So hatte ich mir meine Pension nicht vorgestellt

So hatte ich mir meine Pension nicht vorgestellt

Edith Slapansky


EUR 16,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 256
ISBN: 978-3-99107-414-4
Erscheinungsdatum: 08.11.2022
So hatten sich die Pensionäre ihren wohlverdienten Ruhestand nicht vorgestellt. Dabei sind die Probleme vielfältig: weniger Geld, ein gelangweilter Ehepartner, der mit seiner vielen Zeit nichts anzufangen weiß, Alkoholismus, Spielsucht und dergleichen mehr…
Julia und Bayram

Julia war mit ihren sechzig Jahren noch eine sehr attraktive Frau. Sie war erst seit zwei Monaten in Pension und hatte ihr großes Glück – einen über dreißig Jahre jüngeren Mann – bei ihrer Abschiedsfeier in der Firma kennengelernt. Sie war bis zu diesem Tag Bilanzbuchhalterin in einem großen Unternehmen, und dementsprechend großartig war auch ihre Verabschiedung für treue Dienste. Bei dieser Feier begegnete ihr der junge Mann, den sie vom Sehen aus der Betriebskantine kannte. Er war in der Küche der Kantine beschäftigt und half bei ihrer Abschiedsparty am Buffet aus und kümmerte sich um die Wünsche und das Wohlergehen der Gäste. Den ersten persönlichen Kontakt hatte Julia mit ihm am Buffet, als er ziemlich direkt mit ihr flirtete, um auf sich aufmerksam zu machen. Der fesche junge Mann gefiel Julia und sie lächelte über seine kleinen Späße, die er machte, um sie zum Lachen zu bringen. „So ein netter Kerl. Schade, dass ich schon so alt bin, ansonsten könnte er mir noch gefährlich werden“, dachte Julia bei sich.

Mit Beharrlichkeit, Charme und Ausdauer hatte es Bayram, so hieß der junge Mann, bis in Julias Schlafzimmer geschafft. Er wohnte schon bald ständig bei ihr, zum großen Verdruss ihrer einzigen Tochter Valerie. Diese machte ihrer Mutter ständig Vorwürfe, dass sie sich diesen fremden jungen Mann in ihr Haus genommen hatte und meinte: „Schließlich ist es doch wohl ganz offensichtlich, dass er es auf dein Geld abgesehen hat. In deiner blinden Verliebtheit merkst du es nicht einmal.“ „Könnte es sein, dass du dir mehr Sorgen um mein Geld machst als um mein Wohlbefinden? Es wird genug Geld für dich bleiben. Ich genieße meine Verliebtheit voll und ganz. Bayram trägt mich förmlich auf Händen, und welcher Frau tut das in meinem Alter nicht gut? Es hat nichts mit dem Alter zu tun, geliebt zu werden“, sagte Julia. „Ich gönne dir diese Liebe doch. Aber deshalb muss er doch nicht gleich bei dir wohnen. Was soll dein Enkelkind dazu sagen, wenn plötzlich ein fremder junger Mann bei seiner Oma wohnt?“, sagte Valerie. „Dem Sascha (so hieß ihr Enkel,) wird es sicher egal sein, ob seine Oma einen Freund hat oder nicht. Zwischen Sascha und mir ändert sich deswegen nichts“, meinte Julia. „Das glaube ich kaum, sooft, wie du mit deinem neuen Freund unterwegs bist, ist deine Zeit für Sascha ziemlich eingeschränkt“, sagte Valerie. „Wir sind doch meistens nur an den Wochenenden unterwegs, tagsüber geht Bayram seiner Arbeit nach. Also habe ich untertags genügend Zeit für Sascha. Außerdem bin ich niemandem Rechenschaft schuldig“, sagte Julia. „Das erwartet auch niemand von dir. Aber einem fremden Mann, den du erst so kurz kennst, schenkst du ganz einfach zu viel Vertrauen. Und ich werde mir wohl noch Sorgen um meine Mutter machen dürfen. Er fährt, nur zum Beispiel, ständig mit deinem neuen Auto. Warum fährt er nicht in seinem eigenen Wagen, wenn er keine Ambitionen hat? Ich wünsche mir nur, dass du eines Tages nicht draufzahlst“, sagte Valerie.

