Sonstiges & Allerlei

So war der Urlaub nicht geplant

Theres Latour

So war der Urlaub nicht geplant

Eine wahre Geschichte

Leseprobe:

Vorwort

Eigentlich sollte der Urlaub einer der schönsten Abschnitte des Jahres sein.

Doch es gibt auch Momente im Leben, die kann kein Mensch planen oder sogar voraussehen.

Ein Urlaub kann sogar das Leben verändern.

Positiv, aber auch negativ.

Sogar so weit, dass ich mich entschlossen habe, dieses Buch zu schreiben.

Ohne zu übertreiben, ist diese Geschichte wirklich geschehen, dazu brauchte es keinen Regisseur!


******


Karl und ich fuhren zu Ottilie, genannt Otti, um ihr den versprochenen Einkauf zu bringen. Als wir im Gasthaus ankamen, war auch Franz, ihr Mann, anwesend.
„Ja, hallo!“, rief er.
„Servus, Franz!“, begrüßten auch wir ihn.
Ottilie wurde mit Küsschen von uns beiden begrüßt, wie üblich. „Wo fahren wir denn heuer in der letzten Augustwoche hin? Nach Pescara aber nicht, denn wir haben in dieser Woche das Wirtefest und da möchte ich dabei sein. Gut, zumindest die ersten drei Tage.“
„Moment, davon weiß ich aber noch nichts! Ich dachte, die letzte Augustwoche ist Urlaub!“, entfuhr es Otti spontan.
„Wir fahren auf alle Fälle ans Meer. Überlegt es euch, ob ihr mitfahren wollt“, so Karl.
„Du, wir müssen weiter! Bei mir in der Firma warten die Kollegen schon sehnsüchtigst auf mich, besser gesagt, auf meinen selbst gebackenen Kuchen.“
Bussi, Bussi. „Ruft uns an!“ „Bis bald!“
Wir stiegen in unser kleines Stadtfahrzeug. „Was machen wir wirklich?“, fragte ich Karl. „Was ist, wenn ich Tomislav anrufe und ihn frage, ob er uns wieder ein Boot besorgen kann?
Ottilie könnte mit uns mitfahren und Franz kann nachkommen“, so Karl.
„Warte, ich rufe sofort Ottilie an.“ Ich nahm mein Handy aus der Tasche und rief Otti an: „Du, Otti, was wäre, wenn wir uns ein Boot mieten und nach Biograd fahren? Du fährst mit uns und Franz könnte nachkommen. Frage ihn einmal.“
Darauf Ottilie: „Er ist noch da. Franz, warte! Ich muss dir was erzählen.“
Ich wartete mit eingeschaltetem Handy auf Antwort. Es vergingen keine fünf Minuten, da meldete sich Ottilie wieder: „Hallo, hallo, bist du noch dran?“
„Ja, was gibt’s?“ Ich schaltete sofort den Lautsprecher ein, damit Karl auch mithören konnte: „Keine schlechte Idee von euch, hat Franz gemeint. Besorgt ihr auch das Quartier? Du, ich hab es jetzt eilig, aber melde dich, bitte, sobald ihr einen Plan habt. Also bis später!“
„Hast du mitgehört?“, fragte ich Karl.
„Natürlich, ich rufe sofort Tomislav an, der soll uns ein großes Motorboot besorgen. Denn dieses Mal brauchen wir unbedingt ein größeres Boot. Hast du die Nummer?“
