zu erhalten. Er wusste ja nicht, wo er sich gerade befand – und ob er eventuell auch in einer anderen Zeit war. Das Stimmengewirr zwischen verschiedenen Personen und Sprachen brach einfach nicht ab. Plötzlich überkam ihn eine dumpfe Ahnung. Konnte es etwas sein, dass er sich hier mitten in der Rettungsaktion für den verunglückten Höhlenforscher im Juni 2014 wiederfand? So ließen sich auch die drei italienischen Batterien für die Stirnlampe erklären. Wolf überlegte. Er sollte besser umkehren, um von niemanden gesehen zu werden. So geschah es auch. Er drehte sich vorsichtig um und ging wieder durch die Stahltüre zurück, welche er vorsichtig schloss. Nun hörte er auch keine Stimmen mehr. Erst nachdem er durch die Hologrammöffnung im verglasten Stollen hindurchgekrochen war und sein zurückgelassenes Minensuchgerät wieder vorfand, hoffte er, wieder in seine Zeit zurückgekommen zu sein.
Raschen Schrittes ging er nun nach draußen, und sein Erstaunen war groß, als vor dem Stolleneingang unterhalb von Maria Gern der Illuminat auf ihn wartete.
„Na, jetzt haben Sie sozusagen live miterlebt, was damals, vor fünf Jahren, passiert ist.“ Wolf sah ihn erstaunt an und fragte:
„Dann war das also tatsächlich die Rettungsaktion für diesen Höhlenforscher?“ Becker schmunzelte nur und verschwand vor Wolfs Augen. Jetzt galt es eigentlich nur noch, das Geheimnis des Fahrrades aufzuklären, welches angeblich nicht aus dem Jahr 2021 stammte, sondern aus der Zukunft. Falls der Berchtesgadener Höhlenforscher etwas dazu sagen konnte, war Wolf gespannt darauf. Nun wollte er nur nach Hause, um das Ganze jetzt erst einmal verarbeiten zu können. Es war für Wolf wieder eine Beruhigung festzustellen, dass es bei diesem Erlebnis zu keiner Zeitverschiebung gekommen war. Auch Claudia war erleichtert, als er ihr von seinem Abenteuer erzählte. Aber die beiden Bleibehälter mit dem radioaktiven Inhalt behagten ihr eigentlich überhaupt nicht, auch wenn sie sich im Keller befanden. Wolf wusste aber nicht, wo er sie sonst aufbewahren sollte.
Wichtiger für ihn war jetzt aber, was es mit diesem ominösen Fahrrad aus der Zukunft auf sich hatte. Vorher würde er sich aber noch mit Becker über den verglasten Stollen unterhalten. Es war ihm nämlich das Gespräch mit Dr. Heinrich Kusch in den Sinn gekommen. Dieser hatte ihn vor ein paar Jahren gewarnt, dass ihm aufgrund seiner Forschungen etwas zustoßen könne. Dieser Dr. Kusch hatte in der Steiermark und auch in der Nähe von Wien, bei Klosterneuburg, unterirdische Gänge entdeckt, welche äußerst mysteriös waren. Eines der größten Mysterien war, dass diese mit sehr großer Präzession errichteten Gänge unter anderem verglast waren, bedingt durch die große Hitze bei der Verarbeitung. Im Glas eingeschlossen fand man abgebrochene Metallspitzen von den verwendeten Werkzeugen, welche aus Stahl bestanden. Und zwar aus hochlegiertem Stahl, den es erst seit maximal einhundert Jahren gibt. Die tunnelartigen Gänge selbst haben jedoch ein Alter von mindestens zwölftausend Jahren. Jetzt war Beckers Hilfe gefragt. Damals, vor einigen Jahren, als Wolf in der „Hologrammhöhle“ gewesen war, hatte er doch dasselbe Phänomen mit diesen verglasten Wänden entdeckt. Und erst jetzt fiel ihm die Ähnlichkeit mit den Stollen von Dr. Kusch wieder ein.
Becker schien überhaupt nicht erstaunt, als Wolf ihm die Frage nach den verglasten Stollen stellte. Er erinnerte ihn an die Reise zu Basis Vier, welche Atlantis genannt wurde und wo es eine technisch weit fortgeschrittene Entwicklung gab.
Stellen Sie sich vor, dass diese Zeitreisen in den Kriegsjahren 1940 bis 1943 schon möglich gewesen wären und auch die Gänge unter dem Kloster Vorau und Klosterneuburg auf diese Weise gebaut worden waren. „Dass ich nicht früher auf diese Idee gekommen bin“, überlegte Wolf. Freilich brauchte man dazu nicht an Außerirdische zu denken, nein, das waren unsere Leute, welche mittels Zeitreisen in die Vergangenheit gelangt waren und dort diese Bauwerke errichtet hatten. Und auch ganz klar war dann, weshalb die Suche der Geheimdienste nach diesen Geheimnissen in Gang gesetzt worden war.
„Wir können auch eine kurze Reise in die Zeit der Errichtung dieses verglasten Stollens machen“, meinte Becker.