In weiterer Folge machte sich Julia schon Gedanken über Valeries Worte. Aber sie wusste genau, dass da auch ein wenig Eifersucht mit im Spiel war. Schließlich waren Valerie und Sascha bis jetzt alleine der Mittelpunkt in ihrem Leben. Plötzlich hatten sie einen Konkurrenten, was Valerie wahrscheinlich missfiel. Für ihren Enkel hatte Julia trotzdem immer noch genügend Zeit. Wenn Bayram tagsüber arbeitete, holte sie Sascha nach wie vor einige Male in der Woche von der Schule ab. Dabei war Sascha natürlich nicht entgangen, dass seine Oma ihn nicht mehr mit ihrem großen, schönen Auto abholte, sondern mit einem alten, kleinen Wagen, was er seiner Mutter natürlich sofort weitererzählt hatte. Daher Valeries Vorwurf wegen des Autos.

Immer, wenn Julia ihren Enkel von der Schule abholte, fuhr sie mit ihm anschließend in eine Pizzeria oder Konditorei, was Sascha sehr genoss. Er war eben eine Naschkatze. Meistens übernahm er sich beim Essen und so schaute er auch aus. Er war mit seinen zwölf Jahren schon ziemlich übergewichtig, woran seine Großmutter nicht ganz unschuldig war. Sie nahm ihn auch regelmäßig mit in den Urlaub, den sie mit ihren beiden Freundinnen verbrachte. Dort wurde er von drei Frauen verwöhnt.

Sascha war sehr gut erzogen und hatte für sein Alter ausgesprochen gute Manieren. Er war charmant zu den Freundinnen seiner Oma, was bei diesen natürlich gut ankam. Sascha war es als Einzelkind gewohnt, immer im Mittelpunkt zu stehen, und plötzlich gab es noch einen anderen Mann im Leben seiner Oma. Darum stellte er ihr eines Tages die Frage: „Hast du deinen neuen Freund jetzt lieber als mich?“ „Warum sollte ich den Bayram lieber haben? Du bist und bleibst mir der liebste Schatz. Aber trotzdem kann ich noch zusätzlich viele andere Freunde haben, ohne dass sich an meiner Liebe zu dir etwas ändern würde“, sagte Julia. „Aber warum borgst du ihm dein neues Auto und fährst mit seinem alten Wagen?“, wollte Sascha wissen. „Bayram wollte gerne einmal ausprobieren, wie es sich in einem Mercedes fährt, und das habe ich ihm erlaubt“, sagte Julia. „Aber wenn er doch jetzt bei dir wohnt, kann ich dann trotzdem noch manchmal bei dir übernachten?“, fragte Sascha. „Es bleibt alles beim Alten. Du wirst wie jedes Jahr in den Sommerferien mit meinen Freunden und mir an die Riviera fahren, und Bayram wird dabei sein. Du solltest ihn kennenlernen. Vielleicht versteht ihr euch sogar gut“, meinte Julia. „Oma, du weißt doch, dass Mama und Papa das nicht wünschen, und da werde ich es lieber lassen. Dann wird es mit unserem gemeinsamen Urlaub in diesem Jahr wahrscheinlich nichts werden, weil die Mama es mit Sicherheit nicht erlauben wird. Ich habe nämlich gehört, wie sie zum Papa gesagt hat: „Der Kerl ist ein raffinierter Schwindler. Er nutzt meine Mutter mit seinem billigen Machogehabe nur aus. Und meine Mutter fällt auf so was rein – verstehst du das? Mama geht blind in ihr Verderben. Die Südländer verstehen es bei uns, den älteren Frauen mit ihrer billigen Masche den Kopf zu verdrehen und sie ist nicht die Erste, die da drauf reinfällt.“ Aber bitte, Oma, sag der Mama nicht, was ich dir jetzt erzählt habe, sonst bekomme ich Ärger mit ihr“, sagte Sascha. „Ich verrate dich schon nicht bei deinen Eltern. Wie ich jetzt mitbekommen habe, hast du recht, dass du in diesem Jahr nicht mit uns mitfahren darfst. Es tut mir natürlich leid für dich. Du kannst dann wohl nur zu mir kommen, wenn Bayram nicht im Haus ist“, sagte Julia.