„Wieso ich?“
Karl: „Das fängt schon gut an!“
„Pass auf, ich kümmere mich um das Quartier und um das Boot.“
„Gut, dass es Handys gibt, denn auf der Fahrt in die Arbeit den Urlaub zu buchen, wäre früher nicht gegangen, oder?“
„Hallo, Tomislav, ich bin’s, Karl. Wie schaut’s aus, könntest du uns ein Boot bei Romano buchen? Die letzte Augustwoche. Wie wir ja wissen, bist du mit den Appartements ausgebucht, oder hat jemand storniert? – Ja, du kannst mich unter dieser Nummer erreichen. Danke, bis später! – Romano ist gerade fischen. Er ruft zurück.“
„Ich gehe heute später aus der Firma. Ich kann ja nicht so spät kommen und früher gehen. Das tut man wirklich nicht! Bussi, Schatz!“
„Bussi, wir hören voneinander.“
Um 17 Uhr kam Karl, um mich von der Firma abzuholen. Meine erste Frage: „Na, warst du erfolgreich?“
Karl: „Natürlich, Boot ist organisiert, nur Unterkunft musst du beim Reisebüro besorgen.“
Gleich zückte ich mein Handy und begann die Nummer des Büros zu suchen: „Kein Problem! Warte, wo ist er? Ah, da!“ Nach ein paar Drückern auf dem Handy: „Herr Meier? Begrüße Sie, könnten Sie mir, bitte, Unterlagen über Kroatien, Region Biograd, Sucosan, usw. vorbereiten? Ich komme in ca. 15 Minuten vorbei. Danke!“
Wieder vom fahrenden Kleinbüro alles gemanagt.
Parkplatz fand Karl natürlich vor dem Reisebüro keinen, so ließ er mich aussteigen und ich huschte schnell ins Reisebüro. Herr Meier erwartete mich schon. Mit einem Lächeln streckte er mir die Hand zum Gruß entgegen: „Begrüße Sie, habe für Sie zwei Anbieter vorbereitet. Bin mir sicher, dass Sie auch etwas finden werden.“
„Hallo, wie immer, Herr Meier, danke Ihnen vielmals.“
„Na gerne, nehmen Sie doch Platz!“
„Nein, danke, Herr Meier. Ich bin sehr in Eile. Mein Mann hat keinen Parkplatz gefunden und daher wird er schon ein paar Runden um Ihr Büro fahren. Auf Wiedersehen. Danke noch einmal. Ich werde mich melden.“
Schnell verließ ich das Reisebüro und suchte nach einem kleinen blauen Auto. Leider war keines weit und breit zu sehen. Deshalb rief ich Karl an, aber mein Vorhaben wurde durch ein lautes Hupen unterbrochen. „Bin ein paar Runden gefahren, kein Parkplatz zu finden! Komm, steig bitte schnell ein! Hast du was bekommen?“
„Natürlich, ich habe alles bekommen!“
Auf dem Weg nach Hause blätterte ich die Kataloge hastig durch. Zu Hause stellte Karl das Auto in die Garage und ich bereitete den Kaffee zu. Die Unterlagen wurden neben Kaffee und Kuchen förmlich studiert. Schnell wurden wir fündig. Otti und Franz wurden sofort per Mail verständigt.