„Gerne“, erwiderte Wolf. Binnen weniger Sekunden befanden sich die beiden tief in dieser Höhle, wo sie eigenartige technische Geräte erblicken konnten, welche sich wie ferngesteuert an den Wänden bewegten. Es waren aber keine Menschen zu sehen. Außer gleißendem Licht und Rauch war nichts zu erblicken. Wolf konnte fast gar nichts sehen, da das Licht so dermaßen blendend war. Er wunderte sich, dass die Maschinen keinen großen Lärm erzeugten, eigentlich nur ein lautes Zischen. Wolf wollte unbedingt die Maschinen sehen und zwickte die Augen zusammen, aber das gleißende Licht war zu stark, um etwas zu erkennen.
„Bemühen Sie sich nicht, etwas zu sehen“, meinte Becker. „Das Licht macht dies fast unmöglich.“ Wolf war ziemlich enttäuscht. Er konnte lediglich erkennen, dass die Maschinen rasch an der Wand hin und her glitten. Wolf kam es so vor, als ob die Geräte in der Luft schweben würden. Er konnte sich nur vorstellen, dass diese Maschinen eine Art Laser waren. Wolf wartete auf eine Erklärung von Becker, die aber nicht kam. Ganz langsam entfernten sich die Maschinen Meter für Meter weiter von ihnen und hinterließen diese glatte Oberfläche. Wolf wollte diese gerade berühren, als Becker meinte:
„Greifen Sie da nicht hin, denn diese Fläche ist noch viel zu heiß.“ Auf einmal fiel Wolf auf, dass die bearbeitete Fläche noch leicht rauchte. Dies war ein sehr ungewöhnlicher Anblick. Außerdem konnte Wolf noch einen undefinierbaren Geruch feststellen, der aber nicht ganz Brandgeruch glich. Dieser war Gott sei Dank nicht beißend. Immer weiter entfernten sich die Maschinen nun von ihnen. Auch von weitem konnte Wolf weder die Maschinen noch die Umrisse erkennen. Becker stand immer noch schweigend neben Wolf. Als die beiden die Maschinen nicht mehr sahen, fragte Wolf Becker:
„Ist es wirklich nicht möglich, dass ich die Oberfläche berühren kann?“
„Warten Sie noch eine Minute, dann müsste diese abgekühlt sein.“ Für Wolf, welcher schon so gespannt war, verging die Minute unendlich langsam. Vorsichtig berührte Wolf die Verglasung. Sie fühlte sich noch warm an und war ganz glatt. Wolf leuchtete mit seiner Lampe ganz nahe an die Wand, um vielleicht doch etwas besser zu sehen. Leider konnte er überhaupt nichts erkennen, nur dass die Oberfläche spiegelglatt und schwarz war. Wolf ging ein paar Meter an der Wand entlang und ließ seine Hand drübergleiten, um festzustellen, ob doch nicht ein paar Unebenheiten erkennbar waren. Er konnte aber nichts Derartiges bemerken. Wolf fiel nun auf, dass die Maschinen schon sehr weit von ihnen entfernt sein mussten, da das Zischen kaum mehr zu hören war. Es war schon ein eigenartiges Gefühl für Wolf, in diesem verglasten Gang zu stehen. Trotz der hervorragenden Leistung von Wolfs Lampe war es ziemlich dunkel. Wolf drehte sich zu Becker und sagte:
„Nun haben Sie mir gezeigt, wie diese Tunnel entstanden sind. Können Sie mir auch mitteilen, für welche Zwecke diese genutzt wurden?“ Ohne eine Antwort zu geben, nahm Becker Wolf beim Handgelenk, und in der nächsten Sekunde standen sie in der wesentlich größeren Hologrammhöhle, welche Wolf vor Jahren bereits schon zwei Mal besucht hatte. Wolf erkannte die Höhle sofort. Auch hier versuchte Wolf, die glatten Wände mit seiner Hand zu betasten. Es war genauso wie in der Höhle unter Maria Gern, nur waren diese Wände kalt. Wolf wiederholte seine Frage. Becker schaute ihn an und meinte:
„Sie wissen doch selbst, welchen Zwecken diese dient? Sind Sie nicht durch diese Höhle gegangen und in einer anderen Zeit angelangt? Deshalb wurden diese Gänge angelegt.“ Nun hatte Wolf die mündliche Bestätigung von Becker erhalten, dass diese Höhlen für Zeitreisen genutzt wurden. „Nicht auszudenken, welche Möglichkeiten diese Höhle bietet“, dachte Wolf. Dieses Wissen durfte auf keinen Fall in falsche Hände gelangen.
„Da haben Sie Recht“, meinte Becker und riss Wolf aus seinen Gedanken, „deshalb dürfen ja auch nur bestimmte Personen den Ort dieser Höhlen wissen.“ Wolf sah den Illuminaten erstaunt an und nickte nur. Er konnte sich immer noch nicht daran gewöhnen, dass Becker seine Gedanken lesen konnte. Wolf konnte sich ausmalen, was geschehen würde, sollte diese Höhle missbraucht werden.
„Aber um dies zu verhindern, gibt es einige Personen“, beruhigte Becker Wolf.