Valerie erlaubte ihrem Sohn tatsächlich nicht, wie üblich mit seiner Oma und ihren Freundinnen an die Riviera zu fahren, weil Bayram mitfuhr. Natürlich war Sascha traurig und seine Oma ebenso. Aber Julia wollte sich nicht von ihrer Tochter zwingen lassen, sich von Bayram zu trennen. Also fuhr sie mit ihm und ihren Freunden Carola mit Ehemann sowie Beate mit Lebensgefährten an die Französische Riviera. Sie waren schon lange gute Freunde, die sich untereinander gut verstanden und gerne ihren Urlaub miteinander verbrachten. Sie fuhren seit Jahren immer an den gleichen Ort. Ein wenig traurig waren sie schon, weil Sascha zum ersten Mal nicht mit dabei war. Nur weil Julias Tochter Bayram für einen Gauner hielt. Natürlich kann man in keinen Menschen hineinschauen.

Julia und Bayram bezogen anstandshalber getrennte Zimmer. Diesen Anlass nutzte Bayram, um Julia einen Heiratsantrag zu machen: „Julia, ich liebe dich, willst du meine Frau werden? Dann können wir in aller Öffentlichkeit als Mann und Frau auftreten und müssen nicht in getrennten Zimmern schlafen.“ „Dein Angebot ehrt mich, mein Liebster, aber es kommt für mich ein bisschen überraschend. Ich brauche ganz einfach Bedenkzeit und hoffe, dass du das verstehst“, sagte Julia. „Wahrscheinlich willst du zuerst mit deiner Familie darüber reden, ob du mich heiraten darfst. Aber dann können wir es gleich wieder vergessen. Sie würden niemals ihre Zustimmung geben, weil sie sowieso gegen mich sind“, sagte Bayram. „In meinem Alter, mit dem Altersunterschied, sollte man so einen Schritt gut überlegen“, meinte Julia. „Na gut, dann vergessen wir es wieder. Es war nur so eine Idee von mir“, sagte Bayram enttäuscht. „Jetzt bist du beleidigt, wie ich sehe. Aber du solltest mich auch verstehen“, sagte Julia.

Bei aller Verliebtheit wollte Julia auf keinen Fall unüberlegt handeln. Noch dazu, da sie ganz genau wusste, dass ihre Tochter sich sowieso schon für sie schämte, weil ihre Mutter einen jüngeren Geliebten hatte und noch dazu einen Ausländer. Das wollte sie ihr nicht auch noch antun. Nein, heiraten wollte sie auf keinen Fall. Sie konnten auch ohne Trauschein miteinander leben und bei einer Trennung würde es keine Probleme geben. Julia musste bei dem Altersunterschied sowieso früher oder später damit rechnen, dass ihm eine jüngere Frau über den Weg lief, die altersmäßig besser zu ihm passte. Aber momentan wollte sie die Zeit mit ihm genießen und alles Weitere an sich herankommen lassen.

Die schönen Tage an der Riviera vergingen allzu rasch mit Aktivitäten wie Schwimmen, Segeln, Golfen und die Abende an der Bar mit Musik und Tanz. Ganz nach Bayrams Geschmack. So gefiel ihm das Leben an der Seite von Julia. Daran könnte er sich gewöhnen. Julia konnte sich ihren Liebsten leisten und hatte eine schöne Zeit mit ihm.

Die ersten kleinen Probleme stellten sich nach dem Urlaub ein. Nach den zwei wunderschönen Wochen an der Riviera taugte ihm seine Arbeit plötzlich nicht mehr. Er brachte zum Ausdruck, dass die Arbeit, die er verrichtete, eigentlich zu minder für ihn sei. Auch der Lohn war ihm zu gering. Auf alle Fälle schwebte ihm etwas Besseres vor. „Was hast du dir denn vorgestellt, und welche Fähigkeiten hast du vorzuweisen?“, fragte Julia. „Ich kann sehr gut kochen. Wenn ich selbstständig wäre, sozusagen mein eigener Chef sein könnte, müsste ich mich nicht ständig von dir aushalten lassen. Dann würde ich ganz anders vor dir dastehen und käme mir nicht wie ein Schmarotzer vor“, meinte Bayram. „Wie meinst du das mit ‚selbstständig machen‘? In welcher Branche könntest du dich denn selbstständig machen? Hast du dafür überhaupt die finanziellen Mittel?“, wollte Julia wissen. „Zum Beispiel mit einem Caféhaus, einer Pizzeria oder etwas Ähnlichem. Natürlich fehlen mir dafür die finanziellen Mittel, und als Ausländer bekomme ich auch keinen Kredit – ohne Bürgen“, sagte Bayram. „Dabei hast du sicher an mich gedacht, dass ich für dich bürgen soll? Aber mit solchen Dingen will ich nichts zu tun haben. Es würde nur zu Problemen zwischen uns führen. Es geht uns doch gut, so wie es ist. Außerdem hast du viel Freizeit in deiner jetzigen Arbeit, die du als Selbstständiger sicher niemals haben wirst“, sagte Julia. „Aber ich würde viel besser zu dir passen, und es täte meinem Selbstwertgefühl als Mann sehr gut. Deinem Ansehen würde es auch nicht schaden, wenn du einen Geschäftsmann als Liebsten hast“, meinte Bayram.