Am nächsten Morgen läutete das Telefon. Es war Otti: „Geht okay, wenn ihr mich mitnehmt. Der Herr Chef will dem Fest beiwohnen, kommt aber nach.“
„Kein Problem, wir haben damit gerechnet. Catherine freut sich auch schon, denn du darfst hinten bei ihr sitzen.“
„Nein! Hinten kann ich nicht sitzen, denn da brauch ich sicher einen Kübel, oder wollt ihr die Pizza im Auto serviert bekommen?“
„Werde ich eben bei Catherine hinten sitzen. Wir haben ja ohnehin ein Auto, das einem Wohnzimmer gleicht.“ Daraufhin Otti: „Und ich darf mit Karli die Musik auswählen, hahaha!“
„Franz kommt dann am Montag nach oder wie sehe ich das?“
„Ja, wenn er dort hinfindet, denn Navi besitzt er keines!“
„Wir werden ihm schon eine Karte und eine genaue Beschreibung mitgeben.“
Ottilie und ich hatten damit den Urlaub fixiert.

Die Monate vergingen wie im Flug und es war Freitagabend im August. Otti wurde mit dem Chrysler 300M abgeholt. Mit von der Partie war unsere Tochter Catherine, 15 Jahre alt. Die Oma und Franz standen im Hof des Gasthauses zur Verabschiedung bereit. Letzte Details wurden ausgetauscht. Langsam rollte unser voll beladenes Auto auf die Hauptstraße des kleinen Ortes. Schon ging es los: „Bin gespannt, ob Franz überhaupt am Sonntag in der Nacht von hier wegkommt.“ Ottilie war plötzlich nachdenklich. Karl bemerkte dies und stupste Ottilie in ihren Oberarm: „Mach dir keine Gedanken, das werden wir alles am Montag sehen!“
„Haha“, lachte Catherine. Sie kannte Franz auch schon länger von den gemeinsamen Urlauben.
Die Nacht war sternenklar. Herrlich! Die Autobahn fast leer. Je südlicher wir fuhren, umso mehr fiel uns auf, dass sehr viele Autos mit tschechischem Kennzeichen unterwegs waren.
„Siehst du, was das ausmacht, dass die Grenzen nun offen sind. Nun ist bei unseren Nachbarn auch so ein Urlaub möglich, der für uns immer selbstverständlich war. Es sei ihnen vergönnt!“, bemerkte ich.
„Na, hoffentlich müssen wir nicht tschechisch lernen, um uns dort unterhalten zu können, haha!“, meinte Otti.
Die Fahrt gestaltete sich lustig, und da ich immer genug Essen eingepackt hatte, wurde auch während der Fahrt ordentlich gespeist. „Na, so etwas gibt es bei mir nie“, so Otti.
„Warum nicht?“, fragte Karl, „gerade das macht die Fahrt schon zum Urlaub.“
„Franz will immer wo stehen bleiben, Kaffee trinken usw.“, erklärte Ottilie.
„Ja, das wissen wir, daher seid ihr auch immer Stunden später als wir am Ziel. Da sind wir schon Runden geschwommen und haben das dritte Eis geschleckt, haha!“, lachte Karl und wir dazu.
Die erste Grenze überschritten wir soeben. Die Autobahnpolizei kontrollierte die vorbeifahrenden Fahrzeuge genau, denn die Mautpickerl waren eine neue Einkommensquelle für Slowenien. Karl hatte diese schon beim Autoclub besorgt und natürlich auch schon auf die Windschutzscheibe geklebt und daher nahmen wir auch nicht viel Kenntnis davon.
Die kroatische Grenze passierten wir um 3 Uhr morgens. Der Horizont war grau und rötlich. Wunderbar, dies zu erleben.
Jedes Mal ein Naturschauspiel. Den ersten Autobahnkontrollpunkt erreichten wir auch. Eine Karte wurde gezogen und weiter ging es in den ersehnten Süden. Die nächste Tankstelle wurde angefahren, natürlich um zu tanken, aber auch, um die Toiletten zu benützen, denn es war schon höchste Zeit! Karl kaufte sich Kaffee, Catherine eine heiße Schokolade, Otti und ich nur einen Kuchen, denn Mineralwasser hatten wir mit. Gut gestärkt und sehr gut gelaunt stiegen wir wieder ins Auto. An Franz wurde nicht mehr gedacht. Die Sonne stand schon am Himmel. Die Wärme wurde auch schon spürbar. Die Klimaanlage wurde höher gedreht.
Herrlich. Einfach herrlich! „Schaut, da glitzert es schon blau!“, kam es freudig aus Ottilies Mund.
„Traumhaft!“, entfuhr es mir.
„Wunderschön!“, piepste Catherine, denn sie hatte bis jetzt gut geschlafen. Wie immer.
Die steinige Küste, den Anfang der Kornaten, konnte man schon deutlich erkennen. Ein eigenartiges Flair lag nun in der Luft. In der Nacht noch Autobahn – jetzt Urlaub pur, obwohl wir noch im Auto saßen. „Bin ich froh, dass wir diese Entscheidung getroffen haben, ich müsste sonst Standln aufbauen helfen.
Nicht nur das, auch das Essen mit den anderen Wirten zubereiten. Ich will nicht daran denken! Ich bin nur froh! Ich kann euch das nicht oft genug mitteilen!“, sagte Ottilie so richtig erleichtert.
„Wir freuen uns auch, das kannst du uns glauben, denn wir wissen, wie diese Aufgaben jedes Mal deine Nerven beanspruchen. Honiglecken ist das sicher nicht, alleine nur wenn ich mir vorstelle, dass du als Wirtin jetzt alles machen sollst, was andere wollen“, bemerkte Karl.
Lustig ging die Fahrt dem Ziel entgegen, um nicht zu sagen, der Sonne entgegen, die nun immer heißer durch die Windschutzscheibe zu spüren war. Aber wir wollten es so.
Sommerurlaub musste heiß sein!
Der kleine Ort Bjibinj wurde per Navi schon angekündigt, denn dort lag unser bestelltes Motorboot im Hafen. Wir bogen in die Hafenpromenade ein. Palmen säumten diese. Blaues Meer glitzerte im Sonnenlicht. Herz, was wolltest du mehr!