„Dann könnte man sie ja als Wächter bezeichnen“, sagte Wolf.
„In gewisser Weise stimmt das“, antwortete der Illuminat lächelnd.
„Also haben diese Dinge nichts mit Außerirdischen zu tun, sondern wurden von Zeitreisenden erbaut“, hakte Wolf nach.
„Das soll aber nicht bedeuten, dass es keine Außerirdischen gibt“, meinte Becker, „doch zumindest diese Sachen sind eindeutig von Zeitreisenden geschaffen worden.“ Obwohl Wolf sehr gerne gewusst hätte, worum es sich bei der Technologie in diesen Höhlen handelte, wagte er nicht danach zu fragen, da er darauf bestimmt keine Antwort erhalten hätte. Eine Frage jedoch stellte er dem Illuminaten trotzdem:
„Können Sie mir noch einen Hinweis zu dem Fahrrad, welches die Buben in dem Stollen gefunden haben und welches aus dem Jahr 2035 stammen soll, geben?“ Becker meinte:
„Dieses Fahrrad hätte niemals in dieser Zeit landen dürfen, und deshalb werde ich es nun wieder in die Zukunft bringen. Es ist noch zu früh, dass die Antriebstechnik dieses Fahrrades in Ihrer jetzigen Zeit bekannt gemacht wird.“ Nach diesen Worten nahm Becker Wolf am Handgelenk und im nächsten Augenblick befanden sie sich wieder in Wolfs Büro. Ohne ein Wort zu sagen, verschwand Becker in der nächsten Sekunde.
3 Sterne
Aktuelles Geschehen vermisst - 06.12.2021
Eva Groenke

Leider geht der Autor nicht darauf ein, ob der General vorhat, in D.oder Ö. jetzt endlich einzugreifen. Es wird nur fälschllicherweise gesagt, dass Corona in 1 Jahr vorbei sein soll. Dass jetzt eine Impfdiktatur mit Pflichtimpfungen kommen soll und wie der General oder auch Die Anderen oder Becker, da eingreifen, wollen, wird nicht thematisiert - dann wohl erst in 1 Jahr in Band 14, soweit dieser dann nicht von der Realität eingeholt wurde.Vielleicht sollte jeweils der nächste Band nicht zwingend im Oktober erscheinen, sondern wirklich erst, wenn Wichtiges passiert ist oder passieren wird. Dass mit der Uhr ist zwar wichtig, hätte aber zeitlich auch in der Zukunft gepasst, wie das Treffen mit dem Raben. Anderes war in diesem Band leider nicht wichtig. Zumal sich Wolf auch noch nicht an die Geschehnisse um Kammler am Anfang des Buches erinnern kann.

4 Sterne
Gerne noch mehr Statements vom General und Becker... - 29.10.2021
Inge

... zur derzeitigen weltpolitischen und speziell deutschen Situation.Das wäre wünschenswert gewesen, denn wenn man sich an einige vorige Bände diesbezüglich erinnert (ich glaube, es waren 8 und 9), dann haben die damaligen Gespräche doch mehr als elektrisiert. Was macht der General zur Zeit, um auf seine Weise und der seiner Leute die Befreiung zu unterstützen/voran zu treiben, um die große Umwälzung Wirklichkeit werden zu lassen? Natürlich ist dem Leser bewußt, daß er "nicht aus dem Nähkästchen" plaudern wird, aber ein paar Informationen zu dieser riesigen globalen Militärbefreiungsaktion, die stattfindet, wären schon hilfreich gewesen. Auch Becker hält sich in diesem Buch einigermaßen bedeckt mit Informationen - muß er wohl auch, um die Zukunft nicht in irgendeiner Weise zu verändern, die nicht erwünscht ist. Zumindest lassen die Notizen von Wolf aus seiner Zeitreise doch vermuten, daß der General wesentlich spiritueller ist als wir bisher immer dachten... :-) Ja, am Untersberg passiert eine Menge 2021 - alles Dinge, die einen erstaunen lassen und die einen sogar begeistern. Es macht unglaublich Hoffnung! Und daß dieser Krieg gegen die Menschheit in höheren Sphären bereits gewonnen ist und der Sieg jetzt nur noch mehr und mehr heruntereskaliert werden muß, in unsere 3D-Realität wird immer klarer. Es wird dem Leser im Nachhinein bewußt, weshalb Becker dem General vor einigen Jahren eindringlich empfohlen hat, nicht "mit der Brechstange" das deutsche Volk zu befreien (als er wohl kurz davor stand). In den vergangenen 18 Monaten haben viele von uns einen gewaltigen Bewußtseinssprung gemacht - und das ist es wohl, was damals Becker meinte (aber nicht sagen konnte). Weil dieser Sprung unabdingbar für die Zukunft ist!Ich habe mich über dieses Buch sehr gefreut, auch weil ich die meisten der beschriebenen Stellen inzwischen kenne. Und Kapitel 9 hat mir ein besonders erfreutes Grinsen entlockt, weil es einfach zu verrückt war....Danke, lieber Stan! Mach weiter so, denn diese Geschichte ist noch nicht am Ende! :-)

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