„Bürgen will ich auf keinen Fall für dich, ohne vorher mit meiner Tochter gesprochen zu haben“, sagte Julia. „Du weißt doch, was deine Tochter von mir hält. Deshalb würde es auch nichts bringen, wenn du mit ihr sprichst. Du musst schon selber entscheiden, ob du lieber einen Mann willst, der ein Mann ist, oder einen ausgehaltenen Liebhaber“, meinte Bayram leicht gereizt.

Für einen kurzen Augenblick musste Julia an Valeries Worte denken: „Bayram ist nur hinter deinem Geld her.“ Sie sagte darum: „Wer gibt mir die Garantie, dass du mir das Geld zurückzahlst? Falls du in Zahlungsschwierigkeiten gerätst, muss nämlich ich als Bürge zahlen.“ „Wenn das Geschäft gut läuft, sehe ich kein Problem, warum du für mich zahlen solltest. Ich werde natürlich um einen guten Geschäftsgang meines eigenen Geschäftes sehr bemüht sein“, ereiferte sich Bayram. „Wenn es dir so am Herzen liegt, werde ich einen Weg finden, dass du dich selbstständig machen kannst. Ich möchte ja nicht, dass du an meiner Seite unglücklich bist und dein Selbstwertgefühl darunter leidet“, sagte Julia. „Julia, du bist wunderbar! Ich wusste, dass du mich verstehst und warum ich dich so liebe. Ich werde dich sicher nicht enttäuschen, fleißig arbeiten und mich deiner großzügigen Geste würdig erweisen“, gelobte Bayram. „Ich hoffe, dass du mich nicht nur deshalb liebst, weil ich deine Wünsche erfülle. Sonst wäre ich sehr unglücklich“, sagte Julia. „Du weißt doch, dass meine Liebe zu dir nichts mit Geld zu tun hat. Aber wenn ich Erfolg habe, kannst du stolz auf mich sein, und ich fühle mich dir gegenüber als Mann nicht mehr unterlegen“, sagte Bayram. „Schau dich halt nach einem passenden Geschäft um. Sollte alles so funktionieren, wie du es dir vorgestellt hast, werde ich sogar die Buchhaltung für dich machen, denn darin habe ich genug Erfahrung“, sagte Julia.

Julia verwarf den Gedanken, ihre Tochter darüber zu informieren, dass sie die Absicht hatte, Bayrams Vorhaben zu unterstützen. Schließlich war es ihre Angelegenheit, und einen unnötigen Streit mit ihr wollte sie sich ersparen.

Bayram fand ziemlich schnell eine Pizzeria, die ganz nach seinen Vorstellungen war. Nicht allzu groß, aber völlig ausreichend für seine Ansprüche. Er war überglücklich, und Julia war ihm bei allen Amtswegen und finanziellen Angelegenheiten behilflich. Er war dankbar und stolz zugleich, endlich sein eigener Herr zu sein.

Zur Eröffnung seines Lokals veranstaltete Bayram eine kleine Einweihungsparty und lud viele Landsleute sowie seine ehemaligen Arbeitskollegen ein.