Parkplatz fanden wir gegenüber einem kleinen Lokal. Der Ober servierte den Gästen schon das Frühstück. Auch wir wollten uns stärken. Für mich war wieder einmal nicht viel zum Essen dabei. Aber der Kluge sorgt bekanntlich vor und ich habe natürlich mein Essen von zu Hause mitgenommen. So bestellten wir also nur Tee und Kaffee.
Catherine hängte das Säckchen mit Tee in das Häferl, in dem heißes Wasser war, wartete zwei Minuten und entsorgte danach dieses. Doch plötzlich hielt Otti ihre Hand und meinte: „Das kannst du doch noch nicht wegschmeißen! Da kann man doch sicher noch einen oder zwei Tees zubereiten.“
„Das ist aber nicht dein Ernst?“, fragte Karl ungläubig.
„Warum nicht? Ich stecke meinen Teebeutel ein und so habe ich später noch einen. Das mache ich immer so“, entgegnete Otti.
„Ah, Telefon, seid bitte ruhig. Tomislav ruft an“, unterbrach Karl. Cathy und Otti gaben Karl per Handzeichen bekannt, dass wir einen Hafenrundgang machen wollten. Karl nickte.
Ausgerüstet mit unseren Handtaschen und einem Getränk starteten wir Richtung Fährhafen. „Bin schon gespannt, wie das Motorboot aussieht“, murmelte Otti vor sich hin.
„Na schau, ich denke so ähnlich. Genau kann ich es dir auch nicht sagen. Tomislav hat es Karl ungefähr so beschrieben. Lassen wir uns halt überraschen“, entgegnete ich. „Okay!“ Munter spazierten wir an den Booten vorbei. Herrlich anzusehen.
„Schau, Karl steht da drüben! Ist das eine Frau?“, fragte Otti und zeigte auf die andere Seite des Hafens. „Wirklich! Schau, er steht bei einem Boot. Nein, das ist Romano. Der hat langes Haar“, klärte ich Ottilie auf.
Cathy wurde jetzt auch neugierig. Sie war noch ein wenig schläfrig. „Ja, ja, das ist Papa. Er steigt schon in das Boot!“
„Wisst ihr was?“, kam es spontan von mir.
„Na, was?“, fragte Catherine.
„Wir machen kehrt!“, befahl ich.
„Und wohin?“, erkundigte sich Ottilie.
„Zum Motorboot! Juhu!“, frohlockte ich. Gesagt und getan. Schnellen Schrittes und voller Tatendrang ging es Richtung Karl.

„Wo ist Romano?“, erkundigte ich mich.
„Der ist schon mit seiner Frau und seinem kleinen Mädchen wieder gefahren. Erklären hat er mir ohnehin nicht viel müssen. Das Boot ist neu. Die Nachfrage nach dieser Größe war heuer so hoch, dass er für uns ein neues besorgen hat müssen. Toll, oder?“, erzählte uns Karl euphorisch.
„Hast du ihm das Geschenk für die Familie und für die Kinder gegeben?“, fragte ich ihn, denn auf solche Dinge vergisst Karl oft.
„Wo denkst du hin? Ich doch nicht!“
Lachend entfernten wir uns vom Anlegeplatz und steuerten unser Auto an. Die Sonne, die mittlerweile den Höchststand erreicht hatte, machte aus diesem einen Hochofen.
„Puh!“, entfuhr es uns allen, als wir die Autotür öffneten.
„Die Klimaanlage stelle ich sofort hoch ein. Bitte lasst die Fenster zu“, erklärte uns Karl.
„Zu Befehl!“, entgegnete Otti mit einem Lächeln. Mit einem kühlenden Gebläsegeräusch schlängelten wir uns mit dem großen, breiten Auto durch die sehr engen Gassen. Eine Autoschlange bildete sich vor uns, denn die Müllabfuhr war im Einsatz. Ruckweise ging es nur voran. Stehen, bewegen, stehen, bewegen, … Der Motor lief heiß.
Endlich bogen wir am Meer in eine enge Seitengasse ein und die Müllabfuhr blieb hinter uns. Laut Navigation hatten wir unser Appartement erreicht. Wirklich, wir bogen in einen Park ein. Dort standen schon einige Autos. Piniennadeln lagen zentimeterhoch am Boden.
„Raus, raus, schnell raus! Wir brennen!“, schrie Karl panisch.
„Wo“, entfuhr es Catherine entsetzt.
„Warte, ich muss die Papiere noch holen, die Handtasche, schnell! Die Türen macht zu!“
„Wo ist der Feuerlöscher?“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 74
ISBN: 978-3-99064-536-9
Erscheinungsdatum: 28.01.2019
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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Herbstlektüre