Julia hatte sich nach wie vor nicht getraut, ihrer Tochter von ihren Aktivitäten für Bayram zu erzählen. Aber jetzt blieb es ihr nicht länger erspart, weil sie nicht wollte, dass sie es von anderer Seite erfuhr. Deshalb lud sie Valerie zu einer Aussprache zu sich nach Hause ein. Natürlich war Valerie gespannt, was ihre Mutter ihr zu sagen hatte. Aber was sie dann zu hören bekam, ließ sie aus allen Wolken fallen, worauf ihre Mutter sich da eingelassen hatte. „Weißt du überhaupt, was du dir da eingebrockt hast? Was ist, wenn er seine Raten nicht zahlt? Dann musst du zahlen!“, empörte sie sich. „Das macht er sicher nicht, das hat er mir versprochen“, erwiderte Julia. „Mama, du weißt doch hoffentlich, was so ein Versprechen wert ist? Du hast doch in deinem Berufsleben genug erlebt. Ich hätte dich für klüger gehalten. Jetzt machst du den gleichen Fehler, vor denen man ältere Leute in der Zeitung oder im Fernsehen warnt“, sagte Valerie. „Das verstehst du nicht, Valerie. Ich liebe Bayram nun einmal, und warum sollte ich ihm nicht helfen? Er möchte mit mir auf einer Stufe stehen und nicht der ewige Abhängige sein“, sagte Julia. „In diesem Spiel wirst du langsam, aber sicher die Abhängige sein, wenn du so weitermachst. Ich sehe es schon kommen, dass er Schulden machen wird, die du bezahlen kannst. Dieser Schritt war sicher sehr unüberlegt von dir, und du musst dankbar sein, wenn du aus diesem Dilemma mit heiler Haut herauskommst“, meinte Valerie. „Was sagt dein Mann eigentlich zu meiner Liaison mit Bayram?“, fragte Julia ihre Tochter. „Er will sich aus allem heraushalten, um sich sein gutes Verhältnis zu seiner Schwiegermutter nicht zu verderben. Daniel ist auch der Meinung, dass das ausschließlich deine Angelegenheit sei und meint, auch ich sollte mich besser aus allem heraushalten. Aber dazu bin ich leider nicht imstande. Ich mache mir halt Sorgen und möchte nicht, dass meine Mutter draufzahlt und für den Rest ihres Lebens unglücklich ist, während sich dieser Kerl auf ihre Kosten ein schönes Leben macht“, empörte sich Valerie. „Valerie, wenn du noch lange so weitersprichst, machst du mir noch Angst. Aber ich will das Ganze nicht so negativ sehen und lasse es lieber auf mich zukommen. Weil ich an Bayram glaube und weiß, dass er mich nicht nur des Geldes wegen liebt“, sagte Julia darauf schon ein wenig verunsichert. „Sicher wird er dich mögen. Warum auch nicht. Du bist doch eine sehr schöne Frau. Trotzdem hätte ich nie geglaubt, dass gerade dir so etwas passiert“, sagte Valerie. „Auf alle Fälle tut es mir nicht leid, weil ich bis jetzt eine schöne Zeit mit ihm hatte und hoffe, dass dieser Zustand noch lange so anhält“, antwortete Julia jetzt sehr entschlossen. „Mama, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als dir viel Glück zu wünschen und dass es gut für dich ausgeht“, sagte Valerie.

Zu Bayrams Eröffnungsfeier ging Julia nicht. Bayram hatte nämlich auch Kollegen aus ihrer ehemaligen Firma eingeladen, denen sie verständlicherweise nicht unbedingt begegnen wollte, um neugierigen Fragen auszuweichen. Aber ans Schlafengehen konnte sie an diesem Abend natürlich auch nicht denken. Sie wollte auf alle Fälle munter bleiben, bis Bayram nach Hause kam. Schließlich wollte sie wissen, wie die Feier verlaufen war.

Als Bayram endlich in den frühen Morgenstunden nach Hause kam, war er vor lauter Aufregung völlig überdreht und wusste nicht, wo er mit dem Erzählen beginnen sollte. Aber als Erstes bedankte er sich noch einmal bei Julia, die es ihm ermöglicht hatte, sich selbstständig zu machen. Er war überglücklich, und als er sich ein wenig beruhigt hatte, berichtete er Julia ausführlich von der gelungenen Eröffnungsfeier.

Die Nacht war für beide sehr kurz, aber trotzdem wollte Bayram wegen der vielen Vorbereitungen wieder früh ins Geschäft. Schließlich konnte er nicht schon am ersten Tag nach der Eröffnung blaumachen. Natürlich war er auch aufgeregt, weil er wusste, was auf ihn zukommen würde. Auf seine Gäste wollte er natürlich am ersten Tag einen besonders guten Eindruck machen, damit sie sich bei ihm wohlfühlten.

Bayram schaffte es tatsächlich, innerhalb kurzer Zeit eine gut eingeführte Pizzeria auf die Beine zu stellen. Sein Lokal wurde in weiterer Folge sogar zum Insider Lokal. Daher blieb das Privatleben natürlich weitgehend auf der Strecke. Es blieb für Julia und ihn nur der Sonntag – der Ruhetag. Aber Julia wollte sich nicht beklagen. Bayram kümmerte sich wirklich mit vollem Einsatz um sein Geschäft und sie entlastete ihn mit der Buchhaltung, damit sie die knappe Freizeit nur für sich hatten.

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